Squall und Rinoa waren auf dem Dach des Per Manum-Hauptquartiers.
Der Ausblick auf die Stadt war fantastisch. Unter ihnen pulsierte das Leben. Am Horizont erstrahlten Städte. Squall sah die Residenz von Esthar, Dollet und sogar den Balamb Garden.
"Ist das das Ende?", fragte Rinoa.
Mehrere Männer in schwarzen Mänteln und mit Schwertern kamen aufs Dach gerannt.
"Nicht jetzt, nicht hier", sagte Squall.
Squall und Rinoa sahen sich an. Ein Gewehr wurde entladen. Er fasste ihre Hand an... dann ließen sich beide fallen.
Squall erwachte mit einem Ruck. Für einen Moment sah er das Traumbild deutlich vor sich, doch dann verflüchtigte es sich so schnell es gekommen war. Was war das für ein Traum gewesen?
Das Radio lief leise im Hintergrund, während Squall und Rinoa in ihrem Mietwagen langsam durch die verregnete und undurchsichtige Nacht von Deling City fuhren.
"... bisher ergaben die SEED-Anhörungen 43 Gefangennahmen, sowie neun Freisprüche. Präsident Kitisa wies darauf hin, dass alle Ressourcen nun genutzt werden sollten, General Caris ausfindig zu machen. Sein Gegenkandidat kritisierte ihn daraufhin scharf, es fehle ihm an politischer Weitsichtigkeit. Kitisa selbst war für eine Gegendarstellung nicht zu sprechen, da er heute Morgen die Stadt wegen dringender politischer Geschäfte verlassen musste. Die Umfrageergebnisse verschlechterten sich daraufhin ein weiteres Mal. Nun liegt er ganze 20 Prozentpunkte hinter seinem Herausforderer..."
Squall schaltete das Radio ab. Neben dem Brummen des Wagens und dem Quietschen des Scheibenwischers war es nun ruhig im Wagen.
Die Nacht und der Regenschauer sorgten dafür, dass Squall kaum sah, wo sie hinfuhren. Gelegentlich blendeten ihn schmerzhaft die Lichter anderer Autos. Er hoffte nur inständig, dass sie niemanden überfahren würden.
"Glaubst du, sie ist es?", fragte Rinoa plötzlich.
"Ich weiß es wirklich nicht", antwortete Squall nach einigen Sekunden.
"Allein der Gedanke, dass sie da draußen ist, macht mich ja verrückt, aber dass sie der Boss der größten Verbrecherorganisation sein soll..."
"Das wissen wir erst, wenn wir sie sehen. Ich meine, alles, was wir haben, basiert auf einem Namen aus einer mysteriösen Datenbank. Ziemlich merkwürdig, wenn du mich fragst", warf Squall ein.
Sie fuhren sprichwörtlich in die Dunkelheit, dachte sich Squall. Sie folgten Hinweisen von einem ihrer Feinde und einem Mann, der inzwischen verschwunden war.
"Die Goldstrasse müsste hier irgendwo sein", sagte Squall.
Rinoa bremste langsam ab und sie versuchten, ein Straßenschild zu lesen.
"Ne, das ist der Midgarweg", meinte Rinoa nach einigen Sekunden und gab wieder Gas.
Zischend landete ein Transporter im Hangar des Balamb Garden. Die Tür ging auf. Kaum berührte die Ausstiegstreppe den Boden, sprang auch schon Professor Odyne heraus. Zügig folgten Kiros und Ward.
"Ein Fund von historischer Bedeutung, oder? Es sei ein Muss, dass der große Odyne dies sich ansehe, oder?"
"Ist die erste Expedition schon zurück?", fragte Kiros.
"Sie muss jeden Moment eintreffen. Xell erwartet euch im Kommandoraum!", entgegnete ein SEED, der sie abgeholt hatte und führte sie aus dem Hangar heraus.
"Wir haben das Schiff auf unserem Schirm. Es kommt mit gleichbleibender Geschwindigkeit immer näher, obwohl es längst seine Geschwindigkeit verringert haben müsste", sagte ein SEED an der Kontrolltafel zu Xell.
"Funk die drei doch mal an", meinte Xell.
"Was meinst du, was ich die ganze Zeit mache?", entgegnete der SEED gereizt.
"Das sei interessant, oder? Vielleicht seien die drei tot, oder? Dann seien vielleicht Feinde an Bord und hier herrsche gleich Krieg, oder? Der große Odyne möge vielleicht abreisen, o...?"
Ward stapfte mit seinem Fuß auf den Boden und brachte Odyne somit zum schweigen.
Xell hatte sie angefunkt, nachdem er von Selphie die Bestätigung erhalten hatte, dass sie tatsächlich auf einen alten Tempel gestoßen waren. Laut Kiros war Ellione momentan sehr beschäftigt, die Abreise von ihnen geheimzuhalten. Sie wollten auf alle Fälle vermeiden, dass die politische Öffentlichkeit, Wind von dem Fund bekam. Xell wusste, dass sofort jeder Staat Anspruch auf den Tempel erheben würde. Der Papierkrieg, der daraufhin losbrechen würde, würde die Erforschung des Tempels nur verhindern.
