FFVIII: Aomes Trianirea - Kapitel 25

Exegese

verfasst von MfLuder und ShadowFlame

Es war ruhig im Hauptquartier der Sekte 'Aomes Trianirea'. In den langen unterirdischen Gängen herrschte vollkommene Stille. Die Mitglieder meditierten oder bereiteten sich auf die Rückkehr in ihr normales Leben vor, dass sie nach wie vor führten.
Auch aus einer kleinen Gefängniszelle konnte man kaum etwas hören. Und dennoch spielte sich hier gerade ein besonders wichtiges Treffen ab.
Squall starrte den Philosophen für eine kurze Weile an. Dann fing Squall auf einmal an zu lachen. Es war ein freudloses Lachen. Der Philosoph sah ihn irritiert an.
"Was ist denn so lustig?", fragte er verwirrt.
"Ach nichts, ach nichts. Ich merke nur, dass jeder mich ausnutzt, das ist alles. Mann, ich hätte es wissen müssen. Ich kannte dich kaum und habe dir trotzdem vertraut. Vermutlich bin ich zu blöd für diese Welt", sagte Squall lustlos.
"Du bist nicht zu blöd. Ich bin neutral. Ich will die Menschen verstehen und verbessern. Das geht jedoch nicht, wenn ich nur auf einer Seite bin", sagte der Philosoph.
"Oh ja... du bist ja so ein Gutmensch! Du stehst außerhalb und machst nicht mit. Du lebst nicht, du riskierst nichts", brüllte Squall.
Der Philosoph sah Squall kurz an und drückte ihm dann etwas in die Hand.
"Hier, eine Karte des Sektenquartiers. In der Karte ist eine ID-Card. Sie gibt dir Zugang zu allen Kammern. Suche die eingezeichnete Kammer auf und du findest einen wichtigen Teil der 'Deus Ex Machina'. Dann musst du fliehen. Ich halte Caris in der Zeit auf", sagte der Philosoph.
"Was... 'Deus Ex Machina'. Was ist das?", fragte Squall verwirrt.
"Bald wirst du mehr darüber wissen. Ich kann nicht nur für eine Seite kämpfen. Das geht einfach nicht. Doch ich verspreche dir, dass ich alles tun werde, um dir zu helfen", sagte der Philosoph eindringlich.
"Warte... wo ist mein Sohn?", fragte Squall plötzlich.
Der Philosoph schien zu überlegen.
"Er... ist noch am leben", sagte er schließlich.
Squall wollte etwas erwidern, doch der Philosoph schnitt ihm das Wort ab.
"Hör zu, Squall, bevor du gehst... Alphega will dich sehen. Ich werde dir etwas injizieren. Du wirst bewusstlos werden. Wenn du wieder aufwachst, wird die Tür offen sein!"
Er beugte sich nach vorne. Er fühlte, wie irgendwas Spitzes in seinen Hals eindrang. Seine Augenlider wurden schwer, jemand drückte sie mit Gewalt nach unten...

Squall riss die Augen auf. Er stand auf einem Felsen. Er kannte diesen Ort. Er war schon einmal hier gewesen. Als er angeschossen worden war... Vor langer Zeit... Er hatte einen Körper... er hatte Bewusstsein...
Squall sah nach vorne und entdeckte Alphega, der auf ihn zuschritt. Er lächelte.
"Willkommen zurück, Squall. Es tut mir leid, dass ich dich gerade an diesem Zeitpunkt zu mir holen muss. Es wird auch nur eine kurze Begegnung sein, wir werden später viel mehr Zeit haben", sagte der alte Mann.
"Was mache ich hier?", fragte Squall.
"Ich möchte dir eine Geschichte erzählen. Sie handelt von einem Mann, der dir sehr ähnlich aber auch wieder grundverschieden war. Diese Geschichte ist nicht nur seine, sondern auch die Geschichte der Welt und der Menschen. Es ist die Geschichte von Zebarga, dem legendären Begründer der Centra-Ära. Sicher hast du von ihm gehört", sagte Alphega.
"Ja schon... in Teneralem standen einige interessante Sachen über ihn. Ich habe es in Quistis' Bericht gelesen", meinte Squall.
"Sein Leben ist sagenumwoben und viele Sachen wurden über ihn erzählt. Heute ist er mehr Mythos als Mensch. Doch auch Menschen, die angeblich so wichtig für den Gang der Welt waren, führten ein normales Leben voller kleiner Sorgen, die in dem Kontext ihrer Geschichte überlebensgroße Züge annahmen. Schau..."
Alphega deutete auf den Boden. Ein Loch hat sich aufgetan. Etwas Flüssiges schwamm in dem Loch. Squall beugte sich nach vorne. Sein eigenes Gesicht spiegelte sich in der Flüssigkeit. Sein Spiegelbild zerfloss langsam, zersetzte sich und formte sich schließlich zu einem neuen Bild. Eine Reihe von jungen Menschen, von Kindern. Sie saßen mit verschränkten Beinen auf dem Boden. Vor ihnen stand eine Frau. Von weit her konnte er ihre Stimme hören. Sie wurde nach und nach immer lauter, so wie die Flüssigkeit langsam aus dem kleinen Loch empostieg, bis sie ihn schließlich vollkommen eingehüllt hatte.

"... und ohne den Fleiß eurer Mütter und Väter würdet ihr nie auch nur einen Tropfen Wasser gesehen haben und die Menschheit wäre längst ausgelöscht worden. Merkt euch das und geht in euer Leben mit tiefem Ernst, dass unsere Zeit so schnell vorbei sein kann, wie sie begonnen hat!"
Die Lehrerin schaute in der Klasse umher. Die 14-jährigen Jungen nickten alle begierig. Nur einer von ihnen hatte nicht genickt. Er hob die Hand.
"Ja, was gibt es, Zebarga?", fragte die Lehrerin.
"Aber warum sollten wir dieses Leben immer weiterleben? Wieso versuchen wir nicht Wege zu erforschen, die uns an mehr Wasser kommen lassen? Es gibt doch sicher Wege, dieses Problem zu beheben", meinte Zebarga entschlossen.
"Und welche Wege sollen das sein? Wir leben auf einem Sandplaneten und können von großem Glück sagen, dass es tief unten etwas Wasser gibt. Oder willst du etwa Wasser herbeizaubern?", entgegnete die Lehrerin mit einem spöttischen Lächeln.
Ein paar der anderen Schüler kicherten.
"Nein... ich meine, ich bin kein Gelehrter", stotterte Zebarga.
"Genau und deswegen akzeptiere die Realität, junger Schüler und verschone uns mit deinen Träumereien. Wir werden genauso wenig in Wasser schwimmen, wie du in dieser Schule einen guten Abschluss hinlegen wirst", sagte die Lehrerin unter noch größerem Gekicher der Klasse.
Der Junge namens Zebarga senkte seinen Kopf.

Später saß er draußen und beobachtete die endlose Steppe. Traurig und öde sah sie aus. Er hatte mal gehört, dass einst die Menschen anders ausgesehen hatten, doch durch den legendären Schöpfer Hyne war die Evolution beschleunigt worden und die Menschen hätten sich langsam verändert, bis sie schließlich in ihre jetzigen Gestalten gelangt waren. Doch Zebarga wurde das Gefühl nicht los, dass die Menschen still standen.
"Hey, blas nicht soviel Trübsal", meinte ein Junge, der, im Gegensatz zu Zebarga, aus irgendeinem Grunde schwarze Haut hatte.
"Hey, Mormala. Diese Idioten verstehen nichts. Diese Lehrerin ist nicht gelehrt. Sie lebt nur vor sich hin und macht nichts. Sie weiß nicht, wie es ist, ausgelacht zu werden. Genauso wie die anderen Idioten. Denen geht es nur ums private Glück und nicht um den Rest!", fluchte Zebarga.
"Sicher sind das Idioten, aber warum lässt du dich von ihnen immer fertig machen?"
"Ich will das jetzt nicht diskutieren! Es ärgert mich eben", sagte Zebarga.

Zebarga und Mormala gingen durch die endlosen Steppen. Es war spät abends und beide waren müde. Der große Mond beleuchtete die Welt. Sie waren auf dem Wege nach Hause. Zebarga war gut gelaunt. Seine Frau und sein Sohn würden auf ihn warten. Wer hätte gedacht, dass sich die Dinge manchmal doch noch zum Guten wenden. Viele Jahre waren vergangen und vielleicht würde er doch noch glücklich werden.
"Zebarga, schau!", rief Mormala.
Zebarga sah in der Ferne eine Rauchfahne. Sein Haus.
"NEIN!", brüllte er.
Er begann zu rennen. Sein Hals brannte, doch er rannte immer weiter. Er sah das brennende Haus. Es war kurz vor dem Einsturz.
"Baskarune!", schrie Zebarga.
Er trat die Tür ein. Der Rauch kam in seine Augen. Auf dem Sofa lag seine Frau. Sie bewegte sich nicht.
"Baskarune!", schrie Zebarga und schüttelte sie grob.
Sie schlug ihre Augen auf.
"Unser Kind... es ist... ein brennender Balken hat es..."
"NEIN!", brüllte Zebarga.
"Zebarga, Baskarune, schnell, wir müssen raus!", sagte Mormala und zog die beiden mit sich ins Freie.

Das Haus brach vollkommen zusammen. Nach einer kurzen Zeit war es nur noch eine brennende Ruine.
"Wer hat das getan? Wer hat unseren Sohn getötet?", schrie Zebarga.
"Er war es. Hyne... er sah schrecklich aus. Er schien mit sich selbst zu reden und nannte sich 'Alphega'. Er hat das Kind getötet. Dann hat er... dann hat er mich berührt", sagte Baskarune.
Sie redete monoton. Sie stand immer noch unter Schock
"Was hat das Schwein getan?", schrie Zebarga.
"Ich fühlte etwas unheimlich starkes. Er meinte, ich sei seine Tochter, eine Hexe... er gab mir eine Kraft. Ich hatte das Gefühl, ich würde sterben..."
"Zebarga", sagte Mormala schwach.
Zebarga legte seine Frau sanft auf den Boden und ging ein paar Schritte von den beiden weg. Dann schrie er auf einmal laut auf. Er heulte und tobte und brüllte so laut er konnte. Seine qualvollen und wütenden Schreie hallten durch die Nacht.
Als sich Zebarga wieder zu seiner Frau und seinem Freund umdrehte, erkannten sie ihn kaum wieder.


