FFVIII: Aomes Trianirea - Kapitel 2

Relikte

verfasst von MfLuder

"Wir haben also im Osten den Staat Esthar, das Land, das Magie und Technologie vereint und im Westen Galbadia, den Staat, der militärische und wirtschaftliche Schlagkraft auszeichnet..
Beides sind totalitäre Systeme und standen bis nicht vor all zu langer Zeit in einem blutigen Krieg miteinander. Dennoch gingen beide, wie alle Länder auf dieser Welt, aus einem Volk hervor: Der Centra.
Die Centra-Ära war eine beeindruckende Ära, in denen die Grundsteine unserer Welt angelegt wurden. Die Menschen begannen, den Planeten zu erobern und häuften sich unendliches Wissen an. Angeführt wurden sie vom starken Krieger Zebarga und seiner Frau, der Hexe Baskarune.
Doch wie in jedem großen Reich gab es auch dort Schattenseiten. Eines Tages verschwand Zebarga und Baskarune und ihre fürchterlichen Hexen übernahmen die Kontrolle. Es folgte ein schwerer Bürgerkrieg zwischen den Bürgern, die Freiheit wollten und der alles unterdrückenden Hexe.
Trauriger Höhepunkt war die 'Träne des Mondes'. Baskarune ließ Milliarden von Monstern auf den Planeten regnen. Die Centra wurden komplett ausgelöscht, Baskarune jedoch ebenfalls vernichtet. Dieses großen Krieg bezeichnet man heute als den Hexenkrieg.
Die Centra zerfielen in viele kleine Staaten. Neben Galbadia und Esthar, bildeten sich auch kleiner Länder, wie der Trabia Staat und das Fürstentum Dollet heraus und natürlich unser idyllisches Balamb.
Eine überlebende Hexe, die fürchterliche Adell übernahm nun die Kontrolle in Esthar, fast zeitgleich kam der Diktator Vincer Deling in Galbadia an die Macht.
Ein weiterer Krieg drohte, der wiederum beinahe die ganze Welt ins Unglück gestürzt hätte, doch mitten im Krieg verschwand Esthar auf einmal von der Landkarte. Es verschwand, wurde buchstäblich unsichtbar. Wir können nur spekulieren, was mit Esthar geschehen ist.
Galbadia beendete den Krieg, Deling ist bis heute Diktator. Nicht, dass ihnen viel übrig blieb.
So, Squall, und jetzt wirst du das alles schön zusammenfassen!", sagte Quistis Trepe, die Lehrerin im Garden auf einmal hart und blickte einen Jungen in der hintersten Reihe an, der kaum jünger war als sie selbst.
"Squall, ich red mit dir!", wiederholte sie hart.
Squall blickte hoch. Gelächter in der Klasse.
"Irgendwelche privaten Probleme?", fragte sie mit einem Lächeln.
"Das geht euch nichts an!", entgegnete Squall bockig.
Einen Moment war es still...dann begann Squall mit monotoner Stimme:
"Im Osten ist der Staat Esthar, im Westen der Staat Galbadia..."



Etwas stieß ihm in die Rippen. Squall riss seine Augen auf. Gleißendes Licht blendete ihn. Es war Mittag, die Sonne schien.
"Guten Morgen", trällerte gemütlich eine Stimme.
Squall blickte hoch und sah Cifer, der ihn grimmig anlächelte.
"Gut geschlafen?", fragte er freundlich.
"Ich hatte einen komischen Traum... Quistis... es war vor 5 bis 6 Jahren. Wir waren im Unterricht...", murmelte Squall schlaftrunken.
"Ich hatte auch einen komischen Traum. Monster zerreißen uns in der Luft, weil die Wache eingepennt ist!", knurrte Cifer.
"...Sorry", murmelte Squall.
"Du bist echt so ne Pfeife geworden. Hätte gar kein Bock mehr, dich umzulegen, so ein Waschlappen. Früher haben wir noch richtig gekämpft und wollten uns umbringen", meinte Cifer, während Squall sich langsam aufrichtete.
"Ich wollte dich nie umbringen", entgegnete Squall.
Überall spürte er das Salz, dass sich über die Nacht in seine Haut und seine Kleidung gefressen hatte.
"Ach ja, und was ist mit dieser schicken Narbe?", fragte Cifer und deutete sich auf die Stirn.
"Und was ist mit deiner schicken Folterei? Du hast mich damals gefoltert, du blödes Arschloch, also steh hier nicht so rum und tu so, als wärst du der coole Kämpfer und ich die Lusche! Ich träum heute noch von..."
Squall brach ab, als er merkte, was er sagen wollte.
"...von mir?", beendete Cifer den Satz, doch er lächelte nicht mehr. Er sah sehr ernst aus. Squall und Cifer blickten sich in die Augen.
"Ich bin nicht stolz drauf, was ich damals tat", flüsterte Cifer.
"Kannst du auch nicht. Ich brauch dich, weil ich Rinoa finden will. Nicht mehr, nicht weniger. Hilfst du mir dabei oder lässt du es? Und mit Hilfe meine ich auch, dass du mir nicht ständig in Kämpfen verbal in den Rücken fällst", sagte Squall hart.
Cifer sah ihn lange an. Dann lächelte er herablassend, drehte sich um und ging in Richtung Esthar.
"Was willst du eigentlich in Esthar, Cifer? Angenommen, wir trennen uns hier? Und wo willst du dann nach Rinoa suchen?", fragte Squall.
Cifer blieb stehen. Squall ging zu ihm und streckte seine Hand aus.
"Deal?", fragte er.
Cifer brummte irgendwas und schlug dann ein.

