FFVIII: Aomes Trianirea - Kapitel 4

Nichts ist so, wie es scheint

verfasst von MfLuder

In den letzten Jahren hat sich Vieles verändert in Deling City. Viele Interessengruppen sahen nach dem Fall ihres Diktators die Möglichkeit, endlich die Dinge in die Öffentlichkeit zu stellen, die jahrelang vom Staat unterdrückt wurde. Eine besonders große Interessengruppe, die in den letzten Jahren endlich zum Zuge kam, war die Gruppe der Kulturliebhaber. Alle kreativen und kulturellen Bereiche waren unter Deling finanziell stark benachteiligt gewesen.
Doch nun war man entschlossen, die Gruppe der Künstler wieder zu fördern, um der Welt zu zeigen, wie kulturell interessiert die Galbadianer wirklich waren. Überall in Deling City wurden deswegen Projekte begonnen, die nun die kreative Seite der Stadt zeigen sollte. Das wohl größte Projekt, ein Projekt, in das viele reiche Leute investiert hatten und das mit Mühe über die letzten Jahre getragen worden war, wurde direkt ins Stadtzentrum gebaut. Beinahe fünf Jahre hatte der Bau gedauert doch nun besaß Deling City endlich eine Oper!
Die Karten zur Premiere des ersten Stückes waren natürlich schon längst ausverkauft. Die Premiere und die damit verbundene Einweihung der Oper füllten die galbadianischen Zeitungen bereits seit mehreren Monaten; dementsprechend groß war der Andrang.
Für die Jahreszeit war es ein ungewöhnlich kühler Abend. Es hatte einen kurzen, aber intensiven Platzregen gegeben. Die Luft hatte sich abgekühlt und man musste aufpassen, dass man nicht vollgespritzt wurde, wenn mal wieder ein Auto mit viel zu hoher Geschwindigkeit durch eine Pfütze neben einem fuhr.
Obwohl die Premiere erst ein paar Stunden später beginnen sollte, drängten sich jetzt schon Schaulustige um den Prunkbau. Die Meisten kamen aus purer Neugier, andere kamen, um möglichst früh das Bauwerk von innen begutachten zu können.
Es gab aber auch Andere...
Ein Mann schlängelte sich durch die Menge. Er schien keinerlei Notiz von den Leuten um ihn herum zu nehmen, keine Notiz von dem frischen Wetter oder von den zu schnell fahrenden Autos. Er hatte eine Nachricht zu überbringen und diese Aufgabe erfüllte nun sein Denken. Er betrat eine kleine Gasse. Im Gegensatz zu dem Vorplatz der Oper war hier kein Mensch zu sehen. Nicht einmal der Lärm drang vom Platz hier in diese Gasse hinein. Es war beinahe totenstill. Hier irgendwo sollte er sich mit seiner Herrin treffen...
"Ich bin hier!"
Der Mann erschrak und wirbelte herum. Im Schatten konnte er mit Mühe die Umrisse seiner Herrin ausmachen. Sie war vollständig von der Dunkelheit eingehüllt. Lediglich ihre stechenden Augen verrieten dem Mann, wo seine Herrin nun stand und halfen ihm, sie von dem Schatten zu trennen.
"Verzeiht meine Königin. Ich hatte euch nicht gesehen."
"Das ist schon in Ordnung. Ich wollte nicht gesehen werden", antwortete die Frau. Ihre Stimme klang sehr sanft, aber gleichzeitig auch sehr bestimmend.
"Ich...wollte nur sagen, dass wir die Sängerin beseitigt haben und ihre Garderobe für Sie bereitsteht."
"Gut...", erwiderte die Frau zufrieden. Sie beobachtete die Menge. "Sieh sie dir an. Wie sie um dieses Gebäude herumstehen und es angaffen, als ob es das Wichtigste in ihrem Leben sei. Materialismus. Purer Materialismus. Man kann Menschen so einfach kontrollieren. Sogar mit Dingen, die gar nicht für ihr Überleben notwendig sind. Ironischerweise ist dieser Materialismus auch für uns im Moment sehr wichtig, obwohl wir so anders sind als diese Wesen. Hier wird alles anfangen...
Hast du Angst?", fragte sie plötzlich.
"Nein, meine Königin."
"Warum lügst du mich an? Was habe ich dir denn getan?", antwortete die Frau in einem Tonfall leichter Enttäuschung. "Sorge dich nicht, Zed!"
Dann auf einmal veränderte sich ihre Stimme. Sie wurde fast träumerisch.
"Die Stimmen haben es mir gesagt. Sie haben gesagt, dass alles gut gehen wird. Ich kenne die Wahrheit. Ich kenne die Zukunft. Ich kenne die Möglichkeiten. Sie sprechen zu mir. Glaub mir, Aomes Trianirea wird hier anfangen. Hier wird die wahre Geburt der Menschheit passieren. Wir werden dem Schicksal nicht mehr dienen, es wird uns dienen. Hier wird in wenigen Stunden alles anfangen..."

"Chef, vielleicht sollten Sie sich das ansehen."
"Was ist denn, Lucy?"
"Da draußen ist so'n junger Typ. Der hat jetzt schon 20 Gläser dieses hochprozentigen Zeugs getrunken."
"Und wo ist das Problem?"
"Na ja, es ist momentan noch etwas schwierig zu sagen, ob er bereits im Delirium ist oder nicht, aber nach zwei weiteren Gläsern werden wir es ganz sicher wissen."
"Lucy, je mehr er säuft, desto mehr Geld kriegt die Bar, je mehr Geld bekomme ich und daraus resultierend bekommen somit auch sie mehr Geld", kommentierte der Chef der Bar "Zum 7. Himmel" ihre besorgte Anfrage und verschwand wieder in der Küche.
Wer 30 Jahre eine Bar hat, hat Tausende solcher Säufer gesehen und weiß auch, dass die meisten irgendwann umfallen, später aufwachen, bezahlen und nach Hause gehen. Doch Lucy, die erst seit drei Tagen hier arbeitete, hatte diese Gelassenheit nicht. So ging sie also zu dem jungen Mann hin, in dem Vorhaben, ihm vor seinem baldigen Tod zu bewahren. Er hatte lange, braune Haare und schwarze Klamotten an. Zumindest mussten sie mal schwarz gewesen sein. Schwer rauszubekommen, da seine Sachen total verdreckt waren. Musste Schlamm oder so was gewesen sein. Der junge Mann lallte sie an.
"Einmal Vollmachen, bitte."
Lucy atmete einmal tief ein und traf eine Entscheidung.
Scheiß auf den Chef: "Nein."
"Wie nein?"
"Für Sie ist jetzt der Chocobo im Stall!"
"Brauchen Sie Geld? Ich bezahl Ihnen die nächsten 40 im Voraus."
"Wie heißen Sie?"
Der junge Mann rülpste einmal heftig, bevor er seinen Namen rauswürgte.
"Squall".
"Na gut Squall, hören Sie mir zu. Wenn Sie noch mehr trinken, werden Sie vermutlich tot sein und eine Leiche bringt viel Papierkram mit sich. Also: Entweder Sie trinken ab sofort Wasser oder Sie dürfen gehen!"

Squall konnte in dem Blick der Angestellten erkennen, dass sie es ernst meinte. So legte er also seine 500 Gil auf den Tresen und stand auf, um sich gleich wieder hinzusetzen. Verflucht war ihm schwindelig, dachte er sich. Er stellte sich wieder aufrecht hin und versuchte, ein paar Schritte zu gehen. Langsam torkelte er zum Ausgang. Irgendwie vertrug er dieses Zeug schlechter als gedacht. Squall fragte sich unwillkürlich, ob er das von seinem Vater hatte. Schließlich erreichte er die Tür. Die Leute haben schon begonnen, ihn komisch anzuschauen, doch das war Squall egal. Er verließ das Lokal, um es nie wieder zu betreten.

Die Luft war angenehm kühl und klar. Es hatte wohl aufgehört zu regnen. Draußen an der frischen Luft konnte er schon viel besser geradeaus gehen. Squall ging an verschiedenen Lokalen vorbei.
Verdammt, er musste nüchtern werden. Squall konnte unscharf einen Park ausmachen. Während Squall durch den feuchten Moder des dunklen Parks ging, fiel ihm auf, dass dies genau der Park gewesen war, in dem er vor ein paar Stunden hingefallen war, nachdem er erfahren hatte, dass Rinoa....
Er musste kotzen. Er spuckte alles aus. Mindestens 16 seiner Drinks lagen nun hinter einem Busch im Park von Deling City. Da vorne war ein See. Nur noch 20 Meter...16...10...Oh, schon da? Bevor Squall es sich anders überlegte, steckte er seinen Kopf in diesen See...

Warum kann ich nicht mehr gehen? Warum habe ich die Lust verloren, vorwärts zu gehen? Es ist alles so verschwommen. Es tut alles weh.
Früher hat mich doch kein Tod berührt. Selbst als manchmal ein paar Garden-Schüler bei Missionen umgekommen sind und Menschen geweint haben, war mir das eigentlich egal. Nur in der Nacht kamen manchmal ihre Gesichter zu mir. Doch jetzt...
Bin ich abhängig geworden? Warst du eine Droge? Ist Liebe eine krankhafte Sucht, von der man jederzeit befallen werden kann? Oder ist es eine Gabe?
Früher war ich nur auf mich allein gestellt. Ich habe überlebt. Ich kam alleine zu Recht. Doch nun kann ich das nicht mehr. War alles ein Fehler, der sich nun rächt? Vielleicht endet gleich alles, der Abspann rollt, die Leute verlassen die Vorstellung. Oder gibt es doch noch ein 'Fortsetzung folgt...', geht`s doch noch weiter?


