FFVIII: Aomes Trianirea - Kapitel 34

Goodsworthdämmerung

verfasst von MfLuder und ShadowFlame

Die Nacht war in ein kleines Zimmer eingekehrt. Umlagert von Schatten zitterte ein kleiner Junge ängstlich in seinem Bett. Die Tür ging auf und ein großer blonder Mann kam herein und streichelte den Jungen behutsam über den Kopf.
"Kannst du wieder nicht schlafen, Cifer?", fragte der Mann.
Der Junge schüttelte zitternd den Kopf.
"Es gibt nichts, wovor du dich fürchten musst. Dunkelheit bedeutet nur, dass kein Licht da ist, mehr nicht. Du fürchtest dich nur vor dem Unbekannten. Aber nur weil du es nicht kennst, bedeutet es nicht, dass es dir was Böses will, klaro?"
Cifer verstand kein einziges Wort, doch die warme Stimme seines Vaters beruhigte ihn. Er nickte und ließ sich langsam wieder ins Bett fallen.
"Textest du ihn wieder zu? Er versteht doch eh kein einziges Wort", kam die Stimme einer Frau von der Tür.
Sein Vater gab ihm noch ein Kuss, verließ das Zimmer und schloss die Tür. Cifer hörte die Stimmen seiner Eltern durch die Tür kommen. Zuerst dumpf und dann immer lauter. Sie stritten sich so oft...
Schlagartig wurde er von etwas aufgeweckt. Jemand war ins Zimmer gestürmt. Es war seine Mutter.
"Wach auf, Cifer, schnell. Unters Bett mit dir", flüsterte sie und hob ihn aus seinem Bett und schob ihn drunter.
"Mama, was ist..."
"Ich liebe..."
Ein Schuss. Ihre Augen wurden leer und sie sackte zusammen. Einfach so, ganz schnell. Cifers Kopf arbeitete schnell. Was war passiert?
In der Tür standen drei Figuren. Schwarz und unheimlich. Durch die Beine der Figuren sah
Cifer jemanden auf dem Boden liegen ... der Teppich war rot.
Zwei der Menschen in der Tür betraten den Raum. Ihre Schritte hallten laut im Raum umher. Sie schritten auf das Bett zu.
"Lass uns gehen, unsere Arbeit ist getan!"
Eine weibliche Stimme ... sie kam von der Tür. Die Frau in der Tür machte einen Schritt nach vorne. Ein Lichtstrahl beschien ihr Gesicht. Sie hatte schwarze Haare und ein schönes Gesicht ... und warme Augen ... warm...
"Mondmann, es gibt nichts mehr zu tun", wiederholte sie scharf.
Die Füße entfernten sich wieder vom Bett. Binnen weniger Sekunden hörte Cifer die Eingangstür klacken ... er war alleine...
Die schwarzen Gestalten...
Der Fußboden war kalt und hart. Er spürte die Kälte in seinen Körper fahren. Doch er bewegte sich nicht, obwohl das Gefühl so unangenehm war. Er wollte sich nicht bewegen ... er wusste nicht, wieso, aber er konnte es einfach nicht. Die Kälte wurde langsam unangenehm und es war eng und hart. Und doch wollte er einfach hier liegen bleiben ... bis in alle Ewigkeiten.
Irgendwann packten ihn zwei warme Hände...

Cifer saß regungslos auf einer Polizeiwache. Er hörte Stimmen surren, wie ein garstiges Nest von Hornissen. Er hörte die Tür klacken. Jemand hatte den Raum betreten.
Eine dunkelhäutige Frau mit unergründlich warmen Augen setzte sich vor ihn und streichelte ihm über die Wange.
"Es ist in Ordnung ... es ist alles in Ordnung ... wir haben einen der drei", sagte sie.
Die Tür ging wieder auf.
"Big Mama, Edea Kramer will dich sehen", sagte eine männliche Stimme.
Die Frau, die Big Mama genannt wurde, nickte und schob sich wieder aus Cifers Blickfeld. Die Tür stand offen.

Cifer wanderte durch die Gänge des Polizeireviers. Dann sah er ihn ... er erkannte ihn an seinen Schuhen. Er saß mit dem Rücken zu ihm ... er hatte eine Glatze und murmelte...
"Sie alle haben mich verraten ... Black hat mich verraten ... sie hat mich verraten ... mein Sohn hat mich verraten..."
"Halten Sie endlich das Maul, Troy!", schrie eine der Polizisten.
"Name?", fragte Troy.
"Hoffmann."
"Hoffmann, ich will, dass sie meinen Sohn Gareth Balmung anrufen. Ich will ihn sehen ... und ihm ein paar Dinge sagen!", meinte Troy.
"Halten Sie die Klappe!", erwiderte Hoffmann und ging.
Cifer sah hohl auf den Hinterkopf. Dann blickte er nach links ... dort lag eine Pistole, die jemand liegen gelassen hatte...
Wie im Trance griff er nach der Waffe. Sie war schwer, hart und kalt ... wie der Fußboden, auf dem er gelegen hatte... Der Mann... der Mörder seiner Eltern... er war so nah... es war so einfach... Er wusste, wie man damit umging ... seine Mutter war eine exzellente Schützin gewesen...
Er hörte den alles durchdringenden Knall und fühlte das warme rote Blut und hörte die Schreie der Menschen... Jemand riss ihm die Waffe aus der Hand... Sie griffen nach ihm, er wurde vom Boden hochgehoben...
Und dann hörte er eine warme Stimme, die alles durchdrang ... die das Chaos ordnete ... eine Stimme wie von einer Mutter...
"Es war nicht deine Schuld..."
Er sah ihr Gesicht... Es erinnerte ihn an die Frau in der Wohnung... Lange schwarze Haare und ein Gesicht voller Wärme.
"Mein Name ist Edea... Wir werden dir eine Zukunft geben... Du wirst all das vergessen..."

Jahre später kam Cifer vom Waisenhaus zurück. Er hatte mit Squall Rinoa gefunden ... es war vorbei.
Es gab natürlich noch vieles, was ungelöst war, doch was ging ihn das an? Er war ein freier Mann und wenn die dämlichen SEEDs meinten, Prokylta und dieses Monster Hyne zu jagen ... sollten sie doch. Er jedenfalls würde zurückkehren und mit Rai-Jin und Fu-Jin in Ruhe leben...
Von weitem sah er bereits, dass etwas nicht stimmte. Rauch stieg aus seiner Höhle auf!
Cifer rannte so schnell er konnte in die Höhle hinein. Der Rauch biss sich in seine Augen und fraß seine Lungen auf. Er konnte undeutlich etwas erkennen... Zwei Körper lagen auf dem Boden...
Und darüber ... eine Kreatur mit einem blutigen Schwert... Eine Figur aus Schatten geboren ... eine Kreatur der Dunkelheit.
"Diese Idioten. Was mussten sie mich angreifen, wo ich nur rasten wollte? Als könnten sie mich, den Schwarzen Prinzen, besiegen!", rief die Figur in einer schrecklich entstellten Stimme.
"DU!!!", brüllte Cifer.
"Ah, der Kleine aus Dollet", kicherte der Prinz und machte einen Satz auf Cifer zu, der davon vollkommen überrumpelt wurde. Cifer rappelte sich auf und sah den Prinzen in Richtung Ausgang davon rennen.
"Bleib hier, du Schweinehund. Du nimmst mir nicht wieder alles weg!", kreischte Cifer.
Seine Lungen brannten, als er nach draußen rannte. Ein Transporter hob ab. Cifer sah das Logo der Sekte. Mit einem letzten Sprung krallte er sich an der Maschine fest.
Seine Arme schrien und drängten ihn loszulassen, doch Cifer würde nicht nachgeben ... nicht dieses Mal. In der Ferne konnte er durch die Dunkelheit Balamb ausmachen...

Du willst dich rächen, weil ich deine Freunde umgebracht habe", sagte der Prinz.
"Das ist einer der Gründe", antwortete Cifer.
"Das ist der einzige Grund! Wir sind Krieger. Rache und die Lust am Kämpfen hält uns am Leben. Die Rache an der Welt, die uns zerstören wollte, ist unsere Lebensaufgabe."
"Das klingt ja wie eine alte Anmache von mir", antwortete Cifer nicht ganz so beißend wie er wollte.
"Sag, was du willst. Ich kenne dich. Ich sehe es an deinen Augen. Deine einzige Liebe ist der Kampf", sagte der Prinz.

"Kann ich Ihnen helfen?", fragte eine Stimme.
"Das bezweifle ich..."
Cifer stand auf und stellte fest, dass die hilfsbereite Person ein Junge mit einer sehr selbstbewussten Ausstrahlung war. Er wirkte sehr erwachsen, man konnte aber noch die Züge eines Kindes erkennen.
"Was hat ein Knirps wie du hier eigentlich verloren?"
"Ich arbeite zur Zeit hier", antwortete der Jugendliche prompt und grinste.
"Als was?"
"Bin Praktikant in der Verwaltungsabteilung."
"Ah, dann kannst du mir sicher sagen, wo ich das Quartier von Ellione finden kann", sagte Cifer, sich erinnernd, dass er gar nicht wusste, wo Ellione eigentlich wohnte.
"Jep. Folgen Sie mir einfach." Cifer war erstaunt, wie locker der Junge ihm gegenüber war. Er beschloss ihm zu folgen...

"Wir reden hier sehr viel über mich. Was ist mit deiner Vergangenheit?", wollte Cifer wissen.
"Ich bin nicht wirklich sehr begeistert davon. Meine Vergangenheit ist nicht wirklich schön und wenn ich sie nach tollen Erlebnissen durchforste, dann ist es so, als ... als würde ich in einem Haufen Scheiße nach Preiselbeeren suchen!", sagte Xelto mit rabiater Stimme. Cifer biss sich fest in die Lippen, um sich das Lachen zu verkneifen.
"Wunderschön formuliert."

"Wer bist du?", schrie er.
Der Prinz lachte. Dann fing er an, den Helm abzunehmen. Es gab ein kleines Zischen, dann ein Knacken. Der Prinz hob seinen Helm über seinen Kopf, wie eine Krone und klemmte ihn sich unter seinen Arm. Cifer blickte starr in das Gesicht von Xelto. Es war nicht mehr der Xelto, mit dem er sich vorhin unterhalten hatte. Dieser Xelto hatte leblose Augen, die nur durch seinen Wahnsinn erhellt wurden. Er blickte kurz zu Boden. Als er wieder aufsah, stand dort der Xelto, den Cifer kennengelernt hatte. Ein freundlicher, nachdenklicher Junge.
"Was hast du erwartet? Ein Monster?", fragte Xelto, der Schwarze Prinz. Vor Cifer stand der Mensch, der Sherry angegriffen und Günther getötet hatte, der Rai-Jin und Fu-Jin getötet hatte ... und es war ein Junge, fast noch ein Kind.
Ein Tosen unterbrach Cifers Gedankengang. Hinter Xelto erschien ein großer Transporter. Cifer konnte darin die Umrisse von Aomes Trianirea-Mitgliedern ausmachen. Sein Blick wanderte zurück zu Xelto. Dieser sah ihn wieder mit ausdruckslosen Augen an. Dann drehte er sich um und sprang auf das Dach des Transporters, der an Geschwindigkeit zunahm.
Cifer hörte Schritte. Ellione kam auf das Dach gerannt, einen Raketenwerfer in ihrer Hand und Soldaten im Schlepptau.
"Nimm den Raketenwerfer, Cifer! Schieß ihn ab! Das ist unsere Chance!", schrie Ellione.
Cifer drehte sich langsam zu ihr um. Ellione verstummte bei seinem Anblick.
"Nicht so", flüsterte Cifer.

