FFVIII: Aomes Trianirea - Kapitel 26

Die Guten und die Bösen

verfasst von ShadowFlame

Die 'Enthaupter' drehte in den Wolken oberhalb der galbadianischen Wüste ihre Runden. Sie setzte zur Landung an. Caris ließ seinen Blick über die ewige Wüste schweifen.
"Vor vielen Äonen sah der ganze Planet so aus. Das war lange, bevor die Menschen sich die Welt Untertan gemacht haben. Vor dem Krieg. Doch dann kam ein großer Mann und er hat diesen Planeten, diese Welt verändert. Er war ein Genie, ein Wahnsinniger, ein Krieger. Jemand, wie ich. Jemand, wie du", sagte Caris und blickte auf den Mann, der neben ihm stand.
Squall sah starr auf den Wüstensand. Caris räusperte sich und setzte das Briefing fort.
"Mit seiner Entwicklung hat Dr.Peterson eine gefährliche Waffe in der Hand. Eine Waffe, die sich in unserer Hand befinden muss. Und da Peterson anscheinend illoyal wird, müssen wir handeln! ", erklärte Caris.
Squall nickte. Er hatte verstanden
Das Luftschiff landete auf dem Wüstenboden. Eine Rampe wurde ausgefahren. Squall kletterte über die Reling, rannte über die Rampe und sprang furchtlos mehrere Meter in die Tiefe. Das Schiff gewann wieder an Höhe. Squall wurde immer kleiner. Caris beobachtete, wie Squall die große Luke öffnete, die ihn in die Sektenbasis 'Somnambular' führen sollte. Schließlich war er verschwunden. Caris dachte kurz nach und verschwand im Schiff.

Caris saß still in seiner Kammer. Über einen Monitor sah Kamerabilder von der Wüste.
"Ein Krieger... Ich muss dem ein Ende setzen, mein alter Freund. Ganz gleich, zu wem du werden wirst, dieses Leben ist eines Kriegers unwürdig. Eines Menschen unwürdig. Das bist nicht du. Diese verdammten Ärzte haben dich verdreht. Und du gibst ihn ihr verdientes Los ohne es zu wissen..."
Er schaltete die Sprechanlage ein und aktivierte die Tonverzerrung. Nachdem er die richtige Frequenz gefunden hatte, stand er auch schon mit der Person im Kontakt, die er erreichen wollte.
"Hier spricht Julia Heartilly. Wer ist da?", ertönte es aus dem anderen Ende der Leitung.
"Unwichtig. Ich kenne den Aufenthaltsort eines gewissen Squall Leonharts."
"Wer ist da?", bat die Person aus der anderen Leitung, doch Caris hatte das Mikrofon bereits ausgeschaltet und sendeteseine Koordinaten.
Caris starrte auf den Monitor. Aus der Luke stieg inzwischen Rauch auf.
"Werde wieder normal, Squall. Ein Mensch sollte seinen Untergang selbst bestimmen können", flüsterte Caris.
Er erhob sich und verließ die Kammer, um den Befehl zu geben, mit der 'Enthaupter' weit weg von diesem Ort zu fliegen. Während er durch die Gänge seines Schiffes schritt und seine Schritte von den Wänden zurückgeworfen wurden, dachte Caris daran, dass in diesem Moment gar nicht weg von ihm, Menschen ihre letzten Atemzüge machten...


Squall richtete sich verdutzt auf. Während er sich mit einer Hand über das Gesicht fuhr, schoss ihm plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. War es nur ein Traum gewesen oder war das wirklich so passiert? War Caris derjenige, der seinen Freunden den Aufenthaltsort verraten hatte? Hatte Caris ihn also gerettet?

Während des Kampfes gegen Caris war ein größerer Teil der Stadt Dollet stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Panik war ausgebrochen und für Rettungsmannschaften, SEEDs, Polizei und Militär war die Situation nicht mehr in den Griff zu bekommen. Als dann noch verkündet worden war, dass der Krieg gegen Hyne unmittelbar bevorstünde, begann sich eine Furcht unter den Menschen breit zu machen. Überall auf der Welt ging es nach diesem Nachmittag drunter und drüber und jeder wartete auf die erste Stellungnahme des Ratsvorstandes und Galbadiapräsidenten Kitisa, der im Moment noch von den SEEDs aufgeklärt wurde. Cid war als Vertreter bei ihm und erklärte ihm noch einmal die genauen Pläne der SEEDs. Nikos Verkündung im Fernsehen kam wohl nicht besonders gut bei ihm an.
"Fangen Sie nicht schon wieder mit diesem Hyne an! Caris hat uns angegriffen. Er ist unser Feind. Das wissen alle und das wollen auch alle hören.", schnauzte Kitisa, während er, gefolgt von Cid und einigen Beamten, den Flur entlang ging.
"Dass die Dinge schwer zu begreifen sind, weiß ich daran kann man nichts machen. Wir müssen sie als gegeben hinnehmen und dementsprechend handeln. Haben Sie unsere Berichte alle bekommen?", fragte Cid.
"Ja und ich konnte keinen Zusammenhang zu diesem Hyne erkennen. Caris ist ein Militär, wenn er auch eine Sekte anführen mag, er ist nur an politischen Zielen interessiert. Wir haben diese Bestie mächtig unterschätzt... Werden die SEEDs mit ihm fertig?"
"Haben Sie nicht zugehört? Wir führen keinen Krieg gegen Caris, sondern..."
"Sondern gegen eine fabulöse Gestalt aus der Vergangenheit", setzte Kitisa spöttisch fort.
"Es liegt an Ihnen, wie schnell Ihre Mitbürger sich mit den Tatsachen abfinden werden. Je schneller sie sich darauf einstellen, desto schneller gewinnen wir Grund. Unser einziger Vorteil ist der relativ geringe Umfang der Sekte. Wenn sie jedoch anfangen, Leute zu rekrutieren und zu einer Stärke einer Armee auflaufen, dann wird es noch schwieriger", meinte Cid.
Kitisa antwortete nicht. Er ging zügig auf sein Büro zu, riss die Tür auf, ging hinein und warf sie wieder zu. Die Tür verfehlte Cids Nase, der mit den anderen raus gesperrt wurde, nur um Haaresbreite. Cid seufzte. Er wollte anklopfen, doch eine Wach packte ihn an der Schulter und bedeutete ihm unmissverständlich, dass das Treffen zu Ende war.

Kitisa ging zu seinem Schreibtisch. Der große bequeme Lehnsessel war zum Bürofenster gerichtet.
"Ich sagte doch, Sie sollen nicht darauf sitzen, wenn so viele Leute im Gebäude sind", sagte Kitisa wütend und drehte den Sessel um.
Er war leer. Der Präsident runzelte die Stirn.
"Du wirkst überarbeitet."
Kitisa erschrak, als Zed plötzlich hinter ihm stand.
"Es ist furchtbar. Die SEEDs wollen uns im Kampf gegen Caris nicht helfen. Cid Kramer sagte, dass dieser Hyne der Feind wäre und dass sie im Besitz der 'Deus Ex Machina' wären, was immer das auch ist", sagte Kitisa und atmete erschöpft aus.
"Das hat Cid gesagt?", fragte Zed nach.
"Ja, unter anderem. Soll ich Ihnen sagen, was ich denke? Die SEEDs sind korrupt. Sie wollen von Caris ablenken. Aber ich werde keinen Fingen rühren. Wenn wir unsere Armee nicht einschalten, dann sehen wir, was sie vorhaben."
"Du denkst doch nicht im Ernst, dass ich dich aufgrund der jetzigen Krise bei deinen Entscheidungen gewähren lasse?"
Zed klang bedrohlich. Kitisa ging einen Schritt zurück.
"Die SEEDs können mit unserer Hilfe rechnen, sag ihnen das beim nächsten Mal."
"Im Krieg gegen Hyne?"
"Der Kampf gegen Caris fällt unter diesen Hut."
Zed ging zum Fenster und grübelte ein wenig. Sein nachdenklicher Blick ging in ein zufriedenes Schmunzeln über.
"Die Dinge werden sich so entwickeln, wie sie sollen. Du brauchst nichts zu tun, außer zu warten und die Sache mit den SEEDs erledigt sich von selbst."
Kitisa nickte verunsichert. Dann nahm Zed seinen Mantel und verließ den Raum. Cecil Kitisa, erneut gedemütigt in seiner Rolle als Ratsvorstand und Präsident, setzte sich auf seinen ledernen Stuhl, um ein paar Minuten zu entspannen.

Zed ging in den Mediensaal am anderen Ende des Ganges, der im Moment leer war. Er setzte sich vor einen Computer und begann eine Nachricht einzutippen.
"An Mr. X! Die Deus Ex Machina befindet sich in den Händen der SEEDs. Ich bin bereit, weitere Anweisungen entgegenzunehmen. Zed Black."
Zed hatte gerade zu Ende getippt und die Nachricht verschickt, als Kitisa, der sich offensichtlich wieder aufgerafft hatte, in den Raum stürmte.
"Mir ist soeben etwas eingefallen! Die Waffen von Caris damals..."
"Schon gut!", stoppte ihn Zed. "Ich sagte doch, dass alles ins Lot kommt. Warum machst du nicht für heute Schluss?"
"Ich kann doch nicht so einfach blau machen! Ich habe mehr Verantwortung als jeder andere zu tragen", erklärte Kitisa gereizt.
"Ach, und deine Frauen willst du heute einfach so sitzen lassen?", spottete Zed und verdrehte die Augen.
Kitisa schlug auf den Tisch.
"Machen Sie sich nicht über mich lustig. Sie hatten wohl mit Liebe nie etwas am Hut, was?"
"Liebe nennst du das?", fragte Zed.
Kitisa wurde rot. Zed nahm seine Brille runter und fuhr mit dem Bügel an seine Lippen. Er blickte zur Decke.
"Was mich angeht, ich hatte meine Freundinnen. Und es war sogar eine dabei, bei der etwas mehr hätte drin sein können. Sie war das komplette Gegenteil von mir. Es endete im Chaos", schloss Zed nachdenklich.
Außer dem Surren der Computer herrschte im Saal Totenstille. Plötzlich rührte sich der Drucker. Papier wurde eingezogen und nach einem kurzen Knattern spuckte er ein bedrucktes Blatt Papier aus. Zed schaltete schließlich das Gerät aus, nahm den Zettel und verließ ohne ein weiteres Wort den Raum. Kitisa blieb erschöpft zwischen den surrenden Geräten zurück.
Während Zed nach unten marschierte, flogen seine Augen über das Telegram.
"An Zed Black! Die Situation ist mir bekannt. Warte auf mein Zeichen. Mr. X."

"Wie lief es denn?", drang Edeas Stimme undeutlich aus Cids Kommunikator.
"Unsere Erklärungen dringen nicht ganz zu ihm durch. Er scheint zu sehr mit dem Chaos in Dollet beschäftigt zu sein", antwortete Cid.
"Die Stimmung hier ist gespannt. Die Kinder haben Angst. Es ist für uns wichtig, nicht nur aus strategischen Gründen, dass wir diese Unstimmigkeiten schnell beseitigen."
"Das ist mir bewusst. Ich werde sehen, was ich machen kann."
"Ja, wir auch. Gib auf dich Acht", verabschiedete sich schließlich Edea.
Cid schaltete das Gerät aus und drängte sich durch den Ausgang des Präsidentenpalastes. In der Menschenmenge ging er fast unter, doch es war ihm nur recht, wenn er nicht auffiel. Erleichtert schnappte er nach Luft, nachdem er den reißenden Menschenstrom überwunden hatte. Unerwartet klopfte ihn jemand auf die Schulter. Cid drehte sich um.
"Na, kennst du mich noch, alter Knabe?"
Es war ein fremder, dunkelhäutiger Mann, etwa in Cids Alter. Cid überlegte kurz, dann schoss ihm der Name der Person durch den Kopf und die Verwunderung wurde zur Wiedersehensfreude.
"Carvin! Aber natürlich! Jemanden wie dich vergisst man nicht so schnell. Ich mein... das war... wann war das... damals, als wir gegen Deling gekämpft haben... Was machst du hier?", lachte Cid und schüttelte ihm erfreut die Hand.
"Ich muss mit dir sprechen", sagte Carvin ernst.
Carvin schlug vor, in ein Lokal zu gehen, um mit Cid über etwas Wichtiges reden zu können. Also verließen die beiden Herren die Hauptstraße.
"Was hast du in all den Jahren gemacht?", wollte Cid wissen.
"Puh, so einiges. Nachdem du und Edea den Garden gegründet habt, zog ich mich nach Beryll, einem sehr kleinen Dorf am Ober-See, zurück und half dort einen Freund von mir, der für die Timber Maniacs Artikel schrieb. Er sammelte in der Freizeit Zeitungsartikel und setzte sich viel mit Verschwörungstheorien auseinander. Wir wollten etwas über das Deling Replacement Project bringen, obwohl wir selbst keine verifizierten Fakten kannten", erzähle Carvin.
"Du wusstest schon damals etwas davon?", wunderte sich Cid.
"Nun ja, es wurden bereits an paar Artikel von uns gedruckt, doch als wir diesen Begriff erwähnten, wir wussten damals nicht einmal, was dahinter steckte, brachten wir wohl das Faß zum Überlaufen. Der Chefredakteur wurde am selben Tag erschossen und die Timber Maniacs verboten... für sehr lange Zeit."
"Ich erinnere mich daran. Euer Artikel war es also, der die galbadianische Regierung in Panik versetzte", sagte Cid.
Er und Carvin setzten sich in ein Straßencafè. Es war ein lauwarmer Tag, es hatte vor ein paar Stunden geregnet und die Luft war gut, weswegen sie beschlossen, sich draußen hinzusetzen. Ein paar Autos fuhren vorbei und erhellten mit ihren Scheinwerfern kurz ihre Gesichter. Sie setzten sich an einem Tisch und redeten weiter.
"Eigentlich war es 'Per Manum', wie du weißt. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich durch diesen unüberlegten Schachzug der Pressefreiheit eine tiefe Wunde verpasst habe. Also ging ich wieder in den Untergrund. Ich war zu dieser Zeit ziemlich übermütig und wollte die Widerstandskämpfer mit Informationen versorgen, weshalb ich als Sekretär beim SIG anfing. Mir war aufgefallen, dass von 'Per Manum', dem Institut, das sich oberhalb unserer Büros befand, nie Informationen durchdrangen. Auch auf die Angestellten trafen wir nie. Ich fing an, der Sache nachzugehen. Was danach kommt, ist eine lange Geschichte. Ich stand am Ende mit vielen wichtigen Leuten in Kontakt, nicht zuletzt auch dank der Hilfe meines Bruders, und flüchtete schließlich endgültig nach Esthar, als ich Gefahr witterte. Ich habe mir dort vor ein paar Jahren eine zweite Identität als Zanso Dorghan besorgt und wurde Personalaufseher im Mausoleum."
Eine Kellnerin kam zum Tisch. Beide bestellten einen Drink.
"Ja, es ist einiges passiert, auch wenn meine Karriere nicht halb so spannend ist wie deine", meinte Carvin, nachdem die Kellnerin wieder gegangen war.
"Das würde ich anders sehen. Du hast gegen das angekämpft, von dem ich ausgenutzt worden bin", behauptete Cid bescheiden. "Aber schön, dass wir uns gerade hier zufällig treffen. Das ist für mich heute das erste schöne Erlebnis."
Ein Auto fuhr vorbei. Cid sah in dem kurzen Aufleuchten des Lichts, dass Carvin ihn ernst ansah.
"Du kannst es nicht wirklich zufällig nennen. Ich hab dich abgefangen. Ich habe dir gesagt, dass ich dich sprechen muss. Normalerweise würde ich meine Tarnung nicht aufgeben, denn die alte 'Per Manum' ist immer noch hochaktiv. Sie sind zwar mit der Sekte verschmolzen, es sind jedoch immer noch die gleichen Menschen. Doch das hier ist zu wichtig", sagte Carvin.
Cid konnte nur seine Stimme hören. Kein Auto fuhr vorbei.
"Und das wird im Weiteren auch kein freudiges Treffen werden. Ich will nicht länger drum herum reden. Hör mir gut zu, Cid. Caris plant einen direkten Angriff auf den Balamb Garden. Der Sicherheitsdienst hat mir mitgeteilt, dass das Artefakt, das Odyne aus Testzwecken im Mausoleum gelassen hat, gestohlen wurde. Der Eindringling in bernsteinfarbener Rüstung schnappte sich den Lacrima und verschwand spurlos. Man konnte aber die Spur des Lacrimas verfolgen, der sich mit hoher Geschwindigkeit vom Mausoleum weg bewegte. Dadurch wurde eine weitere Behauptung bestätigt: Das Schiff von Caris besitzt einen Tarnschirm..."
"... und bewegt sich auf den Garden zu", ergänzte Cid automatisch.
"Soweit die offizielle Nachricht. Esthar müsste euch jeden Moment kontaktieren. Doch meine Quelle hat mir noch mehr erzählt. Im Verteidigungssystem des Gardens gibt es Lücken, von denen Caris Bescheid weiß. 'Per Manum' wusste, dass die SEEDs eine Gefahr für die Pläne der Hexen Prokylta und Edea darstellen würden, weshalb ihr Mitarbeiter Master Norg damit beauftragt wurde als Geldgeber für den Garden zu fungieren. Dadurch hatte 'Per Manum' auch die Kontrolle über den Garden, weil sie mit dessen Zentralcomputer verbunden waren."
Carvin machte eine kurze Pause, da die Kellnerin mit den Drinks zurückkam. Cid nickte dankend. Sein Gesicht war blass. Kaum war die Kellnerin wieder weg, erzählte Carvin weiter. Er flüsterte jetzt so leise, dass Cid sein Ohr zu seinem Gegenüber drehen musste.
"Die elektronische Verwaltung lief jedenfalls direkt über Per Manum. Das erklärt unter anderem, warum auch in den Gardens die Energieversorgung vor sechs Monaten zusammenbrach."
"Langsam. Das wird mir jetzt aber zu viel..."
Cid war verwirrt. Carvin rückte näher an ihm ran. Er wirkte gehetzt, ganz anders als vor fünf Minuten.
"Jeder von 'Per Manum' wusste von den Hintertüren im Verteidigungssystem. Senator Carway übrigens auch. Laut den geheimen Notizen von Kommissar Saiter war er gegen den Plan Timber zu besetzen. Es bestand Gefahr, dass Carway den SEEDs verraten würde, wo die Sicherheitslücken des Gardens waren und wer hinter der Invasion durch Caris steckte. Deswegen wurde Carway getötet. Wer sich gegen die Verschwörung stellte, musste sterben. Ich versuchte rauszufinden, wer ihn ermordet hatte, doch es gibt anscheinend immer noch jemanden, den das störte. Jemand hat die Akten wegschaffen lassen. Sein Name ist Gareth Balmung. Er scheint in engem Kontakt zu Kitisa zu stehen, doch ansonsten ist nichts über ihn bekannt. Es gibt nicht einmal ein Bild von ihm."
"Carway war Mitglied von Per Manum? Und... Ich dachte, er beging Selbstmord...", murmelte Cid.
"Das tut jetzt nichts zur Sache. Wichtig ist, dass du den Garden informierst. Unterbindet jede Weitverkehrsverbindung im Computernetzwerk. Und vergesst nicht, dass Caris getarnt angreift. Wenn er mitten in der Schlacht eure Verteidigungssysteme deaktiviert, werden die SEEDs den Tag nicht überleben", zischte Carvin.
Cid stand auf. Er spürte, dass es seinem alten Freund ernst war. Er durfte keine Zeit verlieren. Carvin erhob sich ebenfalls und legte ein paar Gil für die Drinks auf den Tisch.
"Danke", sagte Cid.
"Für einen alten Freund tue ich alles. Vielleicht kann ich in Erfahrung bringen, wer dieser Balmung ist und weitere Informationen herausfinden!"