Sie erreichten innerhalb weniger Stunden den Stadtrand und bestiegen eine Art große Lufttaxe, die sie direkt zur Residenz, dem Sitz von Präsident Laguna und seiner engen Vertrauten Ellione Kramer, bringen sollte.
Ein leises Brummen, als das Lufttaxi langsam abhob und in atemberaubender Geschwindigkeit durch die Stadt flog.
Squall war seit fünf Jahren nicht mehr in Esthar gewesen. Der Anblick beeindruckte ihn immer wieder. Überall erhoben sich Wolkenkratzer aus dem Boden, Häuser, die höher als alles andere waren, was man noch auf dem Planeten finden konnte. Der Boden war aus dem Taxi kaum auszumachen. Gleiter, Schiffe und Sitzplattformen schossen an ihnen vorbei. Esthar erstrahlte in seinem schönsten Blau.
Squall konnte vom weiten das Labor des leicht verrückten Professor Odyne sehen. Hier war der Anfang aller Magieforschung gewesen. Hier hatte Odyne seinerzeit angefangen, die Magie aufzuschlüsseln und sie der Welt zugänglich zu machen. Und er hatte eine Methode gefunden, die Bestias, uralte Wesen mit magischen Fähigkeiten, jedermann zur Verfügung zu stellen. Lange Zeit hatten die SEEDs mit diesen Wesen gekämpft. Das es bei soviel Magie zu Gedächtnisschwund kommen konnte, hatte ihnen ihr damaliger Master Norg verschwiegen.
Ein Monitor erwachte vor ihnen zum Leben und eine Frauenstimme plauderte drauf los.
"Willkommen in Esthar, der größten Stadt der Welt, in der Magie und Wissenschaft nahtlos zusammenfließen.
Wir sind erfreut Sie begrüßen zu dürfen. Es hat sich in den letzten Jahren viel getan. Nach dem Sturz der Hexe Adell durch die Anti Adells unter der Führung des großen Laguna Loire, wurde die ehemalige Diktatur friedlich in eine Demokratie verwandelt. Um den Krieg mit Galbadia zu beenden, ließ Präsident Loire ein Tarnschirm um den Staat errichten. Erst vor fünf Jahren wurde er gelüftet.
Seitdem arbeiten Präsident Loire und die Präsidenten anderer Länder wie Galbadia, Dollet und Trabia daran, die Welt wieder zu einen. Das Zentralorgan ist der 'Rat Pollendina', gegründet vom großen Präsidenten von Galbadia, Ewain Pollendina, der heute in seinem wohlverdienten Ruhestand ist..."
Die Stimme driftete weg. Kühle Luft blies Squall aus der Lüftung ins Gesicht. Die Gebäude zogen an ihm vorbei und machten ihn schläfrig. Er dachte an seine Vision vom letzten Abend. Rinoa war schwanger... Er bekam ein Kind...
Plötzlich tauchte am Horizont die kreisförmige Residenz auf. Während das Taxi sich langsam dem gigantischen Bau näherte, fragte sich Squall, ob Rinoa in der Stadt war...

In der Residenz von Esthar gab es einen großen kreisrunden Raum. Bis auf die Wand mit der Eingangstür war alles verglast, so dass man in alle Richtungen die beeindruckende Architektur der Stadt beobachten konnte.
Weniger beeindruckend war das Gesprächsthema der Runde. An einem langen eckigen Tisch, der im merkwürdigen Kontrast zum rundem Raum stand, saßen vier Menschen. Präsident Laguna Loire war einer von ihnen.
Laguna hatte schon viel miterlebt. Er war in Galbadia aufgewachsen, hatte mit seinen besten Freunden, dem eleganten farbigen Kiros und dem riesigen Ward, Abenteuer bestanden, war in dem kleinen Dorf Winhill gelandet, hatte dort sich mit einer Kellnerin Raine und der kleinen Ellione angefreundet... und saß nun als Präsident von Esthar in einem klimatisierten Raum mit anderen Politikern.
Hinter ihm standen Kiros und Ward und blickten in die Runde. Laguna schien zwar dem eifrig redenden Mann zuzuhören, aber in Wahrheit dachte er an was ganz anderes. Seine Gedanken waren bei seinen beiden großen Lieben, beide inzwischen tot. Seine erste war eine Julia gewesen, die jeden Abend in einer Bar in Galbadia Klavier gespielt und die er vollkommen aus den Augen verloren hatte. Später hatte sie dann einen Major Carway geheiratet.
Seine zweite Liebe war Raine gewesen. Sie hatten sogar geheiratet, doch dann war Laguna nach Esthar aufgebrochen, um Ellione, die damals noch ein Kind gewesen war, vor der Hexe Adell zu retten, die seinerzeit hier die Macht hatte. Raine war kurz darauf gestorben...
"...ich sage noch einmal. Wir müssen 'Fisherman`s Horizon' hier an diesen Tisch kriegen. Es geht doch nicht, dass die Herren um Dobe und Dodonna ihr Kaff nicht bei uns eingliedern wollen!", schnaubte ein Mann vom Tischende.
"Cecil, es ist ihre Entscheidung nicht zu kommen, so wie es unsere war, uns alle an diesen Tisch zu setzen", meinte Laguna müde.
Eine Frau neben Kitisa schnaubte ungläubig, während hingegen der Abgesandte aus Dollet nickte. Laguna blickte den Herren an, der ihm aufmunternd zuzwinkerte. Bail Organa, Bürgermeister von Dollet, war einer seiner wenigen Lichtblicke dieses Haufens.
Derweil redete sich der Mann am anderen Ende des Tisches heiß. Er war klein und eher dicklich, jedoch sehr berühmt und beliebt. Cecil Kitisa war der Präsident des Rates Pollendina mit einem sehr berühmten Ruf. Vermutlich würde er in die Geschichte als einer der größten Politiker aller Zeiten eingehen und leider wusste er das auch.
"Ich glaube, wir haben dringendere Punkte als diese F.H.-Kiste. Wir hatten letzte Nacht wieder einen Monsterangriff auf einen Zug. Diese Angriffe nehmen zu. Die Monster werden unruhig. Wir tun natürlich alles. Wir bauen eine neue Raumstation, um die Monsteraktivitäten auf dem Mond im Blick zu behalten, aber...", sagte Laguna eindringlich.
Etwas piepte. Kitisa zog schnell etwas aus seiner Jacke und sprach hastig herein.
"Ja? Ah, Balmung, Sie sind es. Ja... wie sie haben keine Opernkarten mehr für morgen bekommen? Was soll dieser Mist! Wie sehe ich denn aus? Soll ich die Vorstellung sausen lassen und direkt nach Dollet fahren! Balmung.... Und was ist mit der Rede vor den Treffen mit diesen...Proleten? Hören Sie..."
Laguna seufzte. Er blickte sich zu Kiros um und nickte unmerklich. Kiros lächelte zurück und drückte einen kleinen Knopf...

