FFVIII: Aomes Trianirea - Kapitel 18

Am Ende der Fäden

verfasst von ShadowFlame

Es waren Wochen des Leidens und des Überlebens in diesem dunklen, furchtbaren Raum gewesen. Irgendwann hatte sich der Tod zu ihm gesellt, der nur noch darauf gewartet hatte, dass Verzweiflung, Hunger und Sehnsucht ihm den Willen zum Leben nahmen. Doch nachdem seine Kräfte bereits angefangen hatten, ihn zu verlassen, hatte er eine Stimme gehört. Er musste weiterleben, hatte sie ihm gesagt. Er hätte dort bleiben, die Feuchtigkeit von den steinernen Wänden saugen und sich vom modrigen Holz ernähren können, doch das war kein Überleben, sondern ein Hinauszögern des Todes. Doch er hatte es irgendwie geschafft zu fliehen. Er wusste nicht wie, aber das interessierte ihn jetzt kaum mehr. Zuerst war alles schwarz. Dann dunkelblau, es wurde heller und nun blendet ihn das helle Blau des Himmels in seinen Augen.
Cifer spürte die Wellen. Das Meer lag hinter ihm, ein riesiger Strand vor ihm. Er betrachtete seine rechte Hand. Jemand hatte sie in den letzten Stunden gehalten und so Cifer auf wundersame Weise zur Oberfläche gezogen.
"Endlich...", flüsterte er.
Stunden vergingen und die Sonne brannte auf seinen durchnässten Sachen. Die Wellen berührten nun seine Beine nicht mehr. Es herrschte Ebbe. Cifer meinte, soeben ein Kinderlachen vernommen zu haben. Er richtete seinen Blick nach vorne. Vor seiner Nase stand ein Zylinder aus Sand. Er versuchte über den Zylinder drüber zu blicken und sah die überraschten Augen eines kleinen Jungen, die ihn fassungslos anstarrten. Hinter diesen sah er ein um ein paar Jahre älteres Mädchen laufen.
"Mami! Da liegt ein Mann!", rief sie mehrmals hintereinander und rannte zu ihren Eltern.
Cifer richtete sich schnell auf und schüttelte den Sand ab. Ihm war klar, dass er keine Zeit zum Ausruhen hatte. Er wusste nicht, wie lange er weg gewesen war. Vermutlich viel zu lange. Squall und Rinoa... Warum hatte niemand nach ihm gesucht? War ihnen etwas zugestoßen? Die Zeit war ohne ihn weiter gelaufen. Es galt, schnellstens wieder aufzuholen. Als die Eltern der Kinder angerannt kamen, war Cifer bereits verschwunden. Nur seine Fußabdrücke verrieten, dass er nach Westen aufgebrochen war...

"... Die Wahllokale werden in ganz Galbadia noch bis 11 Uhr geöffnet haben. Durch die Überfüllung aufgrund der hohen Wahlbeteiligung ist aber damit zu rechnen, dass die letzten erst um 13 Uhr schließen werden. Das 'Statistik-Institut Galbadia' hat dennoch angekündigt, dass die Ergebnisse um 18 Uhr bekannt gegeben werden können. Wir schalten um nach Deling City auf ein Gespräch mit Präsidentschaftskandidat Aloin."
Rinoa schien sich aufzurichten, während sie leicht abwesend an ihrem Tee nippte. Squall seufzte, lehnte sich mit verschränkten Armen zurück und blickte etwas genervt auf den Fernseher. Das Wetter draußen war grauenhaft. Nebel, Regen, Schnee und Matsch soweit das Auge reichte. Umso gemütlicher war es in der Mensa, die immer mehr zum Aufenthaltsraum der Anwesenden im Garden wurde. Nicht zuletzt, um die zahlreichen Wahlreportagen im Fernsehen anzusehen. Acht Wochen waren vergangen und der entscheidende Tag war endlich gekommen. Squall ließ es sich nicht anmerken, aber insgeheim war er froh, dass es endlich zu Ende ging.
"... Und in aller Bescheidenheit darf ich dennoch behaupten, dass es für meinen Gegner Cecil Kitisa wenig Hoffnung gibt, die Wahl jetzt noch für sich entscheiden zu können."
"Egal wie oder über wen er redet, er wirkt nie unsympathisch", meinte Rinoa.
Squall grummelte etwas unverständliches, doch Rinoa schien zu ahnen, dass es nicht gerade Pro-Aloin gewesen war.
"Ach, ich weiß einfach nicht, was du gegen ihn hast!", sagte Rinoa.
Squall gab keine Antwort. Rinoa kam ihm in den letzten Wochen etwas aufgekratzt vor. Aber wie könnte er ihr es verübeln? Sie war nun im neunten Monat hochschwanger und selbst das Leben im Garden war bereits sehr anstrengend für sie. Der Besuch beim Hauptquartier von Per Manum, wo die beiden auf Volunta Lovunat getroffen hatten, war der letzte Einsatz für sie gewesen. Squall und Cifer hatten in der Zwischenzeit an insgesamt 14 Missionen teilgenommen, hauptsächlich um Aomes Trianirea aufzuspüren, die in den letzten fünf Monaten nur noch sporadisch ans Tageslicht kamen. Squall ging es aber vielmehr um Fib, von dem nach wie vor jede Spur fehlte. Squall hatte ein schlechtes Gewissen, da er Fib versprochen hatte, er würde dafür sorgen, dass er wieder ein normales Leben führen könnte. Selphie und Quistis hatten ihm von den Berichten in Teneralem erzählt, die mit 'Fibrean Copper' signiert waren. Wer auch immer Fib war, Squall konnte ihn nicht so einfach Prokylta überlassen.
"Morgen."
Cifer gesellte sich zu Rinoa und Squall.
"Gibt's was Neues?"
"Aloin war gerade im Fernsehen. Es scheint, als würde er die Wahl gewinnen", sagte Rinoa.
"Das will ich doch hoffen. Endlich jemand, der etwas aus der Welt macht. Und Kitisa fliegt endlich raus."
"Was ist denn mit dir los, Cifer? Du interessierst dich doch eigentlich nicht für Politik", meinte Squall.
"Bisher gab es auch keine vernünftigen Politiker", konterte Cifer und starrte weiterhin auf den Bildschirm.
Squall stand auf. Er wechselte das Thema.
"Xell hat angedeutet, dass morgen wieder was anstehen könnte. Im Gebirge um Dollet hat man ein altes Tunnelsystem gefunden..."
"Der Typ gibt wohl niemals auf. Glaubt er etwa immer noch, wir könnten die Sekte einfach so aufspüren?"
"Ja, gönn dir doch mal eine Pause, Squall. Ich brauche dich schließlich auch", sagte Rinoa beiläufig, während sie Aloin auf dem Bildschirm anstarrte.
Squall sah die beiden missmutig an. Anscheinend wollten sie sich wirklich den ganzen Tag die Wahl ansehen. Gelangweilt verließ er die Mensa.

