Rinoa blickte nachdenklich aus dem Fenster. Sie folgten einem Hinweis, einer Hoffnung. Waren sie dieses mal am Ziel?
Ihr Herz raste, die Wüstenluft flimmerte draußen. Im Auto war es kühl.
Cifer lenkte ruhig das Auto durch die endlose Wüste. Rinoa saß neben ihrer Mutter auf der Rückbank.
"Hier in der Nähe müsste es sein. Das Labor soll meinem Informanten zufolge genau an der Stelle sein", sagte Prokylta.
"Und bei deiner Zeit bei Aomes Trianirea gab es diese Basis noch nicht?", fragte Cifer.
"Nein, die muss neu sein. Vielleicht haben die sich in ein unterirdisches Tunnelsystem eingeniestet", schlug Prokylta skeptisch vor.
"Bob sagte auch, dass er sich in einer Höhle in der Nähe des Wüstengefängnisses aufhalten soll", sagte Rinoa.
"Dann deckt sich das ja schon mal", sagte Cifer.
Wieder Stille. Draußen die brennende Sonne, die flirrende Wüstenluft, die Einsamkeit, der Tod. Ihr Blut raste so schnell durch ihre Ader, dass sie fast fürchtete, sie würde zerspringen, sich auflösen, vergehen, vernichtet werden, wie sie vor kurzem die Männer in der Bar vernichtet hatte...
Sie merkte, wie Cifer bremste.
"Da ist etwas", sagte er.
Er deutete durch die Frontscheibe nach draußen. Hinter drei merkwürdig großen Felsen stieg Rauch auf.
Cifer brachte das Auto bei den Felsen zum stehen. Mit dem aufsteigenden Rauch sahen sie aus wie ein kleiner Vulkan.
"Die Dinger sehen unnatürlich aus. Sie scheinen irgendwas zu umschließen...", murmelte Cifer.
Sie stiegen aus. Sofort donnerte ihnen die fürchterliche Hitze entgegen. Rinoa raubte es beinahe dem Atem. Ein widerlicher Geruch von verbranntem stach ihr in die Nase. Cifer kletterte bereits auf einen der Felsen.
"Hier ist ein Eingang", rief er von der Spitze zu ihnen herunter.
Rinoa kletterte mühsam zu ihm herauf. Zwischen den drei Felsen eingeschlossen war ein großes Loch. Eine Treppe führte in die Dunkelheit. Der schwarze Qualm stieg unheimlich aus dem Loch herauf.
Sie versuchte durch den dichten Rauch zu sehen. Auf der obersten Stufe lag ein Körper... eine Leiche.
"Squall?"
Rinoa wachte auf. Ihr Atem raste, kalter Schweiß stand ihr auf der Stirn, als würde sie sich noch mitten in der Wüste befinden. Sie hörte das Meeresrauschen. Sie war in Sicherheit. Es war nur ein Traum gewesen.
Sie sah in Squalls Gesicht, der von ihrem Alptraum nichts mitbekommen hatte und friedlich schlief. Sein Gesicht war entspannt, er atmete lang und ruhig. Sie sah nachdenklich in sein Gesicht und fragte sich, wann der richtige Zeitpunkt kommen würde. Irgendwann musste sie es ihm sagen. Ihre Mutter hatte ihr bestätigt, dass ihre Träume vermutlich dann verschwinden würde, wenn sie ihm es erzählt hätte. Und Rinoa vertraute ihrer Mutter. Sie fühlte sich ihr verbunden, fühlte sich ihrer Einsamkeit sehr nah.
Als die ersten Sonnenstrahlen in das Holzhaus in der Nähe von Balamb drangen, fiel Rinoa endlich wieder in einen tiefen traumlosen Schlaf.
In den tiefen des Meeres fuhr ein kleines U-Boot auf eine gigantische alte Stadt namens Teneralem zu.
"Zurückfahren auf 21 SF", befahl Kapitän Ikari.
"Aye"
Das U-Boot verlor an Fahrt. Kapitän Ikari betrachtete durch eine Luke die alte Ruinenstadt, die immer noch unverändert in der Tiefe des Meeres schlummerte und von den Ereignissen an der Oberfläche keine Notiz nahm.
"Scheint alles beim Alten zu sein", kommentierte Dr. Madnar.
"Was soll sich denn hier schon groß verändern?", fragte Ikari genervt.
"Entschuldigen Sie, das ist wohl unser Fachgebiet", gab Dr. Madnar arrogant zurück.
"Wie Sie meinen, aber das hier ist die Brücke und das ist mein Fachgebiet, also verpissen Sie sich in den Passagierraum", sagte Ikari und schob die schockierten Akademiker aus dem Kommandoraum.
Dr. Madnar war froh, diesen verdammten Ikari hinter sich gelassen zu haben. Endlich war er wieder in Teneralem und konnte neue Dokumente aus der Walpurgis Bibliothek holen. Sechs Monate mussten die Untersuchungen wegen dem großen Stromausfall eingestellt werden aber nun war endlich wieder die Ressourcen da, um die Forschungen weiter voran zu bringen und...
"Madnar, trödeln Sie nicht so rum", sagte Professor Marv gereizt.
"Ja, Professor", gab Madnar demütig zurück.
Schweigend gingen die beiden Forscher und ihre Assistenten durch die riesigen Gänge des großen Tempels, dem ehemaligen Zentrum der Stadt. An manchen Stellen stand noch ihre Ausrüstung, die sie vor sechs Monaten zurückgelassen hatten. Obwohl der Rat Pollendina seinerzeit eine komplette Räumung angeordnet hatte, hatten sie ein wenig da gelassen, um sich am Anfang jeder neuen Expedition schneller an die Arbeit machen zu können. Kontrollierte eh keiner.
Nun war jedoch das meiste von Pflanzen überwachsen und zerfressen.
"Oh nein, das gute Equipment", stöhnte Madnar.
"Tja, die Natur holt sich eben ihr Land zurück", meinte Marv zufrieden.
Sie betraten die Walpurgis Bibliothek.
Madnar schnappte nach Luft.
"Wo sind die ganzen Bücher und Dokumente hin?", fragte Madnar und sah Marv hilfesuchend an, doch Marv blieb still.
Zwei Polizisten rannten hechelnd durch die Strassen von Deling City. Sie verfolgten einen Mann.
Der Mann flüchtete in ein Wohnhaus und rannte das Treppenhaus hinauf. Die Polizisten folgten schnaufend.
"Nun bleiben Sie endlich stehen!", rief einer.
Sie rannten bis in den vierten Stock hinauf. Der Mann nahm eine Feuerleiter und kletterte aufs Dach. Die Polizisten folgten.
Der Mann hatte eine Aktentasche. Er nahm Anlauf und sprang auf das Dach eines anderen Hauses. Die beiden Polizisten schluckten und sprangen hinter her. Gerade als der Mann erneut springen wollte, zog einer der beiden seine Waffe und schoss einmal in die Luft. Der Mann blieb stehen.
"Dr. Peterson, Sie sind verhaftet!", brüllte der Polizist.
Peterson drehte sich um. Es war ein Mann mitte fünfzig mit weißem Haar und einem Schnauzer. Er atmete schwer, schien ansonsten jedoch die Strapazen gut wegzustecken.
"Wofür bin ich verhaftet? Dass ich die Wahrheit ans Licht bringen will? Verdammt, das hier ist verdammt wichtig für jeden von uns", schrie Peterson.
"Sagen Sie das dem Richter", meinte der Polizist.
