Vor dem Präsidentenpalast in Deling-City herrschte stets reger Betrieb. Viele Touristen und auch Bewohner der Stadt sahen sich den Palast immer wieder gerne von außen an und nahmen an zahlreichen Führungen teil. Viele von ihnen erhofften sie sich, einen Blick auf Cecil Kitisa erhaschen zu können, der sich gelegentlich an den Fenstern zeigte.
Etwas weiter weg parkte ein Auto, dessen Insasse sich nicht für die Souvenirs oder die Führungen interessierte.
Carvin beobachtete nun schon seit Stunden einen kleinen Nebeneingang des Palastes. Eine Quelle hatte ihm verraten, dass Gareth Balmung im Laufe des Tages den Palast verlassen würde. Der Mann, der sich Gareth Balmung nannte, korrigierte sich Carvin.
Also hatte sich Carvin vor dem Palast platziert und aß nun gerade den letzten Bissen seines Sandwiches. Er hatte sich ein komplettes Konzert einer Rockband angehört, sowie drei Stunden den Kultursender gelauscht. Nun war er allerdings der Meinung, dass er sich genug weitergebildet hatte und war gerade dabei, auf einen Nachrichtensender umzuschalten, als jemand das Haus verließ.
Carvin hatte in erstaunlicher Geschwindigkeit eine kleine Kamera aus seiner Jackentasche gezogen. Ein Mann stieg zügig die Treppen herab und ging dann in sehr flottem Tempo in Richtung Einkaufsstraße. Er trug einen Hut, den er sich so weit ins Gesicht gezogen hatte, dass Carvin unmöglich ein brauchbares Foto schießen konnte.
"Wär ja auch zu schön gewesen", murmelte Carvin und stieg aus dem Auto aus.
Die frische Luft war nach dem stickigen Auto genau das richtige und auch Carvins Beine schrien vor Erleichterung auf, als sie sich endlich wieder bewegen durften.
Der Mann ging locker durch einen Straßenmarkt und blieb vor einem der Stände stehen, die allerlei Krimskrams verkauften. Carvin lief, ohne seine Schritte zu verlangsamen, an ihm vorbei und blieb an einer Schaufensterscheibe stehen, wo er die Reflexion des Mannes dabei beobachtete, wie er sich einen Apfel kaufte.
Der Mann ging hinter Carvins Rücken vorbei und bog in eine Nebenstraße ab, während er seinen Apfel aß.
Die Straße führte in eine der verruchteren Gegenden von Deling-City, wenn man das überhaupt sagen konnte. Deling-City war stets eine pulsierende Stadt voller Leben gewesen und man hatte hier jede Lebensweise toleriert. Wie diese Menschen einst Diktatoren wie Deling wählen konnten, war Carvin bis heute ein Rätsel.
Der Mann betrat ein Bordell. Man ließ ihn sofort eintreten; anscheinend war er hier Stammgast.
Carvin wartete zwei Minuten und klopfte dann an die Tür. Eine leicht bekleidete Frau mit tiefen braunen Augen öffnete ihm.
"Hallo. Du bist zum ersten Mal bei uns, oder? Komm rein, dann geben wir dir eine Mitgliedskarte", meinte die Frau mit einer verführerischen Stimme.
"Ich habe bereits eine", gab Carvin trocken zurück und zückte einen gefälschten Polizeiausweis. Die Dinger waren stets sehr praktisch gewesen.
Die Frau zuckte zurück. Er nutzte ihre kurze Unsicherheit, verschaffte sich Zutritt und sah sich um. Ein paar Frauen unterhielten sich, während eine andere mit ein paar hochroten Teenagern quatschte. Doch von Gareth Balmung keine Spur.
Zwei muskulöse männliche Angestellte schienen über Carvins Auftreten nicht erfreut und gingen bedrohlich auf ihn zu, doch Carvin zog seinen Mantel zurück und gestatte ihnen einen Blick auf seinen Revolver, was sie deutlich weniger aggressiv werden ließ.
Ohne weiter abzuwarten, stieg Carvin die Treppe hoch, die zu den Zimmern führte. Er musste unbedingt ein Foto von diesem Mann machen. Doch wo war er? Carvin versuchte, das Gestöhne aus den Zimmern zu ignorieren und wanderte den Flur lang... da.
Eine Tür stand einen Spalt weit auf. Carvin hörte eine Frauenstimme, doch er hatte wetten können, dass sie keiner Prostituierten gehörte.
"Hätten wir uns nicht an einem besseren Ort treffen können?", fragte sie.
"Tut mir Leid, aber ich kenne den Laden gut. Hier werden kaum die Leute der Sekte verkehren. Sex ist bei Aomes Trianirea mit schweren Strafen verbunden und ein Bordell, welches auch homosexuelle Gelüste befriedigt, sowieso. Darauf steht die Todesstrafe. Wenn uns einer der Sektentypen überhört, wird er nicht darüber Bericht erstatten können, ohne seinen Kopf zu verlieren", antwortete der Mann.
"Wie dem auch sei, Sie sind also von der Regierung?", fragte die Frau.
"Mein Name ist Gareth Balmung und ich habe vieles gesehen und will darüber berichten. Die Wahrheit muss ans Licht", sagte der Mann.
"Ich verstehe. Warten Sie, ich hole nur meinen Notizblock", sagte die Frau.
Carvin hörte ein Kramen in einer Tasche, dann das Abbeißen an einem Apfels... dann ein Klicken. Ein Klicken einer Pistole!
Carvin zog seinen Revolver und stürmte in das Zimmer. Balmung stand über der Frau mit gezogener Waffe.
"Ich fürchte, Sie haben bereits genug getan, Skylar Goodsworth!", sagte der Mann.
"Waffe fallenlassen!", schrie Carvin.
"Ist das etwa... Vincent Carway, der Gründer der Waldeulen? Ich dachte immer, Orte wie dieser wären unter Ihrem Standard!", kicherte der Mann.
"Man gewöhnt sich dran! Waffe fallenlassen und langsam umdrehen", sagte Carvin ruhig.
Der Mann ließ die Waffe fallen. Die Frau namens Skylar Goodsworth sah stumm und blass der Prozedur zu. Carvin blickte in das Gesicht des Mannes. Er lächelte, als würde diese Situation vollkommen unter seiner Würde sein und hob spöttisch die Arme.
"Arme unten lassen. Ich kenne den Trick mit der Waffe im Ärmel. Und bitte weiter lächeln", sagte Carvin und schoss ein Foto.
Das Lächeln des Mannes verschwand und stattdessen trat ein wütender Ausdruck auf sein Gesicht. Dann sprang er auf einmal mit einer schnellen Geschwindigkeit nach vorne. Mit seinen Beinen trat er Carvin die Waffe aus der Hand. Dieser verlor das Gleichgewicht und landete unsanft auf dem Rücken. Der Mann sah auf ihn herunter. Er hatte Carvins Waffe aufgefangen. Licht spiegelte sich in seinen kalten grauen Augen wieder.
"Dein Versagen ist vollkommen, Vincent. Du hast Per Manum nie stoppen können, wie willst du uns dann stoppen?", fragte der Mann und lächelte.
Auf einmal taumelte er und fiel hin. Skylar erschien, ihre Handtasche haltend.
"Alles in Ordnung?", fragte sie Carvin.
Dieser fischte schnell seinen Revolver auf, doch Balmung war wieder auf den Beinen und hatte ein kleines Maschinengewehr herausgeholt.
Carvin und Skylar rannten aus dem Raum und den Flur runter, während hinter ihnen die Salven in die Wand eindrangen.
Türen sprangen auf.
"Ja wo sind wir denn hier?! Das geht ja so nicht!", brüllte einer der Gäste, ein voluminöser Mann.
"Sorry, Herr Oberstadtrat, aber wir müssen leider weiter", rief Skylar.
Die beiden eilten aus dem Bordell und rannten schnell zu Carvins Auto. Er blickte über seine Schulter und sah, dass ihnen niemand hinterherrannte.
Carvin gab Gas und aktivierte einen Kommunikator.
"Cid, ich bin's. Ich hab ein Foto von diesem Balmung. Aber wir wurden entdeckt. Hast du unsere Flucht vorbereitet?", fragte Carvin.
"Fahr die V3 raus, da holt dich dann die 'Terra' ab", kam Cids Stimme aus dem Kommunikator.
Es war Nachmittag in Esthar. Squall starrte übermüdet auf einen Monitor. Er hatte nicht sehr gut schlafen können seit ihrer letzten Begegnung mit Hyne vor zwei Tagen.
Laguna hatte sie mit einem neuen Luftschiff namens "Terra" abgeholt. Laut den Konstrukteuren war es eine weiterentwickelte Version der "Enthaupter" von Caris, doch Squall war das ziemlich egal. Laguna meinte, er würde den SEEDs zwei Luftschiffe zur Verfügung stellen, nachdem sie als offizielle Organisation nicht handeln durften, ehe die Untersuchungskommission entschieden hatte, ob die SEEDs bestehen bleiben dürften oder nicht. Parallel dazu hatte Kitisa angekündigt, ein Verbotsverfahren einzureichen... mit anderen Worten, es sah beschissen aus. Dennoch gab es ein klein wenig Hoffnung. Laguna hatte eine Konferenz einberufen, die in einem Tag in F.H. stattfinden würde und wo man ausschließlich das Vorgehen gegen Hyne besprechen würde.
