FFVIII: Aomes Trianirea - Kapitel 5

Ziellos

verfasst von ShadowFlame und MfLuder

Squall dröhnte immer noch leicht der Kopf, während er alleine in einem dunklen Verhörraum saß und zum ersten Mal in Ruhe über die vergangene Nacht nachdenken konnte. Der Verhörraum war absolut karg eingerichtet, sah man mal von dem kalten, seelenlosen Tisch und den beiden unbequemen Stühlen ab.
Es war alles sehr schnell gegangen. Kaum zehn Minuten nach seinem Telefonat mit Rinoa war die Tür aufgeflogen und Polizisten waren hereingestürmt. Squall war nicht mal in der Lage gewesen, ihre Gesichter zu erkennen, so schnell hatten sie ihn überwältigt und abgeführt. Er hatte gerade noch mitbekommen, dass sie auch Cifer und Niida mitgenommen hatten. Doch gleich nach ihrer Ankunft im Polizeirevier waren sie getrennt worden.
Squall war sofort befragt worden. Man hatte ihm keinen Grund genannt, warum er festgehalten wurde, man hatte ihm nur endlos viele Fragen über seine Person, seinem Lebenslauf und schlussendlich über die Ereignisse in der Oper gestellt. Dann waren sie hinausgegangen und hatten gesagt, sie würden bald wiederkommen. Dies war vor einer Stunde geschehen.
Wie viele Überreste es von der gefallenen Diktatur in Galbadia noch gab, bemerkte man sofort, wenn man mit dem Gesetz in Konflikt geriet, dachte sich Squall, während er unruhig auf seinem Sitz hin und her rutschte. Die Zellen und die Verhörräume waren noch genauso dunkel und verkommen, wie zu den Zeiten von Deling und viele Leute des Wachpersonals hatten bereits unter Deling ihren Job getan. Unter diesen befanden sich also immer noch viele seiner alten Fans. Einer von ihnen, ein junger Polizist, hatte Squall verhört.
Squall schloss die Augen. Für einen Moment versuchte er einfach die Ruhe auf sich wirken zu lassen, doch sofort schossen ihm Bilder der jüngsten Ereignisse durch den Kopf. Die mächtige Hexe Prokylta mit ihren stechenden, verrückten Augen, die sterbenden Menschen in der Oper, sein Kampf mit der Hexe und schließlich Prokylta in Mitten der gewaltigen Feuerbrunst stehend, wie eine dunkle Göttin, ihre Mitstreiter verbrennend.
Und Rinoa auf der Strasse, ihm sagend, dass er nicht mehr nach ihr suchen solle...

Was soll ich tun? Du willst nicht gefunden werden, du willst alleine sein. Soll ich aufgeben? Nach Hause gehen und warten? Oder soll ich suchen? Stecke ich zu tief drin?
Was soll ich tun?


Das laute Quietschen der Tür riss Squall aus seinen Gedanken. Der unfreundliche, junge Polizist kam herein.
"Wir haben Ihre Aussage überprüft. Und es gibt da ein paar interessante Details, die wir noch einmal besprechen müssen."
Der Mann hatte eine blasierte, herablassende Stimme.
"Ganz wie sie meinen", gab Squall zurück.
"Ihre Biographie ist ja sehr faszinierend. Wenn man Ihnen Glauben schenken darf, haben Sie ja die Welt gerettet. Eine...", er warf einen Blick auf seinen Bericht, "'Zeitkompression' verhindert. Wow. Ziemlich beeindruckend!"
Squall warf ihm einen Blick puren Hasses zu.
"Sie können uns mit so einem Mist nicht täuschen, Herr Leonhart. Wir haben Experten, die Leute wie Sie sofort durchschauen. Sie sind vermutlich irgendein Irrer. Vermutlich sucht ihre Anstalt sie schon."
"Warum bin ich hier?", entgegnete Squall so ruhig wie er konnte.
"Warum Sie hier sind? Sie haben die Stadtoper, eines der teuersten Nachkriegsprojekte von Deling City, abgefackelt, haben vermutlich über dreihundert Menschen getötet und vermutlich mit Ihren Freunden auch noch den hochgeachteten Senator Carway umgebracht!", fauchte der Polizist ihn an.
"Carway hat Selbstmord begangen! Und Sie wissen von meiner Aussage her, dass die Morde in der Oper...."
"...von dieser mysteriösen Hexe durchgeführt worden sind. Die aber bedauerlicherweise verschwunden ist. Genauso wie die Leichen dieser Sekte, von der sie erzählt haben. Wo sind die hin?"
"Der Zauber der Hexe hat sie vermutlich in Stücke gerissen...", fauchte Squall zurück.
"Zauber? Magie? In unserer Welt? Sagen Sie, sind das die gleichen Zauber, von denen ich in meinen Kinderbüchern gelesen habe?"
Squall musste sich zusammenreißen, den Typen nicht in Stücke zu reißen.
"Wissen Sie, wie Sie für mich aussehen? Wie ein Bauerntrampel. Ein Prolet mit einem Schwert, der sich wichtig machen will. Und weil Ihnen dummerweise ihre kleine Freundin davongelaufen ist, mussten sie Ihrem Ärger Luft machen und töteten deswegen mehrere hundert Menschen und haben nebenbei der Stadt Deling City sehr viel Gil gekostet."
Ein Gedanke hinderte Squall sicher in diesem Moment daran, sofort aufzuspringen und dieses arrogante, schleimige, blasierte, dumme Gesicht in tausend Stücke zu reißen. Und zwar hatte dieser Mann keine Beweise. Er schaute in das Gesicht seines Gegenübers. Ein zufriedenes Grinsen machte dessen Gesicht noch hässlicher.
Plötzlich ging die Tür erneut auf. Ein älterer Herr kam rein und unterbrach den jungen Polizisten, bevor dieser ein weiteres Wort sagen konnte.
"Zack, du kannst aufhören, Herr Leonhart, Sie können gehen. Jemand hat die Rechnung für das demolierte Hotelzimmer bezahlt und Kaution für Sie hinterlegt. Damit sind alle Vorwürfe gegen Sie vorerst beseitigt."
Squall stand auf und folgte dem älteren Herren. Squall warf dem jungen Polizisten Zack noch einen Blick zu. Er sah so aus, als ob ein Chocobo seine natürlichen Bedürfnisse über ihn entleert hätte.

Squall schritt in zügigen Schritten dem älteren Herr hinterher.
"Sie dürfen sogar die Stadt verlassen, obwohl der Opernfall noch nicht geklärt ist. Ich denke, mit Ihrer Aussage kommen wir weiter. Danke dafür."
"Wer hat denn für mich bezahlt?", wollte Squall wissen.
"Er ist ein guter Freund von mir", antwortete der ältere Polizist. Squall und der Herr gingen in ein Zimmer. In diesem warteten bereits Cifer, Niida und...
"Irvine", rief Squall.
"Wie geht's denn so? Siehst furchtbar aus", sagte Irvine und grinste ihn an. Und zum ersten Mal seit vielen Stunden wurde Squall warm ums Herz.

Relativ schnell verließen Squall, Cifer, Niida und Irvine Deling City. Squall fühlte, wie sein Herz leichter wurde, als er die aufgehende Sonne sah. Die ewige Nacht von Deling City hatte ihn ziemlich fertig gemacht. Auf dem Weg zu ihrem Flugschiff weihte er Irvine in die Geschehnisse der letzten Tage ein. Nur sein kurzes Gespräch mit Rinoa verschwieg er vorerst. Er wusste, dass er dann Cifer Rede und Antwort stehen müsste und er wollte nicht gerade jedes kleine Privatdetail mit jedem Menschen auf der Welt teilen.
"Also bei uns war Rinoa nicht. Ich kenn zwar nicht alle Einzelheiten, aber vielleicht solltest du versuchen herauszufinden, was sie eigentlich will. Vielleicht sucht sie nach den Artefakten. Oder sie will diese Sekte aufhalten", spekulierte Irvine, während er gelassen neben Squall schlenderte.
Sein langer brauner Mantel, sein alter Cowboyhut und sein Pferdeschwanz gaben ihm immer wieder ein lässiges Auftreten und untermalten sofort seinen Ruf, ein alter Weiberheld zu sein. Nur wenige wussten, dass Irvine ganz im Gegenteil ein einsamer, sensibler Mensch war, der nur selten andere an sich ranließ.
"Genau das ist unser momentaner Plan. Zumindest ist sie ebenfalls mit dieser merkwürdigen Sekte aneinandergeraten", meinte Squall ausweichend.
"Hey, Irvine, warum kommst du eigentlich mit uns?", fragte Niida.
"Tja, äh, wisst ihr, ich habe gehofft, ihr könntet mich am Bahnhof von Galbadia absetzen. Dort würde mich dann der Galbadia Garden abholen. Wir bereiten gerade eine sehr wichtige Mission vor. Eine Großoperation, bei der der ganze Garden beansprucht werden wird. Und ich als neu ernannter Direktor des Galbadia Garden bin natürlich auch der Kommandant dieser Mission!", sagte Irvine in einem Tonfall, als wäre er soeben zum Präsidenten des Universums gewählt worden.
Squall wollte gerade fragen, was das für eine Mission sei, als ihm etwas auffiel.
Rauchwolken stiegen am Horizont auf.
"Was ist denn das?", fragte Cifer düster, der ebenfalls die Rauchwolken gesehen hatte.
"Es ist die Ragnarok!"