Um diese Zeit war auf dem Schulhof nicht viel los. Missmutig warf sich Squall auf eine Sitzbank. Den vielen Wind, der um die Wahl gemacht wurde, hatte er bis zum Rand voll. Die Meinungsumfragen verrieten, dass Aloin deutlich beliebter war. Letztlich fand er jedoch, dass beide Mistkerle waren. Kitisa wurde vermutlich von Per Manum kontrolliert und Aloin baggerte Rinoa an.
"Lang nicht gesehen, Squall."
Jemand saß plötzlich links neben ihm. War er bereits so niedergeschlagen, dass er nicht mal mehr bemerken konnte, wenn sich jemand neben ihm hinsetzt? Squall grübelte kurz. Es war ein bekanntes Gesicht.
"Wir sind uns in Timber begegnet."
Dann fiel es Squall wieder ein. Es war der Weiße SEED, den er vor fünf Monaten in Timber getroffen hatte.
"Hi! Damit hatte ich nicht gerechnet", sagte Squall fassungslos.
"Ich dachte mir, es wäre ein günstiger Zeitpunkt mal wieder mit dir Kontakt aufzunehmen. Du nimmst es mir hoffentlich nicht übel, dass wir auch diesesmal kaum miteinander gemütlich quatschen werden können."
"Auf keinen Fall... Geht es um die Wahl?"
"Ah, du scheinst bereits zu ahnen, dass etwas faul ist."
"Nach allem was passiert ist, weiß ich, dass hier so ziemlich alles faul ist. Der Rat Pollendina, die Schwarzen SEEDs, die ganze Welt... Alles scheint von Per Manum kontrolliert zu werden", antworte Squall.
"Ja, Per Manum darf man nicht unterschätzen. Ich dachte mir, dass es dich vielleicht interessiert, dass Per Manum auch die Kontrolle über SIG hat, das 'Statistik-Institut Galbadia'", sagte der Weiße SEED.
Welch große Überraschung, dachte sich Squall. Er hatte zwar nie daran gedacht, dass Per Manum auch konkret dieses Institut in der Hand hatte, aber inzwischen schenkte er den öffentlichen Meldungen ohnehin nur noch sehr wenig Glauben.
"Denkst du, dass Per Manum die Auswertung manipulieren wird?"
Squall konnte sich bereits denken, wozu das führen könnte. Kitisa gewinnt und Per Manum behält durch ihn weiterhin die Macht, denn Pollendina hatte selbst gesagt, dass Kitisa leicht zu beeinflussen wäre. Umgeben von Beratern, die in Verbindung mit Per Manum standen, wusste Kitisa nicht einmal, was sich hinter den Kulissen wirklich abspielte.
"Sie werden es nicht, sie tun es bereits die ganze Zeit. Die Umfragen, welcher Kandidat beliebter ist, welcher besser reden kann, wer vermutlich die Wahl gewinnen wird... Alle Ergebnisse deuten darauf hin, dass Aloin offensichtlich beliebter ist. Nur... er ist es nicht. Per Manum manipuliert anscheinend die Zahlen zu seinem Gunsten."
"Das ergibt keinen Sinn. Wenn Aloin gewinnt, verliert Per Manum ihren Einfluss. Rinoa hat von Pollendina erfahren, dass die DEFTAA auch ein Teil von Per Manum war, aber seit Aloins Machtergreifung unabhängig ist. Aloin ist auch kein Heiliger, aber er wird sicherlich nicht von der Verschwörung kontrolliert", sagte Squall.
"Genau das stinkt an der Sache. Per Manum muss einen Grund haben, warum sie Aloin gewinnen lassen will", erklärte der Weiße SEED.
"Jetzt werde ich aber langsam neugierig", meinte Squall.
Der Weiße SEED schwieg kurz. Dann stand er auf und reichte Squall ein Foto, das er aus seiner Westentasche holte.
"Kerrood Bushvil. Dieser Mann ist ein Agent der galbadianischen Regierung und wurde in das SIG eingeschleust, um der Sache auf den Grund zu gehen. Er weiß mehr als jeder andere über die Wahlmanipulation, zum Beispiel auch darüber, was mit den verschwundenen Wahlkarten passiert ist. Genau deshalb ist Per Manum hinter ihm her. Ich werde versuchen ihn zu finden, damit er uns mit seinem Wissen helfen kann."
"Und du willst, dass ich dich dabei unterstütze?"
"Ich will dich nicht um etwas bitten. Es bleibt allein deine Entscheidung, Squall. Du solltest nur wissen, dass es noch nicht zu spät zum Handeln ist. Ich will dich nicht überreden, denk nur mal kurz darüber nach. Niemand hat sich für die Wahl interessiert, weil die Gegenkandidaten von Kitisa alle in der Bedeutungslosigkeit verschwanden. Dies wurde veranlasst durch einen Per Manum Agenten namens Jim Saiter, der inzwischen tot ist. Alles sah perfekt aus. Nur dann taucht Aloin auf, ein Mann, der keine Vergangenheit hat, der auf einmal Kitisa und seiner Politik und somit der Organisation den Kampf ansagt. Doch nun finden wir auf einmal heraus, dass genau dieser von Per Manum zum Sieger erklärt werden soll. Da stimmt etwas nicht."
Squall wusste, dass der Weiße SEED seine Hilfe benötigte. Ihm gefiel aber die Vorstellung, in Deling City an einem ereignisreichen Tag einen unbekannten Typen zu suchen, nicht besonders.
"Ich werde mich undercover in Deling City umsehen. Wenn du dich entschlossen hast zu helfen, dann nimm auf jeden Fall deinen Kumpel mit. Es könnte gefährlich werden."
"Ich weiß nicht, ob der damit einverstanden wäre, wenn Aloin verlieren würde", meinte Squall und setzte ein schiefes Lächeln auf.
Der Weiße SEED lachte.
"Mach dir darum keine Sorgen. Versuche, Kerrood Bushvil zu finden. Vielleicht weiß er, wie wir die Manipulation aufhalten. Vielleicht kommt dann ein Hauch von echter Demokratie auf", sagte er und verließ mit langsamen Schritten den Hof.
Zum Abschied hob er noch kurz seine Hand. Squall tat es ihm gleich und marschierte in sein Quartier zurück. Was er jedoch nicht sah, war, dass der Weiße SEED ihn noch eine ganze Weile beobachtete.

In den Quartieren war es ruhig. Im Hintergrund hörte man ein paar Kinderlachen und einige laut aufgedrehte Fernsehapparate. Squall setzte sich auf sein Bett. Er hatte noch vor in die Mensa zu gehen, um Rinoa und Cifer von dem Treffen zu erzählen, doch es überkam ihm plötzlich eine ungeheure Müdigkeit, auch wenn er erst vor einer Stunde aufgestanden war.
Es wird mir wohl niemand übel nehmen, dachte er sich und legte sich ins Bett, um noch ein wenig zu dösen. Ungewollt schlief er jedoch ein...

In der Ferne war etwas Licht zu sehen. Eine Tür. Squall trat voran und kam der Tür immer näher. Oder war es die Tür, die sich Squall näherte? Er hatte keine Zeit zum Nachdenken gehabt, denn schon befand er sich in einer riesigen Halle. Es war dunkel, trotzdem konnte man alles erkennen. In der Mitte der Halle befand sich ein Brunnen. Die Decke erstreckte sich weit nach oben. Squall kannte diesen Raum. Er sah sich um, doch irgendwas schien anders zu sein. Beide Türen, die einst hier waren, waren verschwunden. Stattdessen befand sich eine neue Tür hinter dem Brunnen, gegenüber dieser, durch die er gerade den Raum betreten hatte.
Auf dem Brunnen saß der neue Shumi-Älteste. Squall setzte sich zu ihm und wollte ihn fragen, wie er hier herkomme und was er hier zu suchen hatte. Doch er konnte nicht sprechen. Nun wurde es ihm klar: Er befand sich in einem Traum.
"Du musst nicht sprechen. Handeln ist wichtiger", sprach der Shumi.
Nein, es war nicht der Shumi. Diese Stimme... Alphega.
"Was ist hier los?", wollte Squall sagen.
Er wusste nicht, ob er es wirklich gesagt hatte, aber Alphega schien ihn verstanden zu haben. Dieser nahm wieder die vertraute Gestalt eines alten Mannes an.
"Es ist die Wahrheit, Squall. Die Wahrheit, in der du lebst, die Wahrheit, die du zum Leben erweckst. Der alles umfassende Begriff. Realität, Traum, Lüge... Alles wird unter diesem Hut gebracht. Doch wenn du glaubst, du würdest viel davon wissen, dann ist das das Zeichen, dass du überhaupt nichts weißt."
Squall dachte an das Treffen mit dem Weißen SEED. Plötzlich saß dieser neben ihm.
"Ich möchte, dass du, genau wie die Weißen SEEDs, von all den kommenden Intrigen den Überblick bewahrst", hörte Squall ihn in Alphegas Stimme sagen.
"Die Zeit verschließt Tore, sie öffnet Tore, doch im Moment ist nur ein einziges offen. Du weißt nicht, wo der Weg, der dahinter liegt, hinführen wird. Wird dieser Ausgang verschlossen, öffnet sich vielleicht ein neuer. Doch wann die richtige Zeit durch eines der Tore zu schreiten, musst du selbst wissen."
"So etwas kann man doch nicht wissen. Ich bin kein Hellseher."
Diesmal war sich Squall sicher, gesprochen zu haben. Alphega nahm die Gestalt... Niidas an. Gemischte Gefühle überkamen Squall. Es war nicht Niida, der neben ihm saß, aber er sah so aus. Hatte Alphega etwa das damit gemeint?
"Nein, man kann es nicht wissen. Aber man kann es fühlen. Klar, Gefühle täuschen uns, aber sie sind stets real. Aber wie sieht es mit dem Wissen aus?"
"Ich weiß... ich weiß, dass Per Manum das Gesicht hinter der Lüge ist", antwortete Squall.
"Viele wissen, dass die Regierung, die Maske, das Gesicht der Wahrheit ist."
"Nein, sie denken es, oder?"
Alphega lächelte in Niidas Gestalt. Dann verwandelte er sich erneut. Diesmal in Aloin.
"Macht das für sie einen Unterschied?", gab er kühl zurück.
Diesmal war es nicht die Stimme Alphegas, es war die von Aloin. Sie war kalt. Die Umgebung veränderte sich. Er saß wieder mit Alphega, der nun die Gestalt des alten Mannes angenommen hatte, am Brunnen.
"Bei unserer letzten Begegnung war meine Aussage klarer, nicht wahr? Du hast gelernt, deine Gefühle für dich zu nutzen. Das waren sie. Sie haben zu dir gesprochen. Hast du verstanden, was sie gesagt haben?", wollte Alphega wissen und sah Squall mit einem durchdringenden Blick an.
Squall wollte wieder sprechen, doch seine Stimme war verschwunden. Stattdessen schüttelte er den Kopf.
"Macht nichts. Aber du weißt, was sie gesagt haben?"
Squall nickte und stand schließlich auf.
"Aloin wartet am Ende dieses Ganges auf dich. Dein Verstand sagt dir, dass es keine Erklärung gibt, warum Aloin als Sieger bestimmt werden soll. Aber du weißt, dass es sie gibt. Dichte dir die Wahrheit nicht zusammen, geh auf sie zu, lass sie auf dich zukommen..."
"... Denn lässt ihr euch von dem Werkzeug 'Vernunft' zum Werkzeug machen, werdet ihr am Ende mit diesem zerbrechen", hörte man Aloin aus dem Gang hinter dem Ausgang lachen...


Squall wachte auf, als Rinoa den Raum betrat.
"Sorry, ich wusste nicht, dass du schlafen gegangen warst", entschuldigte sich Rinoa, als sie den verdutzten Squall sah.
"Nein, ich wollte gerade aufstehen", sagte Squall und streckte sich.
Er war etwas verwirrt. Eben war er noch in einem Traum, ist es nun vorbei? Rinoa setzte sich erschöpft auf einen Stuhl. Die Schwangerschaft kostete ihr viel Kraft. Auch wenn sie es sich nicht anmerken lassen wollte...
Rinoa sah Squall an. Sie schien zu wissen, dass Squall irgendetwas sagen wollte.
"Ich muss nach Deling City..."