Die Atemnot trieb Squall wieder an die Oberfläche. Er wusste nicht so genau, ob es ihm nun besser ging. Doch immerhin konnte er besser gehen. Und er konnte sich besser orientieren. Squall beschloss, zum Hotel zurückzugehen.

Cifers und Niidas Räume ignorierte Squall vollkommen. Er ging direkt in sein Zimmer und schmiss sich aufs Bett. Ihm war immer noch übel und seine Glieder und sein Kopf taten ihm jetzt noch viel schlimmer weh als nach der Betonnacht in Esthar. Sein Magen rumorte vor sich hin. Aber immerhin war das Bett angenehm weich. Er wollte einfach nur schlafen...schlafen...schlafen...

Nichts ist so, wie es scheint.

Squall schreckte hoch. Was war das für eine Stimme gewesen? Hatte er sie geträumt? Sie war so real gewesen... Also ob jemand ihm direkt etwas ins Ohr geflüstert hätte. Doch das Zimmer war leer. Er suchte mit seinen Augen das ganze Zimmer ab. Dabei fiel ihm was auf. Neben seinem Bett stand etwas. Er erkannte es wieder. Es war das Teil, von dem Carway gesprochen hatte, dieses Telefon. Hatte das die ganze Zeit dort gestanden? Auf einmal gab es einen schrillen Ton von sich. Was war das für ein Geräusch? Es klang grauenhaft. Bedeutete das, dass jemand mit ihm sprechen wollte? Er hob langsam ab.
"Hallo?", sprach er schüchtern in eines der Löcher.
"Mr. Leonheart. Sie müssen in das andere Loch sprechen", ertönte es aus genau diesem Loch zurück.
"Ja, das bin ich", sprach Squall in das andere Loch.
Die Stimme klang nicht menschlich. Sie war irgendwie verzerrt.
"Mr. Leonheart, hören Sie mir genau zu: Sie müssen auf der Stelle sich zusammenreißen und einen klaren Kopf bekommen. Sie schweben in höchster Gefahr."
"Sind Sie mir gefolgt?"
"Sie wurden verfolgt. Aber nicht nur von mir. Und hören Sie auf, nach mir zu suchen. Sie können mich nicht sehen."
Squall erschrak. Wo war dieser Kerl? Woher wusste der Typ, dass Squall die Straße hektisch mit den Augen abgesucht hatte?
"Nicht nur ich kann Sie sehen, sondern auch ein Mann, der gerade das Hotel betritt!", sagte die verzerrte Stimme gespannt.
"Und wer ist der Typ?"
"Einer von Aomes Trianirea. Er ist einer dieser Hyniten. Diese Sekte, die anscheinend auch ihre Freundin auf dem Gewissen hat."
"Woher wissen Sie das alles? Wer sind Sie?"
"Das ist irrelevant. Wir haben wenig Zeit. Dieser Typ kommt nicht zu Ihnen hoch, um sie zum Chocobo-Reiten einzuladen. Sie sollten besser das Licht ausmachen und Ihr Super-Schwert ziehen, da Sie sonst auch ohne Bar-Besuch im Delirium landen!"
Es knackte. Der Typ hatte aufgelegt. Squall sah sich um. Er brauchte Dunkelheit. Er machte alle Lampen aus und zog seine Gunblade. Er trat hinter die Tür. Squall konnte sein eigenes Ein- und Ausatmen hören. Seine Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit. Niemand war zu hören. Durch den Türschlitz schien Licht vom Flur hinein. Squall versuchte, das Brummen seines Kopfes zu ignorieren. Auf einmal spannte er all seine Muskeln an. Er hörte etwas. Jemand kam den Flur hinunter. Er konnte seine Schritte hören, wenn auch nur schwer. Der Typ schien barfuß zu laufen und dann auf diesem Teppich... Das Geschrei von der Straße drang durch das Fenster hinein. Jemand schrie draußen. Squall hörte angestrengt hin. Keine Schritte mehr zu hören... Auf einmal wurde das Licht unter dem Schlitz verdeckt. Jemand stand vor der Tür. Das Schloss knackte. Er versuchte, die Tür zu öffnen. Klick. Die Tür ging langsam auf. Squall machte sich bereit. Ein Mann trat in das dunkle Zimmer ein. Er hatte eine Handfeuerwaffe bei sich. Ein Maschinengewehr! Der Mann schritt langsam zum Bett. Squall näherte sich ihm von hinten... Er hob sein Schwert...
Der Mann wirbelte herum und stieß vor Schreck einen Schrei aus! Der Mann feuerte in Panik auf Squall und verfehlte knapp. Squall hechtete nach vorne und warf den Mann um. Er schlug ihm das Gewehr aus der Hand. BUMM. Squall taumelte. Der Typ hatte ihm ins Gesicht geschlagen. Squall hörte, wie der Mann das Zimmer verließ.
"CIFER, NIIDA, HELFT MIR", schrie Squall, während er ebenfalls das Zimmer verließ und dem Mann hinterherlief. Die Türen sprangen beinahe sofort auf und Niida und Cifer rannten mit gezückten Waffen raus. Der kurze Kampf mit dem Mann hat sie anscheinend schon alarmiert. Squall sprintete die Treppe herunter. Ein kleiner Schwindelanfall... dieser verfluchte Alkohol.
"VERFLUCHT, BEWEG DICH!", schrie Cifer.
Der Typ war schon fast durch die Lobby durch. Da stand ein Chocobo... der Mann am Telefon... "zum Chocobo-Reiten einladen"... die verzerrte Stimme...
"Er will mit dem Chocobo fliehen!", brüllte Squall, während er die Lobby betrat.
"Feuga", hörte Squall Cifer hinter ihm brüllen. Squall fühlte eine donnernde Hitze hinter sich. Er warf sich zu Boden und sah einen gewaltigen Feuerball über sich hinweg fliegen. Er flog an dem Mann vorbei, der kurz vor dem Chocobo stand...der Ball sollte den Chocobo treffen! Das Tier schrie in Todesangst auf. Der Ball traf das Tier. Der Chocobo gab einen grauenhaften Schmerzensschrei aus. Es schrie die ganze Zeit, während es verbrannte. Dank der gewaltigen Kraft ging das ziemlich schnell. Kurz bevor es vollkommen verbrannte, brach das Geschreie ab. Kurz danach war es vorbei. Von dem Chocobo ist nur noch ein Häufchen Asche übrig.
Der Mann sah fassungslos zu dem Punkt, wo eben noch sein Chocobo gestanden hatte. Squall warf ihn zu Boden.
"Wer sind Sie, wie heißen Sie?", schrie Squall den Mann an. Squall konnte fühlen, wie der Mann zitterte. Schließlich flüsterte er: "Zed".
"Squall, wir sollten ihn wegbringen. Wir erregen eindeutig zuviel Aufmerksamkeit!", kommentierte Cifer.
Squall sah sich um. Eine neugierige Menge stand um sie herum. Er nickte Cifer und Niida (der sehr blass aussah) zu und packte Zed. Niida sprach einen kurzen Blende-Zauber aus. Alles wurde für kurze Zeit in ein immenses Licht getaucht. Als die Menge wieder in der Lage war, hinzuschauen, waren die Drei längst verschwunden.

"Warum musstest du diesen Chocobo töten?", hörte Squall Niida hinter sich fragen. Squall hatte Zed im Genick gepackt, um einen weiteren Fluchtversuch zu vermeiden, doch Zed schien auch jetzt keinerlei Versuche in dieser Hinsicht machen zu wollen.
"Weil der Typ sonst entkommen wäre.", knurrte Cifer hinter Squalls Rücken zurück.
"Squall, sag auch mal was!", hörte Squall Niida ihn vorwurfsvoll ansprechen.
Verflucht, warum musste er jetzt den Streit schlichten?
"Ich denke auch, dass es nötig war. Er wäre sonst entkommen", entgegnete Squall knapp ohne sich umzudrehen. Er konnte Niida verstehen. Der Tod des Chocobos tat ihm in der Seele weh. Irgendwie komisch, dachte er sich. Bei SEED hatte er doch so viele Morde begehen müssen. Am Anfang hatte er es für den Garden getan, später für die Welt. Warum berührte ihn der Tod eines Tiers so viel, wo er doch gelernt hatte, alle Emotionen abzuschalten, wenn er gegen Monster und Menschen kämpfte?