Caris stand ruhig in einem Raum des Hauptquartiers. Durch eine Scheibe beobachteten seine kalten grauen Augen sein Luftschiff. Er war stolz auf dieses Schiff. Es war sein Schiff.
Schritte verrieten ihm, dass jemand weiteres den Raum betreten hatte.
"Und, wie ist Sitzung verlaufen?", fragte der Philosoph.
"Ich war überrascht, dass du abwesend warst", sagte Caris.
"Ich war bei Squall", entgegnete der Philosoph.
"War er sehr schockiert?", fragte Caris mit einem Lächeln.
Der Philosoph schwieg.
"Ich weiß, dass du Sympathien für Squall hast. Vergiss nie, wem du angehörst..."
"Ich gehöre niemanden an. Das solltest du wissen", sagte der Philosoph.
Caris nickte.
"Ein weiser Entschluss. Die Besprechung ergab nicht viel Neues. Man überlegt, wie man die sieben Türme aus dem Meer erheben sollte. Wir haben nun ihre Positionen. Gleichzeitig schreitet die Suche nach 'Furioira' hervorragend voran. Nun brauchen wir nur noch die Lacrima und die 'Deus Ex Machina' und Hyne wird all seine alten Machtapparate wieder haben. Es ist wie ein Puzzle. Wenn alle Teile zusammengefügt werden, wird sich das große Bild endlich enthüllen. In der Zwischenzeit habe ich einen neuen Auftrag bekommen. Squall muss Hilfe gehabt haben. Sonst hätte er kaum von unserer Basis gewusst. Und wir wissen jetzt auch, um wen es sich handelt. Sein Name ist Xelto Goodsworth, ein abtrünniges Mitglied der Sekte. Er ist nur ein Junge, soll aber mächtig sein. Ich soll ihn suchen und ausschalten", sagte Caris.
"Du sollst ein Kind töten? Caris, was tust du? Wieso gehst du nicht einfach und verlässt die Sekte? Peterson, dein alter Feind, der dich in das DRP eingeschleust und dich als Cyborg neu erschaffen hat, ist tot. Das Labor wurde zerstört. Deine Rache ist vollendet, du kannst gehen. Du hast ein neues Leben. Geh und bringe dich mit dir selbst ins Reine. Du warst ein so guter Mensch, doch du wurdest benutzt und verdreht. Geh, Sandath. Verlasse diesen Kampf. Du wirst hier nicht mehr glücklich", sagte der Philosoph eindringlich.
"Ich kann nicht. Es gibt weitere Personen, die sterben müssen. Der Timber-Konflikt... diese Demütigung werde ich nicht auf mir sitzen lassen...", keuchte Caris und schluckte eine Tablette.
"Es wird immer neue Personen geben. Ich habe dir schon immer erzählt, dass deine Rache dich nie befriedigen wird. Sie wird deine Machtlust wecken. Du bist wie im Tötungsrausch, du willst immer mehr zerstören, bis du dich eines Tages selbst umbringst..."
"Halte mir keine Vorträge! Ich weiß, was ich tue!", zischte Caris.
Der Philosoph seufzte.
"Xelto befindet sich in Dollet. Hol ihn dir. Du weißt allerdings, dass ich das auch den SEEDs sagen werde", sagte der Philosoph leise.
"Ich habe deine mangelnde Loyalität stets vor dem Rat verborgen. Du warst mir immer ein guter Freund", sagte Caris.
"Ich bin größer als der Rat. Ich bin größer als all das, was für euch Menschen so allumfassend gültig und mächtig erscheint. Und dennoch warst auch du mir immer ein guter Freund. Ich wünschte, ich hätte dir mehr helfen können", meinte der Philosoph betrübt.
Caris sah den Philosophen an.
"Leb wohl. Es ist Zeit zu gehen", sagte Caris, verließ den Raum und schritt auf sein Luftschiff zu.
"In der Tat", flüsterte der Philosoph und drehte sich auf seiner Schuhsole um.
Es gab einen kurzen Windstoß. Er war verschwunden.

Selphie sortierte mit nervösen Händen die Akten der SEEDs. Niko saß daneben und versuchte, sich verbissen in seine Arbeit zu vertiefen, um Rinoa ignorieren zu können. Ihre Stimme wurde immer schärfer und verwandelte sich fast in ein zorniges Gebrüll.
"Verdammt, hör mir endlich zu! Wir müssen Squall folgen!"
Niko drehte sich um und sah Rinoa ins Gesicht.
"Wir haben keine Zeit deinen Lover zu finden! Was soll er schon in Esthar machen? Er wird seinen Papa besuchen!", brüllte Niko zurück.
"Odyne hat mit Laguna telefoniert. Er ist nicht bei seinem Vater", schrie Rinoa zurück.
Niko wandte sich wieder seinem Schreibtisch zu und starrte auf seine Unterlagen. Er senkte seinen Kopf und sprach ganz langsam.
"Und was sollte Squall dann nach Esthar führen?"
"Die Sekte... Er wollte sie zur Rede stellen... Vielleicht..."
"Aber dafür gibt es keinen Beweis!", meinte Niko kühl.
"Hast du nicht gesagt, dass ihr bisher keine Indizien für den Aufenthaltsort der Sekte gefunden habt?", fragte Selphie vorsichtig nach.
Niko schüttelte den Kopf.
"Warum will das niemand begreifen? Wir können in der derzeitigen Lage keine Mission starten, ohne - genügend - Nachforschungen - angestellt - zu - haben!"
"Probleme mit den Frauen?"
Skylar hatte unbemerkt den Raum betreten.
"Was zum Teufel hast du hier zu suchen?", fauchte Niko sie an.
"Eine nette Begrüßung nach all den Monaten... Ich bin vorhin angekommen und Xell hat mich gebeten, dich nach oben zu schicken", konterte Skylar kühl.
"Die sollen mich gefälligst über die Sprechanlage rufen!"
"Wollten sie ja, aber sie sagten, du hättest sie heute Vormittag aus Wut demoliert."
"Und was gibt es so Wichtiges?"
"Eine nebulöse Person ist angekommen und will die verantwortlichen SEEDs sprechen."
"Ach, und ich soll nach oben gehen? Du bist doch schon hier."
"Schön, dass du endlich mal ein bisschen witzig bist. Gehen wir?", fragte Skylar.

Niko fuhr mit seiner Hand durch seine Haare und kämmte seinen Scheitel über die Stirn, um einen Teil seiner Narbe zu verdecken. Rinoa ging weniger als einen Meter hinter ihm, als er den Raum betrat. Xell und Cifer beobachteten gespannt die Person, die am Fenster stand und anscheinend teilnahmslos den Himmel beobachtete. Rinoa drängte Niko zur Seite.
"Squall... Wo ist er...?"
Der Philosoph drehte sich um und blickte ihr in die Augen.
"Er wird wiederkommen... Ich bin aber nicht seinetwegen hier..."
"Wo er ist, habe ich gefragt", wiederholte Rinoa diesmal etwas heftiger.
"Schluss jetzt! Was haben Sie uns mitzuteilen?", unterbrach Niko.
Skylar betrat leise den Raum.
"Caris wird heute noch aus seinem Versteck kommen und nach Dollet gehen. Er ist hinter jemandem her..."
"Woher wissen Sie das? Sie sind einer der Sekte, nicht wahr? Na los! Raus mit der Sprache, du wirst nicht drum herum kommen", drohte Niko.
"Sag uns wo Squall ist!", schrie Rinoa.
"Kumpel, mach's uns nicht schwer. Wir werden..."
"Haltet für einen Moment die Klappe!", brüllte Cifer.
Es wurde still.
"Gut, dann sag uns vorher einfach mal, wen wir da vor Caris retten sollen, okay?"
Der Philosoph schluckte.
"Sein Name ist... Xelto... Goodsworth..."
Es war totenstill in dem Raum.
"Was? Wie kann das sein? Ist das etwa...", flüsterte Skylar.
"Hm... Was für ein dummer Zufall. Na ja, ich kenne keinen anderen Goodsworth mit dem Vornamen Xelto, aber ich werde einen Trupp hinschicken, um unseren Namensvetter da raus zu holen."
"Niko, es handelt sich nicht um irgendein Goodsworth, es ist..."
"Schnauze, Arschloch", brüllte Niko den Philosophen an.
Der Philosoph trat einen Schritt zurück. Das Fenster war geöffnet. Er machte einen Satz nach draußen, sein Mantel flatterte im Wind.
"Xelto wird euch alles erzählen, was ihr wissen wollt. Lasst ihn bitte nicht sterben...", sagte der Philosoph und ließ einen Zettel fallen. Eine Adresse war in einer geschwungenen Handschrift draufgeschrieben worden. Dann sprang er nach unten und verschwand.
Niko atmete einmal durch und beruhigte sich wieder. Es war schwer herauszufinden, woran er dachte.
"Ob du es nun akzeptierst oder nicht... Wir werden Xelto da raus holen. Ich kann den Jungen nicht so einfach Caris überlassen", sagte Cifer und marschierte raus.
Rinoa folgte ihm.
"Er war ein wichtiges Mitglied der Sekte. Da der Philosoph weg ist, werden wir ihn brauchen, um die Basis zu finden", sagte sie kurz
"Yo, damit wäre das beschlossen", sagte Xell und rannte dem Rest hinterher. Skylar war mit Niko im Raum geblieben. Sie schloss ruhig das Fenster und sah ihren Bruder von der Seite an. Sie hoffte, dass er irgendetwas sagen würde, doch er gab kein Wort von sich.
"Was geht hier vor?", fragte sich Skylar und spürte, wie ihr Herz lauter zu schlagen begann.

Es war still im Zelt. Zebarga stand um eine Karte mit anderen Generälen herum.
"Hyne sitzt in seinem 'Tempel des Alphega'. Er hat sich mit Alphega verschmolzen, also besitzt er unglaubliche Kräfte. Doch wir haben Hexen unter uns, die sich nicht von ihm manipulieren haben lassen. Wir werden es schaffen. Ich werde mit ihrer Kraft versuchen, Alphegas Bauch zu treffen. Dort speichert er seine Magie. Alphega wurde zu dieser ungeheuren Kreatur, da Hyne die Kräfte der Natur vergewaltigt hat. Ohne seinen Hass und seine ungebändigte Magie wird Alphega einfach zerreißen", sagte Zebarga.
"Ich weiß, ich kann auf euch zählen, meine Töchter. Hyne hat viele Hexen auf seiner Seite.
Ihre Lust auf Rache wegen ihrer toten Kinder machte sie blind und sie folgten ihm, obwohl er ihnen soviel genommen hatte. Doch ihr seid stärker. Ich vertraue euch", fuhr Baskarune fort.
Sie blickte in den Kreis von Hexen. Sie waren entschlossen. Sie waren stark.
"Hynes Tempel ist gut gesichert. Die zwei Hauptsiegel befinden sich in 'Teneralem' und
'Furioira'. Diese werden jedoch durch die sieben Türme gespeist. Wir werden einen Simultanangriff auf die Türme starten. Daraufhin muss er den Tempel verlassen", sagte Zebarga.
"Ist das nicht riskant?", fragte einer der Männer.
"Sie können gerne gehen, wenn es Ihnen nicht passt, Fibrean Copper. Wir machen das, wie ich das für richtig halte. Und jetzt geht bitte, ich will mit meiner Frau ein Wörtchen reden", sagte Zebarga.
Die Anwesenden verließen das Zelt. Baskarune trat zu Zebarga.
"Es ist seltsam. Bis auf Mormala und einige weitere hab ich die Menschen immer gehasst. Sie sind wie eine Gruppe. Entweder man marschiert mit ihnen oder man ist gegen sie. Und nun bin ich ihr Anführer", sagte Zebarga.
"Du hattest nur Angst. Du bist ein mächtiger Krieger und ein grandioser Hexenritter. Du führst den mächtigsten und stärksten Stamm von Menschen an, die je auf diesem Planeten gelebt haben. Und ich weiß, dass wir gewinnen werden. Ich habe Visionen. Diese Visionen erzählen mir von einem Paar. Beide emotional und erfüllt von Liebe. Eine Hexe und ihr Ritter. Die LHZ und der SL. Diese beiden werden die Chance haben, die Welt zu retten und das Schicksal zu ändern. Sie sind so gefühlvoll und sehen so viel, dass sie die Chance haben, eine Wahl zu treffen, die alles ändern kann. Ich spüre diese Träume. Ich fühle, dass wir eventuell diese Chance haben", flüsterte Baskarune.
Zebarga lächelte.
"Vielleicht hast du Recht", sagte er.