"Wie üblich antwortet niemand. Ich bekomme nicht einmal ein Freizeichen. Und das Schiff verringert weiterhin nicht seine Geschwindigkeit", meldete der SEED nervös.
Xell überlegte kurz.
"Ok, bremst es ab. Leitet es in Hangar 33 und schickt zur Vorsicht Gruppe A3 runter. Ach ja, macht die Schotten dicht, wenn wir im Hangar sind. Falls wirklich Feinde drin sind, sollten die nicht einfach in den Garden marschieren können", sagte Xell.
Das Schiff lag ruhig in Hangar 33. Ein paar SEEDs standen in sicherem Abstand und waren kampfbereit. Xell hörte das Wasser im Becken schwappen. Ansonsten war es ruhig. Er nahm sein großes Megaphon.
"Wer auch immer da drin ist. Rauskommen! Und nicht flitzen, sonst könnte es zu peinlichen Missverständnissen kommen."
Es passierte nichts. Xell fühlte, wie ein paar SEEDs nervös wurden. Gerade wollte er sie beruhigen, als etwas klickte. Die Tür ging auf. Er konnte zwei Personen ausmachen.
"Wie geht's denn so?", rief Xell Quistis und Selphie entgegen.
Xell blickte auf die Tür und erwartete Cifer, doch niemand kam.
Wie es sich herausstellte, hatte es im Tempel anscheinend eine Schlacht mit der Sekte Aomes Trianirea gegeben, die sich bis an die Wasseroberfläche erstreckt hatte. Dabei war wohl das Funkgerät ausgefallen.
"Die Mission war ein Reinfall. Die Sekte hat den Wasser-Lacrima und dieses Schwert, das 'Masamune'. Das Einzige, was wir retten konnten, war ein Teil dieses mysteriösen Gebildes", sagte Quistis und holte ein Gebilde aus der Tasche.
Odyne begann zu strahlen.
"Das sei ein Teil der Lunatic Pandora, oder?"
"Finden Sie's raus", brummte Xell und schob den kleinwüchsigen Wissenschaftler aus dem Raum.
"Xell, wir brauchen ein Suchteam für Cifer. Außerdem müssen wir den Tempel erforschen. Es gibt da viele ungeklärte Dinge", meinte Quistis.
"Ich weiß, ich weiß..., nur scheint...", sagte Xell.
"... das Budget etwas überzogen zu werden?"
Jemand hatte unbemerkt das Büro betreten. Niko stand im Türrahmen.
"Tja, so ist das eben, wenn man Leute einfach so auf eine Mission schickt, ohne sich wenigstens über die Hintergründe zu informieren. Ich stand ja bereit, aber niemand hat mich gefragt. Und wenn man dann noch das Geld zum Fenster rauswirft... Klar, dass alles nur ein Reinfall werden kann", sagte Niko.
"Da sieht man dein wahres Gesicht, Niko. Du bist ein kleiner Arsch, der ein ziemlich hohes Geltungsbedürfnis hat. Pech für dich, dass du gestern ziemlich auf die Fresse gefallen bist", antwortete Quistis bissig.
"Gut, geht nur euren Geschäften nach. Ihr werdet schon noch sehen, wohin euch euer unprofessionelles Verhalten hinbringt. Ich bin eigentlich nur hier, um zu sagen, dass da unten ein paar Herren sind, die den Direktor zu sprechen wünschen. Diese Herren sind sehr wichtig. Also wenn euch, wie mir, noch irgendetwas an SEED liegt, solltet ihr sie jetzt treffen", sagte Niko mit einer Mischung aus Verbitterung und Überheblichkeit und verließ den Raum.
"Scheiße, wie haben die das herausgefunden?", zischte Quistis in Xells Ohr, als die beiden durch die Eingangshalle schritten.
Cecil Kitisa, Bail Organa (zusammen mit Graf Thomasa anwesend), sowie die Trabia-Kanzlerin Hella Perseu standen in der Mitte des Raumes. Kiros folgte Xell und Quistis schnell.
"Ah, Gouverneur Seagul. Bereits vor Ort, wie ich sehe", sagte Kitisa mit einem falschen Lächeln.
"Leute, was kann ich für euch tun?", fragte Xell.
"Uns ist zu Ohren gekommen, dass ein Centra-Tempel entdeckt wurde und dass in ihm Funde von bedeutender Wichtigkeit enthalten sind", erklärte Kitisa.
"Ja, das stimmt", nickte er.
"Und wann wollten Sie uns das mitteilen, Direktor Dincht? Ich denke doch nicht, dass Sie den Tempel unter Ihrer Leitung durchsuchen lassen wollen. Das ist eine Entdeckung von internationaler Bedeutung und untersteht, wie Sie sicher wissen, somit dem Rat Pollendina", sagte Kitisa, immer noch lächelnd.
Xell ging dieses Presselächeln mächtig auf die Nerven.
"Wir sind dabei, ein exzellentes Forscherteam zusammenzustellen. Professor Odyne wird das Team anführen...", begann Quistis diplomatisch.