"Bis dahin bin ich tot. Versprechen sie mir eins... Zack", sagte Peterson mit Blick auf das Namensschild.
"Woher kennen Sie meinen Namen?", fragte Zack scharf.
"Wir wissen so einiges über die Welt. Sie müssen mir versprechen, den Inhalt dieses Koffers an Irvine Kinneas vom Galbadia-Garden zu überbringen. Es ist von äußerster Wichtigkeit, dass die SEEDs sich mit diesen Dokumenten auseinandersetzen. Verstehen Sie, habe ich ihr Wort? Offizier Zack, geben Sie mir ihr..."
Peterson brach ab. Blut sammelte sich auf seiner Brust. Er schnappte nach Luft und brach zusammen. Hinter Peterson stand eine Gestalt mit einer Waffe. Sie zielte auf die Polizisten. Ohne zu zögern schoss Zack auf die Gestalt und traf sie in der Brust. Sein Kollege kniete sich neben Peterson hin und fühlte nach seinem Puls. Dann schüttelte er den Kopf.
Zack ging zu der toten Gestalt hin. Sie trug eine bernsteinfarbene Robe und war maskiert. Zack nahm ihr die Maske ab. Er atmete scharf ein. Der Mörder war ein junges Mädchen gewesen.
"Hier", rief sein Kollege und warf Zack die Aktentasche zu.
Zack versuchte, die Tasche zu öffnen. Dann fiel sein Blick auf einen Fingerabdruckscanner.
"Ich glaube nicht, dass wir den aufbekommen", meinte sein Kollege unsicher.
Aus den Straßen tönte das Geheul der Polizeisirenen empor.
"Geben Sie einen Funkspruch an diesen verdammten Kinneas durch und sagen Sie ihm, dass wir seine Hilfe brauchen", sagte Zack und spuckte wütend auf den Boden.
Das Rauschen des Meeres war das einzige Geräusch, das zu Squall vordringen konnte. Ein kühler Wind wehte ihm ins Gesicht, doch da die Sonne schien, wurde ihm nicht wirklich kalt. Gelegentlich kamen aus dem Holzhaus hinter ihm Geräusche aus der Küche. Er wusste, dass gerade das Mittagessen vorbereitet wurde.
Squall saß auf einem gebrechlichen Klappstuhl, beobachtete das Meer und dachte über die Ereignisse der letzten Tage nach. Irgendwie fühlte sich seine Jacke so schwer an. Er kramte in seiner Tasche und fand zu seiner Überraschung den Feuer-Lacrima.
"Na Fib?", sagte Squall lächelnd.
Das kleine Feuer Artefakt flackerte gleichmäßig. Er betrachtete das unergründliche Glimmen des Lacrimas für eine Weile, bevor er ihn wieder einsteckte. Er spürte eine angenehme Wärme an seinem Körper. Er fühlte sich irgendwie wohler, wenn er ihn bei sich trug.
Ein Motorengeräusch ließ Squall aufschrecken. Ein Auto kam vor dem großen Holzhaus zum Stillstand. Squall stand auf und sah eine große Gestalt aussteigen. Es war Irvine.
Irvine wollte gerade das Haus betraten, als sein Blick auf Squall fiel.
"Hey... Squall... Kumpel... Bist ja wieder fit", sagte Irvine erstaunt.
"Mehr oder weniger. Hi!", entgegnete Squall.
Die Beiden umarmten sich etwas verlegen. Als Squall ihn ins Haus führen wollte, holte Irvine etwas vom Rücksitz hervor. Es war eine Aktentasche.
Das Esszimmer war bereits fertig gedeckt und sogar das Essen stand schon auf dem Tisch, als Squall mit Irvine ins Haus kam. Cifer kam mit einem großen dampfenden Topf herein und stellte ihn in die Mitte.
"Hallöchen", sagte Irvine und betrat das Esszimmer.
"Mhpf, typisch, meldet sich nicht an und erscheint trotzdem zum Essen", knurrte Cifer.
"Ich hab bereits gegessen", sagte Irvine und schielte zum Essen.
"Lügner", sagte Rinoa, die zusammen mit ihrer Mutter das Zimmer betrat.
Ein paar Minuten später aßen alle. Irvine, der sich sofort eine große Portion aufgetan hatte, freute sich sichtlich über sein gelungenes Timing.
"Kritik am Essen könnt ihr euch sparen", murmelte Cifer.
"Kochst du etwat?", fragte Irvine.
"Mh ja. Ich wurde quasi gezwungen, einen Kochkurs zu belegen", sagte Cifer.
"Das wurde auch Zeit. Sich nur in der Wildnis von rohem Fleisch zu ernähren, ist ungesund", meinte Prokylta.
Alle mussten lachen. Alle bis auf Squall. Sein Blick ruhte abwesend auf einer kleinen Serviette. Sie war vom vielen Waschen mit der Hand schon ganz grau geworden. Der Dreck war einfach langfristig nicht mehr rauszukriegen.
Nach dem Essen verschwand Prokylta um in der Küche abzuwaschen. Irvine sah ihr nachdenklich ein paar Sekunden nach, bevor er die Aktentasche hervorholte und sie auf den Tisch legte. "Es gibt ein paar interessante Neuigkeiten. Heute Morgen ist die erste Expedition nach Teneralem aufgebrochen, um sich neue Dokumente zum Analysieren zu besorgen. Sie machten einen interessanten Fund. Die ganze Bibliothek war leer."
Stille.
"Bitte?", fragte Rinoa, als hätte sie sich verhört.
"Wer hat genug Leute und Energie, die ganze Bibliothek leer zu räumen?", fragte Cifer.
"Wir vermuten Aomes Trianirea. Die Sekte operiert immer noch und zwar anscheinend aggressiver als je zuvor. Laut Julias Angaben geht die Sekte auf den ersten Krieg gegen Hyne zurück, wo sich korrupte Menschen Hyne anschlossen und die Sekte Aomes Trianirea bildeten. Seinerzeit wurde die Sekte neben Hyne von zwölf Repräsentanten beherrscht, den sogenannten Rat der Weisen. Es ist gut möglich, dass sich nach Julias Abkehr dieser Rat neu gebildet hat. Egal, zumindest ist die Sekte hervorragend organisiert. Etwa zur gleichen Zeit verfolgte die Delinger Polizei einen flüchtigen Arzt. Er hatte einen Aktenkoffer bei sich und schrie, man solle diesen Koffer mir geben. Ausgerechnet mir, von allen Menschen. Und da heißt es, Wissenschaftler seien weise. Dieser Typ, Dr. Peterson, muss mich irgendwie kennen. Keine Ahnung woher, ich kannte ihn zumindest nicht. Er wurde erschossen, bevor ihn die Polizei verhören konnte. Sein Mörder jedoch konnte zweifelsfrei als Sektenmitglied identifiziert werden. Das Beunruhigende ist nur, dass das Projektil, mit dem geschossen wurde, von keiner Waffe stammt, die man mit der Sekte normalerweise in Verbindung bringen würde. Diese Art von Waffe ist eine Modifikation der alten P-53-Gewehre, wie sie früher von der galbadianischen Armee eingesetzt wurden. Es ist eine Waffe der Schwarzen SEEDs", schloss Irvine.
Das Meer rauschte in weiter Ferne.
"Wieso sollte ein Sektenmitglied eine Waffe der Schwarzen SEEDs benutzen? Die Einheit ist zerschlagen und ihr Anführer tot", sagte Rinoa.