Insgesamt hatte sich jedoch Squall auf etwas ganz anderes versteift. Er wusste, wo sein Sohn war, er wusste, dass Hyne ihn hatte, er wusste aber auch, dass er zu schwach war, gegen Hyne zu kämpfen und insgesamt viel zu wenig über seine Pläne und Ambitionen wusste. Er musste also Alphega finden.
Er hatte also verzweifelt in den Archiven nach Hinweisen gesucht, die ihn zu Alphega führen könnten, doch bisher war er auf nichts Brauchbares gestoßen. Dann war da noch das Amulett des Philosophen, doch dieser war verschwunden, bevor Squall Genaueres über die Funktionsweise des Amuletts aus ihm herausbekommen konnte und nach ihrer letzten etwas scharfen Begegnung fragte Squall sich, ob der Philosoph je wieder mit ihm reden würde.
Er hörte, wie die Türen sich öffneten und schlossen. Squall hörte die Absätze von Schuhen und nahm an, dass irgendeine Esthar-Angestellte ihn aus dem Archiv jagen wollte. Als er sich umdrehte, sah er zu seiner Überraschung Ellione.
"Schon was gefunden?", fragte Ell.
Squall schüttelte den Kopf.
"Es steht ne Menge über die Legende von Alphega drin. Er wird ununterbrochen mit Hyne in einem Atemzug genannt und irgendwo hab ich sogar das Wort 'Zhaban' gelesen... Aber wo er sich aufhält steht da nicht", seufzte Squall.
"Nun, im Prinzip kannst du auch nicht mehr erwarten. Er ist ein Wesen, das angeblich seit Jahrtausenden tot sein soll. Um ehrlich zu sein, frage ich mich, was er überhaupt ist. Ich meine, er ist doch ein enger Freund Hynes und war einmal Feind der Menschen. Und außerdem taucht er nur in deinen Träumen auf oder zeigt sich in merkwürdigen Visionen", sagte Ellione.
"Denkst du etwa, ich träume das alles? Immerhin hat er Cifer aus Teneralem gerettet und mich im Museum von Dollet vor Hyne", sagte Squall hitzig.
Ellione zuckte mit den Achseln.
"Du bist doch die Spezialistin dafür. Du hast uns zu Laguna geschickt. Hängt das nicht damit zusammen?", fragte Squall.
"Ich konnte euer Bewusstsein für kurze Zeit verpflanzen, aber Alphega scheint in einer anderen Dimension zu sein", gab Ell unsicher zurück.
"Und was ist mit dem hier?", fragte Squall und zeigte Ellione das Amulett.
Sie streckte ihre Hand nach dem Amulett aus, doch kurz bevor sie es berührte, zog sie sie auf einmal zurück, als hätte sie der Blitz getroffen.
"Es ist merkwürdig. Es fühlt sich an... wie damals am Mausoleum, als ich das erste Artefakt hielt und ohnmächtig wurde. Irgendwie sind sich die Dinger ähnlich. Ich wette, da ist etwas an Volunt drin. Und da wir jetzt wissen, dass Volunt das Blut von Hyne ist, frage ich mich langsam, woher dein Philosoph das hat", sagte sie langsam.
Squall schüttelte ungläubig mit dem Kopf. So würden sie nie weiterkommen. Anscheinend spürte Ellione Squalls Verbissenheit in dieser Sache, da sie sehr schnell das Thema wechselte.
"Da ist aber noch was anderes, was ich dir sagen wollte... weswegen ich eigentlich gekommen bin", sagte Ellione ernst.
Squall sah auf.
"Dein Vater Laguna wird morgen seinen Rücktritt als Esthar-Präsident bekannt geben. Ich werde als seine Nachfolgerin kandidieren und dann in ein paar Wochen versuchen, den Vorsitz des Cyclus Rates zu übernehmen. Dann haben Esthar die Mehrheit und wir können Kitisas Gesetze stoppen", sagte Ellione fest.
Squall merkte, dass ihn der Rücktritt von Laguna nicht sonderlich überraschte. Es war, als hätte er endlich einen Schritt gemacht, den er bereits vor langer Zeit tun wollte. Doch etwas anderes störte Squall mehr.
"Ellione, wäre es nicht vielleicht besser, du würdest deine Hexenkräfte stärken? Wir brauchen im Kampf gegen Hyne jede Unze Magie, die wir kriegen können", sagte Squall vorsichtig.
"Vergiss es, Squall. Ich will keine Hexe werden. Meine Fähigkeiten haben mich mein Leben lang immer behindert", sagte Ellione.
"Ell, du bist eine Adeptin und du solltest diese Kräfte nutzen", sagte Squall eindringlich.
"Es sind meine Kräfte und ich kann mit ihnen machen, was ich will. Sorry, Squall, aber meine Antwort steht", meinte Ell.
Squall sah sie lange an.
"Und Politik ist das, was du willst? Wenn du nicht vorsichtig bist, bleibt dein persönliches Glück auf der Strecke", sagte Squall ruhig.
"Persönliches Glück bedeutet nicht immer Familie. Für dich vielleicht, nicht jedoch für mich", sagte Ell.
Es gab ein kurzes Knacken. Cids Stimme ertönte aus einem Lautsprecher.
"Squall, komm mal bitte an die Anlegeplattform. Die 'Terra' ist zurückgekehrt und sie hat jemanden an Bord, der eine wichtige Info hat. Ich wiederhole..."
"... Squall bitte sofort auf die Brücke."
Der Lautsprecher knackte. Cifer stand mit dem Rücken angelehnt in einem der endlosen Flure der Esthar-Residenz.
"Wann lernt der Hampelmann endlich, dass man eine Durchsage auch nur in einen Raum durchstellen kann", sagte er zu sich selbst und sah sich zu dem auf den Boden sitzenden Jungen um. Cifer setzte sich neben ihn.
"Hier haben wir uns zum ersten Mal getroffen", meinte Cifer.
"Werd auf deine alten Tage bloß nicht sentimental. Du bist eh schon ein viel zu großes Weichei", gab Xelto zurück.
"Hey, du bist zu uns gekommen..."
Cifer brach ab, als er verblüfft feststellte, dass Xelto grinste.
"Sieh an, der Kleine hat Humor. Auch auf die Gefahr hin, sentimental zu werden, ich find's jedenfalls nett, dass du mit uns mitkommst", sagte Cifer.
"Ich studiere lediglich deinen Kampfstil, damit unser legendäres Duell fairer vonstatten geht, Cifer. Ich bin kein guter Mensch und ich werde nie einer sein", sagte Xelto.
"Rinoa muss echt Eindruck auf dich gemacht haben", kicherte Cifer.
"Sie ist eine starke Frau", meinte Xelto.
"Ja, sie ist eine tolle Frau", bestätigte Cifer.
"Und was macht sie dann mit diesem Idioten Squall?", fragte Xelto.
Cifer musste lächeln.
"Wieso hast du aufgehört?", fragte Xelto auf einmal.
Cifer musste nicht nachfragen, was Xelto meinte. Er atmete tief ein.
"Der Weg, den ich beschritten hatte... ich wusste, ich würde alles verlieren. Ich opferte fast die Frau, die ich liebte, obwohl mich alle verlassen hatten. Doch irgendwie konnte ich nicht anders. Ich ging weiter und weiter. Doch nachdem ich Rinoa Adell zugeworfen hatte... da fühlte ich mich befreit. Ich wollte... weg... raus. Ich traf meine Freunde Fu-Jin und Rai-Jin... du hättest sie gemocht... und ich wollte einfach nur raus. Sie haben mich immer so akzeptiert wie ich bin. Zuerst machten wir einen auf Harmonie, doch ich trainierte und dann..."
"Wieso hast du aufgehört?", fragte Xelto erneut.
Cifer dachte lange nach und sagte dann schließlich.
"Macht macht nicht glücklich und böse sein strengt an. Ich war viel zu sehr mit Dienen beschäftigt, sodass ich vergessen hatte, dass ich als Krieger ja eigentlich unabhängig sein wollte. Ich wollte meine Kraft für meine Überzeugungen einsetzen. Doch ich habe versagt und mich zum Hampelmann machen lassen. Doch dann habe ich dieses neue Leben gelebt. In der Wildnis, mit meinen zwei Freunden, wo man nur überlebt und in jeder Minute sich dem Kampf mit der Natur aussetzt. Doch dann ist Rinoa verschwunden und mir wurde klar, dass ich meine Kraft für sie einsetzen will. Ich liebe sie, doch sie liebt mich nicht. Trotzdem will ich sie beschützen. Das reicht für mich. Dann wurden Fu-Jin und Rai-Jin ermordet..."
Cifer brach ab. Ihm wurde in diesem Moment erst wieder mit voller Wucht klar, dass ihr Mörder neben ihm saß. Xelto schien es auch zu spüren. Er bewegte sich unruhig hin und her.
"Du hast verdammt viel Scheiße gebaut und ich hoffe für dich, dass du was daraus lernst. Ich habe jedenfalls was daraus gelernt und deswegen gebe ich dir noch mal ne Chance, Xelto. Du bist ein kluges Kerlchen, tausendmal besser als deine Geschwister. Also mach was draus", knurrte Cifer plötzlich.
"Mal sehen", sagte Xelto und stand auf.
"Für diese Sprüche habe ich keine Geduld mehr. Du hast eine richtige Entscheidung getroffen. Du kannst gut kämpfen, du hast sogar etwas Stil. Nun zeig, wieviel Herz und Arsch du hast!", sagte Cifer und stand ebenfalls auf. Er sah Xelto kurz in die Augen und ging dann. Xelto blickte ihm lange nach.