Die Ragnarok verließ den Hangar des Balamb Gardens.
"Wie üblich brechen wir vollkommen willkürlich nach einem Ort auf und der Herr weiht uns nicht einmal in seine Gründe ein", sagte Cifer.
Squall wusste es selbst nicht. Was führte ihn in die Hauptstadt Galbadias? Warum bat er Cifer, mit ihm mitzukommen? Warum hatte er diesmal nicht versucht, Rinoa daran zu hindern, die beiden zu begleiten? Es könnte zu einem Kampf gegen Per Manum, Aomes Trianirea oder sonst jemanden kommen und dennoch reiste er nun bedenkenlos, den Weißen SEED folgend, nach Deling City. Ja, das hatte Alphega damit gemeint. Er folgte seinem Gefühl. Und dieses verriet ihm, dass Aloins möglicher Sieg nicht auf die leichte Schulter genommen werden durfte, nicht nur deshalb, weil es zum Plan von Volunta, 'dem Boss', und ihrer Organisation gehörte.
"Aloin soll die Wahl gewinnen und Per Manum wird bei seinem Sieg nachhelfen", sagte Squall plötzlich.
"Warum sollte das nötig sein? Aloin gewinnt sowieso und das bedeutet gleichzeitig eine tragische Niederlage von Volunta. Wäre es nicht logischer, wenn sie Kitisa gewinnen lassen würden?", fragte Rinoa.
"Da steckt mehr dahinter. Die manipulieren schon seit geraumer Zeit die Umfrageergebnisse, um die Bürger auf Aloins Sieg vorzubereiten. In Wahrheit liegt Kitisa vorne."
"Oh Mann, du willst doch nicht wirklich, dass Kitisa gewinnt, oder?", murmelte Cifer, der es sich auf dem Cockpit gemütlich gemacht hatte.
"Ich werde es euch beweisen. Ich werde Zed fragen", sagte Squall schließlich und schaltete die Sprechanlage ein.
"Balamb Garden, hier spricht Squall."
Ein Knattern beendete das Rauschen, Xell meldete sich.
"Was geht ab, Squall?"
"Ich muss mit Zed reden!"
"Zed?"
"Es ist wichtig", sagte Squall eindringlich.
Anscheinend hatte Xell verstanden. Nach wenigen Minuten Abwesenheit meldete er sich wieder.
"Squall? Zed ist hier. Sollen wir ihn zum Reden zwingen, wenn er es nicht freiwillig macht?", wollte Xell wissen und lachte.
"Lass mal gut sein", antwortete Squall. "Zed? Sie wissen, warum ich anrufe?"
"Nein, schließlich kann ich keine Gedanken lesen", hörte man Zed mit einer gelassenen Stimme sagen.
"Die Wahl. Lieg ich richtig mit der Annahme, dass Per Manum Aloin gewinnen lassen will, um irgendwie davon profitieren zu können?"
Eine kurze Pause.
"Na sieh mal an, da hat jemand seine Hausaufgaben gemacht. Ja, die Wahlergebnisse werden verfälscht, aber das hättest du dir ja auch selbst denken können", sagte Zed beeindruckt.
"Eben nicht. Die DEFTAA und Aloin haben sich von denen losgesagt. Wenn sie Kitisa verlieren, dann ist die Sache gelaufen. Per Manum hat absolut nichts davon. Sie befördern sich damit selbst ins Aus!", meinte Squall.
"Der Grund ist, dass sie selbst nur ein Werkzeug sind, das mit Aloins Sieg ausgedient haben wird", sagte Zed ruhig.
Squall und sahen sich an.
"Wer?", wollte Rinoa wissen, nachdem die anderen kein Wort mehr raus brachten.
"Der Kreis schließt sich. Von einer Hexe gegründet, von einer Hexe zerstört. So einfach funktioniert das mit einem politischen System. Aber letztlich gewinnt der, der über Systeme hinwegsieht und das Übermächtige zu schätzen weiß. Der, der beides vereint und es rückkoppelnd aufeinander einwirken lässt", sagte Zed.
"Du hast unsere Frage nicht beantwortet", redete Squall eisig in das Mikrofon.
"Du willst einen Rat, Squall? Ich kann Dir nur sagen, wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich alles daran setzen, Aloins Sieg zu verhindern. Er ist furchtbarer als jede Weltverschwörung. Selbst wenn durch Kitisas Sieg Per Manums Einfluss ungebrochen stark bleibt... es nützt. Per Manums Zeit ist abgelaufen, sie sind ein Klotz für die Könige von morgen", sagte Zed.
"Kennen Sie einen Typen namens Kerrood Bushvil? Er soll angeblich beim Statistik-Institut Galbadia spionieren", fragte Squall.
"Ein bisschen dämlich bist du aber, Squall. Du verrätst mir einfach den Namen eines Doppelagenten", lachte Zed.
Squall knirschte mit den Zähnen. Zed fuhr fort.
"Ich kenne den Typen nicht, aber das SIG kenne ich. Es liegt unterhalb der DEFTAA", meinte er lässig.
"Unmöglich, dann müsste ja...", begann Rinoa.
"... Aloin zumindest eine Ahnung haben, was abgeht, ja. Die DEFTAA war lange Zeit lediglich eine Tarnung für das SIG", ergänzte Zed cool.
"Seit wann denn das? Das Büro des SIG befindet sich in einem gigantischen Hochhaus. Wir haben es sogar heute Morgen noch im Fernsehen gesehen, als ein Reporter davor stand und da konnte man klar das Schild erkennen", sagte Squall.
"Ts. Glaubst du etwa, man kann Statistiken und Wahlergebnisse problemlos in einem öffentlich zugänglichen Gebäude verfälschen?"
"Wieso Aloin? Wer ist er?", fragte Squall. Zed schwieg.
"Na los, sag schon Freundchen", hörte man Xell rufen.
"Das übersteigt auch mein Wissen", sagte Zed, doch Squall wusste, dass er log.
Squall warf einen Blick auf Rinoa, die ihre Hände um die Lehne gekrallt hatte.
"Ok, das reicht", meinte Squall und schaltete das Mikro ab.
"Mmh, das klingt doch lustig. Also lasst uns diesen Spion finden", sagte Cifer plötzlich hochmotiviert.
"Ja, aber wir werden Hilfe brauchen", meinte Squall.

Ein Taxi fuhr schnell durch die Straßen von Deling City. Der Taxifahrer schielte in den Rückspiegel und beobachtete seinen Fahrgast auf der Rückbank. Er war sich sicher, dass es sich dabei um die berühmte Skylar Goodsworth handelte.
"Ich verstehe. Natürlich helfe ich euch. Ich treffe mich mit euch vorm Präsidentenpalast", sagte Skylar in ihren Kommunikator.
Sie beobachtete die Menschenmassen. Langsam gingen die Menschen nach Hause oder zum Präsidentenpalast, um dann die Ergebnisse der Wahl abzuwarten. Skylar fragte sich, als sie an einer Gruppe von Kindern vorbeifuhr, wann der Moment gewesen war, als sie zuletzt glaubte, dass Demokratie wirklich auf der Freiheit des Menschen basiert.

