FFVIII: Aomes Trianirea - Kapitel 36 Finale

Zusammen

verfasst von MfLuder

Gewidmet an die ehrlichen Idealisten unter uns, an Außenseiter und Menschen, die nicht ihre Gefühle unterdrücken wollen. Und an Menschen, die sich bemühen, die Welt jeden Tag ein Stückchen besser zu machen.
Und für alle, die es werden wollen.
Danke für drei wunderbare Jahre!








Liebe ... Hexen ... Zeitkompression...
Ich denke oft an diese Worte, die bisher wohl mein ganzes Leben beschreiben. Diese drei gegensätzlichen Worte ... das soll ein Menschenleben sein?
Manchmal, da sehe ich ihn an und denke mir, es ist irgendetwas passiert. Er sieht immer noch gut aus, ich liebe ihn von ganzem Herzen, aber dann sehe ich in sein Gesicht und ich möchte ihm am liebsten alles sagen. Aber ich kann es nicht. Wie sollte ich es ihm sagen? Würde ihn das nicht umbringen, würde ihn das nicht zerstören?
Ich wache manchmal auf und weiß nicht, warum. Ich könnte doch einfach so einschlafen und sterben, es würde doch eigentlich nichts ändern.
Dann wiederum bin ich endlos wütend auf ihn. Seine fantastisch, ach so ehrliche Art. Er tut so, als begreife er, aber er begreift nichts. Er begreift mich nicht. Was würde es bringen, wenn ich ihm meine tiefste Sorge erzähle, die mich bereits seit fünf Jahren ... nein, mein ganzes Leben lang verfolgt?
Ich denke, irgendwann wird alles auseinanderfallen und explodieren. Trotz der perfekten Oberfläche wird das große Loch irgendwann aufreißen und alles verschlingen.
Obwohl wir uns körperlich so nahe sind, sind unsere Seelen ganz weit weg voneinander. Und wenn dann die Explosion kommt, werden wir uns ebenfalls auch körperlich getrennt haben.
Das ist wohl unvermeidlich, egal, wie eng er mich an sich binden will.
Manchmal denke ich, ich sollte einfach verschwinden, gehen und diesen Ort verlassen, das Unvermeidliche selbst herbeiführen. Besser als auf dem Servierteller zu sitzen und zu warten, oder?
Und selbst, wenn. Wie soll ich es ihm sagen?
Was soll ich ihm sagen?
Und was sage ich mir selbst?

- Tagebucheintrag von Rinoa Heartilly vom XX. XX. XXXX, eine Woche vor ihrem Verschwinden

"Die Sekte 'Aomes Trianirea' wurde beinahe vollständig vernichtet und gilt als zerschlagen. Auch die erst vor kurzem formierte WOLF-Einheit gilt nach dem Tod ihres Anführers General Clemens van Alberich III. als aufgelöst, wobei bisher eine offizielle Bestätigung zu fehlen scheint..."
Jeremy saß angestrengt vor einem kleinen Fernseher auf der "Terra" und versuchte, die Worte zu verstehen. Das war nicht leicht, denn niemand sonst schien sich dafür zu interessieren. Die anderen standen um andere, viel größere Bildschirme und redeten irgendein wirres Zeug, das Jeremy wiederum nicht interessierte...
"Sie sind nun in der äußersten Schicht der Atmosphäre. Innerhalb der merkwürdigen Blase normale Schwerkraft und genügend Sauerstoff. Dritte Metamorphose von Hyne fast abgeschlossen, visuelles Erfassen unmöglich. Energie und Magiegehalt steigen jenseits aller messbaren Bereiche. Er formt etwas Mächtiges...", presste Selphie hervor.
"Ich fühle es... er will uns vernichten", flüsterte Edea.
"Und wie?", fragte Niko knapp.
"Er hat genug Zorn, einen Energiestrahl zu bündeln, der diese Welt in tausend Stücke zerblasen kann. Der Energiestrahl wird das Volunt in der Erde zur Explosion bringen. Danach ist dieser Planet so gut wie erledigt. Jetzt hängt alles von Rinoa, Squall und Cifer ab..."