Edea, Xell, Niko, Irvine und Shou gingen eifrig sämtliche Akten und Personendaten aller Anwärter und SEEDs aus allen drei Gardens durch. Starke und fähige Persönlichkeiten mussten rausgefiltert und für den bevorstehenden Krieg als Truppenführer aufgestellt werden. Selphie gesellte sich zu den arbeitenden Haufen, um ihnen eine Mitteilung zu überbringen.
"Die Mitglieder des Komitees sind nun alle eingetroffen. Der Rat der Weißen SEEDs ist bereit, diese Aufgabe zu übernehmen."
Ein Raunen ging durch den Raum.
"Das hat aber verdammt lange gedauert", beschwerte sich Xell.
"Gut. Bringt alle Stöße hier in den Konferenzsaal, wo ihre Sitzung stattfinden soll. Richtet den Weißen SEEDs aus, dass wir weiterhin im Operationssaal verweilen werden. Wir müssen parallel arbeiten", ordnete Edea an.
Selphie, Shou, Xell und drei weitere SEEDs nahmen die schweren Stöße an Akten und trugen sie fort. Im selben Moment meldete sich der Kommunikator. Edea lief zur Konsole und nahm das Gespräch an. Es war Cid, wie Niko zu vernehmen meinte. Während Edea damit beschäftigt war, rollte Niko noch einmal die große Weltkarte auf.
"Der Trabia Garden steht bereits perfekt. Wir werden unseren und den Galbadia Garden auch noch in der Nähe der Basis positionieren und dann haben wir die Sekte eingekreist", erläuterte Niko und bildete mit drei Garden-Miniaturen ein Dreieck um die Stelle, wo sich angeblich die Basis der Sekte befinden sollte.
Irvine wollte gerade etwas erwidern, hätte nicht das auf den Boden fallende Mikrofon beim Aufprall kein klirrendes Geräusch gemacht. Edea sah, vom Donner gerührt, zu Irvine und Niko rüber.
"Caris ist auf den Weg hierher!"
"WAS!?", schoss es aus Irvine und Niko gleichzeitig raus.
Edea schaltete mit unruhigen Händen die Konsole aus. Sie ließ sich das letzte Gespräch noch einmal Revue passieren, um keine Einzelheiten zu vergessen.
"Niko... Ab jetzt werden wir dein strategisches Denken mehr brauchen, als je zuvor. Ich überlasse dir die volle Befehlsgewalt. Verkünde zuerst die derzeitige Lage über eine Durchsage. Laut Cid würde Caris' Luftschiff getarnt sein, das heißt, besondere Vorsicht ist erforderlich. Außerdem bestehe die Gefahr, dass er unsere Abwehr- und Überwachungssysteme von außen abschalten könnte..."
Die Tür sprang auf. Cifer betrat den Raum.
"Hey, was ist denn hier los!?", wollte er wissen.
"Caris wird angreifen", antwortete Edea. "Weißt du, wo sich Prokylta aufhält?"
"Ja, darum bin ich ja hier. Sie sitzt schon seit einiger Zeit vor dem Computer... Nicht gesund für die Augen, würde ich mal behaupten", sagte Cifer und sah Edea vielsagend an.
"Die Sicherheitslücke! Cifer! Schnell, wir müssen Prokylta aufhalten!"

Prokylta saß entspannt vor dem Bildschirm und blätterte durch das digitale Schwarze Brett des Balamb Gardens. Ab und zu drang ein kleines Lächeln durch, als sie die Albernheiten der Schüler las. Es kehrte keine Erleichterung ein, als Cifer und Edea Prokylta bei ihren harmlosen Aktivitäten beobachteten.
"Was machst du hier, Prokylta?", wollte Edea ungewöhnlich aggressiv.
Prokylta drehte sich auf ihren Sessel um und deutete auf den Schriftzug 'Garden-Board' auf dem Monitor. Edea nickte ungläubig.
"Dein Misstrauen ist vollkommen ungerechtfertigt, meine Liebe."
"Ich habe dich seit du hier bist nie vor einem Computer sitzen sehen, geschweige denn, dass du dich für das Leben im Garden interessiert hättest."
Prokylta stand auf. Edea und Cifer machten vorsichtig einen Schritt zurück. Cifer legte seine Hand auf den Griff seiner Gunblade.
"Es ist auch nicht gerade einfach, sich in den Garden einzuleben, wenn man die ganze Zeit beobachtet wird", sagte sie und ging aufrecht an den beiden vorbei.
"Du enttäuscht mich, Cifer. Obwohl wir sechs Monate Seite an Seite gekämpft haben, lässt du dich in deinem Urteil so einfach trüben", sagte sie noch, bevor sie den Raum verließ.
Kaum hatte sie den Raum verlassen, setzte sich Edea zum Computer, um Prokyltas Aktionen zu überprüfen.
"Was hat sie gemacht?", fragte Cifer.
"Sie hat tatsächlich nur das Schwarze Brett angesehen."
"Dann wird sie wiederkommen", meinte Cifer.
Edea tippte ein paar Befehle und Passwörter ein. Auf dem Monitor erschien ein grünes Häkchen, als der Computer ein Signal von sich gab.
"Jedenfalls habe ich die Verbindungen nach draußen gekappt. Das Verteidigungssystem kann nur noch von hier aus deaktiviert werden und dafür hat Prokylta weder das Wissen, noch die benötigten Passwörter", erklärte Edea und war froh, diese Gefahr fürs erste aus dem Weg geschafft zu haben.
Cifer lächelte sie an und sie verließen ebenfalls den Raum. Was aber weder sie noch Cifer bemerkt hatten, war ein kleiner Datenspeicher, der unbemerkt am Computer steckte und leise vor sich hin arbeitete...

Niko sprach gerade seine Durchsage zu Ende, als Edea und Cifer in den Aufenthaltsraum gingen, in dem Rinoa meistens zu finden war. Sie wärmte sich ein wenig für den Kampf auf. Squall war nicht zu sehen.
"Er wollte sich noch ausruhen. Wenn er die Durchsage gehört hat, wird er aber bestimmt gleich da sein."
"Ich schau mal nach ihm", sagte Cifer und ging.
Edea trat näher zu Rinoa heran.
"Machst du dir Sorgen wegen Niko? Keine Angst, wir werden es diesmal schaffen."
"Rinoa, ich wollte eigentlich über etwas anderes mit dir reden", fing Edea an.
Rinoa steckte ihr Schwert weg und hörte aufmerksam zu.
"Das was Niko soeben verkündet hat, war nicht das einzige, was Cid von seinem alten Freund in Erfahrung brachte. Wir erfuhren etwas über den verstorbenen Senator Carway..."
"Vater?"
Rinoas Augen begannen zu zittern.
"Der Fall galt eigentlich als abgeschlossen, da wir keine eindeutigen Hinweise auf einen Mord finden konnten. Aber der Kumpel von Cid erzählte ihm, dass Carway von 'Per Manum' wusste und deshalb bei der Timber Invasion im Weg war. Es ging nicht eindeutig hervor, ob Carway selbst ein Mitglied war, aber er wusste alles über den versteckten Mechanismus im Verteidigungssystem des Gardens, von Master Norg und von Caris."
"Das ist nicht möglich... Dann wusste er auch von Mutter..."
"Ich weiß es nicht", sagte Edea
Rinoa schüttelte den Kopf und versuchte locker zu bleiben.
"Nein... Da stimmt was nicht. Warum hat Mutter ihn dann einfach sterben lassen?"
"Das fragst du sie am besten selbst", antwortete Edea mit lauter Stimme und sah zu Prokylta, die soeben rein kam.
Ihre Augen blitzten.
"Das ist eine bodenlose Frechheit, mich ständig als Verräterin darzustellen. Wenn meine Anwesenheit nicht erwünscht ist, dann verlasse ich eben den Garden. Und auf meine Hilfe im Kampf gegen Caris könnt ihr verzichten", zischte Prokylta.
"Wir sind auf Ihre Hilfe nicht angewiesen!"
Edea und Prokylta sahen sich erbost an.
"Edea, nein!"
Rinoa nahm Edea bei der Hand.
"Mutter hat uns das Leben gerettet. Warum glaubst du ihr nicht?"
"Weil niemand, der schon so weit gegangen ist wie Prokylta, einfach die Seiten wechselt. Das weiß ich aus eigener Erfahrung", sagte Edea.
Sie warf einen letzten Blick zu Prokylta, bevor sie den Raum verließ.
Prokylta ging einen Schritt auf Rinoa zu und umarmte sie plötzlich.
"Was auch kommen mag, Rinoa... Ich werde immer deine Mutter sein."
Rinoa musste einen dicken Kloß schlucken, um etwas sagen zu können.
"Wussten du und Vater auch später noch voneinander...? Wusstest du, dass er sterben würde?"
Prokylta ließ Rinoa los und sah sie betrübt an.
"Für Carway war Julia tot und das war sie damals auch wirklich. Ich war bereits in der Sekte tätig, als man deinen Vater ermorden wollte. Ich erfuhr es von Zed, konnte aber nichts mehr machen. Ich dachte zuerst, Zed hätte Carway ermordet, wie er einst mich tötete, aber das war ein Irrtum. Er war vor 20 Jahren einer meiner beiden Schüler... Er ist an allem Schuld...", meinte Prokylta traurig, um Rinoas Frage zu beantworten.
Rinoa schien sich damit nicht zufrieden zu geben.
"Wer war dein zweiter Schüler?", fragte sie weiter.
"Eine unbedeutende Person... Ich kenne den Mörder deines Vaters nicht, mein Kind."
Rinoa nickte enttäuscht. Sie wollte ihrer Mutter nicht misstrauen. Aber sie war fest entschlossen, herauszufinden, wer ihren Vater ermordet hatte. Es gab nicht mehr viele Leute, die das noch wissen konnten. Eventuell Zed, doch das war auch nicht sicher. Sonst blieb nur noch...
"Achtung, eine dringende Durchsage! Alle SEEDs von Rang 16 bis 18 haben sich jetzt beim Empfang zu versammeln. Wir treffen dort Vorbereitungen für den Kampf gegen..."
"Caris!", sprachen Rinoa und Nikos Stimme gemeinsam.

