FFVIII: Aomes Trianirea - Kapitel 33

Im Himmel der Hölle

verfasst von MfLuder

Edea Kramer saß im Waisenhaus inmitten einer Schar aufmerksamer Kinder, die sie mit großen Augen anstarrten. Sie hatte ein Buch auf ihrem Schoß und las ihnen grade die letzten Zeilen einer langen Geschichte vor.
"Und der Held befreite seine große Liebe aus dem eisernen Turm. Der Monsterkönig sank leblos zusammen, als er die beiden vereinigt sah. Und als sie den Turm verließen, da jubelten ihnen alle zu. Roklos, der Dieb, der nur auf Bäumen schlafen konnte, Thelos, der endlich seine Bibliothek verlassen hatte, um mit ihnen zu feiern und natürlich der Blumengeist Vlovie, der nun ihnen freudig verkündete, dass er endlich wieder nach Hause konnte.
Und siehe, auch der Monsterkönig kam heraus, doch er hatte eine andere Gestalt. Es war ein alter Mann und er lächelte, weil er endlich vom Fluch des eisernen Herzens befreit worden war. Und dies war der Beginn einer Zeit, wo die Menschen glücklich und zufrieden leben konnten, ohne je wieder Angst vor den Monstern dieser Welt zu haben", sagte Edea und schloss das Buch.
Edea lächelte die verträumten Gesichter an.
"Schlafenszeit", meinte sie dann.
Die Kinder sahen enttäuscht aus und gingen dann maulend ins Bett.
"So ne blöde Geschichte!", rief auf einmal einer.
"Wieso denn?", fragte Edea den mürrischen Jungen.
"Na, es weiß doch jeder, dass es gar keine Monster gibt!", rief der Junge selbstsicher.
"Ich wünschte, es wäre so, Squall", lächelte Edea und streichelte ihm über den Kopf.
"Ich glaube nicht dran!", erwiderte Squall entschlossen.
"Du bist ein freier Mensch und nur du kannst daran glauben oder auch nicht. Gute Nacht", sagte Edea und schloss dann die Tür.
Langsam erstarben auch die letzten Stimmen im Haus. Es war dunkel.
Squall lag im Bett und starrte an die Wand. Die Schatten bildeten bedrohliche Formen. Er wollte nicht die Augen zu machen. Wenn er das tat, würden sie sich anfangen zu bewegen.
Er blickte ängstlich unter sein Bett und schaute. Dort war nichts zu sehen... doch wenn er schlafen würde, dann würden sie kommen.
"Es gibt keine Monster, es gibt keine Monster, es gibt keine Monster, es gibt keine Monster...", flüsterte der Junge immer wieder.
Er sank in unruhigen Schlaf...
Dann passierte es. Die Schatten bewegten sich und formten Hände, die nach ihm griffen. Monster kamen unter dem Bett hervor gekrochen und schlangen ihre Arme um seinen Körper.
"Ich glaube nicht an euch! Ihr existiert gar nicht!", zitterte Squall.
"Squall? Was rieche ich da?", rief auf einmal ein anderer Junge.
"Nichts", erwiderte Squall ängstlich.
Die Schatten hatten sich zurückgezogen.
Der Junge zog das Bettlaken weg.
"Hey Leute, Squall hat wieder ins Bett gemacht. Hast wieder alles vollgepisst, was?", rief der Junge hämisch.
"Halts Maul, Cifer", schrie Squall und stürzte sich auf den Jungen.
Squall schlug auf ihn ein. Hinter ihm kamen andere Stimmen. Cifer lag am Boden.
"Mama... Squall haut schon wieder", heulte Cifer.
Squall schlug wie besessen auf ihn ein. Er fühlte wie hinter ihm wieder die Schatten nach ihm griffen. Doch es kümmerte ihn nicht. Er haute immer weiter in Cifers Gesicht, bis es in Trümmern vor ihm lag.
Squall atmete heftig ein und aus und spürte, wie die Schatten ihn langsam umschlossen. Er sah, wie Cifer und seine ganze Umgebung verschwand und schließlich auch er nicht mehr war...


Edea Kramer überlegte lange, bevor sie die Tür schließlich aufmachte. Sie betrat einen kleinen Raum im Waisenhaus. Am Fenster saß unverändert Rinoa, die weiterhin unverändert nach draußen starrte. Durch das Fenster konnte man Squalls Leichnam entdecken und direkt dahinter türmte sich bedrohlich die Zitadelle von Hyne auf, die einen schier übermächtigen Schatten auf sie warf.
"Was ist denn?", fragte Rinoa nach einem Moment der Stille.
"Was ist? Chaos ist! Warum vergräbst du dich hier so?", fragte Edea und trat an Rinoa heran.
Ihre Augen waren gerötet, doch sie weinte nicht. In ihrer Hand hielt sie ihr Tagebuch, aber es war geschlossen.
"Ich... habe ihn verloren. Er ist weg... Ich habe es nicht verhindern können", flüsterte Rinoa.
Edea wollte antworten, doch Rinoa sagte scharf:
"Sag nicht, dass es nicht meine Schuld war!"
"Rinoa... wir alle sind traurig. Und wir alle werden da sein, wenn wir morgen früh seine Leiche verbrennen. Aber... wie lange willst du hier noch sitzen? Wie lange willst du dich einsperren?", fragte Edea.
"Wer weiß? Vielleicht bis in alle Ewigkeit", sagte Rinoa trocken.
"Und was ist mit den anderen? Draußen ist die Hölle los! Was ist mit den anderen Menschen, die deine Hilfe brauchen? Wir steuern auf eine große Offensive zu. Die größte seit der Schlacht gegen Hyne vor vielen tausend Jahren!", sagte Edea.
"Ihr wollt gegen Hyne antreten. Dann viel Spaß. Seine Macht ist nicht mehr zu brechen", lachte Rinoa freudlos.
"Wir müssen es versuchen... Wir haben eben die Nachricht erhalten, dass Beryll vernichtet wurde. Ein gewaltiges Erdbeben hat die ganze Siedlung dem Erdboden gleichgemacht. Dies ist nur eines von vielen Ereignissen. Die Welt ist zerrüttet. Tagtäglich passieren neue Katastrophen, Fluten, Erdbeben, sogar Meteoritenschauer. Wenn wir nicht bald was
unternehmen wird nichts mehr von uns übrig bleiben!", sagte Edea.
"Hyne benutzt also Makro-Zauber und seine Zitadelle als Medium. Coole Idee. Würde ich auch so machen", sagte Rinoa zynisch.
"Rede nicht so einen Schwachsinn! Warst du mal draußen?! Dieses Waisenhaus gilt als der einzige sichere Ort auf der Welt! Nur weil hier Niida damals gestorben ist, rührt Hyne anscheinend diesen Ort nicht mehr an! Wir bekommen täglich neue Flüchtlinge. Zerstörte Menschen, Kinder ohne Eltern, Eltern ohne Kinder. Wir bersten aus allen Nähten. Sogar die Politiker kommen schon her! Und wir brauchen jemanden, der die Kräfte von Hyne besitzt. Wir brauchen eine Hexe. Eine starke Hexe. Wir brauchen dich", sagte Edea.
"Na und? Was kümmert mich das? Verrottet doch alle!"
"Und was ist mit Adryan! Soll der auch verrotten? Wir reichen den Kleinen da draußen rum. Er braucht seine Mutter!", schrie Edea.
Rinoa sah sie an und begann dann plötzlich zu weinen.
"Oh, ich bin so eine fürchterliche Mutter. Oder? Er verdient mich gar nicht... er kann mich doch so nicht sehen... der Kleine..."
"Ich werde dich nicht trösten. Du kannst jetzt sofort handeln und rausgehen. Oder du kannst hier sitzen bleiben!", sagte Edea hart.
Kurz vor der Tür drehte sie sich noch mal zu Rinoas Silhouette um, die still weiter heulte.
"Dein Vater... und Squall... sie würden sich für dich schämen", sagte Edea, bevor sie heftig die Tür zuknallte.