"Wieso hast du aufgehört?", fragte Xelto erneut.
Cifer dachte lange nach und sagte dann schließlich.
"Macht macht nicht glücklich und böse sein strengt an. Ich war viel zu sehr mit Dienen beschäftigt, sodass ich vergessen hatte, dass ich als Krieger ja eigentlich unabhängig sein wollte. Ich wollte meine Kraft für meine Überzeugungen einsetzen. Doch ich habe versagt und mich zum Hampelmann machen lassen. Doch dann habe ich dieses neue Leben gelebt. In der Wildnis, mit meinen zwei Freunden, wo man nur überlebt und in jeder Minute sich dem Kampf mit der Natur aussetzt. Doch dann ist Rinoa verschwunden und mir wurde klar, dass ich meine Kraft für sie einsetzen will. Ich liebe sie, doch sie liebt mich nicht. Trotzdem will ich sie beschützen. Das reicht für mich. Dann wurden Fu-Jin und Rai-Jin ermordet..."
Cifer brach ab. Ihm wurde in diesem Moment erst wieder mit voller Wucht klar, dass ihr Mörder neben ihm saß. Xelto schien es auch zu spüren. Er bewegte sich unruhig hin und her.
"Du hast verdammt viel Scheiße gebaut und ich hoffe für dich, dass du was daraus lernst. Ich habe jedenfalls was daraus gelernt und deswegen gebe ich dir noch mal ne Chance, Xelto. Du bist ein kluges Kerlchen, tausendmal besser als deine Geschwister. Also mach was draus", knurrte Cifer plötzlich.
"Mal sehen", sagte Xelto und stand auf.

"Dafür ... kriegst du sicher ... Ärger...", schluchzte er.
Xeltos Gesicht bebte. Dann ließ er seine Klinge ein weiteres Mal schwingen und trennte Darios Kopf ab. Das Blut spritzte ihm ins Gesicht. Er nahm seine Gunblade vor sein Gesicht. Sie war rot und sein Gesicht war rot. Aus dieser Fratze starrten zwei schwarze leere Augen hervor.
"Ich kann kleine Scheißer nicht ausstehen", lachte er in einer widerlichen Parodie eines Witzes.
Cifer stand auf. In seinen Augen war endloser Schmerz.
"Schau mich nicht so an, Cifer. Ich hab dir immer gesagt, ich bin keiner von den Guten. Ich habe alles verloren, also lass uns unseren legendären Kampf jetzt und hier austragen und uns aufschlitzen, bis unsere Gedärme den Boden schmücken", sagte Xelto und hob sein Schwert.

Cifer blickte in die Richtung, wo Xelto verschwunden war.
"Das letzte Wort ist in der Tat noch nicht gesprochen worden", flüsterte er so leise, dass nur er es hören konnte.


Ein Gewitter war über sie gekommen und entlud sich in vollster Stärke. Fast alle Bewohner des Waisenhauses und ihre zahlreichen Gäste hatten sich nach drinnen verzogen. Andere, wie dieser unsympathische Mensch mit dem Zahnstocher waren gleich ganz abgereist.
Nur einer stand draußen und schwang seine Gunblade. Cifer trainierte unablässig, um sich an den Kampf mit dem linken Arm zu gewöhnen. Er wurde langsam besser. Doch während er hier meditierte, stellte er fest, dass ihn oft Bilder aus seiner Vergangenheit einholten, die ihm viel Schmerz bereiteten.
Doch es störte ihn nicht. Er genoss den Schmerz. Er hatte gelernt, sich mit dem Schmerz auseinanderzusetzen. Er war zwar keine Frau, aber ungefähr so stellte er sich den Schmerz einer Geburt vor. Man leidet, um danach gestärkt daraus hervorzugehen. Vorausgesetzt man geht nicht daran zu Grunde.
Cifer hatte seinen Oberkörper freigemacht, um beweglicher zu sein. Unablässig starrte er dabei auf seinen Armstumpf, den er sonst in den letzten Tagen eher versteckt hatte. Man hatte ihm vorgeschlagen, eine Prothese anzulegen, doch Cifer hatte abgelehnt. Entweder er würde so leben oder gar nicht.
"Komm endlich rein, Cifer. Du erkältest dich noch hier", rief eine Stimme.
Cifer öffnete die Augen und sah Rinoa, die sich notdürftig wie mit einer Zeitung vor dem Regen schützen wollte.
"Wieso, ich mag Regen", entgegnete Cifer lachend.
Er sah Rinoa kurz an... Dann wurde ihm wieder bewusst, wie ähnlich Rinoa doch der Frau war, die in der Nacht die Ermordung seiner Eltern beaufsichtigt hatte...
"Ich werde es Squall sagen", sagte Cifer plötzlich.
"Was?"
"Wie wirklich alles angefangen hat. Wieso ich damals bei ihm in der Wohnung stand", sagte Cifer.
"Cifer... Ich glaube nicht, dass er..."
"Er ist inzwischen ein guter Freund und ich denke, ich sollte offen mit ihm sein. Er ist zwar dumm wie Brot und naiv ... aber ehrlich ist er. Und ich bin es auch ... geworden zumindest", entgegnete Cifer.

"Warum seid ihr hier? Wieso hast du dich meiner Bitte widersetzt?", fragte Rinoa.
"Weil du das alleine nicht schaffst", entgegnete Cifer ruhig.


Rinoa sah Cifer ernst an.
"Komm, lass uns sehen, was es neues in der Welt gibt", sagte Cifer, zog sich an und ließ Rinoa im Regen stehen.

Das Wohnzimmer des Waisenhauses, früher ein Ort der Entspannung, war bis zum Bersten gefüllt. Cifer dachte für einen flüchtigen Moment drüber nach, wie merkwürdig es doch sei, dass hier Menschen Seite an Seite vor einem Fernseher saßen, die vielleicht sonst nie sich begegnet hätten oder im Alltag vielleicht sogar Feinde wären. Wieso passiert so etwas immer nur in absoluten Notsituationen?
Cifer sah sich um und entdeckte Laguna in der Menge. Cifer stellte sich zu ihm.
"Organa ist heut morgen abgereist. Er will in Dollet persönlich die Fäden in der Hand halten...", meinte Laguna.
Ein Werbespot wurde im Fernsehen gesendet.
"Ihr seid jung, kräftig und könnt kämpfen? Ihr wollt etwas tun gegen das Leid? Dann unterschreibt jetzt. Die große Offensive gegen Hyne beginnt bereits übermorgen. Seid dabei, wenn es heißt: Gut gegen Böse!"
"Man könnte meinen, es handle sich um einen Abenteuerausflug", kommentierte Cifer trocken.
"Wer sich diese Kampagne wohl ausgedacht hat?", flüsterte Laguna.
Die Nachrichten begannen. Doch anstelle des Vorspanns wurden sofort Bilder von einer verwüsteten Stadt gezeigt.
"Die andauernden Naturkatastrophen und Monsterangriffe entwickeln sich zu der größten Katastrophe, die der Menschheit je ausgesetzt war. Vor knapp einer Stunde haben Monster Dollet angegriffen und große Verwüstungen angerichtet. Eine genaue Zahl der Todesopfer wurde noch nicht bekannt gegeben, man rechnet aber, dass die Opferzahl in dreistelliger Höhe angesiedelt werden muss."
Der Nachrichtensprecher erschien und wollte gerade seinen Kommentar fortsetzen, als ihm von einem hektischen Mitarbeiter eine Notiz gereicht wurde. Er überflog die Notiz kurz und sagte dann in dem gleichen monotonen Tonfall:
"Meine Damen und Herren, soeben erreicht uns die Nachricht, dass bei dem Angriff der Bürgermeister von Dollet, Bail Organa, und sein Stellvertreter Graf Thomasa ums Leben gekommen sind!"
Sofort begannen im Raum mehrere Leute, über den Vorfall zu sprechen. Der Typ mit dem Zahnstocher erschien und drückte sein Bedauern aus.
"Verflucht, jetzt ist die komplette alte Garde weg. Eine ganze Politikergeneration ausgelöscht. Perseu, Kitisa und Organa, alle tot. Kann vom Glück sagen, dass ich zurückgetreten bin. Hoffentlich ist Ell in Sicherheit. Und dieser Zahnstochermann da, der ist ja nun ein vollkommener Idiot!", zischte Laguna in Richtung Fernseher.
Die Nachrichten wechselten. Es kam eine Reportage über eine mysteriöse Mordserie. Dies schien niemanden zu interessieren, da sofort der Lärmpegel im Raum sprunghaft anstieg, als die Leute sich über den Angriff unterhielten.
"Ruhe", brüllte Cifer, der die Reportage intensiv verfolgte.
Cifer versuchte sich durch die Bilder die Hintergrundgeschichte der Morde zusammenzureimen. Ein Foto einer Gunblade erschien.
Er hatte eine ungute Vorahnung. Dann wurde ein Phantombild des mutmaßlichen Täters eingeblendet. Ein sechszehnjähriger Junge mit schwarzen Haaren und einem Umhang...
Bei dem folgenden Bericht über mysteriöse Ufo-Sichtungen hatte Cifer bereits den Raum verlassen.

"Squall, ich brauche deinen komischen Super-Chocobo. Nur für ein paar Stunden. Ich mach eine kurze Reise!", bellte Cifer in den Raum, wo Squall gerade Adryan fütterte.
"Äh, Cifer..."
"Danke", gab er unwirsch zurück und hatte binnen Sekunden das Haus verlassen ohne noch einmal an sein Gespräch mit Rinoa gedacht zu haben...

Ein paar Stunden und einen unruhigen Ritt später stieg Cifer in einem modrigen Hausflur in Dollet die Treppen hoch. Das Licht flackerte und der Putz kam von den Wänden. Durch manche Türen hörte er das Geschreie von Personen und das Weinen von Kindern.
Er blickte auf einen Zeitungsartikel und dann auf die Namensschilder.
Da war es... Luap.
Vor ein paar Stunden hatte man hier eine fünfköpfige Familie tot aufgefunden. Nur ihr jüngster elfjähriger Sohn hatte überlebt. Man hatte den Täter, einen Juraprofessor, gerade verhaftet, als er dabei war, dem Kleinen die Hosen auszuziehen. Anscheinend hatte dieser Mörder eine Vorgeschichte und hat unter dem Namen "Son of Bahamuth" bereits länger operiert. Für die Polizei war die Geschichte abgeschlossen. Für Cifer nicht.
Denn während die Eltern nach dem normalen grausamen Muster des Serienkillers umgebracht wurden, berichtete der Zeitungsausschnitt bei dem Mord der zwei Kinder, beide männlich, von speziellen Einschlaglöchern ... wie von einem Gewehr ... oder einer Gunblade...
Cifer musste selbst nachsehen. Er wollte gerade anfangen, die Tür der verlassenen Wohnung zu knacken, als er bemerkte, dass sie bereits offen war. Er trat ein.
Obwohl die Wohnung noch eingerichtet war, spürte man bereits beim Eintreten den Geruch des Todes, die unheimliche Kälte, die jeden Raum befiel, in dem ein grausames Verbrechen oder eine Gewalttat geschehen war. Obwohl viele der Meinung waren, die Natur kümmert den Tod eines einzelnen nicht, war Cifer anderer Meinung. Es passierte nichts Offensichtliches, es passierte subtil. Als würde in dem Raum eine kühle Brise des Nichts einziehen. Cifer kannte den Geruch und das Aussehen des Todes. Lange Zeit war der Tod für ihn sein einziger Freund gewesen...
Er ließ seinen Blick durch den Raum schweifen und entdeckte schnell, wonach er gesucht hatte. Einschusslöcher in der Wand. Eindeutig von einer Gunblade.
Doch er wusste, dass Xelto in diesem Raum gewesen war, bevor er die Einschusslöcher gesehen hatte... Es war sein ... Geruch, der in der Luft lag. Doch wieso hatte sich Xelto mit so einem Perversen wie dem "Son of Bahamuth" verbündet?
"Cifer?"
Cifer blickte erschrocken hoch.
Im Türrahmen stand Skylar Goodsworth.
"Was machst du hier?", fragte sie erstaunt.
"Und du? Nach einer neuen Story schauen?", fragte er brüsk zurück.
"Ich habe gekündigt, ich bin keine Journalistin mehr. Ich nehme an, wir sind beide aus dem gleichen Grund hier", meinte sie kühl.
"Und der wäre?", fragte Cifer ausweichend.
"Tu nicht so unschuldig. Xelto war hier. Wir beide wissen das", sagte Skylar.
"Also, warum bist du hier?", fragte Cifer.
"Ich bin seine Schwester und ich will ihn finden. Die Polizei denkt, sie hätten ihren Täter, aber ich bin anderer Meinung. Xelto wird weitermachen. Die beiden Kinder werden nicht seine letzten Opfer sein. Und wenn ich ihn finde, muss er mir Rede und Antwort stehen. Er könnte mir zum Beispiel verraten, was er mit diesem perversen Wichser zu tun hatte!", sagte Skylar mit funkelnden Augen.
"Guter Plan", meinte Cifer säuerlich.
Die beiden starrten sich an.
"Komm doch mit zu mir. Ich zieh zwar grad um, aber eine Flasche Wein ist noch da. Vielleicht kommt uns ja bei netter Musik ein weiterer Gedanke. Das ist jetzt aber keine Anmache. Kein Sex oder so", sagte Skylar.
"Du ziehst um?", grummelte Cifer.
"Ich zieh aufs Land... Da kann ich mein Buch schreiben... Vielleicht mit Irvine eines Tages leben und ein Kind großziehen..."
"Und was machst du übermorgen, wenn die große Schlacht tobt?", fragte Cifer Skylar mit einem schiefen Lächeln.
"Mein Haus einrichten ... was sonst? Meine Lebensaufgabe ist beendet. Die Verschwörung ist beendet und nach Kitisas und Blacks Tod dürfte es eine Zeit dauern, bis jemand anderes eine neue aufbaut.
Alles, was ich jetzt noch tun kann ist meine Lebensgeschichte aufzeichnen, damit andere daraus lernen können und insgesamt das politische System besser verstehen. Denn dann dürfte es auch diesem Zahnstochermann schwer fallen, eine neues 'Per Manum' zu errichten. Außerdem gibt es ja da noch meinen Kollegen Laguna. Seine neue Zeitung geht ja weg wie warme Kuponüsse. Also was ist? Kommst du?", fragte sie.
"Später vielleicht. Ich will vorher noch eine alte Freundin besuchen, die mir vielleicht weiterhelfen kann", sagte Cifer.