Squall betrat die Anlegehalle, nur um festzustellen, dass das Grüppchen bereits in den Konferenzraum übergesiedelt war. Nachdem er kurz auf das riesige Schiff "Terra" und ihr Zwillingsschiff "Gaia" geblickt hatte, beeilte er sich, in den Konferenzraum zu kommen.
Squall sah sofort nach Betreten des Raumes, wie Rinoa mit einem schwarzen gutaussehenden Herrn redete, der ihr sanft über die Schulter strich.
"Zanso Dorghan?", fragte Squall ungläubig, als er den Aufseher des Mausoleums wiedererkannte.
"Nicht mehr", lächelte der Mann. Er hatte eine tiefe wohlklingende Stimme und funkelnde intelligente Augen.
"Squall, dies ist mein Onkel Carvin. Vincent Carway, Gründer der Waldeulen", sagte Rinoa lächelnd.
"Sie sind Carways Bruder?", fragte Squall.
"Man sieht es mir nicht an, oder? Unsere Mutter war rabenschwarz wie die Nacht", erklärte Carvin lächelnd und Squall fühlte, wie er rot wurde.
Cid, der zusammen mit einigen SEEDs das Treffen beobachtet hatte, trat heran.
"Carvin ist ein alter Freund aus Studententagen. Wir kennen uns ewig. Ohne seine Warnung vor Caris gäbe es wohl gar keinen SEED mehr. Carvin hat eine interessante Information aus Deling-City mitgebracht, die Kitisas merkwürdiges Verhalten erklären könnte", sagte Cid und aktivierte einen Projektor. Er warf ein Foto an die Wand.
"Dies ist ein Mann, der sich Gareth Balmung nennt und in Kitisas Diensten steht", erklärte Carvin.
"Zed", zischte Rinoa.
"Das ist extrem beschissen. Kitisa wird von Black erpresst, Black arbeitet für Prokylta und Prokylta für Hyne", sagte Xell.
"Mit anderen Worten, Hyne kontrolliert den Cyclus Rat. Es scheint, dass er trotz seiner Niederlage bei der Wahl vor einigen Monaten die ultimative politische Macht hat. Vielleicht war das ja sein ursprünglicher Plan", sagte Cid.
Auf einmal sprach jemand aus dem Schatten. Es war Niko.
"Dann muss Black aus dem Weg. Prokyltas Einfluss muss geschwächt werden, Zed ist das Bindeglied zwischen der Sekte und dem Cyclus Rat. Kitisa war stets eine schwache Person. Zu seiner Zeit als Sekretär des Kriegsrates war er oft zu Besuch im Militärstützpunkt, wo ich ausgebildet wurde. Ich war einmal Galbadia-Soldat und Kitisa missbrauchte stets sein Amt. Nachdem ich diesen miesen Zustand eine Zeitlang mit ansehen musste, bin ich zu den SEEDs gewechselt. Morgen ist die Konferenz in F.H., die erste, die über den Kampf gegen Hyne geht! Wenn wir bis dahin Kitisa wieder unabhängig machen, könnten sich die Ereignisse weit mehr zu unserem Vorteil entwickeln."
"Und nach deiner tollen Militärausbildung biste zu uns gekommen und hast uns alle in den Untergang gestürzt. Brillantes Genie!", schimpfte Xell.
"Schnauze, Dincht, du hast von Taktik soviel Ahnung wie von Frauen. Nämlich gar keine", sagte Niko eisern. Xell lief hochrot an.
"Niko hat Recht", kam eine andere Stimme. Xelto war vorgetreten.
"Zed Black ist einer der ältesten Vertrauten Prokyltas und ein loyaler Diener. Er hat die komplette Timber-Invasion orchestriert und Caris in der Hand gehabt. Wenn ihr wirklich was gegen Hyne machen wollt, dann solltet ihr ihn euch vornehmen. Ohne Black ist die
Organisation geschwächt", sagte Xelto kühl.
Niko und Xelto sahen sich kurz in die Augen. Ihre Gefühle füreinander waren schwer zu lesen.
"Wir haben eh noch eine Rechnung mit Black offen. Fahren wir also nach F.H.?", fragte Rinoa.
"Wenn, dann solltet ihr euch vorher Kitisa vornehmen, Prinzessin. Black ist vielleicht noch in Galbadia", sagte Carvin.
"Gehen wir, Squall?", fragte Rinoa.
Squall schnappte nach Luft. Das passte ihm alles gar nicht so. Er wollte Alphega suchen und Hyne besiegen...
"Tja, nun..."
"Wunderbar. Squall, Rinoa und Cifer werden Kitisa befragen", sagte Cid.
Squall sah fassungslos zu Cifer herüber, der nicht anders konnte als zu lächeln.
"Ich werde auch mitgehen", erwiderte Xelto und warf einen weiteren Blick auf Niko, bevor er dann den Raum verließ.
Der Raum war dunkel und verhangen. In der Mitte stand ein Thron, doch in ihm saß niemand. Zed sah sich vorsichtig um.
"Ich bin hier!"
Zed wirbelte herum. Prokylta stand im Schatten neben einer Babywiege. Langsam ging sie auf ihn zu. In ihren Augen loderte eine brennende Wut, die er bereits seit langem nicht mehr gesehen hatte. Sie wusste es also bereits...
"Gib mir einen Grund, dich nicht zu Tode zu quälen", zischte Prokylta.
"Weil es dir die Stimmen nicht befehlen?", fragte Zed sarkastisch.
Prokylta gab einen kurzen Schrei von sich. Eine unsichtbare Kraft warf Zed rückwärts auf den Boden. Zed rappelte sich schnell wieder hoch.
"Respektlosigkeit ist nicht angebracht. Ich sehe, du hast an Selbstvertrauen gewonnen. Deine Taten in der Vergangenheit waren hilfreich. Denke jedoch nicht, dass ich in irgendeiner Weise Gnade zeigen werde. Du warst genauso gnadenlos zu mir. Du wurdest gesehen von diesem Vincent Carway. Damit ist dein Posten da nicht mehr tragbar!", sagte Prokylta.
"Ich kann nichts daran ändern, Herrin. Ich wollte die Goodsworth beseitigen und diesen Carvin mit. Es ist fehlgeschlagen, auch mir passieren Fehler", meinte Zed und zuckte die Schultern.
"Sei nicht so gleichgültig. Du kannst froh sein, dass der Schöpfer meditiert, sonst wären wir beide vielleicht tot. Wenigstens hast du bereits einen guten Teil seiner Minister ausgetauscht", zischte Prokylta und sah ängstlich zu einer großen Tür am Ende des Raumes.
In der Babywiege fing jemand an zu schreien. Prokylta huschte zu ihr rüber und nahm Adryan in die Arme und wiegte ihn sanft. Zed beobachtete die Szene und schüttelte den Kopf.
"Was ist bloß aus der stolzen Prokylta, der mächtigen schwarzen Königin, die den Raum beherrschte, geworden? Nur eine weitere ängstliche Dienerin des Schöpfers. Hat dich Rinoa so weichgekocht? Oder ist es dieses Kind, dieser dreckige Bastard?", fragte Zed und deutete mit Verachtung auf das Baby.
Prokylta sah ihn ruhig an.
"Ich habe immer noch meine Visionen. Artemisia wird stark genug sein, Hyne zu vernichten und dann werden wir an unserem Ziel sein", sagte Prokylta ruhig.
Zed sah sie ungläubig an. Prokylta musste es gemerkt haben. Sie legte Adryan, der wieder eingeschlafen war, in die Wiege zurück.
"Geh nach F.H. und mache eine Kopie von Dodonna. Wir brauchen jede Stimme, die wir kriegen können. Wenn wir die Konferenz sabotieren, kannst du dich vielleicht rehabilitieren. Nimm das Triumvirat mit. Geh schnell, die SEEDs sind sicher schon auf dem Weg nach F.H.", sagte Prokylta.
Zed nickte und machte dann Anstalten, den Raum zu verlassen. Kurz vor dem Ausgang sah er sich noch einmal um. Er sah Prokylta über die Wiege gelehnt, ein leises Lied summend. Etwas bewegte sich in Zeds Herzen, als ob ein Muskel kurz aufzucken würde, wie eine ferne Erinnerung. Doch dann war der Moment vorbei.
So behielt Zed Prokylta in Erinnerung. Ohne Aggression, ohne Wut, leise ein Lied für ein Baby singend. Er hasste sich für diese Erinnerung, für dieses widerliche Bild.
Zed verließ kopfschüttelnd das Zimmer und sollte Prokylta nie wieder zu Gesicht bekommen...
Das Aufheulen der Motoren der Terra durchbrach das nervöse Gebrabbel der SEEDs auf dem Schiff. Squall war gerade durch die Flure geschlendert und hatte sich das Schiff genauer angesehen. Schnell reduzierte sich das Jaulen zu einem leisen Brummen. Es gab einen kleinen Ruck und man spürte, dass das Schiff festen Boden verlassen hatte. Durch ein Fenster beobachtete Squall, wie das Schiff langsam aus dem Hangar glitt. Für einen kurzen Moment sah er die Strahlen der Abendsonne, die auf Esthars glatten Häuserdächern reflektierte, bevor das Schiff an Fahrt aufnahm und die Hauptstadt hinter sich ließ. Ein paar Meter später lag unter ihnen nur noch das gewaltige endlose Meer, das immer kleiner wurde, je mehr das Luftschiff an Höhe gewann.