Der majestätische rote Lack war teilweise zersprungen. Beulen, groß wie ein Fahrzeug, ließen die Ragnarok wie eine kaputte Konservendose aussehen. Entsetzt starrten alle auf das einst prächtige Luftschiff.
"Squall, das Triebwerk sieht beschädigt aus. Ich werde es checken!", sprach Niida und stieg in das Luftschiff ein.
"Scheiße!", flüsterte Squall und folgte zusammen mit Irvine und Cifer Niida in die Ragnarok.
"Wer könnte so etwas tun?", fragte Irvine.
Squall schwieg für einen Moment.
"Prokylta..."
Cifer nickte und ging mit den anderen zu Niida ins Cockpit. Squall dachte an das Gespräch mit Rinoa. Sie hatte ihm zwar gesagt, dass Prokylta ihre Sekte bald wieder organisiert haben würde. Aber so schnell...
Niida hatte inzwischen den Bordcomputer aufgeschraubt und betrachtete aufmerksam die Kabel.
"Was soll das werden, wenn's fertig ist?", brummte Cifer.
"Laut Kontrolltafel scheinen die wichtigsten Teile noch in gutem Zustand zu sein. Aber der Starter ist wegen eines Sicherheitsmechanismus blockiert. Das Laufrad und die Turbine sollten demnach defekt sein, aber..."
"Vielleicht sollten wir einen Techniker rufen", unterbrach Squall skeptisch.
"Nichts da. Die Schäden sind unbedeutend. Ein paar Tricks und die Kiste fliegt wieder", meinte Niida für Squalls Geschmack etwas zu selbstsicher.
Er stand auf und versuchte die Ragnarok zu starten. Durch eine heftige Erschütterung wäre Squall fast zu Boden gefallen. Der Antrieb gab einen ohrenbetäubenden und grauenhaften Lärm von sich und das komplette Luftschiff bebte.
"Squall! Meinst du wirklich, dass das gesund ist?", fragte Irvine.
"Was hast du gesagt?", rief Squall zurück und hielt sich krampfhaft an einem Sitz fest.
"Ich sagte nur..."
"Mist! Raus hier! Ich kann Rauch sehen!", schrie Niida und stand hastig auf.
Bevor Squall registrieren konnte, was los war, ertönte ein heftiger Knall einer Explosion und eine zweite Erschütterung, welche bedeutend stärker war als die erste, stieß alle zu Boden. So ziemlich jeder Apparat im Cockpit begann zu qualmen und Squall merkte, wie die Maschinen leiser wurden. Sämtliche Lichter gingen aus und die Anzeige des Bordcomputers verschwand.
Squall fühlte ein höllisches Brennen in seiner Lunge und begann unaufhaltbar zu husten. Trotz des Qualms konnte Squall erkennen, wie Irvine und Niida aus dem Raum entkamen, indem sie das kaputte Fenster als Fluchtweg benutzten. Cifer griff nach Squalls Arm und half ihm aufzustehen. Beide kletterten durch das Fenster raus, wobei Squall wegen dem Brennen in seinen Augen fast auf der Ragnarok ausgerutscht wäre.

"Du Idiot! Es ist nicht so, als ob du nur der Ragnarok den Rest gegeben hast, nein, du hast uns zusätzlich in Gefahr gebracht", schrie Cifer Niida an.
"Hey, Freunde, beruhigt euch. Das bekommen wir schon wieder hin", sagte Irvine beschwichtigend.
"Die Antriebe scheint es zerfetzt zu haben. Wir haben ein verdammt großes Problem, Irvine", warf Squall ein.
"Das ist doch kein Grund den Kopf hängen zu lassen", versuchte Irvine ihn aufzumuntern.
"Ich werde dem Galbadia Garden Bescheid geben. Die kommen dann her und nehmen uns und die Ragnarok mit."
Irvine richtete seinen Hut wieder zu recht und ging in eine sehr heldenhafte Pose.
"Und eure Mission? Dadurch kommt euer Zeitplan durcheinander", meinte Squall.
"Der Garden müsste derzeit über der Wüste sein. Ob er nun direkt zum Bahnhof und nach Dollet steuert, oder hier einen kleinen Abstecher macht, macht keinen großen Unterschied. Wir verlieren lediglich etwas Vorbereitungszeit."

"Riegel Nummer vier wurde eingeklinkt. Dieses Baby müsste nun halten."
"Alles klar! Sag der Brücke, sie sollen dann weiterfliegen und zwar mit Vollgas!", rief Irvine dem Mechaniker zu.
Er sah kurz zu Squall und beide verließen den Hangar, in dem die Ragnarok notdürftig befestigt worden war.
"Danke, dass ihr uns helft", meinte Squall, während sie Niida und Cifer folgten, die bereits vorausgegangen waren.
"Keine Ursache. Wenn man helfen kann, dann hilft man. Wie willst du wegen Rinoa weitermachen?", fragte Irvine.
"Ich habe ehrlich gesagt nicht die geringste Idee. Ich weiß nur, dass diese Frau, diese Prokylta, gefährlich ist", murmelte Squall.
"Eine Hexe an der Spitze einer Sekte, die ein Märchen anbetet? Das klingt heiß!"
"Sie ist stark. Ich kann einfach nicht rumsitzen, wenn ich weiß, dass diese Verrückten hinter Rinoa her sind", sagte Squall.
Sie standen vor einem Aufzug.
"Vielleicht solltest du mal Edea aufsuchen. Vielleicht kennt sie Prokylta ja oder kann dir irgendwie weiterhelfen", meinte Irvine.
Es bimmelte. Der Aufzug war da, sie traten ein.
Irvines Kommunikator piepte.
"Ja, Melinda-Hasi, was gibst denn?", fragte Irvine elegant.
"Chef, das Fürstentum Dollet sich nochmal gemeldet", kam eine Frauenstimme aus dem Kommunikator.
"Haben die sich denn dazu durchgerungen, uns vielleicht zu erzählen, wovor wir sie diesesmal retten sollen?", fragte Irvine gelangweilt.
"Vor einer Monsterherde", entgegnete Melinda.
"...WAS?!"
"Eine Monsterherde. Tauchte aus dem Nirgendwo auf und marschiert schnurstracks auf Dollet zu. Wenn niemand was macht, werden sie Dollet wohl plätten. Chef, das wird ein großer Brummer. Was wollen wir tun?", fragte Melinda.
"...Na, die Monster abknallen, was`n sonst?", lachte Irvine herzlich und schaltete den Kommunikator aus.
Sofort verdüsterte sich sein Gesicht.
"Eine Monsterherde... Hast du von sowas schonmal gehört?", fragte Irvine auf einmal sehr besorgt.
Squall schüttelte seinen Kopf.
"Ob das jemand angeleiert hat?", fragte Irvine.
"Du meinst die Sekte?"
Der Aufzug brummte weiter und klingelte dann. Sie hatten die Haupthalle des Gardens erreicht.
"Irvine... es ist doch wohl klar, dass wir euch helfen werden, oder? Wo man helfen kann, hilft man... Hat mal irgend so ein Idiot gesagt", meinte Squall grinsend.

