FFVIII: Aomes Trianirea - Kapitel 24

Schuld und Sühne

verfasst von MfLuder

Es ist alles so sinnlos und so leer. Das brennende Gefühl in meinem Herzen hat aufgehört, es ist kalt und erstarrt. Vor ein paar Stunden hatte ich noch das Gefühl, es würde gleich zerspringen, so groß war der brennende Schmerz. Doch jetzt ist alles hart, als sei mein Blut verklumpt und hart geworden.
Was macht überhaupt noch Sinn? Kann man überhaupt noch an etwas glauben? Alles, woran ich geglaubt habe, ist weg. Es ist bedeutungslos.
Ich warte, ich warte auf irgendetwas. Worauf, das weiß ich nicht. Vielleicht warte ich auf Rinoa, vielleicht warte ich auf einen Wink des Himmels, vielleicht warte ich auf mich...
Ist das die Strafe fürs Fühlen? Bin ich manipulierbar? Bin ich frei? Warum das alles? Was bin ich und wieso bin ich das? Was ist hinter dieser Fassade, dieser lächelnden Welt? Wer zieht die Fäden? Ziehe ich die Fäden meines Lebens oder ist alles vorherbestimmt und alles läuft auf einen bestimmten Punkt zu, den wir noch nicht kennen?
Was soll ich glauben?


Squall lag regungslos auf den Boden eines Zimmers im Balamb Garden. Er hatte sich eingeschlossen, nachdem er irgendwie betäubt dorthin geschleppt worden war. Der Raum war dunkel, die Gardinen zugezogen. Ein winziger Lichtstrahl kam manchmal herein, wenn der Wind kurz wehte und die Vorhänge sich kurz aufblähten und etwas von dem Tag da draußen hereinließen. Warme Luft kam von draußen herein, irgendwo hörte er das Gemurmel der Menschen. Alltägliche Sorgen, weit weg von ihm...
Er hatte sich ein paar Mal übergeben, einen Tisch umgeworfen und mit seinem Schwert wild nach unsichtbaren Feinden geschlagen. Dann war ihm schwindelig geworden und er war auf den Boden gefallen.
Er atmete flach und ruhig. Sein Magen hatte bis vor kurzem gebrannt. Er hatte sich zusammengezogen und verkrampft. Er fühlte sich schuldig. Als wäre etwas zersprungen, als wäre die Welt aus den Fugen gekippt und zerbrochen. Plötzlich hatte alles einen Sinn gemacht, die ganzen letzten Tage. Die Zurückhaltung in den Augen seiner Freunde, die gelegentliche Angst, die aufgeblitzt hatte. Alles war so einfach, so einleuchtend gewesen. Seine Siege, so schwer errungen, waren verschwunden wie Traumgestalten.
Hatte er etwas bemerkt? Hatte er eine Ahnung gehabt? Eine innere Stimme, die ihm etwas sagen wollte?
Konnte er sich erinnern? Konnte er sich an irgendetwas erinnern? Manchmal sah er Reflexionen von Operationen, dann wieder den alten Mann Alphega. Doch wo war er jetzt?
Jetzt war alles ruhig, abgesehen von dem Lachen der Leute draußen. Er lag auf den Boden, existierte und atmete ruhig. Er betrachtete den Lichtstrahl und beobachtete fasziniert winzige Staubpartikel in der Luft, die frei im Licht schwebten. Sein Blick fiel auf den Boden und er bemerkte, wie uneben der Boden doch eigentlich war.
Wie lange sollte er noch hier liegen bleiben? Auf was wartete er?
Irgendetwas kam in ihm hoch. Seine Muskeln spannten sich an. Schmerz durchdrang sein Körper. Er drehte sich von der Seite auf den Rücken und starrte an die Decke.
Seine Hand glitt in seine Brusttasche. Das Feuer-Artefakt, Fib. Es schimmerte leicht rötlich. Im Inneren löste sich Caris' Patrone langsam in ihre Bestandteile auf.
Nach allem, was Squall dumpf mitbekommen hatte, war Caris wohl mit einem Flugschiff verschwunden, nachdem er einige SEEDs auf seiner Flucht getötet hatte. Quistis befand sich momentan auf der Krankenstation. Sie würde wohl durchkommen, hatte er irgendwo von irgendwem gehört.
Doch was kümmerte ihn das? Er konnte hier liegenbleiben und warten... aber auf was? Auf wen?
"Steh auf!"
Squall zuckte zusammen. Er erhob sich langsam. Ihm war schwindelig, also blieb er sitzen. War noch jemand im Raum?
"Wer ist da?", fragte er.
Im Schatten stand eine Person. Sie ging langsam in die Mitte des Raumes. Der Lichtstrahl betastete das Gesicht der Person.
"Was tust du, Squall? Was machst du hier?"
Es war der Philosoph.
"Philosoph? Wie bist du hier..."
"Unwichtig. Du liegst da herum und machst nichts? Wieso?", fragte der Philosoph.
"Warum sollte ich überhaupt etwas tun? Es spielt doch eh keine Rolle mehr. Ich bin doch bloß ein Monster", sagte Squall.
"Du warst ein Monster. Du hast Schuld auf dich geladen, unschuldige Menschen getötet, darunter Menschen, die dir sehr wichtig sind. Ja, das hast du getan. Aber willst du die ganze Zeit hier liegenbleiben und nichts tun?"
"Was spielt es noch für eine Rolle, wenn ich lebe?", fragte Squall.
Der Philosoph kniete sich vor Squall hin. Squall betrachtete die Brille ohne Gläser auf der Nase des Philosophen. Er wirkte auf einmal sehr alt.
"Einige Fische sind dazu verdammt, ihr ganzes Leben lang zu schwimmen. Immer weiter, immer fort durch den großen Ozean. Immer den Weg lang, die Gefahr vor Augen, jederzeit gefressen zu werden, aber auch das Glück, andere zu treffen, zu fressen und zu leben. Wenn ein Fisch aufhört zu schwimmen, dann stirbt er. Hör nicht auf zu schwimmen, Squall."
"Du hast gut reden. Du hast nicht so etwas erlebt!", erwiderte Squall.
"Natürlich. Du bist der einzige, der leidet, nicht wahr? Du bist tapfer; du sitzt hier und verdammst die Welt. Du bist ein Opfer. Gut, dass du dich wegschließt, damit dich niemand sehen muss!", sagte der Philosoph ohne eine Emotion.
"Bist du gekommen, um noch einmal drauf zuhauen?", fragte Squall.
"Squall, wenn du stirbst, dann stirbt die Welt!"
"Was soll ich denn tun", erwiderte Squall kraftlos.
Er spürte, wie Tränen hochkamen. Seine Augen brannten noch.
"Glaube an dich", erwiderte der Philosoph kurz.
Squall lachte freudlos.
"Toller Satz", meinte er bissig.
"Wer nicht den Willen hat zu bewegen, der wird nicht bewegt. Das ist das Geheimnis des Menschseins. Ein weiteres ist der Wille nach Antworten", sagte der Philosoph.
Squall sah zu dem Philosophen auf.
"Auf welche Fragen denn?", fragte Squall.
"'Warum?'", fragte der Philosoph.
"Ich höre", sagte Squall.
"Eine Adresse. Der Mensch sucht seine Antworten. Das Universum hat kaum Grenzen, ist endlos und schwer zu überschauen. Doch alles nötige ist in jedem Element enthalten, jede Antwort ist in jedem Teil verschlüsselt", sagte der Philosoph und reichte Squall den Zettel.
Squall sah auf den Zettel. Eine Adresse aus Dollet stand drauf.
"Eine Antwort auf welche Frage?", fragte Squall, während er auf den Zettel blickte.
"Was bedeutet Aomes Trianirea?", antwortete der Philosoph.
Squall blickte hoch, doch der Philosoph war verschwunden! Er war nirgendwo mehr zu sehen. Wie hatte er einfach verschwinden können?
Squall stand langsam auf und ging langsam zum Fenster. Die Luft lockte ihn förmlich nach draußen. Er blickte zur Tür, die in den Garden und zu seinen Freunden führte, dann wieder nach draußen durch den Gardinenschlitz.
Wer von seinen Freunden würde ihn denn überhaupt im Ansatz verstehen können?