Squall eilte den überfüllten Gang entlang, gefolgt von Cifer.
"Wir werden versuchen die Enthaupter zu entern und Caris aufzuhalten", rief Squall.
"Das kannst du vergessen, Junge. Laut Niko hat er bereits fünf Lacrima und wir sahen schon alt aus, als er nur vier hatte. Er wird uns braten!"
Squall fühlte den Feuer Lacrima in seiner Tasche. Caris hatte nicht Fib in seiner Gewalt. Und er hatte auch nicht den Wind Lacrima von Rinoa. Er und Cifer rannten weiter zum Lift. Edea, Dario und Nimbley kamen ihnen entgegen.
"Squall, Niko ist im Operationssaal. Er wird eure Hilfe brauchen!"
"Wir sind schon unterwegs. Wo ist Rinoa?", wollte Squall wissen.
"Sie wird gleich kommen, sofern sie Prokylta nicht irgendwie verhindert."
Squall bekam ein mulmiges Gefühl, als Edea das sagte.
"Nein, sie wird kommen. Ich muss jetzt leider weg. Die Kinder müssen in Sicherheit gebracht werden", setzte Edea hinzu, als sie Squalls Blick sah.
"Mama! Warte! Ich habe meinen Evangelion-Kampfroboter oben vergessen!", brüllte Nimbley und zerrte an Edeas Hand.
"Du bekommst einen neuen!", rief Edea hektisch und schleppte die beiden Kinder hinter sich her.
Squall und Cifer fuhren mit dem Lift nach oben. Der Operationssaal war überfüllt. Als Niko Squall und Cifer zur Tür rein kommen sah, drängte er sich nach draußen. Xell, Irvine, Shou und Selphie folgten ihm.
"Leonhart! Wir werden deine Hilfe brauchen. Was werden du und deine Leute machen?"
Diese Aufforderung kam Squall ungewohnt vor. Niko schien nun endlich für eine Kooperation bereit zu sein.
"Wir haben vor, uns in die Enthaupter zu schleichen, um dort Caris zu konfrontieren", erklärte Squall kurz und bündig.
"Wie wollt ihr da rein gelangen? Caris wird von der Luft aus angreifen", sagte Shou.
"Ich habe einen Plan. Wie ihr wisst, befinden sich alle drei Ragnaroks im Hangar des Gardens...", begann Niko.
"Seit wann denn das?", fragte Squall erstaunt.
"Vor sechs Monaten sammelten wir eure Ragnarok in Esthar auf. Drei Monate später spendierte uns Präsident Loire die Ragnarok-2. Ja, und da Odyne im Moment zu Besuch ist, befindet sich auch die Apokalyptika, oder Ragnarok-3, hier. Sie sind alle drei im besten Zustand und kampfbereit."
"Du willst also, dass wir mit den Luftschiffen angreifen?" fragte Squall nach.
Ihm kamen Zweifel. Niko schien durch das wiedererlangte Vertrauen in ihm übermütig zu werden, dachte er. Er war sich seiner Sache ja ziemlich sicher.
"Wir haben die alten Maschinengewehre der Ragnaroks ausgetauscht und sie mit Sigma-M850E-Artilleriegeschosse ausgestattet. Echt cool, musst du wissen", sagte Xell stolz.
Er war wohl auf Nikos Seite, genauso wie alle anderen. Nur Cifer wartete auf Squalls Entscheidung. Die Idee war eigentlich nicht schlecht, dachte sich Squall.
"Einverstanden. Was werdet ihr machen?"
Niko nickte zufrieden.
"Shou! Gib bekannt, dass die beiden Truppen zur direkten Konfrontation von Caris aufgestellt wurden. Truppe 1, Luftkampf: Squall Leonhart, Rinoa Heartilly und Cifer Almasy. Truppe 2, Bodenkampf: Niko Goodsworth, Irvine Kinneas, Xell Dincht und Selphie Tilmit. Deine Aufgabe wird es sein, Dr. Pulaski und Edea bei der Evakuierung der Unterstufler, Kinder und Verletzten zu helfen", ordnete Niko an.
Squall dachte an Quistis, die noch auf der Krankenstation lag. Shou rannte zurück in den Operationssaal. Niko ging hinterher.
"Wenn ihr versagt, müssen wir Caris vom Garden aus bekämpfen und da stehen die Chancen schlecht", sagte er, bevor er in den Saal verschwand.
Squall verspürte etwas Nervosität. Sie würden Caris vernichten müssen. War das sein Ende? Müsste er den Mann töten, der ihn vor wenigen Wochen noch das Leben gerettet hatte? Squall konnte nicht glauben, dass er plötzlich in dieses Dilemma hineingeriet. Nein, er muss Caris aufhalten. Die SEEDs dürfen nicht verlieren.
Niko gab nun die endgültige Strategie bekannt. Die anderen beiden Gardens wurden zur Hilfe gerufen. Galbadia und Balamb Garden bewegten sich im Moment mit Höchstgeschwindigkeit auf das Yarny-Tal zu, das südlich von Dollet lag. So würden sie noch mehr Zeit gewinnen, da Caris vom Osten angeflogen kam. Da der Trabia Garden noch zu weit weg war, müssten Balamb und Galbadia solange alleine gegen Caris kämpfen. Niko war stolz auf seinen Plan. Diesmal würden sie Caris endgültig schlagen und nichts würde sie dann daran hindern, auch Hyne aufzuhalten...


Die Luft war stickig, im Passagierraum war es heiß. Ein paar Dutzend junger Soldaten saßen auf den Bänken und zählten die Sekunden. Die Temperaturen waren zu hoch, um sich vor der bevorstehenden Mission am Salzsee zu fürchten. Leutnant Caris polierte das Eisen seines Gewehres. Als er sich darin spiegeln konnte, lehnte er sich zufrieden zurück. Neben ihm am Boden saß sein treuester Untergebener und bester Freund, Jeremy Kinneas, der etwas in sein Tagebuch schrieb.
"Du bist seit heute Morgen so geistesabwesend. Gestern schienst du noch keinen Schiss vor der Mission gehabt zu haben", meinte Caris.
Kinneas schlug sein Tagebuch zu und lehnte sich zurück.
"Du wirkst ungewöhnlich angespannt", murmelte Caris
"Kann schon sein", entgegnete Kinneas. "Irgendwie mache ich mir das erste Mal Sorgen."
"Das ist keine Schande."
"Nein, aber diesmal ist es etwas anderes."
Kinneas holte ein Bild aus seiner Jacke.
"Meine Freundin... ist schwanger... es wird ein Junge."
Caris nickte. Ein paar andere Soldaten hörten kurz aufmerksam hin, dann versuchten sie wieder weiter zu dösen
"Verstehe", murmelte Caris.
"Mach dir nicht ins Hemd, Kinneas. Wenn wir hier erst wieder lebend raus sind, kehren wir als Helden zurück und du kannst so viele Kinder machen wie du willst", rief ein Soldat Kinneas zu.
Gelächter. Die dumpfe Stimmung wurde für einen Moment verdrängt. Caris griff seinem Freund an die Schulter. Sein Gesichtsausdruck war ernst.
"Ich werde nicht zulassen, dass dir irgendwas geschieht."
Seine Stimme wurde leise, sodass ihn niemand sonst hören konnte.
"Wenn wir hier raus sind, werde ich versuchen, dich suspendieren zu lassen. Du solltest bei deiner Familie sein..."
Kinneas sah Caris ungläubig an. Man konnte sich nicht so einfach vom Militär drücken, andererseits hatte Caris schon viel für seine Männer erreicht.
"Danke, Kumpel", sagte Kinneas, nahm die Zigarre, die er von Caris angeboten bekam und tat sie in seine Tasche, in der er auch das Foto trug.

Ein junger Mann, der mit Sand übersät war, griff mit zitternder Hand nach Caris' Ärmel.
"Ich... ich..."
Caris umschlang den Soldaten, als er das Blut aus seinem Mund rinnen sah.
"Nein! Nicht du!", flüsterte Caris mit schwacher Stimme und sah den fast toten Soldaten in die Augen, in der Hoffnung ihn so am Leben zu erhalten.
"Du musst wieder nach Hause! Deine Frau erwartet... dein Sohn, verdammt!", brüllte Caris.


"Proteinversorgung abgeschlossen. Proteomskala auf 99 Prozent. Nährstoffzufuhr beenden. Plazenta-Systeme herunterfahren."
Dampf trat aus den Maschinen aus. Inmitten des Raumes stand ein riesiger Behälter, der mit gelber Flüssigkeit gefüllt war. Darin befand sich, mit unzähligen Schläuchen verbunden, der Körper von Caris, dessen organische Überbleibsel zur Lebenserhaltung täglich künstlich mit Nährstoffen versorgt werden müssen. Die Flüssigkeit wurde abgesaugt und der Behälter geöffnet. Caris erwachte mit einem Schlag und saugte hektisch Luft ein.
Eine mechanische Hand kam und setzte Caris ein elektrisches Herz ein, das sofort anfing zu schlagen. Caris wusste, dass sein neues Herz nach spätestens 24 Stunden aufgeladen werden musste. Solange musste er in dieser Kammer ruhen und künstlich am Leben gehalten werden. Caris dachte kurz an Jeremy, während er beobachtete, wie mechanische Arme langsam seine künstlichen Gliedmaßen ansetzten. Von oben schwebten die fünf Lacrima und wurden in seinen Körper implantiert.
Caris wurde auf den Boden gesetzt und ging ein paar Schritte. Die mechanischen Hände setzten ihm nun seine bernsteinfarbene Rüstung und seinen Militärmantel an. Schließlich betrachtete sich Caris im Spiegel.
Ein Detail fehlte noch, dachte er sich.
Seine eine Augenhöhle war leer. Er dachte kurz an Volunta. Dann betrachtete er seine Brust und fühlte sein künstliches Herz. Er dachte an Irvine. Er befühlte eine alte Brandwunde an seinem Schulterblatt und dachte an seinen Ziehvater.
Schließlich schüttelte er die Vergangenheit ab, nahm seine Augenklappe und verdeckte die leere Augenhöhle. Nachdem er sich ein paar Mal über das Haar gestrichen hatte, verließ er seine Schlafkammer in Richtung Brücke.
Caris betrachtete seine glänzende Hand, die er zu einer Faust ballte. Vor ihm lag nichts außer dem weiten Ozean. Wolken flogen an ihm vorbei. Der Balamb Garden bewegte sich von ihm weg, doch er würde ihn bald eingeholt haben. Vorher musste er noch etwas anderes erledigen. Er stellte Verbindung zur Basis in Esthar her. Auf dem Bildschirm erschien eine Person, dessen Gesicht von einer weißen Maske bedeckt war und über ihre bernsteinfarbene Rüstung einen schwarzen Umhang trug.
"Cody? Es ist soweit. Der Rat hat ausgedient. Führt unmittelbar die Exekution durch. Der Befehl ist gegeben. Das 'Triumvirat' soll sofort handeln.", befahl Caris.
"Wir Ihr Wünscht, Sir."
Dann verschwand das Bild und Caris konzentrierte sich wieder voll und ganz auf den Ozean.

Der Rat der Zwölf saß versammelt um den Tisch und beriet sich über das weitere Vorgehen.
"Caris überschätzt sich mächtig, wenn er denkt, die Sache alleine regeln zu können."
"Er interessiert uns nicht. Wichtig ist, dass er seine Aufgabe als Ablenkungsmanöver erfüllt, um unseren Hyniten den Zugang zum Garden zu ebnen. Wenn sich erst alle drei Garden in unserer Gewalt befinden, dann haben wir auch Zugang zu den drei MD-Ebenen, die wir für das Heben der Türme brauchen. Caris ist ab diesem Zeitpunkt nutzlos."
"Dem stimme ich zu. Wenn wir uns erstmal den Zugang allen sieben MD-Ebenen und somit zu den sieben Türmen verschafft haben, hat er seinen Zweck erfüllt. Wir müssen Caris zerstören, wenn wir dann wieder eigenständig agieren wollen."
"In der Tat hat der Schöpfer Hyne angekündigt, dass Caris sterben wird. Er ist für die Vollendung unseres Planes nicht von Belang."
"Damit ist es wohl entschieden", fügte ein Mitglied des Rates hinzu und läutete eine Glocke.
Drei Sektenmitglieder mit weißen Masken und schwarzen Umhängen betraten den Saal.
"Es ist eine Entscheidung gefallen. Triumvirat, begebt euch in das Yarny-Tal und beobachtet den Kampf gegen die SEEDs. Sollte Caris als Sieger hervorgehen, dann werdet ihr ihn töten."
Die drei mysteriösen Attentäter verbeugten sich.
"Hinfort mit euch", befahl ein Mitglied des Rates.
Die Attentäter erhoben sich... und gingen langsam auf den Rat der Zwölf zu.
"Habt ihr nicht verstanden?", brüllte einer des Rates und stand auf.
Die stumme Maske des Sektenmitglieds, das vor ihm stand, starrte ihn an. Plötzlich verspürte er einen Hieb. Der Attentäter hob seine Hellebarde mit der blutigen Spitze nach oben und legte sie an den Hals des Ratsmitgliedes an. Dieses sah nach unten und entdeckte das Blut, das aus seinem Bauch triefte. Bevor er umkippte schlug ihn der skrupellose Mörder den Kopf ab, sprang auf den Tisch und machte dasselbe mit vier anderen Leuten. Die restlichen sieben der zwölf wollten panisch um ihr Leben rennen, doch wurden sie von den anderen beiden Killern aufgehalten und somit führten die drei Attentäter Caris' Befehl in weniger als zehn Sekunden aus.
"Der neue Auftrag lautet, Caris zu vernichten, sollte er den Kampf überleben", sprach der Anführer des 'Triumvirats', Cody, bevor er mit seinen Begleitern den Saal verließ.
Squall und Rinoa bereiteten sich gemeinsam stumm in ihrem Zimmer auf den bevorstehenden Kampf vor. Squall überprüfte, ob er genügend Tränke bei sich trug und versicherte sich kurz, dass Fib noch bei ihm war.
"Du siehst so angespannt aus. Wenn es um das Fliegen geht, dann mach dir nichts draus, ich habe auch kein gutes Gefühl dabei", sagte er schließlich etwas unsicher.
"Das ist es nicht... Aber wenn du dich vor der Luftschlacht fürchtest, dann solltest du besser im Garden bleiben. Odyne und Skylar werden von ein paar Leuten mit einem Unterseeboot nach Esthar gebracht. Du solltest sie begleiten, bei deinem Vater bist du sicher", meinte Rinoa plötzlich.
Es klang weder launisch noch spöttisch. Es klang ernst.
"Was redest du da? Ich werde euch nicht so einfach hier lassen..."
"Xell könnte die Ragnarok an deiner Stelle steuern", setzte Rinoa fort.
"Wie kommst du darauf, dass ich fliehen will? Ist es vielleicht, weil ich letztens alleine abgehauen bin?", fragte Squall laut.
Seufzend setzte sich Rinoa auf das Bett.
"Nein... Tut mir Leid..."
Squall setzte sich zu ihr.
"Ich mache mir Sorgen wegen meiner Mutter. Ich habe erfahren, dass mein Vater ermordet wurde. Diese Nachricht war so, als würde er ein zweites Mal sterben. Und was, wenn meiner Mutter heute etwas geschieht? Die SEEDs hassen sie, du hasst sie. Niemand wird sie retten, wenn Caris die Überhand gewinnen sollte."
Squall sah zu Boden. Für einen Moment war es ganz ruhig im Raum. Leute rannten draußen vorbei, schrieen sich auf dem Flur gegenseitig Sachen zu.
"Wir werden das Luftschiff von Caris aufhalten und alles wird wieder gut", sagte Squall schließlich.
"Wenn ich doch auch so stark wäre wie meine Mutter. Sie hat mich so viel gelehrt, doch irgendwie fühle ich mich nicht so, als könnte ich den Feind bezwingen und euch beschützen."
Squall schwieg. Er hatte den Kampf zwar nicht gesehen, aber den Berichten von den Schäden in Dollet zufolge, waren die Kräfte von Prokylta und Caris immens.
"Achtung! Feind in Sicht!!!", ertönte es plötzlich aus der Sprechanlage.
Ein schrilles und lautes Sirenengeräusch erklang.
"Schiff, Typ: Meister, Klasse X35 wurde indentifiziert als die 'Enthaupter', das Flagschiff von General Caris. 'Enthaupter' nähert sich aus 11 Grad und 38 Minuten! Ich wiederhole! ..."
Squall und Rinoa sprangen auf. Squalls Herz pochte.
"Wir müssen in den Hangar!", sagte Rinoa und rannte los.
Squall sah zum Fenster raus. Das Land war bereits zu sehen und würde es nicht so nebelig sein, könnte man bestimmt auch schon den Galbadia Garden sehen. Alles verlief nach Plan. Es gab keinen Grund zur Aufregung. Squall schnallte sich seine Waffe um und rannte Rinoa hinterher.

"Die Luftstaffel hat sich umgehend im Hangar einzufinden! Alle Einheiten, deren Einsatznummer mit 'C' endet werden zur Unterstützung im Hangar angefordert. Anwärter aus der 11. Klasse und höher treffen sich im Schulhof..."
Hunderte Anweisungen dröhnten durch die Lautsprecher. Cifer hatte noch etwas Wichtiges zu erledigen. Niemand bewachte die Gefängniszellen. Cifer trat die Tür auf.
Xelto stand am Fenster und sah desinteressiert nach draußen.
"Du wirst gebraucht! Beweg deinen Arsch da raus und mach dich bereit!"
Xelto drehte sich um und schon bekam er seine Gunblade in die Hand gedrückt.
"Ich sagte doch schon einmal, dass mich Caris nicht interessiert. Worauf ich aber schon lange warte, ist ein Duell zwischen..."
"Dafür ist keine Zeit!", schrie Cifer und packte Xelto am Kragen.
"Du wirst deinem Bruder im Kampf gegen Caris helfen, wenn's ernst wird. Sollten wir überleben, und ich versichere dir, dass ich nicht so einfach sterbe, dann bekommst du deine lang ersehnte Dresche."
Er schubste ihn nach vorne, so dass Xelto fast auf die Nase fiel.
"... ist für die Schüler der 5. Klasse verantwortlich. Achtung! Die Luftstaffel hat sich umgehend im Hangar einzufinden! Damit bist du gemeint, Cifer Almasy!", sagte Niko über die Lautsprecher.
Xelto stand wütend auf und nahm seine Gunblade in die Hand. Er sah sich um, doch Cifer war bereits verschwunden.