Squall hielt mit der einen Hand sein Schwert, mit der anderen versuchte er, seine Augen vor dem starken Licht abzuschirmen.
Sie standen auf einer Plattform aus Licht in einer merkwürdigen Blase. Es erinnerte Squall ein bisschen an eine gigantische Seifenblase. Es schimmerte bläulich, war durchsichtig, aber undurchdringlich. Squall konnte draußen den Weltraum sehen und ihren blauen Heimatplaneten, der sich mit jeder Sekunde weiter entfernte.
Squall sah rüber zu seinen beiden Freunden. Links von ihm stand seine Frau, Rinoa, rechts von ihm sein alter Erzfeind und bester Freund Cifer. Beide sahen gespannt aus.
Die Blase stoppte.
Das Licht ließ nach.
Aloins geschwollener deformierter Körper hing leblos in der Luft. Seine Augen waren leer.
Dann fiel der Körper auf den Boden und zersprang, als wäre er aus Glas. Seine Teile wurden Teil des Lichts.
Dahinter türmte sich Hyne auf. Er sah merkwürdig aus. Er selbst strahlte hell, doch um ihn herum befand sich tiefste Schwärze. Er schien zu schweben, er stand auf keinem Lichtboden.
Irgendwie war er eine Mischung aus Licht und Dampf geworden. Sein Kopf war länglich geformt und zwei große schwarze Augen starrten sie teilnahmslos an.
Ein Arm aus Licht hielt sein großes imposantes Schwert und weiter unten lugte eine gigantische Klaue hervor, in der sich ein hell leuchtender Ball langsam konzentrierte. Ansonsten war der Körper seltsam konturlos. Um ihn herum loderte kalt das blaue Feuer.
"Zeit, die Sache zu beenden. Ihr habt mir genug Schmerz gegeben, um das hier zu machen. Ich gebe euch den Schmerz zurück. Den Schmerz, der uns alle vernichten wird!", sagte Hyne.
Seine Stimme war fürchterlich. Squall erkannte sie sofort wieder. Es war die Stimme, die er am Waisenhaus zum ersten Mal gehört hatte.
"Greift ihn an, ich werde euch Deckung geben! Mit Mutters Kräften habe ich genug Macht, seinen Zauber zu brechen", meinte Rinoa entschlossen.
"Schaffst du das?", fragte Squall.
"Ich bin zu sauer auf diesen Typen, um es nicht zu schaffen", sagte sie entschlossen.
Auf einmal wuchsen ihr wieder die mächtigen Engelsflügel. Aus ihrer Hand entwichen Zauber, wie Squall sie nie für möglich gehalten hätte.
Druckwellen kamen ihm entgegen und kalte und heiße Luft schlugen ihm gleichzeitig ins Gesicht. Er konnte nicht mal die Magie bestimmen, die gezaubert wurde, es war ein einziger Strahl.
Hyne wurde vollkommen unvorbereitet getroffen und schrie auf.
Squall sah sich zu Cifer um und nickte.
"Auf geht's!", meinte Cifer entschlossen.
Beide sprangen nach vorne und hauten auf den Bereich ein, der einem Kopf ähnlich war. Hyne schrie weiter. Die Klingen schienen irgendwas zu treffen, auch wenn Squall nicht sicher war, was...
Die blauen Flammen schlugen immer höher... Irgendwas war hier faul. Dann spürte er es... Es waren keine Schmerzensschreie... es waren Freudenschreie.
Hyne schoss einen Strahl bläulicher Magie ab. Rinoas Strahl wurde sofort gebrochen. Ohne Gegenwehr drosch Hynes Magie auf sie ein. Sie schrie auf und versuchte verbissen, gegen zu feuern. Ihre Flügel wurden verbrannt und färbten sich endgültig in das, Squall so vertraute, grau.
"Aufhören!", brüllte Squall. Cifer und er wollten auf Hyne einschlagen, doch er unterbrach auf einmal seinen Magieangriff und holte mit dem gigantischen Schwert aus.
Squall spürte wie seine Klinge vibrierte und er zurückgestoßen wurde. Irgendetwas war explodiert.
Er landete auf dem Boden und sah nach oben. Cifer stand noch vor Hyne. Ein Funkenregen kam auf ihn nieder. In der Hand hielt er den Rumpf seiner Gunblade. Hyne hatte es zerschlagen, es war explodiert.
Für einen Moment starrte Cifer ungläubig auf die kümmerlichen Überreste der Klinge.
Dann holte Hyne ein weiteres Mal aus und traf den ungeschützten Cifer.
Cifer brüllte auf und flog etwas zurück.
"Cifer!", brüllte Rinoa.
Cifer blickte an sich herab. Blut quoll aus seinem Bauch, er hatte eine ernste Verletzung.
"Scheiße... hab nicht aufgepasst... Das war's wohl", flüsterte Cifer.
"Euer Angriff hat mir den letzten Schmerz gegeben, den ich benötigte... Es ist endlich zu dem Moment gekommen... auf den ich gewartet habe... Ich bin stolz auf euch, dass ihr es so weit gebracht habt... Jetzt könnt ihr sterben, wie alle anderen", rief Hyne in Ekstase.
Der Energieball wurde nach oben gehoben. Die blauen Flammen schlugen höher als je zuvor.
Squall sah zu Rinoa rüber.
"Ich habe... versagt...", stotterte sie.
Er berührte ihr Gesicht. Jetzt war alles vorbei. Sogar durch seine Handschuhe konnte er die Hitze ihrer Haut spüren. Seine Finger taten ihm weh... Sie hatten es versucht. Er sah in ihre Augen und entdeckte eine ungeheure Wut und Trauer. Sie umschloss seine andere Hand mit der ihren. Ihre Flügel verschwanden.
Auf einmal bewegte sich etwas in Squalls Augenwinkeln. Er sah zu Hyne rüber. Er zuckte und schien durch irgendwas getroffen worden zu sein. Da hörte Squall auf einmal ein fernes Kreischen... nein, ein Singen... ein wunderbares Singen.
"Was ist das?", fragte er.
"Sie haben sich versammelt... um sein Schicksal zu entscheiden..."
Squall sah nach oben. Alphega stand dort und beobachtete Hyne mit einer Mischung aus Trauer und Wut.
"Wer?", flüsterte Rinoa.
"Die Zhabanen sind hier, um Gericht zu halten über diesen hier. Und ich bin hier, um euch zu helfen. Ihr habt Hyne auf die spirituelle Ebene gedrängt... Hier nun kann er ihr Klagen hören", flüsterte Alphega.
Ein warmes Licht erfüllte Squall. Er spürte, wie er wieder an Kraft gewann. Auch Cifer schien wieder geheilt zu sein. Squall starrte auf seine Gunblade... Sie leuchtete in einem warmen Blau.
Squall sah sich um und entdeckte Sherry, die neben Alphega stand.
"Jetzt kann ich ihn wieder sehen... und ich kann endlich Erlösung finden. Niida... ich komme zurück", sagte Sherry.
Sie löste sich in einen Lichtball auf und fuhr in Squalls Klinge. Diese vibrierte und wurde angenehm warm. Die Schmerzen aus seinen Händen verschwanden.
Auf einmal hörte er Rinoa an seinem Ohr.
"Ich kann die Zhabanen fühlen. Sie sprechen zu mir und geben mir ihre Kraft. Bündle sie in deinem Schwert und feuere einen Strahl ab... dann werden wir Hynes Vernichtungszauber brechen können!"
Hyne stieß einen gewaltigen Schrei aus und riss sich aus seiner Lähmung. Er sah Rinoa und Squall kurz an und stürzte dann mit erhobener Klinge auf die beiden zu.
Doch jemand schob sich zwischen die beiden.
Cifer.
Seine eine Hand fuhr an das große Schwert "Ragnarok" von Hyne.
"Das ist immerhin meine Klinge. Ich habe sie für dich aus diesem verdammten Stein in Teneralem gezogen. Also sag doch wenigstens mal danke!", presste Cifer hervor.
Dann stieß er einen wütenden Schrei aus und mit einer schier unmenschlichen Kraft entriss er Hyne die Klinge.
Blitzschnell drehte Cifer die Klinge um und rammte sie in Hynes Körper. Der getroffene Zhaban wich zurück. Cifer sprang zur Seite.
"Jetzt!", flüsterte Rinoa.
Hyne entlud den gewaltigen roten Vernichtungsstrahl, doch gleichzeitig kam aus Squalls Klinge ein warmer grüner Strahl. Beide verschmolzen in der Mitte.
Squalls Klinge vibrierte heftig. Er sah in Hynes Augen und wünschte sich mit all seiner Macht, dass dieser Strahl Meter für Meter in Richtung Hyne gedrängt wurde. Langsam, ganz langsam bewegte sich der grüne Strahl nach vorne. Das blaue Feuer loderte immer heftiger.
Der Strahl traf Hyne.
Es gab ein gigantisches Aufblitzen. Squall und Rinoa brachen simultan vor Erschöpfung zusammen.
Mehrere Wellen von dem hellen Licht drangen aus Hynes Lichtgestalt heraus, der schnell verkümmerte und schließlich nur noch ein kleiner heller Lichtpunkt war, der in der Schwärze schwebte.
Dahinter konnte Squall jedoch angenehm leuchtend etwas anderes erkennen. Auf kleinen Plattformen, alle mit einem leichten Lichtfaden mit dem Lichtpunkt verbunden waren schwach leuchtende Menschen.
Squall erkannte die Menschen. Direkt hinter Hynes Lichtball stand der Philosoph, der erschöpft und fertig aussah. Hinter ihm wurden weitere Gestalten sichtbar. Fib stand direkt neben dem Philosophen und lächelte Squall an. Dahinter standen drei weitere Menschen. Rechts stand eine Person, die Squall nur aus Visionen kennengelernt hatte. Mit langen Haaren und einem weisen Gesicht stand dort Zebarga und in der Mitte ein biederer Mann mit Brille, in dessen Gesicht Squall eindeutig Hynes Gesichtszüge erkennen konnte. Dies musste Aloin sein, wie er vor seiner Inbesitznahme durch Hyne gewesen war. Und ganz links nervös lächelnd stand Niida.
"Hexenkräfte sind formlos, sie werden geformt durch die Hexen, die sie besitzen. Und auch mit der Essenz Hynes ist es so. Er hat uns besessen und obwohl wir gestorben sind, haben wir auch ihn geformt und leben in ihm weiter. Wir erinnerten ihn jeden Tag daran, was er uns angetan hat und mit diesem Schmerz konnte er nicht leben", sagte Zebarga.
"Eure Aufgabe ist getan. Wir übernehmen von hier. Hyne stellt keine Gefahr mehr dar", sagte Aloin.
"Squall, wir werden versuchen mit der Energie hier ein Portal zu öffnen. Wohin es führt, können wir jedoch nicht entscheiden. Das kann nur eure Gefühlswelt. Doch bitte kehrt zurück... bitte... Es tut mir leid, dass ich keine größere Hilfe sein konnte...
Und danke, dass ihr euch so um meine Familie gekümmert habt... besonders dir, Cifer...", meinte Niida.
"Squall, ihr könnt gehen. Ihr habt alles getan, was ihr konntet", sagte Alphega.
Hinter ihnen entstand ein Wirbel aus Farben.
"Geht dort durch. Ihr werdet an einen fernen Ort getragen werden. Ihr werdet in eine Zeitspalte fallen, an einen Ort, der nur geschaffen wurde für euren Besuch. Das ist eure Bestimmung, es ist der Ort der Wahrheit", sagte Alphega.
"Alphega... was ist mit Hyne? Er lebt noch", sagte Squall.
"Hyne kann nicht sterben und er sollte es auch nicht. Wenn er sterben würde, würde die Explosion groß genug sein, das ganze Sonnensystem zu zerstören. Überlass uns den Rest. Dies wird unsere letzte Begegnung vor deinem Tod sein. Ich bitte dich nun, dein Versprechen vom letzten Mal zu halten. Du wolltest deine Waffe abgeben...", lächelte Alphega.
Squall sah seine Gunblade an, die er nun schon so lange mit sich herumgetragen hatte. Er blickte zum Griever Anhänger. Er fuhr mit seinen Fingern noch einmal über die Klinge, die rauh geworden war. Er umschloss seine Hand noch einmal um den Griff.
Dann merkte er auf einmal, wie unendlich schwer sie geworden war. Damals, als er mit Cifer auf dem Salzfeld gegen den Behemoth gekämpft hatte, war es ihm zum ersten Mal aufgefallen... Sie war so schwer gewesen... und jetzt war sie noch viel schwerer.
Squall nickte und reichte sie Alphega.
Alphega sah Squall ernst an. Sein Gesicht war schwer zu lesen. Dann verschwand der alte Mann.
Squall blickte nach unten. Das Schwert war verschwunden... nur eine Feder schwebte leicht zu Boden...