Cifer ging allein durch die Garden Halle. Es war relativ leer. Die meisten SEEDs waren in der Besprechung und lauschten Nikos Ausführungen, wie er Caris zur Strecke bringen wollte.
Cifer hatte all das schon einmal gehört. Er hatte keine Lust, sich an einer weiteren Hetzjagd zu beteiligen. Er hatte Niko kurz über den Gang laufen sehen. Er war keine Augenweide. Sein ganzes Gesicht war vernarbt und blass und seine schwarzen Augen stachen hervor. Nach allem, was Cifer in diesem kurzen Moment gesehen hatte, war er nicht gerade warmherziger geworden.
Skylar und Irvine waren mit in der Besprechung, doch eigentlich interessierte das Cifer wenig. Seine Gedanken waren bei Squall.
Er konnte ihn verstehen. Er konnte sich noch gut an sich selbst erinnern, wie er vor sechs Jahren an diesem Punkt gestanden hatte. Plötzlich kommen diese Momente, wenn man erwacht und auf einmal das Ausmaß seiner eigenen Schuld spürt. Doch er hatte seinerzeit noch zwei sehr gute Freunde gehabt.
Kurz dachte er an Rai-Jin und Fu-Jin. Fast ein Jahr ist seit ihrem Tod vergangen. Er hatte noch nicht einmal richtig um sie trauern können.
Als Cifer seinen Blick über die Halle schweifen ließ, fiel ihm etwas auf. Anscheinend legte noch jemand keinen Wert drauf, der Versammlung beizuwohnen.
"Hallo", grüßte Cifer verwundert Edea.
Sie hielt zwei Kinder an der Hand
"Hiya, Onkel Cifer", wurde er von einem der beiden Kinder stürmisch begrüßt.
"Hi Kumpel", begrüßte Cifer den kleinen Jungen namens Nimbley.
Die beiden hatten sich während Cifers Zeit im Garden etwas angefreundet. Er war eine der wenigen, der Cifer nicht argwöhnisch ansah, wenn er durch die Gänge gelaufen kam. Nimbley war vermutlich schlicht zu jung, um Cifers andere Seite zu kennen.
"Das ist mein Halbbruder Dario", meinte Nimbley und zeigte auf seinen ungefähr zwölf Jahre alten Begleiter.
Dario lächelte etwas verlegen.
"Er will kein SEED werden, aber er ist ganz in Ordnung. Er besucht mich ab und zu mal", grinste Nimbley.
Dario wurde rot.
"Jetzt komm, ich muss dir unbedingt die Hot Dogs in der Mensa zeigen!", rief Nimbley.
Er und sein Bruder rannten durch die Halle in Richtung Mensa.
"Halbbruder?", fragte Cifer.
"Ja, sie haben die gleiche Mutter, aber wohl verschiedene Väter. Ich kannte ihre Mutter flüchtig. War wohl Kellnerin und einfach überlastet", sagte Edea.
"Eine der wenigen, die das Glück haben, dass ihre Eltern noch leben. Ich bin überrascht, dass du nicht bei der Versammlung bist. Der gute Niko erzählt sicherlich gerade hochinteressante Sachen", entgegnete Cifer.
"Ich weiß, du verstehst nicht, wieso Niko im Amt bleibt, trotz seines katastrophalen Verhaltens", sagte Edea, während sie mit Cifer den Gang hinunterschritt.
Cifer fiel auf, dass er sie seit langem nicht mehr so beeindruckend gesehen hatte. Edea war eine sehr stolze Frau mit einem aufrechten Gang. Sie hatte die Fähigkeit, schweigend weitaus beeindruckender zu wirken, als andere, wenn sie sich um Kopf und Kragen redeten.
"Ich frage mich nur, wie viele Leute noch sterben, bis du deine Gründe enthüllt hast", sagte Cifer scharf.
"Wie geht es Squall?", fragte Edea.
"Scheiße, natürlich. Du weißt besser als jeder andere, wie so was ist, wenn man feststellt, dass man auf einmal für den Tod mehrere Menschen verantwortlich ist", sagte Cifer.
Edea blieb stehen, Cifer sah ihr in die Augen.
"Du bist einer der wenigen Menschen, mit denen ich so reden kann, Cifer. Wir tragen beide eine große Schuld mit uns und doch leben wir weiter. Sicherlich, wir wurden von Artemisia manipuliert, genauso wie Squall von Hyne. Doch können wir weiterleben, als sei nichts passiert? Ich fürchte um Squall. Er war immer der sensibelste von euch", sagte Edea.
"Gibt es was neues aus Esthar?", fragte Cifer, um die Unterhaltung von solch tiefsinnigen Fragen wegzulenken.
"Nein, Laguna hat sich noch nicht gemeldet. Die Analyse der Dokumente geht langsam voran. Vielleicht erfahren wir ein wenig, was unsere Gegenspieler eigentlich vorhaben. Es ist zu ruhig", sagte Edea.
Sie erreichten die Bank vor der Bibliothek. Rinoa stand auf und steckte gerade einen Kommunikator weg.
"Ich habe gerade mit Mutter gesprochen. Sie will herkommen", sagte sie erfreut.
"Hm, du weißt, Rinoa, ich mag diese Frau nicht", sagte Edea düster.
"Sie ist meine Mutter und hat Squall das Leben gerettet. Ich werde nicht darüber diskutieren. Ich freue mich, dass sie her kommt", sagte Rinoa wütend.
"Rinoa, wir wissen alle, was sie für Squall getan hat", sagte Cifer beschwichtigend.
"Das bezweifle ich langsam", sagte Rinoa düster und schritt in Richtung Quartiere, wo sich Squall momentan aufhielt.
"Sie hält sehr viel von ihrer Mutter. Ein Tipp von mir. Ärgere sie damit nicht", sagte Cifer leise.
"Vertraust du etwa Prokylta?", fragte Edea mit hochgezogenen Augen.
Cifer atmete tief ein.
"Ich weiß es nicht. Ich habe zusammen mit dieser Frau das letzte halbe Jahr nach Squall gesucht. Keine Ahnung", sagte Cifer.
"Ich habe bei ihr ein seltsames Gefühl. Und Rinoa beobachte ich auch schon sehr genau. Sie ist nicht mehr so fröhlich und unbeschwert wie früher. Ich habe viel Zeit mit ihr verbracht, damals, als sie bei mir im Waisenhaus war. Sie wurde von Visionen geplagt. Sie fühlt sich, als würde jemand mit Gewalt jemand anderes aus ihr machen wollen. Ich denke, ihr größtes Problem ist, dass sie Squall fast mehr liebt als sich selbst und wenn er weg ist, weiß ich nicht, was mit ihr passiert", sagte Edea.
"Dann haben wir den gleichen Eindruck", entgegnete Cifer.
"Habe ich dir je erzählt, wie die ersten Hexen entstanden sind? Hyne hat bestimmten Frauen aus seiner Linie seine eigenen Kräfte vererbt. Dann hat er sich schlafen gelegt. Als er viele Jahrtausende später erwachte und begann, die Kinder der Menschen zu töten, erwachte in den trauernden Müttern diese Kraft. Sie beschlossen gegen Hyne zu kämpfen. Doch ihr ungebändigter Hass machte sie zu seinen Dienerinnen. So entstanden die Hexen. Nur wenige erkannten diese perfide Spirale und widersetzten sich. Ich sehe mit einiger Unruhe, dass sich seit damals nicht viel verändert hat. Squalls und Adryans Verschwinden..."
Edea brach ab, als sie Rinoa auf sich zu rennen sah.
"Ihr müsst schnell kommen. Squall ist verschwunden!", schrie sie.
Edea und Cifer sahen sich beunruhigt an.