"Ich weiß, ich habe Caris selbst erschossen. Und doch hat sich jemand kurz nach der Wiederherstellung des Weltstroms ein Typ namens 'SUC' Daten heruntergeladen. SUC sind die Intitalen von Caris. Und wir haben von Caris nie eine Leiche gefunden und er hatte Zugangscodes zu allen Institutionen", sagte Irvine.
"Trotzdem könnte es nur ein Überläufer sein. Es muss nicht heißen, dass Caris sich mit Aomes Trianirea verbündet hat. Das ist irgendwie nicht das, was er tun würde. Er hat politische Ziele, keine..."
Squall brach ab. Was waren eigentlich die Ziele der Sekte?
"Unterm Strich ist die Sekte auch nur ne politische Gruppierung. Sicher, sie reden viel von einer ominösen Gottheit, doch unterm Strich wollen sie, wie jede radikale, politische Gruppierung die Weltherrschaft. Sind eben auch nur Menschen", warf Cifer ein.
"Wie auch immer, in diesem Aktenkoffer fanden wir Dokumente. Wir haben sie geprüft. Es ist ein kleiner Teil der Teneralem-Unterlagen. Auf den Dokumenten sind jedoch nur unzusammenhängende Buchstaben- und Zahlenkonstellationen", sagte Irvine und reichte Squall ein Teil.
Er flog darüber und entdeckte schnell, was Irvine meinte... SL.
Auf allen Blättern tauchte immer wieder die Kombination "SL" auf.
"Was habe ich in diesen Dingern zu suchen?", fragte Squall.
"Keine Ahnung, aber ich dachte, es könnte euch interessieren. Ich habe mit Skylar gesprochen, sie forscht bereits nach diesem Dr. Peterson. Bisher hat sie nur herausgefunden, dass niemand so recht weiß, wer diesen Haftbefehl ausgestellt hat. Die beiden Polizisten meinten nur, dass sie von der Zentrale eine Durchsage bekommen haben. Hier ist übrigens ein Foto", sagte Irvine.
Squall sah sich das Foto an... er sah einen glatzköpfigen Mann mit Schnurrbart. Er bekam ein unruhiges Gefühl. Er kannte ihn. Seine Vision, die ihm während des Komas immer wieder durch den Kopf gegangen war, kam wieder...
Er hatte wieder einen Körper. Er lag auf einem harten Tisch. Um ihn herum war Lärm... hohe ekelhafte Töne. Gewaltiges Licht blendete ihn... schattenhafte Gestalten umgaben ihn... einer bohrte in seinem Bauch herum...
"Ich kenne den Typen! Ich habe ihn gesehen! Er... hat mich operiert, während ich im Koma lag...", sagte Squall.
Die anderen sahen ihn unruhig an. In Rinoas Gesicht spiegelte sich eine seltsame Art von Entschlossenheit.
"Wir müssen nach Deling City", sagte sie in einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete.
"Squall?"
Rinoas Stimme verhallte unbeantwortet. Der Geruch des Qualms stach in ihre Nase.
"Squa..."
Jemand legte ihr mit sanfter Bestimmtheit eine Hand auf den Mund. Sie drehte sich um und blickte in Cifers Gesicht. Er hatte sein Schwert gezogen. Rinoa und ihre Mutter taten es ihm gleich. Sie stiegen herab. Der Rauch wurde immer dicher, presste sich in ihre Lunge herein, fraß sie von innen auf, wollte sie verschlingen. Sie atmete einmal tief ein und betrat das Erdloch. Der Rauch lichtete sich etwas. Ihre Mutter hatte Recht gehabt. Sie befanden sich in einer Art Tunnelsystem.
Durch den Rauch konnte sie undeutlich tote Körper sehen. Sie erkannte die blutigen bernsteinfarbenden Roben. Sie sah sich um und entdeeckte undeutlich ein paar Apparaturen, die sie am ehesten an ein Labor erinnerten. Ihr Blick fiel wieder auf die Körper... Wissenschaftler...
Sie gingen durch mehrere düstere Räume. Auf einmal hörte sie einen erstickten Aufschrei und ein dumpfes Geräusch. Ein Körper fiel hart zu Boden. Der Rauch lichtete sich etwas.
Auf dem Boden lag ein Mensch. Er zuckte ein paar Mal und wimmerte. Vor ihm sah Rinoa die Umrisse eines Mannes. In seiner Hand hielt er ein Schwert.
"Squall?"
In der Funkzentrale der Delinger Polizei war es stickig und verraucht. Squall hörte Skylar bevor er sie sah.
"Nein, ich will keine Schlagzeilen wie 'TODESSEKTE RICHTET MASSAKER AN!'. 'BERÜHMTER ARZT GESTORBEN' reicht. Wenn du unbedingt heiß darauf bist, Skandalschlagzeilen zu machen, geh zur 'Esthar Moonlight'!", schrie Skylar in ihren Kommunikator.
Squall entdeckte, dass sie einen Großteil des Rauches produzierte. Als sie Irvine entdeckte, nahm sie hastig die Zigarette aus dem Mund und machte sie in einem überfüllten Aschenbecher aus. Sie wirkte müde und erschöpft.
"Hey Leute. Na, Squall, wieder da? Hi", sagte sie und gab Irvine einen kurzen Kuss.
"Du bist immer da, wo was los ist, was?", fragte Irvine grinsend.
"Niemand belebt Per Manum wieder, ohne dass ich davon weiß", sagte Skylar entschlossen.
"Was hast du denn bisher herausgefunden?", fragte Squall.
"Gehen wir nach draußen. Ich brauch frische Luft!", rief Skylar, während ein Rest von blauem Rauch aus ihrem Mund kam.
Die kühle Luft schien auch Skylars Gemüt etwas abzukühlen.
"Nun ja, eigentlich weiß hier niemand so etwas. Die Zentrale der Polizei teilt sich in zwei Abteilungen. Einer Empfangs- und einer Verständigungsabteilung. Die Empfangsabteilung sammelt die Anrufe der Bürger und schickt eine schriftliche Nachricht über ein Netzwerk an die Verständigungsabteilung, die dann Aufträge an die einzelnen Wagen weiterleitet. Dieses Mal erteilte die Verteilungsabteilung einen Auftrag, der anscheinend nie von der Empfangsabteilung abgeschickt worden war", sagte Skylar, während ihr Irvine die Schultern massierte.
"Und wer hat sie dann abgeschickt?", fragte Cifer.
"Weiß natürlich auch niemand. Schätze, irgendjemand hat die Polizei dafür benutzt, eine private Hetzjagd auf diesen Wissenschaftler zu veranstalten. Dürfte kaum dem Ruf der Polizei zu Gute kommen. Aber ich hab ne Idee. Es gibt noch ein Fragment aus der Deling Diktatur, was uns eventuell weiterhelfen könnte. Deling, beziehungsweise Per Manum, hat ein Überwachungsnetzwerk eingerichtet, um jeden Funkspruch und jede Textnachricht zu kontrollieren. Im Archiv des Präsidentenpalastes lief all das zusammen. Quasi als Gegenstück zu der Zensur unter der DEFTAA. Wir sollten uns da mal Zutritt verschaffen. Kitisa schuldet uns noch ne Wahl", sagte Skylar.
"Bleibt die Frage, was nun so Wichtiges im Koffer war", warf Irvine ein.