Cifer ging zügig durch die Straßen von Dollet. Die Schäden des Monsterangriffs waren allgegenwärtig und die ohnehin angeschlagene Stadt glich teilweise einem Trümmerfeld.
Viele Menschen hatten ihre Häuser verlassen und kauerten auf der Straße herum.
Immer wieder kam Cifer an Holzständen vorbei, wo man sich für die Schlacht in zwei Tagen registrieren konnte. Er ließ seinen Blick durch die Menschenschlangen schweifen und bemerkte zu seiner Wut viele junge und ängstliche Gesichter. Würde er mit seinen Gedanken nicht woanders sein, würde er diese Teenager zusammenbrüllen und ihnen sagen, sie sollen mit ihrem Leben was Sinnvolles anstellen und sich nicht zerfleischen lassen.
Auf einmal spürte er etwas... Die Erde ... sie vibrierte.
Cifers Magen zog sich zusammen. Schickte Hyne ein Erdbeben, dass die Stadt, wie Beryll vor einigen Tagen, vollkommen vernichten sollte? Um ihn herum schrien Menschen in Todesangst auf und umklammerten ihre Freunde und Familien. Die Leute vor der Holzhütte rannten ängstlich in alle Richtungen davon.
Doch das Beben ... es ... es wurde nicht stärker. Waren sie gar nicht das Ziel?
Dann gab es ein gigantisches Krachen. Cifer blickte nach oben und sah den gewaltigen Funkturm von Dollet.
Wie in Zeitlupe sah er ihn einstürzen. Schreie von Menschen hallten durch die Luft.
Ein gewaltiger blauer Blitz zuckte auf, als das gesamte Bauwerk zu einer kleinen Ruine zusammenschmolz. Eine gewaltige Staubwolke stieg auf und waberte in die Stadt und ließ eine gespenstische Atmosphäre aufkommen.
Cifer blickte noch kurz auf den gewaltigen Funkturm und erinnerte sich bruchstückhaft, was dort oben bei einer SEED Prüfung vor sechs Jahren geschehen war... Er damals 18 gewesen, nur zwei Jahre älter als Xelto...
Xelto! Cifer riss sich zusammen und hastete zu seinem Zielort ... dem Polizeirevier.

Das Revier war fast vollkommen verlassen. Nur ein paar Beamte waren noch da, doch eine von ihnen stach heraus.
Eine schwarze Frau stand in der Mitte des Reviers und redete ruhig mit zwei Mitarbeitern.
Sie hatte zwar einen echten Namen, doch alle nannten sie Big Mama. Sie war eine starke Frau, die trotzdem bei aller Kraft und Brutalität der Welt, die sie tagtäglich sehen musste, nie ihre Menschlichkeit verloren hatte.
Damals als Cifers Eltern ermordet wurde, war sie in Deling-City tätig. Doch nach einer Weile hatte sie sich nach Dollet versetzen lassen. Lange Zeit hatte sie sich nach Cifers Befinden bei ihrer Freundin Edea erkundigt und bis heute war der Kontakt zu Cifer niemals ganz abgerissen.
"... es wurde beim Zusammensturz niemand verletzt. Falls irgendjemanden von der Presse das überhaupt noch interessiert", sagte Big Mama.
Die beiden Kollegen nickten und gingen. Die Frau drehte sich um und erblickte Cifer.
Er war erschrocken, wie müde sie wirkte. Ihre einst kraftvollen Augen waren leer und alt geworden. Dennoch kam ein Lächeln auf ihr Gesicht.
"Cifer ... das ist ja eine Überraschung", sagte sie.
Sie umarmten sich und setzten sich beide nebeneinander auf einen der zahlreichen verlassenen Stühle.
"Wo sind denn die Kollegen?", fragte Cifer.
"Schätzchen, die kommen seit Tagen nicht mehr. Keiner kommt mehr. Und dabei gibt es mehr als genug zu tun. Alle haben Schiss und bleiben bei ihren Familien. Als ob mich dieser beschissene Turm oder diese Viecher von der Arbeit abhalten könnte", meinte sie grimmig.
"Und wie geht's den Kids?", fragte Cifer routinemäßig.
"Tot!"
Cifer sah erschrocken hoch. Er wollte irgendetwas sagen, doch Big Mama hob ihre Hand. Ihre Mundwinkel bebten und ihre Augen wurden feucht. Schnell steckte sie sich eine Zigarette in den Mund und zündete sie an.
"Ich habe ... sie nach Beryl gegeben ... damit sie dort bei meinem Ex-Mann bleiben können. Er ist zwar ein Arsch ... aber immerhin wären sie sicher ... dachte ich zumindest ... und dann vor zwei Tagen..."
Sie brach ab.
"Und was willst du in zwei Tagen machen? Mitkämpfen?", fragte Big Mama plötzlich.
"Ja ... ich bin da irgendwie mit reingerutscht", sagte Cifer.
"Das ist mein Cifer. Und tritt diesem Hyne kräftig in den Arsch. Ich werde hier sein und arbeiten. Die Schlacht werden viele nutzen, um kräftig die Sau raus zu lassen. In ihren letzten Minuten wollen die Menschen dann alles fallen lassen und endlich all die 'lustigen' Sachen tun, die sie schon immer tun wollten ... Mistkerle!", fluchte sie.
"Ihr habt doch da diesen Fall... Die ermordete Familie und diesen Serienkiller..."

Cifer bog um die Ecke, die ihn zu dem Verhörraum führen sollte. Da bot sich ihm auf einmal ein merkwürdiges Bild.
Ein kleiner Junge, ungefähr elf Jahre alt (wohl der Überlebende), stand zitternd im Gang. Links auf einem Tisch lag eine Pistole. Der Knirps schielte immer wieder zu der Waffe hin und machte dann einen Schritt drauf zu.
Cifer beschleunigte seine Schritte, ging zu dem Tisch und nahm die Waffe auf. Der Junge erstarrte.
"So eine Waffe ist nichts für dich, Kleiner."
"Ich wollte ... ich wollte..."
"Ist okay, du hast einen harten Tag hinter dir... Falls du irgendwann mal das Gefühl hast, dass du nicht mehr weiter weißt ... komm zum Kap von Goodhope ... da steht ein Waisenhaus... Du wirst dort immer willkommen sein", sagte Cifer.
"Ähm ... kann ich da auch jetzt hin?", fragte der Junge schüchtern.
"Ja ... geh am besten nach vorne und frag die Frau da, ob sie dir helfen kann. Ich komm gleich nach, ich muss nur noch etwas erledigen", sagte Cifer.

Langsam schloss Cifer die Tür zum Verhörraum.
Er ging langsam um den im Stuhl sitzenden Mann herum. Es war ein Typ mit Glatze und unscheinbarem Gesicht.
"Wer sind Sie?", fragte der Typ mit einer Stimme, die Cifer aggressiv werden ließ.
"Ich will Informationen über Xelto Goodsworth", sagte Cifer kalt.
"Wer?"
"Sechzehn Jahre, schwarzes Haar, Gunblade!"
Der Mann sah ihn kurz an.
"Ich habe das Recht auf einen Anwalt. Ohne ihn sage ich nichts!"
Cifer schlug ihm ins Gesicht. Der Mann öffnete seinen Mund, um zu brüllen, doch Cifers Hand flog an dessen Hals und drückte zu. Der Mann schnappte nach Luft. Cifer bewegte sein Gesicht ganz nah an das des Mannes heran, bis er nur noch seine Augen sah. Das Blut pochte in Cifers Adern.
"Ich bin kein Bulle, mich interessiert das scheiß Dreckssystem nicht. Ihr Arschlöcher sorgt dafür, dass die anderen Arschlöcher in der Regierung die Todesstrafe wieder einführen wollen. Ihr Ärsche motiviert euch auch noch gegenseitig!
Doch ich habe die Schnauze voll. Du bist kein Mensch mehr für mich, du stehst unter einem Monster, du bist eine widerliche Kreatur", sagte Cifer kühl.
Ohne zu wissen, was er tat, schlug Cifer dem Mann weiter ins Gesicht. Immer wieder, immer wieder. Er spürte, wie das Gesicht nachgab, wie es immer weicher wurde, wie Blut ihm entgegen spritze. Es gab ihm eine Befriedigung, die er lange nicht mehr gespürt hatte.
"Was wollte Xelto mit dir? Wo ist er?!"
Der Mann kippte mit seinem Stuhl um und lag wimmernd auf dem Boden. Cifer trat mit aller Kraft in seinen Bauch ... vier ... fünfmal, dann, als der Mann sich vor Schmerzen krümmte und anfing zu weinen ein letztes Mal mit voller Kraft zwischen die Beine. Der Mann wimmerte und heulte wie ein kleines Kind. Doch als er die Augen aufmachte, blitzte eine endlose Wut heraus.
"Sie nennen sich rechtschaffen? Sie sind doch selbst ein Arschloch... Ich bin das Opfer..."
Cifer lachte humorlos und legte einen Fuß auf das Gesicht des Mannes und verlagerte sein Gewicht auf den Fuß. Irgendwas knackste unter seiner Sohle.
"Ich hab nie gesagt, dass ich ein netter Mensch bin. Im Gegenteil, ich bin ein verwichstes Arschloch. Ich töte, seit ich denken kann. Die Gründe haben sich vielleicht geändert, doch ich bin eben ein Killer. Und jetzt sei ein braver Junge und beantworte meine Frage, bevor ich so richtig ausraste und mal wirklich Dampf ablasse... Was wollte Xelto von dir?"
Der Mann würgte hoch. Cifer nahm seinen Fuß runter und gab dem Gesicht einen kleinen Anstoß, so dass der Typ das Blut auskotzen konnte. Der Mörder amtete schwer und sagte dann nach ein paar Minuten:
"Wir lernten uns in einer Bar kennen. Ich spendierte ihm ein paar Bier, dachte, es wäre ein Stricherjunge. Doch dann ... kam er mit verrückten Ideen... Irgendwie wusste er, was ich bin und ich wusste, was er ist. Er meinte, er wolle ein paar Sachen ausprobieren..."
"Und wo ist er jetzt? WO?", brüllte Cifer und nahm den Kiefer des Mannes und drückte hemmungslos zu und ließ erst nach ein paar Momenten wieder los.
"In der Wohnung ... Da wollte ich gehen ... doch er wollte bleiben ... sich mit jemandem treffen... Syklar oder so..."
Cifer wurde flau im Magen... Skylar...
Er ließ den Mann fallen und ging ohne etwas zu spüren zur Tür. Kurz vor der Tür krächzte der Mann aus dem Schatten.
"Sie sind ... wie er ... wie Xelto... Sie haben den gleichen Blick ... den gleichen Wahn... Ich mag ein Monster sein ... doch ich bin ein Nichts ... gegen euch...."
"Kann sein, er ist auch mein Bruder", sagte Cifer hohl.
Die Tür öffnete sich. Big Mama stand in der Tür. Sie erfasste innerhalb weniger Sekunden das Geschehen.
"Du Arschloch, was ziehst du hier für eine Show ab? KANNST DU MIR DAS SAGEN!? IN MEINEM REVIER WIRD NIEMAND GEFOLTERT!", schrie Big Mama ihn an.
Cifer drängte sie zur Seite.
"Ich muss gehen", sagte er kalt.
Er hörte ein Klicken.
"Cifer Almasy, ich verhafte sie wegen Folter!", schrie Big Mama.
Cifer drehte sich um und sah Big Mama, die eine Waffe auf ihn gerichtet hatte.
Er machte einen Satz nach vorne und schlug ihr die Waffe aus der Hand. Sie fiel zu Boden.
"DU VERFLUCHTER ARSCH! ICH DACHTE, DU HÄTTEST DICH GEÄNDERT! DOCH DU BIST GENAUSO SCHLIMM, WIE DIE LEUTE, DIE DEINE ELTERN ERMORDET HABEN! ICH WILL DICH NIE WIEDER SEHEN!!!", schrie sie, während sie auf dem Boden lag. Speichel lief ihr vor Wut aus dem Mund.
Ein Knall der Tür verriet ihr, dass Cifer weg war.