Ein paar Stockwerke tiefer piepte etwas laut in Ellione Kramers Jackentasche. Sie zog den Pieper heraus und warf einen schnellen Blick aufs Display.
"Entschuldigen Sie mich, ich werde gebraucht", sagte Ellione zwei Mitarbeitern und verschwand schnell um die Ecke. In einem kleinen Gang zog sie genau so ein Gerät wie das von Kitisa hervor. Sie drehte an einem Rad bis "Onkel Laguna" auf dem Display stand und drückte dann das Rad in den kleinen Kommunikator.
"Ja?", meldete sich Lagunas Stimme.
"Onkel Laguna? Ein heißer Kaffee wartet in ihrem Büro", sagte Ellione mit einer aufgesetzten Höflichkeit und lächelte.
"Was ein Notfall von größter Wichtigkeit? Ich komme sofort zu Ihnen", kam Lagunas gespielt besorgte Stimme zurück.

"Sie gehen?", fragte die Frau, die direkt neben Kitisa saß und den kleinen Staat Trabia repräsentierte.
"Ja, nationale Angelegenheit. Ward hier wird übernehmen", meinte Laguna und deutete auf seinen großen massigen Freund.
"Der kann aber nicht reden! Er ist stumm!", rief Kitisa und kauerte schnell in seinem Sitz zusammen, als Ward ihn finster ansah.
"Einmal auf den Tisch hauen bedeutet ja, zweimal nein. Entschuldigen Sie mich bitte", sagte Laguna, warf noch einen Blick auf Bail Organa, der ihm wieder zuzwinkerte und verließ dann die Sitzung.

Laguna ging in sein Büro, wartete einen Moment und trat dann frustriert einen Papierkorb in die Ecke.
"Idioten! Vollidioten!", brüllte er laut.
"Habe ich deine sanfte Stimme vernommen?", fragte Kiros, der lächelnd das Büro betrat.
"Nie wieder gehe ich da wieder zurück", fluchte Laguna.
"Und du wirst es trotzdem tun", meinte Kiros lässig.
Laguna fiel schon optisch vom Rest der Politiker ab. Lange Haare zu einem Pferdezopf und ein hellblaues Hemd vertrugen sich schlecht mit grauem Seitenscheitel und dem humorlosen Anzug von Kitisa.
"Bist du gekommen, um mir das zu sagen?", fragte Laguna grimmig.
"Nein... du solltest wissen, dass Squall Leonhart soeben die Residenz betreten hat."

Squall sah sich lange in der überfüllten Eingangshalle der Residenz um.
"Und wie finden wir nun deine Freundin?", fragte Cifer.
"Unsere Freundin. Du warst auch mit uns im Waisenhaus und hast sogar ab und dann mit ihr gespielt, wenn ich mich recht erinnere", meinte Squall spitz.
"Wie finden wir sie? Die Leute gaffen schon", sagte Cifer und blickte drohend zu einer Gruppe von jungen Männern, die ängstlich weitergingen.
"Naja, du siehst auch nicht gerade sehr offiziell aus", entgegnete Squall und blickte an Cifers zerrissenen Mantel herunter.
"Ich könnte ein paar Wachen killen, dann wissen zumindest die Leute, dass wir da sind", knurrte Cifer.
"Du könntest es aber auch lassen!"
Squall blickte sich um. In der Menge stand Ellione und kam lächelnd auf sie zu geschritten.
Sie trug offizielle Kleidung, die sie wesentlich älter aussehen ließ, als sie eigentlich war. Squall fiel auf, dass sie inzwischen eine sehr natürliche Autorität ausstrahlte.
"Wir wollen Informationen. Rinoa ist letzte Nacht verschwunden. Ist sie vielleicht hier durchgekommen?", fragte Cifer.
"Rinoa ist verschwunden?", fragte Ellione besorgt.
"Also nicht. Squall, wir gehen!", rief Cifer und war bereits auf dem Weg zum Ausgang.
Squall fühlte ein ungutes Gefühl im Magen. Ellione war so was wie ein Hoffnungsschimmer gewesen.
Auch sie sah besorgt aus... Schweiß stand auf ihrer Stirn... ihre Augen wurden leer, sie atmete schnell...
"Ellione, ist alles ok?", fragte Squall.
Ell atmete immer schneller.
"Oh... was ist das...", flüsterte sie noch, als würde sie irgendwas sehen, was niemand sonst sehen konnte, bevor sie bewusstlos zusammenbrach
Squall kniete sich neben sie hin.
"Hilfe, wir brauchen Hilfe!", schrie er in die Menge.
Er hörte von allen Seiten Gemurmel. Die Menschen drängten sich um ihn herum. Ihr Blick wanderte von Ellione zu Squall und wieder zurück. Squalls Herz schlug schneller und schneller.
Er fühlte Ells rasenden Puls. Ihr Kopf glühte förmlich.
"Verpisst euch, ihr Gaffer!", dröhnte eine Stimme.
Cifer rempelte die Menge beiseite und kniete neben Squall. Er legte eine Hand auf Ells Stirn und murmelte ein paar Worte.
"Medica", flüsterte er.
Squall spürte eine neue Wärme durch Ells Körper fließen, ganz anders als die kalte Fieberhitze.
Schläfrig schlug sie ihre Augen auf.
"Wo bin ich?", flüsterte sie.
"Halt durch, wir bringen dich an einen ruhigeren Ort", gab Squall zurück und hob Ellione hoch.
Er trug sie durch die Menge. Wild blickte er um sich und versuchte, jemanden zu erreichen, der ihm helfen konnte, doch nur neugierige Gesichter schauten zurück.
"Squall!"
Kiros stand oben auf der Treppe.