Die Abendsonne färbte die Welt blutrot und verlängerte die Schatten in Rinoas Raum mit jeder vergehenden Minute.
Rinoa saß immer noch am Fenster. Ihre Tränen waren nun endgültig versiegt. Sie blickte nach draußen, wo Squalls Leichnam lag und dahinter die Zitadelle aufragte. Die Sonne schickte ihre letzten Strahlen zu Rinoa, bevor sie hinter der Zitadelle verschwand und sie von hinten rot anleuchtete.
Rinoa hatte mitbekommen, dass allerlei Prominenz gelandet war. Irvine und Skylar waren angekommen und hatten berichtet, dass Zed Black und Cecil Kitisa tot waren. Auch war Kitisas Nachfolger eingetroffen, ein Mann, der stets einen Zahnstocher im Mund trug.
Sogar Carvin war kurz bei ihr gewesen, doch er war schnell wieder gegangen.
Rinoa seufzte und erhob sich dann schließlich. Vielleicht sollte sie wirklich kurz mal nach draußen gehen und schauen, was los war. Vielleicht traf sie ja auf Cifer. Er trainierte momentan ständig auf der Wiese und versuchte, mit seinem verbleibenden linken Arm zu kämpfen. Auch er redete wenig und schien sehr mit etwas beschäftigt zu sein.
Auf der Wiese... dort, wo man Squall gefunden hatte...
"Du siehst sehr verloren aus!"
Rinoa schnellte herum. Eine Stimme kam aus der Dunkelheit.
"Wer ist da?", fragte sie scharf und ihre Hand ging an ihre Waffe.
"Ein Freund."
Die Schatten spuckten eine Gestalt aus. Sie hatte eine schwarze Robe an, die ihr tief ins Gesicht hing, sodass es nicht erkennbar war.
"Du willst also wieder nach draußen zu den anderen? Zu diesen geifernden kleinen Wesen, die in keinster Weise deine Trauer nachvollziehen können und sich längst mit seinem Tod abgefunden haben", kam die Stimme aus den Tiefen der Kapuze.
"Wer sind Sie? Wie ist Ihr Name?", fragte Rinoa.
"Ich habe viele Namen, einer bedeutungsloser als der andere. Der Philosoph schickte mich. Kurz vor seinem letzten Opfergang gab er mir die Aufgabe, seine Mission zu Ende zu führen, falls ihm vorher etwas zustoßen sollte. Und da er nun an einem Ort ist, wo ihm wenig dran gelegen sein wird, dir zu helfen, bin ich so schnell wie möglich zu dir gereist", sagte die Gestalt.
"Welche Aufgabe?"
"Dich durch den 'Pfad der Walpurgis' zu geleiten."
"Die Prüfung der Hexen?", fragte Rinoa.
"Du bist mächtig, Rinoa. Doch um wirklich zu einer vollwertigen Hexe zu werden, musst du durch den Pfad schreiten und die Vergangenheit erforschen. Du musst dich selbst erkennen. Nur dann wirst du die Macht besitzen, die du brauchst", sagte die Gestalt.
"Und was ist, wenn ich nicht will?", fragte Rinoa herausfordernd.
"Weißt du, warum die Hexen so gefürchtet waren? Weil sie Kräfte besaßen, die den anderen Angst eingeflößt haben. Sie bewirkten außerordentliche Dinge, die noch weit über das hinausgingen, was die normale Magie bewerkstelligen konnte. Sie konnten die Tore zum Totenreich, zur untersten Bewusstseinsebene, öffnen. Das Reich der Zhabanen unter ihrem Anführer Alphega. Sie waren sogar in der Lage, Seelen aus diesem schwarzen Abgrund zurückzuholen."
"Sie konnten die Toten erwecken?", fragte Rinoa.
"Squalls Seele hat diese Welt noch nicht vollkommen verlassen. Sie ist in einer Zwischenebene. Momentan geht er durch den Weg der Reinigung, er verliert nach und nach seine Persönlichkeit, bevor er wieder in die spirituelle Seele des Universums eingeht. Wenn dieser Vorgang komplett ist, wird er nicht mehr zu retten sein. Er ist fort und ohne Wiederkehr. Spätestens morgen früh, wenn seine irdischen Überbleibsel nicht mehr sind... dann ist alles zu spät... doch bis dahin..."
"Aber der Pfad der Walpurgis ging doch mit Teneralem verloren", sagte Rinoa.
"Nein, es war nur einer von vielen Eingängen zum Pfad. Der wahre Walpurgispfad führt durch die Eingeweide des Planeten... und ein Eingang befindet sich nicht weit weg von hier", sagte die Gestalt.
Rinoa blickte aus dem Fenster zu Squall, der regungslos auf der Bahre lag.
"Und wo ist der?"

Um ihm herum entstand etwas. Da war etwas.
Squall öffnete die Augen und blickte an eine Decke.
Langsam erhob er sich und sah, dass er sich in einem merkwürdigen altmodischen Raum befand. Dieser Raum hatte sogar eine Tür, war aber fensterlos. Es wirkte wie ein Raum aus einem alten Herrenhaus.
Doch wo war er?
"Du bist wach, wie ich sehe."
Squall sah sich um. Alphega stand im Raum.
"Wo bin ich?", fragte Squall.
"Du bist in dem einen Ort, den man nicht benennen kann. Weder lebendig noch tot, weder wach noch schlafend", sagte Alphega.
"Ich will hier raus. Ich will zu Rinoa!"
"Und dann? Was willst du ihr sagen? Wie willst du es ihr sagen?
Die Wahrheit ist gefährlich. Nur wenige sind auserwählt, sie zu sehen und zu erkennen. Die, die sie gefunden haben, stehen vor einer komplizierten Wahl: Nutzen sie ihr Wissen für die Welt, so werden sie zum Erlöser. Nutzen sie es für sich, werden sie zum Tyrannen.
Ich habe viele wunderbare Wesen zugrunde gehen sehen. Wesen wie Hyne und Zebarga... sie wurden zu Monstern. Das Gleiche soll nicht mit dir passieren", sagte Alphega.
"Ich will weder das eine noch das andere. Ich will nur zu Rinoa und zu meinem Sohn! Und tu nicht so, als würdest nur das Beste für mich wollen! Du hast mich an Hyne ausgeliefert. Du warst dafür verantwortlich, dass er mich kontrollieren konnte und ich fast meinen eigenen Sohn ermordet hätte!", schrie Squall.
Alphega senkte seinen Kopf.
"Ich werde nicht leugnen, was ich getan habe. Du wirst es bald verstehen. Aber vorher beantworte mir bitte eine Frage. Warum willst du zurück? Du kennst doch die Zukunft", fragte Alphega.
"Ja, aber ich will sie ändern", rief Squall.
"Das ist in diesem Fall unmöglich", sagte Alphega.
"Warum?"
Alphega blieb stumm. Squall stürmte wütend auf ihn zu. Ein gewaltiger Druck presste gegen seine Brust und schleuderte ihn an die Wand.
"Ich habe Menschenkenntnis gegen Weisheit getauscht. Was für ein beschissener Deal!", rief Squall.
Alphega zuckte bedauernd mit den Schultern und verschwand dann so schnell, wie er gekommen war.