Skylar hatte kaum Gelegenheit, die Tür zu öffnen, als Cifer sie beiseite stieß und mit gezogenem Schwert in die Wohnung stürmte.
"Xelto, komm raus!", brüllte er.
"Cifer..."
"WO IST ER????", schrie er Skylar an.
"Er ist nicht hier!", schrie sie zurück.
Cifer steckte sein Schwert weg. Die ganze Wohnung war ausgeräumt und voller Umzugskartons. Auf einem Karton standen eine Weinflasche und zwei Gläser. Aus irgendeinem Grund besänftigte dieses Bild Cifer.
Er atmete tief ein.
"Skylar..."
"Tut mir Leid, er war vorhin in der anderen Wohnung ... ja", sagte sie.
"Und warum..."
"WEIL IHR EUCH UMGEBRACHT HÄTTET! Er wollte die ganze Zeit hervorstürmen und dich umbringen. Du Idiot, das ist mein Bruder, von dem wir hier reden. Er ist ein Teil von mir!", sagte sie.
"Ich weiß. Wo ist er hingegangen?", fragte Cifer laut.
"Denkst du wirklich, ich sage dir das?"
"WO?"
"DAS KANNST DU DIR ABSCHMINKEN!!!"
"SAG MIR, WO ER IST!!!"
"ICH SAGTE NEIN!"
Cifer und Skylar starrten sich an.
"Ihr verfluchten Wichser. Immer nur könnt ihr kämpfen und kämpfen und töten! Ihr wollt euch doch nur gegenseitig umbringen. Immer nur töten, töten, töten!", schrie Skylar.
Cifer setzte mehrmals an ... dann kam etwas in ihm hoch... Sein Hals schnürte sich zu, er hatte Schwierigkeiten zu sprechen. Er spürte, wie die Anspannung aus seinem Gesicht wich und etwas hervorkam, was er seit Jahren nicht mehr gespürt hatte...
"Glaubst du, das geht mir alles am Arsch vorbei? Glaubst du das? Es gibt nur drei Menschen auf dieser Welt, die ich wirklich gern habe, und dein Bruder gehört dazu. Es macht mich fertig... Er macht mich fertig... Dieser verdammte Scheißer macht mich fertig", meinte Cifer und drehte sich weg von Skylar.
Sie sollte ihn nicht so sehen... Niemand sollte ihn so sehen. Doch nach einer Weile kamen weitere Worte aus seinem Mund:
"Mein Leben lang habe ich nach den Mördern meiner Eltern gesucht... Zwei davon sind tot und eine ist durchgeknallt. Ich habe immer nach dem Warum geforscht. Wieso, wieso, wieso? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, wieso die Menschen immer nur Scheiße bauen, wieso ich so viel Müll gebaut habe, warum Xelto das tut. Ich weiß nicht, wieso.
Ich weiß nur, dass ich ihn treffen muss, dass ich ihn sehen muss", zitterte Cifer.
"Warum?", fragte Skylar.
"Dieses Kind ... man muss es irgendwie retten können. Er ist doch erst 16... Es kann doch nicht immer alles vorprogrammiert in den Abgrund laufen. Es muss doch etwas ... irgendetwas Gutes geben... Nicht jede neue Generation muss doch die gleiche Scheiße durchmachen, wie die davor...", sagte Cifer und wischte sich zügig die Tränen vom Gesicht.
All die Anspannung, die ihn sonst immer umgeben hatte, wich auf einmal von ihm. Für einen kurzen Moment meinte er, er müsse sterben. Sein Gesicht fühlte sich brennend heiß an, aber die Wut, die ihn die letzten Stunden, nein, sein ganzes Leben lang begleitet hatte, wich von ihm.
"Er ist in eurem alten Hauptquartier ... in der Nähe von Balamb...", flüsterte Skylar plötzlich.
Cifer sah sie an... Er ging zu Tür...
"Ist das so eine kriegerische Sache?", fragte Skylar.
"Nein, es ist eine menschliche!"
"Ich komme mit. Ich muss mit dir mitgehen. Vielleicht kann ich ihn überzeugen", sagte Skylar.
Cifer nickte.
"Ich hol nur noch meine Autoschlüssel und..."
Skylar sackte zusammen. Cifer stand über ihr. Er hatte ihr einen kleinen Schlafzauber ausgesprochen.
"Sorry, aber das muss ich allein machen", sagte er und nahm dann die Autoschlüssel.

Schon von weitem sah Cifer das Licht am Ende des Tunnels, der ihn unter dem Meer hindurchgeführt hatte und ihn nun auf den Kontinent Balamb brachte.
Auf Balamb war das Gewitter noch nicht angekommen. Die Sonne hatte sich ihren Weg durch die Wolken gekämpft und tauchte die Welt in einen blutroten Abend. Doch am Horizont tauchten dunkle Wolken auf, die ein kräftiges Unwetter versprachen.
Er kam an eine Gabelung. Man konnte rechts und links abbiegen, Cifer fuhr geradeaus, durchbrach die Absperrung und heizte mit Skylars Wagen so über das Feld, dass ihre Liebesromane, wie "Fritz und Julia", quer durch das Auto geschleudert wurden.
Von weitem sah er den Umriss des heruntergekommenen aber sonst gut erhaltenen Hauses, das für ein halbes Jahr ihre Heimat gewesen war.
Er hielt an und beschloss, den letzten Weg zu Fuß zu gehen. Die Luft war schwül, das Gewitter stand kurz bevor.
Er erreichte das Haus. Xelto hatte ihn sicherlich schon gesehen. Cifer hatte sich schließlich keine Mühe gemacht, sich groß zu verstecken.
Er ließ sein Schwert stecken und trat dann zur Tür, bereit auszuweichen, wenn Xelto auf ihn zu stürmen sollte.
Mit einem Knarren öffnete sich die Tür.
Vor ihm lag im Halbdunkeln der lange Flur des ehemaligen Hauptquartiers. Cifer spürte, dass Xelto hier gewesen war, doch er fühlte auch, dass er momentan nicht da war.
Er durchsuchte dennoch das Haus und wurde in seiner ersten Vermutung bestätigt.
Vielleicht war es besser so. So konnte er auf ihn warten und Xelto würde nicht bedrängt werden, wie ein Hund, der sein Gebiet bewachen musste.
Cifer setzte sich auf die kleine Veranda vor dem Haus und lehnte seinen Kopf an den Pfosten und suchte mit seinen Augen den endlosen Horizont ab.
Das Rauschen des Meeres drang in sein Ohr und die salzige Luft kam in seine Nase.
Die letzten Tage ... er hatte so wenig geschlafen. Ein schweres Gewicht zog ihn runter... Es wurde alles so ruhig...
Schwarze Gestalten geisterten durch seinen Traum... Jemand war bei ihm... Er schlief gerade ... er schlief!
Cifer wachte mit einem Schreck auf. Jemand war da gewesen.
Er hatte die Wärme eines anderen Menschen gespürt ... den Atem.
Sein Blick fiel auf einen Zettel, der auf seinem Schoß lag.

Triff mich auf den Klippen
X.

Cifer sah erschrocken hoch. Er war hier gewesen!
Dann fiel sein Blick auf eine Spur im Boden, als hätte Xelto seine Gunblade hinter sich hergezogen.
Die Spur führte zum Meer...