Irvine führte Squall, Cifer und Niida zu seinem Trupp. Eine Durchsage verkündete den Anfang der Mission. Während Niida sich über diese Angelegenheit kein bisschen äußerte, war Cifer schon dabei, sich voll und ganz auf ein hitziges Gefecht einzustellen. "... Und vergesst nicht, die Menschen in Dollet vertrauen uns. Sie befinden sich derzeit zwar in ihren Häusern, dennoch dürfen wir nichts riskieren."
Irvine erklärte allen eifrig die Lage, während die ersten Angriffstruppen bereits vom Garden am Boden abgesetzt wurden.
"Laut Schlachtplan werden sich einige Monster ungehindert in Dollet einschleichen können. Ihr drei seid für diese Monster zuständig. Werdet ihr das schaffen?"
"Ich dachte, wir kämpfen an der Front. Die können uns dort eher gebrauchen", sprach Cifer und klang etwas enttäuscht.
"Mal sehen, was kommt. Womöglich müssen die Posten während des Kampfes geändert werden", antwortete Irvine und blickte aufbauend zu Cifer. Plötzlich ertönte Melindas Stimme durch den Lautsprecher.
"Achtung! Eine wichtige Durchsage! Sämtliche Monster sind unerwartet abgehoben und bewegen sich mit Höchstgeschwindigkeit auf uns zu! Der komplette Schlachtplan wird sofort geändert! Ich wiederhole..."
Unruhe entstand.
"Was!? Ich dachte, das sind Bodentiere!"
Irvine schien nervös zu werden.
"Der Abwehrtrupp und der zweite Frontaltrupp bleiben hier im Garden! Alpha- und Bravotrupp verlassen umgehend ihre Position und kümmern sich um die Innenstadt! Der erste Frontaltrupp bleibt in Stellung!", rief er dann an die Leute um sich herum und in seinen Kommunikator. Kurz darauf echote seine Anweisung durch sämtliche Lautsprecher.
"Irvine, was passiert hier?", wollte Squall wissen.
"Warte einen Moment. Hört zu, was Melinda uns noch zu sagen hat."
"An die beiden Truppen hier im Garden: Wir steuern direkt in den Monsterschwarm rein und versuchen sie hier zu bekämpfen. Sämtliche Kämpfer, dessen Einsatznummer eine gerade Zahl ist und alle hier anwesenden SEEDs werden gebeten die Monster vom Dach und von den Balkonen aus zu bekämpfen. Wir dürfen keine Zeit verlieren! Ihr wisst alle was zu tun ist! Der Kampf beginnt in wenigen Sekunden! Behaltet einen kühlen Kopf, ihr Luftangriff kann uns nichts anhaben."
"Hm, wenn Melinda so weiter macht, kann ich bald den Direktorhut an den Nagel hängen", murmelte Irvine.
Kaum war die Durchsage zu Ende, teilten sich alle Soldaten und Kämpfer im Garden auf. Squall, Cifer, Niida und Irvine eilten ins Freie. Dort angekommen, sahen sie, dass fast alle bereits in Position waren. Squall zog seine Gunblade.
"Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht, aber ich bin bereit", sprach Niida und nahm seinen Shuriken in die Hand.
"Das ist aber schön, dass du uns das so mitteilst. Ich fühl mich schon viel sicherer", knurrte Cifer.
Plötzlich wurde aus der Unruhe eine unheimliche Stille.
Alle standen kampfbereit auf ihrer Position und konzentrierten sich auf den Moment. Squall fühlte den kalten Wind, der ihn berührte und vernahm das Pfeifen, das dieser von sich gab, als er den Garden streifte. Squall wurde innerlich plötzlich ganz ruhig... Er spürte sogar, wie sich die Monster näherten...
"Es ist so weit...", flüsterte Irvine und zeigte mit dem Finger auf etwas in weiter Ferne. Er holte sein Gewehr raus und lud es. Nach dem doppelten Klack hörte man auch, wie alle anderen ihre Waffen zogen. Inzwischen konnte man sogar die Monster hören. Gebrülle, Geschreie, das Flattern der Flügel... Es klang so, als ob ein Vulkanausbruch alles dem Erdboden gleichmachen würde. Nun konnte man die Monster erkennen. Es waren mehrere Hunderte, vielleicht sogar Tausende... Sie flogen, rannten, krochen auf Dollet zu. Der Garden setzte sich in Bewegung und nahm Kurs auf die immer höher fliegenden Monster.
"Der Kampf beginnt! Machen wir sie alle!", schrie jemand aus der Menge der kampfbereiten Soldaten.
"Das ist kein Kampf! Das ist eine Schlacht!", schrie Cifer und rannte mit ausgestreckter Gunblade zur Brüstung, wo bereits die ersten Monster warteten.
Nur wenige Sekunden später war der Garden beinahe vollends von den Monstern eingehüllt.
"Squall! Worauf wartest du?", rief Irvine.
Bevor sich Squall ein Monster aussuchen konnte, wurde er plötzlich von zwei Biestern angegriffen. Er schlug mit aller Kraft auf das Federvieh zu, dass ihn gerade frontal attackierte. Dieses zuckte zusammen und verschaffte Squall Zeit zum Ausweichen. Noch bevor das Ungeheuer einen zweiten Angriff vorbereiten konnte, wurde es von Squall mit einem mächtigen Schwertschlag auf das Genick getötet. Das zweite Monster versuchte ihn scheinbar mit einem Zauber aus der Luft zu bekämpfen. Blitzschnell streckte er seine Gunblade in den Himmel und feuerte drei Kugeln ab. Das Monster reagierte nicht sonderlich darauf, stattdessen war es noch höher geflogen.
"Squall, lass mich das machen! Hilf du den Leuten auf der Nordseite", hörte er Niida rufen, welcher kurz darauf mit aller Kraft seine Waffe nach dem Vieh warf. Squall rannte zu den anderen und wäre dabei fast mit Irvine zusammengestoßen, der ununterbrochen auf Monster schoss und Munition in das Gewehr stopfte. Obwohl man in so einer Situation nicht nachdenken sollte, beschäftigte Squall ein ungutes Gefühl. Die Feinde wurden trotz zahlreichen Verlusten immer mehr. Er sah, wie die Soldaten mit ihren Schwertern ständig verfehlten und wusste auch, dass Gewehrmunition nicht endlos reichen konnte. Plötzlich bemerkte er, wie jemand hinter ihm zu Boden gestoßen wurde.
"Argh! Sie haben mich!", schrie ein SEED verzweifelt. Sein Angreifer flog in die Luft, öffnete den Mund und schoss einen Blitzstrahl auf ihn.
"Wir müssen die Taktik ändern! Schwächt die Monster mit Magie und gebt ihnen mit euren Waffen den Rest", rief Squall in die Menge.
Er hatte keine Zeit mehr zu verlieren. Schnell rettete er den SEED, indem er sich konzentrierte, mit 'Aero' das Flugmonster auf den harten Boden schleuderte und es mit der Gunblade aufspießte.
"Ich hoffe, das reicht um aufzustehen", sprach Squall und heilte den Verletzten mit einem Zauber.
Der SEED nickte dankbar. Für einen Moment erkannte Squall in seinen Augen noch den Schock, bevor er sich wieder aufrappelte und weiterkämpfte.
"Squall! Hilf mir mal! Komm her!", rief Cifer herrisch zu ihm rüber.
Squall sah plötzlich, dass Cifer von mindestens zehn Monstern umgeben war. Um ihn herum sah Squall bereits tote Monster liegen und Cifer schien die gewaltige Anzahl von Monstern eher zu erfreuen. Squall war überrascht, wozu Cifer im Stande war. Im ersten Moment dieses Anblickes dachte er, Cifer wäre unbesiegbar, doch dann sah er, dass es bald zu viele Monster wurden.
"Nun gut. Ich würde sagen du übernimmst..."
"Vergiss es! Ich werde sie abschlachten und du wirst alle vorbei fliegenden Mistviecher auf mich lenken!", schrie Cifer.
"Du bist wohl vollkommen verrückt! Du kannst nicht gegen die ganze Horde kämpfen. Wir haben nicht umsonst so viele Kämpfer auf unserer Seite!"
Cifer ignorierte Squalls Worte. Zwar kämpfte mit einem zufriedenen Lächeln weiter, doch Squall entging Cifers wachsende Erschöpfung nicht.
"Ich bringe es jetzt zu Ende. Pass gut auf!", keuchte er und holte tief Luft.
Cifer sah seine Waffe an.
"Feuerklinge!", schrie Cifer auf.
Squall ging rasch in Deckung, als er sah, wie Cifers Klinge zu glühen begann. Cifer wirbelte seine Gunblade so heftig, dass sich ein gefährlicher Feuersturm bildete. Viele Monster konnten sich nicht mehr von dem Sog befreien und wurden ins Verderben gezogen. Squall konnte sich nicht erinnern, so eine kraftvolle Technik schon mal von Cifer gesehen zu haben. Geblendet von dem lodernden Feuer, wurden auch alle anderen auf dieses Spektakel aufmerksam.
"Ich kann es einfach nicht glauben. Woher nimmt er diese Kraft?", rief Niida fassungslos.
Cifers Feuersturm wurde inzwischen größer und heftiger, bis dieser plötzlich zu einer feurigen Druckwelle explodierte und den Garden ein wenig ins Schwanken brachte. Dutzende Monster schmetterte es mit schmerzverzerrten Schreien zu Boden. Cifer stand inmitten der geschlagenen Monster.
"Wette, das habt ihr nirgendwo gesehen, oder?", keuchte Cifer und stützte sich auf sein Schwert.
Die Soldaten stürzten sich auf den Haufen geschwächter Monster und beseitigten sie innerhalb von einer Minute. Die restlichen Flugungeheuer versuchten zu fliehen.
"Trottel. Schwache Monster könnt ihr vernichten und jagen, aber sobald sie etwas stärker werden...", flüsterte Cifer, während er die jubelnen SEEDs sah.
"Achtung! Der Monsterschwarm hat sich zum Großteil zurückgezogen! Kämpfer mit genügend Kraftreserven mögen sich bitte um die zurückgebliebenen Feinde kümmern! Unser nächstes Ziel ist Dollet. Bereitet euch darauf vor, jene Monster zu bekämpfen, die die Barrikade überwinden konnten!", befahl Melindas Stimme forsch.
"Ihr ward einfach unschlagbar, Leute! Jetzt erledigen wir den Rest und dann gibt's ne richtig fette Party", sprach Irvine jubelnd.
Squall steckte seine Gunblade weg und sah zu Cifer, der immer noch nachdenklich die toten Monster betrachtete.
"Moment mal! Spürt ihr das auch?", fragte Niida die anderen.
"Meinst du das Vibrieren des Bodens? Wahrscheinlich hat die gute Melinda beim Abdrehen ein paar Bäume gestreift", antwortet Irvine sorglos.
"Das ist es nicht", meinte Niida.
"Seit wann kannst du denn Gefahren wittern? Du bist sogar unfähig dem Schaden an einem Luftschiff zu erkennen", meinte Cifer launig. Niida erschrak plötzlich.
"Was ist los?", wollte Squall wissen.
"Da hinten! Mr. Kinneas, hier!", rief ein SEED und warf Irvine ein Fernglas zu.
Im Wald westlich von Dollet braute sich plötzlich ein Wirbelsturm zusammen. Irvine konnte erkennen, dass der Tornado immer heftiger wurde, sich jedoch nicht von der Stelle bewegte.
"Was ist das? Bilde ich mir das nur ein, oder leuchtet dieses Stürmchen?"
Gewaltige Blitzstrahlen und Energiefunken bildeten sich um den Tornado, die sich seltsamerweise auf einen Punkt hin bewegten. Niida wollte gerade Irvine das Fernglas abnehmen, als sich zur Überraschung aller der Tornado in eine Druckwelle verwandelte, die sich ähnlich wie die von Cifer, rasch ausbreitete und den Garden ein wenig durchrüttelte. Squall konnte es nicht glauben, was er dann sah. Wo vorher das Zentrum des Sturms und der Blitze waren, befand sich jetzt etwas anderes. Etwas, das er schon einmal gesehen hatte... Etwas, dass er nie wiedersehen wollte... Etwas, dessen eindrucksvolles Antlitz in jeden Gegenüberstehenden die Ehrfurcht hervorrief...
"Tiamat...", flüsterte Squall
"Was hast du gesagt? Wer oder was soll das sein?", fragte Cifer scharf.
Squall zog seine Gunblade
"Es ist einer der Siegelwesen aus Artemisias Schloss. Ein Monster aus der Zukunft. Ein Monster, das noch gar nicht existieren dürfte", warnte Irvine.
Cifer rappelte sich auf und hob seine Gunblade. Tiamat brüllte und flog anschließend mit einer Geschwindigkeit schneller als die Ragnarok auf den Garden zu. Alle gingen in Deckung, als er über den Garden brauste und die Zugluft beinahe Niida über die Balustrade warf.
"Fixes Tempo hat dieser Bursche drauf", kommentierte Cifer beeindruckt.
Tiamat flog erneut mit einem berauschenden Tempo an dem Garden vorbei. Diesmal blieb er vor ihm stehen, so dass jeder ihn sehen konnte, jedoch war er außer Reichweite. Niida, Cifer und alle SEEDs, die noch draußen waren, gingen in ihre Stellung. Squall und Irvine hingegen schauten dem monströsen Ungeheuer in die Augen.
"Er greift nicht an... Du weißt, was das bedeutet!", sagte Irvine zu Squall.
"Allerdings... Wir haben keine Wahl..."
"Du sagst es. Alles herhören! Vernichtet das Monster so schnell ihr könnt. Verschwendet eure letzten Reserven, wenn's sein muss. Es bereitet gerade eine vernichtende Attacke vor!", brüllte Irvine.
Ohne lange zu überlegen feuerten die SEEDs auf Tiamat, den diese Attacke anscheinend absolut kalt lies.
"Zu spät! Haltet euch irgendwo fest, wenn ihr nicht wie ein Staubkorn weggeblasen werden wollt!", schrie Irvine und klammerte sich am Geländer fest.
Niida und die anderen Kämpfer wollten sich drinnen in Sicherheit begeben, doch niemand konnte ahnen, dass sie vor Tiamats Angriff nicht mehr entkommen konnten. In Tiamats Mund bildete sich ein leuchtender Energieball, während Cifer seine Gunblade in den Boden rammte, um sich daran festzuhalten.
"Jetzt oder nie!", rief Squall und ließ angesammelte Zauberkraft in Form eines Tornados frei. Im selben Moment hauchte Tiamat die hoch komprimierte, dunkle Energiewolke aus, die sich angestaut hatte. Squall musste mit Entsetzen feststellen, dass sein Tornado zurückgeworfen wurde.
Der Druck war so stark, dass Squall an die Gardenwand gestoßen wurde. Er konnte die eiskalte Wand sogar durch seine Kleidung fühlen.
Die SEEDs, die sich nicht irgendwo festgehalten haben, wurden durch die Luft geschleudert.
"Was passiert hier?!", schrie Niida.
"Achtung, ein Notfall! Wir haben die Kontrolle über den Garden verloren! Wir raten jedem sich festzuhalten, weil wir den Boden streifen werden! Ich wiederhole...", donnerte Melindas Stimme durch den Sturm.
"Wann hört das endlich auf?", brüllte Cifer über das Tosen.
Squall dachte, dass das die längsten zehn Sekunden seines Lebens sein würden, doch als es vorbei war, konnte der Garden sich nicht mehr der Luft halten und krachte mit dem Hovercraft in den Wald. Tiamat war nun in Reichweite und trotz der starken Vibration richtete sich Cifer auf und wollte ihn angreifen.
"Tu das nicht! Cifer, nein!"
"Ich bin nie zu kaputt, um es mit einem Monster aufzunehmen!", brüllte Cifer.
Cifer hörte nicht auf Squall, sprang über das Geländer und hielt sich an Tiamats Bein fest.
"Niida! Irvine! Wir müssen ihm helfen, oder Tiamat wird ihn erledigen!"
"Aber wir können nicht angreifen. Das ist zu riskant!"
Doch Cifer konnte die Abschüttelversuche des Ungeheuers standhalten und stieß mit aller Kraft seine Klinge durch Tiamats zähe Bauchmuskulatur hindurch. Der Drache begann fürchterlich zu brüllen und im Schockzustand warf er Cifer los, der daraufhin in die Tiefe stürzte.
"Verdammt! Cifer!", brüllte Squall.
"Hier!", rief Irvine, der mit einem Seil angerannt kam.