Cifer sah zu Rinoa und zu Squall herüber. Er blickte auf den wunderschönen blauen Planeten, der so still und einsam im Weltraum hing.
Dann sah er sich um und betrachtete die merkwürdige Energiekugel, von der sich langsam ein Schatten abzeichnete... Das Licht verschwand langsam und gab eine Gestalt frei... War es Hynes wahre Gestalt?
Die Figuren hinter ihm verschmolzen langsam mit der Kugel. Das blaue Feuer loderte immer noch.
Irgendetwas war merkwürdig. Sie hatten gewonnen... oder nicht? Warum spürte er nichts...?
War er einfach nur müde...? Er fühlte sich so endlos müde...
Er starrte auf Rinoa, die Frau, die er liebte und dann kamen auf einmal aus ferner Erinnerung zwei Zeilen zu ihm zurück, die er fast vergessen hatte, zwei Zeilen, die er damals in Teneralem auf dem Stein gelesen hatte...

Nur derjenige, der dem Schöpfer bis ans Ende folgt,
wird den Stamm der göttlichen Waffe ziehen können.


"Nur derjenige, der dem Schöpfer bis ans Ende folgt...", flüsterte Cifer.
Und dann wurde ihm auf einmal alles klar. Als wäre ein Schleier gelüftet worden. Hier endete es also wirklich.
"Kommst du?", fragte Squall, der bereits am Portal stand.
Cifer ging langsam auf diesen merkwürdigen Typen namens Squall zu, lächelte ihn an und drückte ihn dann ganz kurz.
"Nein, ich komme nicht mit. Ich bleibe hier. Hier endet die Reise für mich, mein Freund", sagte Cifer in Squalls perplexes Gesicht.
"Was...? Aber du bist doch mein Freund."
"Dann erinnere dich gut an mein Gesicht", sagte Cifer und nickte dann Rinoa zu.
Cifer hatte es nicht erzählt. Er hatte sein Geheimnis bezüglich seines mysteriösen Auftauchens in Squalls Wohnzimmer geheim gehalten.
Cifer schritt auf Hyne zu, als ihn jemand von hinten umarmte.
"Ich liebe dich", sagte Rinoa plötzlich.
Cifer sah sie an... dann küsste er sie kurz auf den Mund und sah sie wieder an.
"Alte Lügnerin... aber trotzdem nett. Das waren die schönsten Abschiedsworte, die man sich wünschen kann", sagte er.
Dann schubste er sie von sich weg. Sie fiel in Squalls Arme. Beide stolperten rückwärts in das Portal herein und waren binnen Sekunden verschwunden.
Cifer drehte sich zu dem Lichtball um. Nur sie beide waren noch übrig.
"Wieso hast du das gemacht?", fragte Hyne.
Seine Stimme klang immer noch furchtbar, aber neugierig.
"Ich will weg, sie wollen zurück. Warum sollte ich ihnen da im Weg stehen?", fragte Cifer.
"Bleib weg von mir", kreischte Hyne.
"Wieso? Ich wollte mit dir mitgehen", sagte Cifer.
"Ich kann nicht zurück... Ich kann nicht, ich habe versagt!", sagte er.
"Würdest du mich als Versagen bezeichnen?", fragte Cifer mit hochgezogenen Augenbrauen.
Hyne blieb still.
Cifer machte einen weiteren Schritt auf Hyne zu.
Das Licht verschwand weiter.
"Bleib bitte weg... Ich will nicht, dass du mein Gesicht siehst", sagte Hyne wimmernd.
"Es war das, nicht wahr? Ich kenne das. Man will sich nicht entblößen, aber trotzdem wahrgenommen werden. Natürlich schaut keiner genau hin, wenn man andere von sich wegstößt.
Du wolltest als der erkannt werden, der du bist, aber hast dich gleichzeitig nicht zu erkennen gegeben und hast dich in anderen Körpern versteckt", sagte Cifer.
Das Licht war vollkommen verschwunden.
Vor Cifer stand etwas, das ihn am ehesten an einen Jungen erinnerte.
Cifer grinste.
"Nur ein Kind kann so was Idiotisches wie die Menschen erschaffen, nur ein Kind kann so brutal und so nett sein", sagte Cifer.
"Die Menschen wollten mich nicht ansehen... deswegen hasste ich sie", sagte Hyne.
Seine Stimme klang wieder genauso, wie in der Vision in der Zitadelle.
"Wie bei mir... Ich möchte mit euch mitgehen. Vielleicht finde ich dort, was ich suche", flüsterte Cifer.
Hinter Hyne war nebelig Alphega erschienen.
"Gehen wir?", fragte Alphega.
Hyne nickte.
"Mein Blut soll da bleiben. Jeder, der bleiben will, soll bleiben, jeder, der mitgehen möchte, soll mitgehen."
Die blauen Flammen versiegten...
"Ich habe das gefunden, was ich gesucht habe..."
Cifer stand auf und sah noch einmal den kleinen Planeten an, der so hilflos im Weltall schwebte. Er war seine Heimat gewesen... für eine kurze Zeit...
Für einen Moment wollte er doch noch zurück... doch dann schüttelte er das ab. Er wurde immer müder und müder und sah dann zum endlosen Weltraum.
Die Stimmen der Zhabanen wurden immer lauter.
Alles wurde diffus. Sein Körper tat weh, er konnte nicht mehr sehen. Ihm wurde kalt. Das Licht wurde heller... Ihm war so kalt, wie noch nie zuvor...
Und dann war es vorbei.
Er fühlte sich federleicht. Die Schmerzen waren verschwunden, alles war verschwunden.
Der ganze Nebel, alles war weg, er sah klar. Vor ihm lag die weite, weite Unendlichkeit.
Und dicht vor ihm reisten zwei Zhabenen, die ihn zu einem weiten, weiten Ort führen sollten. Eine weitere Reise hatte begonnen...

Schwerelos im Weltraum schwebte, allen Gesetzen spottend, eine Feder. Die Sonne strahlte dieses zarte Ding an. Eine Weile wurde es durch die Lüfte getragen, bevor langsam die Feder zerfiel. Ihre Teile trieben auseinander, bis schließlich wieder alles schwarz war...

Langsam erst realisierten die Menschen, was geschehen war. Zuerst war es ein magisch blauer Dunst, der über die Welt wellenartig waberte. Dann auf einmal war es der Wind, der durch die Häuser säuselte. Es klang fast wie Musik ... ein Abschiedslied.
Dann sahen viele Menschen in den Himmel und bemerkten, dass das helle Licht verschwunden war.
Viele brachen erst einmal zusammen, andere starteten sofort spontane Feste.

Emily Peterson befand sich in ihrem Auto, als sie merkte, dass alles vorbei war. Sie fuhr stundenlang auf den dunklen Straßen durch die Nacht und schielte zu den Städten, wo Straßenfeste tobten. Dann wollte sie auf eine Autobahn auffahren, wo ebenfalls Leute angehalten hatten und feierten. Sie hielt an, überlegte kurz und stellte sich dann zu ihnen.

Big Mama lag mit fünf Kugeln im Körper auf einer Parkbank und sah den bläulichen Dunst zu. Hinter ihr lagen tot die Vergewaltiger einer Frau, die sie mit letzter Kraft erschossen hatte, nachdem sie selbst von ihnen angeschossen wurde.
"Welch friedliche Nacht zu sterben", seufzte sie und schloss dann ihre Augen.

Skylar hatte die erste Seite ihres Buches fertig. Es las sich gut. Von draußen kam der Lärm der Feiernden herein. Skylar atmete tief ein, stand dann auf, nahm ihre Jacke und ging dann zu den Feiernden hinunter.

Ellione stand in ihrem Büro und arbeitete wild eine Regierungserklärung für den nächsten Morgen und diverse Reden aus. Für einen Moment hielt sie inne und sah auf ein Foto, das sie und Laguna zusammen zeigte. Einen Moment lauschte sie den jubelnden Massen, bevor sie sich wieder in die Arbeit vertiefte.

Laguna stand mit Kiros und Ward auf der "Gaia" und schoss aufgeregt Fotos von den jubelnden Massen.
"Morgen kommt unser erstes Blatt raus! Das wird der Hammer!", sagte er aufgeregt.
"Ward sagt, die erste Schlagzeile würde die beste sein, danach würde es nur noch bergab gehen", meinte Kiros schmunzelnd.
"Wie auch immer", sagte Laguna und blickte dann nachdenklich zum Himmel.
"Squall wird es gut gehen", flüsterte Kiros ihm ins Ohr.
Laguna nickte abwesend.
"Das will ich hoffen. Wenn der Bursche jetzt abkratzt, hat er seinen Vater enttäuscht. Schließlich soll er doch bei uns arbeiten", meinte Laguna plötzlich barsch.
"Hat er denn schon zugesagt?", fragte Kiros.
"So gut wie", meinte Laguna und kratzte sich am Kopf.