"Es geht schon wieder", flüsterte Ellione, während Laguna immer wieder versuchte, ihr ein Glas Wasser in die Hand zu drücken.
"Dann trink das hier wenigstens", meinte er warmherzig.
Ellione nickte und trank einen Schluck.
"Mensch, Squall, wärst du nicht da gewesen...", sagte Laguna und stand auf.
"Hallo erst mal", meinte Squall.
Die beiden umarmten sich kurz.
"Fünf Jahre seid 'Liebe, Mut & Freundschaft', oder?", fragte Laguna.
"Liebe, was?", fragte Cifer ungläubig.
"So hieß die Operation damals gegen die Lunatic Pandora", erklärte Squall.
"Im Ernst? Hattet ihr immer so geile Namen? Wie wär`s mit 'Rumsitzen, Quatschen & Popeln' für unsere aktuelle Mission", schnaubte Cifer und ließ sich auf einer der sehr bequemen Sitzgarnituren nieder.
"Du bist Cifer, oder?", fragte Laguna in einem Tonfall als entdeckte er etwas Schmutziges an der Wand.
"Er hat nicht ganz Unrecht. Laguna, Rinoa ist verschwunden. Mitten in der Nacht war sie plötzlich weg und hat keine Nachricht oder irgendwas hinterlassen. Ich mach mir langsam Sorgen um sie und ich dachte, Ellione könnte uns helfen", sagte Squall.
"Das Mädchen ist verschwunden?"
Laguna sah plötzlich sehr besorgt aus.
"Weißt du irgendwas?", fragte Squall.
"Hm nein, bloß das könnte in Verbindung zu einem Phänomen stehen, was wir beobachten. Magie und Monsterkonzentrationen nehmen stetig zu. Innerhalb der letzten Woche gab es einen solchen Zuwachs. Und jetzt auch noch Ells Zusammenbruch, das Verschwinden von Rinoa.
Es können natürlich nur Zufälle sein. Aber ich weiß nicht. Ich hab da ein ganz mieses Gefühl. Irgendwas ist da draußen. Außerdem..."
Laguna brach ab.
"Außerdem was?"
"Nichts, is nix von Bedeutung", murmelte Laguna.
"Ist nicht von Bedeutung? Laguna, wenn Rinoa da draußen alleine mit irgendwas Bedrohlichen ist, hat alles eine Bedeutung!", sagte Squall eindringlich.
Laguna wollte gerade seinen Mund öffnen, als jemand den Raum betrat.
"Gouverneurin Kramer, ein Notruf vom Mausoleum", sagte ein Diener.
"Ich komme", sagte Ellione und stand zügig auf.
"Nein, wirst du nicht, du bist noch zu schwach", rief Laguna.
"Wird schon..."
"...Nein... Squall, kannst du sie bitte begleiten? Falls ihr wieder was zustößt. Ich würde gern, aber ich muss zu ein paar Idioten zurück", sagte Laguna.
Cifer schnaubte.
"Auf keinen Fall, wir müssen..."
"Oh, soeben wurde ein riesengroßes Monster gesichtet!", rief der Diener.
"Wo ist das Lufttaxi?", sagte Cifer und verließ flott den Raum.