"Cifer! Hörst du mich? Wo bist du?"
Nichts. Squall wusste, dass Cifer ganz in der Nähe gelandet sein muss, doch er konnte ihn nirgends finden. Ist ihm etwas zugestoßen? Hat er den Sturz nicht überlebt? Langsam wurde es unheimlich. Squall hörte etwas plätschern. Dem Geräusch folgend marschierte er durch den Wald und stieß auf einen kleinen Bach.
"Suchst du jemanden?"
Squall blickte nach links.
"Cifer! Dir geht's gut! Hör mal, wir müssen schnell hier raus. Tiamat ist noch hier", rief Squall
"Wo? Ich dachte, ich hätte ihn erledigt."
"Nein, er ist zwar schwer verwundet, aber nicht tot...", sagte Squall.
Cifers Gesicht wurde auf einmal bleich. Er deutete auf etwas hinter Squalls Rücken. Squall hörte ein bedrohliches Knurren.
Squall spürte, wie sein Feind versuchte sich anzuschleichen und sprang nach vorne, als er merkte, dass Tiamat ihn angreifen wollte. Er gab ein lautes Fauchen von sich und sprang ebenfalls nach vorne um Squall mit seinen Krallen aufzuschlitzen. Doch Squall hatte bereits seine Gunblade ausgepackt und verpasste dem Vieh einen tiefen Schnitt in den Hals.
Tiamat fauchte laut und erhob sich in die Lüfte. Tiamat flog höher und höher, bis er in den Wolken verschwand. Er und Cifer rechneten mit einem Sturzflug und beobachteten aufmerksam den Himmel, doch als kurz darauf die Wolken verschwanden, konnten sie erkennen, dass Tiamat letztendlich verschwunden war...