"Schön, dass du dich doch noch entschlossen hast zu kommen", grinste Irvine, als Cifer den Hangar betrat.
Die drei Ragnaroks füllten den kompletten Raum aus. Es sah so aus, als hätte man den Hangar vergrößern lassen.
"Wir haben bereits ein paar wichtige strategische Züge besprochen, aber mach dir nichts draus, wir stehen eh unter Funkkontakt", erklärte Xell und drückte Cifer ein Headset in die Hand.
Squall und Rinoa hatten ihres bereits aufgesetzt.
"Da bin ich aber erleichtert", sagte er und setzte seins auf.
"Yo, dann hört mir gut zu. Ihr wisst bereits, wie alles abläuft. Versucht Caris in der Luft auszuschalten, während wir die Kleinen in Sicherheit bringen. Sollte euch Caris entwischen, dann sind wir am Zug und ihr kennt ja unsere Chancen. Versucht uns wenigstens Zeit zu geben..."
"Xell, wo ist meine Mutter?", unterbrach ihn Rinoa wissen.
Sie hatte Prokylta seit einiger Zeit nicht mehr gesehen. Xell zuckte mit den Schultern.
"Da hab ich keinen blassen Schimmer. Wäre fein, wenn sie uns helfen könnte..."
"Ich denke, es wird Zeit zu starten", sagte Irvine ruhig.
Xell nickte.
"Ok, wenn ihr Probleme mit der Bedienung habt, dann meldet euch einfach. Wir werden im ständigen Kontakt mit euch stehen... Ach ja, Cifer, dein Schiff ist die Ragnarok-2, die Thanatos, da drüben. Rinoa steuert die Apokalyptika und Squall die Ragnarok."
Plötzlich brachte eine Erschütterung den Boden ins Wanken. Die Alarmlichter gingen an.
"Treffer im fünften Sektor! Luftstaffel! Wo bleibt ihr!?"
"Jetzt aber los!", brüllte Xell panisch.
Squall, Rinoa und Cifer rannten zu den Luftschiffen und stiegen so schnell wie möglich ins Cockpit.
"Systemfehler! Verteidigungssystem wird heruntergefahren!", hörte Squall, als er bereits im Cockpit saß.
Xell und Irvine stürmten aus den Hangar.
"Was ist los?", rief Rinoa panisch.
"Die Verteidigungssysteme wurden heruntergefahren? Wer fährt die Verteidigungssysteme herunter?", fragte sich Squall.
Drei weitere Erschütterungen waren zu vernehmen. Das Tor nach außen öffnete sich. Der Galbadia Garden war zu erkennen. Ein weiterer Treffer erschütterte den Garden.
"Scheiße. Wir haben was übersehen", knurrte Cifers Stimme über Funk.
"Was?", fragte Rinoa.
"Los gehts!", rief Cifer.
Jetzt gab es kein zurück mehr, dachte sich Squall. Die Maschinen wurden angeworfen. Das Schiff vibrierte stark. Stärker als sonst. Man hatte wohl die Ragnarok zum Kampf optimiert. Squall schob einen Hebel nach vorne. Er hörte, wie die Turbinen aufheulte. Die drei Luftschiffe schossen aus dem Hangar ins Freie, wo Caris sie unter düsterem Himmel erwartete.
"Ragnarok! Apokalyptika! Thanatos! Wurde auch Zeit! Unser Verteidigungssystem funktioniert nicht", teilte Niko per Funk mit. "Wir sind konferenzgeschaltet. Bestätigt alle Anweisungen mit 'Roger!', klar?"
"Verstanden!", sagte Squall zum Trotz.
"Verstanden!"
"Verstanden!"
"Diese Befehlsverweigerung wird vermerkt! Achtung! Caris befindet sich auf der östlichen Seite..."
Rauschen
"... angreifen... Galba... aden... umdrehen!"
Nikos letzte Worte waren nicht zu verstehen. Er sah, wie Rinoa und Cifer am Galbadia Garden vorbeiflogen und in einer langen Kurve umdrehten. Squall machte es ihnen nach und wurde in den Sessel gedrückt.
"Sobald ihr Sichtkontakt zu Caris habt, müsst ihr feuern! Nehmt dazu den Steuerknüppel zur eurer Rechten in die Hand. Ihr werdet auf der Konsole das Ziel anvisieren können", erklärte Niko.
Squall machte sich bereit und flog mit den beiden anderen an den Balamb Garden vorbei. Eine Rakete kam aus der Richtung, aus der Caris kommen sollte und traf den Balamb Garden.
"Verdammt! Ihr müsst die Raketen abschießen!", brüllte Niko.
Squall nahm den Steuerknüppel in die Hand. Die nächste Rakete war im Anflug. Intuitiv richtete er das Fadenkreuz und feuerte. Die Rakete explodierte. Überreste flogen auf ihn zu und schrammten an der Oberfläche seines Schiffs vorbei.
"Basis 1 bestätigt Ausschalten von Rakete Typ 7! Und jetzt fliegt dem Zielobjekt entgegen. Es ist circa 23 Kilometer entfernt. Haltet die Enthaupter vom Garden fern", befahl Niko.
"Verstanden!", antworteten Squall, Rinoa und Cifer.
Die drei Luftschiffe sausten gen Osten und entfernten sich wieder von der Küste, auf der sich die Garden befanden.
"Das da vorn ist Caris!", sagte Rinoa.
Am Horizon konnten Squall die 'Enthaupter' erkennen, die rasch größer wurde. Gegen das gigantische Schlachtschiff wirkten die Ragnaroks wie kleine Fliegen. Squalls Herz begann zu klopfen.
"Ziel anvisieren! Feuert wenn ich das Zeichen gebe", befahl Niko.
Squall, Cifer und Rinoa richteten die Geschosse auf die Enthaupter. Diese bewegte sich mit hoher Geschwindigkeit auf sie zu. Die drei Ragnaroks, im Horizont ein Dreieck bildend, stellten sich der Enthaupter frontal gegenüber.
"JETZT!"
Die Ragnarok erbebte, als die Raketen abgeschossen wurden. Lautes Donnern drang aus den Geschossen und in kurzen Zeitabständen ballerten eine Mini-Rakete nach der anderen aus den drei Luftschiffen und flogen, eine weiße Spur hinter sich herziehend, der' Enthaupter' entgegen.
Rapide drückte er auf den Abschuss-Knopf, doch dann erkannte er, dass Caris' Luftschiff keinen Schaden nahm.
"Diese scheiß Raketen gehen nicht durch", fauchte Cifer.
Das feindliche Luftschiff zog einen schwarzen Nebel, der ihn vorher umhüllt hatte, hinter sich her und begann zu feuern.
"Es hat einen Schild! Strategieänderung! Greift sie von hinten an!"
Squall wich dem Kugelsturm aus, doch konnte er nicht verhindern, dass er von mehreren Schüssen beim Abdrehen trotzdem getroffen wurde.
"Formation auflösen!", lautete Nikos Befehl.
Cifer und Rinoa drehten, jeweils einer nach links und der andere nach rechts ab, Caris Schiff sauste zwischen den beiden durch. Squall zog hoch. Für eine Sekunde konnte er die winzigen Menschen auf der Brücke der 'Enthaupter' sehen, die von der Scheibe wegrannten, dann flog er über Geschütztürme hinweg und schließlich war nur noch Land unter ihm. Er machte eine Drehung in der Luft und flitzte Caris' Schiff nach. Rinoa und Cifer machten ebenfalls kehrt und verfolgten die Enthaupter, die nun direkt auf den Balamb Garden zusteuerte. Im Windschatten der Enthaupter feuerte Squall erneut einige Schüsse auf das Schlachtschiff, doch wurden diese vom gleißenden Feuer, das aus den Antriebsdüsen rausragte, verzerrt und schien keine Wirkung zu zeigen. Die 'Enthaupter' schoss drei Raketen ab, die direkt auf den Balamb Garden zusteurten.
"Lasst euch was einfallen!", brüllte Niko.
Im Hintergrund hörte man Schreie und Donner.
"Wir packen Caris von der Seite an! LOS!", rief Squall.
Apokalyptika und Thanatos aktivierten den Booster und brausten an der Ragnarok vorbei, so dass sie sofort auf gleicher Ebene wie die Enthaupter waren.
"JETZT!", brüllte Squall, der alles von hinten beobachtete.
Cifer und Rinoa, die sich seitlich der 'Enthaupter' befanden, lenkten ihre Luftschiffe in die Mitte. Ein ohrenbetäubendes Geräusch ertönte, Funken sprühten in alle Richtungen. Das Schlachtschiff stellte das Feuer ein. Unmittelbar vor dem Balamb Garden zog er nach oben. Er streifte die Kuppel des Balamb Garden, der Garden taumelte. Der Feuerstoß der 'Enthaupter' verbrannte einen Teil des blauen Anstriches.
"Vernichtet diese Bestie!", kreischte Niko.
Im Hintergrund konnte man panische Schreie hören. Anscheinend hatte man auf der Brücke des Gardens für eine Sekunde mit dem Leben abgeschlossen.
Das Energieschild der 'Enthaupter' flackerte auf, wurde sichtbar. Der beinahe Zusammenstoß mit dem Garden hatte der 'Enthaupter' anscheinend Energie gekostet. Der Schild flackerte einmal auf und brach schließlich zusammen. Squall legte den Hebel für den Booster um. Die Motoren wurden lauter, die Temperaturen des Generators schnellten in die Höhe. Die Ragnarok holte auf und nach wenigen Sekunden war sie über der 'Enthaupter'. Squall feuerte los und jeder Treffer hinterließ ein Einschussloch. Plötzlich bremste das Schlachtschiff. Squall zog den Knüppel zu sich heran.
Die Ragnarok stieg steil nach oben, durch die Wolkendecke. Plötzlich strahlte ihm der blaue Himmel ins Gesicht. Squall hatte den Knüppel immer noch zu sich rangezogen. Sein Magen drehte sich um. Die Sonne verschwand, als Squall den Looping zur Hälfte fertig hatte. Die Wolken befanden sich wieder über ihm. Die Ragnarok drehte sich in Richtung Boden. Die Gewitterwolken flogen steil auf ihn zu. Ein Blitz flog direkt am Cockpit vorbei. Die Wolkendecke brach weg, er flog direkt auf den Boden zu. Squall drückte den Knüppel von sich weg, bis das Schiff parallel zum Boden war und die Landschaft den Himmel und die Wolken den Boden bildeten. Squall drehte das Schiff wieder richtig rum und hatte die 'Enthaupter' direkt im Visier.
Sie hatte den Garden fast erreicht.
"Hinterher! Eure Motoren halten den Booster-Modus nicht mehr lange durch!", brüllte Niko.
Der Looping hatte zuviel Zeit gekostet. Squall würde das Schiff nicht mehr rechtzeitig einholen können. Schnell sah er sich auf dem Bordcomputer um und entdeckte einen weiteren Schalter.
"Niko! Rinoa! Cifer! Ich werde den Booster der Hyper-Engine aktivieren!", sagte Squall und drückte auf den roten Knopf.
Ein Surren, das er vorher nie beachtet hatte, nahm eine immense Lautstärke an. Die Wälder und Wiesen unter ihm rasten noch schneller vorbei und die Enthaupter kam in unmittelbare Nähe. Völlig unerwartet fuhr diese aber ein Heckgeschütz aus, das auf die Ragnarok feuerte. Die Erschütterungen waren doppelt so heftig. Squall schaltete beide Booster aus und rammte das Schlachtschiff, das ihn bereits gestreift hatte. Die 'Enthaupter' wendete und flog wieder in die andere Richtung, unbedacht dessen, dass gerade Cifer und Rinoa entgegenkamen.
"Vergesst endlich dieses verdammte Geschosse!", rief Niko. "Legt den Schalter zu eurer Rechten um und verwendet die Klauen der Ragnarok! Der zweite Steuerknüppel lenkt den linken Arm, der zum Zielen den rechten. Schmettert das Zielobjekt nach unten!"
Squall und die anderen beiden aktivierten die Arme. Cifer und Rinoa flogen der Enthaupter entgegen, hielten an und verwendeten die Greifer ihrer Luftschiffe, wie Niko es gesagt hatte. Caris steuerte direkt in die Arme der Ragnaroks, doch plötzlich verwandelten sich die beiden Vorrichtungen seitlich der Enthaupter in weitaus größere Arme. Mit einem wuchtigen Schlag schmetterte Caris' Schiff das von Rinoa fast einen Kilometer nach hinten. Splitter flogen durch die Luft.
"RINOA!!!", schrie Squall.
Die Apokalyptika hielt sich weiterhin in der Luft.
"Ich bin in Ordnung", antwortete sie.
Squall drehte erleichtert zu Caris. Die Thanatos packte mit beiden Händen den rechten Arm der Enthaupter. Die linke griff nach der Thanatos, konnte sie aber nicht erreichen. Es sah aus, wie ein gewaltiges Armdrücken zwischen zwei riesigen Schiffen.
"Ich mach dich alle. Du blödes Arschloch!", knurrte Cifer.
Squall flog mit der Ragnarok näher ran, wurde dann aber mit dem linken Arm der Enthaupter am Rumpf gepackt. Squall konnte sie nicht rausmanövrieren, weshalb er mit den Fängen der Ragnarok wie wild um sich schlug. Er hörte das Klirren und Knacksen innerhalb des Luftschiffes. Caris würde ihn zerquetschen...

"Niko! Schau dir mal die Aufzeichnungen an!", rief Xell und winkte Niko zu sich.
Alle versammelten sich um den Monitor und sahen die Luftschiffe, die wie gewaltige Ungeheuer um den Sieg rangen. Das ganze Schauspiel sah sehr spektakulär aus.
"So ein Mist! Das halten die nicht lange durch...", murmelte Niko.
Er aktivierte ein Funkgerät.
"Kinneas! Leite zum Galbadia-Garden den Befehl nach Westen zur Goatland-Halbinsel vorzurücken weiter. Wir müssen eingreifen."
"Aber Caris ist doch hinter UNS her. Wozu haben unsere Freunde ihn extra so weit weggelockt!?", fragte Irvine wütend.
"Sieh dir das Bild genau an. Caris wird sie zerfetzen! Wir sind SEEDs, wir dürfen nicht weglaufen!"
Die SEEDs sahen sich hinter Niko an.
"Ich habe eine Idee...", sagte Niko.