"Hier ist es!", sagte die Gestalt und deutete auf einen düsteren Höhleneingang.
Es war mehr ein finsteres Loch, das sich aus der Erde stülpte. Der tiefe Schlund schien Rinoa förmlich anzusaugen.
Sie waren sehr schnell aufgebrochen. Es war bereits dunkel gewesen, so hatte sie niemand bemerkt. Sie waren nur kurz am Strand spazieren gegangen, bevor sie zu dieser Höhle gekommen waren. Unwillkürlich fragte sie sich, warum ihr dieser finstere Ort nie vorher aufgefallen war. Dann fiel ihr ein, wie Squall kurz vor seinem Verschwinden von einem Kindheitsabenteuer erzählt hatte, das Cifer und er gehabt hatten. War dies der gleiche Ort?
Squall...
Sie schüttelte ihre Angst ab und atmete tief ein.
"Gehen wir", sagte sie.

In der Höhle war es stockfinster. Das spärliche Mondlicht reichte nur wenige Meter, bevor die Dunkelheit jegliches Licht verschlang. Rinoa verstand, wieso sich Squall als Kind zu Tode gefürchtet hatte.
Sie tastete sich langsam vorwärts. Dann berührten ihre Hände einen Felsen.
"Hier geht es nicht weiter. Eine Sackgasse", sagte sie.
"Nur für die normalen Menschen, nicht für eine Hexe. Befühle den Stein, spüre seine Energie... dann wirst du erkennen, dass in der materiellen Welt viele Dinge als unüberwindbar dargestellt werden, die dabei eigentlich so banal sind. In dieser Welt können sich auch die Schwächsten ein mächtiges Aussehen geben", sagte die Gestalt beschwörend.
Rinoa befühlte ein weiteres Mal die Wand. Sie versuchte sich etwas zu entspannen, wie die paar Male, als sie meditiert hatte. Auf einmal schien der Stein extrem porös. Sie spürte, wie aus ihrer Hand eine Wärme kam und dann wie dieser harte Stein plötzlich wie Wachs zusammenschmolz. Die Wand war verschwunden. Durch die endlose Schwärze schien nun ein Licht. Es war düster und dunkelblau, doch immerhin etwas.
Rinoa ging ein paar Schritte vorwärts. Dann sprangen gleichzeitig Fackeln an, die rechts und links vom Gang befestigt waren und erleuchteten den Weg. Rinoa kniff die Augen zu.
"Der Pfad hat dich als würdig befunden", sagte die Gestalt.
Ihre Augen gewöhnten sich langsam an das Licht. Sie bemerkte, dass der Gang irgendwie künstlicher aussah als die Höhle, die sie eben durchschritten hatten.
Sie ging ein paar Schritte weiter und kam zu einer Art Wandtafel. Mehrere Zeichnungen waren auf ihr eingeritzt.
Es waren einfache Zeichnungen, die Menschen zeigten. Ein paar von ihnen trugen Kleider und hatten leuchtende Stäbe. Neben ihnen standen Ritter mit Schwertern. Mehrere normale Menschen schauten zu ihnen bewundernd hoch.
"Die ersten Hexen verewigten ihre Erfahrungen in dieser Tafel", sagte die Gestalt.
"Ihre Wünsche vielmehr. Hexen wurden gefürchtet und gehasst...", entgegnete Rinoa.
"... und bewundert. Hyne wählte die Frauen aus, seine Apostel zu werden. Sie sollten seine Lehre verbreiten und die Menschen führen. Die einfachen mittelmäßigen Menschen blickten bewundernd zu diesen wunderschönen Frauen und ihren heldenhaften Rittern auf. Doch wo Größe ist, ist auch Neid. Kleine schwache Menschen verbreiteten die Gegenkunde und machten Jagd auf die Hexen", sagte die Gestalt.
"Und zurecht. Waren die ersten Hexen nicht Mütter, deren Kinder von Hyne getötet wurden? Düstere Frauen, die im Hass merkwürdigen Ritualen nachgingen, wo es sogar Menschenopfer gegeben haben sollte? Die Hexen und ihre Ritter haben ihre Macht missbraucht und versucht, erst Hyne zu dienen und dann später eigene Herrschaften zu errichten. Edea meinte, wenn wir Hexen uns wirklich davon lösen sollen, dann müssen wir unsere Kräfte für die Welt einsetzen und, losgelöst von jeglicher Arroganz, mit den Menschen leben", sagte Rinoa.
"Du glaubst einer Frau, die vor ihren eigenen Kräften davongelaufen ist? Aber sie hatte zumindest in dem Teil Recht, als das sie erkannt hat, dass die größte Stärke der Hexen ihr Schmerz ist. Hexen wurden aus Schmerz und Leid geboren. Dieser Schmerz gab ihnen gewaltige Erfahrungen und Einsichten. Sie starben als Menschen und wurden als geheiligte Wesen wiedergeboren. Genau wie du. Auch dich hat der Schmerz hierhin geführt und dir Klarheit verschafft. Komm", sagte die Gestalt.
Rinoa ging etwas widerwillig weiter. Irgendwie hatte sie ein ungutes Gefühl. Vielleicht sollte sie einfach zurückkehren... zu den anderen... zu Squall... tot...
Doch wenn sie jetzt aufhören würde... Sie wusste, sie würde sich ihr ganzes Leben fragen, ob es nicht doch eine Möglichkeit gegeben hätte...
Sie kamen in eine große Halle. In der Mitte stand auf einem kleinen Tisch ein Gefäß, gefüllt mit einer gasförmigen Flüssigkeit. Dahinter führte eine Treppe zu einem gewaltigen Spiegel.
"Dies ist die Hauptprüfung. Die Erweckungszeremonie. Der Pfad ist ein spiritueller Pfad, den du gehen musst. Zuerst musst du diese Flüssigkeit trinken und den Schmerz der Welt fühlen, die du erlösen willst. Dann blickst du in den Spiegel. Erkenne dich selbst, bekämpfe deinen Dämon. Normale Menschen werden in dieser Kammer verrückt. Ihre Leere verkörpert sich in einem Monster und erschafft einen Doppelgänger. Nur die Hexen sind in der Lage diese Kraft zu bändigen. Bist du bereit?", fragte die Gestalt.
Rinoa nickte. Unsicher schritt sie auf das Gefäß zu. Langsam nahm sie es in die Hand und trank einen Schluck. Es schmeckte nach nichts...
Als sie das Gefäß hinstellte, bemerkte sie, dass es sich anscheinend nicht um das mindeste geleert hatte.
Zuerst fühlte sie sich ganz normal. Dann bemerkte sie jedoch, wie langsam aus den Tiefen der Kammer Leute begannen zu ihr zu sprechen und spürte, wie ihr Blut immer schneller und heftiger durch ihre Adern floss...