Das Innenleben der Terra war sehr schön und hervorragend für eine neue Operationsbasis geeignet. Neben einem gewaltig lauten Maschinenraum gab es Schlafsäle, Aufenthaltsräume, einen Konferenzraum, eine große Brücke und einen Trainingsraum, in den Xelto und Cifer sich sofort verschanzt hatten.
Squall hatte schnell einen kleinen Raum für sich und Rinoa entdeckt.
"Ich denke, wir können uns den kurzen Abstecher erlauben. Teneralem und die andere Insel werden ständig überwacht. Sobald Hyne da ankommt, wissen wir Bescheid", meinte Rinoa.
"Als ob wir etwas dagegen tun könnten", gab Squall zurück.
"Immerhin haben wir jetzt dank Xelto einen 'Hyne Detektor'."
"Indem wir die Volunt Reaktionen messen? Na ja, bisher sieht man nicht viel", sagte Squall.
"Ein gutes Zeichen, er hält sich bedeckt. Es wird funktionieren. Schließlich war Volunt einst ein Teil von Hyne und allein Hynes Präsenz hat auch die anderen Teile, wie die Lacrima aktiviert, wieso sollte das Metall nicht reagieren, wenn er sich bewegt?", sagte Rinoa.
"Ich traue Xelto nicht. Wir haben gerade erst den Fehler gemacht, einer angeblich übergelaufenen Person zu trauen", sagte Squall und sah Rinoa an.
"Sie wird dafür bezahlen. Genauso wie Black. Wenn wir ihn haben, wird er uns schon verraten, wo sich Adryan aufhält", meinte Rinoa auf einmal kalt.
Squall sah sie kurz an und blickte dann auf den Boden. Dann holte er aus seiner Tasche das Amulett heraus.
"Mich würde viel lieber interessieren, wo Alphega ist. Ohne ihn ist jeder Kampf sinnlos", murmelte Squall.
"Hast du mal probiert, die Kette anzulegen?", fragte Rinoa mit hochgezogenen Augenbrauen.
"Hm, ich bin nicht mehr so der Kettenfan", murmelte Squall und legte sich widerstrebend die Kette um. Squall meinte, dass die beiden Ovale vielleicht etwas intensiver im Licht schimmern würden, aber vielleicht auch nur Einbildung. Ansonsten passierte nichts.
"Scheint nicht gerade umwerfende Wirkung zu haben. Vermutlich muss man sie in irgendein Schlüsselloch stecken und dann öffnet sich eine mysteriöse Tür. Na ja, wie es eben immer so ist", sagte Squall.
Rinoa antwortete irgendetwas, doch da Squall genau in diesem Moment laut Gähnen musste, verstand er sie nicht.
"Puh, irgendwie bin ich tierisch müde. Hab schlecht geschlafen", murmelte Squall.
"Dann leg dich hin. Wir sind eh erst in zwei bis drei Stunden da", meinte Rinoa und verließ den Raum.
Squall warf sich auf das Bett. Auf einmal war er so müde, dass er sich kaum in der Lage sah, seine Schuhe auszuziehen. Kaum hatte er mit seinem Kopf das Kissen berührt, wurde alles schwarz.
Vor ihm lag der endlose Weltraum. Farbstreifen und Supernovae flogen an ihm vorbei. Ein Planet schob sich vor ein gleißendes Licht und verfinsterte das Bild etwas und wurde von hinten angestrahlt. Er drehte seinen Kopf in alle Richtungen. Fantastische Farbspiele aller Art tanzten vor seinem Auge, dennoch war die Schwärze des Raumes allgegenwärtig. Auf einmal kam etwas an sein Ohr. Gesänge, himmlische Gesänge. Es waren keine Stimmen, es waren Töne, wie er sie noch nie zuvor gehört hatte.
Er wollte zu diesen Tönen. Die Farben zogen an ihm vorbei. Er reiste durch das Universum, nur in dem er zu diesen Stimmen wollte. Sie wurden lauter und klarer. Doch dann erschien etwas am Horizont...
Das Schwarz hörte auf... etwas erschien im Schwarzen. Es war Feuer. Kaltes blaues Feuer. Es brannte am Universum, es wollte es verzehren. Ihm wurde klar, dass die Töne Schreie waren, schöne aber traurige Schreie des Schmerzes. Das Feuer loderte aggressiv und nagte an den Farben und verzehrte sie... Ihm fiel auf, dass sich nichts bewegte, alle Planeten und Farben verharrten. Das Feuer schlug höher, doch dann geschah etwas. Er fühlte sich, als würde irgendetwas ihn auseinanderziehen. Die Planeten bewegten sich weiter, die Farbmuster verteilten sich etwas und wurden blasser... das Feuer wurde zurückgedrängt. Es loderte heftiger, als wolle es protestieren. Die Gesänge schrien in Freude und Trauer auf. Alles bewegte sich, alles wurde blasser. Doch die Farbmuster, die bis jetzt getrennt waren, vermischten sich durch ihre Ausdehnung und bildeten neue intensive Konstellationen. In mitten von zwei Supernovae gab es eine Explosion und ein vollkommen neues Muster entstand.
Er versuchte, durch das gewaltige Feuer zu schauen. Etwas war dahinter. Etwas, das alles einsog. Er fühlte, wie er näher an das Feuer herangezogen wurde... es würde ihn verzehren, es würde ihn zerreißen und er würde nie wieder sein.
Doch etwas hielt ihn zurück. Als ob ihn jemand von hinten an den Kragen packte... es war ein warmer Klang. Unter ihm erschien eine Insel des Lichts. Er landet sanfte drauf und stellte fest, dass der warme Klang von einem Wesen stammte. Der Klang hörte auf und das Wesen schloss seinen Mund.
Alphega stand etwas weiter weg von Squall, öffnete die Augen und lächelte. Er schien mit dem Licht verwachsen zu sein und war ganz mit ihm bedeckt und gekleidet.
"Dies, Squall, ist die Grenze des Universums. Hinter dem blauen Feuer liegt das Nichts, dass in jedem Moment zurückgedrängt wird. Das Einzige, was das Nichts zurückdrängen kann, ist ungebändigter Lebenswille. Dafür muss sich jedoch das Universum ausdehnen und an Intensität aufgeben", sagte Alphega.
"Die verschiedenen Teile gehen auseinander?", fragte Squall ungläubig.
"Ja. Das Verteilen der Energien des Universums nennst du Zeit. Wie ein zusammengeknüllter Teppich, der auseinandergezogen wird. Das bedeutet Leben. Das Leben ist voller Abschiede. Vor langer Zeit war alles auf einem Punkt, alle waren zusammen. Aber so entwickelt sich nichts. Nun geht alles auseinander, aber auch neue Paare bilden sich. Dies ist die Philosophie des Lebens", sagte Alphega.
"Das blaue Feuer. Ist es das Feuer, dass Hyne immer beschwört?", fragte Squall.
"Ja. Dies ist die kalte verbrennende Flamme des Nichts. Dort wo Sein und Nichtsein aufeinandertreffen, da ist sie und versucht alles Sein zu vernichten. Hyne will alles vernichten, er hat das Böse, das Nichts, in sein Herz gelassen. Er will jene erwecken, die ihm diese Kraft geben kann. Artemisia, die letzte Hexe, wird stärker sein als Hyne und diese Kraft haben. Ihre Sehnsucht nach der Urform des Universums treiben sie an. Sie will nichts vernichten, sie will alles in den Urzustand versetzen. Sie nannte das Zeitkompression", sagte Alphega.
Squall hörte auf die traurigen Stimmen.
"Wer sind sie?", fragte Squall.
"Sie trauern um den Abschied und freuen sich über Begegnungen. Sie sind die Zhabanen, die Seele des Universums. Das Universum ist wie ein Mensch. Es leidet und es trauert. Entwicklung ist schmerzhaft. Du siehst also, dass nicht nur dir das Leben schwer fällt. Auch dieser wunderbare unschuldige Organismus, namens Universum, leidet wie wir alle und jeder neue Schritt ist für ihn schmerzhaft, wie jede Entwicklung immer mit Schmerz verbunden ist. Ihr sagt der Kindheit lebe wohl, um Erwachsen zu werden und selbst Kinder zu haben. Man gibt was und bekommt was", sagte Alphega.
Squall sah sich zu Alphega um und sah ihm in die Augen. In den Augen spiegelten sich die Farbstürme des Universums wieder.
"Wer bist du, Alphega?", fragte Squall.
"Ich war am Anfang da und ich werde am Ende da sein. Ich bin der erste Zhaban und ich war die Grundlage für alles weitere. Ich bin nicht weise und nicht allwissend. Die Zhabanen sind spirituelle Wesen. Sie bilden eine Grundlage für das Leben, für euch Menschen. Ihre größte Gabe ist ihr größter Fluch. Sie haben keine Entscheidungsfreiheit, sie sind einfach nur da und existieren. Materie, Zellen und auch ihr Menschen, ihr verkörpert all das, Entscheidungsfreiheit. Ein Fundament kann nicht entscheiden, es ist eben der Ursprung von allem, was kommen wird, sei es schlecht oder gut. Somit bin ich das niedrigste und höchste Wesen in diesem Universum.
Erstmal willkommen. Ich bin froh, dass du den Schlüssel des Universums vom Philosophen endlich bekommen hast und ihn anzuwenden weißt";;;;;, meinte Alphega.
"Träume ich?"