"Ah, das habe ich erwartet. Ein Estharianer führt also die Forschung durch? Geht es hier etwa um die Durchsetzung nationaler Interessen?", fragte Kitisa.
Das Lächeln war irgendwo während Quistis Ausführungen verschwunden.
"Hä? Darum geht es hier gar nicht", begann Xell vollkommen überrumpelt von Kitisas Denkensweise.
"Der Ratsvorstand ist lediglich besorgt, die Untersuchung einem Staat alleine zu übertragen", sagte Bail Organa ruhig.
Ein Aufblitzen in seinem Auge verriet jedoch, dass er mit der Meinung des Ratsvorstandes nicht übereinstimmte.
"Ich muss gestehen, dass mir auch unwohl ist, wenn eine der beiden großen Weltmächte die Untersuchung alleine durchführen wird. Gerade Trabia könnte sich dadurch übergangen fühlen. Vor allem, wenn man Esthars blutige Geschichte sieht", meinte Hella Perseu eisig.
"Jedes Land hat eine blutige Geschichte, Kanzlerin Perseu. Oder haben Sie etwa die Waldkriege vergessen, in denen Trabia brutal einen Stamm Ureingeborener ermordet hat?", sagte eine Frauenstimme.
Xell drehte sich um und sah eine Frau auf die kleine Gruppe zu schreiten. Die Absätze ihrer Schuhe hallten in der ganzen Halle wieder.
"Ah, Frau Goodsworth. Wieder dabei, angebliche schmutzige Geschäfte von mir zu enthüllen?", fragte Perseu mit funkelnden Augen.
"Diese Geschäfte sind nicht angeblich. Damit Sie Ihre Villa bauen konnten, musste eine traditionelle Chocobo-Farm schließen. Auch wenn Sie mehrere hundert Leute gekauft haben, die wichtige Beweise für sie unterschlagen haben. Wollen wir das hier ausdiskutieren oder doch lieber zum Thema zurückkommen?", fragte Skylar freundlich.
Perseu blickte steinern zurück. Skylar nickte und fuhr ungerührt fort.
"Ich bitte Sie. Sie sind die Vertreter dieser Welt. Wir haben es hier mit einem Fund von historischer Bedeutung zu tun. Wieso legen Sie nicht endlich Ihre Differenzen bei und machen aus dem Rat Pollendina endlich ein richtiges Bündnis? Wieso entsenden wir nicht ein internationales Team?", fragte Skylar in die Runde.
Xell musste zugeben, dass diese Skylar es draufhatte. In weniger als fünf Minuten waren auch die skeptischsten Politiker, mit Schützenhilfe von Organa und Thomasa, überzeugt. Die Politiker verließen letztlich die Halle in Richtung Mensa.
"Ich muss mich bei Ihnen für diesen Überfall entschuldigen, Direktor Dincht. Die waren wegen mir hier. Ich habe eine kleine Meldung an meine Zeitung raus gesendet. Diese Meldungen sind den Regierungen dieser Welt zugängig", sagte Skylar.
"SIE HABEN WAS!?"
"Ich bin Reporterin, das ist mein Job. Ich habe mich ja bereits entschuldigt", sagte Skylar klar.
Xell nickte dann.
"Okay. Verziehen. Aber bitte vorher bei mir anklopfen in Zukunft. Und nennen Sie mich Xell."
Skylar öffnete ihren Mund, vielleicht um sich vorzustellen, doch dann verdüsterte sich ihre Miene plötzlich. Sie hatte kurz über Xells Schulter nach oben geblickt und ihr Blick war haften geblieben. Dann drehte sie sich um und verließ die Halle zügig ohne ein weiteres Wort zu sagen. Xell drehte sich um und sah ebenfalls nach oben. Im ersten Stock auf den Gang stand Niko, der die ganze Szenerie anscheinend beobachtet hatte. Auch er verschwand schnell aus Xells Blickfeld.
Squall und Rinoa betrachteten das Hauptquartier von 'Per Manum'. Es war ein großes Hochhaus. Es sah nicht viel anders aus, als die anderen Geschäftshäuser. Es war lediglich etwas höher.
Es hatte aufgehört zu regnen. Ein unangenehm kühler Wind pfiff durch die Straßen.
Squall sah durch die Eingangstür. Drinnen im Gebäude brannte Licht. Daneben war ein Schild aufgestellt.
'Statistik-Institut-Galbadia. SIG. Strategische Schnittstelle für Informationsaustausch, Knotenpunkt 35B'.
Von außen erschien es als ganz normale Behörde.
"Wollen wir gehen?", fragte Rinoa.
Squall nickte. Beide schritten durch die Eingangstür.
Das Innere war komplett weiß und erinnerte Squall an Fibs Arbeitsplatz. Eine Dame saß trotz der späten Stunde hinter einem halbmondförmigen Tisch und arbeitete an einem Computer. Ihr Tippen war das Einzige, was zu hören war in dem karg eingerichteten Raum. Als Squall und Rinoa den Tisch erreicht hatten, blickte sie hoch und lächelte auf einmal so schnell, dass Squall fast meinte, sie hätte Lachgas inhaliert.