Die Luft in Squalls Hotelzimmer war stickig. Zed saß auf Squalls Bett. Aus Angst, jemand könnte sie belauschen, wollten sie das Fenster nicht öffnen. Squall fühlte, wie er einen Schweißausbruch nach dem anderen bekam. Alleine bei dem Gedanken an die schöne, frische Luft...
Sein Gegenüber schwitzte allerdings hundertmal mehr als er, soviel war sicher. Zed zitterte. Er hatte vermutlich seinen ganzen Mut und seine ganze Kraft für den Attentatsversuch verbraucht.
Squall registrierte, dass das Telefon wieder weg war. Wer hätte in dieser kurzen Zeit das Telefon wieder beseitigen können? Er behielt seine Gedanken vorerst für sich. Er wollte nicht gerade vor Zed ausplaudern, wie er die Information bekommen hatte, die ihm das Leben gerettet hat.
"Wollen Sie ein Schluck Wasser?", fragte Squall den Mann kühl.
Zed schreckte hoch. Squall sah ihm zum ersten Mal in die Augen. Er hatte einen gehetzten Blick. Er schien über die Frage nachzudenken. Nach einiger Zeit nickte er langsam. Squall schaute Niida an, der stumm in der Ecke saß. Er verstand das Zeichen und ging ins Badezimmer. Es herrschte Totenstille in dem Hotelzimmer. Plötzlich fing über ihnen jemand an zu trampeln. Vielleicht eine Familie mit Kindern. Familie... Kinder... Rinoa... Scheiße!
Aus dem Badezimmer kam das Geräusch einlaufenden Wassers. Nach einer Ewigkeit kam Niida schließlich zurück und gab Zed das Wasser. Dieser trank fast das halbe Glas auf einmal aus.
"Warum wollten Sie mich umbringen?", fragte Squall mit fester Stimme.
Zed schwieg. Er schien nachzudenken. Über ihnen begann die Mutter ihre Kinder anzuschreien.
"So wird das nichts", hörte Squall Cifer aus der Ecke knurren.
Cifer war mit zwei Schritten bei Zed und packte ihn an seinen Hals. Squall konnte sehen, wie wütend Cifer war. Er drückte Zed die Luftröhre zu. Dieser schrie und ließ das Wasserglas fallen.
"Für wen arbeitest du?", fauchte Cifer ihn an.
Zed schnappte nach Luft. Cifer schwang seinen Mantel zurück und holte sein Schwert heraus und hielt es Zed an den Hals.
"Fühlst du das, du Stück Scheiße? Ich bin im Moment müde, aufgeregt und gespannt. Und wenn du weiter schweigst, bekommst du meine... Unzufriedenheit zu spüren. Ich könnte zum Beispiel für eine Sekunde vergessen, das Schwert zu halten und es könnte ein wenig zu weit nach vorne rutschen. In deinen Hals. Weißt du, wie sich das anfühlt? Du spürst kaltes Metall. Dann schmeckst du dein eigenes Blut. Du kannst nicht mehr atmen. Du willst husten, doch die Klinge verhindert dies.
Aber es gibt einen einfachen Weg, dies zu verhindern, mich zufrieden zu stimmen. SAG UNS, WAS DU WEISST!"
Cifers tödliches Flüstern hatte sich bei seinem letzten Satz plötzlich, ohne Vorwarnung, in Geschrei verwandelt. Squall konnte Tränen auf Zeds Wange erkennen.
"Cifer, es reicht!"
Squall packte ihn an der Schulter. Cifer atmete schnell. Squall fühlte, wie Cifers Körper bebte. Schließlich entspannte er sich. Er nahm das Schwert weg und stand auf. Aus den Augenwinkeln konnte Squall sehen, wie Niida Cifer wütend ansah. Squall beugte sich wieder zu Zed vor. Dieser schien irgendwas zu stammeln.
"A...om...es..Tr...ia...nire...a, Aome...s Trianirea...Aomes Trianirea, Aomes Trianirea!"
"Sein Wortschatz kennt keine Grenzen", kommentierte Cifer sarkastisch.
"Aomes Trianirea ist der Name einer Sekte", erläuterte Squall.
"Diese Worte scheinen für ihn eine andere Bedeutung zu haben", meinte Niida leise.
"Was bedeutet das? Was bedeutet Aomes Trianirea. Sind Sie auch ein Hynit? Haben Sie etwa... WAS BEDEUTET ES?!!!!", Squall schrie auf einmal. Dieser Mann war Teil dieser Sekte. Hatte er etwa Rinoa?
Zed hörte auf einmal auf zu weinen. Er schien sich aufzurichten. Selbstbewusstsein kam in seine Augen... beinahe ein Glanz von Überlegenheit.
"Die Antwort auf alle Fragen!", sagte er in einem Tonfall tiefster Überzeugung.
Dieser Irre. Squall hatte Lust, diesem Idioten den Hals zu zerquetschen, ihn so lange die Luftröhre zuzudrücken, bis diese Missgeburt erstickte. Er würde nach Luft schnappen, röcheln...doch nein, das war keine Lösung. Er stand auf, bevor er sich es anders überlegte.
"Cifer, Niida, passt auf diesen...Menschen auf. Ich muss zu Carway!"
Squall musste einen mörderischen Ausdruck auf dem Gesicht gehabt haben, denn weder Cifer noch Niida erwiderten irgendetwas.

Squall nahm nichts mehr wahr. Weder die Autos, noch die Menschen, noch sonst irgendetwas. Er musste zu Carway. Vielleicht wusste er ja, wo diese Sekte zu finden ist. Squall würde sie bis auf den Letzten auslöschen. Er hatte Zed verschont; warum, wusste er nicht. Aber auch dieser kleine Irre würde früher oder später sterben. Diese verrückten Fanatiker hatten wegen ihres Gotteskomplexes Rinoa umgebracht, seine Rinoa. Er fühlte sich verloren... und einsam.

Obwohl es erst ein paar Stunden her ist, dass Squall in der Villa Carway war, erkannte er sie kaum wieder. Einsam und alleine lag sie dunkel an den Rändern der Stadt. Der Empfang musste wohl zu Ende sein, dachte er sich. Sämtliche Autos und auch die sonst so überall präsenten Wachposten waren spurlos verschwunden. Er betrat die Villa.
Einen Moment dachte Squall, er hätte sich im Gebäude geirrt.
Die Villa war leer geräumt. Alles war weg! Die ganze Inneneinrichtung war verschwunden.
"Hallo? Jemand zu Hause?", rief Squall.
Keine Antwort. Er machte sich auf den Weg zu Carways Zimmer. Die Teppiche waren ebenfalls entfernt worden. Alle Lampen waren rausgedreht. Weit und breit niemand. Squall ging ins erste Obergeschoss. Hier war irgendwo war Carway Arbeitszimmer.
Am anderen Ende des Ganges befand sich Carways Raum. Die Tür war ein Spalt geöffnet. Es brannte Licht. Squall ging langsam auf die Tür zu. Ein merkwürdiger Geruch drang in seine Nase. Er stand vor der Tür. Squall zog langsam seine Gunblade. Er hob sie, bereit einen möglichen Angriff abzuwehren ... und trat die Tür ein.
Es war niemand außer Carway im Raum. Doch Carway war tot. Er saß hinter seinem Schreibtisch auf seinem Arbeitsstuhl. In der Hand hatte er ein Gewehr. Er hatte es sich in den Mund gesteckt und abgedrückt. Ein Großteil von Carways Gehirn klebte an der Wand hinter ihm. Squall wurde schlecht. Rinoas Vater... tot. Er hatte ihn nie wirklich gemocht. Aber er wäre fast sein Schwiegervater geworden.
Das Zimmer war in ein merkwürdiges Graubraun getaucht. Squall sah sich um. Es schien vom Kronleuchter zu kommen. Er leuchtete geradezu von innen heraus.
Squall griff mit seiner Hand in den sehr niedrig hängenden Kronleuchter. Hing der eigentlich früher auch schon hier? Er fühlte das Glas. Da in der Mitte, da kam das Leuchten her. Das war kein Glas. Squall zog es hervor. Er hielt einen Stein in den Händen. Eine schwach glimmende Kugel. Das Licht musste durch das Glas verstärkt worden sein. Es trug das Erdzeichen...
Squall hatte anscheinend herausgefunden, wohin der Stein nach seinem Raub aus dem Museum gewandert ist. Er schickte sich an zu gehen, doch an der Tür blieb er stehen. Sollte er die Polizei rufen...?
Würden die nicht ihn verdächtigen? Squall entschied sich letztlich dagegen. Irgendjemand würde Carway schon finden und wenn es seine junge Freundin wäre. Er schaute noch einmal seinen Beinahe-Schwiegervater an, verließ daraufhin die Villa Carway und betrat sie nie wieder in seinem Leben.

Die Strassen waren wie leer gefegt. Vermutlich hatte es mit der Eröffnung der Oper zu tun. Squall hatte ein paar Werbeplakate gesehen. Er ging durch den Park zum Hotel zurück. Auf dem Weg dorthin dachte er nach. Er dachte daran, ob er wirklich die ganze Sekte niedermetzeln würde, wenn er die Gelegenheit dazu hätte... War er vorhin nur wütend gewesen oder hatte er es ernst gemeint? Hatte man ihm nicht einmal gesagt, dass so etwas, woran er vorhin gedacht hatte, schlecht wäre? War es schlecht? Sie hatten ihm was genommen, und nun würde er ihnen etwas nehmen! War das schlecht?
Squall rutschte aus und landete im Matsch. Er fluchte. Sah er nicht schon schlimm genug aus? Während er sich wieder hochrappelte, bemerkte er, dass er genau an der Stelle hingeflogen war, wo er auch vor ein paar Stunden gelandet war als er Carways Villa verlassen hatte. Merkwürdig.
Er löste seinen Konflikt mit der Rache schließlich für sich, in dem er an sein altes Kampftraining dachte.
"Lass dich nie von Gefühlen wie Rache im Kampf leiten! Das beeinträchtigt deine Fähigkeit, eine Gefahr realistisch einzuschätzen!"
Das hatte Quistis vor Jahren im Garden mal zu ihm gesagt. Squall beschloss, ihren Rat anzunehmen und, wenn er in die Situation käme, die Sache ruhig anzugehen, abzuwägen und dann zu handeln.