Squall hatte angefangen, dieses merkwürdige Haus zu erforschen, indem er gefangen war. Wenn Alphega ihn nicht zurücklassen würde, dann würde er eben selbst einen Weg finden.
Das Haus glich einer imposanten Villa. Es hatte viele Gänge und Türen. Einige von ihnen waren verschlossen, andere offen. Eins hatten aber alle gemeinsam: Keiner von ihnen führte raus. Dieses verdammte Haus hatte vermutlich gar keinen Ausgang.
Squall wollte gerade eine der Türen eintreten, als...
"Sir, hier sind Sie. Ich wollte sie gerade abholen. Der Herr erwartet Sie zum Essen!"
Squall sah sich um und entdeckte auf einmal einen alten Herren, anscheinend ein Butler.
"Der Herr erwartet mich?", fragte Squall verwirrt.
"Im Esszimmer. Folgen Sie mir bitte", nickte der Butler.
Der Butler hatte ein flottes Tempo drauf. Squall musste fast rennen, um mit ihm Schritt halten zu können. Schließlich kamen sie zu einer großen Flügeltür.
"Einen angenehmen Abend", sagte der Butler und entfernte sich.
Squall durchschritt die großen Türen und fand sich in einer großen Halle wieder.
In der Mitte stand eine lange Tafel. An einem Ende war ein leerer Platz, offenbar für Squall. Am anderen Ende saß ein Mann, der sofort bei Squalls Eintreten aufstand. Es war Hyne. Er sah allerdings normal aus, wie seinerzeit Aloin.
"Squall, schön, dass du kommen konntest. Setz dich", sagte Hyne freundlich, während er auf den leeren Platz zeigte.
"Was soll die Scheiße, Hyne?!", fragte Squall wütend.
"Nun, wenn du schon hier festsitzt, wollte ich dir wenigstens deinen Aufenthalt so freundlich wie möglich machen. Setz dich, heute Abend gibt's wirklich alles zu essen. Ich sollte meinen Köchen in der Tat eine Gehaltserhöhung anbieten", sagte Hyne.
Squall starrte ihn finster an.
"Es bringt nichts, wenn du den ganzen Abend da herumstehst. Nun setzt dich endlich!"
Squall warf sich missmutig auf seinen Platz und legte soviel Verachtung in seinen Blick, wie er aufbringen konnte.
"Mh, du erinnerst mich wirklich sehr an sie", sagte Hyne lächelnd.
"An wen?", fauchte Squall.
"An Prokylta. Auch sie war in diesem Raum und auch mit ihr hatte ich ein kleines Gespräch. Sie hat mich auch so böse angestarrt. Sie kam als Julia und ging als Prokylta. Eine fabelhafte Frau..."
"... die jetzt entsorgt wird?", fragte Squall sarkastisch.
"Squall, jeder hat seine Chance und für manche ist es gut, wenn sie nach einer Zeit abtreten und einer neuen Generation Platz machen", meinte Hyne abwesend, während er seine Suppe mit Begeisterung aufaß.
Squall sah ihn weiterhin verachtend an.
"Ich finde es schön, dass wir mal die Zeit haben, uns kennenzulernen. Bis jetzt haben wir uns nur bekämpft. Ständig standen die weltlichen Konflikte zwischen uns, da blieb natürlich kein Platz für ein persönliches Gespräch. Erlaube mir die Bemerkung zu machen, dass ich stets eine Schwäche für dich hatte", meinte Hyne zutraulich, erhob sich von seinem Platz und ging ein paar Schritte auf Squall zu.
"Ach ja?", sagte Squall verächtlich. Hyne blieb ein paar Meter von ihm weiter weg stehen.
"Ja. Du bist ehrlich, geradlinig, romantisch und glaubst an die Menschen, kümmerst dich hinreißend um deine Frau und deinem Sohn und bist wohlgemerkt beträchtlich über dich hinaus gewachsen. Ein kleiner ängstlicher Junge wurde zum Problemkind und schließlich zu einem netten Menschen. Das sind genau die Biographien, die ich sehr gerne habe. So kühle Typen wie Niko oder diese ganzen Idioten von der Sekte... sie mögen nützlich sein... aber Leute wie du... die mag ich. In vielerlei Hinsicht erinnerst du mich an mich selbst. Und deswegen habe ich dich hergeholt... um dich zu warnen", sagte Hyne.
"Wovor?"
"Vor deinem Optimismus. Du glaubst an etwas, das es nicht gibt. So etwas kann einen fertig machen, glaub mir. Vom alten Alphega hast du vieles über die Menschen gelernt, wie wertvoll jeder von ihnen ist, blabla... Aber die Menschen sind nicht gut oder edel. Sie leben nur zu einem einzigen Zweck. Es ist der unbedingte Wille zur Reproduktion. Das ist alles. Jedes Leben will nur wuchern.
Sogar die ach so heiligen Kinder denken an nichts anderes. Die Jungs kämpfen um die Vorherrschaft, die Mädchen um die Sanftheit. Nicht mehr steckt dahinter."
"Wow, das ist mir ja noch gar nicht aufgefallen", sagte Squall trocken.
"Es ist immer wieder überraschend, wie primitiv die Menschen denken. Nicht nur die Menschen, alles auf dieser Welt. Ihr lebt in Städten und habt eure Zivilisation. Aber was passiert, wenn das alles wegbricht? Wenn das ganze Regelsystem verschwindet? Was bleibt übrig? Was würdest du tun, wenn du in einer Welt ohne Regeln leben würdest und du siehst jemanden wie Zed Black? Du stehst über ihm, ihr seid alleine, Mord ist was natürliches, es wird nicht bestraft. Was machst du dann?"
Squall sah Hyne mit hochgezogenen Augenbrauen an. Hyne lächelte.
"Ja, setze nur deine spöttische Maske auf, Squall. Ich weiß, wie du dich fühlst. Du bist unantastbar. Du hast die Welt auf deiner Seite. Man sehe nur deine Familie. Wie du dich um Rinoa kümmerst, diese wunderbare Liebe, die über alles hinausgeht, dieses leuchtende Kind.
Weißt du, was das ist? Pure Selbsterhaltung. Du willst Rinoa helfen, damit ihr Nachkommen haben könnt. Ihr zieht das Kind auf, damit es euer Erbe weitertragen könnte. Nur die Stärksten können in dieser Welt überleben. All dieses Getue drumherum... es ist nichts als Einbildung und Phantasie.
Ich kenne das, ich habe euch lange beobachtet. Viel länger als ihr glaubt."
"Du bist doch bloß ein zynischer hasszerfressener..."
"Ach, ich bin ja so schlecht. Schicken wir doch am besten ein Stoßgebet zu deinem Alphega, damit der dir hilft", sagte Hyne.
Squall stand auf und wollte den Raum verlassen, doch seine Füße wollten sich nicht bewegen.
"Du kannst mir glauben, Squall, ich weiß, wie ihr tickt. Ich weihe dich in ein kleines Geheimnis ein:
Die Menschheit ist nicht meine erste Schöpfung. Ich habe viele Versuche unternommen, es waren viele Fehlschläge dabei. Und weißt du, wie jede Spezies schließlich endete, die ich erschaffen hatte?", fragte Hyne.
Squall spürte einen Knoten im Bauch und blieb stumm.
"Sie haben sich selbst vernichtet. Leben ist nur da, um unterzugehen. Wenn ein Lebewesen eine gewisse Form erreicht, dann bleibt nur noch die Selbstvernichtung. Mit wachsender Intelligenz kommt die Machtgier. Die Zerstörer kommen an die Macht, die sogenannten Anständigen sind sich zu fein, etwas zu machen. Am Ende bleibt nur die Zerstörung, der Untergang. Sieben Mal habe ich eine potentielle Menschheit untergehen sehen und auch beim achten Mal wird es nicht anders sein. So ist nun mal der Weg. Ich habe es gesehen. Das Einzige, was wir tun können, ist diese Vernichtung fortzuführen und einzuleiten, der Menschheit einen angenehmen Tod und eine leuchtende Wiedergeburt zu geben. Wir können sie erlösen", sagte Hyne.
"Du hast doch nur Angst vor der Zukunft", sagte Squall mit zitternder Stimme. Diese Neuigkeit musste er erst einmal verdauen.
"Hohle Worte. Dieser theoretische Kram, den Alphega verzapft, er hat keine Bedeutung. Es sind Worte ohne Emotionen. Wo ist er jetzt? Wo ist seine Weisheit jetzt?
Squall, du wolltest dich selbst erforschen, damit du Rinoa begreifen kannst. Du hast nun die Bestätigung, dass sie zu Artemisia werden wird! Sie wird die Dunkelheit und den Schmerz kosten und uns anschließend alle in einem leuchtenden Untergang neu entstehen lassen", sagte Hyne und wurde lauter und schritt auf Squall zu.
Er wich zurück, fiel hin und kroch rückwärts bis er mit dem Rücken an der Wand saß. Hyne kniete sich auf allen Vieren hin und kam auf Squall zu gekrochen. Seine Augen bohrten sich in Squalls Seele.
"Die Menschheit ist ein Witz. Ihr seid so voller Widersprüche. Ihr ertrinkt eure eigene Existenz im Suff, betäubt eure Seele, sucht nach ein bisschen Wärme und findet nur krachende Fleischeslust.
Du kennst den Schmerz zu gut. Den Schmerz der Ausgrenzung, als einziger in einer oberflächlichen Welt zu leben, die nur vor sich hin vegetiert und als einziger die Wahrheit zu sehen!"
"Ich habe mich vor sechs Jahren nur nach Liebe gesehnt", zitterte Squall.
"Du hast dich nach Erlösung gesehnt! Wie wir alle", schrie Hyne und stand auf. Er blickte auf Squall hinab.
"Die Welt, die ich sehe ist durchflutet von wunderbarem Licht. Sie zeigt edle Menschen, grandiose Welten, grenzenloses Leuchten. Die alte Welt wird in einem grandiosen Brand untergehen, Flammen aus Liebe und wir werden den Unterschied zwischen uns nicht mehr sehen. Ganze Reiche werden sich auftun, die Schatten aus unserem Leben verschwinden..."
Squall sah sich um und sah, wie die Wände sich bewegten. Der Stein löste sich auf... etwas Blutartiges quoll hervor. Der Boden brach auf und etwas Organisches kam hervor.
Hyne redete sich in Ekstase.
"Es mag nur ein kurzer Moment des Glückes sein, wenn wir alle verschmelzen. Das Blut unserer Feinde wird die Taufe für uns sein, wenn eins werden, wenn es nichts mehr gibt. Wir werden an einem Ort leben, der in wunderschönstem Licht erstrahlt, wo alle bedrohlichen Schatten getilgt sind, wo wir alle in Ekstase jubeln können. Der Moment der Zeitkompression... Es mag ein Moment sein, der nicht ewig geht und doch lege ich meine ganzen Fähigkeiten in diesen schönen grandiosen heiligen Moment.
Ich sehe Planeten, die miteinander verschmelzen, Babys, die zu Sonnen werden, Galaxien in einem Farbenspiel tanzend und über all dem schweben wir, wir fliegen über die wabernden Sphären und lassen uns von Wellen durchdringen, die schöner als alles sind, was wir kennen. Unsere Körper werden sich auflösen in Schmerz und Glück und wir werden eingehen. Diese grandiose Welt des Glücks und der Fantasie ist mein Ziel. Diese Vision will ich verwirklichen", brüllte Hyne und weinte vor lauter Glück.