Es war dunkel geworden. Es wurde in diesen Tagen immer so schnell dunkel. Das Gewitter kündigte sich bereits durch fernes Grollen an. In Cifers Hand leuchtete ein kleines Feuer, das er sich herbeigezaubert hatte und beleuchtete den Boden.
Die Spur führte zum Meer. Dort am Meer befanden sich teilweise hohe Klippen. Inmitten dieser gewaltigen Klippen war ein Spalt, der wie eine gewaltige Wunde die Klippen trennte. Die Spur führte in den Spalt.
Hier wurde Boden steiniger und die Spur verlor sich, doch es gab eh nur einen Weg.
Cifer löschte das Feuer und ging den Weg weiter herunter.
Er wurde etwas breiter und plötzlich fand er sich auf einer Art Lichtung wieder. In mitten des steinigen Weges war etwas wie ein großer Platz. Rechts und links türmten sich die Felsen auf und wuchsen in ihren bizarrsten Formen in den Himmel. Cifer blickte kurz nach oben und sah die düsteren Wolken.
Ein gewaltiger Blitzschlag erhellte kurz den Himmel und wurde von einem donnernden Grollen beantwortet.
Cifer blieb stehen. Er hatte Xelto gefunden. Er fühlte seine Gegenwart, auch wenn sich Xelto noch bedeckt hielt und ihn aus der Dunkelheit beobachtete.
"Komm schon raus", rief er in das Schwarze.
Einen Moment lang passierte nichts.
Dann bewegte sich ein Schatten von einem Felsen weg und kam auf Cifer zu. Für einen Bruchteil einer Sekunde hielt er es für ein Monster, doch es hatte menschliche Züge.
Cifer entzündete erneut die kleine Flamme. Das wärmende Licht beleuchtete das Gesicht von Xelto Goodsworth.
Cifer sah zur Verwunderung, dass er sich verändert hatte. Sicher, er trug die gleiche Kleidung, aber seine Augen waren leer und er wirkte wie ein lebendiger Toter.
Beide sahen sich lange an. Irgendwie schien niemand wirklich zu wissen, was man in diesem Moment sagen könnte. Schließlich machte Cifer den Anfang.
"Ich habe dich gesucht."
"Und du hast mich gefunden."
Xeltos Stimme klang tiefer als sonst, fast heiser.
"Es war ein Stückchen Arbeit. Ich bin auch deinem ehemaligen Partner begegnet..."
"Er war nicht mein Partner, im Gegenteil. Ich habe die Polizei informiert, während er beschäftigt war", sagte Xelto.
"Und nachdem du deinen Spaß hattest", entgegnete Cifer.
"Bist du hergekommen, um mir Vorträge zu halten? Was willst du hier? Wir sind fertig, ich habe dich besiegt. Willst du Rache? Du bist doch nur noch ein Krüppel", sagte Xelto.
Seine Stimme war leer und hohl. Er wirkte ausgebrannt. Er war nur noch ein Schatten.
"Mache dir darüber keine Gedanken. Aber ich will nicht kämpfen. Ich will reden..."
"Es gibt nichts zu bereden, alter Mann. Wir sind fertig. Entweder wir kämpfen oder wir lassen es", sagte Xelto und zog sein Schwert.
"Und wieso wolltest du gefunden werden? Nur deswegen?", fragte Cifer.
Xelto schwieg.
Der Wind wurde stärker und peitschte Cifers Gesicht aus. Ihre Mäntel wehten im Wind, der vom Meer durch die Spalte pfiff.
"Warum hast du mich oben nicht getötet? Und wieso willst du es jetzt tun?", fragte Cifer weiter.
"Ich hatte nie etwas in meinem Leben. Alles, was mir je etwas bedeutet hat, ist weg. Nur du bist noch übrig geblieben. Aber du würdest auch sterben. Irgendwann würde die Welt dich mir wieder wegnehmen, also kann ich es gleich auch selbst tun. Ich kann nicht mehr zurück, Cifer. Es ist alles zu spät", sagte Xelto aufgeregter.
"Nein, ist es nicht. Ich dachte auch oft, es ist für mich alles zu spät, aber ich habe mich trotzdem immer wieder aufgerappelt. Da draußen gibt es Menschen, die dich lieben..."
"Wer? Skylar? Dieses psychische Wrack? Darauf kann ich gut verzichten! Lass uns endlich kämpfen und uns den Tod einander geben, den wir verdient haben!", rief Xelto und machte einen Schritt auf Cifer zu.
Cifer zog widerwillig seine Klinge.
Ein Blitz erhellte den Himmel und zeitgleich erklang ein gigantischer Donnerschlag!
Dann fühlte Cifer auf einmal einen Tropfen ... und noch ein Tropfen. Die Tropfen mehrten sich und verwandelten sich in einen Regen. Der Regen wurde zu einem Platzregen.
Das Wasser drang durch alle Poren in Cifers Kleidung ein und durchnässte ihn innerhalb von Sekunden. Der Boden wurde matschig und gewaltige Pfützen bildeten sich.
In diesem gewaltigen Schauer standen unbeweglich Cifer und Xelto wie zwei gigantische Statuen. Sie starrten sich durch das tosende Unwetter an, während das Wasser an ihren Klingen herunter lief.
Nach einer Ewigkeit begann Cifer erneut.
"Xelto, ich wollte mein Leben lang die Menschen jagen, die meine Eltern getötet haben. Ich jagte nach schwarzen Männern, nach Dämonen der Nacht, doch mein Zorn hat mich nie weitergebracht. Dieser Weg führt ins Verderben, begehe nicht den gleichen Fehler..."
"Was laberst du eigentlich für einen Scheiß!? Du klingst wie ein Prediger! Was ist aus dir geworden?", entgegnete Xelto wütend.
"Verflucht noch mal, Junge, du gehörst zu den drei wichtigsten Dingen in meinem Leben! Wach endlich auf, du dummer Idiot. Ich liebe dich wie meinen eigenen Bruder. Ich will nicht mit dir kämpfen, du Arsch. Komm zur Vernunft und komm mit mir. Du bist doch ein intelligentes Kerlchen!", schrie Cifer.
Xelto atmete schwer. Dann auf einmal, vollkommen überraschend ließ er sein Schwert sinken und wankte auf Cifer zu. Weinte er?
Cifer ging auf Xelto zu und beide standen sich in der großen Pfütze gegenüber.
Cifer blickte in die großen traurigen Augen und ließ dann sein Schwert fallen und nahm Xelto in die Arme. Er schien wirklich zu weinen.
"Komm her, Kleiner, es ist gut... Komm ... lass uns gehen ... wir bringen das alles in Ordnung", flüsterte ihm Cifer ins Ohr.
"Das ... hat noch nie ... jemand zu mir ... gesagt", sagte Xelto schwach.
"Es ist in Ordnung..."
"Ich kann das nicht, Cifer. Ich bin nicht so wie du. Ich bin ... ein schwacher Mensch. Ich kann nicht mehr zurück ... und auch du... ICH KANN DAS NICHT!", schrie er auf einmal.
Hinter seinem Rücken ließ er seine Gunblade hervor schnellen und zielte auf Cifers Kopf.
Cifer ließ sich in die Pfütze fallen. Er versank fast vollkommen im Matsch.
Xelto wollte zustechen, doch Cifer rollte sich zur Seite, das Schwert traf direkt neben seinen Kopf den lehmigen Boden.
Cifer trat in einem langen Schwung Xeltos Beine weg. Er wurde zu ihm in die Pfütze geschleudert. Cifer schlug mit seinem einen Arm auf Xeltos Gesicht ein. Sein Kopf schnellte vor und biss Cifer in die Hand.
Cifer trat in Xeltos Bauch, der Biss löste sich.
Cifer hechtete zurück zu seiner Gunblade und hob sie auf.
Er drehte sich um, Xelto stürmte mit Schwert auf ihn zu und schlug auf Cifer ein.
Die Schwerter verkeilten sich. Funken flogen und wurden von dem Regen sofort zischend gelöscht. Xeltos eine Hand löste sich und wollte Cifer in den Bauch boxen. Er verfehlte und traf Cifers Brust. Schmerz kam von seiner Brust und sein Herz schien kurz zu schlagen vergessen zu haben. Für einen Moment blendeten ihn Kälte und Schmerz. Dann ließ er seinen Kopf vorschnellen und gab Xelto eine Kopfnuss. Dieser stieß einen kurzen Schmerzensschrei aus und taumelte.
Xelto wich vorsichtig vor Cifer in Richtung Höhle zurück. Beide waren von Kopf bis Fuß mit Schlamm bedeckt und nur ihre Augen starrten aus der Dreckskruste den anderen zornig an.
Xelto blieb, mit dem Rücken zur Höhle, vor dem Eingang stehen und streckte seine Gunblade nach vor. Mit langsamen Schritten kam er Cifer immer näher. Cifer seufzte tief aus dem Bauch heraus. Dann tat er einen Schlag, um Xeltos Klinge von sich fern zu halten.
Ein Blitz ließ das nasse Geröll für einen Bruchteil schimmern.
Beide bewegten sich nicht. Als man den Donner hörte, stürmten die beiden wieder aufeinander los, als hätten sie auf den Startschuss gewartet. Xelto hatte Mühe, Cifers Schläge, obwohl vom linken Arm ausgeführt, zu parieren. Cifer drängte ihn in die Höhle, das Gestein unter ihren Füßen war uneben und glitschig.
Mit einem weiteren Schritt nach hinten fühlte Xelto plötzlich keinen Boden unter sich. Er rutschte aus und tat einen Schlag mit seiner Gunblade. Cifer sprang, um nicht an den Beinen getroffen zu werden, und rutschte ebenfalls aus. Beide taumelten in das tiefere gelegene Innere der Höhle. Halb im Stand, halb in der Hocke, versuchte Xelto Cifer anzugreifen, während beide fast unfreiwillig nach unten glitten. Als Cifer kontern wollte, stürzte er auf die Knie, die Gunblade fiel aus seiner Hand. Xelto sprang ihn an, Cifer trat ihm die Gunblade aus der Hand. Im Fall warf Xelto Cifer nach hinten und rollte sich am Boden von ihm weg. Scharfe Rillen ragten aus den Felsen und stießen gegen Cifers Rücken. Das höllische Brennen von seinem Wirbel bis zur Lunge verwandelte Cifers Aufstöhnen in ein verstummendes Kreischen.
Xelto nahm seine Gunblade und lief weiter nach innen, als er Cifer blutend auf ihn zustürmen sah. Der Gang wurde etwas breiter und teilte sich. Es war dunkel und das Wasser stand bereits mehrere Zentimeter hoch.
"Ganz schön gerissen von dir, mich hier drin überlisten zu wollen", hustete Cifer. Früher hätte er diese Strategie als feig angesehen, doch inzwischen kümmerte ihn das nicht mehr.
Xelto antwortete nicht. Beide konnten nur die Umrisse des anderen erkennen. Ausreichend, um den Kampf fortzusetzen. Das Aufeinanderprallen der Klingen hallte durch alle Gänge und vermischte sich mit dem Plätschern des Regenwassers zu einer klangvollen Komposition der Natur. Diese wurde plötzlich um eine weitere Geräuschquelle verstärkt.
Der Boden zitterte. Ein tausendfaches Traben und Brüllen näherte sich.
Cifer und Xelto stellten sich rasch so eng wie möglich an die Wände, beide dem anderen gegenüber.