"Und dann, und dann, und dann ist die Flamme volle Kanne aus den Ofen geschossen. Sie war mindestens sooo hoch", erzählte Nimbley voller Begeisterung, streckte seine Arme so weit er konnte nach oben und stellte sich auf Zehenspitzen. "Mama hat es dann mit einem Eis-Zauber gelöscht. Sie kann sehr gut zaubern."
"Ja, sie ist die beste Hexe der Welt", fügte Dario hinzu.
Er blickte ein paar Tische weiter zu Edea, die so tat, als würde sie Zeitung lesen. Sie hatte sich vor ein paar Minuten dort hingesetzt, während Nimbley und Dario schon die ganze Zeit mit Prokylta quatschten. Fast unbemerkt zwinkerte sie ihm zu. Dario zwinkerte zurück und schwang seinen Ellbogen unauffällig, gleichzeitig aber hastig, nach links. Prokyltas Eiskaffee fiel auf den Boden. Nimbley unterbrach kurz seine Erzählung.
"Ach herrje, dieses schöne Kristallglas", sagte Prokylta und schüttelte den Kopf.
"Tut mir Leid!", entschuldigte sich Dario.
Nimbley musste lachen.
"Trampel! Du bist so ungeschickt, du hättest nie das Zeug zu einem SEED."
Prokylta lachte kurz und stand schließlich auf. Edea beobachtete sie scharf.
"War eine reizende Unterhaltung. Ich muss jetzt leider gehen. Die Kellnerin wird das schon wegwischen", meinte Prokylta und verließ die Mensa.
Als sie weg war, setzte sich Edea zu den Kindern.
"Erzählt mir alles. War sie zornig? Hat sie irgendetwas Böses gesagt?"
"Ich fand sie nett. Ich verstehe nicht, warum wir das tun mussten", sagte Dario.
"Ja, du sagst doch selbst immer, wir sollen andere Leute nicht auf die Nerven gehen."
"Ich weiß. Es tut mir leid, ich werde das auch nie wieder von euch verlangen. Es ist nur so, dass mir langsam die Ideen ausgehen..."
"Ideen wofür?", wollte Nimbley wissen.
"Diese Frau hat etwas sehr Böses getan. Ich will herausfinden, ob sie wirklich so gut ist, wie sie vorgibt zu sein."
"Hallo, Onkel Cifer!", rief Nimbley.
Edea sah Cifer gerade zur Tür rein kommen.
"Wie ist's gelaufen?", fragte er, obwohl er die Antwort bereits wusste.
"Erfolglos. Ich kaufe ihr diese Maskerade nicht ab. Sie verstellt sich nur zu gut."
"Kein Wunder, sie war ja schon mal Schauspielerin, als sie in der Oper die echte Sarah abgem..." Cifer sah zu den Kindern. "... überwältigt hat."
"SIE war das? Sie hat meine Lieblingssängerin auf dem Gewissen?", sprudelte es aus Edea raus.
"Nun, ich wollte dir eigentlich sagen, dass wir vielleicht eine Möglichkeit gefunden haben, wie wir Prokyltas Absichten herausfinden können. Wir gehen nach Dollet, um uns Xelto Goodsworth zu schnappen. Wenn wir ihn haben, werden wir die Antworten aus ihm rausquetschen."
Edea sah Cifer verwundert an, doch bevor er ihr Näheres erklären konnte, war er wieder verschwunden.

Der Garden befand sich etwas entfernt von Dollet im Meer. Rinoa, Cifer, Niko und zwei weitere SEEDs fuhren mit einem Motorboot zur Küste, um von dort aus in die Innenstadt zu gelangen.
"Wir sind soeben gelandet. Was gibt es zu berichten?", sprach Niko in seinen Armband-Funker.
Er war bereits auf eine modernere Technologie umgestiegen.
"Alles im grünen Bereich, Alter. Caris ist nicht in Sicht Ich hoffe nur, dass er nicht mit Bodentruppen anmarschiert kommt. Darauf sind wir im Moment nicht vorbereitet", sagte Xell.
"Bodentruppen? Wenn ich recht verstanden habe, residiert Aomes Trianirea in Esthar und die werden wohl kaum einen Fußmarsch nach Dollet übernehmen. Denkst du überhaupt mit?"
"Ach, warum nicht? Für Caris' Truppen ist nichts unmöglich... Ihr Führer hat schließlich sehr viel Charisma..." Xells Lachen knatterte aus dem Lautsprecher.
"Haha!! Verstehst du!? Charisma... Caris-ma!!!"
Cifer griff Nikos Arm.
"Der war erbärmlich!", sprach Cifer in den Mini-Funker. Niko riss seinen Arm hastig zurück.
"Schluss jetzt!"
Er beendete die Verbindung.
"Das Haus befindet sich in der Nähe des Markplatzes. Je weniger ihr trödelt, desto eher kommen wir Caris zuvor."
Niko holte einen Taschencomputer raus und tippte Daten ein.
"Ihr bleibt hinter mir", ordnete er seinen Gefährten an und tippte weiter.
"Wir laufen schon nicht weg", gab Cifer zurück und folgte ihn, ebenso die beiden anderen. Rinoa warf noch einen Blick hinaus in den Ozean. Squall war auf der anderen Seite, dachte sie sich. Sie holte einmal tief Luft und folgte dann den anderen.

"Ich stehe hier als euer Kommandant. Wir haben alle die gleiche Wut auf den sogenannten Schöpfer. Doch wir haben die Chance, alles zu ändern. Wir werden sie nutzen. Aber ohne euch, wäre ich nur ein Mann. Mit euch kann ich alles ändern. Die 'Per Manum'-Einheit wird zuerst vorrücken. General Fibrean und General Äolus. Ich zähle auf euch. Die Schlacht gegen Hyne beginnt!", brüllte Zebarga.
Die Männer schrien in Begeisterung. Zebarga fühlte sich wie im Rausch und doch spürte er, dass er die Verachtung für die Menschen nicht ganz ablegen konnte.
Ein Kreischen verriet ihm, dass die Zeit nah war...
Die sieben Hexen bündelten ihre Kräfte und brachen die Siegel der Türme. Der Tempel des Alphega bebte. Die gewaltige Steppe, die die Menschen ihren Heimatplaneten nannten, erzitterte.
Aus dem Tempel erhob sich ein gewaltiges Monster. Ein Monster, das den gesamten Himmel bedeckte und so groß war, wie ein kleiner Kontinent. Es stampfte auf die Menschen zu und riss sein gewaltiges Maul auf. Der Bauch pulsierte.
"Jetzt!", brüllte Zebarga.
Er spürte die Magie in seinem Rücken. Er schwebte über den Menschen hinweg zu dem Urmonster herauf. Er würde Hyne töten. Er würde zurückkehren. Seine rechte Hand verwandelte sich in ein riesiges Gebilde aus Licht. Das Licht strahlte heller als alles andere und bildete eine gigantische Lanze.
"Das Ende ist gekommen, die Menschheit wird leben!", flüsterte Zebarga.
Er hob einmal aus. Mit einem gewaltigen Schlag seiner Lanze trennte er den Bauch auf.
Das Monster heulte vor Schmerz auf.
Zebarga sah, wie der Bauch explodierte. Dann regnete etwas heraus. Wunderbares, schönes Licht. Wasser, Feuer, Wind, Erde. Die Luft war von wunderschönen, aber traurigen überirdischen Stimmen erfüllt. Magische Wellen vibrierten.
Dann fielen mehrere leuchtende Schuppen hinunter. Sie verwandelten sich... in Monster. Aber es waren mächtige, friedliche Monster, die über ihre Freiheit jubilierten. Sie verkörperten das Wesen Hynes und speisten ihre Kraft aus dem verzehrenden Nichts, doch es waren freie Wesen. Einer nahm die Gestalt einer Feuerdämons an. Ein anderer wurde zu einer wunderschönen eisigen Dame.
"Seid frei, ihr Bestias!", schrie Zebarga und eine Träne rann sein Auge herunter.
Schreie von Menschen ließen ihn nach unten blicken. Das Hinterteil von Alphega löste sich auf... in mehrere andere Monster. Sie überrannten seine Armee!
Zebarga stieß einen wütenden Schrei aus und rammte seine Lanze in das Hinterteil. Mit einem gewaltigen Heulen schleuderte er das Hinterteil in den Himmel.
Doch viele Monster waren auf die Erde gekommen und verwickelten die Menschen in eine grausame Schlacht.
Zebarga sah sich um. Vor ihm in der Luft flog etwas tänzelnd herum. Genau auf Augenhöhe, als würde ihm jemand dieses kleine Ding direkt vor das Gesicht halten. Eine weitere bläuliche Schuppe. Er streckte seine Hand aus und fing sie. Er weinte, da er wusste, was er vor sich hatte.
"Element des Wasser, ehrwürdige Bestia. Ich taufe dich 'Leviathan'. Leih mir deine Kräfte und bringe uns Menschen das Wasser", flüsterte er.
Mit einem gewaltigen Schrei wurde ein Wasserdrachen geboren. Inmitten der Luft begannen auf einmal Wassermassen hinunter zu stürmen. Sie füllten das gewaltige Tal der Erde.
Zebarga lächelte und kehrte zu Baskarune zurück.
Doch Alphega stieß einen trauernden Schrei aus. Aus seinem Oberkörper drang silberne Flüssigkeit, die immer wieder andere Farben anzunehmen schien. Die ersten Tropfen erreichten die Erde und versickerten sofort. Der Boden veränderte sich, der trockene Sand verwandelte sich in frische Erde.
"Das Blut des Hyne... es macht die Welt weiser und frischer", flüsterte Baskarune.
Dann schrie Alphega erneut auf. Aus seinen großen gelblichen Augen fielen sieben Tropfen.
"Er weint. Alphega weint bitter über den Verlust seines Freundes und seiner anderen Hälfte. Zebarga hat seinen Rumpf auf dem Mond geworfen. Bis zum Ende der Zeit werden die Monster versuchen, auf die Erde zu kommen und sich mit dem Blut zu vereinen, um endlich Frieden und Ausgleich zu finden", meinte Baskarune traurig.
Die sieben Tropfen erreichten die Erde. Jedoch sickerten sie nicht ein, sondern verfestigten sich und wurden zu Kugeln. Sie schimmerten in verschiedenen Farben.
"Seine Tränen... seine Lacrima haben die Elemente in sich. Die Lacrima des Alphegas", sagte Baskarune.
Eine rötliche Kugel rollte wie von selbst zu einem verwundeten Soldaten hinüber.
"Ich will nicht sterben", flüsterte Fibrean Copper verzweifelt.
"Und ich will leben. Zeigst du mir das Leben?", meinte er in seinem Ohr zu vernehmen.
Er blickte auf die rote Kugel und nahm sie. Sie löste sich in rötliche Flüssigkeit auf und zog sofort in seine Haut ein. Fibrean spürte eine gewaltige Wärme und eine neue Kraft.
Mit einem letzten Schrei brach das Monster Alphega zusammen. Es war still.

Die Feier über den Sieg war in vollem Gange. Es war nachts und die Soldaten betranken sich und freuten sich des Lebens. Nur Zebarga saß etwas abseits und starrte in das Tal herunter, wo sich langsam das Wasser sammelte.
"Du sitzt wieder abseits. Wie immer. Wieso genießt du nicht den Sieg?", fragte Mormala.
"Weil es nichts zu feiern gibt. Hyne lebt noch. Er ist in Alphega drinnen. Aber daran denken diese Menschen nicht. Sie sehen auch nicht, dass hier bald alles grün sein wird und wir niemals mehr Angst vor Wasserknappheit haben müssen. Sie sind oberflächlich", knurrte Zebarga.
"Baskarune und die Hexen arbeiten an einer Maschine, mit der sie die Lacrima nutzen können, um Hyne zu versiegeln. Wo ist das Problem?", fragte Mormala.
"Das es mir nicht gut geht. Sicher, in mehreren Jahren wird Leviathan genug Wasser gegeben haben, dass hier gigantische Seen sein werden. Gewaltige Meere. Der Tempel des Alphegas wird unsichtbar werden und die Vergangenheit vergessen. Menschen sind dumm", sagte Zebarga und blickte auf den Leichnam von Alphega.