Rinoa fühlte, wie das Blut in ihren Adern Feuer fing. Aus den Schatten krochen Gestalten hervor, die Höhle wurde gesprengt, himmlische Chöre sangen in ihr Ohr. Verschiedene Kreaturen sah sie vor ihrem Auge. In einem Rausch von Licht zog alles vorbei. Alles schwamm in einem Meer aus rotem Blut und die klarste, reinste wunderschönste Musik kam an ihre Augen und Ohren.
Doch düstere Figuren kamen und wollten zu ihr. Finsterste Schwärze drohte alles zu vernichten.
Rinoa stöhnte vor lauter Schmerz auf. Diese Schmerzen waren kaum zu ertragen. Die Schwärze wurde immer größer und größer. Sie wollte dagegen ankämpfen.
Irgendwo spürte sie, wie Flüssigkeit aus ihr entwich. Sie schwamm in ihrem eigenen Saft. War dies die Macht der Hexen? War dies der Rausch der Macht?

"Wie konnte nur alles so kommen? Wie konnte nur ein Gott wie du, sich in ein solches Monster verwandeln?", fragte Squall leise.
Hyne lachte laut.
"Gott und Monster... Schaffen und Vernichten... Squall, ein kleines Geheimnis... die beiden sind eins. Schöpfen und Vernichten gehört immer zusammen. Das eine stirbt, das andere lebt. Deswegen ist das auch so wichtig, dass du das verstehst. Es gibt nichts, was du tun kannst. Das ist nun mal das Schicksal und du bist ein Kind des Schicksals...
Ich will dir etwas zeigen."
Hyne trat zur Seite. Der Raum hatte sich geöffnet. Die Wand war verschwunden. Dahinter befand sich endlose Schwärze. Doch in dieser Schwärze leuchtete etwas... Squall kannte es... der kosmische Lebensbaum.
"Ich habe diesen Baum herbringen lassen, weil ich dir einen Strang zeigen wollte... Ich möchte dir zeigen, wie die Zeit vor sechs Jahren verlaufen wäre, wenn du gestorben wärst... wie es eigentlich hätte sein sollen..."
Aus einem Zweig kam plötzlich ein gleißendes Licht heraus und vor Squall erschien ein Bild... Es war Rinoa...

Rinoa torkelte auf ein Gebäude zu. Sie sah genauso aus wie vor sechs Jahren. Ihr Gesicht war von Tränen gezeichnet. Das Gebäude war das Mausoleum. Ein paar Menschen aus Esthar kamen ihr entgegen.
"Ich will, dass ihr mich einsperrt, es ist nichts mehr für mich in dieser Welt übrig geblieben. Friert mich ein bis ans Ende aller Zeiten", rief sie in einer hohlen Stimme...

"Während der Zeit, in der sie allein im Mausoleum eingefroren war, hat sie viel geträumt. Dekaden vergingen. Der Staat Esthar verging, die Menschen starben, alles veränderte sich. Nur sie war immer da. Die Schöne im Eis. Sie wurde zu einem Kunstwerk. Ihre Geschichte und ihren Namen vergaß man. Sie wurde zur Ikone. Man gab ihr den Namen 'Artemisia', ein Name aus einer alten Sage. Jahrzehntelang versuchten die verschiedensten Menschen ihr Geheimnis zu ergründen, was sie dachte, was sie träumte... sie träumte... einen Traum... den gleichen Traum..."