Eine weitere Überraschung erwartete Squall, als er zurück im Hotel angekommen war. Sein Hotelzimmer war verwüstet. Die Zimmer von Niida und Cifer waren verlassen. Von Cifer, Niida oder Zed keine Spur. Merkwürdigerweise wusste auch die Dame am Empfang nichts über Cifer und Niida. Sie hatte weder jemanden kommen noch gehen sehen. Squall trottete zu seinem Zimmer zurück. Alleine, nur mit einem mysteriösen Erdstein in der Tasche.
Er betrat ein weiteres Mal sein Zimmer. Squall's Magen zog sich zusammen. In der Mitte des Zimmers befand sich ein Tisch mit einem Telefon. Er war nur eine Minute weg gewesen. Das Telefon klingelte auf einmal.
"Hallo?", sprach Squall in den Hörer.
"Ich hätte mir Ihre Stimme irgendwie... weniger tief vorgestellt", kicherte eine Frauenstimme am anderen Ende.
"Wer sind Sie?"
"Nicht wichtig. Wir werden uns bald treffen. Ich weiß ziemlich viel über Sie, Squall. Ich habe Sie lange beobachtet."
"Sind Sie etwa auch von dieser Sekte?"
"Jep. Ach übrigens war ich es, der Ihr Zimmer ein wenig... unordentlich gemacht hat. Verzeihen Sie bitte. Aber ich konnte meinen treuen Freund Zed nicht alleine lassen. Ach ja, Ihre Freunde habe ich mitgenommen. Sie werden einen qualvollen Tod sterben." Die Frauenstimme lachte.
"Sie verdammtes Miststück!"
"So bin ich eben. Aber ich bin ja kein Unmensch. Wir könnten einen kleinen Handel arrangieren. Ich tausche die Beiden gegen, sagen wir, den Stein in ihrer Tasche. Es ist Ihre Entscheidung. Wenn Sie 'Ja' sagen, werde ich Ihnen das weitere Vorgehen erklären, wenn Sie 'Nein' sagen, werden Ihre Freunde sterben. Man wird ihre Leichen oder Teile davon in ein paar Tagen in der Kanalisation finden. Also?"
Squall schwitzte. Die Luft war zwar immer noch stickig, doch das war es nicht. Es war die Kälte, mit der diese Stimme sprach. Sie jagte ihm einen Schauer über den Rücken.
"Na gut. Wo kann ich Sie treffen?"
"Guter Junge. Ihr habt Glück, Jungs.", rief sie jemandem im Hintergrund zu.
Niida und Cifer mussten sich in der Nähe befinden, dachte sich Squall. Er bebte vor Zorn. Ganz ruhig bleiben, sagte er zu sich. Er musste einen kühlen Kopf bewahren.
"Squall? Noch dran? Hören Sie mir zu. Unter dem Telefon befindet sich eine Karte zu der angeblich ausverkauften Oper heute Abend. Sie haben doch sicher davon gehört. Ganz Deling City spricht ja von nichts anderem mehr. Genießen Sie das Werk. Im Finale des dritten Aktes, an der spannendsten Stelle, müssen Sie leider die Vorstellung verlassen. Sie haben einen Platz auf den seitlichen Rängen. Danken Sie mir ruhig für diesen tollen Platz. Gehen Sie auf dem Flur in Richtung Bühne. Dort befindet sich eine Tür. Über der Bühne ist ein Gerüst. Dort werden wir uns treffen. Bis dann, mein Süßer."
Squall schien es, als ob sie in den Hörer küsst, dann ein Knacken. Aufgelegt. Squall legte den Hörer auf die Gabel. Er hob das Telefon hoch. Da war tatsächlich eine Karte.
Das Telefon klingelte erneut! Hatte es sich die Frau anders überlegt? Er hob ab.
"Sie sollten zu diesem Treffen auf keinen Fall unvorbereitet hingehen!"
Die verzerrte Stimme, die Squall auch vor dem Attentat gewarnt hatte.
"Sie haben gelauscht?"
"Mit der richtigen Technik lässt sich alles belauschen. Wir haben nicht viel Zeit. Sie müssen vorsichtig sein. Die haben versucht Sie einmal umzubringen, sie werden es wieder tun. Wissen Sie, von wem die Oper ist?"
"Nein."
"Sie stammt von Wedow, dem 3. dolletschen König. Neben seiner Leidenschaft zu komponieren und zu regieren, betätigte er sich als Serienmörder. Er brachte am liebsten Frauen vor den Augen ihrer Kinder um. Er rottete ganze Familien aus. Dank seines königlichen Status war er jedoch in der Lage, sich des Gesetzes zu entziehen. Mehr noch, sie haben ihn mit einem schicken Trauerzug zu Grabe getragen. Was ist die Geschichte anderes als eine Lüge, über die sich alle einig sind?
Seine Musik allerdings wird bis heute hochgeschätzt. Die Intellektuellen versuchen, seine "mörderische" Seite wegzudiskutieren."
"Und was hat das alles mit dem Treffen zu tun?"
"Das Stück handelt ebenfalls von einer Mörderin. Einer Frau, die ihren Geliebten von hinten erschießt. Diese Mordszene hat dieses Stück, aus irgendwelchen Gründen auch immer, berühmt gemacht. Sie bildet den Höhepunkt des Stückes und findet im 3.Akt statt."
"Sie meinen...."
"Passen Sie auf, dass auch Sie nicht von hinten erschossen werden. Es kann kein Zufall sein, dass die sich parallel zur großen Mordszene mit Ihnen treffen wollen. Der Schuss auf der Bühne könnte einen möglichen Schuss eines Scharfschützengewehrs verhindern. Ich weiß leider nicht, wie die Sie genau umbringen wollen, aber seien Sie vorsichtig. Ich will nicht, dass unser dolletscher Freund ein weiteres Opfer auf seinem Konto verbuchen kann.
Machen Sie sich bereit. Die Oper fängt in einer halben Stunde an. Ach ja, versuchen Sie, Ihre Klamotten ein wenig sauberer zu machen."
"Sie wissen ja bestens Bescheid. Werden Sie auch da sein?"
Die verzerrte Stimme lachte ein wenig.
"Ich bin doch die ganze Zeit da. Viel Glück!"

Der Impresario wurde langsam nervös. Sie war immer noch nicht da. Überall rannten Menschen herum, jeder seiner eigenen Aufgabe nachgehend. Die Schauspieler sangen sich ein, manche bekamen noch einmal Make-Up aufgetragen, bei anderen saß das Kostüm noch nicht richtig. Jeder versuchte, mit dem Druck auf seine Weise fertig zu werden. Der Impresario wischte sich alle fünf Sekunden mit dem Ärmel seines Hemdes den Schweiß von der Stirn.
Im Moment war er besonders nervös, da jeder anscheinend da war, nur Sarah, die Hauptdarstellerin nicht.
"Stewart!", bellte der Impresario.
"Ja", rief sein junger Assistent, während er angerannt kam.
"Warum ist Sarah noch nicht hier?"
"Sie wollte sich in ihrer Garderobe für den Auftritt vorbereiten."
"Holen Sie sie her!", befahl der Impresario und wischte sich erneut den Schweiß ab.
Stewart eilte schnell davon, einerseits um den Befehl seines Chefs nachzukommen, andererseits weil er ein weiteres Schweißabwischen nicht mit hätte ansehen können.
Er verließ den stickigen, vollen Bereich unmittelbar hinter der Bühne und machte sich auf den Weg Richtung Garderoben. Der Unterschied war bemerkenswert, dachte Stewart, als er auf den Flur, auf dem sich die Türen zu den einzelnen Garderoben befanden, einbog. Gerade eben noch laut und heiß, hier absolut leise und kühl. Schließlich erreichte er die Tür von Sarahs Garderobe.
"Sarah, der Chef will dich sehen!", rief Stewart durch die verschlossene Tür. Keine Antwort. Vielleicht war sie eingeschlafen.
Stewart öffnete die Tür und trat ein. Doch Sarah schlief nicht. Sie war tot. Stewart wollte schreien, doch er konnte nicht. Anstatt Luft kam Blut die Lunge hoch. Er fühlte eisige Kälte. Er schaute an sich herunter. Dort, wo seine Brust gewesen war, befand sich ein riesiges Loch... und eine Hand. Auf dem Boden sah er viel Blut... sein Blut. Stewart würde nie erfahren, was soeben sein Herz und seine Lunge vernichtet hatte. Er war tot, bevor er auf dem Boden aufschlug.

Zed schaute auf die Leiche des Assistenten herunter. Neben ihm stand seine Herrin. Obwohl ihre Hand gerade einen Menschen durchbohrt hat, klebte kaum Blut an ihr. Sie war zu schnell und zu präzise gewesen.
"Wir können von Glück sagen, dass die Hauptrolle die ersten drei Akte eine Maske aufhat. Somit wird niemand merken, dass ich und nicht sie da vorne steht. Die Aufzeichnung ihrer Stimme wird hoffentlich perfekt abgespielt", meinte die Frau, ohne Zed anzugucken.
"Ja, meine Königin."
Seine Herrin begann, die Kostüme von Sarah runterzureißen und begann sie sich selbst anzuziehen.
"Ähm, meine Königin. Werden die nicht merken, dass eine ihrer Assistenten tot ist?"
Die Frau sah ihm auf einmal direkt in die Augen. Ihre stechenden Augen bohrten sich tief in Zeds Kopf hinein. Er kam sich auf einmal nackt vor. Dann auf einmal lächelte sie...
"Bis der Zeitpunkt kommt, dass jemand nach einem Assistenten sucht, wird eine ganz schön lange Zeit vergehen. Und selbst wenn die ihn dann finden, ist es zu spät für sie."