"Vielleicht... vielleicht sollten wir den Inhalt einfach nach Esthar schicken. Zu Odyne. Wenn es überhaupt jemanden gibt, der sich mit sowas auskennt, dann er", schlug Squall vor.
"Es gibt immer noch meine Mutter, die wir einbinden können", sagte Rinoa.
"...Ja sicher..."
"Du traust ihr nicht, oder?"
"...Nicht wirklich..."
Rinoa drehte sich wütend weg. Irvine warf einen schnellen Blick auf die beiden.
"Warum geht ihr nicht einfach zur Post. Mit einem Express Paket könnt ihr den Inhalt sicher und fix nach Esthar schicken. Wir gehen schonmal vor in den Palast..."
Die Geschäfte an der Post waren schnell erledigt und Rinoa und Squall gingen bald durch den großen Torbogen direkt auf den Präsidentenpalast zu, der fahl im Mondlicht schimmerte.
"Tut mir leid, aber irgendwie reagiere ich empfindlich auf meine Mutter", meinte Rinoa schließlich.
Squall sah sie von der Seite an.
"Sie hat sich verändert, weißt du. Ich glaube ihr. Sie ist... so anders. Sie ist gebrochen und braucht meine Hilfe. Sie hat niemanden mehr und ist so allein", sagte Rinoa.
Squall sagte nichts. Ein paar Autos fuhren vorbei.
"Ich muss Laguna sagen, dass etwas für ihn kommt", meinte er schließlich leise und aktivierte seinen Kommunikator.
"Ja?", kam eine verschlafene Stimme aus dem Lautsprecher.
"Oh, Laguna, hast du geschlagen?", entschuldigte sich Squall.
"Hey, Squall... hey, na, wie geht's? Halb so wild, bin bloß etwas kaputt. Bei uns war es bloß heute verdammt stressig. Ging ziemlich drunter und drüber und die meiste Zeit redeten alle gleichzeitig, so dass ich irgendwie kein einziges Wort verstanden habe."
Laguna seufzte.
"Hey, Laguna, bei euch trudeln demnächst ein paar Dokumente ein. Kann Odyne mal ein Blick drauf werfen?", fragte Squall.
"Kein Problem, macht er."
Lagunas Stimme klang irgendwie entspannter.
"Und bei dir? Wie läuft's bei dir so?", fragte Squall unsicher.
"Na ja, nicht viel anders als gestern. Bin bloß sehr müde", sagte Laguna unsicher.
"Oh, dann... solltest du besser schlafen", meinte Squall schnell.
"Hä, nein, so war das nicht gemeint..."
"Ist schon in Ordnung. Machs gut", sagte Squall und schaltete den Kommunikator ab.
Cifer war beeindruckt, wie schnell sich Irvine und Skylar Zugang zu den Archiven im Präsidentenpalast verschaffen konnten. Anscheinend kannten beide jeweils eine Hälfte des Wachpersonals.
Skylar tippte sich mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit durch die Nachrichten.
"Hier!", rief Skylar nach einer kurzen Zeit und deutete auf einen Eintrag.
DR. ALFRED PETERSON
ALTER: 55
GEFÄHRLICH UND GEFÄHRDET
SOFORTIGE FESTNAHME
"Strotzt ja nur so von Informationen", kommentierte Cifer trocken.
"Tja, aber die Leute handeln nach diesen Dingern, weil sie alle Angst um ihren Job haben", entgegnete Skylar.
"Kannst du herausfinden, wer das abgeschickt hat?", fragte Irvine.
Skylar tippte etwas auf den Monitor ein. Nichts geschah auf den Monitor, nicht einmal ihre Befehle erschienen irgendwo, doch Skylar schien das nicht zu stören. Nach einer weiteren Tastenkombination verschwanden die Einträge. Der Bildschirm war schwarz, nur eine kleine grüne Zeile leuchtete oben links.
"Interessant. Das Ding kam von hier. Aber nicht von dem Computer. So komisch es klingt, aber der Ursprung des Signals liegt fünf Stockwerke tiefer", sagte Skylar.
"Das ist doch nichts", sagte Irvine.
"Nichts außer die Kanalisation. Da gibts ne alte Basis der Sekte. Gibts irgendeinen Namen vom Absender", fragte Cifer.
"Ein Typ namens SUC", las Skylar vor.
"Kannst du das Signal eingrenzen?", fragte Cifer.
Skylar wollte gerade wieder tippen, als...
"Was haben Sie hier zu suchen? Mitkommen!"
Drei Typen hatten den Raum betreten.
"Hey, man hat uns durchgelassen!", sagte Irvine.
"Uns egal. Auf Anweisung von Gareth Balmung fordere ich Sie auf, den Raum zu verlassen!", sagte einer der unsympathischen Typen.
Cifers Hand glitt an seine Gunblade...
"Wir kommen mit. Aber das wird Folgen haben", zischte Skylar.
Schon von weitem sah Squall Irvine, Cifer und Skylar vor dem Palast stehen.
"Sind die nicht reingekommen?", fragte Rinoa.
Irvine stand etwas abseits und redete konzentriert in seinen Kommunikator. Irgendwas war in der Luft. Squall bekam ein flaues Gefühl.
"Macht euch fertig, könnte sein, dass es hier gleich rund geht", sagte Cifer.
"Seid ihr nicht reingekommen?", fragte Squall.
"Doch, nur waren wir genauso schnell wieder draußen. Ein Gareth Balmung hat das angeblich veranlasst. Wer das ist, werden wir noch sehen", sagte Skylar.
"Und... was ist eigentlich los?", fragte Squall und deutete auf Irvine.
"Irvine macht Streß, will ein paar Hampelmänner dabei haben."
"Warum der Aufwand?", fragte Squall.
"SUC hieß die Quelle der Nachricht. In Esthar hat der gleiche Typ ein paar Infos gezogen. Damals war man schon der Meinung, dass sich dahinter der gute Caris verstecken könnte. Man hat nie seine Leiche gefunden und der Kerl ist nicht gerade für seine subtilen Mittel bekannt. Warum also nicht etwas Kanonenfutter dabei haben?", meinte Cifer mit einem schiefen Lächeln.
Irvine beendete das Gespräch.
"Wie es aussieht werden es Quistis und Selphie mit einer Einheit zu uns schaffen. Niko und Xell haben leider andere Aufgaben..."
"Welche denn? Klo putzen?", fragte Cifer.
Irvine lächelte dünn und schwieg vielsagend.
Squall atmete tief ein und sah zu Rinoa. Ihr Mund hatte sich zu einer dünnen Linie verkleinert. Irgendwie hatte er ein schlechtes Gefühl, irgendwie fühlte er sich plötzlich schwach, als würde er jeden Moment zusammenkippen. Er konnte nichtmal sagen, wieso. Vielleicht lag es an dem plötzlichen Wandel der Situation oder an der Großoperation, die auf ihn zukam. Konnte er so etwas überhaupt schon wieder stemmen?
Rinoa war zu den anderen getreten. Ihre Umrisse sahen vor dem düsteren Licht des Palastes sehr beeindruckend aus.
Er versuchte, das flaue Gefühl aus seinem Magen zu vertreiben und trat dann zu seinen Begleitern.
Die SEED Transporter waren unbemerkt außerhalb der Stadt gelandet. Unterschiedliche Autos fuhren durch die Straßen. An verschiedenen Ecken stiegen unscheinbare Menschen aus und gingen nacheinander alle auf ein großes Hotel zu. Im Hotel befand sich eine kleine Bar. Die Menschen stiegen über eine Absperrung rüber und gingen an einem Schild vorbei, auf dem 'Geschlossene Veranstaltung' stand.