"Guten Morgen, willkommen im Statistikamt von Deling City, wie kann ich Ihnen helfen?"
"Wir wollen zum 'Boss'!", sagte Squall.
"Sofort, einen Moment", zwitscherte die Dame in einem Tonfall, als hätten sie nach der Toilette gefragt.
Sie hob einen Telefonhörer ab.
"Ja, hier sind zwei Herrschaften. Sie wollen zu ihrer Exzellenz. Ja... Sie persönlich holen sie ab? Wunderbar!"
Die Dame legte auf und wandte sich erneut an Squall und Rinoa.
"Bitte fahren Sie in den 66. Stock. Dort wird man Sie in Empfang nehmen!", lächelte die Dame.
Rinoa und Squall betraten den Fahrstuhl. Eine Frauenstimme wünschte ihnen einen guten Morgen und begrüßte sie ein weiteres Mal im Statistikamt.
Squall und Rinoa sahen sich an, während die Stimme die Cafeteria im Erdgeschoss anpries. Dann ab Stock 20 änderte sich auf einmal der Text. Squalls Magen zog sich zusammen. Es war die gleiche Stimme, jedoch...
"Willkommen bei 'Per Manum'. Bitte denken Sie daran, dass es nach Vorschrift §323, Absatz 34 nicht erlaubt ist, irgendetwas über Ihre Arbeit zu erzählen. Bedenken Sie, dass Sie vor der Genehmigung eines 244ers zuerst ihren 365er kontaktieren müssen. Anträge 432 und 875 sind in eigener Verantwortung auszufüllen. Arbeiten Sie gut, arbeiten Sie fleißig. Bedenken Sie, Menschen sind ersetzbar, Ihre Arbeit ist es nicht. Einen produktiven Tag wünscht Ihnen 'der Boss' und 'Per Manum'."
Rinoa zitterte am ganzen Leib. Er griff nach ihrer Hand. Sie war kalt. Der Fahrstuhl gab ein kurzes Piepen von sich. Die Tür glitt auf. Ein Mann stand hinter der Tür. Es war Bob!
"Guten Tag, folgen Sie mir bitte", sagte Bob freundlich, als wären sie sich noch nie im Leben begegnet.
Squall schielte auf seinen Armstumpf, um sich schnell des Gegenteils zu vergewissern.
Squall betrachtete die Einrichtung des Hauptquartiers. Alles war mit Gold verziert. In der Mitte stand ein Springbrunnen, jedoch kam kein Wasser aus ihm. Büroräume und sterile Schreibtische wechselten sich ab mit verschwenderischen Goldstatuen, die die Hexe Adell abbildeten. Überall hingen Kameras. Männern in Anzügen mit Durchschnittsgesichtern unterhielten sich oder telefonierten hektisch mit anderen.
"Streichen Sie die Worte 'emotional' und ersetzen Sie es durch 'gefühlvoll'", meinte Squall zu hören.
Ein Mann, der vorbeiging, diktierte in sein Gerät.
"In Debatte 2A.34 folgt auf Frage 3 Antwort 4, auf Frage 1 Antwort 5, auf..."
Daneben sah Squall immer wieder Männer mit Sonnenbrillen und Schwertern, wie diejenigen, mit denen er in Fibs Arbeitsstelle gekämpft hatte.
Squall fiel auf, dass alles so surreal und widersprüchlich wirkte. Als ob jemand mit Gewalt versucht hatte, sämtliche Facetten der Welt und der Menschheit in einen Raum zu pressen. Obwohl alles schockierend wirkte, kam Squall die ganze Angelegenheit wie ein schlechter Witz vor. Während er durch diese Gänge schritt, wurde ihm klar. Per Manum war zum Untergang verdammt.
Wie konnte es sein, dass eine solche seltsame Organisation so lange das Weltgeschehen bestimmt und Menschen wie General Caris hervorgebracht hatte?
Im Kontrollraum beobachtete eine Frau die Bildschirme, die jeden Winkel des Gebäudes zeigten. Sie verfolgte die zwei Neuankömmlinge. Auf den Monitor daneben wurden sofort die Lebensdaten der beiden angezeigt.
"Sag ihnen, ich werde bald da sein", sagte die Frau zu einem jungen Mann, der neben ihr stand.
"Ja, Boss."
Der Boss blickte nachdenklich auf den Bildschirm. Würde dieses Treffen ihren bisherigen Weg bestätigen? Oder würde es ihr Leben eine Wendung geben?
Ein Mann trat auf sie zu.
"'Boss', eine neue Nachricht ist eingetroffen. Memo 7.654.4 von JHCPOAT."
Der Boss riss sich aus seinen Gedanken.
"Ich komme."
Squall sah aus den Augenwinkeln, wie sich eine Tür öffnete. Ein junger Mann kam heraus.
"Danke Bob, ich nehme sie hier ab. Hier lang bitte, meine Dame, mein Herr", sagte der junge Mann und öffnete eine weitere Tür.
"Ich soll Ihnen vom 'Boss' ausrichten, dass er bald bei Ihnen sein wird. Bitte warten Sie solange in seinem Büro auf ihn", sagte der Mann und geleitete die beiden ins Büro.