Regungslos stand der Zahnstochermann auf dem Dach eines Hochhauses. Er blickte kurz von dem dunklen Dach nach unten in die leuchtende Menge.
Jemand bewegte sich hinter ihm. Ein Mann stand im Schatten.
"Haben Sie mir diese merkwürdige Nachricht geschickt?", fragte der Zahnstochermann.
"Ja. Ich habe seit Jahren gewartet, Sie endlich kennenzulernen. Ich habe Sie beobachtet, bis ich zu dem Entschluss gekommen bin, dass Sie der richtige Mann sind. Wir haben die gleichen Interessen", sagte der Mann im Schatten.
"Wer sind Sie?"
Der Mann kam aus dem Schatten raus. Licht fiel auf seinem Gesicht. Für einen kurzen Moment erleuchtete das Licht der Feiernden ein überraschtes Gesicht des Zahnstochermanns, das gleich wieder seinen üblichen geschäftsmäßigen Ausdruck annahm.
"Todgeglaubte leben eben länger, wie es aussieht... Zed Black", sagte er dann.
Zed lächelte.
"Es kommt eben drauf an, wann man seine Doppelgänger entsendet und wann man persönlich kommt", sagte Zed.
"Sind Sie denn wenigstens jetzt der echte Zed Black?", fragte der Zahnstochermann.
"Tja, das ist die Frage. Gibt es überhaupt einen echten Zed Black? Oder ist er schon lange tot, zusammen mit Gareth Balmung und all den anderen? Starb er bei der Oper oder starb er bei dem Angriff des Triumvirats oder ist er letztlich nur ein Traum oder ein Albtraum der Menschen? Mein lieber Freund, in unserer Branche spielen Identität und Namen doch keine Rolle... Nicht wahr, Professor Ezkume?", sagte Zed lächelnd.
Der Zahnstochermann zuckte bei der Nennung seines Namens zusammen.
"Kann ich was für Sie tun, Zed?", fragte er.
"Ich dachte, ich könnte was für dich tun. Dir helfen, Per Manum wieder zu errichten und eine neue Ära herbeizurufen. Ich habe erstklassige Informationen für dich. Per Manum war nie tot. Und ich habe auch schon einen ersten Plan: Errichte eine neue Oper!"
"Eine Oper?", fragte der Zahnstochermann zurück.
"Ja, eine Oper. Es geht doch nichts über eine schöne Opernvorstellung und ich habe auch schon eine Vorstellung, wie das erste Stück lauten könnte... Es ist ein Stück von Wedow..."
Und so redend verschwanden die beiden Männer in der Dunkelheit.

"Ich kann Ihnen nicht genug mitteilen, wie sehr ich mich über den Sieg freue. Mein besonderer Dank gilt natürlich der WOLF-Einheit und ihrem tapferen Kommandanten Fürst Clemens van Alberich III., der heldenhaft in der Schlacht gefallen ist. Ohne sie wäre der Sieg nie möglich gewesen..."
Niko saß alleine auf der Brücke der Terra und starrte missmutig auf den Fernseher, während er immer wieder Karten absuchte.
Die anderen Passagiere hatten sich auf dem Deck versammelt und bestaunten das gigantische Feuerwerk. Der Autopilot sollte sie über jede Stadt fliegen.
Die Tür ging auf und Edea betrat den Raum.
"Niko, was machst du hier drinnen? Warum feierst du nicht mit den anderen?", fragte sie und betrachtete nachdenklich Niko, dessen Haare keineswegs mehr ordentlich gekämmt waren. Alles in allem sah er sehr fertig aus.
"Die mögen feiern, ich muss arbeiten. Es ist noch nicht vorbei. Wir müssen Suchteams organisieren, um den Squall-Trupp zu bergen und vor allem die Suchaktion nach Quistis zu koordinieren.
Und dazu kommt, dass sich der neue Feind bereits gezeigt hat. Das da wird das neue Böse sein, gegen das wir kämpfen müssen", sagte Niko und deutete auf den wild gestikulierenden Zahnstochermann.
"Hm, ja, er ist schon ein ziemliches Arschloch", meinte Edea locker.
"Ich verstehe auch gerade in diesem Zusammenhang nicht, wieso du die SEEDs auflösen willst", meinte Niko etwas sauer.
"Weil es an der Zeit war. Die Hexen und ihr Anführer sind geschlagen. Rinoa und ich sind als einzige übrig und werden dafür sorgen, dass der Ruf der Hexen mal wieder steigen wird, nachdem er so endlos gefallen ist.
Wir brauchen keine SEEDs mehr, Niko. Wir, die Menschen, wir sind stark genug, um auch ohne diese Organisation zusammenzuhalten", entgegnete Edea.
"Und woher weißt du, dass es an der Zeit ist?", fragte Niko.
"Das fühle ich..."
"Und was ist, wenn du falsch liegst?", meinte Niko und nickte wieder zum Zahnstochermann.
"Dann sitzen wir in der Scheiße", meinte Edea locker.
Niko wollte etwas entgegnen, aber Edea schnitt ihm das Wort ab.
"Hör zu Niko, wenn mir die Sache mit Hyne eines gelehrt hat, dann, dass selbsternannte Götter, die meinen, die Zeit einfrieren zu können, keine Chance in dieser Welt haben. Und der Zahnstocherfuzzi sieht sehr nach so einer Person für mich aus. Er hat verloren, bevor er überhaupt angetreten ist.
Und natürlich werden wir nach Squall, Rinoa, Cifer und Quistis suchen. Wenn sie noch am leben sind, finden wir sie. Doch dazu brauchen wir weder die SEEDs noch jemand sonst. Wir brauchen nur uns.
Niko, es wird immer neue Probleme geben. Man kann sie nicht auf einmal lösen, Frieden muss immer wieder neu erkämpft werden. Und damit meine ich nicht Krieg führen, sondern man muss sich sowohl den Frieden im Herzen als auch in der Welt erkämpfen. Ich glaube, momentan haben wir einen seltenen Moment des Friedens. Wir sollten ihn nutzen, denn nur diese Momente geben uns letztlich die Kraft weiterzumachen.
Ich sehe da draußen Selphie ganz alleine. Ihr habt euch Monate lang nicht gesehen. Wieso gehst du nicht raus zu ihr? Sie ist ein wunderbares Mädchen. Ihre Mutter war eine gute Freundin von mir. Dann wurde sie eines Tages in einem Restaurant vergiftet. So was bricht einem das Herz, vor allem, wenn ich die Kleine vor mir sah. Und dennoch machten wir beide weiter.
Geh zu ihr", sagte Edea und legte ihre Hand auf Nikos Schulter.
Niko sah sie lange an.
Dann stand er barsch auf.
"Ich vertrete mir für ein paar Minuten die Füße. Fass ja nix an, du ruinierst sonst Stunden harter Arbeit", meinte er brüsk und ging aufs Deck.
Edea grinste und sah durch die Fensterscheibe, wie Niko und Selphie sehr schnell einen sehr intimen Moment miteinander hatten.
Edea blickte kurz zum Fernseher, wo der Zahnstochermann immer noch kräftig gestikulierte.
Nach einer Weile tat sie genau das, was ihm gerecht wurde.
Sie drehte ihm den Saft ab.

Die Tür öffnete sich und Edea betrat das Deck. Es war kalt, aber die glücklichen Menschen erwärmten ihr Herz.
Sie schlängelte sich durch die Menschenmenge, bis sie vorne an der Spitze stand.
Sie sah nach unten. Unter ihnen lag Leprigal. Die Menschen feierten und schossen Feuerwerkskörper nach oben, die die zahlreichen Gesichter erhellten. Neben ihnen flog die Gaia. Edea winkte den Leuten auf dem anderen Schiff zu.
Dann sah sie sich auf dem Deck um. Sie sah die verschiedensten Menschen. Manche standen zusammen, quatschten, andere, wie Irvine standen abseits und beobachteten nachdenklich das Geschehen. Dann fiel Edea auf, dass er einen Kommunikator in der Hand hatte und vermutlich mit Skylar quatschte.
Sie ließ ihren Blick über die küssenden Selphie und Niko wandern und stoppten schließlich bei zwei jungen Menschen, die sich etwas abseits unterhielten.
Dort in der Ecke saßen Jeremy und Nimbley zusammen und unterhielten sich leise.
Edea musste lächeln. Jemand kam auf sie zu. Es war Cid in Lederjacke, der sie fröhlich umarmte
"Weißt du, vielleicht gibt es Hoffnung", sagte sie lächelnd und küsste ihn dann lange auf dem Mund.