In der Bar nahmen die Leute die Hocker von der Theke und setzten sich. Squall ließ seinen Blick durch die Menge schweifen. Er entdeckte Quistis und Selphie, die stehen geblieben waren und sich neben der Eingangstür im Halbdunkeln an die Wand gelehnt hatten.
Irvine stellte sich vor ein Dart Spiel und räusperte sich.
"Danke, dass ihr alle gekommen seid. Die Situation ist die..."
Selphie entdeckte Squall und winkte ihm zu. Sie stieß Quistis an, die ebenfalls zu ihm rübersah. Auch sie lächelte, aber irgendwie schien sie reserviert zu sein. Nach einer Sekunde war sie mit ihrem Blick wieder bei Irvine.
"... denn unser Ziel ist es also Caris oder wen auch immer zu finden. Diese Person könnte ein wichtiger Hinweis zum Aufspüren der Sekte und ihres Anführers sein. Aber seid vorsichtig. Wir wissen nicht, was uns erwartet."
Quistis löste sich von der Eingangstür und trat neben Irvine. Das Licht der Bar schien auf ihr Gesicht. Sie hatte starke Augenringe bekommen und wirkte sehr müde.
"Dies ist die erste Kampfmission seit sechs Monaten. Ich weiß, es kommt plötzlich und wir alle sind noch angeschlagen von den Ereignissen und den Verlust unserer Freunde in den letzten Monaten. Doch wir sind die eigentlich Starken. Wir sind uns treu geblieben und deswegen können wir das heute schaffen. Nicht, weil wir unsere Körper und unsere Seele einer Organisation oder einem Staat verkauft haben, sondern weil wir uns immer noch selbst gehören und aus unserem freien Willen hier stehen.
Wir gehen in Dreiertrupps vor. Ich werde mit euch gehen, Selphie wird euch per Funk den Plan durchgeben und Irvine wird als Kommandant fungieren. Also, bereitet euch vor, übt Heilungs- und verschiedene Elementarzauber. In dreißig Minuten geht es los", sagte Quistis und trat weg.
Die Spannung löste sich. Quistis ging direkt auf Squall zu.
"Wie geht's dir, Squall?"
"So lala. Ist irgendwie alles zu viel für ein paar Tage", antwortete er lächelnd.
Quistis lächelte zurück, ein Lächeln, das sich nicht auf ihre Augen erstreckte.
"Wir mussten in den letzten sechs Monaten viele unserer ehemaligen Freunde einsperren und entlassen. Viele haben sich umgebracht, andere wollten kämpfen. Wir haben mehr Verräter in unseren Reihen gehabt, als wir uns nur im Ansatz hätten vorstellen können", sagte Quistis in einem merkwürdigen Tonfall.
"Hey Squall!"
Selphie hatte ihm auf die Schulter getippt. Sie grinste ihn an und in ihren Augen fand er eine Wärme, die er bei Quistis momentan etwas vermisste.
"Aufgeregt?", fragte sie leise.
"Ein bisschen. Bin wohl etwas eingerostet", mrumelte Squall.
"Oh, ich denke, darüber musst du dir keine Sorgen machen. Außerdem denke ich, ist es besser, wenn ihr als Backupteam bei Selphie bleibt", sagte Quistis und ging zu einer Gruppe von jungen SEEDs herüber.
"Was hat sie denn?", fragte Squall verwirrt.
"Mach dir keine Gedanken. Hey, ich muss die Technik vorbereiten", sagte Selphie aufmunternd.
"Ja, klaro."
Er sah ihr nach. Rinoa stand mit Cifer an der Theke. Die Beiden führten ein leises Gespräch. Squall fühlte sich auf einmal sehr fehl am Platz.
Schließlich waren die dreißig Minuten vorbei und die Bar leerte sich langsam. An der Wand hingen mehrere große Bildschirme. Techniker hatten unter Selphies Anleitung die Geräte installiert. Auf einem war die Karte der Kanalisation abgebildet. Mehrere Punkte zeigten an, wo sich momentan jeder SEED befand.
Selphie saß neben Irvine auf einem unbequemen Barhocker und lotste die verschiedenen Gruppen über ein etwas veraltetes Mikrophon systematisch durch die Gänge.
"Wie sieht's aus?", erkundigte sich Irvine zum zehnten Mal über Funk.
"Wie gesagt, es stinkt hier bestialisch und ein paar Schattenkriecher lungern hier rum, das war's aber auch schon", antwortete ein gereizter SEED.
"Irvine, bist du sicher, dass hier etwas ist? Wir finden rein gar nichts", sagte Quistis.
"Es muss da sein", zischte Skylar.
Rinoa und Cifer starrten gebannt auf die Bildschirme. Squall stand in der letzten Reihe. Das flaue Gefühl in seinem Magen war nicht verschwunden. Sein Herz klopfte immer schneller. Vor seinen Augen verschwammen die Bildschirme.
"Team 'Rot 5' ist nun in der AT Basis", hallte Selphies Stimme von ganz weit weg.
Die Bildschirme wurden kurz scharf. Er sah für eine Sekunde eine Aufnahme aus der verlassenen Halle der Basis. Das Bild stürmte auf ihn zu, nützte den kurzen Moment der Klarheit, drang in seinen Kopf ein und verwandelte sich in ein dröhnendes Hämmern. Alles wurde unscharf.
Jemand rief ihn in seinem Kopf. Er hatte eine deutliche Ahnung, woher wusste er nicht. Er musste hier weg, musste gehen, musste zu einem Ort, zu einem speziellen Ort.. Ohne etwas dagegen unternehmen zu können, bewegten sich Squalls Füße und verließen die Hotelbar. Niemand schien ihm nachzusehen.
Die kühle Luft kam ihm entgegen, gemischt mit dem Geruch von Abgasen. Lichter drangen in seine Augen ein. Alles war so verschwommen. Er wusste irgendwie, wo er hin musste und doch hätte er sein Ziel niemanden sagen können. Die Lichter gingen, die Abgase verschwammen, es roch jetzt anders, es roch nach einer Kälte, nach Fäulnis. Er war in größter Dunkelheit.
Er bemerkte, dass er stehengeblieben war. Er blinzelte. Er stand vor einer gewaltigen Ruine. In Mitten der großen Stadt befand sich eine Ruine. Er sah sich um und entdeckte ein Straßenschild. 'Goldstraße'.
Die Überreste des Per Manum-Hauptquartiers.
Squall betrat den gewaltigen Berg aus Schutt und Asche. Er ging über den Berg aus Fragmenten von Häuserteilen. Da kam er zu einer Stelle. Der Schutt lag hier nicht so dicht. Jemand hatte hier vor kurzem etwas mit dem Schutt gemacht. Squall griff ein großes Stück und räumte ihn zur Seite. Etwas kam darunter zum Vorschein.
Eine Bodenluke. Er öffnete sie und entdeckte eine Treppe, die in die Dunkelheit führte. Er stieg hinab.
Squall fand sich in einem langen dunklen Gang wieder. Am Ende sah er eine Tür mit einem kleinen Glasloch aus dem gedämpftes Licht kam. Er ging auf die Tür zu und öffnete sie.
Er fand sich in einem gewaltigen Labor wieder. In der Mitte befand sich ein großer Operationstisch. Er starrte auf den Tisch... er erkannte ihn wieder...