"Wir sind in der richtigen Straße, aber das Haus mit dieser Nummer... Verdammt!", fluchte Niko und warf mit aller Wucht das Gerät auf den Asphalt.
"Was ist los, Niko? Du verlässt dich immer auf Technik. Es gibt doch noch so viele andere Methoden", meinte Cifer lässig.
"Und welche?", fragte Niko gereizt.
"Hausnummern lesen, zum Beispiel", meinte Cifer gelassen und suchte bereits nach "Nummer 3".
"Das ist das Haus, das wir suchen!", rief Rinoa und zeigte auf das Haus auf der anderen Straßenseite.
"Nicht nur wir", sagte Cifer und deutete hinter sie.
Die Anderen drehten sich um.
Vor Niko, Cifer, Rinoa, den SEEDs und zahlreichen zivilen Passanten stand General Caris in einem ziemlich ungewöhnlichen Outfit. Er hatte eine Sonnebrille an und trug einen schicken Mantel. Neben ihm standen zwei weitere Personen, die auf die gleiche Weise gekleidet waren.
Caris lächelte und zog die Klamotten und die Brille aus. Darunter trug er seine bernsteinfarbene Armeerüstung. Seine beiden Gefolgsleute taten es ihm gleich.
In ihrer Hand hielten sie eine Waffe, die weder Cifer, noch Niko oder sonst irgendjemand schon mal gesehen hatte. Cifer kam der Begriff "Machine-Gunblade" in den Sinn, als er die handlichen Maschinengewehre mit einer Klinge darauf befestigt sah.
"Niko Goodsworth und die SEEDs! So sieht man sich wieder."
Die ersten Zivilisten begannen bereits in Panik auszubrechen, als sie die skurillen bewaffneten Gestalten sahen. Einer von Nikos Begleitern zog sein Kurzschwert aus der Schwertscheide, doch bevor er in Stellung gehen konnte, sprang das eine Sektenmitglied nach vorne und attackierte ihn. Er konnte den Schlag gerade noch abfangen, was ihm jedoch zum Verhängnis wurde, als aus der Machine-Gunblade Kugeln abgefeuert wurden. Der SEED sackte tot zusammen. Panik brach unter den Zivilisten aus. Niko, Rinoa, Cifer und der zweite SEED machten sich bereit.
"Ich nehme nicht an, dass Sie für Verhandlungen offen sind", rief Niko zu Caris und rüstete sich mit zwei Wakizashis aus.
"Verhandeln? Um das Leben von diesem Xelto Goods... Moment... Goodsworth?"
"Sparen Sie sich weitere Worte!", brüllte Niko.
Caris grinste.
"Hattest du nicht einmal diesen dynamischen Zweischneidert? Du siehst so erbärmlich aus. Aber so kann ich meine neuen Waffen ausprobieren", sagte Caris und griff in seinen Mantel, wo er aus dem Inneren zwei lange dünne Schwerter herauszog. Katanas. Beide waren doppelt so lang wie Nikos Schwerter.
"Jetzt!", brüllte Niko und stürmte zu Caris, dicht gefolgt von Cifer, Rinoa und dem anderen SEED. Caris' Begleiter stellten sich vor ihren Führer und begannen zu schießen. Niko machte eine Seitwärtsrolle und sprang über die beiden Angreifer drüber, um es gleich mit Caris aufzunehmen. Rinoa streckte Hand und Schwert nach vorne, lähmte den linken der beiden Gegner mit einem Zauber und streckte ihn dann nieder. Cifer und der SEED fielen über den rechten Feind her. Der SEED fing einige Schüsse und stürzte zu Boden. Rinoa reagierte schnell und zauberte 'Feuga' auf Cifers Angreifer, sodass Cifer diesen den Rest geben konnte.
Rinoa und Cifer rannten zu Niko, der, gleich einem Berserker, auf Caris einschlug, jedoch kein einziges Mal traf.
"Erbärmlich!", lachte Caris und versetzte Niko, nebenbei seine Schläge abwehrend, einen gewaltigen Tritt.
Niko flog ein paar Meter nach hinten. Kaum lag er am Boden, warf er nacheinander drei Granaten nach Caris. Cifer und Rinoa wichen aus. Caris wirbelte seine beiden Schwerter durch die Luft. Er zerschnitt alle drei Granaten bevor sie explodieren konnten. Niko erhob sich schnaufend. Alle drei blickten zu Caris. Er lächelte überlegen. Gespannt warteten alle drei auf seinen nächsten Zug.

Am nächsten Morgen betrat Zebarga den Leichnam von Alphega. Durch das gigantische Maul drang er langsam vor. Er spürte Hynes Anwesenheit. Dieser Besuch war nicht nötig. Baskarune hatte gesagt, sie würde Hynes Essenz bald versiegeln, doch Zebarga wollte dem Feind gegenübertreten.
Auf einmal kam er in eine große Kammer. Sie sah nicht organisch aus.
Zebarga zog sein Schwert.
Auf einmal kamen dieselben überirdischen Klänge an sein Ohr. Sie waren so traurig und schön. Ein helles Licht erfüllte den Raum. Er sah nach oben und erblickte etwas Wundervolles.
Eine Gestalt aus Licht, weder Mann noch Frau. Es hatte Flügel und Federn flogen um ihn herum. Es sah so wunderschön und friedlich aus. Das blasse, perfekte Gesicht strahlte Weisheit und Ruhe aus. Die sehnsüchtigen Klänge vibrierten in der Luft.
Zebargas Herz wurde von einem Verlangen gepackt, diesem Wesen zu helfen. Es war so schön und rein und perfekt. Niemand anderes als er konnte diese Perfektion verstehen. Das Wesen beugte sich zu ihm herunter.
Zebarga öffnete seinen Mund. Als das Wesen ihn berührte, sah er auf einmal in den Tiefen seiner Augen blaue Flammen und danach nichts mehr.


"Warum versuchst du es immer wieder?", sagte Caris und lächelte Niko mitleidig an.
Cifer rannte mit erhobener Klinge auf ihn zu. Ohne hinzusehen, schoss Caris ein paar Energiebälle ab, die Cifer direkt in den Bauch trafen. Er schnappte nach Luft, taumelte und fiel auf den Boden. Er hob seine Faust nach oben. Rinoa meinte, den Erd-Lacrima in seiner Faust zu erkennen. Er lächelte sie an und schmetterte seine Faust auf den Boden. Ein gewaltiger Impuls räumte die Gassen. Glasscheiben zersprangen, Gemäuer und Straßen zerbarsten, Leute brüllten. Aus ihren Augenwinkeln sah Rinoa, wie Niko das Bewusstsein verlor. Das Haus, in dem sie Xelto vermuteten, hatte ein paar Risse bekommen.
"Komm raus! Ich weiß, dass du da drin bist! Ich werde alles platt machen, bis ich dich gefunden habe!", schrie Caris.
Cifer war wieder auf die Beine gekommen. Er stellte sich zu Rinoa.
"Hast du gehört, Xelto!? Du riskierst unschuldiges Leben, wenn du nicht raus kommst!", rief Caris erneut.
"Na und?"
Cifer fühlte ein Kribbeln. Es war eine Stimme, die er lange nicht mehr gehört hatte. Er sah nach oben.
Auf dem Dach konnte er die Umrisse von zwei Menschen ausmachen. Ein Junge mit wehenden Umhang, daneben ein Mädchen. Caris warf den beiden einen zufriedenen Blick zu. Xelto grinste kurz etwas schief, dann spuckte er nach unten. Lauren tat es ihm gleich.
"Xelto Goodsworth?", fragte Caris.
"Ja"
"Gut!", rief er und schoss augenblicklich einen Blitzstrahl nach Xelto.
Etwas blitze kurz vor Xelto auf. Der Blitzstrahl wurde neutralisiert. Das Mädchen neben Xelto kippte zusammen.
"Ich kann nicht länger...", flüsterte sie.
Caris schoss einen weiteren Blitzstrahl ab. Xelto warf sich auf sie und drückte sie zu Boden. Der Strahl schoss knapp über ihre Köpfe hinweg.
"Mach, dass du hier weg kommst", zischte Xelto.
Lauren riskierte einen Blick über die Dachkante noch unten. Caris sammelte Energie.
"Der Mann wird dich töten. Du musst..."
"VERZIEH DICH!", schrie er Lauren ins Gesicht.
Sie sah ihn kurz an, nickte und robbte anschließend über das Dach. Xelto sah, wie sie über eine Feuerleiter das Dach verließ und sprang dann selbst vom Dach. Mit einem Windzauber bremste er seinen Sturz und landete direkt vor Caris. Cifer und Rinoa rannten mit gezogenen Klingen zu ihm. Xelto machte eine unwillkürliche Bewegung, als würde er sein Schwert in eine Abwehrposition bringen wollen, doch als er sah, dass sie sich gegen Caris aufstellten, lächelte er.
"Du kommst mit uns! Caris hat's auf deinen Kopf abgesehen", sagte Cifer.
"Vor Caris flüchten? Sich mit dir verbünden? Leck mich!"
"Passt auf!", rief Rinoa und sprang zur Seite.
Cifer packte Xelto am Arm und warf sich hin, um Caris' nächsten Angriff auszuweichen. Das Haus hinter ihnen wurde getroffen und ging augenblicklich in Flammen auf.
"Lass mich los! Ich lass mich doch nicht von meinem Feind retten", brülle Xelto.
"Du willst gegen mich kämpfen? Dann überlebe!", zischte Cifer.
"Seid ihr fertig? Ich werde das jetzt beenden!", rief Caris und blickte Xelto und Cifer an
Seine Finger begannen zu leuchten. Plötzlich tauchte Rinoa hinter ihm auf und verpasste ihm einen Schwertschlag. Funken schossen aus seinem Rücken. Caris drehte sich um, ergriff mit seiner Hand den Arm von Rinoa und warf sie seitlich gegen eine Hauswand.
"Du Arsch!!!", brüllte Cifer und stürmte auf Caris zu.
Dieser entkoppelte sein Handgelenk und schoss seine Faust wie mit einem Raketenwerfer auf Cifer. Ein gewaltiger Schlag traf ihn in den Magen. Cifer keuchte auf. Für einen Moment würgte und übergab sich auf die zerstörte Straße. Caris verschwamm in der flirrenden Hitze.
"Genug jetzt!"
Jemand war dazugekommen. Jemand mit einer starken Aura. Rettung... Er wurde bewusstlos.
"Prokylta. Die... Opportunistin. Ihre neue Position bei den SEEDs wird sich, langfristig gesehen, nicht gerade positiv auf ihren Lebenslauf auswirken", sagte Caris.
Xelto sah Prokylta überrascht an.
"SEEDs? Heißt das..."
"Halt dich da raus, Xelto. Wir reden später."
"Du hast uns alle in Stich gelassen, um zu den SEEDs zu gehen!?!?", schrie Xelto.
Prokylta hob beiläufig ihre Hand. Xeltos Augen drehten sich in seinen Kopf herein, er fiel bewusstlos zu Boden.
"Und was dich angeht, Sandath, du weißt, was bei unserem letzten Treffen passiert ist. Unterlasse diese Drohungen!" Prokylta klang bedrohlich.
"Ha! Sie unterschätzen meine neuen Features!"
Caris entfernte die Faust seiner zweiten Hand. Zwei lange, spitze Stäbe ragten aus den Ärmeln. Knurrend steckte er sie in den Boden. Die Erde begann zu vibrieren. Durch die Risse im Boden glühte etwas empor. Prokylta sprang zurück. Vor ihr brach die Straße auf. Energieplasma schoss nach oben und erweckte den Eindruck eines ausbrechenden Vulkanes. Prokylta wich weiter aus, die Gasse verwandelte sich in ein einziges Katastrophengebiet.
"Genug! Flamme des Megido'!", rief Prokylta erzürnt.
Der Vulkan erlosch sofort. Die Straße an sich fing an zu glühen. Schnell zog er seine Arme aus dem Boden. Die Straße fing für eine Sekunde Feuer, dann schoss eine gigantische Flammenkuppel empor und verschlang Caris vollkommen. Prokylta ging in Deckung. Eine weitere Handbewegung und die bewusstlosen Körper von Rinoa, Xelto und Cifer wurden unsanft aus dem Radius der Flammen getragen. Caris schrie wütend auf. Die Feuerkuppel explodierte, die Flammen schossen in alle Richtungen. Autos flogen federleicht durch die Luft und zerbersteten. Das Haus, in dem Xelto gewohnt hatte, wurde in alle Richtungen zerblasen. Caris stand in mitten der Flammen. Schweiß stand ihm auf der Stirn, er schien angespannt.
"Mir macht das nichts aus, Prokylta! Ich bin unbesiegbar! Sehen Sie es ein!", rief er jubilierend.
Prokylta kam wieder hervor. Caris erzeugte einen Impuls. Die Flammen verlöschten sofort. Er lächelte, doch Prokylta fiel auf, dass er schwer atmete.
"Hochmut kommt vor dem Fall, Caris. Das endet hier und jetzt!"
Prokylta hielt ihr Schwert vor ihren Körper nach vorne. Der Himmel verdüsterte sich. Die Sterne leuchteten unwirklich hell. Ein paar der Sterne lösten sich vom Himmel und fielen herab. Schnell formte Caris ein Magieschild, doch die ersten Kometen schlugen bereits neben ihm ein und neutralisierten seinen Schutz. Mit aller Anstrengung versuchte er, den Schild aufrecht zu erhalten. Aus den Fugen seiner künstlichen Gliedmaßen zischte Dampf raus. Prokylta konzentrierte sich, um so viele Kometen wie möglich direkt auf Caris zu lenken. Die Erde bebte, Häuser brachen in sich zusammen, brennend heiße Luft blies den Schutt in alle Richtungen. Es regnete Asche und brennende Trümmer. Caris schnaubte. Erschöpft ging er in die Knie. Auch Prokylta atmete schwer.
"Es ist noch nicht vorbei...", rief er.
Er zog ein kleines Gerät aus seiner Tasche und drückte auf einen Knopf. Ein Dröhnen einer Turbine wurde durch die Luft getragen.
Prokylta konzentrierte ihre Kräfte.
"Das wird hier enden, Caris! Ich habe keine Hemmungen, einen am Boden liegenden Mann zu töten, wenn es dem größeren Gut dient!", zischte sie.
"Versuchen Sie ihr Glück, Prokylta! Aber ich schätze, auch bei Ihnen macht sich das Alter langsam bemerkbar", lächelte Caris.
Ein Transporter flog durch den Rauch und landete neben Caris.
"Du hättest dich auf dieses Spiel mit der Sekte nicht einlassen sollen. Das ist ein paar Nummern zu groß für dich!", sagte Prokylta.
Ein kleiner blauer Energieball formte sich in ihrer Hand.
"Wir werden sehen...", rief Caris.
Ein paar Sektensoldaten zogen ihn in den Transporter. Er hob ab und beschleunigte. Der kleine Ball leutete grell in Prokyltas Hand auf. Der Transporter war bereits außer Reichweite.
Sie atmete einmal tief ein und ließ den Energieball beiläufig auf ein Auto los, das sofort in Flammen aufging.
Das Geräusch des Transporters verstummte vollkommen und ließ Prokylta alleine in den Ruinen der Straße zurück.