"Ich dachte, der Boss sei eine Frau?", fragte Rinoa scharf.
"Das variiert von Zeit zu Zeit. 'Boss' ist ein Titel, kein Name. Entschuldigen Sie mich jetzt bitte", sagte der Mann und verschwand.
Squall sah sich im Büro um. Ein großer Schreibtisch stand am anderen Ende des Raumes. Hinter dem Schreibtisch befand sich ein riesengroßes Fenster. Zu Squalls Erstaunen sah man am Horizont den Präsidentenpalast von Esthar. Irgendwie wurde im Bau des Büros anscheinend die Erdkrümmung berücksichtigt. An einer der Wände hing ein riesengroßes Portrait von Adell.
"Pervers", sagte Rinoa und brachte es auf den Punkt.
Die Rettungs- und Forschungsmission war im vollen Gange (Xell und Selphie führten sie vor Ort an) und die Politiker waren in der Mensa. Nun blieb für Quistis nur noch ein unangenehmer Job. Es gab ein Mann, der von vorne rein den Namen der alten Centra-Stadt Teneralem gekannt hatte. Zed Black. Sie musste mehr Informationen aus ihm herausbekommen. Vielleicht konnten diese Informationen helfen, Cifer zu finden. Das war sie ihm als SEED schuldig. Sie hasste es, diesem Mann gegenübertreten zu müssen. Sie holte tief Luft und wollte gerade sich nach unten zu seiner Zelle begeben, als eine vertraute Stimme nach ihr rief.
"Hey!"
Quistis drehte sich um und sah Irvine auf sie zu schlendern.
"Ich dachte, ich helfe dir ein wenig bei der Befragung", grinste Irvine.
Quistis lächelte.
"Hey, was ist das denn?"
"Mein cooler neuer Kinnbart. Na los, bringen wir es hinter uns!", sagte Irvine.
"Ich werde morgen eine Resolution in den Rat Pollendina einbringen, dass der Tempel Galbadia gehören wird. Ich muss meinen Wählern etwas bieten. Meine Umfragewerte sind im Keller und ich muss ja wohl nicht erwähnen, dass dieser Aloin eine Gefahr für alles ist, was wir aufgebaut haben. Wenn dieser Mann Ratspräsident wird... dann weiß ich nicht, was das für die Welt bedeuten wird", sagte Kitisa.
"Wie üblich, Kitisa, lassen Sie dabei die kleineren Staaten außer acht. Wir werden diese Resolution auf alle Fälle blockieren! Außerdem machen Aloins Argumente auf mich mehr Eindruck als ihre diktatorische Führung", gab Perseu scharf zurück.
"Denkt ihr wirklich, das ist eine weise Entscheidung in diesen schwierigen Zeiten? Wir haben größere Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben. Der Tempel sollte Weltkulturerbe werden und damit hat sich das. Wir sollten das Kriegsbeil begraben", sagte Bail Organa ruhig.
"Tja, Geschmäcker gehen eben auseinander", warf Graf Thomasa ein, während er ununterbrochen eine Mogry-Torte aß.
Skylar wandte sich ab. Diese Politiker konnten sich sogar in der Mensa nur streiten.
Da es nun kälter wurde, hat man kurzerhand Glaswände aufgestellt, sodass nun aus der Freiluftmensa ein geschlossener Raum geworden war.
Skylar wollte gerade gehen, als ihr Blick auf einen Mann fiel, der gerade Zeitung las. Sie überlegte kurz und setzte sich dann zu ihm.
"Hallo Niko."
"Was kann ich für Sie tun?", entgegnete Niko ohne aufzublicken.
"Hör zu, Niko, ich weiß, dass unser letztes Gespräch bereits etwas her ist. Und dass es nicht gerade das freundlichste war. Doch du könntest deiner Schwester wenigstens den Respekt erweisen, ihr ins Gesicht zu sehen, wenn du mit ihr sprichst", sagte Skylar.
Niko sah sie an. Skylar fiel auf, dass er sich, trotz seiner gekämmten Haare, trotz seiner Uniform, optisch nicht sehr verändert hatte. Seine Gesichtszüge sind weiterhin sehr jung geblieben, obwohl er alles tat, dies zu verbergen.
"Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum Sie sich hinsetzen und solche Lügen erzählen. Ich habe keine Schwester. Wenn das nur ein Trick sein sollte, mir Informationen für einen kleinen peinlichen Artikel zu entlocken, so muss ich Sie enttäuschen", sagte Niko.
"Zed Black, Alter 30. Trat mit 17 in den Delinger Geheimdienst ein. Durchschnittlicher Schüler. Ehemalige Klassenkameraden bescheinigen Ihnen, Sie wären besonders unauffällig gewesen. Ihren ersten Mord begangen Sie jedoch nicht im Staatsdienst. Wir haben einen Zeitungsartikel gefunden, wonach Sie mit 15 während eines Klassenausfluges einen Klassenkameraden von Ihnen mit der Pistole Ihres Vaters erschossen haben", sagte Quistis eisig.