Er lag auf einem harten Tisch. Um ihn herum war Lärm... hohe ekelhafte Töne. Gewaltiges Licht blendete ihn... schattenhafte Gestalten umgaben ihn... einer bohrte in seinem Bauch herum...
Hier war es also gewesen. Hier hatte man ihn operiert. Doch was hatte man an ihm geändert und warum?
Wie eine Antwort öffnete sich wie von Geisterhand eine weitere Tür. Squall trat hindurch.
Ihm stockte der Atem. Er las ein großes Schild.
DAS DELING PROJEKT UND DAS DELING REPLACEMENT PROJEKT
Leitung: Dr. Alfred Peterson
In Glasbehältern befanden sich Deling-Klone. Sie sahen exakt gleich aus und trugen alle bereits den Anzug, den Deling immer an hatte. Die Röhren waren beschriftet mit Nummern. Etwas abseits von den anderen stand eine weitere Röhre. Auf dem Schild stand 'Vorlage'.
In ihm befand sich ein Mensch. Er hatte eine Schusswunde im Kopf. Er sah aus wie Deling, hatte jedoch ein junges menschliches Gesicht.
"Hier hat alles angefangen. Per Manum startete von hier aus ihr geschicktes Spiel mit der Weltgeschichte. Den Mann, den du siehst, war mein Vater. Mein leiblicher Vater. Ein Deserteur. Die Per Manum benutzte ihn, um Cyborgs herzustellen, da er durch sein Aussehen in ein Modell fiel. Basierend auf Umfragen erschufen sie den perfekten Politiker, den die Massen anjubeln konnten. Mein Vater war kein Mörder. Er war ein Deserteur, der das Militär verabscheute und deswegen erschossen wurde. Wie ich. Doch mein Stiefvater und meine Mutter hassten mich, weil ich wie er war und schickten mich zum DRP, auf dass ich ein wahrer Patriot werden würde. Doch damit ist jetzt Schluss!"
Squall drehte sich um. Zwischen den Operationstischen stand ein Mann im Halbdunkel.
"Du bist also gekommen, genau, wie ich es vorhergesehen hatte, mein alter Freund."
Squall erkannte die Stimme.
"Caris."
Sandath Unne Caris trat aus den Schatten. Er hatte sich sehr verändert. Er trug einen Bart und eine Augenklappe.
Eine Hand strich über sein Mantel. Er war bernsteinfarben.
"Ich kann dir sagen, Squall, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ich hier vor dir stehe", sagte Caris.
"Du galtest als tot."
"Ich war tot. Dein Freund Irvine hat mir mein Herz zerschossen. Doch ich wurde wiederbelebt. Ich habe ein Bein und ein Arm verloren, die wegen des hohen Blutverlustes amputiert werden mussten. Ich habe kein Herz mehr und doch lebe ich. Dr. Peterson, einer der führenden Ärzte des 'Deling Replacement Projekts', stellte mich wieder her. Er war sehr bewandert in der Cyborg Forschung. Er gab mir ein Herz aus Stahl und neue Gliedmaßen. Er erzählte mir die Wahrheit über meinen Vater. Und er gab mir eine neue Macht. Der arme Alfred. Am Ende hat ihn seine eigene Schöpfung gerichtet", sagte Caris.
"Was machst du hier, Caris? Willst du immer noch Per Manum wiederherstellen?", fragte Squall.
"Ich tötete Volunta, damit Per Manum fallen konnte. Glaub mir, ich bin der Letzte, der dieses Monstrum wiederherstellen will. Zuerst wollte ich es ja. Ich habe die Schwarzen SEEDs geopfert, ich habe alles getan, um endlich an mein Ziel zu kommen, doch dies ist jetzt vorbei. Ich wurde befreit vom DRP. Ich habe kein Interesse mehr an diesem Deling, der das Gesicht meines Vaters in Ungnade gebracht hat. Ich habe erkannt, dass es an der Zeit ist zu gestalten", sagte Caris und lächelte.
Squall blickte auf den bernsteinfarbenen Mantel.
"Bist du ein Mitglied von Aomes Trianirea geworden?", fragte Squall.
"Falsch, ich bin der Führer der Sekte. Ich wurde vom Rat der Zwölf und vom Schöpfer ausgewählt. Wir haben einen uralten Konflikt der Menschheit beseitigt. Es gibt nun keinen Kampf mehr zwischen Spirituellem und Politischem. Es gibt keinen Kampf mehr zwischen Aomes Trianirea und Per Manum. Es ist alles eins geworden. Hyne hat große Pläne mit den Menschen, aber die Menschen sind schwach und er braucht einen Statthalter, der sie versteht und das Hintergrundwissen mitbringt, dass er nicht hat. Jemanden wie mich. Also hab ich jetzt einen neuen Job", sagte Caris.
"Caris, du dienst jetzt den Menschen, die seinerzeit Per Manum und das Deling Replacement Project erfunden haben. Den Hexen und Hyne. Begreifst du das nicht?", sagte Squall wütend.
"RUHE! ICH WERDE KEINEN WIDERSTAND DULDEN!", brüllte Caris. Auf einmal keuchte er. Er griff blitzschnell in seinen Mantel und holte Tabletten raus und warf sie sich ein.
"Argh, mein Fleisch brüllt... es ist nicht verwachsen", presste Caris hervor. Dann beruhigte er sich wieder und sah Squall tödlich an.
"Ich kann das nicht zulassen", sagte Squall.
"Tu, was du willst. Doch ich glaube kaum, dass du und deine SEED-Freunde gegen meine neue Macht eine Chance haben. Ich zeige dir ein paar meiner neuen Kräfte", sagte Caris.
Er zog seine schwarzen Handschuhe aus. Seine Hand hatte eine groteske Größe erreicht und war eindeutig nicht menschlich. Plötzlich schimmerte in seiner Hand etwas gelblich. Squall traute seinen Augen nicht. Ein Artefakt war in seinem Arm eingearbeitet.
"Ja... die Lacrima des Alphega. Ich wurde mit ihrer Macht ausgestattet. Der Rat hat mich beauftragt, alle zu finden und mit jedem, den ich bekomme, werde ich noch mächtiger. Ich bin unbesiegbar, du wirst schon sehen, Squall!", brüllte Caris.
Squall zog seine Gunblade. Beide sahen sich kurz in die Augen. Caris zog keine Waffe.
Squall stürmte auf Caris zu. Er hob sein Schwert und ließ sie auf Caris' Kopf niedersausen. Caris griff mit seiner mechanischen Hand nachdem Schwert und fing den Schlag ab. Er hielt Squalls Schwert mit einer unglaublichen Kraft fest.
"Dank des Blitz-Lacrimas kann ich unfassbare Blitzschläge austeilen. Wusstest du, dass Strom hervorragend durch Schwerter wie dieses fließt? Und wusstest du, was mit den Patronen in deiner Gunblade dann passiert?", fragte Caris.
Squall sah kurz einen Blitz. Die Patronen in seinem Schwert explodierten. Squall wurde von der Explosion zurückgeworfen. Er stöhnte vor Schmerz auf und spürte, wie der Blitz durch seinen Körper ging und schließlich in den Boden geleitet wurde. Caris lachte überheblich auf. Er lachte über Squalls Schmerzen.
Er blickte hoch. Sein Schwert lag nutzlos am Ende des Raumes. Caris kam auf ihn zu. Squall stand auf und hob seine Fäuste. Doch bevor er etwas machen konnte, schlug Caris mit einer verblüffenden Schnelligkeit zu. Squall wurde schwarz vor Augen. Caris hatte eine unglaubliche Kraft!