Die Stadt des Fürstentums Dollet war in einem sehr eleganten und geschmackvollen Stil erbaut worden. Die Straßen, die Häuser, die Bürger, einfach alles machte einen vornehmen und königlichen Eindruck. Einst nannte man das Land 'Das Heilige Dolletsche Reich', das direkt von der Kultur der Centra abstammte und damals die wohl größte Nation der Welt gewesen war. Nach dem Tod des letzten Kaisers war das Reich zerfallen und ein Großteil davon war zu Galbadia geworden.
Heute zeugte nur noch die Hauptstadt von der ehmaligen Größe. Dennoch gab es ein seltsames Naturphänomen, das diese Stadt mit Deling City einte. War es in Deling City immer Nacht, so wurde Dollet meistens von rötlichen Sonnenstrahlen durchflutet, als ob es permanent früh morgens oder abends wäre.
Squall, Irvine, sowie alle anderen Kampfbeteiligten waren in einer großen Halle im Rathaus versammelt. Nach den Ereignissen der letzten Tage, seinem Treffen mit Prokylta und der gerade überwundenen Schlacht fühlte er sich todmüde.
Er war mehr unmotiviert hierhin gekommen, obwohl alle Gedanken nach wie vor bei Rinoa waren. Doch ohne Irvine und die Ragnarok konnte er die Suche nach ihr nicht fortsetzen.
"... Und zu guter Letzt möchte ich diesen Orden an den Mann vergeben, der zusammen mit seinen SEEDs die gefährliche Bedrohung abgewendet hat. Meine Damen und Herren. Der Direktor des Galbadia Gardens: Irvine Kinneas!"
Die Menge applaudierte. Irvine trat nach vorne und nahm lächelnd den Orden entgegen, der merkwürdigerweise nicht vom Bürgermeister, sondern von einem Herren verliehen wurde, den Squall schonmal bei Carways Party gesehen hatte...
Obwohl sich Squall sehr für Irvine freute, wollte er einfach nur raus. Das Applaudieren... die Enge in diesem Raum... seine Schmerzen... All das wurde ihm zuviel.
"...Vorerst mal von mir. Hiermit übergebe ich an Bürgermeister Bail Organa", sprach Graf Thomasa zu Ende und ließ einen Mann mittleren Alters und in fürstlicher Kleidung an das Mikrofon ran.
"Gratuliere, Irvine! Du bist in Galbadia inzwischen so was wie ein Held", brüllte Niida über den immer noch anhaltenden Applaus der Menge an und grinste Irvine breit an.
"Hör doch auf. Ihr wisst ganz genau, wie sich das abgespielt hat... Nicht wahr, Squall? ... Squall?!"
Squall zuckte kurz.
"Ja, äh... Sei nicht so bescheiden wollte ich sagen..."
"Du siehst echt fertig aus. Ich würde sagen, wir machen es uns etwas gemütlich und besprechen wie es weiter gehen soll", schlug Irvine vor. Squall stimmte nickend zu.

Schnell hatten sie eine stilvolle Bar gefunden. Neben ein paar anderen sonderbaren Leuten, war diese komplett leer.
"Scheinbar hat niemand Lust zu feiern. Bis auf diese hier, verstecken sich wohl alle noch", meinte Irvine und betrat als erster die Bar.
"Ich wünsche den Herren einen schönen Tag. Nehmen Sie Platz, wo Sie wollen."
Die Kellnerin war eine hübsche, junge Frau mit einem freundlichen, sanften Blick. Irgendwie erinnerte sie Squall an Rinoa. Irvine wählte einen Tisch am Fenster und setzte sich mit Cifer hin, während Squall seine Jacke an die Garderobe hängte.
"Warum stehst du da rum, Niida? Stimmt etwas nicht?", wollte Irvine wissen.
"Ja,... ich meine nein. Es ist alles in Ordnung. Diese Hitze macht mich fertig...", antwortete Niida, setzte sich und blickte auf eine Person in der Kutte, die gerade durch eine Tür vom hinteren Teil der Bar gekommen war.
Squall wollte sich setzen und wurde dabei von der Gestalt in der Kutte angerempelt, der hastig an ihm vorbeiging.
"Hey, was zum...", fluchte Squall, doch die Person ignorierte ihn und setzte sich an die Bar.
"Immer diese Säufer", sprach Cifer.
Ein älterer Herr vom Nachbartisch beugte sich zu ihnen rüber.
"Sie sagen`s, junger Mann. Vor allem die neue Kundschaft. Der Typ da ist heut zum ersten Mal hier und was macht er? Randaliert rum und versucht den alten Günther, dem der Laden hier gehört, beim Kartenspiel zu besiegen. Wohl um ein 'Sammlerstück' oder so. Und nach zehn verlorenen Spielen ist er etwas sauer geworden. Hab die richtig streiten hören", knurrte der Alte.
Squall blickte abwesend zu der Kuttengestalt an der Bar, die zusammengesunken an einem Glas nippte.
"Günther Berring? Gegen den hab ich auch mal gespielt. Und sogar gewonnen, der will bis heute irgendwie ne Revanche", murmelte Squall.
"Du spielst?", fragte Cifer mit hochgezogenen Augenbrauen.
"Scheiße", murmelte Niida.
"Du sagst es! Karten spielen in Dollet also..."
"Nein, ich glaub, mir wird schlecht...", keuchte Niida.
Er wischte sich Schweiß von der Stirn und stand schwer atmend auf.
"Niida, alles in Ordnung?", fragte Squall.
"Jaja, es geht, ich muss nur..."
Niida brach ab und ging in Richtung Toilette.
"Was hat er denn?", fragte Irvine.
"Vermutlich einen Schwächeanfall. Liegt vermutlich am Klima hier unten", kommentierte der Alte vom Nachbartisch interessiert.
"Der ganze Typ ist ein Schwächeanfall", knurrte Cifer.
"Irvine, weißt du, wie`s mit der Ragnarok aussieht? Ich denke, die Idee mit Edea ist nicht so schlecht", sagte Squall.
"Hm, Squall, das wird sicher etwas dauern, ehe wir die repariert haben. Vor allem, weil die Schäden am Garden Priorität haben", sagte Irvine schulterzuckend.
Für einen Moment dachte Squall nach. Er hatte das Gefühl, er hatte sich komplett verloren. Konnte Edea ihm überhaupt weiterhelfen?
Zumindest war es jedoch eine Art Ziel. Doch wenn die Reperaturen noch so lange dauerten...
"Scheiße!", brüllte Squall auf einmal und trat frustriert gegen das Tischbein.
Cifer und Irvine sahen ihn verwundert an.
"Wir kommen nicht weiter!", presste Squall hervor.
"...Mal sehen, lass uns erstmal abwarten, was der Garden sagt. Wir haben auch ein paar Kurzstreckentransporter da. Mit dem können wir zur Not auch bis Edeas Waisenhaus fliegen", sagte Irvine schließlich.
Squall nickte dankbar und vergrub sein Gesicht für einen Moment in seinen Händen.
Unwillkürlich fragte er sich, wohin ihn dieser Weg wohl führen würde...

Ein Stockwerk über Squall war die Laune ebenfalls angespannt.
Günther Berring betrachtete gerade sein verwüstetes Arbeitszimmer, als die Kellnerin hereinkam.
"Was ist denn hier passiert?", fragte sie entgeistert.
"Sherry, dieser Kuttentyp, wo ist der jetzt?", fragte Günther genervt.
"Sitzt unten an der Bar und trinkt ganz in Ruhe was. Was ist passiert?", fragte Sherry.
"Wir haben Karten gespielt. Zuerst um ein paar Gil und schließlich um die schöne Kugel, die ich vor ein paar Tagen am Strand gefunden habe. Er hat richtig scheiße gespielt und verloren, wollte aber diese blöde Kugel und wurde auf einmal richtig hysterisch. Naja, schließlich hat er sie zerbrochen und auch noch ein Teil mitgenommen!", seufzte Günther und deutete auf die Scherben, die auf der Erde lagen.
"Und der traut sich noch, bei uns was zu trinken?", fragte Sherry.
"Sobald er ausgetrunken hat, schmeiß ihn raus. Und hilf mir bitte die Scherben wegzuräumen", sagte Günther.
Er bückte sich über die Kugel.
"Naja, einen Splitter kann ich ja zur Erinnerung behalten", meinte er lächelnd zu Sherry, bevor sie sich an die Arbeit machten.