Auf dem Weg zum Pressesaal des Präsidentenpalastes erfuhr Skylar alles von Squall und Rinoa, was sie von Zed und dem Weißen SEED erfahren hatten.
"Ja, ich kenne den Typen von irgendwoher", sagte Skylar, nachdem sie sich das Foto von Bushvil angesehen hatte.
"Woher? Weißt du, wie wir ihn erreichen können?", wollte Squall wissen.
"Nein, ich weiß nur, dass er mal für den Rat Pollendina gearbeitet hat. Ich habe seinen Namen oft im Zusammenhang mit Jim Saiter gelesen, aber den Kontext konnte ich nie herausfinden."
"Dann könnte er aber auch von Per Manum sein. Woher sollen wir wissen, dass er wirklich ein Spion ist?"
"Das fragst du am besten Kitisa selbst. Wir werden ihn jetzt ohnehin treffen. Ich bin wirklich froh, dass ihr hier seid. Ich weiß nun genug, um diese Schweine bloßzustellen. Mir hängt die Sache bis zum Hals raus", knurrte Skylar.
"Jetzt? Moment mal..."
Doch Skylars schnelle Schritte zogen die drei, ohne dass sie es bemerkten, in den Pressesaal. Der Saal war hoch, doch im Anbetracht der vielen anwesenden Reporter hätte man besser in die Breite, als in die Höhe investieren sollen. Die Kameras blitzten, die Reporter kämpften sich wie ausgehungerte, wilde Tiere nach vorne, als ob sich dort das letzte Stück Fleisch befinden würde. Kitisa und Aloin standen mit ihren Beratern und Bodyguards auf der Bühne. Während Kitisas nur mit Mühe ein Grinsen herauspresste, ließ Aloin mit unendlicher Gelassenheit ein Lächeln um sein Mund kreisen.
"Seht sie euch nur an. Dieses unschuldige Grinsen...", zischte Skylar.
"Das sind zu viele Reporter. Gibt es keinen anderen Weg, um nach vorne zu gelangen?", fragte Rinoa.
"Überlass das mir. Wartet hier am besten."
Skylar zog ein Briefkuvert aus ihrer Handtasche.
"Was ist das?", fragte Squall neugierig.
"Um in einer Welt voller Arschlöcher zu überleben, musst du selbst eins werden", gab Skylar etwas ausgelaugt von sich und arbeitete sich zur vorderen Ecke des Raumes nach vor, wo lediglich ein Wächter stand.
"Sie scheint heute ziemlich kämpferisch drauf zu sein. Müssen die Goodsworth-Gene sein", meinte Squall und warf Skylar einen Blick nach, die gerade über die Kabel der Scheinwerfer und der Kameras stieg und zielstrebig den Wachposten ansteuerte.
Skylar zeigte dem Wachposten dort den Inhalt des Kuverts, danach begannen sie etwas auszuhandeln.
"Dass sie bloß keine Dummheiten macht", sagte Cifer etwas skeptisch.
Doch Skylar kam bereits wieder zurück. Im Hintergrund sah man den Wächter, der sich augenblicklich zu den Beratern gewandt hat.
"Ihr könnt nach vorne kommen. Ich habe alles geregelt", rief Skylar und kehrte wieder um.
Squall, Rinoa und Cifer folgten ihr. Währenddessen beobachteten die drei das Schauspiel auf der Bühne. Ein Berater wandten sich an Kitisa, der sofort blass wurde. Die Fotoapparate schossen hemmungslos weiter. Anschließend erteilten die Berater dem Sicherheitsdienst einen Befehl. Dieser drängte die lästigen Reporter zur Seite, sodass Skylar und die drei problemlos passieren konnten. Kitisa verließ das Pult mit einer kurzen Erklärung und zog sich mit ein paar Leuten in die Ecke zurück, während sich die Journalisten Aloin zuwandten.
"Nun gut. Wie Sie sehen bin ich bereit wertvolle Minuten für Sie zu opfern. Könnten Sie nun so entgegenkommend sein und uns das Foto übergeben?", flehte Kitisa.
Squall fragte sich, was da wohl drauf sein könnte. Auf jeden Fall erfüllte es seinen Zweck.
"Später. Ich habe ein paar Fragen an Sie.", sagte Skylar bestimmt.
"Zuerst das Foto!", brummte ein Berater.
"Vergessen Sie das Foto, ich habe zahlreiche Kopien zu Hause. Also kommen wir am besten gleich auf den Punkt, bevor ich es mir anders überlege", gab Skylar selbstsicher von sich.
Ein Sicherheitsbeamter, der hinter Kitisa stand, nahm sein Funkgerät raus.
"Und in meine Wohnung einzubrechen, um die Kopien zu vernichten, ist auch keine gute Idee. Die Kopien lagern nicht nur bei mir zuhause."
Kitisas Leute sahen Skylar mit giftigen Blicken an. Der Mann steckte sein Funkgerät schließlich wieder in die Tasche.
"Was wollen Sie wissen? Beeilen Sie sich, ich habe keine Zeit", drängte Kitisa.
"Erzählen Sie mir etwas über Per Manum. Die Lügen kenne ich bereits, ich will jetzt die Wahrheit wissen. Und noch etwas. Wo finde ich Kerrood Bushvil? Sagt Ihnen der Name etwas?"
Kitisa sah verzweifelt zu seinem Konkurrenten rauf. Dann drehte er sich wieder zu Skylar:
"Per Manum ist eine Unterabteilung des Statistik-Instituts und erledigt den Papierkram. Was Kerrood Bushvil angeht... Nie gehört. Ich kann mir schließlich nicht die Namen aller Angestellten aus der Untersuchungsabteilung merken."
"Untersuchungs-Abteilung...", wiederholte Skylar nachdenklich.
Kitisa realisierte in dem Moment, was er gesagt hatte.
"Ich meine... Nein! Lassen Sie mich ausreden..."
"Bitte! Sie haben das Wort", lächelte Skylar.
"Also gut! Ich habe mir jeden Ihrer Berichte über Per Manum angehört und kann nur sagen, dass das absoluter Schwachsinn ist. Ihr Verschwörungstheoretiker seid doch alle Paranoiden. Ich werde von niemandem kontrolliert! Wenn hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, dann aber auf der Seite meines Gegenkandidaten. Und genau das versucht unser Agent Bushvil rauszufinden", presste Kitisa hervor.
"Und was wissen Sie bereits?", fragte Skylar scharf.
"Ich kenne lediglich seinen Namen. Der Auftrag ging von einem meiner Berater aus. Und nun schreiben Sie sich das ein für alle Mal hinter die Ohren. Ich bin der Ratsvorstand und der Präsident! Ich treffe hier Entscheidungen!"
Die anwesenden Berater wurden etwas unruhig. Sie versuchten Skylars Blicke auf jeden Fall zu meiden.
"Sir! Sie sollten sich wieder um die Wahl kümmern...", stotterte einer und bedeutete Kitisa, wieder auf die Bühne zu gehen.
"Sagen Sie mir, welcher dieser vier Idioten den Auftrag zur Spionage erteilt hat", sagte Skylar.
Cecil Kitisa sah sie unsicher an. Seine Blicke schnellten zur Bühne, wo Aloin gerade mit schneidenen Worten Kitisas Respektlosigkeit gegenüber der Veranstaltung kritisierte.
"Diese vier... Sie sind nur zur Aushilfe angestellt, bis mein eigentlicher Berater wieder da ist. Er ist im Moment anderweitig beschäftigt. Er hat den Auftrag erteilt..."
"Interessant. Er muss ja etwas ganz Besonderes sein, wenn man vier Leute braucht um ihn zu ersetzen. Vermutlich ein Mitglied von Per Manum. Genau wie die anderen Herren", meinte Skylar giftig und sah Kitisas Beratern tief in die Augen.
"Wir legen eine kurze Pause ein. Bitte halten Sie die Ausgänge frei", rief der Moderator der Veranstaltung.
Squall sah sich um. Der Sicherheitsdienst hielt die Reportermassen zurück, die trotz der Aufforderung nach vorne drängte. Aloin, dessen Leute und die Leute von Kitisa verließen den Raum über den Ausgang rechts neben der Bühne.
Skylar blickte Kitisa nach.
"Mit dem sind wir noch nicht durch", murmelte sie und folgte ihm dann.

"Diese Nervensägen von Goodsworth... Ich hasse die gesamte Familie!", regte sich Kitisa auf, während er frisch gemacht wurde.
Die Pause war fast zu Ende und er blickte in die Menge. Er war erleichtert, als er sah, dass Squall, Skylar und die anderen den Saal wieder verließen. Plötzlich klingelte sein Kommunikator. Er hatte noch eine Minute Zeit, bevor es wieder losging, also stellte er sich in die Ecke der Bühne und drückte auf einen Knopf.
"Ja?"
"Präsident Kitisa. Hier spricht Gareth Balmung. Ich möchte Sie darüber informieren, dass ich heute wieder zurückkommen werde."
"Balmung, Sie? Sie waren ein halbes Jahr abwesend und kommen am Tag meiner Niederlage wieder zurück, oder wie? Ich steck bis zum Hals in Schwierigkeiten, die Wahl ist bereits vorbei und bis das Ergebnis bekannt wird, muss ich mich einer weiteren Demütigung unterziehen. Und soeben hat mich diese Goodsworth fertiggemacht, weil sie denkt, ich wäre eine Marionette dieser Per Manum-Organisation."
Die Berater blickten nervös zu Kitisa.
"Ich war verhindert, deshalb konnte ich nicht früher kommen. Egal. Was die Wahlmanipulation angeht... War außer Skylar noch jemand dabei?", fragte Kitisas Berater.
"Ja, zwei Männer und eine schwangere Frau. Ich kenne sie aus Timber. Und was war das mit der Manipulation?"
"Oh, die Manipulation der Wahl, meinen Sie?"
"WAS!?", brüllte Kitisa.
Seine Berater bedeuteten ihm, dass er sich wieder zum Pult begeben sollte. Er ignorierte sie und sprach weiter.
"Bleiben Sie ruhig. Ich habe Agent Bushvil aufgetragen, dass er unterhalb des Triumphbogens auf Skylar warten soll. Sie werden sich dann um die Wahlergebnisse kümmern. Per Manums Plan wird scheitern."
"Per Manum... Ist das Per Manum, das ich kenne und das, welches Sie meinen, dasselbe?"
"So ist es. Es tut mir Leid, dass ich erst jetzt..."
Klack. Kitisa schaltete den Kommunikator aus und trat nach vorne.
"Sie! Laufen Sie Goodsworth hinterher und teilen Sie ihr mit, dass beim Triumphbogen jemand auf sie wartet. Der Pressetermin ist hiermit beendet!"
"Das können Sie nicht machen!", wollte ein anderer Berater ihn aufhalten, als Kitisa die Bühne verließ.
Die Reporter wurden wieder zur Seite geräumt. Leibwächter und Berater rannten wie aufgescheuchte Chocobos hinter dem Präsidenten her, der auf ihre Worte nicht reagierte. Alle sahen fassungslos zu, wie Kitisa die Halle verließ. Blitzlichter schossen durch den Raum. Die Anwesenden drehten Aloin den Rücken zu. Und dieser sah Kitisa mit einem schmalen Lächeln hinterher...