Unbehelligt von Radarschirmen flog ein gigantisches Luftschiff mit hoher Geschwindigkeit auf die Gebirge im Norden von Esthar zu. Das Flagschiff von General Caris, die 'Enthaupter'.
Caris saß in seinem düsteren Quartier und starrte ein kleines Hologramm vor ihm an. Es zeigte eine verhüllte Person.
"Sandath, willkommen zurück. Ich habe nicht viel Zeit. Der Rat ist aufgeregt. Man wird dich nicht gerade als Helden feiern", sagte die verhüllte Person.
"Diese Bürokraten sollen sich zurückhalten. Ohne mich wären sie doch vollkommen verloren", schnaubte Caris.
"Mag sein. Ich würde trotzdem Vorsicht walten lassen", sagte die Person und das Hologramm löste sich auf.
"General, wir haben das Hauptquartier erreicht", tönte es aus einem Lautsprecher.
Caris erhob sich und verließ mit schnellen Schritten das Quartier.
Das Luftschiff fuhr seine Triebwerke ein und setzte in den Bergen zur Landung an. Innerhalb von Sekunden war es verschwunden als wäre es nie da gewesen.

Caris schritt mit schnellen Schritten durch das Hauptquartier. Es war immer noch die gleiche Basis, wie zu Prokyltas Zeiten. Obwohl sie nun zum Feind übergelaufen war, waren sie bis jetzt noch nicht behelligt worden. Aus irgendeinem Grund machte sich auch niemand Sorgen. Caris kümmerte das wenig. Er war die meiste Zeit eh nicht da.
Er betrat eine spärlich beleuchtete Kammer. An einer großen Tafel saßen zwölf maskierte Männer. Hinter diesen Masken befanden sich Menschen, die im normalen Leben hohe Posten in der Gesellschaft einnahmen. Caris hätte schwören können, dass viele von ihnen einst sehr eng mit Per Manum in Kontakt standen.
Diese Männer bildeten den 'Rat der Zwölf', der offiziell über die Sekte 'Aomes Trianirea' herrschte. Über ihnen stand nur Hyne selbst. Da er sich jedoch an einem anderen Ort versteckt hielt, waren sie das offizielle Verwaltungsorgan.
"Berichten Sie!"
Die Stimme hallte geisterhaft durch den Raum. Es war unmöglich zu bestimmen, wer gesprochen hatte.
"Es lief alles erfolgreich. Die Verräter unter den Ärzten wurden beseitigt. Auch Peterson ist tot. Das Labor und alle übrigen Hinweise wurden vernichtet", sagte Caris kurz und knapp.
"Was ist mit den Dokumenten?"
"In den Händen des Feindes. Und dennoch spielt das keine Rolle. Was macht es, wenn der Feind ein paar..."
"Das spielt eine große Rolle. Sie haben kein Verständnis für Epik. Sie haben keine Vision. Wenn der Feind herausbekommt, was für ein Wert in diesen Dokumenten liegt, sind all unsere Pläne in Gefahr. Das scheinen Sie nicht zu verstehen, General. Ich meine, Sie sind nur ein kleiner Mann vom Militär, der schon einmal fast alles verloren hätte und wenn es nach uns gehen würde..."
"Wenn ich sage, das spielt keine Rolle, dann spielt es keine Rolle. Die SEEDs interessieren sich nicht für die Wahrheit. Sie interessieren sich für mich, ich bin der neue Hauptfeind. Ich werde genug Rauch produzieren, damit sich die Sekte um die anderen Angelegenheiten kümmern kann", sagte Caris und wandte sich zum gehen.
"Ihre Arroganz ist erheblich, General. Sie sollten ihre Worte mit mehr Bedacht wählen, wenn Sie dieses Gremium nicht gegen sich haben wollen. Vor allem bei diesem unbefriedigenden Ergebnis ihrer Bemühungen. Ein Zeuge hat überlebt. Squall Leonhart! Er weiß zuviel."
Caris hob seine Augenbrauen.
"Squall lebt? Respekt, ich hatte ihn voll ins Herz getroffen!"
"Legen Sie endlich mehr Ernsthaftigkeit an den Tag oder wir werden Schritte..."
"Verschonen Sie mich mit ihrem Sermon. Ich bin Krieger und kein Bürokrat. Sie sind auf mein Spezialwissen und meine Fähigkeiten angewiesen. Ich unterstehe nur dem Schöpfer selbst und auch das nur, weil ich mit ihm einen Handel abgeschlossen habe. Mein Auftrag ist klar und fast abgeschlossen. Als ich hier ankam, wart ihr eine Gruppe von Fanatikern. Jetzt ist die Sekte eine schlagfertige Einheit, jederzeit bereit, zuzuschlagen und sich zu verteidigen. Ein bisschen mehr Dankbarkeit wäre angebracht!"
Niemand entgegnete etwas.
"Ich stehe zu meinem Wort und zu meinem Auftrag. Wenn Squall noch am Leben ist, dann wird er eben später ausgeschaltet. Er weiß nichts von seiner Zeit hier. Sie selbst haben vorsorglich die Auslöschung seines Gedächtnisses beantragt, falls er wieder die Seiten wechseln sollte. All die Sachen, die er für uns gemacht hat und die Rolle, die er in unserem Plan spielt, all das ist für ihn verloren. Ich glaube, wir müssen uns um ihn keine Sorgen machen. Und wenn der hohe Rat gestattet, würde ich mich jetzt gerne zurückziehen.", sagte Caris und verbeugte sich spöttisch.
Er warf einen Blick auf die verhüllte Person, die ihm unmerklich zunickte.

Blutrot schien die Sonne auf eine leere Straße der Stadt Dollet. Ein junger Mann schritt mit gesenktem Kopf durch die Stadt.
Squall sah auf den Boden und nur die Schatten verrieten ihm, dass auch andere Menschen auf der Straße waren. Sein Herz war kalt und leer. Er fühlte nichts. Nichtmal ein Verlangen. Wie ein Roboter setzte er einen Fuß vor den anderen, um irgendwann vielleicht an sein Ziel zu kommen. Fragmente von Unterhaltungen drangen an sein Ohr. Sorgen, die weit weg von seinen eigenen waren.
Alles so weit weg von ihm. Es war ihm alles gleichgültig. Was die Menschen kümmerte, was für Sorgen sie hatten. All das war bedeutungslos zu seinen eigenen Sorgen.
Gelegentlich kam er an Zeitungshändlern vorbei. Aus den Augenwinkeln sah er immer wieder in den Schlagzeilen die Worte 'Caris' und 'SEED'. Auch Nikos Namen las er einmal. Es hatte also begonnen. Caris Ablenkungsmanöver funktionierte perfekt und alle rannten blind hinter ihm hinterher. Wie immer. Es war einfach zum kotzen.
Momentan waren Squalls Gedanken nur von eines erfüllt. Die Adresse zu erreichen, die ihm der Philosoph gegeben hatte. Es war wie ein kleiner Hoffnungsschimmer und hinderte Squall daran, vollkommen durchzudrehen. Aber was sollte er dort entdecken? Was konnte ihm jetzt noch helfen?
Er blickte hoch. Er hatte die Adresse erreicht. Es war ein kleines Haus. Squall schielte auf das Namensschild, doch es war niemand, den er kannte.
Er klingelte. Squall wartete, doch niemand kam. Nach einer Weile klingelte er noch mal. Er hörte Schritte, die an die Tür kamen. Die Tür öffnete sich. Es war eine alte Dame.
"Wusste ich doch, dass ich was gehört habe", sagte die Frau.
"Ähm, hallo, mein Name ist Squall... ich habe diese Adresse von einem Freund..."
"Ach, Sie sind ein Freund von meinem Untermieter. Dann kommen Sie doch herein, junger Mann. Nur rein in die gute Stube", sagte die Frau und winkte Squall ins Haus.