Die Oper zu finden war einfach gewesen. Auch das Hineinkommen hatte Squall kaum Schwierigkeiten bereitet. Zwar hatte die Kontrolleurin ein wenig skeptisch auf seine schmutzigen Klamotten geschaut, dennoch ging bisher alles bemerkenswert flüssig. Nun da er in der Oper war, wurde alles schon etwas schwieriger. Er war noch nie in einer gewesen und wusste nichts über irgendwelche Platzanordnungen. Während er also nun zum wohl fünfzehnten Mal durch die Eingangshalle ging, weil er schon wieder die falsche Treppe genommen hatte, warf er einen Blick auf die anderen Besucher. Sie alle machten einen fröhlichen und unbeschwerten Eindruck. Squall wünschte sich, er wäre auch hier, um sich zu amüsieren.
Schließlich hatte er doch seinen Platz und gleich dazu noch den Weg zum Gerüst gefunden. Er saß ziemlich gut und konnte die Bühne gut sehen. Allerdings fiel ihm sofort auf, dass er einen Platz hatte, auf dem er für einen Scharfschützen wie auf dem Präsentierteller saß. Aber immerhin saßen um ihn herum Leute. Man würde ihn wohl nicht vor dem gesamten Publikum ermorden wollen...oder? Sein Magen zog sich unangenehm zusammen.
Squall entdeckte am Bühnenrand einen Mann, der sich unablässig den Schweiß von der Stirn wischte. Der Mann ging schließlich auf die Bühne. Er musste wohl der Leiter der Oper sein. Er hielt eine lange Rede über die Kunst von Wedow, irgendwelche tollen musikalischen Figuren miteinander zu verknüpfen. Squall dachte an die Worte der verzerrten Stimme, die ihm erzählt hatte, dass Wedow ein Massenmörder gewesen sei. Anscheinend gehörte der Redner zu den Personen, die diesen Charakterzug gerne weglächelten.
Schließlich wurde es ruhig. Der Saal wurde komplett dunkel. Man hörte ein paar Zuschauer tuscheln. Squall suchte wieder alles nach eventuellen Scharfschützen ab, konnte jedoch bei der Dunkelheit kaum etwas sehen.
Auf einmal wurde alles hell. Squall kniff die Augen zusammen. Das Bühnenlicht war schlagartig angegangen und das Orchester hatte angefangen zu spielen. Die Oper hatte begonnen.

Obwohl Squall kein Freund klassischer Musik war und eigentlich mehr damit beschäftigt, die Umgebung nach möglichen Attentätern abzusuchen, musste er doch zugeben, dass die Musik etwas unheimlich Entspannendes hatte und eigentlich ziemlich schön klang. Er erkannte zwar in keinster Weise irgendwelche komischen musikalischen Gebilde (anders als eine Frau neben ihm, die ihrem Mann die ganze Zeit erklärte, was denn nun so besonders an der Art war, wie Wedow die Pauke auftreten ließ), aber die Musik beruhigte ihn irgendwie. Er verstand zwar nicht so ganz, warum die Hauptdarstellerin die ganze Zeit eine Maske aufhatte, aber was soll's. Irgendwie dachte er die ganze Zeit daran, dass der Komponist ein Mörder und Verrückter war, doch irgendwie konnte er das nicht so ganz mit der Musik in Einklang bringen.
Reiß dich zusammen, ermahnte er sich. Du bist nicht hier, um Musik zu hören, sondern um einen Austausch zu machen.
Er wurde von Szene zu Szene angespannter. Denn mit jeder Szene rückte der 3. Akt näher.
Wie viel Szenen hatte eigentlich der 2. Akt? Woher wusste er, wann der 3.Akt anfing?
"Nur noch diese Szene und der 3.Akt fängt an!", flüsterte die Frau neben ihm ihren Mann zu. (Squall wurde das Gefühl nicht los, dass der inzwischen eingeschlafen war.)

Der Flur der Oper war inzwischen leer. Etwas weiter weg war die Tür, die zum Gerüst führen sollte. Aber irgendwie stand Squall regungslos im Flur. Warum konnte er sich nicht bewegen? Was war los mit ihm? Squall schaute über seine Schulter. Da war nichts. Doch irgendwie hatte er das Gefühl, beobachtet zu werden. Er schritt langsam den Flur hinunter. Seine Schritte hörten sich merkwürdig laut an. Die Musik war kaum zu hören. Er war doch nur durch eine Tür gegangen. Ihm war auf einmal so kalt. Schließlich stand er vor der Tür, die ihn zum Gerüst führen sollte. Squall amtete einmal tief durch. Er würde jetzt da durchgehen und über der Bühne den Austausch machen und wieder verschwinden. Schließlich öffnete er die Tür und schritt hindurch.

Er versuchte zu erkennen, wo er war. Vor ihm sah er einen schmalen Pfad. Er ging ein paar Schritte. Als er nach unten schaute, bemerkte er, dass er sich direkt über der Bühne befand. Er konnte den Orchestergraben sehen und schließlich die gefüllte Opernhalle. Die Gäste waren anscheinend so auf das Geschehen auf der Bühne konzentriert, dass sie ihn gar nicht bemerkten. Squall hörte trotz der lauten Musik ein Summen, das von einer Maschine zu kommen schien. Als er sich nach der Ursache des Geräusches umsah, bemerkte er erst die Scheinwerfer, die unter dem Pfad befestigt waren. An dem Pfad, korrigierte er sich. Er befand sich also anscheinend auf einem Weg, den sonst Beleuchtungstechnikern vorbehalten war.
Er schaute sich um. Hier irgendwo sollte er sich mit jemandem von der Sekte treffen. Aber hier war niemand. Vielleicht musste er noch ein wenig nach vorne gehen. Er zog sein Schwert. Squall wusste, dass das Gerüst der ideale Ort war, um ihn abzuschießen. Mit seiner Gunblade hatte er wenigsten den Hauch einer Chance, die Kugel abzuwehren. Er befand sich jetzt ungefähr über der Mitte der Bühne. Immer noch niemand. Squall umschloss sein Schwert noch um einiges fester als bisher. Ruhig bleiben, sagte er sich. Unwillkürlich musste er an etwas denken, was die verzerrte Stimme vor kurzer Zeit zu ihm gesagt hatte. 'Passen Sie auf, dass Sie nicht von hinten erschossen werden.'
Von hinten erschossen... Hinter ihm. Jemand stand hinter ihm.
Seine Muskeln spannten sich an. Er konzentrierte sich. Er würde herumwirbeln und ihm seine Waffe aus der Hand schlagen. Der Angreifer durfte nichts von Squalls Plan wissen. Squall ging noch ein Stückchen weiter nach vorne, aber langsamer als bisher. Er wollte warten, bis der Angreifer in Reichweite war.
"Drehen Sie sich um!", rief eine Stimme hinter ihm.
Squall blickte ins Publikum. Anscheinend hatte niemand etwas bemerkt. Dann drehte er sich um.
Ungefähr drei Meter von ihm entfernt stand Zed. Er trug eine höchst ungewöhnliche, bernsteinfarbene Robe.Zed hatte eine Pistole auf Squall gerichtet.
"Geben Sie mir den Stein!", befahl Zed.
"Wo sind Cifer und Niida? Solange ich die nicht sehe, bekommt ihr diesen Stein auf keinen Fall!", gab Squall zurück.
"Sie sind nicht in der Position, Bedingungen zu stellen", gab Zed kühl zurück.
Auf einmal gab es einen Ruck. Das Gerüst bewegte sich nach unten. Vermutlich sollte irgendetwas neu beleuchtet werden, dachte sich Squall. Die Scheinwerfer gingen auf einmal aus, doch das schien dazuzugehören Die Musik lief normal weiter. Die Bühne und die Oper waren auf einmal merkwürdig dunkel. Zed und Squall sahen sich unverwandt an. Squall wusste, dass Zed jederzeit abdrücken konnte. Auf einmal begann das Publikum zu tuscheln. Durch die nicht vorhandene Beleuchtung und das Absinken der Scheinwerfer waren sie vielleicht in der Lage Squall zu sehen. Er war sichtbar, schoss es ihm durch den Kopf. Squall sah sich hektisch um! Er versuchte angestrengt irgendwelche Scharfschützen auszumachen. Doch da war nichts. Die Hauptsängerin sang derweil ungerührt immer lauter und höher...und höher.
'Rückenschuss...3.Akt...erschießen von hinten...Sängerin...besonders hoch.' Der mysteriöse Anrufer kam ihm wieder in den Sinn.
Aus den Augenwinkeln sah er die maskierte Hauptdarstellerin. Er schaute kurz zu ihr herunter.
Sie schaute zurück. Sie schaute ihn an! In ihrer Hand glühte etwas. Squall riss die Augen auf. Sie starrte ihn förmlich an, ihre Augen glühten, Mordlust stach ihm entgegen! Sie war die eigentliche Attentäterin! Reflexartig sprang Squall in die Höhe. Kein Moment zu früh!
Die Sängerin schoss einen Feuerball ab. Er schlug mitten in das Beleuchtungsgerüst ein, wo Squall kurz zuvor noch gestanden hatte. Squall sah aus den Augenwinkeln, wie sich Zed mit einem Hechtsprung rettete.
Das Orchester hörte schlagartig auf zu spielen. Squall knallte mit dem Rücken auf die Bühne. Er sprang auf der Stelle wieder auf und sprang zur Seite...nicht zu früh, denn die Sängerin schoss einen weiteren Feuerball auf ihn ab. Squall rollte sich noch rechtzeitig zur Seite. Er konnte die immense Hitze des explodierenden Feuerballs spüren. Die anderen Schauspieler, das Publikum und das Orchester schauten Squall und seine Gegnerin verdutzt an. Auf einmal sprach sie.
"Ich höre Stimmen. Sie sagen mir, dass wir uns ohne Publikum unterhalten sollten!"
Und damit drehte sie sich zum Publikum um. Sie hob ihre Hand und streckte den Zeigefinger raus, als ob sie auf die Decke zeigen wollte, behielt das Publikum weiter im Auge. Squall wusste, dass das nichts Gutes bedeuten konnte. Plötzlich fühlte er es. Er spürte einen immensen Druck auf den Ohren. Magie. Sie konzentrierte die Magie. Will sie etwa das Publikum? Er wollte es warnen, doch in diesem Moment tauchte ein intensiver Ball aus blauem Feuer über ihrer Fingerspitze auf. Sie ließ ihn auf Größe eines Kopfes heranwachsen.
Sie verbeugte sich kurz vor dem Publikum, als würde sie Applaus entgegennehmen.
"NEIN!", brüllte Squall.
Die Frau schleuderte den Ball auf das Orchester. Der Ball vernichtete das gesamte Orchester auf einem Schlag, flog ungerührt weiter und schlug in der Mitte des Saales ein. Einen kurzen Moment war alles still.
Dann nach wenigen Herzschlägen spürte Squall eine gewaltige Druckwelle. Sie drückte ihn vom Publikum weg. Dann auf einmal war alles weiß. Er hörte tausend Stimmen, die in Panik und Todesangst aufschrieen und dann nichts mehr...