Cecil Kitisa verließ mit entschlossenen Schritten den Lift, als er und seine beiden Leibwächter im 66. Stock angekommen waren. Er wusste nicht, dass Per Manum, die Organisation, die er für eine Unterabteilung des Statistik-Instituts hielt, in Wahrheit dem Institut übergeordnet war. Schon die Tatsache, dass sich die endlosen Büroräume oberhalb sämtlicher Amtseinrichtungen inklusive dem SIG befanden, jagte ihm Schauer über den Rücken.
"Präsident Kitisa. Es ist uns eine Ehre Sie hier begrüßen zu dürfen. 'Der Boss' erwartet Sie bereits", wurde er von einem Mann, dem eine Hand fehlte, willkommen geheißen.
"Bringen Sie mich sofort zu ihm, wer auch immer diese obskure Persönlichkeit sein mag!", fauchte Kitisa und packte den Einarmigen an der Krawatte.
"Gewiss doch. Hier entlang, bitte."
Er riss sich vorsichtig los, behielt sein Lächeln und führte Kitisa zum Büro des besagten Bosses. Seine Leibgarden konnten nur sehr schwer mit Kitisas Tempo mithalten, vor allem, weil sie gleichzeitig überwältigt von dieser sonderbaren Einrichtung waren. Kitisa ließen die vielen Bilder der Hexe Adell ziemlich kalt. Er war ganz auf das Treffen fixiert.
"Das ist das Büro des 'Bosses'. Er hat gerade Besuch, aber Sie können eintreten."
Kitisa schob den Angestellten zur Seite und riss die Tür gewaltsam auf. Zwei Frauen befanden sich im Raum. Eine, sie trug eine Augenklappe, saß am Tisch und starrte auf die Monitore, die andere stand beim Fenster und betrachtete die Stadt. Nein, sie betrachtete die Welt, wie Kitisa feststellen musste.
"... Es ist einfach wunderbar, sage ich dir. Nicht nur die Krone erstreckt sich dem Himmel, sogar die Wurzeln wachsen immer zahlreicher und tiefer in die Erde", sprach die Frau am Fenster voller Begeisterung.
"Cecil ist hier", unterbrach die Frau am Computer. Sie war offensichtlich 'der Boss'.
"Die Schachfigur 'Weißer König' hat also das Spielbrett verlassen. Du hast lange gebraucht, was aber wohl daran liegt, dass du als König stets nur einen Schritt machen darfst. Zu Schade, dass wir morgen ein neues Spiel beginnen werden, bei dem es keine weißen Figuren mehr geben wird. Beim nächsten Zug wird dich der 'Schwarze König' schlagen", meinte die Frau am Fenster mit einem dünnen Lächeln.
"Halten Sie den Mund! Ich spiel nicht länger mit! Die Öffentlichkeit wird alles erfahren. Ich werde diese Organisation erschlagen", schrie Kitisa.
"Schade, dass du bald nicht mehr die Macht dazu haben wirst. Du hattest ja nicht mal die Courage ohne deine Berater im Rücken vor die Kameras zu treten", lachte die mysteriöse Frau.
"Wer sind Sie eigentlich?"
"Das ist Prokylta, Oberhaupt der Sekte Aomes Trianirea. Sie hat beschlossen, dich aus dem Amt zu werfen und vor dem bevorstehenden Zusammenbruch der Weltpolitik mit Aloin zu ersetzen, um zur ältesten Art der Herrschaftsformen zurückzukehren", erklärte die Frau am Tisch, die laut Namensschild 'Volunta Lovunat' hieß.
"Prokylta, also sind Sie die Drahtzieherin hinter all dem Spuk. Ich kenne Ihren Namen und denen Ihrer Sekte aus den Berichten der SEEDs. Hätte nicht gedacht, Sie jemals zu treffen. Schon gar nicht hier. Was machen Sie überhaupt hier. Sie sind der Anführer einer Sekte, was machen Sie hier im Zentrum der Manipulation. Nach allem, was ich weiß, wollen Sie unsere Welt und Werte bekämpfen", schrie Kitisa.
Prokylta musste lachen.
"Damals standen Galbadia und Esthar auch im Krieg und trotzdem haben Adell und Pollendina ein gutes Bündnis gehabt. Heute ist es nicht anders. Unsere Soldaten kämpfen, wir jedoch sind gut befreundet. Diesen Krieg gewinnt man nicht, indem man einer Front kämpft. Man muss die Fronten kontrollieren und ihr rennt wie Puppen hinterher", sagte Prokylta.
"Es reicht! Ich bin keine Sekunde länger eure Puppe. Ich werde alle Berater bis auf Balmung in einem hohen Bogen rauswerfen und alle dubiosen Organisationen werden von mir persönlich aufgelöst. Es wird Zeit, neu zu beginnen. Und ihr beide... Ihr könnt schon mal mit der Räumung dieses Gebäudes beginnen... Ich werde es nämlich abreißen lassen!"
Volunta lächelte Kitisa mitleidig an.
"Man kann keinen Staat innerhalb eines Tages komplett erneuern. Das liegt daran, dass Galbadia ein logisch strukturiertes und einheitliches System ist. Systeme sind von Menschen erschaffene Konzepte zur Vereinfachung und Automatisierung des alltäglichen Lebens. Dummerweise steht das im Widerspruch mit dem Wesen des Menschen, nämlich ein Geschöpf mit Gefühlen, ohne Ordnung, ohne Struktur. Und da beginnt das System zu bröckeln. Sei es jetzt ein Fließband, ein Verkehrsnetz oder ein Staat. Überall wo Menschen zum Einsatz kommen, die mit einem automatisierten System agieren müssen, beginnen die Probleme, ausgehend von den physischen und psychischen chaotischen Eigenschaften, die bei einer Adaption an ein rationales Konzept Schwachstellen aufweisen. Seit ihr euch von der Centra Kultur getrennt habt, versucht ihr stets dasselbe schwachsinnige Bild einer so genannten Welt mit Ordnung zu realisieren und seither steht ihr auf der Leitung, jedes Mal dieselben Fehler wiederholend, gefangen in einer evolutionären Sackgasse. Sogar eure Technik, das Symbol des menschlichen Fortschritts, ist der der ehemaligen Centra nicht überlegen... Und du, du willst doch auch, wie jeder andere, die jetzige Welt verbessern. Aber euer beschränkter Idealismus lässt euch nicht begreifen, dass sich hier nichts verbessern lässt. Man muss neu beginnen...", sagte Volunta Lovunat tonlos.
Cecil fiel auf, dass Prokylta eine Hand auf Voluntas Schulter gelegt hatte. Es wirkte fast, als wäre Volunta ihre Marionette...
Kitisa brachte im ersten Moment kein Wort raus. Er durfte sich nicht unterkriegen lassen, sprach er zu sich.
"Und Aloin soll Ihre Wunschvorstellungen verwirklichen? Oh je... Wachen Sie endlich auf! Das ist die Wirklichkeit. Leute wie Sie verrotten in ihrer eigenen Traumwelt. Spätestens dann, wenn sie in einer Irrenanstalt gelandet sind."
"Aloin wird gewinnen. Wir haben seinen Sieg beschlossen, also akzeptieren Sie schon jetzt Ihre Niederlage, Präsident Kitisa", sagte Volunta und betonte das 'Präsident' sehr hämisch.
Kitisa sah die beiden noch ein letztes Mal an. Es war noch nichts verloren. Immerhin gab es noch einen Mann namens Kerrood Bushvil und eine Frau namens Skylar Goodsworth, die die Manipulation noch stoppen konnten. Er musste auf ihren Erfolg hoffen. Ohne ein Wort darüber zu verlieren, verließ Kitisa das Büro. Sein Gesichtsausdruck verriet, dass er den beiden Damen den Krieg erklärt hatte. Prokylta betrachtete ein Bild von Adell, während Volunta etwas nachdenklich auf den Bildschirm starrte.
"Prokylta... Stimmt es, dass der Agent Bushvil noch immer aktiv ist?"
"Mach dir darüber mal keine Sorgen. Zwei meiner Freunde durchkämmen bereits die ganze Stadt, um diesen Idioten zu finden. Und wie es scheint, hat einer bereits ein Treffen mit ihm."