Squall, Cifer und Irvine hörten sich an, was der alte Kartenspieler so alles zu erzählen hatte. Inzwischen tat es Squall Leid ihn angesprochen zu haben. Der alte Mann redete wie ein Wasserfall und das nicht nur in Bezug auf seine flüssige Sprechweise...
Nach einer Weile verabschiedeten sich die Drei, bezahlten die Drinks und warteten auf Niida, der schon seit über fünf Minuten auf der Toilette war.
Desinteressiert sah Squall zum Fernseher, auf denen grad stumm die Nachrichten liefen. Auf einmal tauchte Laguna auf, der sich anscheinend zum Monsterangriff auf Dollet äußerte.
Dem Text unter seinem Kopf nach zu urteilen, kam Laguna wohl am nächsten Tag nach Dollet.
Zur selben Zeit kam Günther Berring mit einem Splitter um den Hals herein und ging zügig zu dem Kuttenmann an der Bar.
"Ok, Arschloch! Schicht für dich! Aber vorher gibst du mir den gestohlenden Splitter wieder!", rief Günther durch den Raum.
Der Kuttenträger antwortete nicht, sondern stand hastig auf, ging auf die Tür zu und stieß beinahe wieder mit Squall zusammen. Squall konnte diesmal erkennen, dass die Gestalt genau wie Günther auch einen Splitter um den Hals trug.
Als Squall sich wieder zum Fernseher umdrehen wollte, sah er Niida an ihrem alten Tisch.
"Hey, Niida! Wir sind hier drüben!", rief Squall.
Niida kam mit einem Grinsen auf sie zugerannt.
"Gehts dir besser?", fragte Irvine.
"Die Toilette hier ist ne Zumutung, aber es geht schon wieder", meinte Niida nickend und verließ dann die Bar.
"Ich will gar nicht wissen, was der da drin gemacht hat", murmelte Cifer, bevor er Niida folgte.

In einer kleinen Gasse lagen in einem Müllcontainer die Scherben von Günthers Kugel. Keine Menschenseele war zu sehen. Die Sonne stand tief und füllte die Gasse mit einem gleißenden Licht.
Wie aus dem Nichts erschien auf einmal eine dunkle Gestalt in der Gasse.
Sie trug schwarze Roben und einen unheimlichen Helm.
Zielstrebig ging sie auf den Müllcontainer zu.
Mit wenigen Blicken hatte sie gefunden, was sie suchte.
Er griff nach den Überresten von Günthers Kugel.
Für einen Moment betrachtete sie die Scherben. Dann setzte die Gestalt sie langsam zusammenl und murmelte unverständliche Worte. Mit einem kurzen Aufblitz verschmolzen die Scherben wieder zu einer Kugel. Nur an zwei Stellen fehlte etwas.
In der Kugel leuchtete nun das Symbol für das Element 'Wind'.
Die Gestalt steckte die Kugel ein, ging ein paar Schritte und war urplötzlich verschwunden, als hätte es sie nie gegeben...

Im Galbadia Garden angekommen, wurden Irvine und die anderen noch einmal von allen Anwesenden begrüßt und zu ihrem glorreichen Sieg gratuliert.
"Direktor Kinneas! Schlechte Neuigkeiten, die Schäden an der Ragnarok sind etwas komplizierter als vermutet. Wir können leider nichts machen, ohne ein Risiko einzugehen. Außerdem ist diese Technik etwas zu kompliziert für Galbadia Personal", sagte ein Mechaniker zu Irvine. Irvine schaute zu Squall.
"Es tut mir Leid, aber scheinbar können wir euch nicht weiterhelfen... Aber wir könnten Laguna bitten, dass er uns Techniker mitschickt, wenn er morgen hier eintrifft."
"Ich kenne mich mit dieser Technik aus. Es ist lediglich das Navigationssystem, das so kompliziert aufgebaut ist. Wenn ihr Ersatzteile, neue Antriebe und ein paar Gehilfen zur Verfügung stellen würdet, kann ich weiterhelfen", meinte Niida.
Squall wechselte einen vielsagenden Blick mit Cifer.
"Du meinst du schaffst das wirklich?", fragte Squall vorsichtig.
"Vertrau mir. Sollte ich wirklich nicht fertig werden, haben immerhin die Profis aus Esthar weniger zu tun und somit wird die Ragnarok auch schneller wieder flugfähig sein."
"...Ok. Dann werden wir aber inzwischen ins Waisenhaus fahren. Am besten, du fliegst dann mit der Ragnarok direkt dorthin, sollte sie repariert sein, bevor wir wieder zurück sind", meinte Squall.
Niida nickte und Squall ging mit Irvine und Cifer in Richtung Hangar.
"Edea wohnt ziemlich weit weg von hier. Wenn ihr heute noch ankommen wollt, dann müsstet ihr einen unserer Jets nehmen..."
Irvine kratzte sich am Genick.
"Ach was, ich fliege euch hin. War ewig nicht bei ihr. Wurde ja auch wieder mal Zeit. Ich sag nur noch den anderen Bescheid. Vielleicht bekommen wir einen mit Liegebetten, dann kannst du ein wenig pennen", sagte Irvine.

Obwohl der Centra Kontinent ein ziemlich dürrer und lebloser Kontinent war, hatte Edeas Waisenhaus eine besondere Ausstrahlung. Squall erinnerte sich an die Sonnenuntergänge, den Leuchtturm, das Blumenfeld und an den herrlichen Meereswind. Kaum sah er das Waisenhaus in der Ferne, fühlte er, dass alles noch genau beim alten war.
Squall, Cifer und Irvine betraten das Grundstück des alten Gebäudes und sahen dort ein paar Kinder spielen. Die Wände waren mit Moos überwachsen und das Haus an sich hatte auch schon mal bessere Tage gesehen. Edea, Cid und die Waisenkinder liebten scheinbar diesen heruntergekommenen, aber idyllischen Anblick des Hauses.
"Mama! Wir haben Besuch!", rief ein kleines Mädchen und rannte ins Haus. Ein Junge ging auf Squall zu und streckte ihm die Hand entgegen.
"Hi! Bist du ein SEED? Ich will auch mal einer werden", sprach er stolz.
"Nein, ich war es mal", antwortete Squall mit einem Lächeln und schüttelte ihm die Hand. Irvine kniete sich nieder.
"Ist Mama da, kleiner SEED?", fragte Irvine den Jungen und zwinkerte ihm zu.
"Hey Nimbley! Komm rein, Essen!"
Der Junge, der mit Irvine geredet hatte, ließ seinen Kopf hingen und drehte sich um.
An der Eingangstür stand Cid Kramer.
"Direktor Cid", sagte Squall leise.
"Squall, wann gewöhnst du dir endlich dieses 'Direktor' ab? Ich bin schon seit Jahren nicht mehr Direktor des Balamb Gardens. Zumindest muss ich nicht mehr so elend korrekt aussehen", sagte Cid lächelnd.
Er trug eine Lederjacke und seine braunen Haare waren etwas länger geworden.
"Wir müssen zu Edea, ist sie da?", fragte Cifer unwirsch.
"Sie erwartet euch!", antwortete Cid und sah Cifer tief in die Augen.