"Na los, rein mit euch, hier seid ihr sicher", befahl Edea und achtete darauf, dass alle Kinder in den Bunker gingen.
Die MD-Ebene, die ursprünglich versiegelte Anlage in den Eingeweiden des Gardens, in der der Flugmechanismus des Gardens versteckt worden war, bis Squall ihn in einer Notsituation aktiviert haben, war inzwischen zu einem Zufluchtsort umfunktioniert worden..
Shou kämpfte sich durch den Haufen kleiner Racker nach draußen.
"Sie werden hier sicher sein. Der Ort ist geschützt und warm. Wir müssen uns aber noch überlegen, was wir mit den restlichen Kindern machen. Hier haben längst nicht alle Platz", sagte sie.
Edea nickte.
"Wir haben sogar Fernsehen", rief Nimbley begeistert.
"Ich werde mich oben um die Kranken kümmern. Schaffst du das hier?", fragte Shou.
"Ja, es sind ja noch genug Schüler aus den höheren Klassen hier. Das ist das erste Mal, dass ich in der MD-Ebene bin. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass die Centra..."
"Mama! Schau! Onkel Niko ist im Fernsehen!", rief Nimbley.
Es wurde leiser im Bunker. Edea und Shou traten verwundert ein. Der Fernseher wurde mit wackeligen Aufnahmen aus dem Operationssaal gespeist. Edea hatte eine böse Vorahnung. "... konnten Caris weiter nach Westen über die Monterosa-Hochebene, weiter zur Goatland-Halbinsel jagen. Satelliten liefern uns diese Fotos von der momentanen Lage."
Die besagten Satellitenfotos wurden eingeblendet. Auf den Bildern sah man die 'Enthaupter' und die Thanatos beim Armdrücken in den Wolken.
"Wuuuuuoooooaaaaahhhhh!!!", trällerte es aus Nimbley raus.
Auf den Bildschirm starrend nahm er unbewusst zwei Spielzeugroboter heraus und stellte die Szene nach. Niko kehrte auf den Bildschirm zurück.
"Unsere Verbündeten brauchen unsere Hilfe. Da wir aber die Kinder und Zivilisten nicht gefährden möchten, ersuche ich alle kampfuntauglichen Passagiere des Galbadia Gardens sich im Balamb Garden einzutreffen. Alle SEEDs und Anwärter mit genügend Kampferfahrung werden analog dazu aufgefordert sich in den Galbadia Garden zu begeben. Um Caris zu vernichten brauchen wir jeden fähigen Kämpfer, vergesst das nicht. Im Schulhof wurde eine Brücke ausgefahren, die beide Garden verbindet, um den Transfer in der Luft möglichst schnell durchführen zu können. Der ganze Vorgang muss in zwölf Minuten abgeschlossen sein. Danach wird sich der Galbadia Garden zum Schlachtfeld begeben, während der Balamb Garden sich zurückzieht. Das ist alles!"
Niko verschwand und das Garden Logo erschien..
"Dieser Idiot!"
Shou stampfte auf den Boden.
"Sollte der Galbadia Garden eingenommen werden, dann sind wir denen hilflos ausgeliefert. Niko stürzt uns ins Verderben."
"Ich hoffe, ich habe keinen Fehler gemacht", flüsterte Edea.
"Jeder Fehler geht auf Nikos Inkompetenz und Übermut zurück", meinte Shou.
Edea seufzte.
"Hey, es wird alles gut. Ich bleibe bei euch im Garden", tröstete Shou Edea und rannte schließlich nach oben zu den anderen.

Niko, Xell, Selphie und Irvine standen vor der Brücke, die zum anderen Garden führte. Ein paar andere SEEDs schleppten das Equipment hinüber. Die provisorische Brücke knarrte, während beide Garden halbwegs ruhig in der Luft standen. Shou kam angerannt.
"Du kommst spät. Der Transfer ist bereits abgeschlossen", sagte Niko säuerlich.
"Ich weiß. Alle Kämpfer sind jetzt drüben, hier sind nur noch die Verletzten, die Kinder und ein Pilot, Bibsen, mit dem ich nicht mal in eine Schlacht gegen eine Mücke ziehen würde. Ein Grund mehr für mich, hierzubleiben!", antwortete Shou kühl.
"Wir brauchen jeden einzelnen SEED, vor allem die hochrangigen, wie dich."
"Hey, lass sie doch hier bleiben. Ich fände es gut, wenn jemand in der Zwischenzeit meine Anrufe entgegennehmen könnte. Das Management soll nicht ganz ausfallen", mischte sich Xell ein.
"Die weißen SEEDs sind noch hier", warf Niko ein, doch Xell und die anderen gingen bereits rüber zum Galbadia Garden, so dass Niko und Shou alleine zurückblieben.
Shou zog ihre Augenbrauen hoch. Niko schnaubte einmal und stapfte dann ebenfalls über die Brücke.
Kaum war er auf der anderen Seite, wurde die Brücke wieder eingefahren.
"Ich danke euch. Passt bitte auf euch auf!", rief Shou auf die anderen Seite.
"Uns passiert schon nichts, Shou. Du kannst dich schon einmal freuen, wenn wir mit spannenden Heldengeschichten zurückkommen", entgegnete Xell, während sich der Galbadia Garden langsam entfernte.
Shou musste lächeln. Sie winkte den anderen drei zum Abschluss zu und ging schließlich zurück in den Garden...

Im Cockpit war es heiß, die Alarmsignalknöpfe auf den Armaturen leuchteten wie in einem Lichtspiel. Squall hatte Angst den Knüppel abzureißen, wenn er noch fester daran drücken würde. Den gewaltigen Ärmeln der Enthaupter war die Ragnarok nicht gewachsen. Rinoa flog mit ihrem Schiff dazu. Sie hatte große Schäden davon getragen. Die Apokalyptika machte eine Faust und schlug wuchtig auf das Vorderteil von Caris' Luftschiff.
"Gut gemacht, Rinoa! Versuch ihn nach unten zu drücken. Cifer und ich halten ihn fest", sagte Squall und kam nebenbei mit jedem Schnarren, das die Ragnarok von sich gab, mehr ins Schwitzen.
Auch die Thanatos machte dieses Armdrücken nicht mehr lange mit.
"Dieser verfluchte... Ich schalte wieder den Booster ein!", brüllte Cifer.
Aus allen Fugen seines Luftschiffes qualmte es, doch endlich konnte er Caris Paroli bieten. Er drückte den Arm der 'Enthaupter' leicht nach oben, das Schiff kippte leicht nach Squalls Richtung.
"Jetzt habe ich dich!", zischte Cifer und holte mit der 'Hand' der Thanatos zum Schlag aus.
Plötzlich griff die 'Enthaupter' nach dieser und presste die 'Finger' fest zusammen. Blitze und Funken schossen raus.
"Scheiße!!!", schrie Cifer.
Der zerquetschte Arm löste sich und die Thanatos krachte, außer Kontrolle, seitwärts in die Enthaupter rein. Trümmer und Splitter flogen durch die Luft. Rinoa und Squall waren geschockt.
"CIFER!!! Melde dich!", schrieen beide ins Mikrofon.
"Mir geht's gut. Hört auf so zu schreien, der Aufprall war laut genug."
Auf der Konsole blinkte plötzlich das Symbol, das auf eine eingehende Funkübertragung hindeutete.
"Hier will mich jemand sprechen."
"Ja, bei mir auch. Wir sollten annehmen", sagte Rinoa.
Die drei gaben den Kanal frei.
"Ihr habt ja einiges drauf", erklang Caris' Stimme aus den Kopfhörern.
Squall wurde sofort ganz anders. Ja, es war tatsächlich etwas anderes. Vorher hatten sie sich mit der 'Enthaupter' gemessen. Jetzt, da er Caris' Stimme hörte, wurde ihm wieder bewusst, dass sie gegen einen Menschen kämpften. Squall erinnerte sich an den Traum. Caris hatte ihn gerettet. War er ihm etwas schuldig?
"Caris!", rief Squall.
Caris meldete sich nicht zurück. Sein Luftschiff vibrierte. Plötzlich löste sich etwas von der Unterseite. Ein riesiges Stück Metall entkoppelte sich und wurde schnell von dem freien Arm der Enthaupter aufgefangen. Erst als sie es hochhob erkannte Squall, dass es eine bestimmte Form hatte. Es war die Form eines gewaltigen Schwertes in der Größe eines Hochhauses.
"Nun werdet ihr verstehen, warum dieses Schiff den Namen 'Enthaupter' trägt", lachte Caris.
Squall wusste, was jetzt kommen würde.
"Cifer! Hau ab!!!"
Doch die beschädigte Thanatos konnte nicht mehr schnell genug reagieren und mit einem gewaltigen Schlag, alle Winde zerteilend, schlug die 'Enthaupter' das Luftschiff von Cifer entzwei. Die Maschinen, die sich alle im Hinterteil befanden, explodierten und ein starker Impulsstoß schleuderte das Teil mit dem Cockpit durch die Lüfte. Rote Sonnenstrahlen, die für eine Sekunde durch die Wolken drangen, wurden vom Metall des Schwertes reflektiert und der von ihm verursachte Wind blies alle Einzelteile der Thanatos auf die anderen beiden Ragnaroks. Squalls Herz schlug schnell. Das durfte nicht passieren!
"NEIN!!! CIFER!!!"
Durch das Funkgerät hörte er Cifers Schreie, Lärm, Rauschen, Stille...
Squall sah geschockt nach unten. Unter ihm befand sich Meer. Die vordere Hälfte, in der Cifer saß, war immer noch ganz und stürzte in die See. Squall schwitzte. Es war noch nichts verloren.
"Rinoa! Es wird alles gut!"
Squall war verzweifelt. Rinoa meldete sich nicht.
"Rinoa! Hörst du mich? Wir müssen..."
"PASS AUF, SQUALL!!!"
Das riesige Schwert der Enthaupter sauste neben ihm vorbei, so schnell dass er es gar nicht schnallte. Er merkte, dass jeglicher Widerstand am Steuerpult des linken Armes plötzlich verschwand. Als er einen Blick nach unten warf, sah er einen Arm der Ragnarok und zwei riesige Düsen nach unten ins Meer fallen. Im selben Moment erschütterte eine Explosion das Schiff. Meterhohe Flammen und schwarzer Rauch schossen aus allen hinteren Teilen des einst prächtigen Luftschiffes. Jeder Widerstand verschwand vom Steuerhebel. Die Ragnarok stürzte ab! Die Enthaupter griff danach und hielt es fest.
"Ich lass dich nicht los, bevor du nicht vollends verbrannt bist", lachte Caris.
"Caris, hör auf!", brüllte Squall.
Die Apokalyptika näherte sich der Ragnarok.
"Pass auf, Squall", rief Rinoa und wie auf Kommando sprang Squall nach hinten, als die Klauen der Apokalyptika die Scheiben im Cockpit zertrümmerten.
"Aktiviere die Selbstzerstörung und klettere dann da rauf!"
"Was!?"
"Mach schon! Bitte!"
Squall tippte mit schwerem Herzen den Befehl zur Detonation ein und kletterte schließlich auf die Klauen von Rinoas Luftschiff. Der eisige Wind knallte ihm ins Gesicht, während er sich an den Klauen festkrallte. Er fühlte sich wie der verletztlichste Mensch der Welt. In diesem Moment stand nichts zwischen ihm und der Gewalt des 'Enthaupter'. Während er nach oben zur Luke gehoben wurde, warf er noch einen letzten Blick auf die Ragnarok.
Die Klaue der Apokalyptika verkürzte sich. Squall kletterte über die Luke zur Apokalyptika rein und rannte schnell ins Cockpit. Rinoa sah ziemlich fertig aus. Ihre Haare waren zersaust, ihr Gesicht schmutzig und auf den Wangen klebten Tränen. Squall setzte sich neben ihr. Beide sahen zu, wie die Enthaupter versuchte, die Ragnarok abzuschütteln, doch diese klammerte sich mit ihrem verbliebenem Arm fest an das feindliche Luftschiff, bis sie in einer heftigen Explosion aufging und sämtliche Erinnerungen noch ein letztes Mal aus ihren tiefsten Fugen nach außen kehrte...
Squall seufzte. Er saß kraftlos auf den Stuhl des Copiloten und fühlte sich für diesen Kampf erledigt. Rinoa sprach kein Wort, stattdessen schaltete fuhr sie den Arm ein und aktivierte wieder das Geschosse. Mit einem gezielten Schuss konnte sie der Enthaupter das Schwert aus der noch verbliebenen Hand schießen. Es flog nach unten, ebenso Metalltrümmer, die vorhin noch riesiger mechanische Finger darstellten. Squall sah zu, wie das Schwert am Boden (sie hatten das Meer hinter sich gelassen) mit der Klinge voraus in die Erde fuhr. So würde dieses gigantische Schwert auch in Zukunft noch an diesen Kampf erinnern.
"Rinoa! Kannst du mich hören! Was ist mit Squall und Cifer passiert? Warum bewegt ihr euch immer weiter nach Deling City?", rauschte Xells Stimme aus dem Kopfhörer.
Rinoa antwortete nicht, also übernahm Squall.
"Hier ist Squall... Ich bin zu Rinoa umgestiegen, nachdem wir auch die Ragnarok verloren haben... Tut mir einen Gefallen und rettet Cifer... Er ist mit der Thanatos ins Meer gestürzt...", sagte Squall kraftlos.
"Ihr habt die Thanatos und die Ragnarok verloren?!", brüllte Niko.
"Holt endlich Cifer aus diesem verdammten Meer raus", schrie Squall zurück.
"Wir sind alle im Galbadia Garden und nicht weit von euch entfernt, aber wir werden sofort eine Rettungsmannschaft entsenden. Versprochen", sagte Xell.
Seine Stimme klang besorgt. Niko übernahm wieder.
"Ich habe soeben die Satellitenaufnahmen erhalten. Demzufolge solltet ihr..."
Klack! Rinoa schaltete das Funkgerät aus.
"Was war das denn?"
"Vertrau mir", sagte sie, stand auf und nahm Squall bei der Hand.
Caris war offensichtlich gerade dabei, das Luftschiff wieder in Griff zu bekommen, dachte sich Squall, als er einen Blick nach vorne warf, wo die Enthaupter durch die Lüfte wankte. Rinoa schaltete beide Booster an.
"Wenn du jetzt Gas gibst, dann brausen wir direkt in das Schiff vor uns rein", sagte Squall vorsichtig.
Rinoa nahm den Steuerhebel in die Hand. Squall ahnte Schlimmstes.
"Genau das soll passieren..."
"WAS!?"
Rinoa legte den Hebel nach vorne und rannte aus dem Cockpit raus, Squall hinter ihr herziehend. Kaum waren sie draußen donnerte die Apokalyptika in die Enthaupter rein. Rinoa drückte Squall an sich, sprach einen Zauber auf die beiden und warf sich mit ihm auf den Boden. Das Cockpit wurde zerschmettert, die Wände falteten sich auseinander und Feuer umhüllte die beiden aus allen Richtungen. Rinoa drückte Squall fest an sich. Der Boden unter ihm schien zu zerschellen, doch er fühlte sich sicher, solange er zusammen mit Rinoa innerhalb ihres Schutzschildes war...