Liebe...Hexen...Zeitkompression...
Rinoa schwebte alleine hilflos im Weltall. Sie spürte, wie ihr Atem immer kürzer wurde... doch sie wusste... er würde kommen... Squall würde kommen und sie retten... aber... dann wurde ihr klar... Er kam nicht... Er war tot...
Sie spürte, wie ihr die Luft ausging... Sie würde immer wieder als Leiche durch das All schweben... Schließlich war keine Luft mehr da... die Finsternis umgab sie... dann brach das Glas auf... die Kälte des Weltalls kam an ihr Gesicht... doch sie starb nicht... sie war eine Hexe und musste ihre Kräfte vererben... sie konnte nicht vorher sterben... das Glas setzte sich zusammen... es begann von vorne...

"Dieser einsame Traum begleitete sie durch die Äonen. Immer wieder der gleiche Traum... wie ein böses Gebet. Sie vergaß, wer sie war...
Erst nach Jahrtausenden... hörte sie meine Stimme. Sie hatte eine Vision... der Traum ging weiter. Zum ersten Mal wiederholte sich der Traum nicht, sondern wurde fortgeführt..."

... sie konnte nicht vorher sterben... sie spürte, wie der Planet sie in ihren Bann zog. Sie stürzte auf den Planeten zu und kam in die Atmosphäre. Sie spürte das Feuer und die gewaltige Hitze. Sie schrie in Schmerzen auf, aber sie verglühte nicht. Und in diesem gewaltigen Schmerz hatte sie eine Vision... Die Welt in Flammen... Das, was ihr eine Zeitkompression nennt...


Der brennende Schmerz wurde größer, sie drängte die bösen Kreaturen zurück, die sie verschlingen wollten, doch sie wurden immer stärker... bis sie ein kaltes Feuer in ihrer Brust fühlte. Sie schrie auf.
Ein blaues Licht strahlte aus ihrer Brust heraus. Die Dämonen wurden zurückgedrängt... Vor ihr lag eine neue Welt, eine Welt des Friedens, eine Welt der Liebe...
"Nun hast du die Macht... Steh auf und geh zum Spiegel, um dein wahres Antlitz zu sehen", sagte die Gestalt.

"Auf einmal gab es auf der Welt eine Sensation. Das legendäre Mausoleum war explodiert... und die legendäre Artemisia war weg! Sie war am Leben... und wanderte auf der Welt herum... Sie war auf der Suche nach mir.
Sie besaß keine wirklichen Erinnerungen mehr, nur noch Gefühle. Die Zeit hatte sie verändert. Ihre Haut war jung, doch ihr Haar war grau. Ihre Kleidung war verrottet. Sie schlüpfte in ein neues Aussehen.
In einem Fluss fand sie mich in einem magischen Stein, in dem mich Zebarga so lange zuvor eingesperrt hatte. Sie befreite mich und nahm meinen Geist in sich auf.
Diese vollkommene Macht, die sie nun besaß, wirkte sich auf ihren Körper aus. Ihre Augen wurden gelb.
Wir beide in perfekter Fusion machten uns die Welt Untertan und errichteten ein stolzes Schloss... Doch dann wollte sie mich nicht mehr. Sie hatte ihre eigenen Pläne..."

Artemisia stand auf der Spitze ihres Schlosses und würgte etwas heraus. Es war die Flüssigkeit von Hyne. Sie schoss einen Strahl reinster Macht auf ihn. Hyne explodierte in einer gigantischen Explosion aus blauen Flammen. Fast sämtliche Lebewesen wurden vernichtet und hinterließen eine karge Landschaft.

"Ich wusste, ich muss sterben... doch ich wurde von der Göttin selbst vernichtet... und sie machte aus mir etwas viel Besseres. Sie verwendete mich als Medium und schuf aus mir mit einem alten Anhänger das Symbol der Macht, 'Griever'.
Artemisia wurde unter dem Einfluss dieser mächtigen Bestia, die das Nichts und die Macht so verkörperte wie nichts anderes, fast identitätslos. Sie wartete auf den Untergang und ihre Wiedergeburt als 'Aomes Trianirea'. Und gerade Squall sollte den ihr geben.
Ihr habt sie dreimal geschlagen. Und dann, ganz am Ende, starben wir beide wieder vereint und sie konnte endlich als die fabelhafte Göttin wiederauferstehen. Die 'Aomes Trianirea' war geboren. Und am Ende der Welt wurde sie glorios vernichtet. Danach wurde das heilende Vernichtungswerk in Bewegung gesetzt und sie konnte dem Ursprung endlich die Energie geben, den er brauchte, um zu gedeihen. Ohne der Energie, die bei ihrem Tod freigesetzt wurde, hätte es am Anfang der Zeit nie zu einem Urknall kommen können. Das Licht und die Dunkelheit wären bis in alle Ewigkeit in Harmonie geblieben."
Hyne atmete tief ein. Squall hatte sich zusammen gekrümmt an die Wand gelehnt und murmelte:
"Es gibt euch nicht, es gibt keine Monster, ich glaub nicht an euch, ich bin ein freier Mensch..."
"Nicht in diesem Fall, SL", schrie Hyne.
Squall sah hoch.
"Du hast es längst bemerkt. Wenn Rinoa nicht ihr Schicksal erfüllt... würde es unsere Welt nicht geben. Die Galaxis wäre nie geboren worden... siehe hin! Das hat dir dein Alphega nie gesagt. Der Lebensbaum hat eine Wurzel und verzweigt sich... und er hat eine Krone... nur eine. Und die endet mit dem Untergang!", sagte Hyne triumphierend und deutete auf den Lebensbaum, dessen Spitze nun erreicht war. Alle Fäden liefen auf einen Punkt zusammen.
Hyne kniete sich vor dem murmelnden Squall hin.
"Squall, hilf mir. Ich bitte dich. Lass uns unser Schicksal erfüllen. Ich gebe dir etwas Zeit. Und dann... dann werde ich dich wieder ins Leben lassen... und du kannst bei uns in der Zitadelle einkehren... mit Adryan. Du hast dich sowieso bei uns immer wohler gefühlt, als bei denen. Ich gebe dir etwas Bedenkzeit", flüsterte Hyne und winkte jemanden, der von hinten herantrat. Es war der Butler.
"Sir, hat ihnen das Essen geschmeckt?", fragte er freundlich.


"Ich hab überall nach ihr gesucht, sie ist weg", sagte Cifer grimmig zu Edea.
"Aber die Sonne ist bereits aufgegangen und die Gäste warten schon. Wir müssen langsam mit der Bestattung anfangen. Ich war vorhin vielleicht etwas harsch mit ihr", antwortete sie.
"80 Prozent der Gäste kannten ihn nicht mal. Und dieser Arsch mit dem Zahnstocher... irgendwie hat Squall diesen Abgang nicht verdient", knurrte Cifer.
Edea nickte geistesabwesend.
"Rinoa, was hast du nur angestellt?", flüsterte sie.

Rinoa streckte ihr Schwert in die Höhe. Die Unruhe wurde geordnet, das Böse zurückgedrängt, sie fühlte sich frei, eine neue Welt strömte auf sie ein. Sie war frei.
Als sie die Augen öffnete, sah sie sich in dem Raum um und fühlte die pulsierende Kraft.
"Du bist mit der Kraft erfüllt. Blicke nun in den Spiegel und versiegle sie. Wer den Weg beschreitet, das Wesen der heiligen Magie zu verstehen, der muss sie durchdringen und in sich bannen. Nur wenigen Auserwählten ist dies bestimmt. Magie zu beherrschen ist keine Spielerei, es ist eine Lebensphilosophie", sagte die Gestalt erregt.
Rinoa atmete tief ein und ging dann langsam zum Spiegel. Sie fühlte sich sicher und stark.