Hart. Er lag auf hartem Untergrund. Vermutlich Holz. Verdammt, warum musste er immer auf hartem Untergrund liegen? Er wünschte sich so sehr sein warmes Bett zurück. Er atmete einmal tief ein. Es roch nach Verbrannten.
Squall öffnete schlagartig die Augen. Es war dunkel, es war still. Er stand auf. Die ganze Oper war verlassen. Er befand sich auf der Bühne, doch keinerlei Scheinwerfer waren an. Die einzige Lichtquelle, die Squall ausmachen konnte, war die Beleuchtung über der Eingangstür. Squall suchte den Boden nach seinem Schwert ab. Das musste hier doch irgendwo gelegen haben.
"Suchst du nach deinem Schwert?"
Squall schaute sich um und versuchte auszumachen, woher die Stimme gekommen ist. Auf einmal gingen ein paar Scheinwerfer an. Sie strahlten ein sehr gedämpftes, dunkelblaues Licht aus, gerade mal genug, um wenigsten etwas zu sehen. Squall fiel auf, dass blauer Nebel überall auf der Bühne herumwaberte.
"Du musst nicht nach deinem Schwert suchen, Süßer. Weil du es nicht finden wirst."
Squall erkannte die grausame Stimme vom Telefon wieder, die ihm den Handel vorgeschlagen hatte.
"Wer sind Sie?", fragte Squall.
"Die interessantere Frage ist wohl? Was bin ich?", antwortete die Stimme, doch dieses Mal war sie für Squall klar zu bestimmen. Sie kam aus einer der Ecken. Er hörte Schritte aus dem Schatten, die langsam näher kamen. Schließlich trat eine Frau aus dem Schatten. Es war die Sängerin. Sie hatte immer noch die Maske auf, allerdings trug sie statt des pompösen Bühnenoutfits ein einfaches, langes, schwarzes Kleid. Squall bemerkte sofort ihre stechenden Augen.
"Sind Sie eine Hexe?", fragte Squall unsicher.
"Bingo! Intelligentes Kerlchen", antwortete die Hexe.
"Ich glaube Ihnen nicht. Ich habe so ziemlich jeden Fleck auf dieser Welt gesehen. Sie wären mir aufgefallen", fuhr Squall sie scharf an.
"Ihr habt schließlich nicht nach mir gesucht. Außerdem glaubst du wirklich, du erkennst eine Hexe, wenn du sie siehst? Rinoa hast du lange nicht erkannt."
Die Frau ging auf Squall zu, bis ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren. Squall wich nicht zurück. Diese Augen hypnotisierten ihn.
"Du bist wirklich süß. Verträumte, ehrliche Augen, kräftiges Haar. Kein Wunder, dass Rinoa dich gemocht hat", sagte die Hexe, als rede sie über das Wetter.
Die Hexe ging um Squall herum und legte ihre Hände von hinten auf seine Brust. Warum wehrte er sich nicht? Er war wie paralysiert von dieser Frau. Er schluckte ein paar Mal. "Sind sie etwa der Unterhändler von Aomes Trianirea?"
"Schlimmer noch, Schatzi, ich bin die Chefin von Aomes Trianirea."
Ihre Hände glitten in Squalls Shirt hinein. Er konnte ihre Hände auf seiner Brust fühlen. Sie waren kühl.
"Oh, was für ein Körper. Hast etwas zugenommen, oder?", flüsterte die Hexe beißend in sein Ohr. Squall bekam eine Gänsehaut. Verflucht, reiß dich zusammen, sagte er sich. Er ließ sich hier von der Führerin von Aomes Trianirea betatschen, die vermutlich dafür verantwortlich war, dass Rinoa...
Also ob die Hexe seine Gedanken gelesen hätte, sagte sie: "Ist es nicht erstaunlich, wie triebhaft doch der Mensch trotz seiner Intelligenz ist? Obwohl ich deine Freundin umgelegt habe, hast du wohl nichts dagegen, mit mir etwas zu schmusen, nicht wahr, Süßer?"
Squall riss sich aus seiner Paralyse. Als ob er elektrisiert worden war, nahm er ihre Hände und zog sie aus seinem Shirt heraus. Die Hexe kicherte.
"Oh, ist unser Squall auf einmal wütend?"
"Warum?"
"Sie gefährdete meine Interessen", entgegnete die Hexe auf einmal geschäftsmäßig.
"Was für Interessen? Ein Kindermärchen wahr zu machen?!"
"Du sprichst abfällig über ein Kindermärchen, obwohl du doch selbst nur ein kleines, dummes Kind bist."
"ICH BIN KEIN KIND!"
"Du schreist aber wie eins! Du weißt doch, was man Kindern sagt. Wer schreit, hat Unrecht", gab die Hexe bösartig grinsend zurück. Squall atmete schwer.
"Es gibt eine belebte Welt, die nur diejenigen mit den empfindlichsten Augen sehen können. Wir Hexen gehören zu diesen Leuten. Die Welt hat verschiedene Herzschläge. Es gibt wahre und es gibt künstliche. Ich und meine Gruppierung, wir werden den Menschen die Masken abreißen und uns in höchstem Wesen selbst vernichten, bis es nur noch unser innerstes Heiligstes übrig ist. Und dies geben wir dem großen Schöpfer zum Opfer."
Ihre Stimme wurde auf einmal träumerisch.
"Die Stimmen kommen aus dieser wahren Welt. Sie weisen mir Weg. Sie haben mir gesagt, ich soll Rinoa umbringen. Ich habe ihnen gehorcht."
Squall fühlte, wie eine endlose Wut in ihm hochkochte. Wegen dieser verrückten Zicke musste Rinoa sterben! Er hatte nur noch einen Wunsch. Er wollte diese Frau töten. Mit aller Kraft. Er würde ihr die Luftröhre zudrücken. Sie würde röcheln und sterben. Er lief auf sie zu. Doch irgendwie kam er aber nicht an sie heran. Es schien ihm als würde er auf der Stelle laufen. Sie hob eine Hand ganz langsam. Wie in Zeitlupe bemerkte er, wie sie ihre Hand langsam auf ihn richtete. Er wollte ausweichen, doch seine Beine rannten starr weiter auf der Strecke. Ein blauer Blitz entwich ihren Händen.
Squall spürte auf einmal, wie eine gewaltige Macht seine ganzen Muskeln zusammenziehen ließ und ihn nach hinten schleuderte. Die Hexe hatte ihn voll erwischt.
"Tse, tse, tse."
Die Hexe schüttelte lächelnd den Kopf.
"So wird das nichts, Squall. Mit etwas Jähzorn kommst du hier nicht weit."
Er musste sich konzentrieren. Bereits ein einfacher Blitz hatte ihn außer Gefecht setzen können. Wenn er doch nur sein Schwert hätte.
"Oh, du brauchst dein Schwert?", fragte ihn die Hexe.
Auf einmal ging das Bühnenlicht an. Squall kniff die Augen zusammen. Er wusste, er war im Moment der Hexe schutzlos ausgeliefert. Seine Augen gewöhnten sich langsam an das Licht. Ein ganz anderes Bühnenbild war aufgebaut worden. Er sah eine Felsenlandschaft, komplett mit Vulkanen und Feuer. Durch das Zischen der Nebelmaschinen hörte er einen monotonen Chor.
"Aomes Trianirea, Aomes Trianirea, Aomes Trianirea..."
Ungefähr dreißig Menschen, alle so gekleidet wie Zed, standen auf der Bühne. Die Hexe schritt auf sie zu. Die Sektenmitglieder bildeten einen Korridor für sie und fielen auf die Knie, während die Hexe an ihnen vorbei schritt. Sie stieg die Felsenlandschaft hinauf zu etwas, das wie ein Pfahl aussah. Zwei Personen waren daran festgekettet. Cifer und Niida! Man hatte ihnen beiden den Mund zugebunden. Die Hexe trat zu ihnen und wandte sich an die Sekte. Squall konnte sehen, wie die Hexe ihre Arme hob. Aus seinen Augenwinkeln sah er etwas auf dem Boden liegen. Seine Gunblade. Hatte sie dort die ganze Zeit gelegen? Schnell hob er sie auf.
"Aomes Trianirea. Die Antwort auf die zentrale Frage der Menschheit. Dieser Name, dieser einfache Name bedeutet alles. Er beinhaltet so viel, er beinhaltet eine ganze Geschichte!", donnerte die Hexe.
Sie schien Cifer und Niida vollkommen zu ignorieren.
"Ihr wisst, dass ein Leben der Welt nichts bedeutet. Doch wir sind in der Lage unser Schicksal zu ändern. Ihr habt eine Hexe an eurer Seite. Eine Hexe, die das gleiche Ziel wie ihr hat. Eine Hexe, die keine Macht will, sondern gemeinsam mit euch streiten wird, bis dieses Ziel in unserer Hand ist. Eine Hexe, die den falschen Göttern von heute diese Macht entreißen wird und euch und dem wahren Schöpfer zurückgeben wird. Die vergessene Hexe Prokylta!"
Sie hieß Prokylta, dachte sich Squall.
"Wir haben heute einen Ehrengast. Squall, du hast dir dein Schwert gewünscht und trotzdem stehst du da. Ganz alleine und hilflos. Warum tötest du uns nicht alle? Du wolltest doch alle umbringen. Hier sind wir."
Squall wusste, dass sie nur darauf wartete, dass er wieder die Kontrolle verlor. Mit Waffengewalt kam er hier nicht weiter.
Wie lange ist das her gewesen, seitdem er das letzte Mal einen gezaubert hatte? Er wusste noch, wie es ging. Squall versuchte, seinen Kopf frei zu machen... sich den Elementen und den Energien der Natur zu öffnen. Er ignorierte den Lärm um sich herum... es wurde alles still. Und dann fühlte er es. Er fühlte die Luft auf seiner Haut, er fühlte die Elemente, er fühlte die Hitze der Vulkane, die Hitze des rauschenden Blutes, die Kälte der Klimanlage, die Abwesenheit des Windes... Er fühlte die Magie.
Seine Gedanken wandten sich Prokylta zu. Auf einmal spürte er sie und ihre Macht. Sie war eine der mächtigsten Hexen, der Squall jemals begegnet war. Ihre Macht kam der einer Artemisia oder mindestens einer Adell gleich. Er versuchte etwas von ihrer Magie auf ihn zu übertragen. Er fühlte nach etwas kaltem... nach Eis. Er spürte, wie Prokyltas Gedanken reagierte, wie sie ihn blocken wollte, doch Squall war schneller und zog einen Teil ihrer Eismagie zu sich. Er konzentrierte diese Magie auf seiner Handfläche. Er fühlte die Kälte, sie sich in einem kleinen Ball in seiner Hand bildete und einen sanften eisigen Windstoß. Er hatte es geschafft!
Er ließ los. Eine gewaltige Eiskugel flog auf Prokylta zu. Sie duckte sich noch rechtzeitig. Die Eiskugel zersprang in viele kleine Stücke.
Squall fühlte auf einmal, wie sich seine Sinne schärften. Und dann, als wäre eine alte Blockade gelöst worden, kam alles wieder zurück. Erinnerungen an vergangene Kämpfte, Gefühle, Tricks...
Das ruhige Leben der vergangenen Jahre verband sich mit seinem alten Leben.
Er blickte zu Prokylta, dessen arrogantes Lächeln verschwunden war. Anstatt dessen tauchte purer Zorn auf ihrem Gesicht auf.
"Lasst uns alleine", sagte sie mit tödlicher Ruhe. Die Sektenmitglieder verschwanden innerhalb von Sekunden hinter den Kulissen.
"Du willst mich also herausfordern? So sei es!"
Prokyltas Macht schien zu explodieren. Sie sprang in die Luft. Auf einmal tauchten hunderte von brennenden Federn auf. Auf ihnen segelte Prokylta zu Squall. Aus ihrer Hand kam ein Inferno von Magie. Squall wich den heranzischenden Zaubern aus. Jedesmal wenn ein Zauber neben ihm explodierte, fühlte er eine kleine Druckwelle. Durch die Zauber konnte er unscharf Prokylta ausmachen, die auf ihrer Federkutsche wie eine Todesgöttin aussah. Je näher sie kam, desto weniger Zeit blieb ihm zum Ausweichen ihrer Zauber. Sie war über ihm. Er konnte sie kaum sehen, so sehr blendeten ihn die glühenden Zauber. Die Federkutsche löste sich auf. Sie stürzte sich förmlich auf ihn herab. Squall sprang rechtzeitig zur Seite. Er rappelte sich auf. Prokylta stand ihm gegenüber. Sie hatte ein langes, spitzes Schwert in der Hand.
"Überrascht? Ja, ich benutze auch Schwerter. Sehr beeindruckend, wie du meinen Zaubern ausgewichen bist."
"Tja, ich bin eben ein beeindruckendes Kerlchen!", gab Squall zurück und sprang hoch.
Während seines Sprunges feuerte er mehre Feuerzauber auf den Boden, um an Höhe zu gewinnen. Er landete somit in erstaunlicher Geschwindigkeit hinter Prokylta.
Sie stand mit dem Rücken zu ihm. Jetzt war seine Chance! Prokylta würde sich niemals rechtzeitig umdrehen können. Squall führte einen Stoß nach ihr aus...und traf Prokyltas Schwert! Sie hatte, ohne sich umzudrehen, pariert!
"Ich auch!", antwortete sie gelassen und drehte sich mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit um.
Sie lieferten sich einen kurzen beeindruckenden Schwertkampf. Dann drehte sie sich auf einmal weg und schleuderte einen Feuerball auf Squall. Squall parierte mit einem Eisball. Die beiden Zauber neutralisierten sich in der Mitte.
"Du bist ein anständiger Kämpfer, mein guter Squall. Doch selbst mit deinen beiden Freunden hättest du keine Chance gegen mich. Aber weil ich dich so mag, will ich Dir ein Geheimnis verraten. Ein Geheimnis über Rinoa."
Bei der Erwähnung ihres Namens stieg wieder Wut in Squall auf.
"Was für ein Geheimnis?"
"Haha, nicht aufgepasst!", kicherte Prokylta.
Das kurze Aufkommen von Wut hat Squall unaufmerksam werden lassen. Er sah Prokylta. Sie stand vor ihm. Genau vor ihm. Er sah ihre Augen. Wieso stand sie hier? Sie hatte doch eben da hinten gestanden...
Er schaute an sich herunter. Ihr Schwert... ihr Schwert war in seinem Körper. In seinem Bauch. Squall sah in ihre Augen... in diese stechenden Augen. Er konnte ihr Gesicht zwar nicht erkennen, doch er war sich beinahe sicher, dass sie grinste. Kreischender Schmerz durchzuckte seinen ganzen Körper. Sie hatte ihr Schwert raus gezogen. An diesem klebte Blut... sein Blut. Es ist auf einmal so kalt, dachte er sich. In meinem Bett zu Hause war es immer warm...
Squall fiel hin. Er schmeckte sein Blut. Er schaute auf die Wunde. Liter von Blut verließen seinen Körper. Ihm wurde schummerig. Er wollte schlafen. Er war so müde. Er schaute hinauf zu Prokylta... und sah ihr Gesicht. Sie hatte ihre Maske abgenommen. Sie hatte schwarzes Haar und ein schönes Gesicht. Irgendwo hatte er sie schon einmal gesehen... oder nicht? Prokylta beugte sich hinunter.
"Willst du das Geheimnis wissen, Süßer?"
Ach ja, das Geheimnis, dachte sich Squall. Über Rinoa. Prokylta beugte sich hinunter. Sie flüsterte ihm etwas ins Ohr...
"SIE IST NOCH AM LEBEN!"
Prokylta stand auf.
"Adieu, Süßer. War nett mit Dir."
Squall sah dunkel, wie Prokylta ihre Hand hob. Jetzt würde er sterben. Er hatte versagt. Er konnte niemanden retten, weder seine Freunde, noch sein Kind, noch Rinoa. Er verdiente es zu sterben. Oh, ihm war so kalt. Auf einmal ließ der Schmerz nach. Es war, als ob er in warmes Wasser gelegt wurde. Er schmeckte kein Blut mehr. Er sah ein Licht. Und Federn. Federn flogen auf ihn herab. Die Müdigkeit verschwand. Er war geheilt. Er schaute herauf. Hatte Prokylta ihn geheilt?
"Warum?"
"Die Stimmen. Sie haben mir gesagt, ich solle dich verschonen. Also habe ich dich verschont", antwortete sie träumerisch.
Squall stand auf. Um ihn herum standen die Sektenmitglieder.
"Gib mir den Stein, nimm deine Freunde und gehe", sagte Prokylta in einem Tonfall, als würde sie einen Schüler von seiner Strafaufgabe entlassen.
Squall kramte in seiner Hosentasche. Da war er. Er fühlte die glatte, kantenlose Oberfläche des Steines. Er schimmerte immer noch so geheimnisvoll als ob nichts passiert wäre. Squall gab ihr den Stein.
Prokylta steckte ihn rasch ein und befahl Niida und Cifer loszumachen. Beide kamen angetrottet. Keiner von ihnen sagte ein Wort. Sie waren beide in einem schlimmen Zustand. Cifer schaute Squall kurz an. Sein Blick war schwer zu lesen. Niida hingegen sah so aus, als ob er sich gleich übergeben müsste.
"Deine Freunde werden ihre Waffen in ihren Hotelzimmern vorfinden. Geht nun", sagte Prokylta tonlos zu Squall.
Squall schaute kurz zu Cifer und Niida. Sie nickten sich zu und machten sich auf den Weg zum Ausgang.
"Nichts ist so, wie es scheint!", rief Prokylta plötzlich.
Squall wirbelte herum. Prokylta war an den Bühnenrand gegangen..
"Die Stimmen... sie sagen mir was... sie sagen mir..."
Squall hatte ein ungutes Gefühl.
"...dass dieser Platz es nicht würdig ist, zu existieren!"
Die Luft um Prokylta begann zu flimmern. Sie stieß einen Schrei aus.
"Verflucht, sie will alles in die Luft sprengen!", rief Cifer.
"Wir müssen hier sofort raus!", schrie Niida.
Die Sektenmitglieder sahen sich an und wussten anscheinend nicht, wie sie auf die neue Entwicklung reagieren sollten. Der Boden unter Prokylta begann zu leuchten. Flammen. Blaue Flammen. Die Sektenmitglieder schrieen in Panik. Die Flammen verbreiteten sich rasend und verbrannten alles. Die Sektenmitglieder schrieen in nackter Angst um ihr Leben. Sie verbrannten innerhalb von Sekunden. Nur Prokylta stand mit erhobenen Händen in der Mitte des Infernos.
Für einen Moment meinte Squall durch die flirrenden Flammen zu sehen wie sie weinte, aber dann drehte er sich schnell um und rannte so schnell er konnte. Seine Lunge tat weh. Er rannte die Treppen herunter, durch die Eingangshalle, immer die immense Hitze der Flammen im Rücken.
Da war die Tür. Nur noch fünf Meter.
Squall machte einen Sprung nach vorne. Er spürte den immensen Druck und hörte einen ohrenbetäubenden Knall. Er drehte sich um. Ruhe. Totenstille. Dann knackte etwas. Etwas rumpelte.
"Die Oper! Sie stürzt ein!", rief Niida aufgeregt.
Erschöpft von der Rennerei sahen die drei zu, wie die Oper von Deling City, mit viel Geld erbaut, von so vielen Leuten unterstützt, ein Gebäude, das zum neuen Wahrzeichen der Stadt werden sollte, einstürzte und alle Hoffnungen unter sich begrub.