Caris hob erneut zum Schlag an. Squall wehrte ab und spürte, wie schmerzhaft Caris mechanische Hand auf seinen Knöchel schlug. Er hielt die Hand von Caris, doch er war stärker. Caris versuchte, Squall loszuwerden, doch er schlug mit seiner linken Hand in Caris Gesicht.
Der General taumelte kurz, sammelte sich schnell. Squall nahm seine beiden Hände in Abwehrstellung. Beide Gegner sahen sich kurz an. Dann begannen sie, auf sich einzuschlagen. Squall wich der mechanischen Hand aus und landete Treffer bei Caris, doch der General war schnell wie nie. Er trat Squall mit seinem mechanischen Bein gegen die Beine. Squall knickte ein und hämmerte seine Faust in Caris' Leber. Er knickte kurz ein und richtete sich sofort wieder auf. Er musste Schutz haben, dachte sich Squall schnell.
Caris schlug Squall direkt auf den Kopf. Er stürzte zu Boden und versuchte von Caris wegzukrauchen, doch Caris trat Squall in den Bauch. Squall hustete und spuckte Blut.
Er blickte zu seinem Gegner hoch und sah Caris lächelndes Gesicht.
"Blende!", brüllte Squall und vernebelte Caris das Gesicht.
"Vigra", sprach Squall auf sich und spürte das warme Licht.
Er rannte auf seine Gunblade zu. Etwas sprang über ihn und landete zwischen Squall und der Gunblade. Caris hatte die Blende abgeschüttelt und sah wütender aus denn je. Er ging auf Squall zu.
Die beiden schlugen härter als je zuvor aufeinander ein. Squall trat nach Caris' Beinen und legte ihn kurz auf den Boden. Dieser griff an Squalls Bauch und schickte einen erneuten Blitzschlag durch Squalls Körper. Er knickte ein. Caris lachte und griff mit seiner Hand Squall an die Gurgel.
Caris hob Squall hoch drückte ihn den Hals zu. Squall sah schwarze Punkte. Caris' Arm begann gelb zu leuchten. Dieses Mal würde Squall sterben.
Squall konzentrierte sich auf seine linke Hand. Er spürte, eine kalte Wasserkugel. So schnell wie er konnte, griff er Caris unter Strom stehende Hand und entließ das Wasser.
Caris sprühte förmlich vor Wut, als die Elektroschläge durch seinen Körper geleitet wurden. Er ließ Squall los. Er gab sich drei Sekunden zum Einatmen und rannte dann zu seiner Gunblade und hob sie auf. Caris hatte sich erholt.
"Hm, nicht übel. Man merkt deinen kleinen Umweg, doch ich kenne deine Kampftechniken", sagte Caris.
Squall sah Caris wütend an.
"Ach, ich bin müde. Kleine Unterbrechung gefällig?", fragte Caris auf einmal und holte eine Fernbedienung heraus.
Er betätigte sie.
Auf einmal öffneten sich die Kapseln. Die Deling-Klone kamen heraus.
"Tötet diesen Mann!", befahl Caris den Klonen.
Die Klone sahen Squall an und gingen dann auf ihn zu. Squall sah die 13 Klone an. Der erste kam auf Squall zu. Er nahm seine Gunblade und hob ihm den Kopf ab. Grünes Blut spritzte heraus, der Klon blieb regungslos liegen.
"Greift zu mehreren an", befahl Caris.
Drei Klone stürmten auf Squall zu. Doch wie von selbst wurde die Gunblade durch die Luft gewirbelt und killte die Klone. Squall war überrascht, dass er keineswegs irgendetwas verlernt hatte. Er war eher stärker geworden.
"Pass auf, Squall, sie können auch reden!", sagte Caris und drückte einen Knopf.
Ein Klon stürmte auf Squall zu und rief: "Das Militärbudget muss erhöht werden!"
Squall durchtrennte ihn an der Taille. Er rannte durch die Menge und attackierte einen im Sprung und durchbohrte das Herz des Cyborgs ("Im Krieg erlebt der Mensch seine Bestimmung!"). Zwei weitere stürzten auf ihn zu und erlebten ihr jähes Ende, als Squall sie mit einem Hieb enthauptete ("Wir als geordnetes Volk werden diesen Krieg gewinn..."; "Esthar muss fallen, damit unser Volk überleben kann...").
Innerhalb weniger Augenblicke war auch der letzte Klon ("Im übrigen bin ich der Meinung, dass Esthar zerstört werden muss!") besiegt.
Squall blickte zu Caris und merkte, dass er nicht mehr da war.
Squall rannte in den nächsten Raum und sah Caris auf dem Operationstisch stehen. In der Hand hielt er zwei Maschinenpistolen.
"Ein Überbleibsel des treuen Goldwarth! Stirb!", rief Caris und feuerte Salven auf Squall.
Dieser parierte ein paar Kugeln und wich den anderen aus. Caris lud gerade nach, als Squall aus seiner Deckung stürmte und auf Caris zulief. Dieser hob seine Waffen, doch Squall war bereits bei ihm. Caris sprang vom Tisch herunter. Aus seinen Ärmeln holte er zwei kleine runde Apparate. Er drückte auf einen Knopf und die beiden bildeten kleine Energieschilde. Squall hieb auf ihn ein, doch Caris parierte mit den Energieschildern. Er war schnell, sehr schnell. Zwischendurch trat Caris nach Squall. Er taumelte kurz und Caris war über ihm, die Handfläche ausgestreckt. Die Farbe hatte gewechselt, nun war sie braun. Braun wie Erde.
Squall drehte sich weg, als Caris seine Hand niedersausen ließ. Er schmetterte ein großes Loch direkt neben Squall. Squall drehte sich mehrmals nach links, als Caris immer wieder versuchte, Squall zu treffen. Er zielte mit seinem Schwert auf Caris' Schulter. Der General wich zurück. Squall sprang auf.
"Nicht mehr so jung, was Caris?", fragte Squall.
"Ich zeige dir ein paar der interessanteren Features", grinste Caris.
Plötzlich schnellte seine Hand nach vorne und griff Squall am Hals.
"Natürlich kann man den mechanischen Arm auch ausfahren", erklärte Caris sachlich.
Squall hatte die Gunblade fallen gelassen. Caris hatte Squall mit Leichtigkeit hochgehoben und holte ihn zu sich heran. Ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt.
"Du kämpfst wie zu der Zeit, wo wir auf einer Seite standen, doch ich schätze deine neuen alten Freunde haben dir nichts erzählt", sagte Caris.
"Was denn?", presste Squall hervor.
"Sterbe dumm, mein Freund", sagte Caris und warf Squall auf den Boden. Bevor Squall etwas machen konnte, zog Caris eine kleine Waffe und feuerte Squall einmal in die Brust. Er sank leblos zusammen.
Caris lächelte einmal. Dann auf einmal bemerkte er, dass er schwitzte. Er holte unter seinem Mantel eine Art Flasche heraus und trank einen kräftigen Schluck und warf sich eine weitere Tablette ein. Dann ging er zum Labor und warf ein letztes Mal einen Blick auf seinen Vater. Er hob kurz seine Hand zum Abschied und feuerte einen gewaltigen Blitz in das Labor. Es ging in Rauch auf.
Caris drückte einen weiteren Knopf und ein Tunnel öffnete sich, der ihn direkt in die Kanalisation und zur AT-Basis führen würde. Ohne einen weiteren Blick auf Squall zu werfen, verschwand er.