Im Operationssaal des Galbadia Gardens herrschte totenstille. Irvine stürzte sich auf das Mikrofon.
"Ihr Idioten! Ihr Selbstmörder! Meldet euch!"
"Der Funkkontakt ist abgebrochen, das Cockpit kann so einem Crash nicht standhalten", flüsterte Selphie geschockt und hielt zitternd Nikos Hand.
Dieser blickte geschockt auf den Monitor und riss sich unbewusst von Selphie los.
"Das Zielobjekt..."
Niko schluckte und warf einen Blick auf den Radar, dann noch einen auf den Monitor.
"Es stürzt ab! Das Zielobjekt stürzt ab!"
Die Glocken schlugen im ganzen Garden Alarm, da im selben Moment auch die Luftwache realisierte, dass die Enthaupter, sofern sie sich nicht mehr in den Griff zu bekommen war, direkt auf den Garden zu stürzen drohte.
"Ausweichmanöver einleiten! Nach rechts drehen!", schrie Irvine in das Mikrofon, das die Nachricht zur Brücke weiterleitete. Langsam drehte der Garden ab. Niko starrte wie gebannt auf die Monitore.
"Hier Luftwache! Abweichung von Zielobjekt wurde registriert. Wahrscheinlichkeit auf Kollision mit Haupttrakt auf 32 Prozent gesunken...", ertönte es aus dem Lautsprecher
"Hier Brücke! Konnte erfolgreich abdrehen Kommandant!", lautete die nächste Durchsage.
"Hier Luftwache! Kommandant! Zielobjekt fliegt direkt auf uns zu!!!"
"Runter!", schrie Irvine auf sich auf den Boden.
Niko zog Selphie augenblicklich an ihn ran und warf sich schützend über ihr. Alle am Boden liegend wurden sie von einem schweren Beben durch den Raum geworfen. Das gigantische Krachen der beiden aufeinanderprallenden Kolosse verschlang gnadenlos jeden menschlichen Schrei. Niko presste sie fest an ihren Körper, während sie beide ungehemmt brüllten vor Angst. Ihr Knie stieß gegen die harte Mauer. Als die metallenen Wände zu kreischen aufhörten, folgte die nächste Erschütterung. Der Garden kippte, wurde von der abgestürzten Enthaupter nach unten gedrückt und streifte mit dem Hovercraft den Boden. Die Fensterscheiben, die Monitore und die Lichter zersprangen. Niko hob seinen Kopf und sah durchs Fenster. Splitter des Hovercrafts und eine Menge Erde flogen durch die Luft. Nach wenigen Minuten, die sich wie Stunden anfühlten, war das Beben gering genug, um stehen zu können.
"Mein Bein... Niko...", weinte Selphie.
"Bleib hier liegen, es wird schon wieder", sagte Niko und richtete sich auf.
Irvine und Xell hatten Schürfwunden, waren aber sonst unverletzt. Irvine ging zur Sprechanlage.
"Brücke! Bitte melden."
Keine Antwort.
"Brücke! Was ist los?"
Rauschen.
"Frag das Observatorium", sagte Niko schwer atmend.
Irvine wechselte die Frequenz.
"Luftwache! Bitte melden..."
"Sir!"
Irvine war erleichtert.
"Warum meldet sich die Brücke nicht? Könnt ihr sie kontaktieren?", wollte er wissen.
"Sir... Es... geht nicht... Sie ist weg..."
"Wie war das?"
"Die Brücke wurde zerstört... Von der Enthaupter..."
Irvines Magen drehte sich um.
"Aber das Hovercraft berührt den Boden und wir sind immer noch in Bewegung und..."
"Und wir nehmen direkt Kurs auf Deling City, Sir..."

Als Squall die Augen öffnete, fand er sich in einem zerstörten Gang des Galbadia Gardens wieder. Er wusste nicht wie, aber irgendwie hatte Rinoa mit ihm aus dem brennenden Wrack flüchten können. Er sah über das Chaos hinweg und hinauf zur Kuppel des Gardens. Die Enthaupter, in Flammen und total verwüstet, ragte tief in den Garden hinein. Rinoa saß völlig erschöpft neben ihm. Squall half ihr aufstehen.
"Ist es vorbei?", fragte Squall.
"Ich weiß es nicht... Ich wollte von Caris unbedingt noch etwas erfahren", seufzte Rinoa.
Squall sah sich um. Jetzt wurde ihm klar, welchen Schaden sie angerichtet hatten.
"Wir müssen Caris zur Vernunft bringen. Wir können so nicht weitermachen..."
Rinoa nickte zustimmend.
"Squall! Rinoa!"
Irvine rannte atemlos den Gang hinunter und warf sich beiden um den Hals.
"Ich dachte, wir hätten euch verloren! Ihr seid die dümmsten Draufgänger die es gibt!"
Irvine drehte sich um. Alle drei gingen mit jedem Schritt, mit dem ihr Gegenüber näher kam, einen Schritt zurück. Caris war am Leben und sah mächtiger aus als je zuvor. Squall und Rinoa zogen ihr Schwert, Irvine lud sein Gewehr nach.
"Mein Radar sagt mir, dass ihr etwas habt, das mir gehört", sagte Caris und ballte seine Faust.
Eine ungewöhnliche Schwingung vibrierte durch die Luft. Squall spürte, wie etwas in seiner Tasche wärmer wurde. Fib. Rinoas Wind Lacrima fing an zu leuchten. Als hätten sie einen eigenen Willen sprangen sie aus den Taschen ihrer Besitzer. Squall wollte etwas machen, doch er konnte sich nicht bewegen. Die Artefakte rollten über den Boden zu Caris' Füßen. Zufrieden hob er sie auf.
"Endlich wird meine Macht vollkommen sein", sagte er und implantierte sich die letzten beiden Artefakte.
Ein regenbogenfarbenes Energiefeld trat aus ihm raus und umgab ihn. Sein Körper blitzte, sein Auge funkelte. Die übrig gebliebenen Lichter im Garden begannen zu flackern. Ein lauter Knall und sämtliche, noch funktionierenden Lampen knallten gleichzeitig durch. Caris' Füße lösten sich vom Boden. Sein Energiefeld nahm das Aussehen einer lodernden Flamme an und machte den Eindruck, als wolle es mit seinen regenbogenfarbenen Flammen Caris verspeisen.
"Caris! Nicht!", rief Squall, in der Hoffnung, ihn endlich erreichen zu können.
"Ich verspreche dir, dass dies unser letztes Treffen sein wird", antwortete Caris.
Seine Stimme klang verzerrt und hallte mehrmals im Raum wieder.
"Und wofür hast du mich damals gerettet? Um mich jetzt umzubringen?!", schrie Squall.
"Wovon redest du, Squall? Dieser Mann ist ein blutrünstiger Killer. Wann und wo soll er dich gerettet haben?", fragte Rinoa.
"Ich habe es geschafft, mich aus den Fäden Per Manums zu befreien und helfe jetzt unserem Schöpfer bei seinem grandiosen Plan, der mir die ultimative Macht geben wird", donnerte Caris.
Er schien Squall nicht mehr zu hören. In Caris' Hand formte sich eine leuchtende Kugel aus Licht.
"Du kannst umkehren, Caris!!!", brüllte Squall
"Pass auf!", rief Irvine und schubste Squall aus der Wurfbahn.
Die Energiekugel flog zwischen den beiden hindurch und riss beim Aufprall ein großes Loch in den Boden. Irvine schoss ein paar Mal mit dem Gewehr nach Caris, doch jede einzelne Kugel zerschmolz beim Eindringen in das Energiefeld.
"Seht es ein! Ich habe meine Bestimmung gefunden und ich werde alles daran setzen ihr gerecht zu werden", hallte die Stimme von Caris durch den Raum.
Der Garden begann zu beben, sodass die Konstruktion langsam an Stabilität verlor. Caris' Energiefeld kompensierte sich und kehrte in seinen Körper zurück. Seine Beine setzten ihn auf der großen Aula des Gardens ab. Squall, Rinoa und Irvine sprangen über das Geländer drüber nach unten.
"Wir sind am Ende des Weges, ein jeder an seinem Platz. Eingezwängt in unserem Leben, ewig frei im Moment. Lass uns Krieger einen würdigen letzten Tanz aufführen, wie Blätter in einem Wirbelsturm", rief Caris.
Caris zog seine beiden Katana. Squall erkannte, dass mit ihm nicht mehr zu reden war... Er musste ihn besiegen, um ihn überzeugen zu können.
"Ich brauchen deine Hilfe, Caris. Es geht um Senator Carway..."
Squall schaute überrascht zu Rinoa. Als Antwort wirbelte Caris mit seinen beiden Schwertern durch die Luft.
"Dann werde ich eben die Antwort aus dir rausprügeln", sagte sie grimmig.
Mit einem hohen Salto sprang Caris nach vorne und schlug mit seinen Schwertern auf Squall und Rinoa ein. Er war imstande, beide gleichzeitig anzugreifen, ohne dabei an Können einbüßen zu müssen. Irvine zielte konzentriert auf Caris, um im Eifer des Gefechtes nicht seine beiden Freunde zu treffen. Ein Schuss fiel, doch die Kugel prallte von seinem energiegeladenen Körper ab. Andere SEEDs wurden auf den Kampf aufmerksam und wollten zur Hilfe eilen. Caris sendete einen Impulsstoß aus, der Squall und Rinoa fünf Meter zurückwarf und einen Brunnen in der Mitte der Halle zerblies. Er hob seine Hände und formte sie über seinen Kopf zu einer Schalte. Eine eote Flamme schoss hoch und wirbelte um ihn herum. Dabei vergrößerte der Flammensturm seinen Radius und drohte jeden in nächster Nähe zu verschlingen. Squall, Rinoa und Irvine rannten so schnell sie konnten aus der Aula raus und versteckten sich hinter den Säulen. Vor ihren Augen schossen zischende blaue Flammen vorüber. Der Flammensturm trieb die SEEDs, die sich auf Caris stürzen wollen, zurück. Die Flammen bildeten sich zurück.
"Ich bin ihm nicht mehr gewachsen... Wir haben keine Chance gegen dieses Ungeheuer...", keuchte Irvine.
"Kümmere du dich um den Garden. Wir werden Caris übernehmen", sagte Squall.
Irvine stand auf und schlich sich vorsichtig nach oben. Squall und Rinoa kehrten in die Aula zurück. Die Wände waren schwarz. Durch die flimmernde Luft konnten sie undeutlich Caris erkennen. Als er die beiden sah, rannte er mit schwingenden Schwertern auf sie zu. Beide konnten den ersten Schlag parieren, doch der zweite war so heftig, dass Squall rücklings umfiel. Rinoa hielt Abstand und bereitete einen Zauber vor. Caris' Hand glühte, Wände und Decken begannen zu vibrieren. Rinoa, immer noch meditierend, wich den spitzen Eiszapfen, die aus den Boden und Wänden schossen, aus. Squall sprang auf und schlug auf Caris ein. Dieser nahm sein Schwert in die Hand und jagte Stromstöße über die Gunblade in Squalls Körper. Sofort warf er Squall zu Boden, als er hinter seinem Rücken die Anstauung von Magie spürte. Er drehte sich zu Rinoa, die zu seinem Erstaunen hell leuchtende Flügel bekommen hatte. Plötzlich schossen weiße Blitzstrahlen aus allen Richtungen und fesselten Caris. Der ganze Raum wurde durchleuchtet, in der Mitte befand sich Caris, der von einer riesigen Blitzkugel verschlungen wurde. Doch diese zerbrach er mit einer explosionsartigen Entladung und alle Blitze wurden dorthin zurückreflektiert, wo sie herkamen. Squall und Rinoa standen diagonal gegenüber und konzentrierten sich auf Caris, der in der Mitte des Raumes stand.
"Zwecklos!", sagte Caris und ein bläulicher Nebel umgab ihn.
Squall bereitete einen Angriff vor, ebenso Rinoa, doch bevor sie ihn ausführen konnten, verwandelte sich der magische Nebel in reißende Wassermassen. Ströme, von Caris ausgehend, rissen seine beiden Kontrahenten mit und spülten sie in den Korridor. Squall suchte verwzefielt nach Halt und fand ihn an einem kleinen Vorsprung. Nach wenigen Sekunden waren die Wassermassen genauso schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht waren. Angeschlagen richtete sich Squall auf. Er musste Caris von der Ferne aus angreifen. Squall schloss die Augen. Caris blickte zu ihm rüber und lachte. Mit seinem nächsten Streich zauberte Caris reißende Stürme, die von den vier Hauptgängen alles in die Aula zurück bliesen. Squall versuchte im letzten Moment noch sein 'Blitzga' zu zaubern, doch der Wind riss ihn mit und warf ihn vor den Füßen seines Feindes. Caris packte Squall am Hals und hob ihn auf. Die Gunblade fiel ihm aus seiner Hand. Rinoa rannte mit ihrem glühenden Schwert auf Caris zu. Caris tapfte beiläufig mit einem Fuß auf den Boden. Sofort entstanden um ihn herum Risse, die sich bis an den Rand der Aula ausbreiteten. Es gab ein heftiges Beben und der Boden zersprang an allen Ecken und Enden. Die Plattform löste sich und wurde von einer riesigen Zinne, die aus dem künstlichen Boden wuchs, schneller als der schnellste Lift nach oben befördert. Caris streckte seine Hand, mit der er Squall umschlossen hatte, nach oben. Die Zinne aus Erde wuchs über die Decke des Gardens hinaus, die Glasscheiben zersprangen, als Squalls Rücken dagegen gepresst wurde. Blut tropfte von Squalls Gesicht auf das von Caris. Rinoa blickte verzweifelt der aufsteigenden Plattform nach. Schnell holte sie einen Enterhaken raus und schoss ihn in die kuppelartige Decke des Gardens.

Die Plattform hatte Caris und Squall auf das Dach des Gardens emporgehoben. Squall ging langsam aber sicher die Luft aus.
"Sieh es dir an, Squall!"
Caris machte einen Schritt zur Seite. Squall sah, dass der Garden immer noch über den Boden schlitterte. Undeutlich konnte er eine gewaltige Stadt sehen, die immer näher kam.
"Das ist Deling City, Hauptstadt der einst größten Nation der Welt, vergewaltigt durch Schwächlinge und nun endlich ihren verdienten, heroischen Untergang feiernd... Du wirst dieses Werk nicht stoppen können!"
Squall keuchte.
"Du... bist... besessen...", hustete er.
Caris belächelte Squalls Wortwahl.
"Verbrenne!", sagte er beinahe zärtlich.
Um Caris Arm entzündete sich ein heißes Feuer und kroch langsam rauf zur Hand. Squall atmete heftig, der Schweiß trat ihm auf die Stirn, seine Augen tränten. Sterne tanzten vor seinem Auge hin und her. Doch es passierte nichts. Das Feuer kam nur bis zum Handgelenk. Etwas leuchtete merkwürdig. Der Feuer Lacrima.
"Fib..."
Mit einer kleinen Explosion ging Caris in Flammen auf. Reflexartig ließ er Squall los und schlug um sich, als würde er nach einem unsichtbaren Feind suchen. Er brüllte und heulte auf in Zorn. Squall sah ihn undeutlich und hatte beinahe den Eindruck, dass Caris ein bizarren Tanz aufführte. Eine warme Hand legte sich auf seine Stirn.
"Vigra", flüsterte eine sanfte Stimme.
Er sah sich um. Rinoa sah ihn besorgt an und verstaute nebenbei ihren Enterhaken im Gürtel.
Caris versuchte verzweifelt, das flammende Inferno mit Wind und Wasser zu löschen. Er stieß einen wütenden Schrei aus und griff nach dem mechanischen Arm, in dem das Feuer-Artefakt implantiert war. Er riss ihn ab und schleuderte ihn schwer atmend davon. Das Feuer löste sich buchstäblich in Luft auf. Caris atmete schwer. Die Luft, die durch seine künstlichen Lungen zog, gab ein scheußliches Pfeifen von sich. Squall blickte hinab in die Tiefe. Der Arm mit dem Artefakt drin prallte am Hovercraft auf, bevor es schließlich in der gigantischen Staubwolke verschwand, die der Garden vor sich hertrieb. Squall blickte nach vorne. Der Stadtrand.
"Wir kollidieren!"
"Alle in Deckung!"
Zahlreiche Hilferufe aus dem Garden waren zu vernehmen. Das Vibrieren wurde wieder stärker. Rinoa nahm geschockt die Hand vor dem Mund, als sie einen Blick über die Kante des Gardens riskierte. Man konnte durch den Lärm deutlich die panischen Schreie der Menschen hören, als sie sahen, wie sich der am Boden schleifende Galbdadia Garden wie eine Walze der großen Stadt näherte. Nur wenige Sekunden später riss der Garden das erste Gebäude mit. Das ganze Konstrukt wackelte, die Schwebevorrichtung stieß mit ihrem immensen Gewicht wiederholt auf den Boden und riss Bäume, Schilder, Häuser und Menschen mit sich. Als das Hovercraft den Asphalt schliff, fing es langsam aber sicher zu zerbrechen an, während es gnadenlos die Straßen aufgrub. Die Vorstadt wurde gnadenlos dem Erdboden gleich gemacht. Der Garden donnerte weiterhin über dicht besiedeltes Gebiet. Squall spürte, wie sich sein Magen umdrehte und bevor er etwas gegen tun konnte, stieß er auf und übergab sich. Rinoa starrte Caris düster an.
"Ist es nicht wunderbar, dieser Klang der Vernichtung! Dieses kollektive Sterben, diese Verbundenheit der Menschen im Tode? Ja, ich als Überlebender des Salzsee Massaker habe nun endlich den tiefen Sinn erkannt. Dies ist eure endgültige Niederlage! Die SEEDs sind vernichtet!", lachte Caris siegessicher und hielt das Schwert wie im Triumph über seinen Kopf.
Squall atmete tief ein und machte sich bereit. Als Caris losrannte wurde er von einer heftigen Erschütterung umgeworfen. Rinoa flog nach vorne und rutschte über die Kante, Squall griff nach ihrer Hand und hangelte sich nach vorne. Unterhalb von Rinoa mähte der Garden dutzende Häuser nieder. Feuer brach aus. Menschen rannten um ihr Leben. Rettungsfahrzeuge prallten in all der Hektik aneinander. Squall sah, wie das ringförmige Schwebekissen auseinanderbrach. Mit einem lauten Krach zerfiel es in unzählige kleine Teile. Gelbes Gas trat an jenen Teilen aus, die zu Boden fielen. Die Anderen stiegen mit hohem Tempo in die Lüfte. Das Gas stieg empor und verflüchtigte sich in der Luft. Squall zog Rinoa schnell wieder auf die Plattform zurück. Beide hielten kurz die Luft an. Kaum standen sie und Caris wieder auf den Beinen, begann der Garden zu kippen, da er ohne Hovercraft nicht stabil stehen konnte. Squall und Rinoa sahen, wie der Stadtteil vor ihnen immer näher kam, als der Garden nach vorne kappte.
"Vaters Haus!", schrie Rinoa und suchte verzweifelt nach irgendeinem Halt.
Ein ohrenbetäubender Lärm folgte, als das Metall auseinander gezogen und der Garden in der Mitte wie ein Ei aufgerissen wurde. Der hintere Abschnitt brach in sich zusammen und die wegfallenden Trümmer übersäten die Straßen. Squall, Rinoa und Caris hielten sich mit aller Kraft auf der vorderen Hälfte fest, bis diese mit einem Knall vollends auf die Stadt schlug und, bevor sie auseinanderbrach, mit einer riesigen Druckwelle die Straßen räumte. Squall und Rinoa sprangen ab und landeten auf dem Dach eines Hauses, Caris sprang den beiden hinterher. Die umgestürzte Front des Galbadia Gardens hatte die Hausmauer nur ein wenig gestreift, das Haus selbst blieb aber unbeschädigt. Staub wirbelte sich auf, bis man von der umliegenden Gegend nur noch Flammen und Alarmblinklichter sehen konnte. Eine gigantische, nebelartige Staubwolke hüllte alles ein, versperrte ihre Sicht und drängte sich in die Lungen.
Von weit her war ein Donnern zu hören. Ein Gewitter stand bevor. Durch ein Staub fiel ein Tropfen, dann folgten immer mehr. Ein Regenschauer begann und wusch die Luft. Gestank von Verbrennungen, Hitzewellen, Regen und Donner. Schreiende Menschen, Nachexplosionen, Alarmanlagen von Häusern und Autos wurden gespensterhaft durch die Luft getragen. Squall spürte, dass seine Beine weich waren. Er fühlte sich, als ob er sich jeden Moment wieder übergeben müsste. Rinoa fixierte ihren Gegenüber. Ihre Augen waren eiskalt.