Beim Verlassen des Präsidentenpalastes war ihnen überraschenderweise von Kitisas Beratern ein Treffpunkt am Triumphbogen mitgeteilt worden.
Auf der anderen Straßenseite des Triumphbogens stand ein Mann mit zugeknöpftem Mantel. Die vier lehnten sich unauffällig an die Wand. Der Mann riskierte einen kurzen Blick zur anderen Seite. Dann warf er seine Zigarette weg, gab ein leicht zu übersehbares Handzeichen und verschwand in der Abstellkammer, die sich in der Innenseite des Bauwerks befand. Das Quartett folgte ihm. Aus der Nähe konnte Squall ihn nun auch erkennen. Es handelte sich um Kerrood Bushvil.
"Goodsworth, richtig? Dann seid ihr wohl Leonhart, Heartilly und Almasy. Ich bin Agent Bushvil, mein Boss hat dieses Treffen arrangiert", brodelte es aus dem Informanten raus.
"Wer ist dein Boss und woher kennt er unsere Namen?", wollte Squall wissen.
"Ich bin nicht verpflichtet euch unrelevante Informationen preiszugeben, also kommen wir gleich zum Wesentlichen."
Bushvil klang so, als würde er seinen Text von einem Manuskript runterlesen. "Ich arbeitete sechs Monate verdeckt im Statistik-Institut. Schließlich schaffte ich es auch in das FIG, das 'Fälschungs-Institut Galbadia' zu kommen..."
"Ziemlich intelligente Namensgebung", bemerkte Skylar trocken.
"Zusammen mit fünf anderen Mitarbeitern mussten wir im Keller des DEFTAA Museums sämtliche Statistiken fälschen. Während der ganzen Zeit hat man kein Wort über Per Manum verloren. Es lässt sich also nicht sagen, ob die Angestellten wussten, für wen sie diese Arbeit machen", fuhr Bushvil eisern fort.
"Schwer zu glauben", meinte Skylar kurz.
Sie traute dem Typen anscheinend nicht.
"Im Prinzip funktioniert es so. SIG und FIG sind über Computer des Netzwerkes miteinander verbunden. Wenn ein Mitarbeiter des SIG beispielsweise Daten eines Umfrageformulars in den Computer eingibt, werden diese Daten unbemerkt zum FIG geschickt, dort nach Bedarf abgeändert und wieder zurück zum SIG gesendet. Die Mitarbeiter des SIG wissen nicht, was sich abspielt, aber alle Ergebnisse werden vor der Speicherung abgefangen und manipuliert. Im Falle der Wahl bedeutet das Folgendes. Per Manum hat entschieden, dass Aloin mit 59% der Stimmen gewinnen soll, ansonsten würde nämlich Kitisa mit schätzungsweise 53 bis 54% gewinnen", erklärte Bushvil.
Squall überraschte es, dass er über diesen gefährlichen Betrug so gelassen reden konnte, als würde er einem Einsteiger erklären, wie man ein Radio bedient.
"Wer hätte gedacht, dass Kitisa der Führende ist. Gibt es noch eine Möglichkeit dieses falsche Spiel aufzuhalten?", fragte Rinoa.
"Klar. Um beim Beispiel zu bleiben. Von 100 Stimmen gehören durchschnittlich ungefähr 54 zu Kitisa und 46 zu Aloin. Um Aloin auf 59% zu bringen müssen pro 100 Stimmen 13 Kitisa-Stimmen zu Aloin-Stimmen 'konvertiert' werden, also wird quasi jedes zehnte Vota, das von dem SIG eingegeben wird, verfälscht. Die restlichen neun werden unverändert übernommen. Das Statistik-Institut verfügt somit nur über die falschen Ergebnisse, beim Fälschungs-Institut wird aber das richtige Ergebnis als Backup auf dem Computer gespeichert. Ihr wisst was zu tun ist, oder?"
"Ich kann es mir denken, aber ich bezweifle, dass wir so ohne Weiteres eindringen können", antwortete Squall pessimistisch.
Bushvil nickte und reichte Squall daraufhin einen Zettel, auf dem ein Plan des DEFTAA-Untergeschosses abgebildet war.
"Der Eingang befindet sich hinter der großen Centra-Steintafel. Gegenüber befindet sich eine Skulptur, die Leviathan mit drei Schwertern im Rücken darstellt. Diese Schwerter dienen als Hebel. Legt sie einfach von rechts nach links um und der Eingang wird sich öffnen."
"Modernste Technologie also", sagte Skylar sarkastisch.
Squall sah zu Rinoa, die über etwas nachzudenken schien.
"Und was wird uns darin erwarten?"
"Angestellte von Per Manum, unbewaffnet. Versucht sie festzunehmen und bedient anschließend die Maschine. Drückt den grünen 'Restore'-Knopf, um die unverfälschten Ergebnisse wiederherzustellen. Wenn der 'Synchronize'-Schalter auf 'off' steht, müsst ihr diesen aktivieren, ansonsten nicht. Sobald die Anzeige auf 100% steht, solltet ihr die Maschine vernichten und am besten abhauen."
"Eine letzte Frage. Wieso will 'Per Manum' Aloin zum Sieg verhelfen. Wer ist dieser Mann? Er hat denen offen den Krieg erklärt, wieso also er und nicht Kitisa?", fragte Squall.
"Darüber konnte ich keine Informationen in Erfahrung bringen. Vermutlich bedeutet das, dass nicht alle Fäden bei 'Per Manum' enden, sondern das jemand vielleicht auch 'Per Manum' kontrolliert. Dies ist ein Spiel. Der größte Trick ist, dass man jemanden glauben macht, dass er sämtliche Karten in der Hand hält. Obwohl das alles sehr undurchsichtig wirkt, glaube ich, dass man, wenn man den richtigen Code kennt, eines Tages eine sehr einfache Lösung finden wird", erklärte Bushvil.
Bushvil schaute auf seine Uhr.
"Gut, damit habe ich meinen Auftrag abgeschlossen. 6 Monate, 2 Tage, 19 Stunden, 8 Minuten und 6 Sekunden", sagte er und trug etwas in ein Notizbuch ein.
Squall und die anderen sahen sich gegenseitig an, jeder mit einem kleinen Lächeln im Gesicht.
"Was können Sie uns denn über Aloin sagen?", fragte Squall nach.
"Praktisch gar nichts. Er geistert durch die DEFTAA wie ein Phantom. Man fühlt sich sofort unter Druck gesetzt, wenn er hinter einem steht", meinte Bushvil und ein Hauch von Emotion schlich sich in seine Stimme.
"Können Sie vielleicht etwas über ihn herausfinden?", fragte Squall.
"In der Tat deckt sich diese Ermittlung mit einem meiner nächsten Aufträge. Ich werde Sie kontaktieren, sobald ich was weiß."
Dann holte Bushvil eine Zigarette raus und verließ ohne ein weiteres Wort zu sagen die Kammer. Cifer rannte hinterher. Squall, Rinoa und Skylar folgten ihm etwas verwundert.
"Sie! Ich werde mit Ihnen gehen", rief Cifer hinterher.
Bushvil blieb stehen.
"Das wird nicht nötig sein. Sie wissen doch nicht einmal, wo ich hingehen werde."
"Cifer, wir müssen uns um die Auswertung kümmern", sagte Squall.
"Das schafft ihr auch alleine. Per Manum sucht diesen Typen wahrscheinlich schon. Was, wenn er plötzlich angegriffen wird?", fragte Cifer.
"Gefahr gehört zu meinem Job. Ich arbeite alleine", murmelte Bushvil.
"Sie haben doch gar keine Ahnung. Mit Ihrer Knarre werden Sie vor einer Armee wahnsinniger Schwertkämpfer ziemlich alt aussehen."
Bushvil sah Cifer prüfend in die Augen. Dann drehte er sich um und ging weiter. Cifer folgte ihn.
"Ich melde mich, sobald wir etwas herausfinden", rief Cifer Squall zu.
"Hm, er wird wohl Recht haben. Gehen wir, wir haben eine Verabredung mit einem Computer", sagte Squall schließlich und machte sich mit Skylar und Rinoa auf den Weg zum DEFTAA Gebäude.

Auf dem halben Weg kam Squall eine Idee. Zed hatte das letzte Mal nichts von Aloin erzählt, aber vielleicht ist er jetzt gesprächiger.
"Ich werde mich noch einmal bei Zed im Garden melden. Squall hier."
"Squall Leonhart? Was gibt es?", meldete sich eine nasale Frauenstimme.
Squall verzog das Gesicht. Es war die ehemalige Vorsitzende der SEED Anhörungen, Ariana Kane. Er konnte diese Person nicht ausstehen.
"Ich möchte mit Zed Black sprechen."
"Zed Black gilt seit über zwei Stunden als verschollen. Wir vermuten, dass es sich um Gefangenenfluch handelt."
Squalls Magen zog sich zusammen. Zed war verschwunden?
"Wie ist es möglich, dass man so einfach aus dem Garden Gefängnis fliehen kann? Dieser Mann ist gefährlich."
"Das wird vom neuen Leiter der Einsatzkommission untersucht werden. Es wird gerade ein Suchtrupp zusammengestellt, der unter seinem Kommando Zed finden werden."
"Zu diesem Anlass wurde ich von Frau Kane befördert", rief eine arrogante Stimme.
"Niko? Was soll das? Das ist gegen das Urteil..."
"... das von der Vorsitzenden Kane soeben wegen der Schwere der Situation aufgehoben wurde", klang Nikos Stimme zufrieden aus dem Kommunikator.
Aus den Augenwinkeln sah Squall, wie Skylar zu Boden schaute. Er konnte fühlen, wie sehr sie sich für ihren Bruder schämte.
"Wo ist Xell?"
"Einen weiteren peinlichen Vorfall, der unter seinem Regime hier passiert ist, untersuchen", sagte Niko.
"Was ist passiert?"
"Einige SEEDs, darunter auch Weiße SEEDs, haben im Laufe des Tages unabgemeldet den Garden verlassen. Wir vermuten, dass es sich hierbei um Mitglieder der Sekte handelt", erklärte Ariana Kane lässig.
"Was?", fragte Squall.
"Sieht beinahe so aus, als würde es sich um eine Massenflucht handeln. Es sieht so aus, als hätte Xell unter seinem Kommando eine Reihe von Terroristen heranerzogen", sagte Niko bissig.
Squall biss sich auf die Lippe und unterdrückte eine scharfe Antwort.
Er atmete tief ein.
"Weiße SEEDs?... Apropos: Kennt ihr einen männlichen Weißen SEED mit einem Kinnbart, kurze schwarze Haare, Ende 20?", fragte Squall mit bemüht ruhiger Stimme.
Kane schien zu überlegen.
"Ich kenne eigentlich fast alle Weißen SEEDs, aber auf diese Beschreibung treffen mehrere zu."
Squall dachte nach. Es müsste eine Möglichkeit geben, diesen zu kontaktieren und ihn über das Treffen mit Bushvil zu informieren. Dann erinnerte sich Squall an ihre erste Begegnung in Timber.
"Es ist derjenige, der den Eis-Lacrima gefunden hat."
"Der Eis-Lacrima befand sich nie in unserem Besitz. Sollte er bereits gefunden worden sein, dann von Aomes Trianirea. Was willst du eigentlich von dem Typen?", fragte Niko.
Squall schaltete das Gerät aus. Er wollte kein weiteres Wort mehr mit Kane oder Niko wechseln. Squall bekam auf einmal Angst. Was war mit dem Weißen SEED, der ihn gewarnt hatte? Er war wegen ihm hier. Was ist, wenn er bloß benutzt wurde?
"Hab ich richtig gehört und Niko wurde wieder befördert?", fragte Skylar.
"Ja. Egal. Wir sollten uns beeilen. Die Ergebnisse werden in einer knappen Stunde weltweit präsentiert. Und ich will mir nicht vorwerfen, ich hätte da gestanden und nichts getan."

Es befand sich weit und breit kein Fahrzeug mehr auf der Fahrbahn. Menschenmengen warteten auf den großen Moment. In jeder Ecke befanden sich Fernseher oder Leinwände, sogar Luftschiffe mit überdimensionalen Bildschirmen flogen über die Stadt, damit jeder den Moment der Entscheidung miterleben konnte. Kitisa und Aloin lieferten sich letzte Gespräche.
Die Straßen und Gehsteige waren überfüllt. Squall warf einen letzten Blick auf den Bildschirm in der Luft. Kitisa sah ziemlich fertig aus, gleichzeitig wirkte er auch ungewohnt aggressiv. Aloin schien gelangweilt den Prozess zu verfolgen, fast als wüsste er, wie alles ausgehen würde. Das ungleiche Trio betrat schließlich das DEFTAA Gebäude.