Squall wunderte sich, dass er nicht tot war. Caris hatte ihn direkt ins Herz getroffen, doch Squall fühlte sich prima. Er griff in seine Brusttasche und entdeckte den Feuer Lacrima. In ihm schwamm die Kugel, die soeben verglühte. Merkwürdigerweise war der Feuer Lacrima vollkommen intakt, obwohl das Artefakt in Dollet so leicht zerbrochen war.
"Danke Fib", flüsterte Squall und machte sich auf, das Labor zu verlassen.
Er holte seinen Kommunikator heraus.
"Hier spricht Squall!"
"Squall, wo bist du gewesen?", fragte Irvine aufgeregt.
"Caris... Irvine, Caris ist auf dem Weg durch die Kanalisation. Pass auf, er ist verdammt stark und ich habe Glück, dass ich noch lebe. Geht nur alle gemeinsam gegen ihn vor, ich komme zu euch", sagte Squall und machte sich auf, in das Hotel zurückzukehren.
Als Squall in die Bar zurückkehrte, wusste er sofort, dass Caris entkommen war. Irvine erwartete ihn mit düsterem Gesicht.
"Caris ist weg. Er hat drei SEEDs getötet und fünf weitere schwer verletzt, unter anderem auch Quistis. Der Balamb Garden ist bald hier, sie müssen auf die Krankenstation", sagte Irvine.
"Wie schwer ist Quistis verletzt?", fragte Squall aufgeregt.
"Ihre Überlebenschancen stehen 50:50", sagte Cifer.
Squall sah auf den Boden. Dann blickte er zu Cifer und Rinoa.
"Die SEEDs werden das nicht auf sich ruhen lassen. Ich nehme an, die Suche nach Caris wird nun zur höchsten Priorität", sagte Selphie in den Raum.
"Rinoa, Cifer, ich möchte mit euch sprechen", sagte Squall fest.
Aus ihren Gesichtsausdrücken konnte er lesen, dass sie sich vor folgendem Gespräch lange gefürchtet hatten.
Sie hatten sich in ein kleines Hotelzimmer zurückgezogen.
"Ich will wissen, was mit mir passiert ist. Caris hat da so Andeutungen gemacht. Irgendetwas müsst ihr wissen", sagte Squall.
Rinoa und Cifer warfen sich einen Blick zu.
"Setz dich lieber, Kumpel, das könnte hart werden", sagte Cifer schließlich.
Rinoa setzte sich Squall gegenüber und legte dann ihr Kleid ab und zeigte Squall eine Narbe auf ihrem Schulterblatt.
"Im Prinzip wissen wir auch nur einen kleinen Teil. Wenn du nach dem fragst, was wir wissen, dann fragst du nach dieser Narbe", erklärte Rinoa und setzte dann an...
"Squall?"
Der Mann zuckte kurz zusammen. Dann schwang er sein Schwert und durchstieß dem Mann am Boden die Brust. Er sackte zusammen.
Rinoa zitterte.
"Verräter", sagte der Mann.
Sie erkannte die Stimme sofort. Sie war ihr so vertraut, doch sie klang anders als sonst. Sie klang verzerrt, anders im Ton.
"Sie haben uns verraten", sagte der Mann.
Rinoa blickte auf die Leichen. Sie trugen Ärztekittel. Der Mann begann auf einmal zu schnuppern. Als würde er einen Geruch wiedererkennen. Dann drehte er sich langsam um. Er hatte eine bernsteinfarbene Robe an. Rinoa blickte in das Gesicht des Mannes. Sie blickte in das Gesicht von Squall.
"Squall?", sagte sie verzweifelt.
Squalls Augen waren tot. Rinoa fühlte ihre Mutter und Cifer hinter sich in die Kammer kommen.
"Was ist mit dir?", fragte Rinoa verzweifelt.
"Eindringlinge. Ihr habt hier nichts zu suchen", sagte Squall mit einer düsteren monotonen Stimme und schritt auf Rinoa zu.
"Squall, sprich mit mir!", schrie Rinoa.
Squall ging auf Rinoa zu und hob sein Schwert. Sie wich aus, fiel aber hin. Das Schwert streifte sie am linken Schulterblatt. Sie stöhnte auf.
"Du Arschloch", brüllte Cifer und hieb auf Squall ein.
"Töte ihn nicht!", schrie Rinoa.
Squall parierte mit Leichtigkeit. Er wirbelte sein Schwert mit einer Hand durch die Gegend. Dann griff er auf einmal mit der anderen Hand an Cifers Kehle und schleuderte ihn durch den Raum.
Prokylta sah Squall an.
"Er ist besessen", sagte sie.
Sie hob ihre Hände und stieß ihn mit einer unsichtbaren Kraft zurück. Squall fiel ihn. Prokylta machte einen Satz nach vorn und legte ihre Hand auf sein Herz. Squall schrie auf. Rinoas Herz schmerzte. Er sog Luft ein, als würde zum ersten Mal nach Minuten wieder atmen. Er versuchte zu stehen, doch seine Beine brachen weg. Er sah Rinoa kurz an und in seinen Augen war ein zu großer Schmerz. Dann brach er zusammen. Rinoa kroch zu ihm hin und versuchte, den gewaltigen Schmerz zu verdrängen.
Prokylta lauschte an seinem Herz.
"Er atmet", sagte sie.
Im Hauptquartier war eine gespannte Stille. Man hatte den Essensraum zu einer Art Not-OP umfunktioniert. Selphie, Xell, Quistis, Irvine, Cifer, Laguna und Edea waren anwesend. Prokylta und Odyne waren in dem Zimmer und untersuchten Squall. Man hatte Rinoas Wunde behandelt, doch eine Narbe würde wohl bleiben. Sie war wie betäubt und wusste nicht, was sie überhaupt fühlte.
Eine Tür ging auf. Odyne kam heraus und sah erschöpft aus.
"In seinem Körper sei ein Apparat gewesen, oder? In seinem Gehirn und an seinem Herzen seien Elektroden gewesen, oder? Die seien nun weg, oder? Doch von diesen Geräten sei Squall abhängig geworden, oder? Odyne wisse nicht, wie tief der Schaden gehe, oder? Sein Zustand sei kritisch und er sei für immer gelähmt, oder? Odyne wisse nicht mehr weiter und entschuldige sich für sein Versagen, oder?", sagte der Professor traurig.
Rinoa sah auf dem Boden und wusste nichts mehr.
Tage waren vergangen. Laguna war immer noch da, auch wenn er bald zurück musste. Bald würde eine neue Sitzung des Rates Pollendina einberufen werden. Squalls Zustand hatte sich nicht verändert, auch wenn Rinoa meinte zu spüren, dass er stärker wurde.
Cifer stand mit Laguna etwas abseits des Bettes, Rinoa saß daneben. Auf einmal hörte sie ein leichtes Stöhnen. Squall hatte seine Augen aufgeschlagen. Cifers Hand ging an seine Gunblade. Er traute Odynes Künsten nicht so ganz...
"Squall!", flüsterte Rinoa.
"Hallo... wo bin ich? Warte...", hörte Cifer Squall schwach von sich geben. Er entspannte sich, dies war der normale Squall.
Cifer hörte gespannt der Unterhaltung zu. Und mit jedem Satz wurde ihm klarer, dass sie Squall irgendwann mit einer Seite an ihm konfrontieren mussten, die niemand je an ihm gekannt hatte...
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