Merkwürdig wie oft er heute in diesem Park war. Schon das dritte Mal innerhalb ein paar Stunden, dachte Squall, als er sich auf einer Bank niederließ. Cifer und Niida setzten sich ebenfalls herzlich gerne hin.
"Wie geht es euch?", fragte Squall.
"Eigentlich ganz gut", antwortete Niida leise. Cifer sagte nichts.
"Sag mal, Squall. Hättest du den Austausch auch gemacht, wenn....", Niida war anscheinend nicht in der Lage, den Satz zu Ende zu sprechen.
"...wenn nur du gefangen wärst?", beendete Squall den Satz für ihn. Niida nickte.
"Ja natürlich. Ich würde jederzeit irgendeinen Stein tauschen, um meine Freunde zu retten", antwortete Squall.
Niida zuckte bei dem Wort 'Freunde', blieb aber ansonsten still.
"Ich denke, wir haben uns jetzt eine wirkliche Busfahrt verdient", sagte Squall und war zum ersten Mal in der Lage wieder nach vielen Stunden zu grinsen. Niida nickte eifrig und stand auf, um zur Strasse zu gehen und nach einem Bus Ausschau zu halten. Squall wollte ihm gerade folgen, als...
"Squall..."
"Was gibt's denn, Cifer?"
Cifer stand auf. Er sah sehr ernst aus.
"Siehst du mich als deinen Freund?", fragte er.
Squall schaute ihn an. So hatte er ihn noch nie erlebt.
"Wir haben das gleiche Ziel. In der Hinsicht bist du mein Partner."
Cifer blieb stumm. Squall fiel auf, dass Cifer hier etwas von ihm erwartete. Nicht wie sonst, wo er herablassend Bedingungen diktierte, er wollte, dass Squall ihre Beziehung definierte. Er holte tief Luft.
"Das reicht doch eigentlich erstmal, oder? Alles weitere können wir doch bequatschen, wenn das hier vorbei ist", setzte Squall dazu.
Cifer nickte. Auch er ging zur Straße. Squall sah ihm nachdenklich nach. Doch einen kurzen Moment später, wurde er aus der Stimmung gerissen, als er Cifer sagen hörte: "Ich musste Squall nur grade ein wenig vollmotzen. Mit dem Bus fahren, also wirklich..."