Bereits von weiten konnten sie am Horizont eine Rauchsäule sehen.
"Das sieht ernst aus", sagte Ellione besorgt, während der Gleiter zügig auf das Mausoleum zu raste.
"Eine Nachricht vom Leiter des Mausoleums", meldete der Fahrer.
"Gouverneurin Kramer? Zanso Dorghan, Direktor des Mausoleums. Ein riesengroßes Monster ist aufgetaucht... Es ist hier nicht sicher, besser, sie warten, bis die Gefahr gebannt ist. Wir..."
Die Stimme brach ab.
"Hm, das kriegen die nicht hin. Besser, wir greifen ein", meinte Cifer sehr ernst und prüfte seine Gunblade.
Squall wurde wieder mulmig im Bauch. Er wusste, dass es mit seinen kämpferischen Fähigkeiten im Moment nicht sehr weit her war. Irgendwie wünschte er, er hätte mehr Zeit gehabt, sich auf Vordermann zu bringen.
"In 20 Sekunden erreichen wir das Mausoleum", rief der Fahrer.
Squall holte sein Schwert heraus. Er prüfte, ob alle Kammern im revolverähnlichen Griff des Schwertes gefüllt waren.
"10 Sekunden bis zur Ankunft."
Ellione holte eine Tasche mit Heiltränken heraus.
"Ich werde mich um die Verwundeten kümmern", meinte sie knapp.
Cifer blieb ruhig.
"5 Sekunden."
Der pyramidenartige Bau türmte sich langsam vor ihnen auf. Soweit sie es überblicken konnten, befand sich auf dem Dach ein großes Loch, aus dem schwarzer Rauch hervorquoll.
"3...2...1. Absprung!", rief der Fahrer.
Der Gleiter kam zum stehen, alle Türen öffneten sich.
Cifer und Squall sprangen heraus.
Staub und heißer Wind kam Squall entgegen. Überall rannten Soldaten herum und schrien sich Dinge zu. Aus dem Mausoleum kamen Soldaten mit Tragen, auf denen Verwundete lagen.
Ein großer, schwarzer Mann rannte auf die Gruppe zu.
"Zanso Dorghan. Es kam vom Himmel, ein Monster, wie wir es noch nie gesehen haben. Es ist im Mausoleum. Unsere Soldaten warten, bis es herauskommt. Derweil versuchen wir, Überlebende zu bergen", rief Dorghan in einer angenehm tiefen Stimme. Er schien einer der Menschen zu sein, die auch in Paniksituationen immer ruhig blieben.
"Wieviele Tote gibt es?", fragte Ellione.
"Ich weiß von Zweien und einer ist schwerverletzt..."
"Was machen die da? Tanzen?", schnitt Cifer dazwischen und deutete auf die Soldaten, die nervös um die Pyramide herum rannten.
Cifer schnaubte und rannte auf die Soldaten zu.
Er griff zwei von ihnen am Nacken und schubste sie weg. Aus seiner Tasche kramte er etwas und warf es ihnen vor die Füße.
"Hier 3 Gil. Kauft euch Lollies von und geht zu euren Mamis", rief Cifer.
"Ich hasse es, wenn er das tut", murmelte Squall und rannte hinterher.
Die Erde erzitterte. Ein gewaltiges Fauchen kam aus dem Mausoleum.
"Es kommt heraus", flüsterte Cifer Squall zu.
Ein gewaltiges Krachen. Durch den Rauch schoss etwas raketenartig aus dem Dach und blieb ein paar Meter über dem Mausoleum stehen.
Durch die Sonne und den Rauch erblickte Squall ein riesengroßes Monster. Zwei große Flügel und ein Schnabel, womit es ihn am ehesten an einen mutierten gigantischen Vogel erinnerte.
"Was ist das?", fragte er Cifer, doch Cifer schüttelte nur den Kopf.
Das Monster blickte zu Squall und Cifer herunter. Squalls Magen zog sich zusammen. Hatte das Monster ihn gerade fixiert? Das Monster stieß einen großen Schrei aus und flog auf die beiden zu.
"Scheint sauer zu sein", presste Cifer hervor und warf sich zur Seite.
Squall wich dem heranfliegenden Monster aus. Der Schnabel schnappte nach seinen Beinen und verfehlte ihn nur um Haaresbreite.
Die Soldaten feuerten auf das Monster. Das Wesen stieß einen wütenden Schrei aus und schlug kräftig mit seinen Flügeln.
Ein Windstoß entstand und warf die Soldaten mehrere Meter zurück. Dann wandte sich das Monster zu Squall.
"Hast du es etwa auf mich abgesehen?", flüsterte er.
"Hey, dein Feind steht hier", brüllte Cifer dem Wesen zu.
Er rannte von hinten auf das Monster zu und hieb auf seinen Flügel ein. Fast beiläufig schlug das Wesen mit dem Flügel auf Cifer ein. Er flog mehrere Meter durch die Luft und blieb bewusstlos liegen.
"Cifer!", brüllte Squall.
Dann hob er sein Schwert. Das Wesen hatte mühelos mehrere Soldaten und Cifer ausgeschaltet und hatte es anscheinend auf ihn abgesehen.
Squall machte langsam ein Schritt zurück. Er atmete schwer, der Staub trocknete sein Mund aus. Die Sonne knallte in sein Nacken. Alles war nass, er war ausgetrocknet.
Das Monster folgte ihm langsam. Es beobachtete ihn argwöhnisch.
Speichel kam aus seinem Schnabel.
Plötzlich drehte sich Squall um und rannte weg.
Er hörte hinter ihm einen Schrei und spürte, wie das Monster hinter ihm her geflogen kam. Der Wind wurde stärker, er spürte den heißen Atem. Die Sonne knallte ihm ins Gesicht, blendete ihn.
Squall sah undeutlich das Mausoleum, die Treppe, die auf die Spitze führte.
Er rannte die Treppe hoch.
Auf einmal war die brennende Sonne weg. Er war im Schatten.
Er blickte hoch. Das Monster war über ihn und ließ seinen Flügel herabsausen.
Krachend schlug es neben Squall ein und zertrümmerte die halbe Pyramide.
Squall verlor den Boden unter den Füßen, als die Treppe einstürzte.
Er versuchte mit seiner Hand irgendwas zu greifen. Ein Vorsprung. Sein Schwert fiel ihm aus der Hand und landete klirrend 20 Meter unter ihm auf dem Boden.
Squall drehte sich um. Das Monster näherte sich, sein Schnabel öffnete sich bedrohlich.
Auf einmal kreischte es aus. Am Kopf hatten ihm mehrere Sterne getroffen. Ninjasterne...Shuriken.
"Squall!"
Über ihm stand jemand, eine Hand war ausgestreckt. Squall griff nach ihr und wurde nach oben gezogen.
Er blickte seinem Gegenüber in die Augen.
"Niida? Aber du bist..."
"...anscheinend immer da, wenn ich gebraucht werde", meinte Niida grinsend.
In seiner Hand hielt er ein paar Ninjasterne.
Das Monster flog wieder etwas höher. Niida und Squall wichen langsam zurück.
Hinter ihnen lag das klaffendes Loch, durch dass das Monster in das Mausoleum eingedrungen war.
"Ich muss runter mein Schwert holen. Kannst du es ablenken?", fragte Squall Niida.
Ohne eine Antwort abzuwarten, rannte Squall zur Treppe. Das Monster hielt auf ihn zu, doch über Squalls Kopf zischten die Shuriken und trafen das Wesen am Kopf.
Squalls stolperte die Treppe herunter und sah sich hektisch nach seiner Waffe um.
Im Staub lag sie. Er machte einen Satz und griff sie.
Er sah nach oben. Das Monster stürzte auf ihn zu.
Squall holte einmal aus und traf das Monster am Kopf.
Es schrie auf und landete unsanft im Staub. Squall machte einen Schritt auf ihn zu.
Das Blut pochte ihm in den Ohren und er fühlte eine Wut wie schon lange nicht mehr.
Er schlug mehrmals auf Monster ein, dass immer heftiger aufschrie. Niida stand derweil auf der Treppe und warf seine Shuriken.
Mit einem gewaltigen Aufschrei schlug das Monster auf einmal mit seinen beiden Flügeln.
Ein gewaltiger Tornado erfasste Squall und warf ihn mehrere Meter zurück. Mit einem letzten Schrei schwang sich das Monster in die Lüfte und schwebte zum Himmel und war binnen weniger Sekunden verschwunden.