Der Tag neigte sich dem Ende zu und innerhalb des Waisenhauses wurde es langsam dunkel.
Die Kinder saßen inzwischen alle zusammen und aßen ihr Abendbrot. Von draußen kam ein frischer Meereswind herein und das Rauschen der Wellen und das Knarren der Tür erfüllte das ganze Haus.
Squall und seine Begleiter warteten im Eingangsraum auf Edea, die sich momentan noch um die Kinder kümmerte.
Edea Kramer war eine Hexe. Sie war die erste Hexe, die Squall bewusst kennengelernt hatte.
Lange Zeit war sie von Artemisia besessen gewesen und hatte in ihrem Auftrag die Führung von Galbadia übernommen und einen fürchterlichen Krieg angefangen. Erst nach einem langen Kampf hatte Artemisia ihren Körper verlassen und Edea hatte viel auf sich genommen, um die Hexenkräfte durch Professor Odyne zu versiegeln.
Dennoch ruhen die Geheimnisse der Hexen immer noch tief in ihr.
Edea hatte damals zusammen mit Cid dieses Waisenhaus aufgebaut, um Kindern, die im Krieg zwischen Galbadia und Esthar ihre Eltern verloren hatten, eine neue Heimat zu geben.
Hier war Squall zusammen mit Cifer, Xell, Irvine, Quistis, der etwas älteren Ellione und einem jungen, lebenslustigen Mädchen namens Selphie aufgewachsen. Dann hatten sich ihre Wege getrennt, Squall wurde zum SEED und hat mit Hilfe der Bestias kämpfen gelernt, aber auch seine Vergangenheit vergessen.
Erst als sie wieder zusammengefunden hatten, waren die Erinnerungen an die Vergangenheit langsam zurückgekehrt.
"Was macht eigentlich Selphie?", fragte Squall Irvine.
"Sie ist momentan mit ihrem... neuen Freund im Trabia Garden. Ich glaub, ihr gehts ganz gut. Wir haben nicht soviel Kontakt", meinte Irvine.
"Selphie, war das nicht die Durchgeknallte?", fragte Cifer.
"Selphie hat einen Freund?", fragte Squall, Cifers Kommentar übergehend.
"Ja. Ein ziemlich bekannter SEED. Hat sogar inzwischen ziemlichen Kultstatus. Weiß kaum was, aber sie meint, er wäre ein sehr netter Mensch", meinte Irvine.
Squall wollte gerade nachfragen, als sein Blick auf eine Person fiel, die den Strand entlangkam.
Für einen kurzen Moment erinnerte ihn die Gestalt an Rinoa.
Doch dann trat die Person ins Licht.
Edea Kramer trug ihr übliches langes schwarzes Kleid und lächelte Squall und seine Begleiter warmherzig an.
Nur die Schatten unter ihren unergründlich schwarzen Augen verrieten, dass sie ein ziemlich anstrengendes Leben hinter sich hatte.
"Willkommen. Es freut mich, euch hier zu sehen. Bis auf Cifer hab ich lange Zeit von niemandem was gehört", lächelte sie.
Squall drehte sich verblüfft zu Cifer um.
"Ihr hattet Kontakt?", fragte Squall.
"Nur weil andere keine Freundschaften aufrecht halten können, heißt das nicht, dass diese Regel auch für mich gilt", knurrte Cifer zurück.
"Mama... wir sind wegen Rinoa hier...", sagte Squall nach einer kurzen, unangenehmen Pause.
"Ich weiß, ich halte mich ganz gut auf dem Laufenden. Etwas ist im Gange. Ich habe seit Tagen in der Nacht beängstigende Visionen. Und ich weiß, dass auch Ellione diese Ahnungen hat, auch wenn sie diese nicht einordnen kann", meinte Edea.
"Du hast mit Ell geredet?", fragte Squall.
"Ja. Ich weiß, dass Rinoa da draußen ist. Gelegentlich fühle ich ihre Anwesenheit förmlich. Sie ist alleine und verwirrt. Sie weiß nicht genau, was passiert, sie weiß nur, dass es mit ihr eng zusammenhängt und dass sie es aufhalten muss!", sagte Edea.
Squall blickte zu Boden.
Er dachte an Rinoa, er dachte an all das, was er in den letzten Tagen über sie erfahren hatte, an all dass, was sie ihm nie gesagt hatte. Warum hatte sie ihm das nicht gesagt?
"Weißt du auch, was das für ein Unheil ist?", fragte Irvine.
"Ich denke, einen Teil davon haben wir schon kennengelernt. Die Monsterherde, dann der Aquila. Dann die entsiegelten Artefakte aus grauer Vorzeit. Und natürlich die neuformierte Sekte 'Aomes Trianirea' unter Prokylta", sagte Edea.
"Was weißt du über Prokylta?", fragte Squall.
"Im Grunde gar nichts. Ich kenne Prokylta nicht. Ich sehe nur, wozu sie im Stande ist. Das gilt nicht nur für ihre zerstörerischen Kräfte, sondern auch für die Art, sich zu tarnen und im Geheimen zu operieren. Und im Abschirmen ihrer mentalen Kräfte.
Sie gehört zu denjenigen, die nicht gesehen werden, wenn sie es nicht wollen. Die Sache, die sie in Deling City durchgezogen hat, war ein ganz bewusster Akt. Das bedeutet, wir haben es mit einer starken Gegnerin zu tun. Vor allem, wenn man sich ihre Ziele ansieht", sagte Edea, ging zu einem Schrank herüber und zog ein Buch heraus.
"Was wisst ihr über Hyne?", fragte sie schließlich.
"Nur das bekannte Kindermärchen", sagte Squall.
Edea ging zu einem Tisch und schlug das Buch auf. Mehrere Zeichnungen waren darauf abgebildet.
"Dieses Buch sind die Memoiren von Baskarune, einer mächtigen Hexe, die später dem Wahnsinn verfallen ist und einen fürchterlichen Krieg angefangen hat, der die Centra vollkommen ausgelöscht hat.
Sie war die Frau vom Menschenkönig Zebarga, dem Gründer der Centra Ära. Sie war außerdem eine Zeitgenossin des großen Kriegs gegen Hyne und hat ihre Erinnerungen in diesem Buch niedergeschrieben.
Meine engsten Vertrauten, die 'weißen SEEDs', kennen diese Geschichte. In den offiziellen Gardens hat sie sich leider nie im Unterrichtsplan etablieren können", sagte Edea.
Die Zeichnungen waren meist sehr bildgewaltig und zeigten gewaltige Schlachten großer Armeen gegen Monsterhorden.
"Man sagt, dass der Schöpfer Hyne ein großer Urmagier gewesen sei, der von außerhalb auf diesen Planeten gekommen war. Er erschuf sich Werkzeuge, die Menschen, die den Planeten entwickeln und lebensfähig machen sollten. Dann legte er sich in tiefen Schlaf. Als er von seinem Schlaf erwachte, sah er, dass sich die Menschen zu sehr ausbreiteten und so beschloss er, ihre Kinder zu töten. Hyne wurde fast vernichtet, als die Menschen sich rächen wollten. Um sich zu retten, bot er den Menschen die Hälfte seines mächtigen Körpers an. Verschiedene Völker führten Krieg gegeneinander, um diese Hälfte in Besitz zu nehmen. Der Stamm von Zebarga trug den Sieg davon, jedoch erfuhr er, dass Hyne sie reingelegt hatte. Jene Hälfte, um die gekämpft wurde, besaß keine Macht. Hyne wurde seitdem nie wieder gesehen..."
"Existiert er noch?", wollte Irvine wissen.
"Es ist zu vermuten. Ich nehme an, er hätte bei seinem Tod als letzte Geste die Menschheit ausgelöscht. Als Hyne sich entzweite, entstanden der 'Magier Hyne', also jener Teil, der seine Zauberkräfte und seinen Geist übernommen hatte und der 'Träger Hyne', das war jener Teil, der seine physische Gestalt übernommen hatte. Dieser wurde jedoch von den Menschen vernichtet. Magier Hyne floh anscheinend in die Menschenferne, um dort zu überleben."
"Ich habe noch nie zuvor diese Ausführung der Legende gehört. Bisher hörte ich immer nur, dass Hyne der Vater der Hexen sei und dass es eine sterbliche und eine unsterbliche Hälfte gab, aber dass es so detaillierte Beschreibungen gibt, davon hatte ich keine Ahnung", sagte Squall.
Irvine stimmte mit einem schwachen Nicken zu.
"Die Legende von Hyne verblasste mit der Zeit immer mehr. Die Menschen hassten ihn und wollten ihn vergessen. Deshalb zerstörten sie auch sämtliche Aufzeichnungen und Denkmähler von ihm. Dieses Kindermärchen und dieses Buch sind alles, was jetzt noch von ihm übrig geblieben ist. Aber ich glaube fest daran, dass Hyne existierte und noch immer existiert. Er ist nicht so, wie ihr ihn euch vorstellt. Er ist kein Zauberkünstler, der seinen Zepter schwingt und mit einer Handbewegung die Menschen erschuf. Er ist ein Gott und wir Hexen können seine Präsenz fühlen."
"Aber trotzdem ist es eine Legende, oder?", fragte Squall.
Edea schlug eine weitere Seite auf. Ein kleines Bild war darin zu sehen. Mehrere Menschen waren darin glücklich um eine unerkennbare hohe Gestalt auf einem Thron versammelt.
"Dieses Bild ist eines der ältesten Werke der Menschheit. Der Verfasser ist unbekannt, doch gibt es hier unten eine kleine Unterschrift", sagte Edea und deutete auf den unteren Rand der Seite.
Squall blinzelte und entdeckte ein elegant geschwungenes "H" am Seitenrand.
"Man sagt, Hyne selbst habe die Zeichnung angefertigt. Damals gab es noch keine Messinstrumente und doch sind diverse Längen und Proportionen der Gesichter auf diesem Bild so perfekt und bis ins kleinste Detail gleichlang, wie es mit den derzeiten Mitteln niemals hätte erreicht werden können", murmelte Edea.
Trotz Edeas Worte zweifelte Squall immer noch an Hynes Existenz.
"Doch was hat die Hexe Prokylta vor? Sie nennt ihre Sekte 'Aomes Trianirea' und dessen Mitglieder Hyniten. Sie erzählte dann noch irgendetwas von Stimmen, die ihr zuflüstern und von ihrem Vorhaben, das sie begonnen haben sollte... Und diese Kugeln..."
"Ich habe keine Ahnung, was Prokylta beabsichtigt. Allerdings sind diese Kugeln, von denen du erzählt hast Artefakte der Centra-Kultur.
In diversen Kreisen wurde schon lange über diese Artefakte spekuliert. Allerdings hatte man nie irgendwelche Beweise oder gar ein Artefakt selbst gefunden.
Nun scheinen sie jedoch aufzutauchen und mehrere Leute sind interessiert daran, sie zu bekommen. Am Mausoleum tauchte ein Aquila auf, die allgemein als 'Boten Hynes' bekannt sind, in Deling City war es Prokylta und heute marschierte eine Monsterherde auf Dollet zu. Es ist gut möglich, dass sich in Dollet ein weiteres Artefakt verbirgt", spekulierte Edea.
Squall traf es plötzlich wie ein Blitz, als er das hörte. Er erinnerte sich an den Kneipenbesitzer und den seltsamen alten Kauz in der Kutte, die einen Splitter um den Hals trugen, der genauso schimmerte, wie die Artefakte, die Squall bisher gesehen hatte.
"Das darf nicht wahr sein! Warum ist mir das nicht früher aufgefallen?"
Squall griff sich an die Stirn.
"Wovon redest du? Erzähl!", befahl Cifer.
"Erinnert ihr euch noch? In der Kneipe hat uns jemand erzählt, dass der Besitzer und dieser seltsame alte Mann um ein 'Sammlerstück' gespielt haben und deswegen zu streiten begannen. Als wir gehen wollten, trugen beide einen seltsamen Stein um den Hals. Vielleicht war dieses Sammlerstück einer der Kugeln, die sie aus Versehen während dem Streit zerbrochen hatten."
"Wann war das?", fragte Edea scharf.
"Vor zwei Stunden ungefähr", meinte Irvine.
"In Dollet. Im südlichen Stadtteil?", fragte Edea.
Squall nickte erstaunt.
"Ich habe zu dem Zeitpunkt genau da einen kurze heftige Aura gespürt. Ich wusste nicht, was es war. Manchmal gibt es kleinere Magieexplosionen in der Materie, die sowas auslösen, aber wenn es so übereinstimmt..."
"...dann könnte das eine Hexe gewesen sein", schloss Squall.
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals.
"Prokylta war in Dollet?", knurrte Cifer.
"Prokylta hätte sich niemals so entblößt", murmelte Edea.
Irvines Gesicht wurde weiß.
"Heyhey, ihr wollt doch nicht sagen, dass die Person unter der Kutte..."
"Rinoa", flüsterte Squall.
Alle vier sahen sich an.
"Wir müssen zurück!", rief Squall.
"Squall...", sagte Edea.
"Irvine, starte den Transporter. Wenn Rinoa in Dollet ist und ein Stein in Dollet ist, wird sicher auch die Sekte hinter ihr her sein!", rief Squall.
Irvine nickte und rannte mit Cifer aus dem Raum.
"Squall!", rief Edea.
"Was ist denn?", fragte Squall ungeduldig.
"Glaubst du wirklich, dass Rinoa das will? Sie ist verschwunden ohne dir ein Wort zu sagen. Warum hat sie das wohl getan?", fragte Edea laut.
Squall blieb stumm.
"Sie hat dir anscheinend einiges verschwiegen. Und vermutlich aus gutem Grund. Ich sage nicht, dass das, was sie gerade tut klug oder weise ist, aber vielleicht hat sie gute Gründe, nicht mit dir gemeinsam dieses Problem zu lösen", sagte Edea.
"Und welcher sollte das sein? Das ich ein Weichei bin?", fauchte Squall schärfer als er wollte.
Edea sah ihn lange an.
"Das beschäftigt dich, oder? Ich hab ihre Gedanken gefühlt. Sie sorgt sich um dich", sagte Edea.
"Ich kann auf mich aufpassen!", entgegnete Squall.
"Prokylta hätte dich fast umgebracht! Und außerdem musst du auch mal..."
"SIE IST SCHWANGER MIT MEINEM KIND! Es geht hier nicht mehr nur noch um sie. Sondern auch um mein Kind. Und deswegen ist das nicht ihr Problem, sondern auch meins!", brüllte Squall.
"Beruhig dich, Squall!"
"Ich war zu lange beruhigt!", rief Squall und stürmte aus dem Raum.