Während der Busfahrt sah sich Squall die Stadt an. Lichter zogen an ihm vorbei, genervte Autofahrer hupten, Fragmente von Unterhaltungen über das Opernunglück drangen an sein Ohr.
Und während er so fuhr, dachte er nach.

Ich bin auf der Suche nach Dir. Ich weiß, dass du da draußen bist. Ich bin nicht allein auf der Suche. Ich habe zwei Freunde, die mich unterstützen.
Ich habe die neue Bedrohung gesehen. Die neue Gefahr, die uns trennen will. Ob wir sie besiegen können? Ich weiß es nicht. Doch es gibt etwas, was ich ganz sicher weiß. Ich weiß es, weil eine Stimme es mir sagt. Eine Stimme, die stärker ist als alle Ängste und Gedanken.
Sie sagt mir, dass du eines Tages zurückkommen wirst.


Ah, endlich ein weiches Bett, dachte sich Squall, als er sich auf seinem Hotelbett niederließ. Lange währte das neue Glück nicht. Das Telefon klingelte.
"Ja."
"Mr. Leonheart, es freut mich, dass Sie noch am Leben sind."
Die verzerrte Stimme.
"Ja, mich auch. Danke für den Tipp."
"Doch freuen Sie sich nicht zu früh. Der Tanz beginnt gerade erst."
"Was meinen Sie damit?", fragte Squall, ein ungutes Gefühl in der Magengegend.
"Prokylta und ihre Sekte sind noch lange nicht besiegt. Sie wird in der Lage sein, die anderen Zellen der Sekte innerhalb weniger Stunden neu zu formieren. Heute war der Beginn, nicht das Ende der Sekte. Aber Sie sollten sich nicht zu sehr auf Pyrokylta oder Aomes Trianirea konzentrieren. Sie sind nur die Vorreiter."
"Wollen Sie damit sagen..."
"Ich will nur damit sagen, dass nichts so ist, wie es scheint. Gönnen Sie sich eine kurze Ruhepause. Es geht demnächst los. Wir werden wohl keinen Kontakt mehr miteinander haben."
"Warten Sie! Ich muss Sie was fragen. Kennen Sie den Aufenthaltsort einer gewissen Rinoa Heartilly?"
"Ihre Freundin?"
"Ja, ich muss sie unbedingt sprechen."
"Und was wollen Sie ihr sagen?"
Squall wusste es selbst nicht so genau. Alles, was er wusste, war, dass er sie sprechen musste.
"Bitte, glauben Sie mir, ich muss sie sprechen. Ich muss wissen... Ich will sie einfach nur sprechen. Wissen, ob es ihr gut geht."
Ein Knacken war am Telefon zu hören. Squall dachte als erstes, der Typ hätte aufgelegt. Dann war er wieder da. Er hörte zum ersten Mal die wahre Stimme seines Informanten.
"Squall."
Ein ungeheures intensives Gefühl stieg in Squall hoch. Etwas, das er noch nie zuvor gefühlt hatte.
"Rinoa."
"Es tut mir leid, dass ich dich über diese Weise kontaktieren musste, aber ich hatte Angst, dass man mich entdecken würde."
Rinoas Stimme klang merkwürdig. Als ob sie sich bemühen würde, möglichst wenig Emotionen in ihre Stimme zu legen.
"Wo bist du?", fragte Squall aufgeregt.
"Squall, bitte suche nicht nach mir. Das ist etwas, was ich alleine schaffen muss."
"Rinoa, wo bist du?"
"Squall... Ich vermisse dich so sehr, vor allem, wenn ich dort stehen sehe. Aber bitte, suche nicht weiter nach mir..."
Squall ging ans Fenster. Sie musste ihn durchs Fenster sehen.
Wo war sie? Squall blickte auf die Strasse. Da war eine Frau mit einem Telefon in der Hand. Sie schaute zu ihm hoch. Squall sah ihre Schmerzen, selbst über diese riesigen Entfernungen. Er sah zum ersten Mal seit ein paar Tagen seine große Liebe wieder. Rinoa. Es kam ihm vor, als hätte er sie Jahrhunderte nicht gesehen.
"Rinoa, ich sehe dich. Bewege dich nicht von der Stelle. Ich komm zu dir."
"Lebewohl, Squall. Wir werden uns wiedersehen. Wenn ich dazu in der Lage bin. Aber nicht hier, nicht heute."
Ein Knacken. Rinoa hatte aufgelegt. Und Squall wusste, dass er Rinoa niemals einholen könnte. Zu lange würde es dauern, bis er unten auf der Strasse sein würde. Und so schaute er ihr nach, bis sie von der Menschenmasse verschlungen wurde und letztlich nicht mehr auszumachen war.