Die Wohnung war sehr gemütlich eingerichtet und passte zu ihrer Einwohnerin. Seine düsteren Gedanken zogen sich langsam ins Unterbewusstsein zurück. Er war hier und konnte etwas tun.
"Möchten Sie etwas trinken?", fragte die Frau.
Squall schüttelte den Kopf.
"Doch, Sie müssen was trinken, Sie sehen durstig aus", sagte die Frau barsch und ehe Squall sich versah, hatte er eine heiße Tasse Tee in der Hand.
"Ich hab etwas dazugekippt? Stört Sie das?"
"Äh..."
"Ist eh zu spät. Ich möchte gerne weiter meine Serie sehen. Die beiden sind zwar momentan nicht da, aber sie können ja schon mal nach oben gehen", sagte die Dame und setzte sich vors TV.
Vorsichtig die Tasse balancierend, stieg er langsam die Treppe nach oben. Die Stufen knarrten bei jedem Schritt.
Er betrat ein kleines Zimmer. In der Mitte standen ein großes Bett und ein Tisch. Männer und Frauenkleidung waren unordentlich über das gesamte Zimmer verteilt. Anscheinend wohnte hier ein Pärchen.
Squall setzte sich auf einen Stuhl und trank ein Schluck Tee. Er bekam sofort eine Gänsehaut, als der heiße Tee in seinen Bauch kam. Erst jetzt merkte er, wie kalt ihm gewesen war.
Es dauerte nicht lange, da hörte man von unten das Geräusch einer schließenden Tür.
Squall stellte den Tee weg.
Die Stufen knarrten wieder. Jemand kam die Treppe hoch. Die Tür ging auf.
Squall stand auf.
Ein Mädchen betrat das Zimmer. Sie war jung, vermutlich fünfzehn oder sechzehn.
"Äh, hallo, mein Name ist Squall L..."
"Ich weiß, wer Sie sind", erwiderte das Mädchen schnell.
Sie sah Squall prüfend an. Sie ging nicht in das Zimmer, sondern stand starr im Türrahmen und sprach kein Wort.
"Und... wie heißt du?", fragte Squall etwas vorsichtig.
"Lauren."
Eine männliche Stimme hatte das gesagt. Lauren ging aus der Tür und machte einem Jungen Platz. Er war mittlerweile sechzehn Jahre alt, hatte schwarze Haaren und trug den Namen Xelto Goodsworth.
"Jetzt wird mir einiges klar", murmelte Squall.
Squall sah aus den Augenwinkeln, dass Xelto seine bernsteinfarbene Rüstung abgelegt hatte. Sein schwarzer Mantel hing ihm die Schultern herunter. Er wirkte schmaler als sonst.
"Wieso bist du hier?", fragte Xelto.
Seine Hand ging an sein Schwert.
"Nicht dafür."
"Wir haben noch eine Rechnung offen", entgegnete Xelto grimmig.
"Ich will Informationen. Nimm die Hand von dem Schwert", sagte Squall.
Xelto starrte ihn an.
"HÄNDE WEG!", hörte Squall sich schreien.
Ein Hund bellte in der Ferne.
"Du warst bei der Sekte, oder?", sagte Xelto plötzlich mit einer ruhigen Stimme.
Hinter Xelto bewegte sich jemand. Die alte Dame war mit einem Tablett und einem breiten Grinsen durch die Tür getreten.
"Ich habe hier noch mehr Tee, falls es jemanden interessiert!"

Man hatte sich dafür entschieden, das Gemetzel zu verschieben und erst einmal entspannt Tee zu trinken.
"Ich bin der Sekte nicht freiwillig beigetreten. Sie müssen irgendwas mit mir angestellt haben", sagte Squall.
"Und jetzt willst du dich an ihnen rächen?", fragte Xelto.
"Nein, erst einmal will ich ihnen Fragen stellen."
"Mh, wieso nicht gleich richtig abrechnen?"
"Weil das eben nicht meine Art ist. Ich will nur wissen, was ich alles für die gemacht habe", sagte Squall.
"Und dann? Heulen?"
"Das entscheide ich dann!"
"Du kannst mir nichts erzählen, Squall, du willst die Kerle kalt machen, nicht wahr? Ich kenne diese Wut, wenn man erkennt, dass man ausgenutzt wurde", sagte Xelto und nahm einen Schluck Tee.
Squall starrte ihn an.
"Du bist einer von denen, also musst du wissen, wo die Kerle sitzen", sagte er schließlich.
"Ich war einer von denen, um das mal klar zu stellen. Das ist ein großer Unterschied. Wenn ihnen die Mythril Mine nördlich von Esthar nicht zu langweilig geworden ist, müssten sie immer noch da sein. Geschichtsträchtiger Ort, nebnbei bemerkt. Ezkume und viele Anti-Adells fanden damals den Tod, als sich ihre Waffe Volunt gegen sie wandte. Gerichtet von der eigenen Schöpfung", sagte Xelto und nahm einen bedeutungsvollen Schluck.
Er sah Squall an und sein Lächeln verschwand.
"Das wolltest du doch wissen, oder? Dann kannst du jetzt ja gehen", meinte Xelto sachlicher.
Squall sah in seine schwarzen Augen, betrachtete seine blasse Haut und sein kräftiges schwarzes Haar. Xeltos linke Hand spielte abwesend mit seinem Mantel.
"Eins verstehe ich nicht. Du bist doch Xelto Goodsworth, Niidas Zwillingsbruder, oder? Der Xelto Goodsworth, der vor fast zehn Jahren an dem Flußufer ums Leben gekommen ist..."
"Ermordet wurde. Ich bestehe auf dieses Detail", warf Xelto trocken ein.
"Niida hat dich getötet. Warum lebst du und vor allem, warum bist du erst sechzehn Jahre alt?", fragte Squall.
"Weil ich tot war. Mein Körper wurde vom Fluss in eine Eishöhle gespült, wo er mehrere Jahre eingefroren war. Prokylta hat mich befreit und mir den Grund für die Ereignisse erzählt. Seitdem war ich ihr Diener. Doch sie hat mich verraten, wie mich auch mein Bruder verraten hat. Sie verrät jeden", sagte Xelto beinahe gelangweilt.
"Hat Prokylta je einen anderen Namen verwendet?", fragte Squall.
Xelto schüttelte den Kopf.
"Warum willst du das wissen?", fragte er.
"Weil sie momentan bei uns ist und behauptet, sie hätte die Seiten gewechselt. Hat sie je mit dir darüber gesprochen?", fragte Squall.
Xelto sah ihn verwundert an. In seinen Augen blitze was auf.
"Sie ist... bei euch? Die Gute steckt voller Überraschungen", sagte Xelto kühl.
"Hast du je was vom Rat der Zwölf gehört?", fragte Squall.
Lauren lachte freudlos.
"Natürlich. Meine elf Freundinnen und ich, wir waren Adeptinnen. Wir waren Prokyltas Zofen, ihre kleinen Lieblinge, und sollten eines Tages den Rat der Zwölf bilden. Sie hat uns die tollsten Geschichten erzählt, was sie mit uns machen will. Mit einem lächelnden Gesicht. Und mit dem gleichen Lächeln hat sie uns vergiftet. Jede einzelne von uns. Wäre Xelto nicht gewesen, wär ich auch jämmerlich krepiert", sagte Lauren.
Squall nickte. Er hatte alles, was er brauchte.
"Na, alle Informationen erhalten?", sagte Xelto zynisch.
"Und was machst du hier? Trainieren?", fragte Squall.
"Worauf du wetten kannst. Eines Tages wird Lauren eine Hexe sein und ich ihr Hexenritter und dann wird es rundgehen. Ich bin nicht mehr das Opfer. Ich habe lange genug gelitten", meinte Xelto.
"Du, ein Opfer? Immerhin warst du auch für den Tod einiger Menschen verantwortlich, wie für den des harmlosen Kneipenbesitzer Günther Berring", sagte Squall.
"Und wen hast du so alles gekillt?", fragte Xelto.
"Ich war nicht ich selbst. Du konntest entscheiden", sagte Squall heftig.
"Wie du meinst", meinte Xelto locker.
Wütend stand Squall auf und ging zur Tür.
"Grüß Cifer von mir", sagte Xelto plötzlich.
Squall drehte sich um.
"War das jetzt ernst gemeint?", fragte Squall sarkastisch.
"Kannst ihm sagen, dass er gegen meine neuen Kräfte keine Chance haben wird!", sagte Xelto mit einem Lächeln.
"Ich werde es ihm mitteilen", gab Squall zurück und verließ das Zimmer.