Zebarga stand alleine in seinem Zelt und betrachtete sich im Spiegel. Geniale Bilder, Visionen strömten durch seinen Kopf. Er sah so vieles, Ideen, Konzepte, Geschichte, Größe. Es waren Träume, die sich ihren Weg in die Realität bahnten. Und er war Träger dieser herrlichen Visionen. Er würde etwas aufbauen, was noch kein anderer je geschafft hätte.
"Was gibt's denn?", brüllte er, als jemand das Zelt betrat.
"Zebarga, was soll das? Du willst mir doch nicht weismachen, dass Hyne uns seinen Körper anbietet. Baskarune hat ihn gestern mit der 'Deus Ex Machina' versiegelt. Er ist weg", sagte Mormala.
"Wir stimmen doch bei überein, dass, wenn er wirklich fort ist, die Lacrima und das merkwürdige Blut von Hyne zu Stein werden müssen da erst dann seine Gedanken vollkommen von seinem Körper getrennt sind, nicht wahr? Und die Lacrima sind noch nicht versteinert. Ein Teil ist also noch da", sagte Zebarga.
"Ich verstehe dich nicht, Zebarga. Du hast gewonnen und nun willst du Habgier unter die Menschen streuen?", fragte Mormala.
"Sie erkennen nicht die Schönheit dieser Welt. Niemand erkennt sie. Ich habe ihn gesehen, Mormala. Niemand wird ihn mir wegnehmen", schrie Zebarga.
"Dir wegnehmen? Dieses Wesen hat dein Kind getötet!"
"Er ist voller Schmerz. Diese Welt bietet mehr als Gut und Böse. Aber die Menschen erkennen das nicht! Sie sind schwach und feige. Ich hasse sie!"
"Zebarga, du hast dich verändert. Du hast dich von Hyne verzaubern lassen. Ja, du hast die Menschen immer verachtet, aber nur weil sie dich nie geliebt haben. Du bist auch ein Mensch. Du bist ein Teil von ihnen. Du bist kompliziert und ich liebe dich wie einen Bruder, aber was du jetzt sagst... Wir sind nicht perfekt und du auch nicht!", meinte Mormala.
Diese verfluchten Worte klangen so verdammt weise, dachte sich Zebarga.
"Nein... Das ist nicht wahr!!! Das... Es gibt Perfektion. Es gibt sie, sie existiert. Es gibt das Höchste und das Schönste und das Edelste und das Siegreichste. Es gibt es... hier auf dieser Welt, diese Urmenschlichkeit, dieser nächste Schritt. Ich habe den Menschen das Wasser gebracht, sie werden gerade erst zu Menschen. Wieso sollten wir jetzt auf einmal sagen, es gäbe keine Perfektion. Alle Grenzen sind verschwunden, das ewige Licht liegt uns zu Füßen, wir brauchen nur noch danach zu greifen!"
"Mein Freund..."
"Du bist wie die anderen, Mormala. Du kommst mit diesen gefühlvollen Worten an, weil du weißt, wie sehr sie mich verletzen. Diese Welt ist eben nur was für diejenigen, die stark sind und nicht für welche wie dich! Ich werde diese Welt zu etwas anderem machen. Ich bin auserwählt, ich bin ein Genie! Und wenn du das nicht erkennen kannst, dann wird es einen Krieg geben. Dann werden wir Krieg führen... um diesen Körper. Für unsere verschiedene Ansichten", sagte Zebarga.
"Ein Krieg unter Menschen? Wir sind eine Spezies, wir werden keinen Krieg führen", sagte Mormala.
"Wieso nicht? Diese Welt ist doch sowieso zu allem fähig. Ich war lange genug Opfer, jetzt werde ich gewinnen. Alle haben gleiche Chancen. Nach Alphegas Tod, schwingt die Magie in der Luft. Jeder kann sie erlernen und benutzen. Die alten Regeln sind fort, ab sofort wird ein neues Spiel gespielt. Wir sind nur Schachfiguren, mein Freund, du und ich. Es ist Schicksal, es ist Gesetz. Ab Mitternacht sind du und ich Feinde!"
Mormala blickte seinen Freund sprachlos an. Dann verließ er ohne ein weiteres Wort das Zelt. In der Dunkelheit hatte er nicht die kreisrunde Narbe in Zebargas Nacken bemerkt.

Geräusche von Sirenen, Lautsprechern, Helikoptern und Hilferufe von verzweifelten Menschen waren überall zu hören. Vorsichtig tasteten sich Einsatzfahrzeuge in das dem Erdboden gleichgemachte Gebiet. Prokylta blies die Asche von Rinoas Gesicht und legte ihr die Hand auf die Stirn. Rinoa blinzelte und begann erschöpft sich zu rühren. Aus dem Haufen Schutt hinter Prokylta trat plötzlich Xelto hervor. Prokylta sah ihm in die Augen. Sie waren gerötet. Er griff nach seiner Gunblade.
"Steck sie weg, ehe du dich noch damit verletzt", riet ihm Prokylta.
"Verräterin! Schlampe! Mörderin!", knurrte Xelto.
Prokylta antwortete nicht und ging zu Cifer, um ihn zu heilen. Er richtete sich langsam auf. In der Ferne konnte Prokylta Leute in SEED Uniformen ausfindig machen.
"Sieh mich an!", schire Xelto.
Prokylta sah ihm in die Augen.
"Lügnerin... Verfluchte Lügnerin..."
Xeltos Stimme bebte.
"Du verstehst das hier nicht. Hier geht es nicht um dich oder mich oder um unsere Überzeugungen. Hier geht es um das Weltschicksal. Das kannst du nicht verstehen. Genau deshalb wäre es auch besser gewesen, du hättest meinen Rat befolgt und Aomes Trianirea hinter dich gelassen."
"Ich scheiß auf die Rückkehr Hynes und auf die Sekte! Darum geht es hier nicht! Ich... habe dir vertraut!
"Das Leben ist hart!", entgegnete Prokylta.
"DU HAST KEINE AHNUNG!! Du und deine Visionen! Du..."
Ein fester Schlag von der Seite unterbrach sein Geschrei. Cifer zog seine Faust zurück und beugte sich über Xelto, der bewusstlos zu Boden gegangen war. Er legte seine Hand flach auf Xeltos Stirn. Cifer sah Prokylta sehr lange in die Augen. Sie drehte sich weg und verschwand in der Menge von SEEDs.

Zebarga stand vor Mormala. Der Krieg war vorbei. Alles war vorbei. In seiner Hand hielt Zebarga ein Schwert. Mormala kniete gefesselt vor ihm.
"Vor mir kniet der Anführer der aufrüherischen Terroristen. Der abgefallene Freund, jemanden, dem wir den Krieg erklären mussten, jemand, der uns gespalten hat, der Chaos über die Welt brachte. Es war ein langer, blutiger Kampf, doch jetzt wird die Ordnung wiederhergestellt werden. Mit dem Kopf der Schlange, stirbt auch das Wesen selbst und mit ihm das Gift, dass unsere Venen durchdrungen hat. In diesem Sinne werde ich nun persönlich die Hinrichtung vollstrecken!", schrie Zebarga den Tausenden von Zuschauern zu.
"Zebarga Centra, du warst immer ein guter Freund, du warst mein Bruder. Ich habe dich nicht aufgegeben. Ich werde dich nie aufgeben", sschrie Mormala.
"Halt's Maul!", brüllte Zebarga.
Sein Schwert zischte nieder. Ein dumpfes Geräusch, der Kopf fiel zu Boden. Die Menge tobte und applaudierte.
"Tut mir leid", flüsterte er ungehört.
Dann drehte er sich zur Menge um. Sie verstummte.
"Hier beginnt eine neue Ära. Ich sehe sie klar vor mir. Was wir geleistet haben, zusammen, das war erst der Anfang. Wir haben uns frei gemacht von den Fesseln des Schicksals, frei von den mörderischen Verrätern unter uns. Jetzt können wir anfangen Menschen zu werden. Anfangen, unsere Senibilität, unsere Stärke, unseren Mut zu fördern. Die Welt hat zu lange über uns geherrscht, jetzt werden wir über sie herrschen. Im größten Einklang mit der Natur werden wir unseren Platz einnehmen, entwickeln, fortschreiten und entfalten. Heute ist der Tag des Aufbruchs! Heute ist der erste Tag der Centra-Ära!", schrie Zebarga unter dem großen Applaus der Anwesenden.