In den tiefsten Abgründen des Universums in anderen Dimensionen sammelte sich der Müll des Lebensbaums. Nicht verwendete Zeitphasen, Assoziationen, verworfene Konzepte, Unebenheiten, alles, was nicht in den strengen Plan der Zeitebenen passte, sammelte sich hier.
Diese Orte nannte man Zeitspalten. Orte ohne Regeln, Orte, in denen unbequeme Wahrheiten gesammelt wurden.
Tief unter dem Licht des Lebens befand sich ein dunkler phantasievoller Abgrund. Hier sammelten sich die übrig gebliebenen Materialien, formierten sich, lösten sich auf, bis sie verarbeitet in den Rest wieder eingehen konnten.
Ein warmer Wind wehte Squall um die Nase, als er langsam die Augen öffnete. Er musste auf irgendetwas Rundem liegen, denn sein Rücken war durchgedrückt. Über ihm war ein Himmel... er war rot. Die Wolken hatten eine rötliche Farbe. Wo war er?
"Rinoa!"
Er setzte sich auf und blickte neben sich. Rinoa lag dort, hatte ihre Augen ebenfalls geöffnet.
Squall stand auf und sah sich um. Er bekam einen Schreck.
Er befand sich auf einem Planeten! Dem kleinsten Planeten, den er kannte. Er war vielleicht grade mal so groß, wie ein Haus!
Squall sah sich um und entdeckte, dass der kleine Planet nur ein paar Meter über normalem Boden schwebte, an den er mit einer Kette befestigt war. Rinoa war ebenfalls aufgestanden.
Beide stiegen an der Kette herab, betraten den Boden und sahen sich um.
"Wo sind wir?", flüsterte Rinoa.
Es war, als würden alle Jahreszeiten nebeneinander existieren. Wo sie sich aufhielten, schien Frühling zu sein, doch ein paar Meter weiter lag Schnee. Ein Bach, der neben ihnen plätscherte, vereiste kurze Zeit später.
Durch einen Windstoß wurde ein Blatt von einem Baum weggeblasen. Es flog etwas und wurde sofort rötlich, wie im Herbst, und flog verwelkt zu Boden.
Auch die Wolken änderten sich stets. Etwas weiter weg hinter einem großen Baum befand sich eine kleine, ungemein dunkle Wolke, die unablässig Blitze und Regen auf ein Stückchen Boden entsendete. Dort an der Stelle war ein Sumpf entstanden, ringsherum flogen Schmetterlinge.
"Dies muss die Zeitspalte sein, von der Alphega geredet hat", sagte Squall.
"Und wie kommen wir zurück?", fragte Rinoa.
"Lass uns den Weg entlang gehen", sagte Squall und deutete auf einen Pfad.

Sie schritten eine Weile über den sich wie eine Schlange schlängelnden Pfad. Immer wieder änderte sich die Luft. Manchmal war sie tropisch heiß, manchmal eisig kalt. Nach ein paar Minuten erkletterten sie einen Hügel.
Vor ihnen lag ein kleiner Garten. Er sah sehr normal aus, im Vergleich zu dem, was sie auf dem Weg hierher gesehen hatten. Der Pfad führte zu einer stattlichen Villa.
Rinoa und Squall gingen durch die Bäume, die ihnen angenehmen Schatten ins Gesicht warfen. Es war sehr warm geworden.
Die Villa kam immer näher und näher. Hinter einem Baum stand eine kleine Parkbank. Dort saß ein Junge drauf.
Er hatte braunes Haar und dunkle Augen. Für einen Moment dachte Squall, er sähe sich selbst als Kind, aber er hatte etwas anders ausgesehen. Seine Augen erinnerten Squall an Rinoas.
"Hey", sagte das Kind vergnügt.
"Hi, wer bist du denn?", fragte Rinoa mit einem Lächeln.
"Ich habe auf euch gewartet. Ich soll euch da oben rauf führen", sagte der Junge und deutete auf die Villa.
"Wohnst du dort?", fragte Squall, dem der Junge sehr sympathisch war.
"Nö, ich tu bloß der Herrin einen Gefallen. Sie hat mich gebeten. Kommt!"
Der Junge sprang auf und führte die beiden den Pfad hinauf.
In kürzester Zeit waren sie an der Villa angekommen.
Der Junge klopfte ein paar Mal an. Die Tür ging auf.
Squalls Magen zog sich zusammen. Die Tür wurde von einem Butler geöffnet... Er kannte ihn aus seiner letzten Reise in Hynes Villa.
"Ah, Herr Leonhart, schön, Sie wiederzusehen", sagte der alte Herr.
"Die Freude ist ganz auf Ihrer Seite", grummelte Squall.
"Frau Heartilly, schön, Sie kennenzulernen. Bitte, kommen Sie herein", meinte der Butler.
Beide betraten das Haus.
"Kommst du nicht mit?", fragte Rinoa den Jungen, der keine Anstalten machte, das Haus zu betreten.
"Neee, ich mags da drin nicht. Also, war nett euch kennenzulernen. Bis bald", sagte der Junge und rannte davon.
"Netter Kerl. Ob wir ihn wiedersehen werden?", fragte Squall.
"In zwölf Jahren vielleicht", meinte Rinoa mit hochgezogenen Augenbrauen und grinste über Squalls Gesichtsausdruck.
Sie befanden sich in einer schicken Eingangshalle. Eine große Treppe führte zu einer schicken Flügeltür.
"Bitte warten Sie noch einen Moment. Warum gehen Sie nicht so lange in den Salon?", fragte der Butler und deutete auf eine weitere Tür.
Squall und Rinoa nickten und gingen dann durch die Tür. Klaviermusik kam ihnen entgegen.
Sie betraten einen gemütlichen Saal. Jemand spielte ein wunderschönes ruhiges Lied auf dem Klavier.
Squall sah sich um und versuchte zu entdecken, wer sich in diesem Raum befand.
Er hatte ein mulmiges Gefühl. Auf einmal merkte er, wie jemand ihm zuwinkte.
Squall traute seinen Augen nicht. An einem Tisch weiter saß Sandath Unne Caris, der ihn freundlich anlachte und einer Frau etwas ins Ohr flüsterte. Sie drehte sich um. Es war Volunta.
Squall blickte zu Rinoa.
"Wo sind wir?", fragte er verwirrt.
Doch Rinoas Blick haftete auf den Mann, der direkt in der ersten Reihe saß. Es war ihr Vater, Carway. Er sah jung und kraftvoll aus.
Das Klavierspiel endete. Alle klatschten.
Zwei Menschen kamen auf Squall zu. Ohne dass er etwas dagegen tun konnte, wurde er von einer Frau umarmt.
"Sie hat gesagt, dass du kommen würdest", flüsterte die Frau und blickte Squall ins Gesicht.
"Mein wunderschöner erwachsener Sohn. Ich bin so stolz auf dich", flüsterte Raine Loire.
Squall strich, nach Worten ringend, seiner Mutter sanft übers Gesicht. Sie lachte ihn an und trat dann ein Stück weiter weg.
Die zweite Person war Niida...
"Jetzt haben wir endlich mehr Zeit als eben. Squall, ich mache mir Vorwürfe, dass ich nicht mehr tun konnte", sagte Niida.
"Das ... musst du nicht... Ich... Wo sind wir hier, Niida?", fragte Squall verwirrt.
"In einem Ort der Phantasie. Diese Orte existieren nur kurz. Hier geschieht das Unmögliche. Sie sind wie eine Seifenblase und doch kann man hier vieles finden...", sagte Niida.
Rinoa war derweil durch das Publikum gegangen und näherte sich dem Klavier.
Die Frau dahinter stand auf und ging zu ihr hinunter. Rinoa hatte gewusst, wer hier gesessen hatte. Es konnte nur eine Frau sein, die so schön spielen kann.
"Du bist so eine wunderbare Frau. Ich liebe dich, Rinoa. Ich liebe dich für das, was du mir gegeben hast. Du hast immer an mich geglaubt. Es tut mir Leid, dass ich nicht eine bessere Mutter gewesen bin", flüsterte Julia ihrer Tochter ins Ohr.
"Mama...", sagte Rinoa mit krächzender Stimme.
"Du bist die Frau, die ich immer sein wollte..."
Die beiden hielten sich eine Ewigkeit in den Armen.
"Warum kann das nicht ewig dauern? Wieso können diese Momente nicht ewig gehen?", fragte Rinoa.
"Weil das der Lauf der Dinge ist. Rinoa, du bist stark, es gibt nicht nur eine Zukunft, merk dir das. Ich weiß, sie will dir etwas anderes sagen, aber ich muss ihr da widersprechen", sagte Julia.
"Wer?"
"Sie wartet oben in ihrem Zimmer auf euch. Sie wartet dort bereits seit einer Ewigkeit. Sie steht hinter allem, was passiert ist, hinter Hyne, hinter allem. Sie hat all das losgetreten, um euch jetzt zu treffen. Das war der einzige Zweck der Geschichte... dieses eine Treffen!", sagte Julia.
Squall war zu Rinoa getreten.
"Ich will da nicht hoch... Ich habe diesen Ort in meinen Träumen gesehen... Diesen dunklen schwarzen Ort... Ich will hier bleiben, bei euch", sagte Rinoa.
"Und deinen Sohn verlassen? Willst du den gleichen Fehler begehen, wie ich?", fragte Julia.
Rinoa sah sie lange an und nickte dann. Dann blickte sie zu Squall und zu dem Butler.
"Die Zeit ist gekommen. Die 'Aomes Trianirea' erwartet euch", sagte er.