"Viel tiefer. Du bist tief in deinem Bewußtsein hinabgestiegen. Du blickst in dein eigenes Fundament, in dich selbst und somit in mein Gesicht. Dies ist eine Sicht, die sonst nur Tote sehen. Durch das Amulett kannst du hier ein und ausgehen, ohne in Lebensgefahr zu sein. Der Philosoph hat dir das Universum bereits erklärt, oder?", fragte Alphega plötzlich.
"Ja, nur ich hab da, ehrlich gesagt, wenig verstanden", meinte Squall.
"Ja, seine Vorträge können bisweilen arg theoretisch sein. Ich will dir das alles erklären, so dass du begreifst, wieso und warum alles so ist, wie es ist. Hyne speist seine Macht aus diesem Wissen", sagte Alphega.
"Aber warum warst du damals ein Monster?", fragte Squall.
"Alle anderen Zhabanen entsprangen aus mir. Denn nur durch ausgeprägtere Zhabanen können sich auch vielfältigere Lebensformen entwickeln. Hyne konnte etwas mehr handeln als ich, da er ein Hauch näher an der materiellen Welt dran war als ich. Dieser Vorsprung reichte ihm. Also hat er den Teil von Alphega, der zu ihm gehört, verwendet und zwanghaft in Materie verwandelt. Er vereinte das Unvereinbare und gab somit der entstandenen Aggression und dem gewaltigen Druck ein Aussehen. Ein gewaltiges Monster. Sie sind ursprünglich leidende Wesen und wollen erlöst werden, weswegen die Monster auch vom Mond auf die Erde kommen, um mit Volunt zu verschmelzen und sich zu erlösen.
Alphega ist zwar die Seele des Universums, ein kleiner Teil steckt jedoch in allem, was existiert. Du hast oft mit dem Alphega geredet, der zu dir gehört. Die Menschen, das Leben, sie alle haben ein Fundament und das heißt Alphega. Ohne Fundament kann nichts existieren, das Fundament kann aber nicht agieren. Du siehst, die Zhabanen und ich können nicht eingreifen, ohne uns gäbe es all das nicht. Wir sind eben alles und nichts", sagte Alphega.
Beide gingen ein wenig auf der Insel des Lichts spazieren. Während Squall fest treten konnte, schien Alphega irgendetwas zwischen schwimmen und schweben zu tun.
"Um Hyne zu verstehen, musst du das Konzept der Welt verstehen. Wie gesagt, alles ist in der Balance zwischen Sein und Nichtsein. Ihr Menschen assoziiert Leben mit Licht und Tod mit Schatten. Verteilte Energie bedeutet Dunkelheit, deswegen habt ihr Angst davor. Früher oder später müsst ihr alle sterben und ins Universum eingehen, dass euch geboren hat und euch somit verteilen. Ihr verliert an Intensität und sterbt und geht wieder in die Dunkelheit ein. Die Angst vor der Dunkelheit ist die Angst vor dem Tod und diese Angst ist ein sehr schlechter Ratgeber und hat aus vielen bereits Monster gemacht", erklärte Alphega.
"Also ist das ganze Leben eine Illusion? Ein kurzer Moment des Aufflackerns bevor man wieder erlischt? Dann kann ich mir das Leben eh schenken, oder?", fragte Squall.
"Nein, eben nicht. Ihr lebt, weil das Universum reifer werden muss. Die Energie darf nicht nur verteilt werden, sie muss umgewandelt werden. Das Universum, ich, wir können nicht leben. Deswegen gibt es euch. Ihr macht eure Erfahrung und gebt sie uns dann. Nur so können wir wachsen und das Nichts zurücktreiben, wie es unser tiefstes Bestreben ist. Ihr seid quasi kleine Universen, die irgendwann sterben. Eure Gefühle sind eure Zhabanen. Auch das Universum stirbt irgendwann. Wer weiß, was dann kommt. Geht es in einen größeren Organismus ein oder ist dieses Universum dann das neue Nichts und ein neues Sein existiert? Wer weiß, das liegt jenseits unserer Vorstellungskraft. Jeder Moment, jeder Gegenstand, jedes Leben funktioniert auf diese Weise und verhält sich wie das Universum. Nichts ist umsonst. Und dieser Moment des Lebens mag zwar kurz sein, aber du solltest begriffen haben, dass Zeit relativ ist. Für mich mag es kurz sein, für dich ist es alles. Ein Wesen, dass nur einen Tag lebt, für den ist dieser Tag alles. Für irgendein anderes mächtigeres Wesen außerhalb unserer Dimension ist das ganze Universum ein Wimpernschlag.
Das Leben ist also nicht gleichmäßig. Es hat Tücken und dunkle und helle Momente. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Er hat einen Platz in dieser Welt. Der Mensch, der diesen Platz kennt und mit vollstem Herzen lebt, ist der glücklichste Mensch der Welt. Doch man kann nur wachsen und diesen Platz finden, wenn man fühlt und leidet und liebt. Denn jedes Wesen hat etwas in sich, was ihm den richtigen Weg weist", sagte Alphega.
"Die innere Stimme. Die kenn ich schon", meinte Squall, sich an seinen Shumi-Aufenthalt erinnernd.
Alphega lachte kurz.
"Egal, in welche Dimension man geht, überall herrschen die gleichen Regeln. Ob hier, wo es keinen Individualismus gibt, oder in eurer Welt. Wir müssen alle miteinander auskommen", kicherte Alphega.
Squall betrachtete das Farbenspiel am Himmel der Welt.
"Wieso will Prokylta das bloß alles zerstören?", fragte Squall.
"Manchmal gibt es Menschen, die ihren Platz nicht akzeptieren, die nicht auf ihr Herz hören und es verschließen, weil sie vielleicht nur noch das Nichts sehen. Sie werden zynisch und bösartig und sind nicht mehr sie selbst. Sie wollen sich selbst in ihren Urzustand versetzen, wie Artemisia die Zeit. Dieses Bestreben und die Gesetze des Universums, dass die Energie verteilt werden muss, erzeugen eine solche Spannung, dass sich im Inneren der Menschen ein zerstörendes Nichts bildet, das sie innerlich aushöhlt. Sie fühlen sich leer. Und manche nutzen diese Gefühle, um Macht zu erreichen und schließlich als Diener des Nichts alles zu vernichten. Viele Menschen, wenn nicht sogar alle, fühlen sich oft innerlich leer. Ich denke, die Bösen können sich mit dem Lauf der Dinge nicht anfreunden. Sie haben soviel Angst vor der Dunkelheit, dass sie selbst dunkel werden, um keine Angst mehr zu haben. In dieser Welt herrscht nur noch Macht und Angst sie zu verlieren. Im Wahn sammeln sie sich gewaltige Macht an, damit sie irgendwann nicht mehr Angst haben brauchen. Doch mit jeder Unze Macht, die über ihre persönlichen Kapazitäten hinausgeht, werden sie mehr und mehr zur traurigen Schablone", sagte Alphega traurig.
"Es gibt also das Nichts im Universum", meinte Squall.
"Schwarze Löcher nennt ihr das. Ja, aber auch das Universum verhält sich wie ein Mensch. So wie sich jeder Mensch letztlich von seinen Schwächen befreit, wenn auch nur unter größten Schmerzen im Tod, so wird das auch beim Universum der Fall sein. Das ist das Schicksal der Menschen, die bis zum Tod hassen. Selbstzerstörung und unendliches Leid, da sie im Tod sehen, was sie alles hätten sein können. Und dennoch werden sie nach dieser Tortur auch den Frieden finden und ins Universum eingehen", sagte Alphega.
"Es ist also wirklich ein strenges System ohne Fehler", meinte Squall.
"Letztlich gibt es nur eine Grenze. Die Grenze deiner Vorstellungskraft. Das ist deine natürliche Grenze, doch Prokylta und Hyne wollten das nie begreifen. Ihnen fehlt die Gelassenheit, sie sind getrieben von Angst und Furcht vor dem Unbekannten. Aber wir sind langsam für heute durch. Du wirst draußen in deiner Welt gebraucht", sagte Alphega.
"Was? Aber ich brauche deine Hilfe. Was ist mit Hyne? Wie kriege ich meinen Sohn? Ich brauche neue Kräfte!", fragte Squall.
"Du wirst es sehen. Aber jetzt geh. Wir sind in einer Welt, wo es nur ein Bewußtsein gibt und kaum Trennung zwischen den einzelnen Individuen. Hyne meditiert momentan und ist ähnlich versunken wie du. Sein Bewußtsein könnte uns also aufspüren. Diese Treffen sind gefährlich. Wir halten uns im Schatten des Nichts auf, weil es uns guten Schutz gibt, aber das kann auch schnell ins Gegenteil umschlagen. Hab Geduld. Und bewahre diesen Anhänger!", sagte Alphega.
Squall spürte, wie die Insel des Lichts verschwand. Er schwebte im All herum. Dann schob sich etwas vor diese Aussicht, etwas Rotes, wie ein Vorhang, der ihm die Sicht wegnahm... eine Stimme...
"LEONHART! WACH ENDLICH AUF!", dröhnte Nikos Stimme aus dem Lautsprecher.
Squall stellte abrupt fest, dass das Rote seine Augenlider waren. Er riss sie auf und stellte fest, dass er geschlafen hatte. Er stand schnell auf. Sein Kopf dröhnte. Schnell nahm er die Kette ab und verstaute sie, bevor er sich in Richtung Brücke machte.
"DU WIRST HIER NICHT MEHR DEN BOSS SPIELEN, KLAR?"