Zebarga stand am Fenster und beobachtete die gewaltige Stadt vor seinen Füßen. Zehn Jahre waren vergangen und die Menschen hatten Unglaubliches geleistet. Bald würde der Ozean vollends gefüllt sein, die alte Welt, diese Fragmente der Vergangenheit wären endgültig beseitigt. Dies war sein Werk. Er spiegelte sich in jedem Haus, in jedem Menschen, in jedem Kunstwerk wieder. Er betrachtete das große Fenster und sah sein eigenes Spiegelbild schwach zurückschauen, dahinter die große Stadt. Das perfekte Bild. Er sah sich selbst in die Augen. Er war am Ziel!
Plötzlich verschob sich etwas in seinem Herzen. Etwas schlich sich ein. Ein Gedanke. Er vermisste jemanden. Er vermisste etwas. Er vermisste... jemanden, der sich mit ihm freuen konnte.
Jemand hatte das Zimmer betreten.
"Zebarga?", fragte Baskarune.
"Schläft Adell schon?", fragte Zebarga.
Baskarune nickte.
"Sie ist ein braves Mädchen", meinte sie.
Zebarga drehte sich zu ihr um.
"Baskarune... ich... ich glaube nicht, dass wir das Paar der Prophezeiung sind. Du hast doch selbst die Zeichnung in deiner Meditation angefertigt. Wir sehen diesen Menschen zwar ähnlich..."
"Ich kann nicht gut malen", meinte Baskarune und lächelte verlegen.
Zebarga blickte aus dem Fenster zu dem Ort, wo der Tempel des Alphegas gestanden hatte.
"'Teneralem' wird bald untergehen, 'Furioira' ist verschwunden und der Tempel des Alphega wird ebenfalls verschwinden... genauso wie die sieben Türme. Alles ist dann weg. Unser komplettes, altes Leben wird dann verschwunden sein. Der Neubeginn. Und doch...", flüsterte Zebarga.
"Was ist los? Was ist mit dir?", fragte Baskarune.
"Ich... vermisse etwas."
"Du warst schon immer etwas einsam. Doch in letzter Zeit versperrst du dich... sogar vor mir."
"Ich muss gehen. Es gibt eine Verpflichtung, der ich nachgehen muss!", sagte Zebarga plötzlich und wollte den Raum verlassen.
Etwas an seinem Bein hielt ihn zurück. Irgendetwas schien ihn zu lähmen. Etwas zog ihn an. Alles verspannte sich an seinem Körper. Er blickte zu Baskarune. Sie schritt langsam zu ihm. Sie glühte förmlich.
"Bleib weg von mir!", schrie Zebarga.
"Was ist denn? Ich bin es, deine Frau..."
Zebarga ballte seine Hand zu einer Faust. Er durfte sie nicht berühren. Dann würde er schwach werden und dann...
"Geh aus mir raus! Lass sie in Ruhe!", schrie Zebarga.
Er atmete schwer, versuchte sich zu bewegen.
Baskarune stand vor ihm. Alles zog ihn zu ihr. Seine Hand hob sich mechanisch. Er strich ihr über die Wange. Sie öffnete ihren Mund. Er beugte sich vor und küsste sie lange auf den Mund. Nach einer Ewigkeit sahen sie sich an. Sie lächelte. Er atmete ganz ruhig. Alles an ihm war ruhig.
"Meine Tochter, höre mir zu..."
"Zebarga, was..." "Tochter... höre mir zu, was ich dir zu sagen habe. Du wirst jetzt sterben, doch deine Wiedergeburt steht kurz bevor. Ich werde dir Kraft und Wissen verleihen, die Zwillingsmacht, mit der du dir diese Welt untertan machen kannst. Ich will, dass, wenn du aufwachst und du spürst, was ich deinem Mann die Jahre gezeigt habe, du losziehst, diese Welt veränderst. Ich will, dass du die vernichtest, die mich geschlagen haben, die mich zerstört haben. Ich zeige dir deine größte Waffe. Nimm mein Blut, fördere es aus der Erde und baue eine gigantische Steinsäule. Damit wirst du es Monster regnen lassen. Benutze dieses Werkzeug klug, unterstreiche deine Herrschaft, deine Führerschaft."
Er legte ihr seine Hand auf die Stirn. Sie sah ihn hypnotisch an. Seine Hand leuchtete kurz auf. Baskarune öffnete ihren Mund wie zu einem stillen Schrei. Ihre Beine gaben nach, sie fiel zu Boden. Sie rollte sich zusammen, schrie ihren stummen Schrei und atmete unregelmäßig ein und aus. Alles verkrampfte sich an ihr.
"Dieser Schmerz wird deine Waffe sein", sagte er.
Sie sah ihn entsetzt an. Mit seiner einen Hand schloss er, wie bei einer Leiche, ihre Augen. Sie erschlaffte. Sie war ruhig. In diesem Moment heulte Zebarga schmerzerfüllt auf, griff sich schreiend an den Nacken. Augenblicklich zog er seine Hand zurück. Die kreisrunde Narbe glühte.
Er kniete neben ihren leblosen Körper. Sie atmete flach und ruhig. Sie würde bald aufwachen.
Er weinte bitter. Er weinte, wie ein kleiner Junge. Die Tränen rannen sein Gesicht herunter und fiel auf ihr ruhiges Antlitz. Er beugte sich nach vorne und küsste ihre Stirn. Sie sah so friedlich aus, doch er wusste, dass der äußere Eindruck täuschte. Sie hatte mehr Macht, als sie tragen konnte und es war fast sicher, dass sie dadurch verdorben werden würde. Er hatte sie verdorben. Er war zu schwach gewesen und sie würde es für alle Zeiten büßen müssen.

Später an diesem Morgen verließ Zebarga verhüllt und unerkannt die schöne Stadt und wurde nie wieder von einem Menschen gesehen.

Das Meer lag vor ihm. Er atmete die Luft ein. Er blickte mit seinen scharfen Augen auf das Meer hinaus. Dort... da war noch eine Spitze. Der Tempel war nicht vollständig vom Wasser eingeschlossen worden.
Zebarga rannte los und schwamm zu dem Tempel. Er spürte, wie sich etwas in ihm bewegte.
"Ja Hyne, du glaubst wohl, du kannst dich mit deiner versiegelten Hälfte wiedervereinen? Pech gehabt. Dir stehen charmante Jahre in einem Steinblock bevor! Und irgendwann kommt der wahre SL und der wird dann ein paar Entscheidungen anders treffen. Er wird besser sein als ich", keuchte Zebarga.
Mit einer titanischen Kraft schob er eine Welle nach der andere beiseite. Die Wellen kammen immer stärker, als wollten sie Zebarga mit Gewalt vom Tempel fernhalten, doch das kümmerte ihn nicht. Es war das letzte, was er tun musste.
Erschöpft erreichte er den Tempel. Eine kleine Spitze schaute noch heraus.
Zebarga legte seine Hände drauf. Sofort spürte er, wie der Wahnsinn ihn verließ. Etwas verließ seinen Körper... eine Mischung aus Gas und Wasser... die Essenz Hynes.
Es floss in die Spitze. Zebarga spürte Hynes Erregnung.
"Daraus wird nichts!", brüllte Zebarga und riss die Spitze ab.
Mit einem Schrei schmiss er sie aufs Meer hinaus. Er hatte es geschafft. Hyne war getrennt von seinem anderen Ich. Er war eingeschlossen. Dieser Brocken, er würde untergehen, versinken, auf ewig vergessen sein. Hyne war besiegt.
Was er nicht wusste war, dass dieser Brocken, diese geheimnisvolle Platte, Jahrzehnte später von einem Abenteurer namens Dawson entdeckt werden würde. Dieser Mann würde eben jene Platte in ein Dorf namens Winhill mitnehmen und eines fernen Tages würde ein Junge namens Niida sie zum ersten Mal in dem kleinen Laden erspähen. Er würde diese Platte nie wieder aus seinem Kopf bekommen.
Doch das brauchte Zebarga auch nicht zu wissen. Er lag kraftlos auf dem Rücken.
"Ach, ihr verdammten Menschen. Ich habe euch geliebt, jeden einzelnen von euch. Hättet ihr das nur gewusst, hättet ihr mich genauso geliebt, wie ich euch..."
Das Wasser drang in seine Ohren und er spürte, wie ihn das Wasser allmählich verschluckte. Die Gesichter von geliebten Menschen tauchten vor seinem inneren Auge auf. Alles fiel von ihm langsam ab, seine Lungen brüllten, sein Körper schmerzte, doch er konzentrierte sich auf ihre Gesichter. Sie lachten ihm zu, sie sahen ihn an. Sie sahen ihn liebevoll an. Sie hatten ihn geliebt. Langsam, begleitet von ihnen, schlief er inmitten des gigantischen Ozeans, den er selbst geschaffen hatte, ein...

Squall starrte stumm auf das verschwindende Loch. Der Geruch des Ozeans verschwand. Dann blickte er zu Alphega auf.
"Es ist Zeit, aufzuwachen", meinte Alphega und lächelte.


Squall riss die Augen auf. Er war in der Gefängniszelle. Er schaute sich langsam um. Der Philosoph war verschwunden.
Squall bemerkte, dass die Tür offen stand.
"Ich hab noch nicht mal Zeit für meine Depressionen", murmelte Squall und stand dann auf.

"... Der Sachschaden beträgt schätzungsweise 800 Millionen Gil. Unter der Berücksichtigung sämtlicher zerstörter Kulturgüter und Denkmäler schätzt man den Gesamtschaden in etwa auf 8,6 Milliarden Gil. Die Zahl der Todesopfer hat inzwischen eine Höhe von 450 Personen erreicht. Die Anzahl der Verletzten und Schwerverletzten bewegt sich im vierstelligen Bereich..."