Beide stiegen langsam die gigantische Treppe hinauf und standen dann schließlich vor der gigantischen Flügeltür. Beide nickten sich zu, drückten die Klinken herunter und betraten den Raum.
Es war ein großer Raum. Regale voller Bücher und über-lebensgroße Gemälde hingen an der Wand. Am anderen Ende des Raumes war ein gigantisches Fenster. Davor saß auf einem Sessel eine Person, die aus dem Fenster blickte.
"Sechs Jahre ist es her... Sechs... Eine unendlich lange Zeit... Ich warte seit Äonen, ich habe die Geschichte gelenkt, ich habe euch gelenkt. Es war ein hartes Stück Arbeit, ein langes Stück Weg, doch ihr seid endlich hier. Willkommen... ich bin die 'Aomes Trianirea' und ich bin hier, um euch die Wahrheit zu sagen", sagte eine weibliche Stimme, die Squall nur zu gut kannte.
Der Sessel drehte sich. In ihr saß Artemisia. Sie hatte ein schwarzes Kleid an und lächelte.
Squalls Hand suchte Rinoas, doch sie hatte ihre Arme verschränkt.
"Sie sind tot! Das ist unmöglich. Ich habe Jahre lang gehofft, dass Sie tot sind, sie verdammte gefühlskalte Schlampe", flüsterte Rinoa hasserfüllt.
"Du hast eindeutig deine Zeit verschwendet. Sicher, ich bin gestorben. In irgendeiner Zeit bin ich gestorben. Doch hier in den Zeitspalten, in Zeitebenen, die niemals eintreffen, lebe ich weiter. Ich bin Artemisia, ich bin 'Aomes Trianirea', ich bin durch den Müll der Zeit geboren. Je ferner die Realität sich von mir entfernt, desto stärker werde ich hier. Hier, wo die Hoffnungen und Ängste ruhen", sagte Artemisia delikat und zündete sich eine edle Zigarette an.
Rinoa sah die Frau verächtlich an und ging dann zügig zur Tür.
"Willst du schon gehen, ohne mich angehört zu haben?", fragte sie und nahm einen tiefen Zug aus der Zigarette.
"Was haben Sie mir schon zu sagen?", fragte Rinoa verächtlich, ohne sich umzudrehen.
"Ich weiß, wie du dich fühlst. Du fühlst dich eingeklemmt in dieser Welt. Du hast etwas in dir, was du sagen möchtest, aber du findest dafür nicht die Worte. Von allen Seiten bedrängen dich dunkle Figuren, minderwertige nagende Kreaturen. Sie wollen dich auffressen und du suchst nach dem Licht. Du willst Ordnung, du willst all das absprengen, diesen ganzen Kerker, dieses ganze System, das dich einengt. Egal, wo du hingehst, es verfolgt dich. Es heißt manchmal Per Manum, manchmal heißt es Squall, dann heißt es Hyne und dann die ganze Welt. Alles vergeht, jede Flamme geht aus und die helle Idee ist nur noch ein anfälliger Körper, der durch kleine unwichtige Wesen infiziert werden kann. Nichts ist ewig... keine Ruhe... nur Rennen... nur Wegrennen. Ich kenne das Gefühl", sagte Artemisia.
Rinoa war stehengeblieben und drehte sich um.
"Ich bin nicht wie Sie", sagte sie dann.
Artemisia lächelte, nahm einen weiteren Zug von der edlen Zigarette und sah dann zu Squall.
"Du bist auffällig ruhig, Squall. Hast du ihr unser kleines Geheimnis nicht erzählt?", lächelte Artemisia.
"Welches Geheimnis?", fragte Rinoa und sah Squall an.
"Das Geheimnis, das die ganze Welt weiß. Ich dachte, ihr seid so offen miteinander, ihr wolltet doch sogar heiraten", meinte Artemisia delikat, während sie lustvoll an ihrer Zigarette nuckelte.
"Halten Sie Ihren Mund!", zischte Squall.
Rinoa sah verwirrt zwischen Artemisia und Squall hin und her. Ihre Augen waren panisch und verängstigt.
"Rinoa... hast du dich nie gefragt, was der Name 'Aomes Trianirea' bedeutet? Zed Black hatte Recht, als er sagte, es sei die Antwort auf alle Fragen. Es ist die Antwort auf die Frage zwischen Gut und Böse ... und diese Frage hält das Universum zusammen... Diese Frage ist Evolution ... und eine Person verkörpert all dies", sagte Artemisia.
"Sie wollen das verkörpern?", lachte Rinoa trocken.
"Wir", meinte Artemisia.
"Was?", fragte Rinoa, als hätte sie nicht richtig gehört.
Artemisia hob ihre rechte Hand. Eine Blase erschien.
Squall erkannte das Bild in der Blase. Es waren Buchstaben... wie damals, als er mit dem Shumi-Ältesten am Brunnen gesessen hatte und auf einmal das Wort "Aomes Trianirea" erschienen waren. Die Buchstaben lösten sich los und schwebten frei in der Luft.
"Dieses Wort, dieses geheimnisvolle Wort ist nur eine Maske und doch enthält sie die fehlende Information, nach der ihr gesucht habt. Sie lag die ganze Zeit vor eurer Nase", sagte Artemisia.

AOMES TRIANIREA

Artemisia wirbelte mit ihrer Hand durch die Luft. Die Buchstaben arrangierten sich neu und bildeten zwei neue Wörter:

RENOA ARTEMISIA

Rinoa atmete scharf ein.
"Siehst du? Alle wussten es. Dein Schicksal steht in diesem Namen. Deine Mutter wusste es und wollte das Schicksal abändern und dich in 'Rinoa' umbenennen, doch ein anderer Name ändert nichts an deiner Identität. Du dachtest wirklich, nur du wüsstest, dass dein Geburtsname 'Renoa' lautet?
Es war das Geheimnis der Hexen. Diese beiden Namen hatte ich Hyne damals zugesendet. Es ist unabwendbar. Baskarune wusste es und gründete den 'Aomes Trianirea'-Bund, ein Zirkel, der diese Information weiter vererben sollte.
Die Welt hat dich belogen, Rinoa. Squall weiß es... sie alle wissen es... und auch du weißt es", sagte Artemisia.
Rinoa sah zu Boden.
"Was?", fragte dieses Mal Squall überrascht.
"Ich weiß es seit sechs Jahren! Glaubst du, ich erkenne mein eigenes Spiegelbild nicht wieder?! Ich habe versucht, es zu vergessen, es zu verdrängen, doch die Träume wurden stärker. Die G.F.s halfen mir zu vergessen, doch nachdem wir uns häuslich niedergelassen hatten, ließ die Wirkung nach. Ich konnte mich an alles erinnern, ich sah mich, ich sah meine Zukunft... Du warst tot, Squall... in meinen Träumen. Doch wenn ich kämpfte, da konnte ich alles vergessen...", flüsterte Rinoa.
"Es ist die unabwendbare Wahrheit. Sie alle wussten es. Wir opfern uns, Rinoa, für einen Zweck, wir opfern uns für die Existenz, deswegen machen wir das. Ohne uns wird es nie ein Universum geben. Alle haben dafür gearbeitet.
Hyne agierte aus seiner Vision heraus. Er sah mich und wusste Bescheid. Er dachte, vor sechs Jahren sei alles schief gelaufen, Squall hätte sterben sollen. Dieser Dummkopf, natürlich war alles richtig verlaufen. Alles sollte so laufen, dass ihr heute hier seid. Ihr beide, Squall und Rinoa, solltet hier jetzt stehen, um euer Schicksal zu erfüllen.
Einfach der Wunsch, jemanden verloren zu haben, macht aus uns keine 'Aomes Trianirea'. Nein, diese Göttin entsteht nur unter extremeren Umständen... Du musst dich schuldig fühlen, nur dann entsteht der endlos wunderbare Funke für die Geburt des Universums..."
Artemisia sah Squall an.
"Du wurdest am Leben gelassen, um jetzt dein Schicksal als Schlüssel zu erfüllen. Jetzt kannst du sterben!", flüsterte sie.