Plötzlich zischte panisch eine Herde aufgescheuchter Monster an ihnen vorbei. Sie kamen aus allen Gängen und drängten sich zum Eingang, durch den Cifer und Xelto rein gekommen waren.
Das Wasser spritze, Felsensplitter fielen von den Wänden und die Höhle bebte. Cifer und Xelto schlichen an der Wand weiter nach innen. Die Gänge teilten sich. Am Eingang versuchten zahlreiche Monster panisch zu entkommen, doch die Flucht gelang zum Großteil nur den Purpurmäusen, die den glitschigen Hang nach oben fliegen konnten.
Cifer konnte Xelto nicht mehr sehen, da er in der Höhle nebenan verschwunden war. Er spürte, wie die Monster, um ihr Leben kämpfend, zunehmend aggressiver wurden. Mit schnelleren Schritten bewegte er sich immer weiter in das Dunkel hinein. Die Ungeheuer sausten an ihm vorbei.
Mit Rollen und Sprüngen versuchte er ihnen auszuweichen.
Dann stieß er mit einem Vieh zusammen, das für ihn nach einem Grande Arlo roch. Am Boden liegend schlug er mit der Gunblade um sich, um das nervöse Biest abzuwehren. Die riesigen Spinnenfüße wanderten über seinen Körper. Scheußliche Sekrete spritzten aus den Wunden des Monsters.
Cifer sprang auf und rannte, stolperte, kroch immer weiter nach vorne. Zahlreiche Gänge kreuzten sich und Cifer hatte die Orientierung bereits aufgegeben. Irgendwo hörte er die Schüsse und Schläge einer Gunblade. Er versuchte dem Geräusch zu folgen.
Dann hörte man einen Menschen schreien.
"Xelto!", rief Cifer und kämpfte sich weiter nach vor. Die Monster wurden immer aggressiver und gleichzeitig in ihrer Rage hilfloser. Plötzlich schossen aus sämtlichen Gängen reißende Fluten und schwemmten alle Ungeheuer mit sich. Das Wasser stieg bis zur Decke. Cifer, der von der Strömung mitgerissen wurde, wurde am Ohr plötzlich von etwas Spitzem aufgeschlitzt. Er griff nach oben und fasste einen Tropfstein.
Die Monster, fast alle schon ertrunken, streiften mit ihren toten Körper an Cifer vorbei.
Mit großer Mühe hangelte er sich mit Beinen und Arm an den Stalaktiten die Decke entlang. Plötzlich näherte sich ihm ein Plätschern. Cifer packte Xeltos Kragen und hielt ihn fest.
Doch dann brach der Tropfstein ab und beiden wurden von der Strömung mitgerissen.
Unter Wasser wurde Cifer von Xelto losgerissen. Die Wassermassen trugen beide immer weiter in Richtung Meer. Um Luft ringend und gegen Felsen abwehrend konnte Cifer plötzlich wieder das Aufleuchten der Blitze erkennen.
Eine hohe Felswand am Strand spuckte Cifer und Xelto aus und der Fluss trieb sie noch einige Meter in Richtung Meer mit. Cifer und Xelto standen auf, beide nicht weit voneinander entfernt.
Die Wellen schlugen in den Strand und das Wasser reichte Cifer bis zu den Knien, bevor es sich wieder zurückzog.
Er und Xelto schnappten nach Luft. Beide starrten sich an. Auch Xelto sah sehr mitgenommen aus.
Mit entschlossenen und schweren Schritten näherten sich die beiden wieder. Die Wellen wurden immer höher.
"Lass uns von hier verschwinden", rief Cifer.
"Was haben wir schon zu verlieren?", antwortete Xelto gleichgültig. Plötzlich wurden beide von einer riesigen Welle überwältigt. Die Flut zog sie weiter in Richtung Meer und während Cifer Sand und Salzwasser spuckte, fiel eine noch gewaltigere Flutwelle über sie her. Sie war wie eine riesige Zunge aus Wasser, die nach dem Bissen ausgestreckt wurde, um ihn runter zu schlingen. Cifer und Xelto wurden in den Rachen des Meeres gezogen.
Das Salzwasser und der aufgewühlte Sand brannten Cifer in den Augen. Er steckte seine Gunblade weg, doch ihr Gewicht, sein nasser Mantel und sein verstümmelter Arm machten das Ankämpfen gegen die Flut zu einem Ding der Unmöglichkeit.
Plötzlich spürte er ein Ziehen an den Haaren und er wurde nach oben gezogen. An der Oberfläche hatte er keine Zeit zum Luftschnappen, denn kaum mit dem Kopf aus dem Wasser bekam er von Xelto einen Faustschlag auf die Nase verpasst. Cifers Gesicht war blutverschmiert. Er klammerte sich mit beiden Beinen um Xeltos Bauch und schlug ihm mit seiner linken Faust mehrmals ins Gesicht. Xelto versuchte seinen Gegner an den Schultern nach unten zu ziehen. Cifer packte Xelto am Hinterkopf an einem Haarbüschel und schlug dessen Kopf mehrmals gegen seinen eigenen. Cifer machte das nichts aus, doch Xelto, dem das Blut von der Stirn triefte, schrie nach jedem Zusammenprall auf.
Die Flut zog sie wieder in die Tiefe. Beide, sich noch immer aneinander klammernd, rangen verzweifelt, bis es zu einem Ringen nach Luft wurde.
Cifer klammerte sich noch immer an Xelto und versuchte aufzutauchen.
Xelto probierte Cifer abzuschütteln und versuchte aufzutauchen.
Dann packte Cifer Xelto am Hals und gewann die Überhand. Er versuchte mit Xelto aufzutauchen, als dieser plötzlich nach seiner Gunblade griff und damit Cifer gegen das Bein schlug. Es zeigte kaum Wirkung. Unter Wasser konnte er Cifer nur aufspießen ... doch bevor es dazu kam nahm Cifer seine eigene Gunblade in die Hand und stach Xelto in den Oberschenkel. Xelto wollte schreien, doch als er den Mund öffnete stiegen die letzten Luftblasen nach oben und das Meerwasser drängte sich in seinen Schlund. Cifer ließ Xelto los und konnte mit letzter Kraft die Oberfläche erreichen. Schnell holte Luft und tauchte wieder runter zu Xelto, der kurz vor dem Ertrinken war.
Die Fluten wurden immer stärker und es war zu schwer, mit Xelto zur Oberfläche aufzutauchen. Xelto zappelte geschwächt, seine Gunblade wieder in der Schwertscheide, um gegen den nassen Tod anzukämpfen. Cifer presste seinen Mund so fest er konnte an den von Xelto und gab ihm etwas von seiner Luft.
Das Blut von Xeltos Bein zog eine blasse rote Spur hinter sich her. Cifer konnte etwas erkennen. Etwas Großes näherte sich. Er wusste, was es war. Es gab eine Gattung von Behemoths, die Schwimmhäute und Kiemen besaßen und ihre Beute im Meer machten. Bei Gefahren kehrten sie gewöhnlich wieder zum Strand zurück.
Das Behemoth schnappte nach Xeltos Bein, Cifer zog ihn schnell an sich und hielt sich an der Mähne des Ungeheuers fest. Er zerrte fest daran und veranlasste es aufzutauchen. An der Oberfläche versuchte das Behemoth seinen Reiter abzuschütteln. Cifer klammerte seine Beine so fest er konnte um dessen Hals. In seiner Hand hielt er Xelto fest, der sich langsam aber sicher wieder erholte.
"Ruhig, ruhig", sprach Cifer sanft. "Bring uns zum Strand. Hörst du?"
Xelto hielt sich an den Haaren des Monsters fest, sodass Cifer ihn loslassen konnte. Er streichelte das Behemoth, bis es schließlich aufhörte zu brüllen.
"Braves Mädchen! Hopp!"
Das Behemoth schwamm zügig in Richtung Strand und kämpfte tapfer gegen die Wellen an.
"Du hättest mich ertrinken lassen sollen", schluchzte Xelto und hustete. "Einer von uns beiden stirbt sowieso."
Cifer schwieg und bemühte sich mit seinem verbliebenem Arm und den Beinen sich an der Mähne festzuhalten.
"Du hast noch einen Grund zum Leben und trotzdem tust du das... Entweder ich töte dich oder ich sterbe einen Kriegertod. Da unten wäre ich einfach verreckt und..."
"Halt endlich deine Schnauze. Spar dir den Sauerstoff für deine Gehirnzellen auf", rief Cifer. Xelto gab keine Antwort. Schnell griff er nach seiner Gunblade und drehte sich um. Xeltos Klinge schmetterte gegen seine.
"Es war so sanft da unten! Wie damals, als mich Niida erschlug... Der Fluss ... ein Fluss, der zum Meer des Vergessens führte... Der Tod ist so sanft, ganz ohne Schmerz."
Sie starrten sich gegenseitig in die Augen, versuchten ihre Blicke zu halten, während das Meer sie schüttelte. Cifer, der saß, war deutlich im Nachteil gegenüber dem über ihm gebeugten Xelto. Er verlagerte sein ganzes Gewicht auf dessen Klinge. Cifer hob ein Bein und trat damit nach Xelto. Dieser verlor den Halt und stieß seine Gunblade in den Rücken des Behemoths, um sich dort festzuhalten. Das Behemoth schrie fürchterlich und schüttelte Cifer ab. Mit einer Schwanzbewegung katapultierte sie Xelto vom Rücken. Er prallte gegen eine Felswand und fiel ins Wasser. Das Behemoth tauchte unter und schwamm alleine die Wand entlang in Richtung Strand...
Die Wellen schmetterten auch Cifer gegen die Felswand. Er hielt sich an einer Fuge fest und versuchte nach oben zu gelangen. Er konnte einen Vorsprung erkennen. Er wartete noch auf die nächste Welle, die gegen ihn schlug und kletterte schließlich nach oben. Zu seinem Glück waren die Felsen nicht sehr steil, denn die Umstände waren bereits problematisch genug.
Ein paar Meter weiter links kletterte Xelto aus dem Wasser und versuchte den Vorsprung zu erklimmen.
Cifer hatte es inzwischen geschafft. Erschöpft ließ er sich auf den Hintern fallen und lehnte sich gegen die Felswand. Schmerzen und Anstrengung wurden allmählich unerträglich. Er schnaubte laut nach Luft, schloss die Augen und lehnte den Kopf nach hinten. Dann schaute er nach vorne und erblickte den ewigen Ozean und den Himmel, beide schwarz, blau und blitzend.
Man konnte Xelto von unten stöhnen, schnaufen und keuchen hören. Eine Hand erschien aus dem Abgrund. Dann zog Xelto sich hinauf und holte, auf Knien, schwer atmend nach Luft. Er und Cifer schauten sich mehrere Sekunden nicht an. Die Fluten ließen das Wasser bis nach oben zum Sims spritzen. Xelto stand langsam auf, Cifer tat es ihm gleich. Obwohl der Platz nicht zum Kämpfen ausreichte, prallten die Klingen aneinender. Cifer stand an einer ungünstigen Position und versuchte deshalb Xelto wegzudrängen. Mit einem Bein an die Felsen gestützt, konnte er Xelto fast widerstandslos auf dem glatten Gestein nach hinten schieben. Xelto ließ nicht locker, bis er plötzlich über den Rand des Vorsprungs nach hinten rutschte...