Skylar betrat langsam den dunklen Verhörraum. Am Fenster stand der junge Mann, den sie in Dollet gerettet hatten.
"...... Xelto?"
"Herr Goodsworth, wenn ich bitten darf", antwortete er.
Diese Stimme... Sollte das wirklich ihr Bruder sein? Sie klang so heiser, vermutlich hatte er viel gebrüllt. Sie hielt das vorher für einen Irrtum, doch nun stand eine Person aus Fleisch und Blut vor ihr, die sich Xelto Goodsworth nannte. Vielleicht war es doch nur ein Zufall, auch wenn beides sehr seltene Namen sind. Sie musste sein Gesicht sehen.
"Kennst du noch deinen Bruder?", fragte sie.
"Ich habe keinen Bruder."
Skylars rasendes Herz wurde wieder langsamer. Es war also doch eine falsche Vermutung, dachte sie sich. Wie hätte Xelto auch noch am Leben sein sollen? Und außerdem müsste er jetzt um die 23 Jahre alt sein, dieser Xelto war wahrscheinlich noch nicht einmal 18. Dann drehte er sich um.
"Habt ihr mich vor Caris gerettet, nur um zu erfahren, ob ich einen Bruder habe?", fragte Xelto.
Skylar musste genau hinsehen, um sein Gesicht zu erkennen, da das Licht blendete. Ihr lief es eiskalt die Schulter runter. Ihr Atmen wurde schwerer. Ihr Herz schlug wieder schneller. Ihre Hände zitterten. Dieses Gesicht... Das ist nicht möglich. Ähnlich reagierte auch Xelto. Er drehte sich rasch wieder zum Fenster.
"Ich habe keinen Bruder", wiederholte er.
Skylar musste schlucken, um etwas sagen zu können.
"Warum bist du hier?", fragte sie ihn schließlich.
"Das solltet ihr SEEDs eigentlich wissen..."
"Ich bin kein SEED. Ich bin Journalistin. Mein Name ist... Skylar... Goodsworth."
Xelto sagte nichts.
"Du bist es, nicht wahr?", fragte sie.
Vielleicht war er nur schwer verletzt worden und hatte sein Gedächnis verloren.
"Nein, dein Bruder ist tot. Ich bin nicht der Xelto, den du kanntest. Ich habe ein neues Leben", antwortete Xelto. Skylar sah ihn genau an, immer noch nicht begreifend, dass das ihr Bruder war.
"Du siehst so jung aus... Was ist all die Jahre passiert?"
"Das weißt du ja. Ich war tot. Prokylta mich wieder zurück ins Leben. Prokylta ist es ähnlich ergangen. Auch sie steht in der Schuld eines anderen. Sie kann nicht mehr zurück und ich auch nicht", sagte Xelto leise.
"Ich dachte, du hasst Prokylta. Wieso zitierst du sie dann?", fragte Skylar bissig.
Xelto sah Skylar wütend an.
"Vergiss Prokylta. Niko ist hier. Ich bin hier. Deine Familie ist wieder vereint", fuhr Skylar fort.
"Meine Familie? Niida ist tot... Mutter und Vater sind tot... Du und Niko hasst euch. Und ihr hasst mich. Das nennst du Familie?"
"Hassen!? Ich hasse dich nicht."
Xelto schnaubte. Skylar ging zwei Schritte vor.
"Niida war nicht mehr er selbst, als es passierte. Niemand konnte deinen Tod verkraften. Dieser Vorfall war der Grund, warum unsere Familie zerfiel", versuchte sie ihn klar zu machen.
"Und jetzt sollen wir von vorne anfangen? Sehr komisch. Ich werde mein neues Leben nicht opfern, um zu einem zurückzukehren, welches schon gestorben ist."
"Hör auf mit diesem Schwachsinn! Du bist noch der gleiche, du hast dich zwar aufgrund der Umstände gewandelt, aber du bist der gleiche. Du willst es bloß nicht wahrhaben."
"Oh nein. Durch Hynes Macht konnte ich neu erschaffen werden. Er war es auch, der mich getötet hat, als Niida von ihm besessen wurde. Er rief uns beide, doch Niida überwältigte mich... Ich war dabei, als er starb. Ich konnte sehen, wie er verbrannte. Es war sehr genugtuend, das mit anzusehen, direkt bevor Hyne dann zu mir zurückkam, in die Steinplatte, die ich in meinen Händen hielt. Siehst du? Könnte ich mich so über den Tod meines Bruders freuen, wenn ich noch der alte wäre?", fragte Xelto lächelnd.
"Du erzählst schon wieder von diesem transzendenten Mist. Was immer Hyne auch sein mag... DU bist ein Mensch. Und ich denke, dass nicht er, sondern du dich geformt hast. Das ist nur ein Vorwand. Du hast dich über den Tod Niidas gefreut? Wohl kaum. Ich glaube, du weißt gar nicht mehr, wie man sich freut. Du hast weniger davor Angst, von der jetzigen Situation loszulassen, als dich deiner Vergangenheit zu stellen. Du willst doch nur die vielen Probleme, die aufgekommen sind, nicht lösen."
Skylar amtete schwer.
"So wie du und Niko?"
Skylar gab keine Antwort. Sie meinte, ein zufriedenes Lächeln von Xelto zu erkennen. Dann verzog sich sein Mund. Eine Träne tropfte von seinem Kinn. Skylar spürte dann auch eine Träne auf ihrer Wange.
"Es tut mir so Leid...", schluchzte Skylar.
"Ich kann nicht mehr zurück", hauchte Xelto traurig und setzte sich.
Nur wenige Sekunden vergingen, als die Tür aufsprang. Niko krachte rein und die niedergeschlagene Stimmung war verschwunden.
"Xelto Goodsworth!"
Niko holte Luft.
"Als ehemaliges Mitglied von Aomes Trianirea stehen Sie im Interesse der allgemeinen Sicherheit unter Arrest. Gemäß Paragraph 53, Absatz 1 des Internationalen Sicherheitserhaltungsgesetzes sind die SEEDs verpflichtet, aufgrund sämtlicher Vergehen, welche wir dokumentiert haben, gerichtlich gegen Sie vorzugehen. Da sich die Lage allerdings geändert hat und wir auf Ihre Informationen angewiesen sind, bieten wir Ihnen die Möglichkeit mit uns zu kooperieren. Andernfalls..."
"Es reicht", unterbrach Skylar. "Du benimmst dich wie ein Kind!"
"Du hast nicht das Recht über diesen Fall in den Medien zu berichten. Diese Angelegenheit ist von höchster Wichtigkeit", meinte Niko ohne Xelto anzusehen.
"Im Gegensatz zu dir, bin ich nicht wegen meines Jobs hier!"
"Solche Besuche sind strafbar! Mach endlich, dass du raus kommst!", drohte Niko.
"Du willst doch gar nicht, dass ich gehe. Weil du dann mit deinem Bruder allein wärst", sagte Skylar und verschränkte die Arme.
Nikos Gesichtsausdruck wirkte bedrohlich.
"Xelto ist tot! Dieser Mann... dieser Junge ist ein Hochstapler. Er war bei Aomes Trianirea, das sagt alles. Hyne versucht uns zu täuschen. Er will sich unseren Gefühle bemächtigen", meinte Niko.
"Und selbst wenn das Hynes Plan ist... DAS IST DEIN BRUDER!"
"Benutze deinen Verstand!", brüllte Niko.
"Benutze dein Herz!", schrie Skylar zurück.
"Seid ihr zwei fertig?"
Niko drängte Skylar zur Seite, warf einen Blick auf seinen Notizblock und tat so, als würde er nachdenken.
"Siehst du, Skylar? Wir können da nichts mehr ändern. Sein Bruder ist tot", meinte Xelto.
"Du sprichst erst, wenn ich es dir erlaube!"
Niko setzte sich Xelto gegenüber. Vertieft in seiner Rolle sah er ihm in die Augen, wie er es immer machte, wenn er jemanden verhörte. Plötzlich überkam Niko ein unangenehmes Gefühl. Seine Finger begannen zu schwitzen. Er blätterte in seinen Akten, ohne genau zu wissen, wonach er suchte.
"Ich habe meinen Stift vergessen", sagte er und stand auf.
Skylar stand plötzlich neben ihm und reichte Niko ihren Kugelschreiber, ohne ihn anzusehen. Niko nahm ihn und setzte sich wieder.
"Ich dachte, das ist ein Verhör", sagte Xelto.
Niko antwortete nicht.
"Wie lange wollt ihr dieses Spiel noch spielen?", fragte Skylar schließlich verzweifelt.
"Von wegen Spiel", flüsterte Xelto laut.
"Natürlich ist es ein Spiel. Wir sind seit über zehn Jahren das erste Mal wieder zusammen und wir können nicht einmal über Niida sprechen. Bitte Niko, auch wenn du Niida gehasst hast und von ihm seit dem Unfall nichts mehr gehört hast..."
"Ich habe ihn nicht gehasst", antwortete Niko langsam und legte den Kugelschreiber weg. "Wir haben uns ein paar Monate vor seinem Tod gegenseitig Briefe geschrieben..."
Skylar sah ihn sprachlos an. Xelto lehnte sich zurück und gab ein Schnauben von sich.
"Damit wären dann die Probleme gelöst", meinte Xelto provokant.
"Sag mir eins: Warum bist du hier?", fragte Niko plötzlich und fixierte Xelto mit seinen Augen.
"Dafür gibt es eine plausible Erklärung, aber das ist jetzt unwichtig", sagte Skylar.
"Unwichtig? Dieser Junge sollte tot sein, ist er aber nicht. Warum?", fragte Niko.
"Denkst du, dass dieses kleine Detail jetzt das Einzigste ist, das jetzt geklärt werden sollte? Nach all den Jahren, in denen du deine Familie gemieden hast?", fragte Xelto.
"Und was hast du gemacht?", konterte Niko.
"Ich wollte nie, dass es so weit kommt. Ihr seid vor mir weggelaufen. Es begann schon damals, als du dafür warst, dass Niida in den Garden kommt. Ich wollte nicht, dass sich die Situation verschlimmert, dafür war ich auch dagegen, dass wir getrennt werden. Aber scheinbar hat ein Goodsworth es im Beruf leichter, als in der Familie. Wir waren schon immer Erfolgsmenschen. Wir konnten Geschäfte retten, die Familie aber nicht", sagte Skylar plötzlich.
"Und das soll sich jetzt ändern? Wir sind doch alle glücklich in unserer Rolle. Jeder von uns hat seine Liebe und seine Bestimmung gefunden. Wenn wir als Familie auch versagt haben... Alleine haben wir es zu etwas gebracht", sagte Xelto.
"So etwas sagst DU? Als Anhänger von Hyne? Freiwillig. Nicht so wie Niida", sagte Niko.
"Das ist eine Frage des Glaubens. Ich habe es weiter gebracht als ihr. Ich habe bei der Sekte mehr bewegt als du bei den SEEDs", sagte Xelto überzeugt.
"Und jetzt? Ohne die Sekte? Was hast du jetzt noch?", mischte sich Skylar ein.
"Ich habe meine Träume". Und darum habe ich noch mehr erreicht, als ihr beide. Wollt ihr mir das wegnehmen?"
"Solange du auf der Seite des Feindes bist, haben wir keine andere Wahl", sagte Niko.
"Niko, begreif doch endlich. Es geht hier nicht um unsere Überzeugung. Es geht hier um etwas Menschliches. Ich mein, wir haben hier eine Chance und wir vertun sie, weil ihr beide zu dickköpfig seid. Es gibt doch mehr als nur Erfolg im Job. Es gibt doch nur deshalb so viele Probleme auf der Welt, weil die Menschen anstatt das zu pflegen was sie haben, nach dem streben, was sie nicht haben können."

Der Schulhof des Gardens war beinahe komplett leer. Ein paar Schüler waren noch nicht wieder zu ihrem Unterricht zurückgekehrt. Die Ruhe wurde gestört, als plötzlich ein gelber Chocobo auf dem Hof landete. Squall atmete schwer und versuchte abzusteigen. Er fiel hin und lag, flach atmend, auf dem Boden.
Die Schüler standen auf und rannten rein, um Hilfe zu holen. Wenige Minuten später hörte Squall vertraute Stimmen.

"Wenn du dich nicht damit abfindest, warum ist das dann UNSER Problem?", schnauzte Xelto Skylar an.
"Weil die Dinge, so wie sie im Moment sind, nicht sein sollten", sagte Skylar.
"Wenn wir sie als gegeben hinnehmen, machen wir wohl am wenigsten Schwierigkeiten", schloss Niko.
"Du tust ja gerade so, als wären dir andere wichtiger als du selbst."
Eine Lautsprecherdurchsage ersparte Niko die Antwort.
"So, bitte kurz herhören! Niko Goodsworth. Begib dich bitte in das Direktorat. Squall ist zurückgekehrt und wir wollen unsere nächsten Schritte durchdenken. Danke", knatterte Xells Stimme aus dem Lautsprecher.
Niko sah Skylar an.
"Ich bin eben nun mal ein SEED. Ich habe meine Pflichten zu erfüllen", meinte er und verließ zügig den Raum.
Die Wache draußen bedeutete Skylar, ebenfalls den Raum zu verlassen. Skylar blickte ihren jungen Bruder an. Xelto sah ausdruckslos zurück.
Sie verließ schwer atmend den Verhörraum. Die Wache verschloss den Raum.
Vor der Tür sah sie Niko hinterher, der in Richtung Lazarett ging.
Skylars Kommunikator piepste. Sie schaltete ihn ein, noch einen letzten Blick auf Niko werfend, der gerade in den Lift gestiegen war.
"Hi, Skylar. Hier spricht der unwiderstehliche Irvine. Bin soeben im Garden angekommen."

Squall betrachtete nachdenklich seine Hand. Sein Kopf dröhnte noch, aber auf der Krankenstation hatte man ihm gesagt, dass die Kopfschmerzen innerhalb der nächsten Stunden verschwinden würden. Rinoa und er befanden sich auf einem kleinen, verlassenen Gang im Garden. Sie lehnte ihm gegenüber an einer Wand und sah ihn an.
"Rinoa..."
"Ich hab mir Sorgen gemacht", sagte sie.
"Tut mir leid..."
"Schätze, wir dann quitt."
Sie lächelte ein wenig.
"Wegen der Wüstenhöhle..."
"Lass uns irgendwann drüber reden, okay? Wenn das hier vorbei ist..."
"Bist du sicher, ich meine..."
"Bitte."
Er nickte langsam.
Eine Tür öffnete sich zischend am Ende des leeren Ganges. Cifer trat zu ihnen.
"Bist ja wieder da. Hab gar nicht gemerkt, dass du weg warst. Hat es was gebracht?", fragte Cifer ruppig.
"Wir haben zumindest das hier", meinte Squall und holte einen kleinen Würfel aus seiner Tasche hervor.
"Was ist das?", fragte Cifer.
"Hat, laut dem Philosophen etwas mit einem Ding namens 'Deus Ex Machina' zu tun", sagte Squall.
Cifer und Rinoa tauschten einen Blick.