Der Garten um der Villa lag still. Auf einmal jedoch passierte etwas. Das Gras fror ein. Es war wie ein Feld aus Eiskristallen, endlos kalt. Auf einmal fingen die Kristalle Feuer und brannten... Das blaue Feuer der Vernichtung. Es bewegte sich auf die Villa zu.

"Rinoa... warum hast du mir nichts gesagt?", fragte Squall.
"Das soll wohl ein Witz sein?! Warum hast DU mir nichts gesagt?", schoss Rinoa auf einmal wütend zurück.
"Was... Ich... ich wollte dich schützen... Ich weiß es doch auch erst seit kurzem..."
Rinoa lachte auf.
"Wie großzügig. Du hättest es damals wissen können. Du hast in mein Gesicht gesehen, als du mich vor meinen Augen getötet hast. Du hast mich nie als diejenige gesehen, die ich war. Wir sind in eine Wohnung eingezogen und du wolltest das große private Glück.
Und dabei hast du mich nie angesehen, nie über das gesprochen, was mir wirklich wichtig war. Ich kam mir ja richtig schlecht vor. Ich wollte ja nur leben, aber nein, Squall musste ja ein tolles wunderbares Leben führen, es musste immer perfekter sein.
Aber ich gab mir Mühe. Ich spielte mit und machte gute Miene zum bösen Spiel. Aber du gingst immer weiter, immer weiter. Nie hast du mich beachtet, nie hast du mir Raum für mich gegeben", schrie Rinoa.
"Was hast du eigentlich für Probleme?! Warum hast du nie drüber gesprochen?", fragte Squall laut.
"Wozu? Damit du rumheulst? Das wäre ja grausam, den kleinen Squall mit so etwas Schmutzigem zu belasten!", meinte Rinoa spöttisch.
"Es wäre richtig und ehrlich! Aber so... so bist du nur falsch. Du hast gelogen, die ganze Zeit und dann eines Tages warst du einfach weg... du warst einfach weg", entgegnete Squall laut.
"Na klar, du hast mich ja nicht verstanden, ich konnte ja nur weg!", schrie Rinoa.
"Du hast es mir ja nie gesagt!", brüllte Squall.
"Die Situation ist etwas verzwickt, wie ich sehe", rief Artemisia mit einem Lächeln dazwischen.
"Halt doch die Klappe! Halts Maul, Squall, du verstehst nix. Aber ich hab ja selbst im Moment meines Verschwindens noch an dich gedacht und dir Cifer zur Seite gestellt! Ja, du hast richtig gehört: Er stand da auf meinem Befehl, um dich abzulenken. Aber nicht mal das hast du gemerkt. Er hat dich nie gemocht... das war alles Teil des Plans", presste Rinoa hervor.
"Lügnerin, ich weiß, was ich gesehen habe, du versuchst mich nur zu verletzen. Aber lass ihn aus dem Spiel. Cifer ist tot, er ist weg...
Ich frage mich nur, wie lange du mich schon anlügst..."
"Eine faszinierende Frage", kommentierte Artemisia genüsslich. Squall ignorierte sie:
"Vielleicht schon seit dem Moment, wo du mich angesprochen hast. War das vielleicht schon der Moment, wo du als Artemisia geplant hast, mich fertig zu machen!?", fragte Squall mit erstickter Stimme.
Rinoa hielt inne und sah ihn an. Sie war leer.
"War das alles nur Illusion? War deine Freundlichkeit und Wärme, die mich zu einem besseren Menschen gemacht hat, nur Show. Warst du immer so leer...?", fragte Squall verzweifelt.
Rinoa blieb stumm.
"Sieh es ein, Squall. Ich habe mich immer bei dir leer gefühlt... Mein ganzes Leben lang war mein Herz erstarrt. Es war kalt und leer. Manchmal gab es etwas wie ein Zucken, ein Lichtstrahl und dann war wieder alles dunkel.
Rinoa, du fühlst diesen Schmerz, oder? Dieser Schmerz macht uns zu dem, was wir sind. Wir sind die leidende Frau, die ihren eigenen Opfertod für die Welt macht. Dieser Mann vor dir nimmt dir alles weg. Du weißt doch, so selbstzufrieden ausgeglichen, so gerecht, das Böse bekämpfend, überall nur Feinde sehend. Sieh in seine großen Augen. In seine blauen schönen Augen. Sieh, wo ihr seid. Wo ihr mal wart.
Alles ist tot. Ihr seid am Abgrund und wenn du weiter lebst, dann werdet ihr auseinandergehen. Wenn du jetzt jedoch etwas machst, dann wird sich alles wiederholen und du wirst ihn irgendwann wiedersehen ... und wieder das Glück spüren.
Töte Squall!", sagte Artemisia.
Rinoa rann eine Träne runter.
Squall sah sie schockiert an. Das würde sie nicht tun, niemals. Sie hob eine Hand...
"Rinoa...", flüsterte Squall.
"Du kannst es, du hast doch vor sechs Jahren gesehen, wie du ihn beinahe umgebracht hättest", sagte Artemisia.
"Ich habe ... keine Wahl... Ich tue das, weil ich dich liebe... Ich will dich nicht verlieren...", flüsterte sie, während in ihrer Hand sich ein spitzer Eiszapfen bildete.
"Tust du aber, wenn du mich jetzt umbringst. Hast du vergessen, was deine Mutter unten gesagt hat? Denk an Adryan... Das ist hier eine Zeitspalte... Es ist nicht real. Es sind nur unsere Ängste, die wir hier sehen", flüsterte Squall.
"Aber ... ich verliere dich sonst. Ich bin nicht stark... ich bin schwach", flüsterte sie.
"Wie viele Menschen haben sich wohl schon so gegenübergestanden? Und sie machen trotzdem weiter. Manche zerbrechen an dem Schmerz und werden verbittert. Wenn du jetzt los lässt, dann wird das auch mit dir passieren.
Rinoa... ich stehe zu dir... egal was passiert... denn du hast auch zu mir gestanden, als ich durchgeknallt bin und dich angegriffen habe", sagte Squall.
Rinoa Gesichtsmuskeln zuckten. Dann ließ sie ihre Hand sinken. Der Eiszapfen zerbrach auf dem Boden.
Rinoa drehte sich langsam zu Artemisia um und schüttelte den Kopf.
"Ich bin ich... und ich bin nicht soweit, Artemisia zu werden", sagte sie langsam entschlossen.
Artemisia zog besonders lange an ihrer Zigarette und stand dann auf. Ihr Gesicht war vor Wut verzerrt. Dann lächelte sie ein grausames Lächeln.
"Zu schade, denn nur die 'Aomes Trianirea' würde aus dieser Zeitspalte entkommen können. Die Spalte schließt sich, hier wird bald alles dem Nichts zugefügt. Ich werde zusehen, wie ihr alle im Nichts verschwinden werdet. Eure Gedanken, eure Liebe wird auseinandergerissen", sagte Artemisia.
Durch das Fenster sah Squall, wie über den Hügel auf einmal das blaue Feuer auf sie zu gerast kam. Nicht nur das Gras brannte... Die ganze Luft stand in Flammen.
Jemand warf sich an seine Brust. Rinoa...
Durch die Eingangstür kamen ebenfalls blaue Flammen. Feuer drang durch das gigantische Fenster. Das Glas schmolz innerhalb von Sekunden. Die Flammen fraßen den ganzen Raum auf.
Artemisia nahm einen letzten Zug aus ihrer Zigarette und warf sie dann weg.
Ihr Körper fing Feuer. Wortlos ließ sie es geschehen. Ihr Gesicht wurde immer abgehärmter, bis nur noch ihr blanker Schädel in der Luft hing. Mit einem kurzen Knall explodierte der Schädel.
"Ich habe Angst vor diesen Flammen. Ich will... Ich träumte, wie sie mich auffressen wollten. Ich träumte..."
"Wir dürfen uns nicht aus den Augen verlieren. Und wenn wir sterben, dann sterben wir zusammen", sagte Squall mutiger, als er dachte.
"Wir werden nicht sterben... Wir werden zerrissen werden... uns komplett auflösen und verschwinden", keuchte Rinoa.
Die Flammen erreichten sie. Mehre Zungen leckten an ihnen und von oben kam etwas, das wie Klauen aussahen.
Squall sah in Rinoas tiefe Augen und sie tat es ihm gleich. Er konzentrierte sich fest auf das Leuchten ihrer Augen.
Er spürte die bittere Kälte, als die Flammen seine Füße verzehrten. Alles wurde taub und abgerissen. Doch er konzentrierte sich auf das Licht in den Augen.
Seine Arme lösten sich auf, sein Körper verschwand... das Licht der Augen blieb.
Alles war weg, die blauen Flammen wollten sein Auge verbrennen, doch er ließ es nicht zu.
Sie befanden sich im absoluten Nichts, doch vor ihm lag still das Licht der anderen.
Das Licht brannte so heiß in ihren Augen und er spürte, wie das Licht in seinen Augen ebenfalls hell brannte.
Er fühlte die ewige Intensität. Auf einmal kam eine Wärme. Zwischen ihnen war auf einmal ein heller Ball aus Licht, der endlose Wärme spendete. Er spürte seine Glieder wieder. Er konzentrierte sich auf das Licht in Rinoas Augen. Ihr Körper kehrte zurück. Und auch er spürte wieder seine Glieder.
Er legte seine Hand um ihr Gesicht. Die blauen Flammen flackerten auf seiner Hand, doch konnten sie ihm nichts anhaben. Dann küsste er sie lange auf den Mund.
Die Wärme von ihrem Körper sprang auf seinen über. Er spürte, wie die Flammen langsam eingingen, als wären sie erstickt.
Ihre Körper rückten zusammen und schlossen den hellen Lichtball zwischen ihnen ein. Sie absorbierten den Ball. Sie leuchteten von innen.
Auf einmal fühlte Squall, wie aus ihren Körpern ein helles Licht strahlte. Wellen von Energien gingen von ihnen aus.
"Was passiert?", fragte Rinoa.
Squall sah sich um. Die Dunkelheit wurde zurückgedrängt. Vor ihnen sahen sie ein gewaltiges Farbenspiel. Muster beliebiger Art flackerten vor ihren Augen hin und her.
Manche Farbenspiele formten sich zu runden gasförmigen Gebilden. Es war eine fantastische Aussicht. Von der hellen Lichtkugel trennten sich kleine heiße Kugeln ab, die diesen neuen Kosmos erleuchteten.
"Und so fing es an..."
Jemand sprach in Squalls Ohr. Es war eine Kinderstimme, aber sie kam Squall bekannt vor.
"Alphega?", fragte er.
Rinoa sah nach oben zum gigantischen sich formierenden Sternenhimmel, wo Licht sich brach und sich neu formierte.
Wie lange sie da standen, wusste Squall nicht. Wie lange sie dieses wunderschöne Schauspiel sich ansahen, diese immer wiederkehrende Geburt, wusste Squall nicht. Irgendwann jedoch hörte er eine Stimme, die er kannte...
"Wollen wir zurückkehren?", fragte Rinoa.
Squall nickte und schloss seine Augen. Vor seinem inneren Auge tauchte Adryan auf.
Er spürte, wie sein Körper leichter wurde und sich zu drehen begann. Alles verschwamm, sie ließen alles zurück... sie kehrten zurück...