"Das war ein Unfall. Ich töte nicht aus Spaß", gab Zed zurück.
Quistis saß ihm gegenüber. Irvine ist stehen geblieben.
"Hey, mit 15 bringt man doch niemanden um! Da hat man seine erste Freundin oder philosophiert über die Welt", meinte Irvine.
"Das war ein Unfall. Ich habe keinen Grund, in diesem Fall zu lügen", sagte Zed eisern.
"Dann bleiben Sie weiter mal so ehrlich, denn wir haben ein paar Fragen", sagte Quistis.
"Ich habe eine Frage, Niko", fuhr Skylar fort.
Sie hatte den Eindruck, als wolle Niko etwas entgegnen, doch sie kam ihm zuvor.
"Ich weiß nicht, woher du die Information über den Wasser-Lacrima oder über den Tempel hast, aber du musstest ja eine Ahnung haben. Dieser Planet ist zu 2/3 mit Wasser bedeckt und du konntest anscheinend aus deinem Instinkt heraus den Suchquadranten eingrenzen. Wie hast du das geschafft?", fragte Skylar.
Nikos Gesichtsausdruck war schwer zu lesen.
"Ich glaube, ich kann dir die Antwort selbst geben, Niko. Es ist Niida, oder? Er hat es uns gesagt. Er ist tot und dennoch spricht er mit uns. Es ist die Verbindung, die wir mit ihm haben, auch jetzt noch. Er war der Träger von Hyne. Ich spüre es auch. Ich spüre, dass ich manchmal nachts aufwache und meine, ich hätte seine Stimme gehört. Ich weiß, du willst mit deiner Vergangenheit nichts mehr zu tun haben, aber du kannst nicht ewig davon rennen, Niko. Xelto ist tot. Er wurde von Niida getötet. Und das, was Niida damals bewegt hat, dies zu tun, hat ihn umgebracht. Der Mörder unserer Brüder lebt noch und will noch viel mehr umbringen. Du solltest das akzeptieren! Du solltest was dagegen unternehmen", meinte Skylar.
"Ich weiß wirklich nicht, woher Sie ihre Wahnvorstellungen nehmen", entgegnete Niko.
"'Teneralem', der Name einer uralten Centra-Stadt. Woher wussten Sie davon?", fragte Quistis.
"Prokylta suchte diese Stadt, aknnte ihren Aufenthaltsort aber nicht. Dieses Hindernis jedoch hätte sie bewältigen können, da sie im Besitz von einer Prophezeiung ist und mit Hyne indirekt in Kontakt steht. Eines jedoch konnte sie nicht aus dem Weg räumen. Sie brauchte aus dem Tempel das Schwert 'Masamune'. Diese uralte Klinge wird dort seit Jahrhunderten aufbewahrt. Die Centra haben es versiegelt, sodass nicht einmal Hyne selbst herankommt. Sie brauchte also jemanden, der es ziehen kann", meinte Zed.
"Sie lügen. Das Masamune befand sich in den Händen der Bestia Gilgamesh", warf Irvine ein.
"Ja, aber Gilgamesh lebte in einer spirituellen Welt. Das Masamune von ihm war lediglich eine spirituelle Nachbildung des Originals. Dies hier im Tempel ist echt."
"Und warum will Prokylta das Schwert?", fragte Quistis.
"Das wollte sie herausfinden, als ich Aomes Trianirea verließ", antwortete Zed.
"Und wieso konnte Cifer das Schwert ziehen? Und wo ist Cifer jetzt?", fragte Quistis.
"Das übersteigt meinen Horizont. Aber ich gebe Ihnen etwas anderes. In dem Schwertraum, wo sich auch der Lacrima befand, soll es, laut Prokyltas Informationen, einen Geheimraum geben. Bringen Sie die drei roten Steine in ein Dreieck und der Raum sollte sich öffnen. Dahinter müsste sich die 'Walpurgis Bibliothek' befinden, ein Raum mit unschätzbarem Wissen. Vielleicht wurde ihr Freund ja darin eingeschlossen", sagte Zed.
"Schade Niko, dass du nach wie vor so ein Arsch bist. Du hättest das ganze Potential gehabt, dich zu einem richtig netten Typen zu entwickeln. Doch du musstest ja die Karriereleiter um jeden Preis hinaufsteigen. Und jetzt ist alles weg. Ich bin mir sicher, dass Edea Kramer dich nur hier behält, weil sie auch die Verbindung zwischen Niida und dir vermutet hat. Na ja, ich wünsche dir noch alles Gute... Bruder", sagte Skylar wütend und stapfte davon.
Scheinbar ungerührt las Niko die Zeitung weiter, doch wer genau hinsah, konnte erkennen, dass sich seine Augen nicht bewegten.
"So ein Arsch", meinte Irvine, als er und Quistis in die Eingangshalle gingen.
"Kannst du laut sagen. Hey, ich geh auf die Brücke. Bis später", sagte Quistis und verschwand.
So ein Arsch, dachte sich Skylar, als sie in die Eingangshalle ging.
"Scheiße", sagten Skylar und Irvine.