Im Balamb Garden war die Konferenz noch in vollem Gange. Abseits von all den Beratungen, fanden aber auch ganz andere, kleinere Treffen statt, die ein weit unpopuläreres Thema zum Anlass hatten.
Edea und Cifer saßen in einem kleinen Raum, der kaum größer als eine Besenkammer war. Es standen lediglich ein Tisch, zwei Stühle und ein Computer darin. Edeas Finger rasten über die Tastatur.
"Manchmal sind meine Computerkenntnisse ganz nützlich. Cid und ich nur so gearbeitet, während wir in Galbadia im Untergrund gegen Deling tätig waren", erklärte Edea schnell.
Die Tür öffnete sich. Rinoa kam mit Prokylta herein.
"Mama ist soeben angekommen", sagte Rinoa.
Cifer erhob sich, um Prokylta zu begrüßen, doch Edea tippte einfach weiter.
"Ich grüße Sie, Edea Kramer", meinte Prokylta, nachdem sie Edeas Rücken einige Zeit betrachtet hatte.
"Sparen wir uns die Förmlichkeiten und suchen nach Squall, Prokylta", gab Edea kühl zurück.
Rinoa warf einen Blick zu Cifer. Sein Gesicht war schwer zu lesen.
"Hier... hier ist etwas!", sagte Edea und rief etwas auf den Schirm.
"Was denn?", sagte Rinoa aufgeregt.
"Squall hat sich in Dollet ein Schiffsticket gekauft. Er hat eine Fähre nach Esthar genommen", meinte Edea erstaunt.
"Vielleicht will er Laguna besuchen?", schlug Prokylta vor.
"Und deswegen sagt er uns nicht Bescheid?", meinte Cifer skeptisch.
Edea erhob sich und sah Prokylta zum ersten Mal seit ihrer Ankunft direkt in die Augen.
"Prokylta, Sie haben doch hervorragende Kenntnisse der Sekte. Befindet sich dort irgendetwas, was für Squall von Interesse sein könnte?", fragte Edea kühl.
Prokylta sah sie an.
"Nein, mir fällt nicht ein", sagte Prokylta schließlich.
"Wirklich zu schade. Dann bleibt uns wohl nichts anderes übrig als Laguna zu verständigen, die Augen offen zu halten", sagte Edea mit funkelnden Augen.
In Prokyltas Augen spiegelte sich ein großer Zorn wider, doch sie nickte nur langsam und verließ dann zügig den Raum.
"Was sollte das eben?", fragte Rinoa.
"Diese Frau lügt, Rinoa. Ich weiß, dass sie deine Mutter ist, aber sie weiß etwas, das sie uns nicht sagt", sagte Edea.
"REDE NICHT SO ÜBER MEINE MUTTER! DU HAST KEIN RECHT DAZU!", schrie Rinoa.
"Mag sein, aber derjenige, der darunter leidet, ist Squall", gab Edea scharf zurück.
Rinoa sah Edea an und blickte erneut zu Cifer.
"Sag was!", forderte sie ihn auf.
Cifer seufzte und sah sie nur an.
"Dann verratet mir, wieso sie hier ist? Sagt es mir! Ich lasse mich gerne belehren. Nur solange ihr mir das nicht sagt, glaube ich ihr", meinte Rinoa entschlossen.
Dann verließ auch sie den Raum.
Edea und Cifer sahen sich beunruhigt an.
"Ihre Frage ist berechtigt. Was will Prokylta hier?", fragte Cifer.
"Das werde ich noch herausfinden. Diese Frau ist mitverantwortlich, dass viele meiner Kinder beim Waisenhaus getötet wurden. Ich werde nicht zulassen, dass noch mehr leiden müssen. Auch um Rinoas Willen", sagte Edea heftig.
"Und was machen wir mit Squall?", fragte Cifer.
"Hoffen", meinte Edea einfach.

Langsam schritt Squall immer näher auf sein Ziel zu. Hinter ihm lag die gewaltige Metropole Esthar, weit vor ihm am Horizont die schneebedeckten Berge, die die Grenze zu Trabia bildeten. Dort irgendwo sollte sich die Basis der Sekte befinden... und vielleicht Antworten.
Doch die Berge kamen einfach nicht näher. Die Sonne knallte auf seinen Kopf. Er war alleine, er musste alleine sein, bis er seine Antworten gefunden hatte.
Jeder Tropfen Flüssigkeit entwich aus seinem Körper. Schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen herum. Er wollte seinen Mund öffnen, doch die Zunge klebte fest an seinem Gaumen und löste sich nur widerwillig. Staubige Luft drang in seine Lungen ein. Er hustete.
Ein Windzug. Er fiel um.
Er spürte den Aufprall kaum. Er hielt seine Augen geschlossen. Die Sonnenstrahlen prallten auf seinem Gesicht auf. Ein warmer Windzug strich über seinen Körper. Alles schrie auf, seine Muskeln verspannten und entspannten sich.
Die Dunkelheit griff nach ihm. Er könnte einfach liegen bleiben und vergehen. Es wäre so einfach. Entweder er würde irgendwann einschlafen und das Schwindelgefühl in seinem Kopf würde keine Rolle mehr spielen, oder ein umherstreunendes Monster würde ihn schnell und schmerzvoll verspeisen.
Das Bewusstsein in seinem Kopf verflüchtigte sich langsam.
Umknickendes Gras. Etwas näherte sich. Federleichte Schritte. Es war etwas friedliches, etwas sanftes. Es stand neben ihm. Es stupste ihn an. Es gab einen Laut von sich, ein freundlichen Laut.
Squall öffnete die Augen. Er war von einem Schnabel angestoßen worden. Etwas großes, Goldenes stand vor ihm. Ein großes, vogelartiges Feder mit goldenen Federn und einem orangenen Schnabel, mit Flügeln und einem geschwungenen Rücken.
"Du... bist ein Chocobo...", flüsterte Squall.
Chocobos... Freundliche Wesen, die eine innige Verbindung zu Menschen hatten und sie manchmal sogar auf sich reiten ließen.
Squall erhob sich etwas. Der Chocobo griff ihm mit seinem vogelartigen Schnabel unter den Arm und half ihm, wieder auf die Beine zu kommen.
"Wie hast du mich gefunden?", fragte Squall.
Der Chocobo sah ihn an. Dann sank er auf die Knie. Er bot seinen Rücken an.
"Ich... darf auf dir reiten? Wie..."
Er hatte noch nie so einen großen und schönen Chocobo gesehen. Er zögerte für einen Moment und stieg dann auf. Der Chocobo erhob sich.
Bevor Squall irgendwas sagte, schoss das Wesen los. Squall krallte sich in den Federn fest, um nicht sofort wieder abgeworfen zu werden. Der Wind peitschte ihm ins Gesicht. So schnell lief kein normaler Chocobo.
Eine Spalte kam, das Wesen sprang mühelos herüber. Seine Flügel schlugen für einen Moment. Sie kamen federleicht auf.
Squall blickte nach vorne. Der frische Wind hauchte ihm neues Leben ein. Die Berge kamen wie durch ein Wunder immer näher.