Squall öffnete langsam die Augen. Er hatte gut geschlafen. Das Meeresrauschen begrüßte ihn wieder in der Realität.
Sie waren nun schon seit Tagen hier. Es war eindeutig das Waisenhaus und es sah auch so aus, wie sie es zurückgelassen hatten, bevor sie gegen Hyne gekämpft hatten...
Aber es war vollkommen verlassen.
Niemand war da...
Squall wusste nicht, wo sie gelandet waren. Befanden sie sich in einer weiteren Zeitspalte oder vielleicht in einer anderen Zeitdimension?
Nun, zumindest war es eine Dimension ohne Hyne, denn es gab keine bedrohlich aufragende Zitadelle.
Er vermisste seinen Sohn ... und die anderen. Doch irgendwie fühlte er, dass sie davor noch etwas besprechen mussten.
Squalls eine Hand fühlte neben sich und er merkte, dass Rinoa weg war. Vielleicht war sie ja am Strand spazieren.
Squall verließ den Raum.

Die warme Meeresluft empfing ihn. Am Horizont stieg langsam die Sonne auf und wärmte den Tag an.
Am Meer saß am Strand Rinoa und blickte nachdenklich auf das hellblau leuchtende Wasser.
Möwen kreischten.
Squall näherte sich langsam.
"Ist alles in Ordnung?", fragte Squall.
Rinoa hatte ihn anscheinend nicht kommen hören, da sie ein wenig zusammenzuckte.
"Ja ja... mir geht's gut."
Squall setzte sich.
"Das war's!", sagte er lächelnd.
"Was?"
"Das waren die Sätze, die wir gesprochen hatten, bevor du gegangen bist...", sagte Squall langsam.
Rinoa sah zu Boden.
"Squall, es tut mir Leid... Es ist... Ich glaube, ich bin ganz schön kaputt...", seufzte sie.
"Vielleicht... aber wer ist das nicht? Jeder Mensch hat eine kaputte Seite", meinte er.
"Und was sollen wir tun? Weiterleben wie vorher?", fragte sie.
"Hm, vielleicht fange ich bei Laguna als Redakteur an. Jetzt so ohne Waffe kann ich vielleicht was schreiben. Dann bin ich auch mal außer Haus und du hast etwas Ruhe vor mir..."
Rinoa musste lachen.
"Ich könnte ja eine Galerie aufmachen. Malen. Hyne hat mir Bilder richtig schmackhaft gemacht...", sagte sie.
Dann wurde Rinoa ernst.
"Das ist doch alles blöder Mist. Alles nur Kinderkram. Wie soll ich Adyran oder dir je wieder ins Gesicht sehen können? Ich habe versucht, durch Weglaufen der Wahrheit zu entkommen. Es steht fest. Ich bin Artemisia und ich kann es nicht ändern. Dieses Schicksal ist mir vorherbestimmt...", sagte sie.
"Ein alter Freund sagte mir mal, die einzige Grenze des Menschen ist die der Vorstellungskraft. Wir leben in einem solch gigantischen Universum mit all diesen unvorstellbaren Mechanismen. Wer weiß schon, wie wirklich alles funktioniert, wie wirklich alles angefangen hat und wie es enden wird?
Kann ein einziger Mensch oder ein einziges Wesen das wirklich alles erfassen?
Egal, wie weit ich gereist bin, ich habe immer eins gesehen. Es kommt nur drauf an, wie gut man mit sich selbst leben kann. Das gilt anscheinend für alles. Für Zhabanen, für das Universum ... und für uns.
Wir kennen beide unsere miesen Seiten. Und deswegen denke ich, dass die Zukunft verändert werden kann", sagte Squall leise.
Rinoa rückte etwas näher an ihn heran. Sie legte ihren Arm um seinen Hals und beide starrten auf das endlose blaue Meer hinaus.
Etwas störte die Idylle. Ein Motorengeräusch. Beide sahen über ihre Schultern...
Vor dem rötlichen Morgenhimmel flog majestätisch das gigantische Luftschiff Terra und machte Anstalten zu landen.
"Eine Zeit, in der die Terra existiert, kann nicht so scheiße sein", sagte Squall.
"Ja... vielleicht gibt es wirklich Hoffnung...", flüsterte Rinoa.
Beide sahen wieder zu dem ewigen Ozean hinaus, in dem die Wellen weiter ans Land schwappten.
Squall hörte Stimmen von Leuten, die anscheinend die Terra verlassen hatten. Für einen Moment blickte er zum Horizont und fragte sich, was kommen würde. Dann sah er zu Rinoa und streichelte ihr über ihre Schulter.
Rinoa lächelte ihn an, stand auf und drehte sich um, um die Leute zu empfangen.
Squall starrte noch kurz aufs Meer.
"Wer weiß, was wird", flüsterte er, stand dann auf und folgte ihr.


Ende