Die Gäste hatten sich um Squalls Bahre versammelt. Fast alle Flüchtlinge waren mehr aus Neugier als aus Trauer zu der Beerdigung gekommen.
Cifer ging schweigend zu Laguna, der neben Ellione stand und still weinte. Cifer umarmte ihn kurz und heftig und stellte sich dann neben ihn. Ein paar Leute weinten. Zu Cifers Überraschung waren darunter auch Menschen, von denen er nie gedacht hätte, dass Squall ihnen etwas bedeuten würde, unter anderem ein kleiner Junge, der Nimbley hieß. Cifer hatte ihm erst vor kurzem die Todesnachricht seines Bruders überbringen müssen.
Unter den anwesenden Politikern sah es ganz anders aus. Während die Trauer auf Bail Organas Gesicht glaubwürdig schien, hatte der Typ mit dem Zahnstocher, der Kitisas Geschäfte übernommen hatte, ein professionelles Beerdigungsgesicht aufgesetzt und seine Augen verrieten Cifer, dass er sehr gelangweilt war.
Edea blickte etwas unruhig zu Cid und flüsterte dann: "Okay, fangen wir an!"
Cid nickte und reichte dann Edea eine Fackel. Sie schritt langsam zur Bahre, die mit Holzscheiten belegt war.
Niemand sah die klitzekleine Schweißperle auf Squalls Stirn...

Er fühlte sich, als würde er auf einem harten Boden liegen...
Er riss die Augen auf und sah, dass er an eine Art Bett gekettet war. Jeder Atemzug fiel ihm schwer. Er fühlte sich, als würde er ersticken.
Er hörte ein paar Schritte...Alphega war zu ihm herangetreten.
"Wie ich sehe, hat Hyne seine Prozedur mit dir durch. Ich bin dir zumindest dankbar, dass ich im Gegensatz zu Prokylta und Zebarga überhaupt noch hier stehen darf. Die haben mich sofort ausgesperrt", sagte er.
"Ich steh auch kurz davor. Aber wahre Liebe rostet nicht, sagt man das nicht?", sagte Squall mühsam.
Alphega lächelte leicht.
"Ich sterbe gerade, oder?", fragte Squall.
"Du stehst kurz davor. Glaube mir, es ist besser so, mein Freund. Ich will dich nicht am Leben zerbrechen sehen. Ich habe dir meine Träume aufgebürdet... Verzeih mir, ich hätte wissen müssen, dass das nicht geht. Das ewige Wiederholen des Gleichen... anscheinend ist das unser Schicksal", meinte er.
"Hyne hat dich also auch herumgekriegt und überzeugt?", fragte Squall spöttisch.
"Die Lebenden haben dich schon abgeschrieben. Rinoa anscheinend auch. Sie ist sehr nah an der eigentlichen Erfüllung ihres Schicksals dran. Gib einfach Ruhe, Squall. Gleite hin. Du würdest nur an der Realität scheitern und verbittert wie Hyne werden und schließlich zum Tyrannen werden..."
"Das weißt du doch gar nicht! Tyrann, Erlöser... Wo ist denn der große Unterschied?! Hyne ist auch ein Tyrann und ein Erlöser...", sagte Squall.
"Du hattest dein Leben lang Angst vor Monstern. Jeder hat das. Doch Rinoa und Hyne... sie werden zu den größten von allen, um keine Angst mehr zu haben. Wie willst du mit einem Monster wie Rinoa leben?", fragte Alphega.
"Indem ich meine Angst besiege und akzeptiere, dass gerade die Monster Hilfe brauchen", sagte Squall entschlossen.
Alphega lächelte sanft. Eine Träne rann über sein altes Gesicht.
"Du bist ein wunderbarer Mensch, du leuchtest förmlich. Aber du kommst hier nicht alleine raus. Die anderen sind blind für den Zustand der Welt. Nur dein Gegenpart, Rinoa, kann dich noch rausholen. Wenn sie das ist, was du glaubst, dann kommt sie. Aber ich bezweifle das", sagte Alphega.
"Sie wird kommen. Rinoa wird kommen!", sagte Squall.


Rinoa stand vor dem Spiegel. Das Blut pulsierte in ihren Adern. Sie spürte die Vergangenheit. Magische Stimmen flüsterten ihr zu. Sie war eine vollkommene Hexe... Sie hatte die Macht.
Sie blickte in die Tiefen des Spiegels... und erschrak.
Sie blickte in das Gesicht eines Monsters. Es hatte stechend gelbe Augen. Rinoa zog ihr Schwert, das Monster tat es ihr gleich. Rinoa zögerte.
"Schlage zu und versiegle die Kraft", zischte die Gestalt.
Sie hob langsam ihren linken Arm. Das Monster tat es ihr gleich... Sie war das Monster.
War sie ein Monster geworden...?
Sie fühlte, wie sie sich beruhigte... Dann hörte sie eine Stimme...
"Rinoa...."
"Squall!"
Sie schreckte herum. Sie fühlte ihn... er war da draußen.
"Er ist nicht tot... er schläft..."
Rinoa ging vom Spiegel weg und Richtung Ausgang.
"Rinoa, gehe nicht, dies sind falsche Stimmen! Du stehst kurz vor der ultimativen Macht! Du bist kurz davor, eine Hexe zu werden", sagte die Gestalt flehend.
"Ich muss zu Squall. Ihm bin ich Hexe genug. Und das ist auch mir genug!", sagte Rinoa.
"Rinoa..."
"Verpiss dich! Ich hätte niemals jemandem trauen sollen, der sein Gesicht nicht zeigt. Geh... bitte... Danke, dass du mir diesen Weg zeigen wolltest, aber das ist nicht mein Weg... Gehe mir bitte aus dem Weg. Ich muss zu ihm, verstehst du?", sagte Rinoa.
Die Gestalt seufzte und setzte dann ihre Kapuze ab.
Sie blickte Hyne in die Augen.
Sie öffnete ihren Mund... Die Gestalt verwandelte sich... Es war der Philosoph... Es war Prokylta... Es war Artemisia... Die Gestalt verwandelte sich in Staub.
Rinoa sah kurz den Staub an und beobachtete, wie er vom Wind in alle Richtungen verweht wurde, und begann dann zu rennen.

"Sie kommt! Sie wird kommen, ich fühle sie...", flüsterte Squall.
"Es ist zu spät", sagte Alphega.
"Nein! Alphega, bitte... es ist nicht zu spät!", sagte Squall und sah den alten Mann flehend an.
"Und dann wirst du weiterkämpfen? Weiter töten?", fragte Alphega.
"Nur bis meine Familie sicher ist!", sagte Squall.
"Und wann ist das? Wenn Hyne tot ist, wann kommt das nächste bedrohliche Phantom? Wie lange willst du noch Angst vor Monstern haben? Bis du Rinoa getötet hast? Wie lange soll dein Kreuzzug weitergehen?
Willst du zu Hause sitzen und eine Waffe auf die Tür gerichtet halten, um jede mögliche Bedrohung abzuknallen?", fragte Alphega wütend.
Squall sah ihn an.
"Nach Hynes Tod... kannst du mein Schwert haben. Danach... wenn er tot ist... Für das, was danach kommt, brauche ich kein Schwert mehr!", sagte Squall.
"Du willst mit Rinoa und Adryan ohne Abenteuer weiterleben. Das ist doch schon einmal schief gelaufen", sagte Alphega.
"Aus Fehlern lernt man, oder? Alphega, ich darf jetzt noch nicht sterben! Bitte..."