Beide sahen sich an. Keiner hatte den anderen zuvor bemerkt.
"Hallo", sagte Irvine.
"Hi", antwortete Skylar.
"Sie sind Skylar Goodsworth, nicht wahr? Ich mag Ihre Sendung", sagte Irvine.
Und ich mag deine Muskeln, dachte sich Skylar.
"Danke", sagte sie.
"Hätten Sie Lust auf einen Drink?", fragte Irvine.
"Eigentlich würde ich die Mensa eher meiden. Aber ein Spaziergang würde mir ganz gut tun."
"Zufälligerweise hat es auch gerade aufgehört zu regnen", meinte Irvine und die beiden schlenderten durch die Eingangshalle.
Selphie sah sich im Tempel um. Es war keine Spur mehr von den Sektenmitgliedern zu sehen. Sie hatten sich anscheinend das genommen, was sie brauchten, und waren wieder verschwunden.
Die ruhige Atmosphäre wurde nun von diversen Faktoren empfindlich gestört. Wissenschaftler mit Taschenlampen und allerlei Geräten rannten durch die Gänge und schrieen sich irgendwelche bedeutungslose Sachen zu. Inmitten von alledem war Odyne, der aufgeregt eine Anweisung nach der nächsten schrie.
Der Behemoth, den Selphie, Cifer und Quistis beim ersten Eintreffen getroffen hatten, war ganz verwirrt. Durch den Kampf mit den Sektenmitgliedern war er leicht verwundet worden und humpelte deswegen. Selphie tätschelte seinen Kopf.
Sie befanden sich im Raum mit dem Überbleibsel der Steinsäule.
"Das sei überaus interessant, oder? Die Steinsäule sei immer bereits das Zentrum der Lunatic Pandora gewesen, oder? Später hätte Esthar, unter Adells Anweisung, sie mit Technik versehen, oder? Nun sei die Technik vernichtet worden, während die Steinsäule mehr oder weniger intakt sei, oder? Nur zerbrochen, nicht geschmolzen, oder? Wenn nun die Steinsäule mit Hyne verbunden sei, dann er habe vielleicht die Technik weggesprengt, oder?", meinte Odyne.
"Niemand mag es, wenn man einfach Technik in ihn reinstopft", sagte Xell.
"Da habe der junge Herr Recht, oder?", sagte Odyne und stellte eines seiner Geräte auf einen vermutlich mehrere tausende Jahre alten Tisch.
"Hey, Leute, Quistis hat gerade was durchgefunkt. Irgendwas von einem Steinrätsel", sagte Xell.
Xell stand ruhig in dem Raum, wo sich noch vor kurzem ein Artefakt und ein Schwert befunden hatten und lauschte den unsichtbaren Chören. Sie klangen irgendwie hoffnungsvoll.
"Die Architektur sei beeindruckend, oder? Diese Stimmen seien mehrere hundert Jahre alt und trotzdem könne man sie noch hören, oder?", wunderte sich Odyne.
"Schätze, Quistis meinte wohl das", sagte Xell und deutete auf ein paar Steine, die gut hinter dem Altar versteckt waren, auf dem sich das Schwert befunden hatte.
"Ich glaube, wir hatten hier das letzte Mal Sichtkontakt", meinte Selphie.
"Zumindest stimmt die Richtung. Obwohl ich mir kaum vorstellen kann, dass der Gute im Kampf ein Rätsel lösen kann, um dann hinter einer Steinwand zu verschwinden", sagte Xell skeptisch.
"Vielleicht wurde er ja von irgendeiner Vorrichtung verschluckt", schlug Selphie vor.
"Yo, das klingt mehr nach der Selphie, die ich kenne", grinste Xell.
"Lösen wir also das Rätsel. Geh mal weg, Xell, du störst", sagte Selphie laut.
Sie machte sich an die Steine. Nachdem sie kurz überlegt hatte, begann sie die Steine hin und her zu schieben. Xell konnte kaum Luft holen, da war das Rätsel auch schon gelöst.
Die Wand schob sich langsam zur Seite und gab den Weg zu einem langen dunklen Gang frei. Ein Luftstoß kam Xell entgegen. Es roch modrig. Xell schaltete seine Taschenlampe an und leuchtete in den Gang. Zu seiner Überraschung traf der Lichtstrahl auf eine Wand. An der begannen auf einmal Buchstaben zu leuchten. Es schien sich um eine Weggabelung zu handeln, denn es gab zwei Schilder und Pfeile.
Links
Pfad der Walpurgis - Die Hexenprüfung
Sei vorsichtig,
du findest hier deinen schlimmsten Feind,
wenn du nicht aufpasst wird die Dunkelheit dich verschlingen,
du wirst gefangen, während die Dunkelheit deinen Platz übernimmt,
wenn du jedoch den Pfad durchquerst,
eine wahre Hexe wirst du sein.
Rechts
Bibliothek der Walpurgis
"Wo ist Rinoa, wenn man sie braucht? Sieht so aus, als ist der linke Weg den Hexen vorbehalten. Gehen wir also in die Bibliothek", sagte Xell.
Odyne bestand darauf, dass vor ihm ein paar Leute waren, bevor er sich selbst in den Gang wagte.