Squall kam auf die große und lange Brücke. Mehrere Bildschirme und Hologramme hingen in der Luft und zeigten diverse Zahlen und Diagramme.
Er sah, wie sich Niko und Xell anbrüllten.
"Wenn du noch einmal Squall wie einen Idioten herbeirufst, bringe ich dich um!", schrie Xell.
"Wir sind seit 15 Minuten über Deling-City und der Typ pennt!", rief Niko empört.
"Mann, ihr seid wie ein altes Ehepaar. Wann gebt ihr eure Verlobung bekannt?", spottete Xelto.
Cifer musste kurz lachen.
"Leonhart, es ist ja wohl klar, dass Zed sofort ausgeschaltet werden muss, wenn ihr ihn trefft. Und ich meine endgültig", sagte Niko, der Squall entdeckt hatte, und mit funkelnden Augen zu ihm hinüber ging.
Squall hatte furchtbare Kopfschmerzen. Irgendwie fühlte er sich noch halb bei Alphega. Es war, als hätte er tief geschlafen, doch er fühlte sich fix und fertig.
Als Squall kurz Niko ins Gesicht sah, merkte er, so märchenhaft Alphegas Ausführungen auch sein mochten, dass er wieder zurück in der Realität war - in der Welt der Arschlöcher.
Squall fragte sich, ob Niko bei seinem Selbstmordversuch soweit im Delirium gewesen war, dass er Alphega begegnet war, doch geläutert hatte es ihn wohl nicht.
"Sag mal, Niko, irgendwie scheinst du wieder ganz der Alte zu sein. Wieso willst du Black so gerne tot sehen?", fragte Squall.
"Mach dir nichts draus, Squall. Mein Bruder war schon immer gut darin, cooler als der Rest zu wirken. Er hat sogar Mutter so weit beeindruckt, dass er nicht verprügelt wurde, als sie in seinem Schrank schmutzige Hefte entdeckt hatte", sagte Xelto mit einem bösartigen Kichern.
Niko lief hochrot an. Er schoss einen Blick puren Hasses zu Xelto und ging dann an eine Steuerkonsole, wo Selphie auf ein paar Hologramme schaute.
"Gehen wir", meinte Rinoa beschwichtigend.
Als die vier die Brücke verließen, sahen sie nicht Nikos leises Lächeln...
Das Ausmaß der Zerstörung, die der Galbadia-Garden in der Schlacht gegen Caris angerichtet hatte, waren immer noch deutlich zu sehen. Die Schlacht hatte ganze Viertel von Deling-City dezimiert. Obwohl die Busse wieder fuhren, herrschte immer noch der Ausnahmezustand. Durch die Anschläge der Sekte blieben viele Menschen zu Hause und die Straßen der einst lebenslustigen Stadt waren leerer als sonst.
Es erschien wie ein Wunder, dass die Häuser der Politiker nahezu unversehrt geblieben sind, obwohl der Galbadia-Garden direkt in der Nähe zum Stillstand gekommen war.
Als der Bus, den Squall und seine Begleiter genommen hatten, an der Ruine der Villa Carway vorbeifuhr (die Bushaltestelle war beseitigt worden), überkamen Squall die Erinnerungen... an Prokyltas Verrat, an Rinoas Ausbruch, an Caris' letzte Worte...
Squall blickte zu Xelto rüber. Konnten sie ihm wirklich trauen?
Squall hatte immer noch leichte Kopfschmerzen, als sie schließlich zu Kitisas Haus kamen. Irgendwie fühlte er sich immer noch nicht besonders.
"Merkwürdig, dass der Alte gar keine Wachen hat", sagte Xelto und sah sich misstrauisch um.
"Vielleicht haben wir ja einen Beschützer im Jenseits", meinte Rinoa locker und klopfte ein paar Mal an der Tür. Eine Frau, vermutlich Kitisas Frau, öffnete die Tür.
"Ja, was wollen Sie?", fragte sie mit einem perfekten Lächeln, sodass man jedes ihrer teuren Goldkronen sehen konnte.
"Mein Name ist Rinoa Heartilly, ich bin die Tochter von Senator Carway. Wir wollen zu ihrem Mann", sagte Rinoa.
"Tut mir Leid, er ist nicht da", entgegnete Frau Kitisa schnell.
"Doch ist er, er ist im Wohnzimmer", sagte Squall auf einmal.
Er wusste nicht, wie er darauf gekommen war... vielleicht war es Frau Kitisas schnelle Antwort gewesen. Doch auf einmal hatte er vor seinem inneren Auge das Bild von Kitisa gesehen, wie er ängstlich im Wohnzimmer stand.
Es war anscheinend mehr als eine Ahnung gewesen, denn Frau Kitisa wurde auf einmal extrem nervös und sagte noch ein "Bitte gehen Sie", bevor sie sich aufmachte, die Tür zuzumachen.
Ein Fuß kam in den Spalt. Xelto schubste Frau Kitisa nach innen und hielt ihr sein Schwert an den Hals.
"Hör mal, Oma, wir wollen zu Kitisa, klar? Es ist nur zu seinem Besten. Und wenn du dich jetzt nicht verpisst, hast du bald keine Arme mehr, klar?", sagte Xelto locker.
Frau Kitisa stieß ein Schrei aus und rannte die Treppe hoch.
Die anderen betraten die luxuriöse Eingangshalle des Hauses und sahen Xelto mit Erstaunen an.
"Ich kann diese falschen Luxusweiber nicht ausstehen", knurrte er.
Cifer schien gerade etwas Scharfes erwidern zu wollen, als Kitisa die Halle betrat. Er schien angespannt, aber gefasst.
"Bei aller Feindschaft würde ich Sie bitten, meine Frau aus der Sache herauszulassen. Wenn Sie mich umbringen wollen, können Sie das gerne machen. Nur stellen Sie sich bitte in die Reihe, es gibt da noch einige andere, die das auch wollen", sagte Kitisa mit einem schiefen Lächeln.
"Niemand will Sie umbringen, Cecil. Wir haben Ihnen eh oft den Arsch gerettet. Zwar war es meist mehr Zufall als wirkliche Sympathie, aber das zählt ja auch schon. Und dies ist wohl wieder einer dieser Zufälle", meinte Cifer.
"Wir wissen, dass Zed Black Sie in der Hand hat. Wo ist er? Haben Sie mit ihm gesprochen, können Sie..."
"Davon weiß ich nichts. Ich kann... ich weiß es nicht", fiel Kitisa Rinoa ins Wort.
Er sah sie alle hektisch an. Als sich Squall und Kitisas Blicke trafen, passierte etwas. Jemand schien Squall etwas ins Ohr zu flüstern. Zu Squalls Erstaunen schien es Kitisas Stimme zu sein. Sie klang fest und ruhig.
"Wir haben vorhin telefoniert, er ist in F.H., doch ich darf nichts sagen, denn ansonsten bringt er meine Familie um", flüsterte die Stimme. Kitisa sah weg und die Stimme schwieg.
"Zed ist in F.H., doch Kitisa darf nichts sagen, denn Black hat ihm gedroht, Kitisas Familie umzubringen", hörte Squall sich sagen.
Kitisa sah Squall mit weit aufgerissenen Augen an. Squalls Dröhnen im Kopf wurde lauter, doch er hörte und sah auf einmal ganze Szenen. Zed, wie er in Kitisas Büro saß, Prokylta, dann ein Bild, wie Zed zerstückelt am Boden lag.
Squall blickte zu seinen Freunden hinüber, die ihn erstaunt ansahen. Rinoa sah ihn an und er sah Bilder aus ihrem Kopf. Er drehte sich zu Xelto, doch dieser sah zu Boden... Hier hörte Squall lediglich ein Rauschen.
Er sah zu Kitisa zurück und sah wieder Bilder, Bilder von seinen Ministern...
Es war, als hätte jemand den Ton leiser gedreht. Rinoa schien ganz leise zu reden.
"... wenn Black tot ist...sicher...", sagte sie undeutlich.
"Nein, die Bedrohung geht tiefer. Kitisas Minister sind Replikanten, wie Cifer vor einigen Monaten, als er in Teneralem eingeschlossen war. Sie überwachen Kitisa. Zed will in F.H. aus Dodonna eine Replikante machen", sagte Squall etwas fester, als er Zeds Stimme durch ein Telefon vernahm. Seine eigene Stimme hörte er ganz laut in seinem Kopf.
Dann war es auf einmal vorbei. Die Kopfschmerzen waren weg und Squall hörte keine Stimmen mehr.
"Ich bin tot", flüsterte Kitisa.
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stürmte er aus dem Zimmer.
"Was zur Hölle bist du eigentlich?", fragte Xelto auf einmal.
"Ich weiß nicht, was los war. Es war... als würde ich auf einmal alles hören können. Ich sah mich selbst nicht mehr... es war, als wären mein Geist und mein Körper getrennt", murmelte Squall.
Xelto stürmte auf einmal auf Squall los und warf ihn zu Boden, bevor dieser was machen konnte.
"Zeig mir deinen Nacken!", brüllte Xelto.
Squall wurde wütend. Er wollte Xelto weg schubsen. Er drückte Xelto seine Hand auf die Brust. Er flog in hohem Boden von ihm runter und landete fünf Meter weiter an einer Wand. Squall erhob sich und sah seine Hände an.
Cifer und Rinoa sahen Squall fassungslos an, als wäre jemand für immer verloren gegangen.
"Es war nur ganz kurz. Mir geht es wieder gut. Aber wieso willst du meinen Nacken sehen?", meinte Squall wütend.