Zed fuhr so schnell er konnte durch die Straßen von Deling City. Er war auf den Rückweg in die Stadt. Er sah zum Himmel, um eventuellen Trümmern schnell ausweichen zu können. Auf dem Beifahrersitz lag ein kaputter, künstlicher Arm, in dem sich der Feuer Lacrima befand. Zed warf einen zufriedenen Blick darauf. Er nahm seinen Taschencomputer raus und las eine Nachricht, während er die linke Hand auf dem Lenkrad behielt.
"An Zed Black! Alles entwickelt sich bestens. Ich treffe Sie im Absturzgebiet. Mr. X."

"Bist du in Ordnung?", wollte Squall wissen.
"Ja. Und du?", erwiderte Rinoa.
"Bestens", knurrte Squall
Beide starrten zu Caris. Er sah leicht mitgenommen aus, doch hob er dennoch sein Schwert und war bereit, den entscheidenden Schlag auszuführen. Magische Lichter umgaben Caris und sammelten sich auf sein Schwert. Eine Aura aus sechs Farben umhüllte ihn. Squall meinte, ein Leuchten vernommen zu haben. Er sah, wie Rinoas Flügeln aus Licht aus ihren Schultern hervortraten. Die Staubwolken wurden von der auftauenden Energie weggeblasen und man konnte in Kürze wieder die gesamte Umgebung erkennen. Die Katastrophe in Dollet war nichts Vergleichbares zu dem hier, dachte sich Squall.
"Hört auf! Ihr werdet noch alles vernichten!", rief er.
Doch weder Rinoa noch Caris hörten auf ihn.
"Rinoa... Das ist die Villa deines Vaters..."
"Ich weiß. Und der perfekte Ort, um die Wahrheit ans Licht zu kehren. Also Caris... Du warst bei Per Manum... Wer ließ meinen Vater töten... Und tötete ihn?"
"Das ist in geheimen Akten vermerkt, die zusammen mit Per Manum untergegangen sind", antwortete Caris.
"Wer tötete meinen Vater?", sprach Rinoa langsam und leise.
"Warum beschäftigt dich das? Deine Eltern verfolgten hohe Ziele. Sie waren wie meine Eltern... Politik über alles... Sie liebten mich nicht... So wie dich deine Eltern dich nicht wirklich liebten."
"LÜGE!!!", schrie plötzlich Rinoa und sprang wutentbrannt auf Caris zu.
Leuchtende Federn flogen durch die Luft und beim Zusammentreffen der Schwerter entfaltete sich eine Explosion der gewaltigsten Kräfte der Magie. Rinoa schwebte einen Meter über den Boden und schlug vom Hass besessen auf Caris ein, dessen Klinge vor Hitze rot zu glühen begann. In Rinoas anderer Hand formte sich ein Feuerball, den sie während den Hiebexzessen auf Caris' Brust presste. Caris leitete Strom in sein Schwert und als es schließlich abbrach, fasste er das von Rinoa und warf sie fest zu Boden. Das Dach bebte, Squall rutschte aus und hielt sich an der Dachrinne fest. Das Holz des Dachstuhles knackste und brach durch, als Rinoa liegend Caris ein Bein stellte und dieser auf ihr fiel. Beide fielen ein Stockwerk tiefer. Caris prallte auf den Rücken auf, während er mit seinem einzigen Arm gegen Rinoa rang. Auf den Rücken liegend hob er seine Gegnerin hoch. Rinoa sah, dass seine Brustplatte beschädigt war und griff nach dieser. Mit aller Kraft riss sie diese runter, sodass Caris mechanisches Innenleben zum Vorschein kam. In Caris Brust vermischte sich Blut mit Kabeln. Ein mechanisches Herz schlug mühsam und bei jedem Schlag entwich etwas mehr Blut.
Rinoa riss sich von seinem Arm los. In diesem sammelte Caris erneut Energie für einen Angriff. Bevor er auf Rinoa feuern wollte, stieß Rinoa ihre Faust in die offene Brust des Gegners und ließ dort einen zerstörerischen Magieschlag los.

Squall war gerade über die Hausmauer nach unten geklettert, als plötzlich die Scheiben bei einer Explosion zersprangen, die in die Hausmauer in großes Loch riss. Als Squall die Augen aufmachte, sah er Caris qualmend und brennend am Rasen liegen. Das Haus stand in Flammen und aus dem brennenden Loch sprang Rinoa mit einem Satz in den Garten. Caris lag vor ihren Füßen. Von seinem zweiten Arm war nichts mehr übrig geblieben.
"Wer tötete meinen Vater?", wollte Rinoa nochmals wissen und streckte ihre Klinge Caris entgegen.
Das fleischliche an ihm war vollkommen verbrannt und seine künstlichen Körperteile sahen ruiniert aus. Er röchelte.
"Rinoa... Es reicht...", sagte Squall, ging zu ihr und führte ihr Schwert weg von Caris.
Rinoa nickte und steckte es in die Schwertscheide. Plötzlich sprang Caris mit einem Satz auf und stand wieder vor ihnen, als wäre nichts geschehen. Er war gerade dabei, ein Energiefeld aufzubauen, als ein Schuss ertönte und Caris wieder umfiel. Hinter ihm stand Irvine, verrußt und mit kaputten Klamotten. Caris stöhnte schwach und richtete sich wieder auf, konnte aber nur mehr knien.
"Caris, bitte... Ich muss es wissen", flüsterte Rinoa.
Caris sah sie entkräftet an. Hinter ihr ging die Villa ihres Vaters in Flammen auf. Irvine trat näher. Aus dem Rauch trat ein weiterer Mann.
Cifer. Cifer, der, wie auch immer, irgendwie gerettet worden war. Er sah ziemlich fertig aus, aber er war am Leben.
"Was geht denn hier ab?", fragte Cifer und trat näher heran.
Auch Irvine stellte sich zu Caris. Dieser starrte fast schon leblos Rinoa an.
"Dein Vater... war uns im Weg...", flüsterte er.
"Es war Zed, nicht war?", meinte Rinoa.
Caris legte sein Kopf auf das Gras und starrte in den schwarzen Himmel.

Senator Carway saß vor seinem Kamin und verbrannte nachdenklich ein Blatt Papier nach dem anderen. Neben ihm standen fünf Kartons, einst gefüllt mit wichtigen Aufzeichnungen von Per Manum. Carway warf den letzten Stoß ins Feuer. Das war das einzige, was er noch tun konnte, um Genugtuung zu bekommen. Wut und Trauer schwächten seinen letzten Lebenswillen. Es läutete an der Tür. Carway ging ran...
"Sandath... Ich dachte mir schon, dass du vorbeischauen würdest", begann Carway.
"Lass den Unsinn. Ich will deine Entscheidung hören...", sagte Caris und trat mit großen Schritten in die Villa ein.
"Meine Antwort lautet: Ich mache nicht mit", sagte Carway gelangweilt.
"Du weißt, was mit deiner Frau passiert ist, als sie diese Entscheidung getroffen hat?"
"Was willst du tun? Mich töten? Mach schon, ich hab alles verloren, was mich noch am Leben gehalten hätte."
Carway dachte an Rinoa, die vor wenigen Stunden gestorben sein soll. Eine Träne lief seine Wange runter.
"Tötet mich, wenn es dir danach besser geht", murmelte Carway.
"Oh, das wurde uns dummerweise verboten, aber das macht nichts. Doch ich gebe zu, dass einigen deine Unentschlossenheit zuviel wurde. Deswegen hat man beschlossen, dein neues Schätzchen aus dem Verkehr zu ziehen. Sprichwörtlich übrigens, sie hatte vor einer Stunde einen Autounfall. Ich habe gerade die Nachricht erhalten, dass sie im Krankenhaus soeben ihren Verletzungen erlitten hat. Das war ein Schock für ihre Mutter, die eh psychische Probleme hat", sagte Caris.
Caris sah in die Kisten, nahm ein paar Zettel und warf sie dann beiläufig ins Feuer.
Carways Hände begannen zu zittern. Es vergingen ein paar Sekunden, bevor er ein Wort raus brachte.
"Ihr habt sie..."
"Mussten wir, nachdem guter Willen anscheinend nicht reichte, um dich umzustimmen. Wenn du deine Meinung bis morgen früh nicht änderst, dann wird eben dein Bruder Carvin daran glauben. Ihr steht euch sehr nahe, habe ich gehört..."
Carway wurde blass.
"Ihr wollt meine Familie auslöschen?"
"Von 'wollen' kann keine Rede sein. Ich habe gehört, dass deine Tochter von einer neuen Sekte umgebracht wurde. Es gibt anscheinend jemand neues in der Stadt, man sagt, sie sei eine Hexe. Du weißt, wir können auch anders. Wenn du mir bei der Timber Invasion hilfst, werde ich dir helfen, die Leute zur Strecke zu machen, die deine Tochter auf dem Gewissen haben", sagte Carway.
"Komm morgen früh wieder", sagte Carway schweren Herzens und drängte Caris zu gehen.
Dieser verließ das Haus, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Carway starrte mehrere Minuten schwermütig ins Feuer und trank ein Gläschen Wein nach dem anderen. Schließlich brach er in Tränen aus, warf die leeren Schachteln wütend ins Feuer. Dann trat er mit aller Kraft gegen den Wandschrank. Dieser sprang auf und ein Gewehr kam zum Vorschein. Carway nahm es in die Hand und setzte sich damit an seinen Schreibtisch...


"... Carway begang Selbstmord...", flüsterte Caris.
Regen prasselte auf die Erde. Squall, Cifer und Irvine wichen Rinoas Blick aus.
"Nein... Du hast ihn in den Tod gelogen...", weinte Rinoa.
"Es war seine Entscheidung... von Per Manum... loszulassen...", meinte Caris.
Rinoa kehrte ihm den Rücken zu und starrte auf die Villa Carway, die mehr und mehr in den Flammen zu Asche zerfiel. Squall kniete sich zu Caris.
"Und warum hast du dich nicht gegen 'Per Manum' entschieden?", wollte Squall wissen.
"Ich habe..."
Caris Stimme klang rau.
"... habe mich losgesagt... Ich kämpfe für Aomes... Trianirea...", flüsterte er.
Squall fasste ihm auf die Schulter.
"Pass auf, er...", wollte Cifer ihn warnen, aber Squall deutete ihn still zu sein.
"Du wurdest bei 'Aomes Trianirea' von denselben Leuten ausgenutzt, die dich auch bei 'Per Manum' ausgenutzt haben... Warum? Warum hast du dich nicht einfach losgesagt?"
"Sie... haben mir... alles genommen...", antwortete Caris.
"Deshalb lässt du dir von ihnen auch deine Freiheit wegnehmen?"
"Hynes Plan... ist... alles... was ich... habe", lachte Caris schwach.
"Niemand von Per Manum... kann sein... Schicksal ändern... Carway... blieb auch nur... der Tod..."
"Volunta hatte es geschafft", sagte Irvine.
"Sie ist tot... Alle sind tot... Es gibt außer Hyne keinen Sinn... Freiheit...", hustete Caris erschöpft.
Caris sah Squall an.
"Kinneas hat... mich... ruiniert... Es gibt nichts... mehr..."
"Du hattest ein zweites Leben. So wie ich, du hast mir ein zweites Leben gegeben. Warum hast du es nicht genutzt?", erklärte Squall und sah in die gebrochenen Augen Caris'.
Er erinnerte sich an die Worte des Philosophen. Jetzt erst wurde ihm klar, wie ähnlich sich Squall und Caris waren. Und überhaupt, wie ähnlich sich alle Menschen in dieser Hinsicht sind.
"Dann beweise... mir.... dass du es... besser... kannst....", flüsterte Caris.
Squall stand auf.
"Kinneas..."
"Kann ich etwas für..."
"Kinneas... Hey... Jeremy...", redete Caris weiter.
Irvine schwieg.
"Wir haben... es geschafft... Jeremy..."
Irvine griff in seine Brusttasche und holte eine Marke raus. Eine silberne Plakette voller Rost. Der Name 'J. KINNEAS' stand drauf. Sie hatte einmal seinem Vater gehört, der während des Massakers auf dem Salzsee gefallen war. Irvine nahm die Kette und legte sie Caris auf die Brust.
"K... Kinneas... Ich habe deinen... Sohn gesehen... Du kannst... stolz... auf ihn sein..."
"Es geht zu Ende...", sagte Cifer und drehte sich weg.
Rinoa starrte weiterhin auf das Haus ihres Vaters. In dem Moment brachen die Grundmauern zusammen und die brennenden Mauern stürzten ineinander.
Ein Donnern erklang, Rinoas Flügeln spannten sich erneut auf und leuchteten im blutigen Rot. Squall erschrak und sprang nach hinten, Irvine und Cifer ebenfalls.
"DU!!!! DU hast meinen Vater GETÖTET!!!", schrie sie, sprang auf Caris, packte ihn an den Schultern und warf ihn, vom Zorn besessen, gegen die letzte Mauer der Villa, die daraufhin umfiel.
"ICH HASSE PER MANUM!!! ICH HASSE DICH!!!", brüllte Rinoa.
"Rinoa...", rief Squall ängstlich.
"IHR HABT MEIN GANZES LEBEN Z-E-R-S-T-Ö-R-T!!!!!", erklang eine tiefe erschütternde Stimme aus Rinoas Rachen, die Squall noch nie zuvor gehört hatte.
Caris lag vor Schmerzen brüllend am Boden und wälzte sich. Squalls Herz schlug ihm bis zum Hals. Er wollte etwas unternehmen, doch in Rinoa sammelten sich Unmengen an dunkler Magie. Blaue Flammen wuchsen an ihrem Körper hoch. Weiße Federn fielen ab und wurden sofort schwarz, als würde die Luft sie verbrennen.
"IHR WERDET MIR NIE WIEDER MEIN LEBEN ZERSTÖREN!!!"
Die blauen Flammen verschwanden. Rinoa streckte ihre Hand nach vorne. Caris wurde von etwas nach oben gezogen. Blitze schossen aus seinem Körper.
"......... MAELSTROM .........", stöhnte Rinoa.
Schwarze Energie trat aus Caris aus. Der Raum begann sich zu krümmen. Squall musste zusehen, wie Caris, schreiend wie am Spieß, von innen auseinander gerissen wurde. Impulse aus schwarzen Wellen schossen in alle Richtungen und als Rinoa ihre Hand fallen ließ und die Krümmung des Raumes sich zurückbildete, explodierte Caris in einem magischen Feuerwerk, dass jede Zelle, jedes Stück Metall in einer Sekunde verbrannte. Squall, Cifer und Irvine warfen sich in die Büsche, als die flammende Druckwelle über sie herzog. Die glühenden Artefakte schossen in alle Richtungen. Der Himmel blitzte hell auf und gigantischer Donnerschlag folgte fast im gleichen Augenblick. Squall sah zu Rinoa, die bewusstlos zu Boden stürzte. Vor ihr ging all ihr Leid in Flammen auf. Sie hatte ihren Schuldigen gefunden. Der, der für all ihre Schmerzen verantwortlich war... Sein Name war Sandath Unne Caris gewesen...