"Und wie läuft's bei dir so?", fragte Cifer per Funk.
"Immer noch das gleiche. Prokylta isst jetzt schon ihren dritten Goblin-Braten hintereinander und sie wird einfach nicht dick. Ich sollte auch wieder böse werden", seufzte Edea.
Cifer musste grinsen.
"Rinoa ist immer noch in der Trainingshalle und vergnügt sich mit Monstern", sagte Cifer, als er durch ein Fernglas Rinoa beobachtete, die gerade drei Monster zerlegte.
"Bisher ist unsere Observation ein ziemlicher Reinfall", sagte Cifer.
"Irgendwann macht Prokylta einen Fehler. Und dann werden wir da sein", sagte Edea entschlossen.
In der Leitung knackte es.
"Yo, sorry, dass ich unterbreche, aber da kommt ein Paket aus Esthar für euch. Odyne will persönlich vorbeikommen. Hast du was zu Laguna geschickt, Cifer?", kam Xells Stimme plötzlich in Cifers Ohr.
"Ja, haben wir", antwortete Cifer knapp.
Xell schien mehr zu erwarten, denn er antwortete nicht.
"Xellilein, sei doch nett und sorge dafür, dass Prokylta noch ein paar Gläser Schnaps bekommt, ja? Sie muss das nicht gleich erfahren", sagte Cifer.
"ÄH... MOMENT MAL! XELLILEIN????"
"Xell, tu einfach einmal das, was andere dir sagen", sagte Cifer und stellte das Funkgerät aus.

Der Chocobo hatte seine Schritte verlangsamt. Sie hatten das Gebirge erreicht und ritten über kleinere Pfade langsam durch die großen Berge. Der Wind war kalt, doch die Sonne brannte heiß. Manchmal lag sogar etwas Schnee und Eis auf ein paar Felsen Der Chocobo fand anscheinend mühelos den Weg. Es war, als wüsste er, wohin Squall wollte. Er sah kurz nach rechts und sah am Horizont Esthar, das gerade in einer tiefen Nebelbank eingeschlossen war.
Der Chocobo hielt an. Sie waren auf einem kleinen Plateau angekommen. Squall spürte sofort, dass sie in der Nähe ihres Ziels waren. Kein Schnee war mehr zu sehen, nur ein paar große Wasserpfützen säumten das Plateu und reflektierten die Sonnenstrahlen.
Squall stieg ab und blickte nach oben. Eine gewaltige Steilwand erstreckte sich vor ihm. Manche der Steine waren leicht angekokelt.
Squalls Hand fuhr langsam über die verbrannten Steine. Überreste von kleinen Gewächsen lugten aus Ritzen hervor. Als Squall sie berührte, zerfielen sie zu Staub.
"Ionenstrahlen... Wie von einem Luftschiff", flüsterte Squall.
Er sah sich zu seinem Begleiter um.
"Ich fürchte, von hier muss ich alleine weiter. Ich muss da hoch klettern. Danke für alles", sagte Squall zum Chocobo.
Zur Antwort wanderte das Wesen in den Schatten und setzte sich hin.
"Du bleibst noch?", fragte Squall.
Der Chocobo knabberte an einem kleinen Felsen.
"Danke", flüsterte Squall.
Er sah die Steilwand hoch. Er trank einen Schluck aus der Wasserflasche und bemerkte, dass es der letzte gewesen war. Dann atmete er einmal tief ein und begann, die gewaltige Steilwand zu erklimmen.

Er fühlte förmlich, wie ihm der Schweiß aus jeder Pore drang. Sein Mund war trocken und sein Hals brannte. Seine Finger suchten nach jeder neuen Unebenheit, an der er sich wieder ein Stückchen weiter hochhangeln konnte. Er wusste nicht, wie lange er schon geklettert war. Er konzentrierte sich nur auf den nächsten Schritt.
Er wollte gerade mit seiner Hand in die nächste Unebenheit greifen, als sich etwas veränderte.
Er griff ins Leere. Als er nach oben blickte, bemerkte er, dass er auf ein weiteres Plateau gestoßen war. Er zog sich nach oben und setzte sich auf den Vorsprung.
Schwer atmend lehnte er sich an seinen Felsen und sah sich um.
Esthar war kaum noch zu erkennen. Nebel hatte sich an die Felsen geschmiegt. Vom Plateu führte eine düstere Schlucht in das Gebirge hinein.
Nachdem Squall kurz durchgeatmet hatte, stand er auf und betrat die Schlucht. Der dunkle Pfad wurde manchmal so eng, dass er fürchtete, dass er kaum durchpassen würde. Schon bald jedoch verriet ihm ein Licht, dass der Weg wieder ins Freie führte.
Squall fand sich auf einem weiteren großen Vorsprung wieder. Ein kleines Tal erstreckte sich vor ihm. Auf der anderen Seite des Tals befand sich ein steiler Gebirgshang. Auch dort war der Schnee geschmolzen. Der Hang war unnatürlich glatt.
Etwas durchstach die vollkommene Stille. Ein Maschinengeräusch näherte sich und wurde rapider lauter.
Squall verschwand schnell im Schatten.
Mit einem gewaltigen Getöse flog ein kleines Schiff über ihn hinweg.
Ohne abzubremsen, flog das kleine Schiff mit gleichbleibener Geschwindigkeit auf den unnatürlich glatten Hang zu. Kurz bevor das Flugzeug am Hang zu zerschellen drohte, schob sich der glatte Felsen wie von Geisterhand zur Seite und gab eine runde, schwarze Öffnung frei. Das Flugschiff wurde von der Dunkelheit verschluckt. Sofort schob sich der Felsen wieder vor die Öffnung.
Squall hob eine Augenbraue.
Er sah nach rechts und bemerkte, dass der Weg noch nicht zu Ende war. Er führte in eine kleine Höhle.

Die Wände der Höhle wirkten glatt und unnatürlich. Durch die Dunkelheit schien etwas bläulich. Squall beschleunigte seine Schritte. Der bläuliche Schein kam aus einem kleinen Wasserteich. Eingeschlossen von einem Steinmassiv befand sich ein kleiner Teich. Er schimmerte merkwürdig hell in der Dunkelheit.
Ohne Zeit zu verschwenden tauchte Squall seinen Kopf in das Wasser. Die pochende Hitze verschwand augenblicklich. Er füllte seine Flasche wieder auf und trank sie mehrmals hintereinander leer. Das wunderbare nasse Wasser befeuchtete seine ausgetrocknete Kehle. Er fühlte sich wie neugeboren.
Dann setzte er langsam seinen Weg fort. Der Gang mündete in eine größere Halle. Ein einsamer Lichtstrahl fand seinen Weg durch eine kleine Öffnung an der Höhlendecke.
Vor Squall erstreckte sich ein großer Komplex aus alten Maschinen und Wohnmöbeln. Vieles jedoch war mit einer seltsamen Substanz bedeckt, als wäre Gas in der Luft gefroren. Es schimmerte in den verschiedensten Farben. Er kannte inzwischen das Phänomen. Es war Volunt, wie es aussah, wenn es mit der Oberfläche in Berührung kam.
Auf einmal hörte er etwas. Ein Klicken einer Pistole. Ein Schuss.
Etwas drang in Squalls Oberschenkel ein! Er sah nach unten. Ein Betäubungspfeil.
"Hab ich dich!"
Alles verschwamm, eine unheimliche Stimme hallte geisterhaft durch den Raum. Seine Beine knickten ein, er fiel hart auf seine Knie. Squall blickte hoch. Jemand stand vor ihm. Er trat näher, er hatte eine Armbrust. Er erkannte die Augen.
"Du stehst in der alten Basis der Anti-Adells. Hier fand der geniale Wissenschaftler Ezkume die Volunt-Formel. Doch er scheiterte. Per Manums Agentin Volunta Lovunat war auf ihn angesetzt worden und sorgte dafür, dass das Experiment schief ging. Dennoch liebte sie Ezkume und wollte ihn beschützen. Dafür verlor sie ein Auge. Später verlor ich meines. Der Fluch der Rache ging an mich über... und jetzt an dich, Squall!"
General Caris sah mit einem freundlichen Lächeln auf Squall herab, bevor er endgültig verschwamm und alles schwarz wurde.