Als Squall das Haus verließ, kam ihm Irvine entgegen.
"Niida hat diese Nachricht geschickt. Bei der Reparatur stellten sie fest, dass die Ragnarok Antriebe für Notfälle eingebaut hat, die zwar nicht ganz so schnell sind, aber fürs erste reichen. Er startet noch vor Sonnenuntergang und fliegt zum Chocobo-Wald nördlich von hier. Dort sollen wir ihn treffen..."
"Warum kommt er nicht gleich hier her?", fragte Squall brüsk.
"Weil es zu lange dauern würde, nehme ich mal an. Macht euch keine Sorgen. Ich bringe euch beide dort hin und dann könnt ihr weiter reisen. Die Ragnarok würde ich aber trotzdem noch reparieren lassen...", antwortete Irvine.
"Danke Irvine", sagte Squall und stieg in den Transporter ein.
Am Eingang blickte er zu Edea zurück, die am Eingang des Waisenhauses stand und ihm einen langen Blick zuwarf.
Für eine kurze Ewigkeit sahen sie sich in die Augen, dann stieg Squall ein, die Motoren brummten und der Transporter hob ab.
Edea ging zum Strand und blickte traurig ins weite Meer hinaus, während die Flugmaschine mit Squall, Irvine und Cifer in die Höhe schoss. Squall sah aus dem Fenster und konnte erkennen, dass etwas weiter östlich von Edeas Haus ein Schiff eintraf...

Die schwarze Gestalt stand ruhig und gelassen in einer heruntergekommenen Wohnung in Dollet. Sie blickte aus dem Fenster und sah vor einer kleinen Bar den Kneipenbesitzer Günther Berring, der gerade eine kleine Pause machte und eine Zigarette rauchte.
Nach einem Moment zog er einen kleinen Kommunikator heraus.
"Dekodierung 7-7576XG. Schwarzer Prinz an Schwarze Königin. Wind Lacrima geborgen. Unvollständig, Beschaffung anderer Teile oberste Priorität. Ansonsten wohlauf", sprach die Gestalt mit einer furchtbar verzerrten Stimme.
Während der Schwarze Prinz den Kommunikator wegsteckte, beobachtete er, wie Günther seine Zigarette hektisch ausdrückte und zurück in die Bar ging.
Die Gestalt strich über seinen Gürtel, an dem eine Gunblade befestigt war und wurde kurz darauf von den Schatten verschluckt.

"Ich geh schon, Mama!", rief Nimbley und lief zur Tür, als es klopfte.
"Hi! Bist du von den Leuten, die mit dem Schiff gekommen sind? Ich werde übrigens später mal ein SEED werden!"
"Das... ist schön... Hör mal, ich will dich nicht lange aufhalten. Die drei die vorher da waren...", sprach der Mann an der Tür.
"Du meinst die SEEDs? Was ist mit denen?", fragte er neugierig.
"Ich wollte nur wissen, wohin sie nun unterwegs sind...", antwortete er.
"Die wollten sich mit einem Freund irgendwo im oberen Centra treffen und Chocobos fangen... Und dann wollten die nach Dollet, glaube ich."
"Verstehe... Du hast mir sehr geholfen", bedankte sich der Mann.
Zed lächelte. Manchmal war es doch einfacher an Informationen heranzukommen, als er dachte. So nahm er seine Hand vom Gewehr und dachte daran, dass sich die Dinge für ihn vielleicht besser entwickeln würden, nachdem er von seiner Meisterin beim Massaker verschont geblieben war.

"Wer war da an der Tür?", fragte Cid Nimbley erstaunt.
"Ich weiß nicht, der wollte wissen, wo die SEEDs hingegangen sind."
"Ruf mich oder Mama doch bitte das nächste Mal zur Tür, wenn ein unbekanntes Gesicht anklopft."
Edea kam von ihrem Strandspaziergang zurück.
"Hatten wir etwa einen unbekannten Besucher?", wollte sie wissen.
"Vermutlich einer vom Garden. Ich habe zwar keine Ahnung, wer das gewesen sein könnte, aber..."
Cid wurde von einem erneuten Klopfen an der Tür unterbrochen.
"Wer das wohl sein mag... Squall ist doch schon wieder weg...", meinte Edea und ging zur Tür, um nachzusehen, wer ihnen diesmal einen überraschenden Besuch abstattete...