Squall war erleichtert, als er Rinoas Atem spürte. Ihre Wut hatte sie nicht zerrissen. Rinoa öffnete die Augen. Squall umarmte sie fest. Rinoa blickte erschöpft über seine Schultern drüber. Eine Person trat plötzlich aus dem Rauch und kam auf die beiden zu.
"Mutter...", flüsterte Rinoa.
Squall drehte sich um und erkannte Prokylta. In ihrer Hand trug sie einen schön verzierten siebeneckigen Koffer. Als Squall die Symbole der sieben Elemente darauf abgebildet sah, wusste er was darin ist.
"Wir haben alle sieben zusammen?", fragte Squall nach.
Cifer und Irvine stellten sich zu ihm. Ein Auto fuhr vor und hielt direkt vor dem zerstörten Tor der Villa. Jemand stieg aus. Er hatte was in der Hand. Etwas rötlich leuchtendes. Den Feuer Lacrima. Durch den Regen trat die Person zu Prokylta.
Es war Zed Black.
"Was soll das denn?", fragte Squall wütend.
Zed und Prokylta?
"Nein, Squall. Jetzt habe ICH alle sieben zusammen! Sieben Artefakte und die 'Deus Ex Machina'", korrigierte Prokylta und warf Squall anschließend ein dünnes Lächeln zu.
"Um genau zu sein, haben wir jetzt alle sieben zusammen", korrigierte Zed mit einem Lächeln und hielt den schwarzen Würfel und die beiden Pergamentseiten hoch.
Zed warf den Arm von Caris aus dem Auto raus und machte Prokylta Platz, die sich sofort rein setzte.
"Mutter... Sag mir, dass das nicht wahr ist..."
"Moment mal!", knurrte Cifer und rannte auf den Wagen zu.
Prokylta schwang die Hand und ein Windstoß warf Cifer zurück. Irvine schoss auf den Reifen, doch Prokylta hatte bereits ein Schutzschild um den ganzen Wagen gespannt.
"Du Schlampe, du blöde Hure! Du hast die Liebe deiner eigenen Tochter ausgenutzt. Ist dir dieser Hyne wichtiger als dein eigenes Kind!", brüllte Squall.
"Bitte nicht, Squall."
Rinoa stand auf und ging näher zum Wagen.
"Mama..."
"Es tut mir Leid, mein Kind. Ich habe dich benutzt. Ich habe alles, was ich von euch brauche. Ich weiß, dass du mich liebst und es tut mir leid, dein Herz gebrochen zu haben", sagte Prokylta.
Rinoa sank auf die Knie. Keiner bemerkte die Träne Prokyltas, die zu Boden fiel...
Cifer rannte mit ausgestreckter Klinge auf den Wagen zu, doch der Schild federte ihn zurück. Squall fühlte sich schrecklich. Prokylta lächelte bedauernd und zuckte mit den die Schultern.
"Mach's gut, mein Liebling. Adieu, Squall. Wiedersehen, Cifer..."
"Leck mich!", knurrte Cifer.
Dann trat Zed auf das Gaspedal und beide flitzten mit ihrer Beute davon. Squall rannte so weit er konnte hinterher.
"PROKYLTA!!!", brüllte er hinterher.
Irvine und Cifer griffen Squall auf die Schulter.
"Es hat keinen Sinn, sie hat uns angeschmiert", machte Irvine ihm klar.
Cifer ging zähneknirschend davon. Squall setzte sich bestürzt auf die Straße. Das war es also. Er blickte die Straße entlang und beobachtete die aufgebrachte Masse. Überall brannte Feuer, Rauchsäulen stiegen empor. Es fühlte sich an, wie das Anfang vom Ende. Dann schaute er zu Rinoa, die noch immer im strömenden Regen auf dem Boden kniete und fassungslos auf den Rasen starrte. Und da überkam Squall plötzlich das schreckliche Gefühl, dass er Rinoa, wie er sie kannte, verloren hatte...

Zeds Kommunikator meldete sich. Prokylta beobachtete desinteressiert die Trümmerlandschaft, an der sie vorbei fuhren. Zed nahm ab.
"Balmung! Wo sind Sie! Ich brauche Ihre Hilfe! Die Menschen flüchten massenweise aus den Städten. Sämtliche Verkehrssysteme brechen zusammen. Überall finden Überfälle statt und die Polizei und das Militär sind nicht mehr intakt. Wir müssen..."
"Beruhige dich, Cecil. Caris ist tot. Wenn du die Sache unter Kontrolle halten willst, dann musst du zu altbewährten Mitteln greifen..."
"Die wären?", fragte Kitisa scharf.
"Wir brauchen einen Schuldigen. Wen haben wir den ganzen Scheiß zu verdanken, den inkonsequenten Feldzug gegen Caris, die laschen Methoden. Und wem gehörte den dieses Monstrum, dass heute auf diese Stadt gekracht ist. Du kennst die Verantwortlichen. Die Menschen kennen die Verantwortlichen!"
Kitisa antworte nachdenklich und langsam:
"Die SEEDs..."
Der Kommunikator knackte. Kitisa hatte aufgelegt.
"Willkommen zurück bei der Sekte, meine Königin...oder sollte ich Mr. X sagen?", sagte Zed schließlich.
"Ich war niemals ganz weg. Es war ein gut gehütetes Geheimnis", entgegnete Prokylta lächelnd.
"Nun habt ihr die ganze Macht der Welt. Ihr habt den Cyclus Rat, inklusive Fisherman's Horizon. Ihr habt die 'Deus Ex Machina'. Und ihr habt alle Lacrima. Ihr habt genug Macht, es mit Hyne aufzunehmen. Euer Umweg hat sich gelohnt", sagte Zed und lächelte.
Prokylta sah nachdenklich in die Landschaft.
"Deiner aber auch. Du warst derjenige, der auf meinen Befehl die Sekte verraten hat. Du warst derjenige, der Caris Armee infiltiert hat und als Gareth Balmung einen zentralen Posten bei Kitisa eingenommen hast. Du hast all diese Sachen orchestriert, Zed. Du bist mein engster Vertrauter", sagte Prokylta.
Zed lächelte und fuhr zusammen mit Prokylta in die tiefe Nacht hinein...

Nach einer Weile war es Squall und den anderen drei gelungen, die Überlebenden vom Galbadia Garden ausfindig zu machen. Man versammelte sich vor dem Präsidentenpalast. Es befanden sich weit und breit keine Reporter oder prominente Persönlichkeiten, denn die wurden mit den letzten übrig gebliebenen Sicherheitskräften evakuiert oder davon abgehalten, sich dem Katastrophengebiet zu nähern. Irvine eilte nach vorne, als er dort viele Führungspersonen der SEEDs entdeckte.
"Aufhören!", hörte Squall Cid rufen, der ebenfalls anwesend war.
Squall rannte nach vor und wurde Zeuge einer Prügelei.
"Arschloch! Drecksau!!! Ich mach dich fertig!", brüllte Xell und verpasste Niko dreimal einen Faustschlag ins Gesicht.
Niko wehrte sich nicht und ließ sich nach hinten fallen. Mehrere Leute, unter anderem Irvine und Cid, hielten Xell zurück.
"Alles wegen dir!", schrie Xell und versuchte sich loszureißen.
Dann sah er Squall, Rinoa und Cifer. Xell wurde schwach und sank zu Boden.
"Du hast sie alle getötet..."
Kaum ließ man Xell los sprang er auf und wollte sich wieder auf Niko stürzen. Cifer griff ein und verpasste ihm eine Rechte zur Beruhigung. Squall sah sich um. Auf einer Tragbahre lag Selphie mit einem vergipsten Bein. Niko lag blutüberströmt auf der Straße und starrte in den Himmel. Er machte sich nicht mal die Mühe aufzustehen. Irvine bestätigte inzwischen den Tod Caris'. Squall ging wieder zu Rinoa.
"Mutter... Ich kann es einfach nicht glauben."
"Wirst du wieder gegen sie kämpfen?", fragte Squall unsicher.
Rinoa blieb stumm und ließ Squalls Frage unbeantwortet.
Aus der Ferne kamen zwei Typen auf einem Motorrad. Als man sah, dass es Weiße SEEDs waren, wurde nicht nur Squall neugierig. Die beiden gingen auf Xell und Cid zu.
"Wie ging der Kampf aus?", fragte einer der beiden kalt.
"Caris ist tot", sagte Cid.
"Und ihr kennt den Preis, den wir dafür zahlen mussten?"
"Wovon redet ihr?", wollte Xell wissen und wurde nervös.
Der Weiße SEED drehte sich weg. Es weinte...
Der Andere stieg von seinem Motorrad ab und trat vor.
"Es gab einen Überfall auf den Balamb Garden..."
Jeder schreckte hoch. Xell fasste ihn an den Schultern.
"Was ist passiert?"
"Die Leute der Sekte kamen in Scharen. Sie waren auf dem Meer unterwegs, als sie eindrangen", sagte der Weiße SEED schnell.
Seine Stimme begann zu zittern.
"Der Rat der Weißen SEEDs rief uns zur Hilfe. Wir kamen mit dem Schiff, aber..."
"ABER!?"
"Edea versteckte sich mit einigen Kindern im Bunker. Keine Ahnung, was mit ihr passiert ist... Die Sekte hat den Garden übernommen. Wir konnten nichts tun."
Der Weiße SEED wischte sich die Tränen ab. Cid sah ihn mit großen Augen an. Die Menge versammelte sich in einem engen Kreis um die beiden Weißen SEEDs.
"Die Kinder hatten keine Chance! Ein SEED namens Shou konnte Dr. Pulaski und einer verletzten Frau bei der Flucht helfen. Wir konnten die beiden da raus holen. Aber Shou und der Rat der Weißen SEEDs... Sie hatten keine Chance... Die ganzen Kinder... Sie waren sofort..."
"NEIN!!!", brüllte Xell. "Du bist ein verdammter Lügner!"
"ES IST WAHR!"
Der Weiße SEED brach in Tränen aus. Squall konnte nicht fassen, was er da hörte. Shou... der Rat... die Kinder... Niko richtete sich auf, den Mund vor Schock geöffnet.
"ICH WERDE DICH TÖTEN!", schrie Xell und stürzte sich auf Niko.
Andere SEEDs feuerten ihn an. Niko verteidigte sich nich. Xell schlug seinen Kopf auf den Boden. Irvine und Cid schmissen sich auf Xell und versuchten ihn von Niko runterzureißen. Cifer trat ein paar Schritte nach vorne und riss Irvine und Cid weg vom Kampf und nahm Xell in den Schwitzkasten. Dieser schrie auf, machte sich los und sah Cifer an.
"Das hilft jetzt keinem mehr", sagte Cifer eisig.
"Gib mir ein Grund, du Arschloch und ich bring dich ebenfalls um!", keuchte Xell.
"Ach ja, möchtest du das? HÖR AUF, DICH HIER WIE EIN BABY AUFZUFÜHREN!", brüllte ihn Cifer an.
Xell stieß einen Schrei aus und warf sich auf Cifer. Dieser trat ihm in den Bauch und würgte ihn für einen Moment. Dann schmiss er ihn sp hart gegen das geschlossene Tor vom Präsidentenpalast, dass das ganze Tor schepperte. Xell wollte wieder aufspringen, doch Cifer hielt ihm sein Schwert drohend an den Hals.
"Gib mir ein Grund", zischte Cifer.
Xell atmete schwer.
"Bist du fertig?", fragte Cifer und ließ dann langsam sein Schwert sinken.
Irvine und Cid halfen Niko wieder auf die Beine. Dieser stieß sie unsanft weg und machte ein paar Schritte von der Gruppe weg.
Xell atmete immer noch schwer. Dann löste sich sein Gesicht, er brach zusammen und weinte bitterlich.
"Das kann doch nicht sein! Ich mein... unser zu Hause... Wir haben die Gardens verloren... Wohin sollen wir jetzt gehen", schluchzte Xell.
"Wir gehen nach Balamb, ins Hauptquartier", sagte Cid nach ein paar Momenten.

In einer Villa außerhalb von Dollet herrschte hingegen eine ganz andere Stimmung.
"Ganz ausgezeichnet, Prokylta. Ich werde bald aufbrechen und zu euch kommen. Dann werden wir mit der Sekte endlich unsere Pläne verwirklichen können. Der junge Zed Black soll zu Kitisa zurückkehren. Toromia ist nicht mehr fern", sagte Hyne anscheinend in den leeren Raum hinein.
Doch er wusste, sie würde ihn hören. Sie hatte jedes Wort verstanden. Jedes seiner Worte tauchten als ihre Gedanken wieder auf.
Kurz überlegte er, ob er sich an den Flügel setzen sollte, doch dann schritt er ins Nebenzimmer, in dem eine kleine Wiege stand. Hyne blickte hinein und sah in das Gesicht eines sechs Monate alten Jungen.
"Alles entwickelt sich prächtig. Du wirst in einer wunderbaren Welt aufwachsen, mein kleiner Adryan", flüsterte Hyne und streichelte den Jungen über das Gesicht.

Es regnete stark. Edea sah verblüfft den Jungen an, der sie und ihre Kinder gerettet hatte.
"Warum hast du uns geholfen?", fragte sie.
"Eure Zuflucht ist im Westen. Ihr solltet bald da sein. Und jetzt verschwindet. Ich muss mich mit jemand treffen und mich auf einen Kampf vorbereiten", sagte Xelto kühl, setzte sich in das Auto und verschwand schnell in der Nacht.

Es war Mitternacht in Balamb. Mutter Din öffnete übermüdet die Tür. In der Dunkelheit standen ein paar durchnässte Personen.
"Hallo Mama", schluchzte Xell.
"Mein... Junge... was ist passiert?", fragte Din verzweifelt.
"Wir brauchen deine Hilfe", sagte Xell leise.