Etwas außerhalb von Dollet stand ein prächtiges altes Herrenhaus. Lange Zeit war es unbewohnt gewesen, doch seit ein paar Monaten war auf einmal wieder Leben in das Haus eingekehrt. Vor langer Zeit war dieses Haus ein Sitz des alten dolletschen Königs Wedow, doch nun wohnte hier ein neuer Herr. Und um den rankten sich viele mysteriöse Legenden.
Eine mysteriöse Frau hatte das Haus gekauft und die Bediensteten eingestellt und ein Einzugsdatum angegeben. Die Bediensteten hatten das Haus hergerichtet, doch am Einzugstag war niemand erschienen. Dann auf einmal war Klaviermusik durch das Haus geschwebt und das Herrenzimmer bewohnt gewesen. Über die Nacht schien der Herr, unbemerkt von allen, Quartier bezogen zu haben. Manch einer der Mädchen meinte sich zu erinnern, schlimme Träume von einem gefiederten Dämon in dieser Nacht gehabt zu haben. Obwohl kein Name am Haus angeschlagen war, wurden immer wieder merkwürdige Telegramme überbracht, die die Mädchen vorzulesen hatten.
Auch hatte niemand je den Herren gesehen. Er residierte in seinem Raum hinter einem großen Vorhang und bis auf seinen gigantischen schwarzen Schatten und seine voluminöse Stimme sah und hörte man nichts von ihm. Und doch wachte manchmal ein Mädchen auf und fand am nächsten Tag Geld oder Geschenke auf ihrem Nachttisch.
"Mary, eine weitere Nachricht für den Herren!"
Mary legte die Zeitung weg. Sie hatte einen furchtbaren Artikel über einen weiteren Kindermord in der Gegend gelesen. Anscheinend kam ein Dämon nachts in die Häuser und zerfetzte brutal kleine Kinder.
Mary schüttelte die bösen Gedanken ab und sah zu ihrer Chefin auf. Sie hielt ihr einen Brief entgegen. Mary nickte und nahm den Brief.

Mary ging durch die imposanten Türen und betrat das Zimmer ihres Herren. Hinter dem Vorhang entdeckte sie die beeindruckenden Umrisse ihres Meisters. Meist war der Raum von bläulichem Licht erfüllt, das gelegentlich flackerte. Nun war alles ruhig. Er spielte ein schönes romantisches Stück. Technisch perfekt hallten die Tönne durch den Raum. Mary war unsicher, ob sie das Spiel unterbrechen konnte.
"Sagen Sie ruhig, was Sie wollen, mein Kind. Mich stört das nicht", erklang die Stimme ihres Herren.
"Ähm, eine Nachricht für Sie, mein Herr..."
"Würden Sie bitte vorlesen?", meinte der Herr freundlich.
"Es ist nur ein Satz: 'Wir haben den SL'", sagte Mary vorsichtig.
Das Klavierspiel verstummte. Das bläuliche Licht flackerte. Mary wurde nervös. War dies eine schlechte Nachricht?
"Ah, Mary, Sie glauben nicht, wie sehr mich das erfreut. Danke, vielen Dank. Dies ist die beste Nachricht, die ich mir hätte vorstellen können", sagte ihr Herr.
Als Mary den Raum verließ, setzte das romantische Klavierspiel wieder ein.

"Es sei außergewöhnlich, oder? Vielleicht die größte Entdeckung, oder? Wir seien dem Geheimnis auf der Spur, oder?"
"Würden Sie bitte die Güte haben und uns sagen, was für eine große Entdeckung Sie nun gemacht haben?", fragte Cifer genervt.
Sie befanden sich in einem kleinen Zimmer im Garden. Odyne war alleine gekommen. Neben Edea und Cifer war auch Rinoa anwesend. Cifer konnte nicht erkennen, ob ihr Prokyltas Fehlen schon aufgefallen war.
"Es war ein aufwendiger Prozess, aber..."
"Die Kurzfassung", schnaubte Cifer ungeduldig.
Odyne warf Cifer seinen legendären pikierten Blick zu und fuhr dann fort.
"Die meisten Dokumente seien lediglich Informationen und Aufzeichnungen von Soldaten der Per Manum-Division, ganz der wie in Teneralem, oder? Nur es habe zwei Seiten gegeben, die anders seien, oder? Sie seien besonders schwierig zu entziffern gewesen, oder? Nun, der große Odyne habe dies folgendermaßen gemacht..."
Edea räusperte sich unmerklich.
"Nun, vielleicht sei es besser, diese Erklärung auf später zu verschieben, oder? Nun, nach der Entzifferung hätten wir etwas entdeckt, oder? Es sei kein Text, sondern ein Portrait von zwei Personen gewesen, oder?", sagte Odyne.
"Von welchen Personen?", fragte Rinoa aufgeregt.
Odyne sah sie vielsagend an und legte dann ein Platt Papier auf einen Projektor, um das Ergebnis an der Wand zu werfen.
Für einen kurzen Moment sagte niemand etwas.
Es war ein Bild von Squall und Rinoa.
Ihre Haare waren anders und erinnerten an Frisuren, die zur Zeit Zebargas modern waren.
"Wie kommen ich und Squall auf ein Dokument, das mehrere tausend Jahre alt ist?", fragte Rinoa schließlich.
"Das sei die Frage, oder? Es gehe weiter, oder?", sagte Odyne und schob das Pergament weiter nach oben.
Unter den Bildern waren Bezeichnungen abgebildet. Unter dem Bild von Squall waren die Buchstaben SL und unter Rinoa die Buchstaben LHZ.
"SL ist klar, aber was ist LHZ?", fragte Cifer.
"Liebe, Hexen, Zeitkompression", sagte Rinoa auf einmal.
Edea drehte sich erstaunt zu ihr um.
"Woher weißt du das?", fragte sie.
"Ich weiß nicht... es ist... als ob meine Träume aufgezeichnet worden wären, lange bevor ich sie überhaupt geträumt habe...", sagte Rinoa sprachlos.
"Hier hätten wir eine Schrift entdeckt, oder?", sagte Odyne.

Die, die den Zauber und das Wissen besitzen, fehlt eines.
Der Schlüssel Deus Ex Machina.