"Weil Hyne bis jetzt der einzige war, der so etwas kann!", sagte Xelto und sah Squall mit einer Mischung aus Bewunderung und Angst an.
In einer kleinen abgedunkelten runden Kammer saßen Squall und Edea auf gemütlichen Sitzplattformen. Durch die zugezogenen Fenster schienen die ersten rötlichen Sonnenstrahlen hinein, die den neuen Morgen ankündigten.
"Und jetzt ist alles wieder in Ordnung?", fragte Edea.
"Ja, ich hatte mich danach noch einmal hingelegt und nicht wieder von Alphega geträumt", sagte Squall.
"Das ist merkwürdig. Ich kenne so was ähnliches, was du beschreibst. Es ist ein Gefühl, dass die Hexen haben. Sie sehen andere Welten, doch dafür geben sie unsere Welt etwas auf. Deswegen wollte ich das nicht mehr. Viele Hexen schlossen sich aus diesem Grund Hyne an, da sie diese Welt verlassen hatten. Durch ihre toten Kinder waren sie so verletzt, dass sie sich blind der neuen Welt hingaben, die sie durch ihn entdeckt hatten. Sie hatten ihr Herz verschlossen und waren somit blind gegenüber sich selbst. Nur wenige hatten die Kraft darüber hinweg zu kommen und den Mut, sich selbst im Spiegel anzusehen", sagte Edea.
"Ja, aber ich bin keine Hexe. Hatten Hexenritter diese Kräfte?", fragte Squall.
"Es gab durchaus Berichte, dass die alten Hexenritter auch gewisse übernatürliche Kräfte besaßen. Doch vergiss nicht, die Geschichte der Hexenritter ist mehr ein Mythos als Wahrheit. In Wahrheit waren das normale Paare mit normalen Problemen. Nicht mehr", sagte Edea.
Squall blickte nach unten. Es ging ihm wieder vollkommen normal. Auch seine Kraft mit der er Xelto zurückgestoßen hatte, war verschwunden.
"Meine Theorie ist, dass du durch deine Vision von Alphega die Tür zu dieser Welt aufgestoßen hast. Du warst an einem Ort, an dem sonst nur Tote hin dürfen. Sei vorsichtig, was diese Vision und dieses Amulett angeht. Du könntest leicht wieder zu dem Killer werden, der du warst, als man dich manipuliert hatte. Hexenähnliche Fähigkeiten haben normale Menschen oft schon verkrüppelt und die Sekte setzt dies geschickt ein. Du hast mir erzählt, dass in Toromia auch Zivilisten dabei waren, also nehme ich an, diese Leute werden von der Sekte genauso eingesetzt wie damals am Lunar Gate. Dein Bewusstsein wurde ebenfalls betäubt, als du für die Sekte gearbeitet hast, damit sie dir ihre Befehle eingeben konnten. Du bist jetzt wieder an einem ähnlichen Punkt", meinte Edea nachdenklich.
"Wir landen jeden Moment in F.H.", kam eine Durchsage.
Die Jalousien wurden automatisch hochgezogen und ließen die Morgensonne hinein, die langsam den Horizont hinauf kroch und die Welt in warmes rötliches Licht tauchte. Vor ihnen lag, idyllisch und unberührt, das kleine Städtchen Fisherman's Horizon., wo die erste Anti-Hyne-Konferenz stattfinden sollte. Die "Gaia" schwebte bereits über der Stadt, das heißt Laguna und Ellione waren bereits angekommen.
"Xelto wollte übrigens absichtlich nicht seine Gedanken preisgeben", sagte Squall mit vielsagendem Blick.
"Ich verstehe dein Misstrauen, aber ich denke, er ist lediglich ein Junge, der sich nach Freundschaft sehnt. Ich spüre bei ihm ein kleines Licht leuchten. Bei Prokylta jedoch spürte ich viele Strahlen, die mich blendeten, dahinter jedoch nur pures Schwarz", meinte Edea rätselhaft.
Bevor Squall etwas erwidern konnte, verriet ihm ein kleiner Ruck, dass sie bereits gelandet waren.
"Verstehe ich das richtig? Die Sekte will eine Kopie von mir machen?", fragte Dodonna ungläubig.
Dobes altes Haus war nun von Dodonna in ein sehr offiziell aussehendes Büro umfunktioniert worden, dass dennoch nicht seine alte Offenheit verloren hatte.
"Wir wissen, es klingt unglaubwürdig. Gehen Sie einfach mit uns zur Konferenz", sagte Squall.
"Na schön. Aber warten Sie bitte draußen. Ich muss mich noch umziehen", meinte Dodonna.
Draußen setzten sich die vier auf die Stufen.
"Blöd, dass man nicht weiß, ob das bereits die Kopie ist", meinte Rinoa.
"Wenn, dann müsste das Original irgendwo in diesem Haus sein", spekulierte Cifer.
"Wenn das so ist, dann sollte einer von uns hierbleiben und nachdem Dodonna zur Konferenz geht, das Haus durchsuchen. Ich hasse Politik, deswegen mache ich es", meinte Xelto.
"Dann bleibe ich auch", sagte Squall sofort.
Die Konferenz sollte auf einer großen leerstehenden Fläche am Rande F.H.s stattfinden. Man hatte ein großes Zelt gespannt, in dem ein länglicher Tisch stand. Es waren lediglich die fünf Regierungschefs anwesend, was dem Treffen eine sehr familiäre Atmosphäre gab. Jeder von ihnen hatte drei ausgewählte Berater dabei, die hinter ihnen standen.
Kitisa, der nicht als einziger übermüdet aussah, stand auf.
"Meine lieben Damen und Herren, wir sind hier zusammengekommen, um das offizielle Vorgehen gegen Hyne zu besprechen. Um der ganzen Sache Geschlossenheit zu geben, möchte ich eine Abstimmung machen, die entscheiden soll, ob wir uns gegen Hyne positionieren oder nicht. Wenn mehr als 50%, also drei von uns, für Ja stimmen, wird der Cyclus Rat sich Schritte gegen ihn einleiten", meinte Kitisa.
"Cecil, wir alle sind gegen einen menschenverachtenden Dämon, wieso dann diese Abstimmung?", fragte Laguna müde.
Zed saß außerhalb des Zeltes in einem Auto und hörte alles mit.
"Du wirst dich noch wundern, Loire", meinte Zed lächelnd.
"Es ist verdammt knapp, oder?", meinte ein Mann neben ihm.
"Mit dem Dodonna-Replikanten sind es immerhin drei gegen zwei. Haltet lieber mir den Rücken frei, wenn es Ärger geben sollte, Cody", meinte Zed.
Dodonna saß flankiert vor Cifer und Rinoa an seinem Platz und hörte mäßig interessiert Kitisas Ausführungen zu.
"Schreiten wir nun zur Abstimmung", rief Kitisa plötzlich.
Während Squall wenigstens versuchte, das Haus in einem halbwegs ordentlichen Zustand zu lassen, zeigte Xelto dem Mobiliar gegenüber keine Gnade. Hemmungslos warf er gerade einen Schreibtisch um.
"Xelto, hast du schon einmal dran gedacht, dass der Mann eventuell seine Möbel mag", sagte Squall mit hochgezogenen Augenbrauen und dachte an ein gewisses 5.000 Gil Sofa.
Xelto hob seinen Finger. Unter dem Schreibtisch war eine Luke.
Mit einem vielsagenden Blick öffnete Xelto sie...
Ein zitternder Mann saß nackt mit gefesselten Händen und Füßen und verbundenen Mund in der Kammer... es war Dodonna.
"Stimmen Sie bitte jetzt ab", sagte Kitisa.
Dodonna drückte auf einen Knopf.
"Hey, Cecil, irgendwie funktioniert die Maschine nicht", meinte Bail Organa.
"Verdammte Technik", schrie die hysterische Hella Perseu und hämmerte gegen den Apparat.
Squall, Xelto und Dodonna rannten so schnell sie konnten. Dodonna trug notdürftig einen Bademantel. Sie rannten auf den Schienen und sahen von weitem das Zelt.
"Nun gut, dann benutzen wir Karten", sagte Kitisa und bedeutete einem Assistenten, blaue und rote Karten auszuteilen.
"Ok, rot bedeutet Ja und blau Nein... Ähm, nein umgekehrt: blau Ja, und rot Nein, so war's", meinte Kitisa mit Blick aufs Regelwerk.
"Ok, stimmen Sie jetzt ab", meinte Kitisa dann. Schweißperlen standen auf seiner Stirn.
Alle nahmen ihre Karten in die Hand.
Zed lächelte. In wenigen Sekunden würde es vorbei sein.
"Zed, sieh mal", sagte Cody plötzlich.
Zed sah nach oben und sah gerade noch ein Mann mit Bademantel das Zelt betreten.
"Oh nein...", flüsterte Zed.
"HALT! Dieser Mann bin nicht ich!", schrie Dodonna vom Eingang des Zeltes.
Der andere Dodonna warf seine rote Karte weg und wollte aufstehen, doch zwei Schwerter dreiteilten ihn, bevor er einen Schritt machen konnte. Kurz konnte man den Aquila ausmachen, bevor er in Dampf und Staub zerfiel. Hinter ihm standen Rinoa und Cifer mit ihren Schwertern.
Der echte Dodonna ging auf seinen Platz.
"Ähm, tut mir Leid, ich bin etwas spät, hab ich was verpasst?", fragte er und sah in verblüffte Gesichter, die anscheinend überhaupt nicht wussten, was sie gerade gesehen hatten.