"Das muss es sein", sagte Rinoa und deutete auf die etwa drei Meter hohe Skulptur.
Sie stellte den Wasserdrachen Leviathan dar, der drei Schwerter hielt. Squall betrachtete das Schwert genauer.
"Rinoa... Sieht das nicht genauso aus... wie deine Klinge?"
"Es sieht nicht nur so aus. Probier die Hebel umzulegen."
Squall streckte seine Hand nach oben, ergriff das rechte Schwert und zog es nach unten. Bushvil hatte also Recht. Dasselbe machte er mit den anderen beiden Schwertern. Ein dumpfer und lauter Knacks hallte durch den Raum. Die Steintafel teilte sich entzwei, die beiden Hälften wurden von einem Mechanismus zur Seite geschoben und ein Eingang kam zum Vorschein. Bevor die drei darüber staunen konnten, hörten sie ein Rattern und sahen, dass sich der Eingang wieder zu schließen begann. Die drei Schwerthebel bewegten sich langsam wieder nach oben.
"Jetzt oder nie! Lauft durch!", brüllte Squall.
Er nahm Rinoa beim Arm, da sie nicht allzu schnell laufen konnte. Skylar eilte durch das Tor, hinter ihr machten Squall und Rinoa einen kleinen Satz nach vorne. Klack! Eine Sekunde später schloss sich das Tor. Es herrschte Dunkelheit. Vor ihnen befand sich eine Wand, unter der Licht hindurch schien. Es musste eine Tür sein, dachte sich Squall, und bestastete sie mit seinen Händen, bis er einen Knauf fand. Mit einem lauten Quietschen wurde der zweite Eingang geöffnet. Squall fühlte sich, als würde er ein Heiligtum betreten, als ihn das Licht eines riesigen Monitors blendete.
"Das ist...! Skylar Goodsworth! Was wollt ihr hier!", rief der Mann am Computer erschrocken.
Vier weitere Angestellte sprangen auf und stellten sich zitternd zu ihm.
"Sie müssen uns glauben! Wir haben lediglich das gemacht, was man uns aufgetragen hat", rief der eine Mann.
Er schien erstaunlich schnell begriffen zu haben, was vor sich ging. Fast, als hätte er es erwartet...
"Kommt hier rüber und macht keine falsche Bewegung", befahl Squall und holte seine Gunblade raus.
Die FIG-Mitarbeiter gehorchten und krochen zum Ausgang. Rinoa zog ihr Schwert und stellte sich, die andere Hand auf ihrem Bauch ruhend, wachend vor die fünf hin. Auf einem Bildschirm sahen sie die Übertragung der Wahl aus dem Fernsehen.
"... Wir haben soeben die Meldung erhalten, dass die Ergebnisse nun ausgewertet sind. Mit großer Spannung haben wir seit Monaten auf diesen Moment gewartet. Nun ist er gekommen. In den letzten fünf Minuten vor der großen Bekanntgabe wenden wir uns ein letztes Mal an unsere beiden Kandidaten. Präsident Kitisa..."
"Es ist noch nicht zu spät. Die Ergebnisse werden um 18 Uhr direkt vom Statistik-Institut bereitgestellt. Mach einfach das, was der Informant gesagt hat", sagte Skylar.
Auf dem Monitor befand sich ein riesiges Kuchendiagramm. Aloin besaß 59% davon, genau wie Bushvil es gesagt hatte. Irgendwo zwischen den vielen Knöpfen auf der Konsole fand Squall den "Restore"-Knopf und zu seinem Glück befand sich der "Synchronize"-Schalter gleich daneben. Er wollte ihn gerade drücken, als... KRACH! Die Tür wurde mit Gewalt geöffnet, Holzsplitter brachen runter.
"Cifer! Kannst du nicht anklopfen?", brüllte Rinoa.
"Sorry, aber ich hab in der Dunkelheit den Knauf nicht gefunden", entgegnete Cifer mit einem merkwürdigen Unterton in seiner Stimme.
"Wo ist Bushvil?", fragte Squall, während er an der Konsole weiterarbeitete.
Dann entdeckte er zahlreiche Blutspritzer an Cifers Mantel.
"Verdammt, was ist passiert?!"
"Der gute Kerrood hat sich entschlossen die Kanalisation zu durchforsten", grinste er und holte seine Gunblade raus, an der ebenfalls getrocknetes Blut klebte.
"Allerdings wird er dort keinen Unfug mehr machen können!"
Skylar wurde blass.
"Ich verstehe nicht... Was ist los? ... Du hast doch nicht...?"
Squall schien den grünen Knopf für diesen Moment vergessen zu haben. Die Gefangenen verkrochen sich in der Ecke des Raumes. Rinoa konzentrierte sich auf Cifer.
"Bitte, Cifer! Lass das!"
"Squall, drück endlich den Knopf", flüsterte Skylar, die neben Rinoa stand.
Cifer ging langsam auf Squall zu. Dieser ging mit seiner Gunblade in Abwehrhaltung.
"Es reicht!"
Skylar sprang nach vorne, ballte die Faust und zielte auf den Knopf. Im selben Moment machte auch Cifer einen Satz nach vorne, das Schwert auf Skylar gerichtet. Squall stieß sie zur Seite und wehrte den Schlag ab.
"Das ist nicht mehr witzig! Lass endlich diesen Blödsinn!", befahl Squall.
Cifers Augen hatten einen merkwürdigen Glanz. Sie sahen aus wie die eines dämonischen Ungeheuers. Unerwartet bekam er einen festen Tritt in den Magen und wurde von Cifer auf die Konsole geworfen. Dutzende Pieptöne erklangen bei jedem Atemzug den Squall machte. Das falsche Wahlergebnis verschwand vom Monitor, stattdessen erschienen zahlreiche neue Diagramme.
"Squall!"
Immer noch Cifers Schwert parierend sah Squall, wie Rinoa einen Zauberspruch vorbereitete. Skylar hockte leicht angeschlagen am Boden und musste zusehen, wie der Computer zum Absturz gebracht wurde. Cifer bemerkte Rinoa, kickte Squalls Gunblade aus der Hand, drehte sich um und stürmte auf sie zu. Mit großer Mühe konnte sie parieren. Doch dann plumpste Rinoa nach hinten, ihre Klinge fiel ihr aus der Hand. Squall sprang zwischen die beiden und packte Cifers Hand. Besessen versuchte Cifer, seine Klinge in Squalls Brust zu pressen.
"Verdammte Scheiße!", fluchte Skylar, die wieder aufgestanden war und panisch versuchte, den Computer wieder in Ordnung zu bekommen.
Verzweifelt versuchte Squall, die Gunblade von sich wegzudrücken. Plötzlich griffen zwei Hände über Cifers Schulter und packten dessen Armgelenke. Ein widerliches Geräusch war zu hören, als die Person hinter Cifer dessen Gelenksknochen zerdrückte. Squall ließ Cifers Gunblade los, der Mann hinterhalb ergriff sie, wendete die Klinge und drückte sie nach hinten, durch Cifers Kehle hindurch. Cifer stieß einen monsterhaften Schrei aus. Flammen schossen aus dem Körper und wirbelten nach oben. Dort nahmen sie die Gestalt eines Ungeheuers an. Squall kannte es. Es war ein Aquila... Dann erlosch die Flamme und der Körper des Aquilas, der zwei Monate lang Cifers Gestalt angenommen hatte, zerfloss.
Hinter dem dampfenden Wasser stand der Mann, der Squall, Rinoa und Skylar gerettet hatte. Er trug schmutzige Kleidung, hatte lange zersauste Haare und einen Bart.
Es war Cifer... Der echte Cifer.
"Ich hab's gleich! Gebt mir noch zehn Sekunden", rief Cifer.
Squall half Rinoa aufzustehen. Cifer nahm seine Gunblade, wischte das Blut ab und steckte sie weg, nachdem er sie eine Weile betrachtet hatte.
"Cifer... Ich... Wir..."
Squall fehlten die Worte.
"Ich muss ja wirklich einen oberflächlichen Charakter haben, wenn mich so ein Monster vertreten kann", lachte Cifer verbittert.
"Wo warst du? Wie hast du uns gefunden? Was war das hier?!"
"Hab zwei Monate Urlaub in einer tropischen Stadt namens Teneralem gemacht. Ein Freund von dir hat mir schließlich geraten, dass ich abbrechen sollte."
"Freund? Wer?", fragte Squall.
"Unwichtig. Macht das hier fertig und dann lasst uns abhauen. Will zurück zum Garden und mit Xell ein ernstes Wörtchen sprechen, was seinen Suchtrupp angeht."
"Mist! Bitte! Das muss es sein!"
Skylar drückte verzweifelt auf einen Knopf. Das Kuchendiagramm kehrte zurück. Skylar grinste kurz und hämmerte dann auf den grünen Knopf ein. Das Kuchendiagramm veränderte sich.
Cecil Kitisa hatte nun 54% am Anteil der Stimmen.
"Meine Damen und Herren! Der Augenblick der Entscheidung ist gekommen!"
Squall zuckte zusammen, als der Moderator die Ergebnisse ankündigte. Hastig schaltete er die Synchronisation ein. Seine zitternden Finger hätten den Schalter dabei beinahe wieder umgelegt.
"... will mir weitere Worte ersparen. Meine Damen und Herren! Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl!" Der Computer piepste.
'Synchronisation: 100%!'
Gleich würde sich herausstellen, ob sie schnell genug waren und ein Unheil abwenden konnten. Skylar nahm Rinoas Hand.
"Die Entscheidung ist gefallen!"
Ein unbeschriftetes Kuchendiagramm wurde im Fernsehen gezeigt. Man konnte nicht erkennen, ob es das falsche oder das richtige war. Squall begann zu schwitzen. Rinoa zitterte. Skylar betete. Cifer war wie gelähmt.
"Der zukünftige Präsident von Galbadia und gleichzeitig Vorsitzender des Rates Pollendina hat einen Anteil von..."
Jeder wartete auf einen Namen. Squall, Rinoa, Skylar und Cifer warteten auf eine Zahl. 54.
"... einen Anteil von neun-und..."
Zwei Zahlen erschienen am Bildschirm. "Halt!"
"Waaaa!!!"
Skylar war kurz vorm Ausflippen.
"54%, meine Damen und Herren, 54%! Es steht 54 zu 46!"
Skylar sank erleichtert zu Boden. Squall und Rinoa drückten sich, erfreut darüber, dass sie Per Manum in dieser 'Schlacht' besiegen konnten.
"... für die nächste Amtsperiode wird bekleidet von..."
Das Diagramm wurde um zwei Namen erweitert.
"... Präsident Cecil Kitisa... meine Damen und Herren..."
Applaus, Buh-Rufe, Jubel...
Kitisa strahlte vor Freude. Aloin ging zu Kitisa und gratulierte ihm mit perfekten Manieren. Er lächelte, doch sein Blick war eisig.
"Wir konnten einen Plan der mächtigsten Organisation vereiteln. Hätte nicht gedacht, dass ich mich mal so für Kitisa freuen würde", lächelte Skylar.