"Und ihr habt das ohne mich erledigt?"
Cifer sah Squall skeptisch an.
"Was auch immer es war, es ist geflohen. Hoffen wir, dass es nicht zurückkehrt", meinte Squall und setzte sich erschöpft auf einen abgesprengten Brocken des Mausoleums, der jetzt im Staub lag.
Er blickte sich um. Die Sonne war bereits fast verschwunden und ein angenehmer kühler Wind blies ihm ins Gesicht. Der Himmel war nun blutrot.
Etwas weiter weg stand Ellione und unterhielt sich lebhaft mit Zanso Dorghan.
Cifer ging kurz etwas weiter weg, vermutlich um kurz alleine zu sein.
Squall blickte zum Boden. Vor gut zwei Tagen hatte er mit Rinoa auf ihrem Balkon gesessen und alles war so friedlich gewesen. Und nun war er hier und duellierte sich wieder mit Monstern und führte ein Leben, dass er eigentlich ein für alle Mal abgeschworen hatte. Was ging hier vor?
Jemand hielt ihm eine Flasche Wasser hin.
"Danke Niida", sagte er erleichtert und trank die Flasche in einem Zug leer. Er merkte erst jetzt, wie lange er nichts mehr gegessen hatte.
Niida war nicht mehr in seiner offiziellen SEED Uniform, sondern trug nun privatere Sachen und ein Halstuch. In der Hand trug er seine Shuriken, die er anscheinend bis eben eingesammelt hatte.
Er setzte sich neben Squall.
"Was machst du hier?", fragte Squall nach einer Weile.
Niida zeigte ihm wortlos ein Zeitungsausschnitt.

GEHEIMNIS UM ZAUBERSTEIN BALD ENTHÜLLT?

"Du liest die 'Esthar Moonlight'? Dieses Schundblatt?", fragte Squall.
"Es geht um das, was drin steht", entgegnete Niida.
"Und was steht da drin?"
"Es geht um die Hexenstatue von Dori, ein ziemlich legendäres Fundstück aus der Centra Ära, dass man vor ein paar Jahren ausgegraben hatte. Sie liegt heute in Galbadia, genauer gesagt in der DEFTAA, eine Organisation, die unter der alten Diktatur entstanden ist und sich auf die Ausgrabung alter Relikte spezialisiert hat", erklärte Niida.
"Und?"
"Nun, die Hexenstatue bildete die Hexe Dori ab und diese trug stets einen Stein in ihrer Hand. Doch seit ein paar Tagen ist dieser Stein verschwunden... und statt dessen ist dort nun ein merkwürdig schimmerndes Artefakt. Ein Artefakt mit einem Erdzeichen. Videobänderanalysen haben ergeben, dass niemand sich an der Statue hat zu schaffen machen", meinte Niida.
Squall blickte desinteressiert auf den Zeitungsauschnitt.
"Aber, warum bist du in Esthar? Galbadia liegt am anderen Ende der Welt", meinte Squall.
"Du warst gestern da und hast von Rinoas Verschwinden erzählt. Ich habe darauf, um sie zu suchen, eine Karte mit Magiekonzentration aufgerufen, da sie ja eine Hexe ist und man sie vielleicht somit orten kann. Ich habe bemerkt, dass die Konzentration um Deling City, der Hauptstadt Galbadias seit mehreren Tagen stark angestiegen ist, allerdings auch schon wieder abnimmt, als hätte es einen kurzen Ausbruch von Magie gegeben. Das exakt gleiche Phänomen beobachtete ich in Esthar, genauer gesagt: Hier am Mausoleum. Die exakt gleiche Zeit mit der absolut gleichen Konzentration.
Irgendwas hat diesen Stein in Deling zurück verwandelt. Und ich glaube, wir werden ein Pendant auch hier finden", meinte Niida fest.
"Dann viel Glück", meinte Squall trocken.
Niida schwieg kurz.
"Weißt du eigentlich, was das eben für ein Monster war? Ich habe früher immer liebend gerne als Zeitschriften über Okkultismus gelesen und die Beschreibung passt haargenau. Dieses Monster nannte man einen 'Aquila', eine Art, die seit mehreren Jahrtausenden als ausgestorben gilt. 'Aquilas' gelten nach der Legende als die Diener von Hyne", schloss Niida.
"Hyne? Ist das nicht..."
"...der Schöpfer der Menschen, so sagt man. Und vor allem gilt er als der..."
"...Urvater der Hexen. Seine Töchter, die seine Kräfte bis heute weitertragen und vererben."
Cifer war dazu getreten.
"Rinoa ist eine Hexe. Vielleicht ist sie wegen diesen Relikten verschwunden", meinte Niida eifrig.
"Die Geschichte um Hyne ist eine Legende", meinte Squall langsam.
"An die viele Leute glauben. Und vielleicht hat auch Rinoa daran geglaubt", entgegnete Niida.
"Quatsch, davon hätte ich gewusst. Rinoa hat sich überhaupt nicht um diese Kräfte gekümmert, wieso sollte sie deswegen verschwinden? Außerdem hätte sie mir davon erzählt", sagte Squall.
"Und was ist, wenn sie dir das verschweigen wollte? Wie gut kanntest du sie wirklich?", fragte Niida.
"Ok Kumpel, Fragestunde zu Ende. Hau ab, such du deine Steine, wir suchen Rinoa, klaro?", sagte Cifer und stand auf.
"Ich werd auf alle Fälle zu Professor Odyne gehen. Vielleicht weiß der was...", rief Niida ihnen hinterher
Squall und er gingen ein paar Schritte.
"Ellione ist vorhin bewusstlos geworden. Vielleicht hing das auch mit dieser merkwürdigen Macht zusammen", sagte Squall langsam.
"Du wirst dem Typen doch nicht ein Wort glauben? Der will einen Abenteuerurlaub und nicht Rinoa finden", meinte Cifer leise.
Squall nickte langsam.
Ein Aufheulen von Motoren unterbrach seinen Gedankengang.
Mehrere Gleiter waren angekommen. Wissenschaftler stiegen aus.
"Ok, Odyne will das ganze Areal durchsucht wissen. Stellt den Volunt-Messer auf 95%. Nach allem, was wir wissen, besteht das Relikt aus Volunt, also, wenn wir Glück haben, sollten wir es finden", sagte einer der Wissenschaftler.
"Volunt? Den Namen hab ich ja ewig nicht mehr gehört", hörte Squall Ellione sagen, die gerade an ihnen vorbeigegangen war, um die Wissenschaftler zu begrüßen.