"Bist du für oder gegen Hyne?", fragte Organa schließlich.
"Dagegen natürlich", meinte Dodonna prompt.
"Dann musst du die blaue Karte heben", erklärte Kräftchen über Organas Schulter freundlich.
"Damit wird der Cyclus Rat sich ab sofort gegen Hyne stellen. Drei von uns haben für ja gestimmt. Knapp aber fair", meinte Kitisa leicht blass.
Laguna schüttelte nur den Kopf und schien sehr schnell über etwas nachzudenken.
Squall und Xelto gingen erleichtert zu Cifer und Rinoa hinüber. Dodonna fiel in seinem Bademantel sehr auf und die anderen hatten sich noch nicht ganz daran gewöhnt.
Anscheinend hatte Laguna eine Entscheidung getroffen, da er sich kurz räusperte und aufstand.
"Ich möchte euch etwas mitteilen und ich kann mir keinen schöneren Zeitpunkt als diesen vorstellen", sagte Laguna und sah leicht lächelnd zu Dodonna im Bademantel hinüber. Laguna fuhr fort:
"Ich werde hiermit als Esthar Präsident zurücktreten und sofort alle meine Ämter abgeben. Ellione Kramer wird meine Geschäfte übernehmen und, wenn es unser Volk will, die neue Esthar-Präsidentin werden.
Ich danke euch allen für diese vielen Jahre. Ich habe stets versucht, Politik nicht so schwerfällig zu machen. Ich wollte, dass Menschen mit Visionen das sagen können, was sie denken, aber irgendwie hat das nicht so ganz hingehauen. Es war ne nette Zeit, aber ihr und ich, wir leben einfach in verschiedenen Welten. Bail, danke für deine Freundschaft, du wirst in meiner kleinen Ell eine gute Verbündete finden", sagte Laguna und trat von seinem Sitz zurück. Ellione nahm darauf Platz.
"Das ist ja unerhört. Loire, Sie gehen wirklich, wie Sie gekommen sind! Es ist gegen die Etikette öffentlich politische Allianzen bekannt zu geben!", meckerte Hella Perseu.
"Wissen Sie was, Hella? Lecken Sie mich am Arsch. Sorry, Ell, ich weiß, das ist ein unanständiges Wort und ich hoffe, du hast das überhört", sagte Laguna und verließ mit Kiros und Ward das Zelt.
Ellione räusperte sich. Ihre Augen waren fest.
"Wir alle haben eine historische Aufgabe. Es geht hier um das Überleben unserer Spezies, denn Hyne wird niemanden verschonen. Ich weiß, dass ich mir hiermit Minuspunkte einfange, aber ich bin eine Adeptin, eine Hexenanwärterin..."
"Na toll, eine zweite Adell", schnaubte die Perseu.
"... aber habe ich mich gegen die Ausbildung dieser Kräfte entschlossen. Dennoch spüre ich, dass Hyne eine große Gefahr ist. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, denn ansonsten werden wir alle ausgelöscht. Als ersten konkreten Schritt schlage ich vor, das SEED-Verbotsverfahren aufzuheben!", sagte Ellione fest.
"Das wird nicht gehen. Nicht solange ich Ratsvorsitzender bin!", sagte Kitisa.
"Das bringt uns zum zweiten Punkt. Ich werde als ihre Gegenkandidatin um den Ratsvorstand kandidieren. Und wenn ich Vorsitzende des Cyclus Rat werde, dann wird dieses Verbotsverfahren aufgehoben", meinte Ellione.
Squall sah Ellione lange an, wie sie problemlos ihre Forderungen in perfekter politischer Sprache erläuterte. Kurz trafen sich ihre Blicke. Als er in ihre großen festen Augen sah, wusste er, dass sie ihren Platz gefunden hatte und irgendwann die Chance hatte zu dem glücklichen Menschen zu werden, von dem Alphega gesprochen hatte.
Zed saß fassungslos in seinem Wagen.
"Von nun an werden die Dinge schwieriger für uns", murmelte er.
"Richtig, für UNS. Nicht für dich", sagte Cody kühl.
Zed hörte, wie seine Tür verschlossen wurde.
"Verstehe, Prokylta hat euch also aufgetragen mich zu töten, wenn ich das richtig überblicke", sagte Zed nach einem Moment.
"Genau, im Falle deines Versagens", bestätigte Cody.
Im Rückspiegel sah Zed, wie Derco und Maxx ihre Sicheln zückten.
"Ihr habt eins vergessen, Jungs. Ich habe immer noch ein Ass im Ärmel", sagte Zed.
Er richtete seine Hände auf die Windschutzscheibe. Die Waffen in seinem Ärmel feuerten und zerstörten die Scheibe.
Während die Mitglieder des Triumvirats noch ihre Gesichter bedeckten, war Zed bereits aus dem Wagen herausgesprungen
"Verdammt! Wir müssen ihn erwischen!", brüllte Cody und stieg aus.
Zed rannte zum Rand der Straße hinter dem nur endloses Meer war. Er sprang.
Cody zückte eine Waffe und schoss dreimal auf Zed. Kurz hörte er einen erstickenden Schrei, bevor dieser von dem Geräusch des Aufpralls übertönt wurde. Cody rannte zum Rand und sah ins Wasser hinunter. Vom Aufprallpunkt schlugen Wellen in alle Richtungen aber von Luftblasen keine Spur.
"Unsere Mission ist erfüllt, wir haben nichts mehr zu tun", sagte Cody zu seinen Gefährten.
"Wir haben Zed nicht gefunden, aber Augenzeugen berichten, dass drei maskierte Männer ihn erschossen haben sollen", gab Squall durch einen Kommunikator durch.
"Hm, auf alle Fälle müsste das den Einfluss der Sekte auf Kitisa mindern", spekulierte Edea am anderen Ende.
"Bleiben noch die Minister", meinte Squall zweifelnd.
"Es ist immerhin ein Teilerfolg...", sagte Edea.
"Das auf alle Fälle. Und Ell wird uns sicherlich viel Rückendeckung geben. Wir kommen zurück. Squall aus!"
Prokylta stand still in einer gewaltigen düsteren Kammer. Vor ihr führten drei Stufen zu einem gewaltigen Thron herauf, auf dem Hyne saß. Er hatte seine Augen geschlossen. Seit Toromia war er in diesem Zustand. Er meinte noch, er müsse meditieren. War er wirklich noch in diesem Raum oder war dies nur noch sein Körper?
Sie beobachtete ihn lange und dachte an Zeds letzte Worte, die immer noch in ihrem Kopf nachhallten. Sie hatte vom Triumvirat die Nachricht erhalten.
Hinter ihr öffnete sich eine Tür. Ein Sektenmitglied reichte ihr gebeugt einen Kommunikator. Ohne den Hyniten anzusehen, nahm sie den Kommunikator. Das Sektenmitglied huschte aus dem Raum.
"Ja?", fragte sie.
"Ich lebe noch!"
Prokylta zuckte zusammen.
"Zed..."
"Du verdammtes Miststück, du wolltest mich ausschalten. Doch ich bin zäher als du. Es sieht so aus, als hätte der Schüler seine Meisterin übertrumpft. Du WARST tot", zischte Zed und lachte. Er stöhnte kurz auf und Prokylta wusste, dass er Schmerzen hatte.
"Das Triumvirat wird dich natürlich finden und ihren Fehler korrigieren", sagte Prokylta kalt.
"Du bist und bleibst eine Traumtänzerin. Wir sind dann wohl ab sofort Feinde. Leb wohl, Julia", zischte Zed.
"Leb wohl", gab Prokylta zurück.
Zed hatte aufgelegt. Einen Moment stand sie wie angewurzelt da. Dann warf sie den Kommunikator in die Luft und schleuderte mit der anderen Hand einen Feuerball hinterher. Er war geschmolzen, bevor er den Boden erreicht hatte.
"Black ist also am Leben", donnerte auf einmal Hynes Stimme.
Prokylta fuhr herum. Hyne hatte die Augen geöffnet.
"Du hast dir viel zu Schulden kommen lassen. Prokylta, zwinge mich nicht, deinen hübschen neuen Körper zu beschädigen. Du kennst die Strafen", meinte Hyne kühl.
"Es tut mir leid, Meister. Ich habe jedoch einen neuen viel wertvolleren Spion als Zed. Er wird uns von großem Nutzen sein. Er kommt direkt aus der Mitte des Feindes", sagte Prokylta schnell.
"In der Tat? Stell ihn mir bei Gelegenheit vor. Das Siegel ist übrigens gebrochen, bereite alles zur Abfahrt vor", meinte Hyne.
Prokylta verneigte sich schnell und huschte dann aus der Halle ohne sich noch einmal umzusehen.
Prokylta betrat ihre eigene Kammer. Ein junger Mann wartete auf sie und sah Prokylta voller Ehrfurcht an.
"Bist du dir mit deinem Beitritt wirklich sicher? Der Austritt ist unmöglich und wird mit dem Tode bestraft", meinte Prokylta.
"Ja... mein bisheriges Leben war sinnlos. Man hat mich nicht geschätzt. Hier kann ich mehr erreichen", gab der Mann zurück.
Prokylta nickte. Der Mann kniete vor ihr nieder.
"Du hast das Richtige getan. Erhebe dich, stolzer Hynit und neues Mitglied von Aomes Trianirea. Empfange die Wahrheit... Willkommen...Niko", sagte Prokylta und sah auf den knienden Niko Goodsworth mit einem Lächeln herab.
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