"Und damit übergebe ich Squalls Überreste der Ewigkeit!", sagte Edea und senkte die Fackel zum Holz.
Cifer schloss seine Augen. Hier starb er nun... der Mann, den er am meisten bewundert hatte...
Es gab einen heftigen Windstoß und ein verlegendes Husten.
Cifer öffnete die Augen. Anscheinend hatte der Windstoß die Fackel ausgeblasen...
"Ähm, hat jemand Feuer?", fragte Cid unsicher.

Die Sonne ging im Westen imposant auf und leuchtete die Zitadelle von Hyne an, doch Rinoa rannte so schnell wie sie noch nie gerannt war...
In der Ferne kam das Waisenhaus näher und näher...

"Wie gut, dass ich immer einen kleinen Anzünder in der Tasche habe", sagte der hilfsbereite Graf Thomasa und erleuchtete die Fackel zu neuer Pracht.
"Nun gut, wenn wir dann fortfahren könnten...", räusperte sich Kitisas Nachfolger, während er seinen Zahnstocher bedrohlich kreisen ließ.
Edea schoss ihm einen giftigen Blick zu und meinte dann:
"Hiermit übergebe ich... jetzt wirklich Squalls Überreste der Ewigkeit!"
"NEIN!!!"
Rinoa kam angerannt. Sie schoss einen kurzen Wasserzauber auf die Fackel ab, die sofort erlosch.
"Rinoa... was..."
Das Murmeln der Anwesenden wurde lauter.
"Squall... er ist noch am leben...", sagte sie außer Atem.
"Rinoa... bitte... wir hatten...", seufzte Edea.
Rinoa kniete sich unter dem peinlichen Flüstern der Anwesenden über Squall und streichelte ihm die Stirn.
"Er ist noch hier, ich weiß es", sagte sie.
Dann küsste sie ihm lange auf den Mund.

Squall hörte, wie eine Tür aufgemacht wurde. Jemand hatte den Raum betreten. Er sah nach oben... Rinoa.
"Komm mit", sagte sie mit einer Handbewegung.
Die Ketten lösten sich von Squall und er fühlte die Wärme in seine Glieder zurückfahren.
Er stand mit Rinoa auf und umarmte sie.
Dann ging er mit ihr zur Tür und warf noch einmal einen letzten Blick auf Alphega.
"Dies war unsere letzte Begegnung, Squall. Das nächste Mal sehen wir uns erst wieder, wenn du tatsächlich das Zeitliche segnest", sagte Alphega.
"Das dauert hoffentlich noch eine Weile", meinte Squall.
"Und wie willst du ihr die Wahrheit beibringen?", fragte Alphega.
"Das überlege ich mir noch... Ich bin ja ein freier Mensch", sagte Squall.
"Pass auf dich auf... Du warst mein bester Schüler... Lebe wohl... mein Kind der Freiheit", sagte Alphega wie ein stolzer Vater.
Rinoa führte Squall durch die Villa geradewegs zum Ausgang zu.
Kurz vor dem Eingang stand Hyne und applaudierte mit einem sarkastischen Lächeln.
"Dann eben nicht", meinte er schulterzuckend.
Am Eingang wartete der Butler.
"Auf Wiedersehen, Sir, bis zum nächsten Mal", meinte er mit einer Verbeugung.
"Darauf würde ich nicht wetten ", sagte Squall und trat mit Rinoa durch die Eingangstür ins Licht...


Er spürte ihre warmen Lippen.
Er küsste...Rinoa.
Er öffnete seine Augen, sah in ihr lächelndes warmes Gesicht und atmete heftig die kühle Morgenluft ein.
Er hörte ein Kreischen von umstehenden Leuten. Anscheinend hatte man ihn wirklich beerdigen wollen.
Langsam erhob er sich und stellte sich langsam auf seine beiden Beine. Sie fühlten sich irgendwie taub an... aber wenigsten saß er nicht im Rollstuhl wie beim letzten Koma.
Aus den Augenwinkeln sah er, wie Graf Thomasa in Ohnmacht fiel.
Dann fühlte er etwas... Er fühlte, wie seine Sinne schwächer wurden. Er fühlte, wie die Gedanken der anderen aus seinem Kopf verschwanden, er spürte, wie seine Seele zu seinem Körper zurückkehrte... und wie diese mysteriöse Welt, in die er hinabgetaucht war, ihre Pforten verschlossen hatte...
"Kommst du?", fragte Rinoa.
Squall nickte und machte einen ersten Schritt...
Es war als würde er einen Ort verlassen, an dem er lange gewesen war. Irgendwie traurig...
Aber dann... dann fühlte er auf einmal was Neues. Er spürte diese Welt... Sie war in ihm. Sie war da und er wusste es... Er lebte nicht in ihr, er lebte in einer anderen Welt... in der Realität... und dennoch war sie ein Teil von ihm. Und ab da wusste er, dass er keine Angst mehr haben brauchte...
"Squall? Ist alles in Ordnung. Du siehst so unnatürlich... ruhig... aus", meinte Xell.
"Ja, es geht mir gut", antwortete Squall und lächelte.
Er suchte die Menge ab und entdeckte Adryan in Ells Händen. Er schritt auf ihn zu, aber seine Blicke hafteten auf Cifer und Laguna. Ohne ein Wort zu sagen drückte er beide Männer fest an sich und sie erwiderten die Geste.
"Es ist schön, wieder da zu sein", flüsterte er ihnen ins Ohr.
Ihr Schweigen sagte mehr als alle Worte der Welt.

Es hatte sich einiges verändert. Squall war von Rinoa in die verschiedensten Entwicklungen eingeweiht worden. Die Flüchtlinge hatten seine sprichwörtliche Rückkehr von den Toten als ein Symbol der Hoffnung gesehen und flüsterten nun, er sei ein Messias. Unterm Strich ein Grund, sich in die privaten Gemächer zurückzuziehen.
Squall blickte auf die gewaltige Zitadelle und wusste, dass sich dort irgendwo Hyne verborgen hatte und in seinen rauschhaften Visionen schwärmte... Und er wusste auch, dass er Hyne im Weg stand... und wieso...
In wenigen Tagen würde der Finalkampf beginnen. Doch Squall wusste, dass danach erst die wirklichen Probleme beginnen würden...
"Eigentlich will ich nur leben... mit Adryan und dir. Aber ich werde das nicht in Ruhe machen können, solange Hyne da draußen ist und die Welt in Schutt und Asche legt. Wir sollten den anderen bei ihrer Offensive helfen", sagte Squall entschlossen.
Rinoa nickte langsam, während sie Adryan stillte.
Squall sah die Frau an, die er liebte. Die Mutter seines Sohnes. Doch er sah nicht nur Rinoa... er sah auch die Gesichtszüge von Artemisia.
"Wollen wir nach draußen gehen?", fragte sie schließlich.
"Ja, lass uns gehen", meinte er.
Sie erhob sich lächelnd und ging zur Tür...
"Rinoa, ich muss dir etwas sagen!"
Rinoa drehte sich um. Squall dachte nach...
"Ich liebe dich...", meinte Squall.
Rinoa lachte ihn an.
"Ich liebe dich auch... Kommst du?", fragte sie.
"Geh schon mal vor, ich bin in einer Minute da."
Squall sah Rinoa noch lange nach und erhob sich erst, als weit mehr als eine Minute vergangen war.