Squall beobachtete desinteressiert die Arbeit der Wissenschaftler. Was sollte er nun tun? Er hatte keinerlei Hinweise auf Rinoas Aufenthalt und die mystische Erklärung von Niida sagte ihm nicht zu. Er versuchte sich angestrengt an irgendeinen Streit zu erinnern, den er vielleicht mit Rinoa gehabt haben könnte. Irgendwas...
Langsam verschwamm vor seinem Auge die Landschaft. Die Luft flimmerte... Alles wurde undeutlich.
Durch die verschwommene Sicht sah er auf einmal einen Lichtstrahl. Hell und gleißend. Er hörte etwas... weinte dort jemand? Es wäre, als würde ein alter Mann weinen...
Der Lichtstrahl formte sich zu einer wunderschönen Kugel. Eine Kugel aus Licht mit einem schimmernden Symbol drinnen...es sah aus wie eine Träne.
Er atmete modrige Luft ein.
Squall blinzelte. Er war im Mausoleum. Wie war er hier hereingekommen?
In seiner Hand lag eine merkwürdige Kugel.

"Du hast es gefunden. Du hast das Artefakt wirklich gefunden!"
Niida sah Squall groß an.
Sie standen wieder draußen.
Die Wissenschaftler standen dicht gedrängt um den Stein herum.
"Bestätigung. Der Stein ist das reinste Volunt, was wir jemals gesehen haben", sagte eine Frau zufrieden.
"Am besten, wir bringen es sofort zu Odyne zum Tears Point", meinte ein anderer.
"Volunt. Dieses verfluchte Metall!", knirschte Ellione.
"Ist das nicht eine magieabsorbierende Substanz?", fragte Niida.
"Kann man so sagen. Es wurde von Professor Eza Ezkume entdeckt, der es nach seiner großen Liebe Volunta Lovunat benannte", sagte Ellione grimmig.
"Dem Gründer der Anti-Adells, der Gruppe, die Adell gefangennahm und Esthar den Frieden brachte?", fragte Niida erstaunt.
"Ja. Volunt ist ein Metall. Er nannte es das 'Blut des Planeten'. Extrem magieabsorbierend, wurde aber eben zu Stein, sobald es an der Luft war. Er entwickelte jedoch eine Methode, mit der es auch an der Luft in seiner Form blieb. Naja, er wollte daraus eine Waffe bauen, denn eine Hexe ohne Magie ist eben... einfacher zu besiegen. Ezkume und seine Leute hatten ihre Basis oben in den Bergen. Um sich vor Adell zu verstecken, hatten sie einen magischen Schild errichtet. Dann jedoch gab es ein Unfall. Volunt absorbierte mal eben den Schild und Adell wusste sofort, wo sie sich befanden. Sie ließ alle hinrichten. Grausames Weib, gut, dass du sie damals erledigt hast, Squall. Anders als Odyne, der immer forscht, egal unter wem, war Ezkume ein politischer Wissenschaftler. Er war früher Odynes Assistent gewesen. Dann kam es wegen Adell zwischen ihnen zu Zerwürfnissen. Nach seinem Tod entdeckte Odyne seine Forschungsergebnisse, die bis heute Grundlage seiner Magieforschung sind. Ohne Ezkume würde die ganze Magieforschung praktisch nicht existieren", sagte Ellione zu Squall. Squall schüttelte den Kopf.
"Hör mal, Ellione, ich glaub, wir müssen weiter. Das ist ja alles sehr interessant, aber..."
"Wartet mal. Wenn die Artefakte aus Volunt bestehen und die sich nun von Stein in diese Relikte verwandelt haben und ganz alleine an der Luft existieren können... das bedeutet ja, dass dies bei Volunt auch der Fall ist. Und der Legende nach ist Volunt das 'Blut Hynes'", meinte Niida eifrig.
Squall blickte zu Cifer. Dies entwickelte sich langsam zu etwas, was seinem ursprünglichen Vorhaben weit entgegenstand.

Es war inzwischen fast stockdunkel. Langsam verließen immer mehr Menschen das inzwischen unbrauchbare Mausoleum. Zanso Dorghan war noch einer der letzten Anwesenden und half den Wissenschaftlern, ihre Gerätschaften wieder zu verstauen.
"Und was machen wir jetzt?", fragte Cifer.
Squall hielt seinen Kommunikator in der Hand und lauschte angestrengt. Nach einer Weile schüttelte er den Kopf.
"Zu Hause geht immer noch niemand ran. Auf alle Fälle ist Rinoa nicht nach Hause zurückgekehrt. Wäre ja auch zu schön gewesen..."
"Rinoa Heartilly?"
Ein Wissenschaftler sah Squall an.
"Ja, genau die", antwortete Squall langsam.
"Die war bis vor ein paar Stunden bei uns unten am Tears Point. Glaube, sie musste irgendwas mit dem Professor bequatschen", sagte der Wissenschaftler schulterzuckend.