Cifer öffnete die Augen. Er hing frei in der Luft. Cifer blickte nach oben und sah Xelto, der Cifers Klinge festhielt und somit auch Cifer. Blut rann aus Xeltos Hand, als die Klinge in sein Fleisch schnitt.

Xelto öffnete die Augen. Er hing frei in der Luft, mit beiden Beinen an die steilen Felsen gestützt. Sein Umhang wehte flatternd vor Cifer, der Xeltos Klinge festhielt. Blut rann aus seinem verbliebenen Arm. Er warf einen Blick nach unten und sah die scharfen Felsenkanten das Leuchten des Gewitters funkelnd reflektieren.
Xeltos Augen starrten nichts sagend in Cifers Gesicht.

Wie konnte es sein, dass dies der gleiche sympathische Junge war, mit dem er sich unterhalten hatte? Dann begann Cifer leise zu lächeln und ließ den Griff der Klinge los.

Xelto fiel, er näherte sich dem Boden aber nur um einen Meter und taumelte in der Luft. Schnell kletterte er an seinem Umhang nach oben. Cifer hatte mit seiner Gunblade das Kleidungsstück im Boden verankert. Als Xelto wieder mit beiden Beinen auf dem Boden stand, zog Cifer seine Waffe raus und ging in Abwehrhaltung vorsichtig nach hinten.
Vom Vorsprung führte ein sehr schmaler Pfad entlang der Felswand nach oben. Cifer drückte seinen Rücken zur Wand und ging mit vorsichtigen aber schnellen Schritten immer weiter nach oben. Schlamm und Wasser rann die komplette Felswand wie an einem Wasserfall nach unten. Cifer versuchte möglichst viel Abstand von Xelto zu gewinnen, denn dieser würde auch unter diesen Umständen angreifen.
Oben angekommen rannte Cifer einige Meter, um vom steilen Abgrund wegzukommen. Xelto kam nur wenige Sekunden später.
"Hör auf wegzurennen", brüllte er. Cifer sagte kein Wort und ging in Angriffstellung über.
Sie standen auf der Spitze der Klippen, auf einem kleinen Plateau.
Vor ihnen lag der gewaltige schäumende Ozean, hinter ihnen das Festland.
Cifer schielte zu den Rändern der Klippe und bemerkte, dass diese extrem instabil waren und vermutlich bald in einer gewaltigen Lawine abgetragen werden würden.
Das Gewitter wurde lauter und auf einmal schlug drei Meter neben ihnen ein Blitz mit einem donnernden Getöse ein.
Cifer zuckte zusammen und als er zu Xelto sah, bemerkte er, dass Xelto auf einmal extrem ängstlich und irgendwie sehr jung aussah.
"Ist was?", fragte Cifer.
"Ich hab ne scheiß Angst vor Gewittern ... schon immer", zitterte Xelto.
"Tja, wir sind hier am höchsten Punkt, und das Gewitter ist direkt über uns, hier schlagen die Blitze natürlich jetzt ein", meinte Cifer sachlich.
Ein weiterer Blitz schlug nur einen Meter neben Cifers linken Fuß ein.
"Besser, wir werfen unserer Schwerter weg, sie sind wahre Blitzableiter", sagte Cifer.
"Hör auf, hier so coole Sprüche zu klopfen, du Arschloch. Mach dich nicht über mich lustig!", kreischte Xelto und rannte auf Cifer zu.
Schneller denn je schlug Xelto auf ihn ein. Cifer ließ seine Klinge um seinen Körper wirbeln, um die Schläge abzufangen.
Weitere Blitze entluden sich krachend um sie herum. Cifer spürte auf einmal einen Blitz über ihn und sprang schnell zur Seite. Ein Bruchteil einer Sekunde schlug der Blitz krachend neben ihm ein.
Cifers Füße rutschten auf dem unebenen Boden immer wieder ab. Xelto hatte auch Probleme und hastete nach vorne und wich geschickt den Blitzschlägen aus. Cifer musste zurückweichen und spürte, wie der Abgrund näher kam und sprang nach links.
Gewaltige Blitze entluden sich hinter Xelto und beleuchteten seine bedrohliche Silhouette, die auf Cifer zu stürmte.
"Hör auf, du Idiot, unsere Klingen ziehen die Blitze förmlich an!", schrie Cifer und hob sein Schwert.
Die Klingen kreuzten sich. Zeitgleich schlug ein Blitz genau in die verkeilten Klingen ein.
Sie sprühten Funken.
Die Klinge vibrierte in Cifers Hand. Beide schrien in Schock und Schmerz auf.
Dann ließen sie die Klingen los. Die Schwerter wurden in entgegengesetzter Richtung davon geschleudert.
Cifer und Xelto standen sich waffenlos gegenüber. Beide atmeten schwer.
"Komm, es ist vorbei. Das ist doch ein guter Schlusspunkt, ein faires Unentschieden", schlug Cifer vor.
"Früher hab ich mal gelesen, dass eine Extremsituation oder ein Kampf den ganzen Hass in einem löschen kann. Ich habe mein ganzes Leben lang gehofft, so einen Kampf bestreiten zu können. Ein klarer, gerechter, reinigender Kampf. Doch das war eine Lüge. Mein Zorn mag zwar weg sein, doch ich fühle mich nicht besser", sagte Xelto hohl.
Der Regen hörte auf. Geradezu unnatürlich schnell zog der Himmel auf und plötzlich beleuchtete fahles Mondlicht die Szenerie.
"Ich weiß, was du meinst. Am Anfang, wenn der Zorn frisch ist, dann brodelt er in einem und gibt einem Kraft. Doch nach einer Weile erkaltet das Feuer und zurück bleibt ein kaltes Krebsgeschwür aus Hass, das einen von innen wie ein schwarzes Loch auffrisst", sagte Cifer.
"Und wie wird man das los?!", brüllte Xelto.
"Das weiß ich nicht! Ich weiß es nicht! Aber man kann es loswerden! Squall ist es losgeworden und ich denke, ich kann es auch loswerden. Wir können es gemeinsam loswerden, Xelto. Ich bin dein verdammter Freund!", schrie Cifer.
"Lügner! Du tust nur so, wie all diese guten perfekten Menschen nur ein geheucheltes Leben führen. Dieses Gute ist alles Schwachsinn, das sind doch alles Krüppel. Die tun nur so, als wäre das Leben schön. Ich hasse das alles, dieses ganze ... frohe ... diesen Scheißdreck! Ihr Platz ist nicht mein Platz!", kreischte Xelto.
"Natürlich tun sie das! Aber sie leben mit ihrem Mist und sie haben es im Griff. Das macht Squall! Er ist genauso so ein Arsch gewesen, aber er hat es in den Griff bekommen! Und das können wir auch! Vertraue mir!", sagte Cifer.
"Das kann ich nicht. Ich hasse das Leben, es hat mich zu oft verraten und immer wieder kam es zu mir und buhlte auf seine Aufmerksamkeit, doch jetzt ist es zu spät. Ich falle nicht noch einmal darauf rein! Ich hasse das Leben und ich hasse dich! Töte mich oder stirb!", brüllte Xelto.
Er rannte auf Cifer zu und versuchte ihm ins Gesicht zu schlagen. Doch er war zu ungebremst, so dass Cifer ihm locker ausweichen konnte. Er ballte seine Hand zu einer Faust und schlug Xelto in den Nacken. Er sackte zusammen.
"Es reicht, Schluss damit!", zischte Cifer.
Xelto schien geschlagen und hockte am Boden. Doch dann schnellte er nach vorne und trat in Cifers Bauch.
Cifer spürte, wie ihm die Luft wegblieb und sank kurz zusammen. Xelto trat ihm noch einmal und Cifer wurde zurückgedrängt ... seine Füße traten ins Leere. Cifer stürzte. Mit einer Hand hielt er sich an der Klippe fest... Der Stein gab etwas nach... Löste sich das Plateau?
Xelto stand oben und trat ihm genüsslich auf die Hand.
"Alles, was ich noch will, ist der Tod! Und wenn du ihn mir nicht geben kannst, dann gebe ich ihn der Welt. Ich werde zuerst deinem Waisenhaus den Tod bringen. Ich werde alle abmetzeln und wenn sie mir die Arme abschneiden!", sagte Xelto mit einem verzerrten Gesicht und setzte zu einem weiteren Tritt an.
"Und wieso hast du dann Todesangst vor Blitzen, wenn du sterben willst. Du bist sechzehn. Man stirbt nicht mit sechzehn! Man stirbt mit achtzig oder so. Du willst noch nicht sterben, das sehe ich in deinen Augen!", rief Cifer.
Xeltos Gesicht wurde düster und er ließ seinen Fuß niedersausen, doch Cifer war vorbereitet. Er griff nach dem Fuß und drückte ihn zurück, während er seine Füße in der Felswand verankerte. Xelto flog aus seinem Sichtfeld zurück aufs Plateau. Cifer zog sich nach oben. Xelto war bereits wieder auf den Beinen und rannte auf Cifer zu.
Cifer holte aus ... Xelto sprang.
Cifer t
af ihm aufs Gesicht, es gab ein hässliches Geräusch.
Xelto landete auf beiden Beinen... Er taumelte... Er kotzte Blut... Xelto sackte zusammen... Es war vorbei... Er war geschlagen...
Cifer stand schwer atmend vor Xelto, der nun am Rande des Plateaus lag.
Es gab ein weiteres Geräusch. Etwas, was nicht mit ihrem Kampf zusammenhing. Etwas Krachendes ... im Gestein!
Der Teil des Plateaus, auf dem Xelto sich befand, löste sich langsam und drohte ins Meer zu stürzen.
Xelto versuchte panisch sich hochzuziehen. Sein Gesicht war voller Angst. Cifer streckte ihm seine Hand entgegen.
"Nimm meine Hand!", rief er.
Xelto blickte kurz auf die Hand ... dann zum Meer ... und dann wieder zu Cifer. Xeltos Gesicht war auf einmal ruhig... Voller Frieden ... als wäre etwas Unvermeidbares eingetroffen.
"Es ist vorbei für mich ... ich kann die Menschen nicht glücklich machen. Du hast so um mich gekämpft, Cifer... Danke, dass du an mich geglaubt hast, doch ich bin nicht mehr zu retten. Lebe, Cifer, und glaube an die Menschen... Sei besser als ich...", flüsterte Xelto.
"Hör auf mit dem dramatischen Scheiß, nimm meine Hand, sonst gehst du noch drauf", rief Cifer.
"Cifer, ich bin mit zwölf Jahren draufgegangen. Doch... dank dir konnte ich wenigstens ein paar Momente glücklich sein. Ich konnte leben und lieben... und dank dir kann ich jetzt sterben", sagte Xelto und lächelte.
Dann krachte der Felsen weg.
"NEIN!", schrie Cifer.
Es gab einen gewaltigen Krach, als der Felsen auf die Felsenküste aufschlug und schließlich im Meer versank. Cifer spürte, wie seine Knie nachgaben... Es war, als würde der Boden nachgeben.
Das merkwürdige Geräusch wiederholte sich... Cifer spürte, wie die Felsenplatte, auf der er stand, ebenfalls nachgab ... doch was machte das schon... Er würde Xelto folgen ... wieso auch nicht... Er fühlte sich taub...
"Nimm meine Hand!"
Cifer sah sich um.
Skylar.
Er sah ihre ausgestreckte Hand an, dann zum Meer ... und erinnerte sich an Xeltos letzte Worte...
"Lebe"....
Cifer griff nach Skylars Hand und spürte, wie sie ihn von dem Felsen im letzten Moment wegzog. Beide rannten kurz von der gefährlichen Klippe weg.
Dann standen sich beide gegenüber. Skylar wusste es. Er konnte es in ihren Augen sehen.
Sie verpasste ihm drei Ohrfeigen.
Dann ging sie weg. Er sah, wie sie wortlos Xeltos Schwert aufsammelte.
Cifer sammelte seine eigene Gunblade auf und machte sich auf dem Weg zum Meer...

Unschuldig, als hätte es nie einen Sturm gegeben, lag das Meer ruhig vor ihm. Cifer erreichte die Stelle, wo Xelto aufgeschlagen war, doch er entdeckte keine Leiche, nichts...
"Er ist tot, Cifer. Ich fühle es", sagte Skylar.
Ihre Stimme klang tonlos... Sie war hohl.
Cifer blickte kurz hinaus zum Meer und ging dann mit Skylar zum Strand.
Seine Eingeweide brannten. Es fühlte sich an, als wäre ein Teil von ihm gestorben... Gleichzeitig fühlte er eine unnatürliche schwarze Ruhe, die er nicht mochte. Alles war so kompliziert, so einfach.
"Kommst du?", fragte Cifer seufzend.
"Nimm ruhig meinen Wagen ... ich bin mit meinem Motorrad hier... Ich bleib noch ein wenig...", antwortete sie.
Cifer nickte und ging dann wie in einem Traum zum Wagen. Auf dem Hügel drehte er sich noch einmal um und sah unten am Strand Skylars kleine Gestalt. Hinter ihr färbte sich der Horizont langsam dunkelrot. Der neue Tag würde bald anbrechen.
Cifer seufzte und ging.