In der Eingangshalle der DEFTAA hatten sich einige Menschen versammelt. Niemanden kümmerte es, dass gerade vier unbekannte Personen aus dem Keller kamen.
"Puh, wir können unbemerkt abhauen", meinte Skylar.
"Ist das nicht unser kleiner Verlierer?"
Cifer deutete zum Eingang. Die Menge in der Halle machte Platz. Gefolgt von Reportern, Angehörigen und Leibwächtern betrat Aloin mit blitzenden Augen das Gebäude. Der verbissene Gesichtsausdruck und diese Schweigsamkeit gegenüber seinen Leuten passten überhaupt nicht zu ihm.
"Lasst uns abhauen", schlug Cifer vor und ging voraus.
Die vier versuchten so unauffällig wie möglich an Aloin und seinen Begleitern vorbeizugehen, doch...
"Rinoa. Was führt Sie denn hier her?"
Rinoa zögerte kurz.
"Ich wollte Ihnen gratulieren... Es tut mir Leid..."
"Sie wissen gar nicht, wie beschämend es ist, so wunderbare Damen wie Sie mit meiner Niederlage zu enttäuschen", verbeugte sich Aloin.
"Ihre Wähler werden Sie noch immer schätzen", meinte Rinoa unsicher.
"Ja, und davon habe ich mehr als Kitisa. Bei dieser Wahl ging es nicht mit rechten Dingen zu... Kitisa kann doch nur betrügen. In den letzten paar Monaten hat man doch gesehen, welch lausiger Politiker er ist. Er würde niemals die Mehrheit der Stimmen bekommen", redete er mit einer lauten Stimme.
Aloin sah sich um.
"Schafft mir endlich diese verdammten Fotografen und Reporter vom Leib", brüllte er plötzlich.
Die Umgebung zuckte vor seinem plötzlichen Wutausbruch zurück. Er drehte sich wieder zu Rinoa und lächelte, doch mehr als je zuvor erschien dieses Lächeln als Fratze. Rinoa trat einen Schritt zurück.
"...Vielleicht war es aber unterm Strich, dass er gewonnen hat", sagte sie schließlich nach einigem Nachdenken.
Aloin sah sie nachdenklich an.
"Sie enttäuschen mich, Rinoa... Ich hätte nie gedacht, dass Sie sich so sehr von dieser Marionette täuschen lassen."
"Es tut mir Leid, Aloin, dass ich so hart mit Ihnen bin, wenn Sie sicher momentan über ihre Niederlage nachdenken müssen... aber ich habe einen Fehler gemacht, Ihnen zu vertrauen", gab Rinoa zurück und kehrte ihm den Rücken zu.
Squall, Cifer und Skylar folgten ihr.
"Was haben Sie gesagt?", knurrte Aloin.
Er fing sich schnell.
"Rinoa. Sie haben mich falsch verstanden", rief er und wollte nach ihr greifen.
Eine Hand griff nach seiner. Squall griff Aloin am Arm und stellte sich mit Cifer vor ihm.
"Zuerst die Wahl und nun Ihre Fans. Machen Sie ne Pause, bevor Sie auch noch Ihre Nerven verlieren", sagte Squall.
Aloin warf einen letzten Blick auf Rinoa. Er nickte und setzte ein gefährliches Lächeln auf und nickte schließlich.
"Mein Fehler. Einen schönen Abend noch. Genießen Sie die Feiern", sagte Aloin.
Dann drehte er sich um, ging mit seinem Gefolge den Flur entlang und war innerhalb von Sekunden wie ein Phantom verschwunden.

Nachdem Kitisas Sieg weltweit übertragen wurde, begab er sich mit seinen Leuten auf den Balkon des Präsidentenpalastes, wo er begann, seinen Anhängern zuzuwinken.
Irgendwo weiter außerhalb der Menschenmenge saßen Squall, Rinoa, Cifer und Skylar auf einer Parkbank und betrachteten das Schauspiel von der Ferne.
"Ich werde Kitisa weiterhin auf den Fersen bleiben. Per Manum wird neue Wege finden."
Skylar blätterte ein letztes Mal ihre Notizen durch und stand auf.
"Für mich wird es Zeit zu gehen. Ich wünsche euch eine angenehme Heimreise. Lasst euch bloß nicht von 'Per Manum' unterkriegen."
"Du aber auch nicht", antwortete Squall und schüttelte ihr die Hand.
"Und grüß Niko von mir... Ne, lieber nicht. Nach seiner Beförderung werdet ihr ihn lieber meiden wollen."
"Beförderung? Oh je..."
Es waren die ersten Neuigkeiten über den Balamb Garden, die Cifer seit seiner Abwesenheit gehört hatte, doch die waren für ihn alles andere als erfreulich. Nachdem Skylar verschwunden war, machten sich auch Squall, Rinoa und Cifer auf dem Weg zur Ragnarok...

Es war einer dieser Tage, die man sich ein ganzes Leben lang in Erinnerung behalten möchte. Kitisa schloss die Tür hinter sich und sah sich in seinem neue, alten Büro um. Es war 1 Uhr morgens. Endlich bekam er die Ruhe, die er nötig hatte, um sich von diesem ereignisreichen Tag zu erholen. Ab morgen würde alles anders sein... Ab morgen würde er ohne Per Manum über Galbadia herrschen...
"Herzlichen Glückwunsch, Herr Präsident!"
Kitisa erschrak.
"Was zum... Sie!? Seit wann sind Sie wieder zurück?"
"Präsident Kitisa? Ist alles in Ordnung?", rauschte es aus einer Sprechanlage.
Kitisa sah in den Spiegel. Er sah wirklich schrecklich aus, dachte er sich.
"Es ist nichts... Ich habe noch Besuch von meinem Berater Balmung bekommen. Danke."
"Ich habe vorhin Tee zubereitet, er sollte fertig sein."
Kitisas Berater setzte sich an einen runden Tisch.
"Oh, Moment", antwortete Kitisa und eilte zum Ofen, auf dem eine mit Gold verzierte Teekanne stand.
Er stellte sie zusammen mit zwei teuren Teetassen auf den Tisch und setzte sich zu Balmung.
"Wieso waren Sie so lange weg? Wussten Sie, dass ihre Stellvertreter Mitglieder von Per Manum sind?", erzählte Kitisa und schlürfte seinen Tee.
"Aber ja", entgegnete Balmung.
"Sind Sie etwa auch bei 'Per Manum'? Stecken Sie hinter der Manipulation? Dann wird es für Sie bald sehr unangenehm werden", sagte Kitisa.
"Ich war nicht nur bei Per Manum. Ich war auch eine Zeit lang bei Aomes Trianirea und die letzten zwei Monate war ich ein Gefangener der SEEDs", lachte er und nahm einen Schluck.
"Ich weiß. Ich habe Sie übrigens zusammen mit Caris auf ein paar Fotos gesehen. Nach seiner Niederlage bin ich die Karteikarten der Gefangenen durchgegangen und hab dabei nicht nur erfahren, dass auch Sie einer der Inhaftierten sind, sondern dass Ihr richtiger Name Zed Black ist."
"Nicht in der Politik, Cecil. Und Zed Black ist auch nicht mein richtiger Name. Es kommt drauf an, wo man welchen Namen hat", entgegnete Zed und trank seinen Tee.
Beide schwiegen für einen Moment.
"Sind Sie für oder gegen mich? Werden Sie mich bei meinem Kampf gegen 'Per Manum' unterstützen?", fragte Kitisa langsam.
Zed lachte.
"Per Manum ist sowieso erledigt, Cecil. Das ist eine Gruppe, dessen Haltbarkeitsdatum lange überschritten ist. Versuch nicht, ein Spiel zu spielen, dessen Regeln du nicht kennst", sagte Zed.
"Ich werde mich weder von Ihnen, noch von einem anderen Berater rumkommandieren lassen", fauchte Kitisa.
Zed lächelte, holte einen Aktenordner heraus und öffnete ihn.
"Diesen Inhalt schonmal gesehen?", fragte Zed freundlich.
Kitisa wurde bleich und griff danach. Zed zog den Ordner weg.
Kitisa sah Zed an.
"Was soll das?", fragte er langsam.
"Ich helfe dir, das Spiel zu spielen. Ansonsten kommt der Inhalt an gewisse Leute", meinte Zed.
"Worum geht es dabei? Was wollen Sie?", fragte Kitisa.
"Alles zu seiner Zeit, Cecil... Alles zu seiner Zeit", sagte Zed und stand auf.
Er ging zur Tür, verließ den Raum und ließ Cecil alleine zurück.
Kitisa stand langsam auf und ging zum Fenster. Er beobachtete lange draußen seine jubelnden Anhänger. Für einen Moment lächelte er, doch seine Augen waren tot.