"Deus Ex Machina", flüsterte Edea.
"Odyne und sein Team haben interessante Spekulationen angestellt, oder? Wir seien zu dem Schluss gekommen, dass der Begriff 'Zauber' die Lacrima meint und der Begriff 'Wissen' die Prophezeiung, oder?", meinte Odyne.
"Diese 'Deus Ex Machina' muss etwas sein, was wir noch nicht kennen", sagte Cifer.
"Hier sei noch eine zweite Seite, oder? Die erste Seite mit dem Bild sei bezeichnet mit Seite 1, oder? Wir haben Seite 2, oder? Doch diese sei nicht zu entschlüsseln, oder? Die erste Seite sei mit Partikeln der Lacrima, die wir noch im Labor hatten, zu entschlüsseln gewesen, oder? Doch Seite 2 sei wohl nur mit dem Feuer Lacrima zu entschlüsseln, oder?", sagte Odyne.
"Wir benötigen also den Feuer-Lacrima, richtig?", fragte Edea.
Odyne nickte.
"Wir brauchen Squall", sagte Cifer.
Rinoa stand plötzlich auf.
"Dann werden wir Hilfe brauchen. Caris arbeitet für die Sekte. Wenn wir ihn finden, finden wir die Sekte. Und die wird wissen, was Squall in den sechs Monaten gemacht hat und demnach auch wissen, wo er jetzt ist. So wie ich Squall kenne, wird er sie suchen", sagte Rinoa und machte Anstalten, den Raum zu verlassen.
"Wo gehst du hin?", fragte Cifer.
"Ich werde um Hilfe bitten. Ich gehe zu Niko", sagte Rinoa und verließ den Raum.

In der Cafeteria saß immer noch Prokylta und trank gemütlich Sekt. Niemand bemerkte den Knopf in ihrem Ohr, über den sie die gesamte Konversation mit angehört hatte.
"Deus Ex Machina. Es verläuft alles nach Plan", sagte sie so leise, dass niemand es hörte und trank einen weiteren Schluck Sekt.

Er sah die Umrisse von zwölf Männern. Er sah eine verhüllte Gestalt. Er sah einen Arzt namens Peterson. Er sah Caris. Squall verbeugte sich. Er würde ihnen mit Hingabe dienen.

Es war heiß, es war kalt. Er spürte etwas Kaltes, Spitzes in seinen Arm dringen. Kälte drang seine Venen rauf. Auf einmal explodierte etwas in seinen Adern. Er wurde gezwungen, die Augen aufzureißen.
Er sah die Umrisse von zwölf Männern. Links, etwas abseits, stand eine verhüllte Gestalt, die ihn konzentriert ansah. Etwas vor ihm sah er düster die Umrisse von Caris. Er sprach etwas mit den Männern. Squall saß auf einem Stuhl. Er sah herunter und sah verschiedene medizinische Apparate an seinen Beinen. Er blickte hoch. Caris war zurückgetreten.
"Willkommen. Wir sind..."
"...der Rat der Zwölf", beendete Squall automatisch den Satz.
Ein paar der maskierten Männer sahen zu Caris rüber.
"Ich bin hier, um euch Fragen zu stellen", sagte Squall laut.
Nun, da er dem Feind gegenüberstand, hatte er keine Angst mehr.
"Du wagst es, dem allmächtigen Rat Fragen zu stellen? Du bist wahrlich nicht in der Position dazu!"
"Doch, ich habe nichts zu verlieren. Was habt ihr Schweinehunde mit mir gemacht?", brüllte Squall.
"Du musst das nicht unbedingt wissen, du..."
"Antwortet ihm, ihr dreckiges Pack. Er verdient es", warf Caris auf einmal ein.
"General, Ihr geht zu weit, Ihr..."
Auf einmal regte sich die verhüllte Person. Sie nickte dem Rat zu. Squall blickte zu der Person und wieder zum Rat. Der Rat sprach wieder.
"Nun gut. Du warst Teil eines Experiments. Wir hatten bis jetzt nur antiquierte Formen der Manipulation, wie Folter und Gehirnwäsche. Deswegen betrauten wir Peterson mit einem Projekt, neue Methoden zu finden. Er injizierte normalen Menschen kleine Mengen von einem speziellen Stoff, der aus Monsterzellen und dem Blut des Schöpfers besteht. Wenn der Schöpfer es wünscht, werden all diese Menschen wie gewöhnliche Monster zu seinen Werkzeugen, die willenlos seinem Befehl gehorchen. Ein erster Test fand am Tears Point statt. Du hast es selbst gesehen. Dies war zwar ganz nett, doch wir wollten mehr und Peterson ging über, das Projekt in ein neues Stadium zu führen.
Die Grundlage dazu ist eine Technologie, die wir in der Ruinenstadt Teneralem gefunden haben. Die Aggression und das Animalische der Menschen werden abgespalten und in Form eines Monsters geformt. Dadurch wird ein Doppelgänger erschaffen, während das Original zum ewigen Verbleib in Teneralem verpflichtet ist. Dein Freund Cifer hat dies am eigenen Leib erfahren.
Für normale Menschen war dies fast immer tödlich. Für Hexen jedoch war es die ideale Prüfung. Der Schöpfer persönlich hat diese Prüfung entworfen. Dr. Peterson nutzte nun diese Technik und entwickelte etwas vollkommen Neues. Das Monster würde nicht mehr abgespalten, sondern bleibt im Menschen selbst und machte ihn sich Untertan. Mit anderen Worten. Wir fördern nur die schlechten Triebe, die in jedem Menschen stecken. Die Menschen werden von der Kraft verraten, denen sie so sehr vertrauen. Liebe und Mitgefühl. Diese Emotionen lassen sich zu Macht formen!"
"Ihr habt mich also manipuliert!", schrie Squall voller Zorn.
"Es ist keine Manipulation, es ist das bewusste Fördern von Seiten im Menschen, die normalerweise eher inaktiv sind. Du warst die ganze Zeit du selbst!"
Squall blickte auf den Boden. Er zitterte. Was bedeutete das nun? War das fanatisches Geschwafel? Squall atmete tief ein. Es gab einen anderen stärkeren Gedanken in seinem Kopf.
"Wo ist mein Sohn?", fragte Squall.
"Was meinst du?"
Die Zwölf waren erstaunt. Squall sah sie misstrauisch an.
"Ihr habt meinen Sohn, wo ist er? Wo ist Adryan?", fragte Squall.
"Du scheinst verwirrt von den vielen Drogen. Also zu unserer ersten Frage!"
"Ich beantworte keine Fragen!", sagte Squall tödlich ruhig.
Es dauerte einen Moment, bis wieder jemand vom Rat sprach.
"Na fein, dann werden wir zu speziellen Maßnahmen greifen!"
Auf einmal spürte Squall Schmerz in seinen Armen. Ein endlos kaltes Gefühl kroch seine Venen herauf. Dann war alles schwarz.

Squall riss die Augen auf. Er befand sich in einem großen kahlen Raum mit dunkelbraunen Wänden. In der schwachen Beleuchtung erkannte er die Gestalt von General Caris, die über ihm thronte.
"Ruhe dich aus. Bald wird man mich schicken, um die Befragung zu starten. In der Folter bin ich bewandert und uns verbindet ja seit Timber ein ganz spezielles Band. Wir beide werden uns wie alte Freunde richtig amüsieren. Aber vorher wird die Sekte ihren furchtbarsten Mann auf dich ansetzen", erklärte Caris.
Er sah Squall kurz von oben an. In seinen Augen war ein kalter Glanz. Dann drehte sich Caris weg und verließ den Raum. Die Tür ging knallend zu. Squall war allein.

In einem Herrenhaus in Dollet war es ruhig. Keine Musik schwebte formlos durch das Haus. Die Dienerinnen arbeiteten still und mechanisch. Hinter einem Vorhang saß der Herr alleine und konzentriert.
"So, du willst ihm also meine Seele zeigen? Alter Idealist", flüsterte der Mann und lächelte.
Doch das sah niemand.

Die Tür öffnete sich. Squall blickte hoch. Jemand hatte den Raum betreten. Es war die verhüllte Person, die beim Rat gesessen hatte.
"Du hast den Weg zu mir also gefunden", sagte die Person.
Squall kannte die Stimme...
Die Person nahm die Kapuze ab und zeigte Squall ihr Gesicht.
Es war der Philosoph.