Die Fußspuren am Strand lösten sich nur wenige Schritte hinter Skylar der Reihe nach im weichen Sand auf. Nach was suchte sie eigentlich? Sie blieb stehen und hockte sich nieder. Die Flut hatte zahlreiche Muscheln angespült. Sie atmete die kühle und salzige Meeresluft ein und nahm eine Muschelschale in die Hand. Sie kannte diese Art. Vor langer Zeit hatte sie für Xelto eine Halskette daraus gemacht, weil er das Muster so gern gemocht hatte.
Skylar wischte den Sand mit dem Daumen ab und steckte sie in die Jackentasche.
Die Sonne war inzwischen aufgegangen und ein strahlend blauer Himmel versprach einen
schönen Tag. Nichts deutete auf das Unwetter von letzter Nacht hin... Die Natur war doch merkwürdig.
Jemand kam mit langsamen Schritten auf sie zu. Skylar drehte sich um und sah Niko, der durch sie hindurchzuschauen schien.
"Niko ... was willst du hier?", fragte Skylar.
Niko antwortete nicht. Skylar sah sich um. Weit und breit nichts von der Sekte zu sehen. Er war wohl alleine gekommen. Nikos Mantel flatterte im Wind. Auch Xelto hatte einen solchen Mantel getragen... Die beiden sahen sich in diesem Moment sehr ähnlich.
"Xelto ist ... tot...", sagte sie schließlich und schluckte.
"Ja, ich weiß... Ich habe es beobachtet ... ich habe es gefühlt..."
"Wieso bist du hier?", wiederholte Skylar ihre Frage.
"Ist mit dir alles in Ordnung?", fragte er auf einmal in einem harschen Ton, der so entgegengesetzt zu seinem Text stand.
"Ja..."
Skylar überlegte kurz ... und sprach dann weiter:
"Ich habe mich wohl wieder geirrt. Ich dachte, ich könnte die Dinge ins Reine bringen, wenn man den Menschen klarzumachen versucht, was richtig und was falsch ist. Ich habe für diverse Zeitungen, Fernseh- und Radiosender gearbeitet. Hatte nie einen fixen Job. Ich wollte einfach zu den Menschen sprechen ... und ihnen sagen, wie dumm sie alle sind. Ich wollte alles kritisieren und hinterfragen, in der Hoffnung, dass ich damit am Bewusstsein der Menschen rütteln könnte... Ich konnte sie vielleicht erschrecken, aber berühren wohl nicht. Ich weiß nicht... Es wird wohl so sein, dass jeder selbst die Initiative ergreifen muss, wenn man was ändern will. Aber man sollte niemandem sich selbst überlassen. Welche Welt kannte Caris? Was kannte Xelto? Sie haben sich diese Welt nicht ausgesucht. Wir haben sie ihnen gegeben. Und weil das, was wir ihnen gegeben haben, nicht schön war, wollten sie es vernichten. Man behauptete, man wolle nur das Beste für jemanden, aber was das Beste ist, erfährt man nicht, wenn man nicht versucht, den Menschen zu verstehen. Leute wie Caris oder Xelto sind eine Warnung für uns... Ein Hinweis darauf, wo die Gesellschaft versagt hat... und wo die Familie versagt hat..."
"Jeder hat seine Methoden, die Welt zu verändern", meinte Niko kühl.
"Die Welt verändern...", schnaubte Skylar, "Ich glaube vielmehr, dass sie sich einfach so verändert, immer dann, wenn man es am wenigsten will."
"Die Welt dreht sich immer weiter und auch wir selbst verändern uns, ob wir es wollen oder nicht. Am besten, wir versuchen uns zu verändern. Denn nur indem wir uns immer weiter entwickeln, können wir uns immer wieder erneuern, zu immer wieder neuen Ansichten kommen und uns schließlich selbst im Auge behalten. Was lebt, liebt den Wandel", sagte Niko.
"Das klingt ganz nett. Schön, wenn es von dir wäre...", sagte Skylar kühl.
"Das IST von mir. Du hast mich immer als arroganten Schnösel hingestellt, nur weil ich nicht so toll und hipp war, wie du. Ich hatte meine eigenen Wege. Doch du hattest immer diesen einen Weg und jeder, der ihn nicht ging, war blöd und unmodern!", sagte Niko scharf.
"Dein Weg hat dich zu Hyne geführt, dein Weg hat dich dahin geführt, dass du deinen eigenen Bruder weg gesperrt hast ... zu diesen SEEDs! Und ja ... das wollte und will ich bekämpfen. Du hättest fast eine ganze Stadt ausradiert, nur damit du deine Rache an Caris nehmen konntest.
Aber warum mache ich mir überhaupt noch Gedanken? Das liegt ja in der Familie: Niida wurde zu Hynes Werkzeug, Xelto wurde zu Hynes Werkzeug und jetzt auch noch du... Was kümmern mich diese Fronten? Ob Sekte oder nicht... Keiner von euch ist Hyne. Alles geschieht nach Hynes Willen, er ist der einzige, der von seinem Sieg profitieren wird. Was sich zwischen den Menschen abspielt ist nur ein schwachsinniger Überzeugungskampf. Ein widerliches Gemetzel. Aber die Menschen haben sich immer zu Werkzeugen machen lassen, die ganze Zeit schon. Nur die Fronten haben sich geändert. Zuerst war es Zebarga gegen Mormala, dann Esthar gegen Galbadia, dann 'Per Manum' gegen die Sekte, es ist immer das gleiche. Immer der gleiche sinnlose Verlust, der gleiche Dreck! Und das habe ich gehasst", meinte Skylar.
Niko starrte weiterhin auf das Meer. Skylar fuhr fort:
"Ich werde da nicht mitmachen, nie wieder. Wir drei waren für kurze Zeit vereint und wurden wegen diesem Schwachsinn wieder auseinander gerissen. Ich wollte immer nur dieses eine Gefühl um mich haben und ich werde es um mich haben. Wenn du morgens aufstehst und du sitzt nicht allein vor dem Frühstückstisch. Wenn du am Abend wieder gemütlich am Tisch sitzt und lachst und erzählst, was dir gerade so einfällt."
"Warum sagst du nicht einfach, dass du Irvine liebst?", unterbrach Niko ohne sich umzudrehen. Skylar brachte kein Wort raus. Dann...
"Weißt du wie hart es ist, wenn sich zwei Menschen, denen man beide nahe steht, gegenseitig wegen irgendeinen Krieg den Kopf einschlagen?", sagte Skylar emotional.
Er schüttelte den Kopf.
"Das wird nicht passieren."
"Das sagst gerade du. Als ob du den Kampf verhindern willst."
"Ich werde nicht gegen Irvine oder sonst jemanden von denen kämpfen...", meinte Niko entschlossen. "Die SEEDs sind meine Verbündeten..."
Skylar sah ihn ungläubig an.
"Du ... bist kein Hynit?", sagte sie dann.
"Natürlich nicht. Edea hat mich da eingeschleust, damit ich von drinnen helfen kann. Und diesen Auftrag werde ich zu Ende führen, auch wenn es mein Leben kosten sollte. Ich habe zuviel Scheiße gebaut. Das muss ich ihnen zurückgeben.
Die Kramer wollte ursprünglich nur die Spione der Sekte unter den SEEDs haben, aber ich habe erkannt, dass wir noch weiter gehen müssen. Jemand von uns muss am Ende auf ihrer Seite sein. Hyne hat einen Schutzschild um die Zitadelle gezogen, der nur von innen deaktiviert werden kann!", sagte Niko.
"Und du glaubst, irgendjemand wird dir noch vertrauen?"
"Du wirst es...", antwortete Niko überzeugt.
"Aber Hyne... Er soll Gedanken lesen können..."
"Ja, er weiß es ... aber irgendwie ... lässt er mich das durchziehen... In ihm ist etwas... Es ist, als wäre Niida noch am Leben ... als wäre ein Teil von ihm in Hyne. Er lebt in ihm weiter und kämpft gegen ihn, sogar heute. Und er beschützt mich. Die, die wir geliebt haben, verlassen uns niemals..."
"Warum hast du damals eigentlich dafür gestimmt, Niida in den Garden zu schicken?"
Niko sah sie lange an.
"Ich ... war ein Idiot. Ich mochte meine Eltern nie, aber ich war ja ihr Kronprinz, ihr wunderbarer Nithaphin, der die Familienehre retten würde ... doch ich habe unter ihnen gelitten... Ich wusste, sie laberten nur rum und waren nichts, sie taten nichts ... doch ich war 14 und wollte ihnen gefallen. Ich wollte, dass sie stolz auf mich sind... Ich hatte mir... vorgestellt, dass wir dadurch mehr zusammenwachsen..."
"Das war der Grund?"
"Ich habe mich jeden Tag dafür gehasst, mich geschämt. Ich redete mir ein, dass es das Beste für ihn gewesen sei, doch ich wusste, dass ich mich selbst belog. Ich ging fort, verließ die Familie... Ich wollte Taten sprechen lassen. Ich wollte etwas tun, nicht nur labern wie meine Eltern oder dieser Kitisa. Ich wollte was machen ... ich wollte perfekt sein ... ich wollte ... besser sein, als sie ... bis ich genauso geworden bin wie sie. Mir ist es langsam aufgegangen ... damals in Timber ... und dann im Garden ... die Kinder ... Ich wollte mich umbringen, doch irgendwie lebte ich weiter ... und ich werde das zu Ende bringen ... aber ich habe Niida Briefe geschrieben. Wir haben uns ganz gut verstanden, denke ich..."
Skylar sah ihren Bruder eine Weile an und streichelte dann langsam seinen Arm. Nikos Gesicht war undurchdringlich, aber seine Augen waren erfüllt von Schmerz.
"Mir geht das überhaupt nicht am Arsch vorbei. Niida ... und jetzt Xelto ... der Kleine. Ich habe sie kaum gekannt... Und ich und Selphie... Ich behandele sie fast genauso mies..."
"Dann lass es uns besser machen, Niko. Lass uns nach vorne gehen. Lass uns gute Eltern werden. Ziehen wir diese Sache gegen Hyne durch und dann kümmern wir uns um uns", meinte Skylar.
Sie sah ihr Spiegelbild in Xeltos Gunblade.
"Das gehörte Xelto", sagte sie und reichte Niko die Waffe. Niko nahm sie vorsichtig entgegen.
"Danke. Das kann man doch als einen ersten Schritt zur Versöhnung auffassen", sagte Niko nicht ohne ein Lächeln. Doch Skylar wusste, dass er die Geste verstanden hatte.
"Vorerst werde ich mich aber zurückziehen und meine Zeit dem Buch widmen, um mein bisheriges Leben ordnen zu können. Und wehe, du kommst mich nicht besuchen, wenn du Hyne erledigt hast", meinte Skylar und verschränkte fest ihre Arme und wandte sich von Niko ab, den Kopf auf ihre Füße gerichtet.
"Wenn du mir ein signiertes Gratis-Exemplar deines Buches zukommen lässt, dann denke ich vielleicht darüber nach."
Der kalte Meereswind zog sich zurück. Skylar lachte hustend und wischte sich die Augen aus.
"Ich weiß nicht, ob es dir gefallen wird. Du kommst darin nicht besonders gut weg."
"Nun, mal sehen, ob ich wenigstens am Ende Aussichten auf die Sympathie der Leser haben werde", meinte Niko.
Die Sonne stand direkt hinter Niko, weswegen Skylar nicht sehen konnte, ob er lächelte, aber seine Stimme klang sehr warmherzig ... oder zumindest so warmherzig, wie Nikos Stimme klingen konnte.
Sie ging zurück zu ihrem Motorrad. Als sie einen Blick zum Strand warf, war Niko bereits verschwunden. Sie betrachtete noch einmal den Mond. Es sah so aus, als würde man die Umrisse der Zitadelle im Licht erkennen können. Vielleicht waren es aber auch nur Wolken.
Skylar hatte noch etwas zu erledigen. Und dann würde sie sich endlich dem widmen können, von dem sie sich einst stets die falschen Erwartungen gesetzt hatte, von dem sie enttäuscht wurde, vor dem sie lange Zeit weggelaufen war. Die Rede ist nicht von ihrem Buch. Aber sie würde in diesem darüber schreiben...

Cifer wusste nicht, wie er zurückgekommen war. Er wusste nicht, wieso er nicht einfach mit dem Auto gegen eine Wand gefahren war. Irgendwie hasste er sich für jede Minute, die er noch lebte ... aber gleichzeitig war sein Lebenswille stärker als je zuvor.
Ziellos wanderte er durch die Straßen von Dollet. Der Tag war beinahe um, überall wurde von der Offensive am morgigen Tag geredet, doch für Cifer war das eine andere Welt, eine andere Dimension...
"Cifer!"
Cifer war verblüfft, diese Stimme hier und jetzt zu hören.
Er drehte sich um und sah einen Mann aus einem Auto aussteigen und auf ihn zu rennen. Es war Squall.
"Hier bist du ja, ich hab dich gesucht. Was ist passiert?", fragte Squall.
"Xelto ist tot...", antwortete Cifer hohl.
"Oh ... wie..."
"Ich will nicht drüber reden", meinte Cifer barsch.
Squall nickte.
"Squall...", sagte Cifer, plötzlich sich an das Gespräch mit Rinoa erinnernd...

Es war ein ganz normaler Tag gewesen. Er war mit Fu-Jun und Rai-Jin unterwegs gewesen und hatte ein paar Monster erlegt. Nun saß er, wie er es oft tat, abends am Eingang von Balamb. Wieso es ihn hierhin zog, wusste er nicht. Vielleicht wollte er einfach die Luft der Stadt riechen, hoffend, manchmal den Geruch von Rinoa aufzuschnappen...
Eine Gestalt kam die Straße herunter. Sie hatte es eilig.
Cifer wusste, wer das war... Er kannte ihren Gang.
"Guten Abend, Rinoa", sagte er.
Rinoa fuhr herum.
"Cifer?"
"Was machst du, wohin gehst du?", fragte Cifer.
"Ich ... mache eine Reise", meinte Rinoa schnell.
Cifer sah sie skeptisch an.
"So spät abends? Weiß Squall davon?", fragte er.
"... Nein. Es ist eine private Reise. Ich ... will sie alleine machen... Antworten finden", sagte sie.
"Hast du irgendein Problem? Soll ich dich begleiten?", fragte Cifer.
"Nein ... ist schon in Ordnung... Alles gut..."
Rinoa schien über irgendetwas nachzudenken.
"Cifer ... sag Squall nichts, ok?"
"Was soll ich dem Versager sagen? Ich lege keinen großen Wert, mich mit diesem Menschen zu unterhalten", meinte Cifer grinsend.
Rinoas Gesicht erhellte sich... Sie schien auf eine Idee gekommen zu sein.
"Ich habe eine Bitte ... als Freundin..."
"Schieß los."
"Ich gehe zuerst nach Esthar und dann ins Shumi-Dorf. Dann werde ich zum Waisenhaus reisen. Dort werde ich vielleicht Antworten finden... Cifer ... Squall wird mich suchen, doch er wird Dinge finden und Menschen treffen, denen er nicht gewachsen ist. Momentan formiert sich eine Sekte ... und ich habe ungewöhnliche Träume... All das passiert momentan... Dann wurde auch noch eine Hexenstatue gestohlen...
Bitte, gehe zu Squall, wenn er irgendwelche Anstalten machen sollte, mir zu folgen. Begleite ihn und beschütze ihn. Und halte ihn fern von mir, ja? Verwische meine Spur. Und halte ihn unbedingt von den 'Lacrima des Alphega' fern, das sind spezielle Artefakte... Machst du das für mich?", fragte Rinoa eindringlich.
Cifer sah sie lange an.
"Ja, natürlich...", sagte er dann.
"Danke. Ich muss weg", sagte sie.
Bevor er irgendetwas noch erwähnen konnte, war sie in der Nacht verschwunden...


Cifer sah lange in Squalls erwartungsvolles Gesicht. Würde er verkraften, dass ihre Freundschaft auf einer gewaltigen Lüge basierte? Was würde das für Auswirkungen auf sein Verhältnis zu Rinoa haben?
"Was ist, Cifer?"
"Ach gar nichts. Fahr schon mal, ich bin morgen früh zur entscheidenden Schlacht wieder da", sagte er und ließ Squall an dem Wagen stehen.
Manche Sachen blieben besser unausgesprochen.
Doch was war mit ihm? Natürlich würde er zusammen mit den anderen Hyne besiegen oder auch nicht, aber was war dann? Gab es einen Platz für ihn auf dieser Welt? Oder wäre er zur Einsamkeit verdammt? Vielleicht hatte er nie Rache gewollt, vielleicht war er bloß auf der Suche nach seinem Platz gewesen?
Xelto ... warum bist du nur gestorben?
Cifer schnellte herum und blickte nach oben. Hatte sich auf dem Dach etwas bewegt?
Fast war es so, als hätte er einen Umhang gerade noch verschwinden sehen...
Aber vermutlich war es nur eine Katze gewesen.
Cifer senkte seinen Blick und ging weiter ziellos die Straße hinunter. Allein.