Kaum war Squall in das Direktorat getreten, spürte er, wie alle Augen auf ihn gerichtet waren. Er wusste, wie seltsam die Situation für alle sein musste.
"Yo, Squall, schön, dass du wieder da bist", sagte Xell mit einer gespielten guten Laune.
Im ganzen Direktorat wurde es totenstill.
Selphie, Xell, Irvine und sogar Skylar waren anwesend. Edea saß mit Odyne an einem kleinen Tisch. Sie brachen ihr Gespräch ab. Alle blickten ihn an. Doch ein Mensch fiel Squall sofort ins Auge. Hinter einem großen Tisch saß Niko Goodsworth und fixierte Squall mit seinen Augen. Squall sah ihn zum ersten Mal seit seiner Begegnung mit Hyne wieder. Die vielen Narben haben ihn sehr entstellt. Niko erhob sich.
"Leonhart, Sie haben anscheinend etwas mitgebracht. Machen Sie diese Entdeckung für uns alle offen, damit die SEEDs diese Information nutzen können", sagte Niko.
"Gerne."
Sie sahen ihn alle an. Er spürte, er musste etwas sagen. Er musste irgendwas sagen, damit sich die Stimmung löste. Doch was...
"Ich... ähm..."
"Wir haben keine Zeit für sentimentale Reden. Wir brauchen die Informationen. Jetzt!, sagte Niko eindringlich.
Squall nickte. Er war Niko fast dankbar, da er nun hier die Arschloch-Rolle spielte.
Niko deutete auf seinen Tisch, auf dem zwei Pergamente ausgebreitet waren.
"Dies seien zwei der Dokumente, die Peterson bei sich getragen habe, oder? Sie enthielten eine Prophezeiung über eine 'Deus Ex Machina' und außerdem ein Portrait von..."
"...mir und Rinoa", schloss Squall.
Odyne sah ihn verwirrt an. Squall fuhr fort.
"Während meines Aufenthalts bei der Sekte habe ich die Vergangenheit gesehen. Dieses Pergament stammt aus der Zeit des großen Krieges gegen Hyne. Zebargas Frau Baskarune glaubte, es würde ein Paar geben, das die Kraft habe, das Schicksal verändern zu können. Zebarga und Baskarune glaubten, sie seien dieses Paar. Bis Zebarga eines Tages klar wurde, dass sie es nicht waren. Er erbaute unter Hynes Einfluß unsere Zivilisation, er veränderte die Struktur unseres Planeten und doch schien er nicht ein Teil dieses Paares zu sein. Anscheinend glaubten sie, dass Rinoa und ich dieses Paar bilden sollen. Fragt mich, warum", meinte Squall kurz und sah zu Rinoa herüber.
Edea musterte Squall erstaunt.
"Es sei auf alle Fälle wichtig, dass der Feuer-Lacrima verwendet würde, um Seite 2 zu entschlüsseln, oder?", sagte Odyne, der es anscheinend nicht gewohnt war, in seinen Ausführungen übertroffen zu werden.
Squall nickte und zog das Feuer-Artefakt heraus. Er hielt es über das zweite, vollkommen leere Pergament. Das rötliche Licht schimmerte auf der Seite. Plötzlich färbte sich ein Teil des Pergament dunkel, als würde es absorbierte Tinte ausstoßen. Die Tinte formte sich zu Buchstaben, Worten und schließlich zu einem Satz.

Diese Seite ist der Schlüssel, um die Deus Ex Machina zu öffnen.

Squall sah die anderen erstaunt an. Unter den Buchstaben erschien ein Zeichen, eine Art Siegel. Squall zog langsam den schwarzen Würfel heraus, den er aus dem Hauptquartier mitgenommen hatte. Er drehte ihn in seiner Hand und entdeckte das gleiche Siegel auf der einen Seite. Squall bewegte den Würfel langsam auf das Pergament zu.
Der Würfel flog ihm aus der Hand und landete hart auf den Pergament. Er vibrierte. Der Würfel öffnete sich. Aus dem inneren schwebten Teile langsam magisch durch die Luft. Zwei Spiralen wuchsen wie zwei Schlangen heraus. An ihnen setzten sich kleine Schalen an.
Es bildete sich ein fast zwei Meter hoher Apparat. Alle starrten das Ding mit offenen Mündern an. Niemand konnte sich erklären, wie dieses Ding in einen Würfel gepasst haben sollte.
"Deus Ex Machina", flüsterte Edea schließlich.
"Diese Schalen seien für die Lacrima, oder? Wenn alle Lacrima eingesetzt seien, dann sei der Weg zum Tempel des Alphega offen, oder?", sagte Odyne.
"Und in diesem befindet sich Hynes andere Hälfte, die die Centra damals versiegelt haben. Und wenn er sich mit dieser wiedervereinen kann...", flüsterte Squall.
Für einen Moment sprach niemand.
Dann rührte sich Edea.
"Wir müssen handeln. Wir müssen aktiv werden. Hyne hat mit uns gespielt und in aller Seelenruhe seine Pläne vorbereitet. Wir müssen gegen die Sekte vorgehen. In aller Offenheit. Wir müssen politische Kontakte nutzen und die Menschen aufmerksam drauf machen, dass schwere Zeiten auf sie zukommen. Wir müssen uns koordinieren. Ich werde Cid kontaktieren. Er soll sich mit den Politikern in Verbindung setzen und schauen, was er erreichen kann. Skylar, ich bitte dich, eine Nachricht aufzusetzen, wo wir als SEEDs eindringlich vor den Gefahren von Hyne warnen. Die Öffentlichkeit muss endlich mit einbezogen werden. Je schneller wir in der Aufklärung sind, desto schwerer wird es die Sekte haben, durch leere Versprechungen Mitglieder zu rekrutieren", sagte Edea.
"Das reduziert unsere Glaubwürdigkeit beträchtlich. Niemand wird glauben, dass ein mysteriöser Dämon zurückgekehrt ist. Die Leute wollen Caris' Kopf sehen", schnaubte Niko.
"Und deswegen müssen wir diese Lügen zerstören und die Leute aufklären. Nur so können wir gewinnen. Niko, ich bitte dich, eine Pressekonferenz abzuhalten und dies zu verkünden", sagte Edea ernst.
Niko lachte laut auf.
"Ich mache mich doch nicht zum Chocobo. Vergiss es, Hexe!"
"Du Arsch, hier geht es um uns. Hier geht es nicht um unser Ansehen, um Politik, hier geht es um die Menschen. Du bist doch so ein toller SEED, dann nimm deine Pflicht auch ernst. Und die grundlegende Pflicht eines jeden SEEDs ist, den verderblichen Einfluß Hynes einzudämmen! Ich weiß, du scherst dich nicht um deine menschlichen Verpflichtungen, aber dann nimm wenigstens deine beruflichen wahr!", sagte Skylar ernst.
Niko lachte noch lauter, doch jeder spürte seine Nervosität. Edea fasste ihn an der Schulter an.
"Niko, ich schätze dich. Wir brauchen dich. Weil du ein guter Anführer bist. Weil du ein guter Mensch bist. Und weil du Niidas Bruder bist. Hyne hat etwas vergessen bei seiner Angewohnheit, Leute in ihrem eigenen Körper zu unterwerfen. Diese Menschen, die er zerstört hat, u.a. auch dein Bruder, sie hinterlassen Spuren in seiner Seele. Ein winziger Teil in Hyne ist immer noch Niida. Und diese Verbindung, diese menschliche Verbindung, die du noch von deinem Bruder hast, diese Verbindung ist wichtig. Du bist als Mensch wichtig. Du stehst in Verbindung mit deiner Familie. Finde deinen Platz, werde der Kommandant dieses Krieges. Arbeite mit den Menschen zusammen, nimm sie ernst, denn du kämpfst auch für sie", sagte Edea und trat ein Stück zurück.
Niko lachte nicht mehr.
"Niko Goodsworth, nimmst du diese schwierige Aufgabe an?", fragte Edea dann auf einmal in einem formalen Tonfall.
Niko schielte zu Skylar rüber. Dann nickte er.
"Yeah, das hört man gerne. Also, Niko, Antrittsrede", bellte Xell.
"Keine Zeit. Der Schlachtplan muss erstellt werden, wir müssen koordinieren. Bereitet euch alle vor, erstes Briefing in 30 Minuten hier. Ich ziehe mich zurück und erstellte eine Strategie", entgegnete Niko eisig und verließ den Raum.
Skylar sah ihm nach und verließ dann ebenfalls den Raum.
Squall beobachtete, wie die seine Freunde anfingen zu arbeiten. Sie hatten die merkwürdige Situation von Squall anscheinend vollkommen vergessen und waren bereits vertieft in ihrer Arbeit. Rinoa und Cifer traten zu ihm.
"Das wird doch nie was mit diesen Hampelmännern hier. Wir werden wohl auch ein wenig aufpassen müssen", sagte er.
Die Tür öffnete sich. Jemand humpelte herein. Quistis stöhnte kurz und ließ sich auf einem Stuhl nieder.
"Quistis... du darfst noch nicht auf den Beinen sein", rief Edea.
"Hab ich was verpasst? Ich hatte magische Unterstützung", lächelte Quistis und deutete auf die Tür.
Prokylta stürmte in den Raum.
"Was geht hier vor?", fauchte sie.
"Prokylta, ihre Anwesenheit ehrt uns. Es gibt großartige Neuigkeiten. Wir haben soeben beschlossen, aktiv gegen Hyne vorzugehen. Und wir haben die 'Deus Ex Machina'!", sagte Edea lächelnd.
"Aktiv gegen Hyne... das ist ja..."
"...wundervoll, nicht wahr?", sagte Edea lächelnd.
Prokylta sah kurz zu den anderen. Dann lächelte auch sie und verbeugte sich höflich.
"Meine Kräfte stehen selbstverständlich auch in dieser Angelegenheit den SEEDs zur Verfügung!"
"Herrlich", meinte Edea trocken und sah, wie Prokylta zu Rinoa hinüberging.
Edea trat an eine Konsole und tat so, als würde sie arbeiten. Beiläufig ging Cifer zu ihr rüber und drückte wahllos ein paar Knöpfe, um sich die Schlagzeilen des Tages anzusehen.
"Wir behalten sie im Auge. Bald werden wir erfahren, wo sie wirklich steht", flüsterte Edea.

Die 'Enthaupter' schwebte still und majestätisch über den endlosen Weiten des Ozeans.
Im Inneren herrschte jedoch Aufregung.
"... deswegen werden die SEEDs Schritte unternehmen, Hyne endlich zu besiegen. Dies ist ein historischer... "
Caris schaltete den Monitor aus und schnitt Niko somit das Wort ab.
Er drückte ein paar Knöpfe.

In einer Villa außerhalb von Dollet wurde ein technisch perfektes Klavierspiel plötzlich unterbrochen.
"Mary, bitte lassen Sie mich alleine", sagte der Herr hinter dem großen Vorhang.

"Wir haben ein Problem. Die SEEDs gehen offen gegen Euch vor", sagte Caris ins Mikrophon.
"Soso, diese kleinen dreckigen Kreaturen wollen also den Zeitplan und die Bedingungen diktieren. Mir ist ebenfalls zu Ohren gekommen, dass dieser Squall entkommen ist... mit der 'Deus Ex Machina'", zischte es aus dem Lautsprecher.
"...das ist richtig", sagte Caris schließlich.
"Das bedeutet, unsere Pläne müssen beschleunigt werden. Ich will sie alle tot. Alle sollen sich in ihrem Blut winden und leiden. ALLE! Verschone kein einziges Leben, egal, wie jung, wie alt, unerfahren. Ich will, dass am Ich will, dass du sofort alles unternimmst und meine Ankunft der Sekte vorbereitest! Dieser Rat hat ausgedient. Vernichte ihn. Und dann kümmerst du dich um die SEEDs. Und bring mir Rinoa! Ich will, dass, wenn der morgige Tag vorüber ist, die SEEDs mit Stumpf und Stiehl ausgerottet sind!"
"Jawohl... Lord Hyne", sagte Caris demütig.
Der Lautsprecher knackte. Die Verbindung war unterbrochen.
Caris atmete tief ein. Alles Demütige war von ihm abgefallen. Er schaltete den Monitor ein und sah wieder Nikos Gesicht. Caris lächelte und drückte einen weiteren Knopf.
"Kapitän. Setzen Sie Kurs auf den Balamb Garden und machen Sie das Schiff kampfbereit. Der Zeitpunkt der Rache ist gekommen!"