Der Tears Point war einer der unheimlichsten Orte der Welt. Hier war die Anziehungskraft für die Monster aus dem Weltall am höchsten. Vor langer Zeit hatten hier die Hexen mit Hilfe eines riesigen Monolithen, der Lunatic Pandora versucht, die Anziehungskräfte zu verstärken und somit zusätzlich Monster vom Himmel zu holen.
Nach Adells Fall war der Tears Point lange verlassen gewesen. Nun hatte hier Professor Odyne sein Lager aufgeschlagen.
Der Transporter war noch nicht zum Stehen gekommen, da hatte Squall ihn bereits verlassen.
Professor Odyne stand etwas weiter weg und beobachtete aufmerksam mehrere Bildschirme.
"Das Volunt sei wirklich in Bewegung, oder? Die Energiewellen der Welt seien in der Tat stark im Wandel, oder? Dies möge was mit dem Verschwinden der Lunatic Pandora zu tun haben, oder?"
Odynes Sprechweise war nicht das Einzige, was Squall an dem Typen störte. Odyne mag ein großer Wissenschaftler seien, Menschlichkeit gehörte nicht zu seinen Stärken.
"Odyne!", rief Squall.
"Oi, Squall Leonhart sei gekommen, oder? Sein Eintreffen hier sei nicht gänzlich unerwartet für den großen Odyne, oder? Der große Odyne sehe alles voraus, oder?", meinte Odyne.
"Rinoa? Ist sie hier?", fragte Squall hektisch.
"Sie sei hier gewesen, oder? Bis vor kurzem sei sie hier gewesen, doch nun habe sie Esthar verlassen, oder?", erklärte Odyne.
"Wo ist sie? Wo wollte sie hin?", fragte Squall.
"Das habe sie nicht gesagt, oder? Sie meinte, Gefahr würde drohen und sie wollen das Leben des großen Odynes nicht belasten, oder? Der große Odyne schätze, wenn Menschen selbstlos seien..."
Squall fluchte laut und drehte sich weg.
"Es möge Squall interessieren, was Rinoa hier wollte, oder?", sagte Odyne.
Squall drehte sich um.
"Rinoa habe großes Interesse an den Veränderungen in der Welt gezeigt, oder? Sie habe gewisse Ereignisse lange beobachtet, oder? Sie sei sehr abwesend gewesen, oder? Sie habe sich für die Artefakte interessiert, oder? Nervös und unruhig sei sie gewesen, als sei sie auf der Flucht vor jemandem, oder?"
"Auf der Flucht? Vor wem denn?", fragte Squall laut.
"Vielleicht vor dir", schlug Niida locker vor.
Squall brachte ihn mit einem Blick zum Schweigen.
"Doch vor allem habe Rinoa eine Sache gewollt, oder? Sie habe das hier von mir gewollt, oder?", sagte Odyne, der seine Stimme nun zu einem Flüstern gesenkt hatte.
Er holte ein Gerät aus seiner Tasche.
"Dies sei ein CuBeam Modul mit Gamma Scan Funktion, oder? Der große Odyne habe es entworfen in einem Anfall von Genialität..."
"Warum wollte Rinoa ihren Körper analysieren lassen?", fragte Ellione dazwischen.
Squall hatte einen Verdacht.
Odyne drückte einen Knopf.
Ein Hologramm erschien. Vor ihnen schwebte eine Aufnahme von Rinoas Innenleben. Squall wusste sofort, was er vor sich hatte. Sein Herz schlug schneller und alles in ihm schien sich zu drehen...
"Ein Kind... Rinoa ist schwanger?", fragte Ellione ungläubig.
Alle drehten sich zu Squall.
"Ich weiß... ich wusste es nicht. Sie hatte es mir nicht gesagt... doch letzte Nacht, da hatte ich einen Traum...mehr als das. Ich sah dort, dass sie schwanger war... ich wusste es...", sagte Squall leise.
"Du hattest eine Vision! Das ist der Beweis, dass die Relikte mit Rinoa..."
Weiter kam Niida nicht, denn Cifer hatte ihm unsanft ins Gesicht geschlagen.
Squall ging wortlos von Odyne weg. Dieser widmete sich ganz dem ominösen Fund aus dem Mausoleum und befragte Ellione nach ihrem Gesundheitszustand.
Cifer kam zu Squall herüber.
"Du... hast eine Verbindung zu ihr, oder? Du siehst sie manchmal in deinen Träumen... als ob euer Geist verschmolzen wäre. Obwohl ihr getrennt seid... spürst du sie", meinte er langsam.
Squall wollte in Cifers Augen sehen, doch es war inzwischen zu dunkel. Seine Stimme war jedoch merkwürdig, ganz anders als sonst.
"Kann schon sein", entgegnete Squall.
Cifers Schatten nickte. Dann fuhr er wieder in seiner Art fort:
"Gut, dann hab ich mit dir wirklich mehr Chancen sie zu finden. Ach ja und... Herzlichen Glückwunsch!", sagte er und ging weg.
Squall setzte sich auf den Boden.
Der Tag zog noch einmal an seinem inneren Auge vorbei. Elliones Zusammenbruch, das Monster, das merkwürdige Artefakt... das Gefühl, dass irgendwas ihn beobachtete... und das Gefühl, dass ihm jemand entrissen worden war. Das ein Teil von ihm fehlte... dass er nicht mehr vollständig war.
Niidas Worte hallten unangenehm in seinen Kopf nach...
Wie gut kannte er sie wirklich?
"Was für ein beschissener Tag."

Da es schon sehr spät geworden war, hatten sie beschlossen, am Tears Point zu übernachten. Schlafsäcke waren bereit für sie bereitgestellt worden.
Squall hatte keine Vorstellung, wo sie am nächsten Tag weitermachen sollten. Im Prinzip war Niidas Vorschlag, nach Galbadia zu gehen, gar nicht so falsch. Da Rinoa nun auch an den Artefakten interessiert war, könnte es sein, dass sie sich nun auch auf das Artefakt in Galbadia konzentrieren würde.
Der harte Boden verursachte bei ihm Kopfschmerzen. Außerdem ließ ihn ein anderer Gedanke keine Ruhe...
Er stand auf und huschte zu den Monitoren rüber, wo immer noch Odynes Gerät lag. Die Bildschirme summten fröhlich vor sich hin und werteten irgendwelche Ergebnisse aus.
Squall nahm das Gerät, ging etwas von den anderen weg und aktivierte es.
Das Hologramm seines wenigen Monate alten, ungeborenen Kindes erschien. Für einen Moment sah er es an und dann langsam berührte seine Hand zart das Bild und ging flüssig durch das Hologramm durch.
Das schwache Leuchten des Hologramms warf ein schwaches Licht auf Squalls Gesicht. Ansonsten war es dunkel.
Beinahe die ganze Nacht saß Squall regungslos vor dem Hologramm und erst kurz vor den ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages, packte er es zusammen, legte sich schlafen und fiel in einen unruhigen Schlaf.