Zu ihrer Überraschung entpuppte sich der bedrohliche dunkle Gang als sehr kurz und ehe man sich versah, traten sie durch eine Tür in einen gewaltigen Raum.
An den Wänden hingen mehrere Gemälde. Ansonsten waren Bücher bis an die Decke gestapelt. Anscheinend hatten die Centra alles, was sie wussten, niedergeschrieben und hier aufbewahrt.
"Krass. Da braucht man aber lange, ehe man sich einmal durchgelesen hat. Falls Cifer hier irgendwo ist, wird ihm zumindest nicht langweilig", meinte Xell.
Die Ausmaße waren gewaltig. Als Xell sich die Gemälde ansah, fiel ihm auf, dass sie historische Persönlichkeiten zeigten, von denen man nie gewusst hatte, wie sie ausgesehen haben. Doch ein Gemälde war größer als alles andere. Es zeigte eine Familie. Xell las die Bildunterschrift.
Lord Zebarga, seine Frau, die mächtige Hexe Lady Baskarune und ihre Tochter Prinzessin Adell
Xell traute seinen Augen nicht. Prinzessin Adell?
Zebarga war ein großer, dunkelhäutiger Mann mit langen grauen Haaren und stahlblauen Augen. Er machte zwar einen sehr mächtigen Eindruck, allerdings fand Xell, dass er nicht gerade der warmherzige Typ war. Baskarune hatte langes rötliches Haar und ein schönes Gesicht. Allerdings meinte Xell etwas schlangenhaftes in ihren Gesichtszügen zu erkennen.
Die Tochter der beiden erkannte er jedoch sofort. Das letzte Mal, als er sie gesehen hatte, waren ihre Gesichtszüge monsterhaft und entstellt gewesen, doch er erkannte ganz klar, um wen es sich handelte.
"Das gibt's doch nicht. Die Hexe Adell war die Tochter vom Gründer des Centra-Volkes", rief Xell.
Odyne trat hinter ihm. Zum ersten Mal wusste er nichts zu sagen. Xell sah sich das lächelnde Mädchen an. Sie sah glücklich aus. Sie sah menschlich aus. Xell fragte sich unwillkürlich, wie aus diesem Mädchen diese Bestie werden konnte, die Esthar mit eisernem Griff beherrscht hatte.
"Hey, das kapier ich nicht. Das Bild wurde doch vor Tausenden von Jahren gemalt. Aber die Tusnelda haben wir doch erst vor fünf Jahren gekillt. Dann muss sie doch..."
"... ziemlich alt gewesen sein", schloss Selphie.
"Es sei wahrscheinlich, die Hexe Adell habe Zauber auf sich angewandt, um ein langes Leben zu bekommen und ihre Herkunft zu verschleiern, oder?", sagte Odyne.
"Erklärt, warum die Alte so hässlich aussah", meinte Xell.
Sein Blick fiel auf eine Schriftrolle, die mit 'Der Krieg gegen Baskarune' betitelt war. Xell las vor.
Baskarune überzog das Land mit einem fürchterlichen Krieg. Unter ihrer Anleitung baute das Volk eine große Steinsäule, mit der sie es Monster regnen lassen konnte. Das Volk sehnte sich nach dem großen Zebarga, der verschollen war. Eine Gruppe ehrenhafter Hexen schloss eine Allianz mit mutigen Personen aus dem Volk, allen voran die Per Manum-Divison. Sie drangen in Baskarunes Festung ein. Die Hexe ließ mächtige Zauber auf die Helden niederregnen, doch ihre Macht konnte gebrochen werden. Mit ihrer letzten Macht transformierte sich Baskarune in eine schlangenförmige Gestalt, jedoch bannten die Hexen sie in eine Dimension ohne Zeit und Raum, wo sie sich bis heute sich befindet.
"Hey, jetzt weiß ich, warum die mir so bekannt vorkommt. Wir haben sie in der Zeitkompression getroffen", meinte Xell.
"...und vernichtet. Anscheinend hatte sie es verdient", murmelte Selphie.
Xell las weiter.
Die Hexen wandten sich Prinzessin Adell zu. Man wollte sie töten, doch Soldat Fibrean Copper verhinderte dies, da Adell vor Angst schrie. Sie floh in den Wald und ward nie wieder gesehen.
"Division 'Per Manum'. Fibrean Copper? Was geht hier vor?", fragte Xell.
"Das sei klar, oder? Adell hätte ihre Verschwörung nach der Division benannt, die sie verfolgt habe, oder? Vielleicht ihre Art, um sich zu rächen, oder? Sie habe die Welt versucht zu vernichten, oder? Als Rache für ihre toten Eltern, oder?", meinte Odyne.
"Aber eins verstehe ich nicht. Baskarunes Memoiren wurden angeblich von ihren Nachfahren zumindest nachbearbeitet. Dann müssten sie von Adell stammen", meinte Selphie.
"Ich würde sagen, dass ändert ein wenig die Glaubwürdigkeit dieser Schriften", sagte Xell.
"Adells Täuschung begann lange Zeit vor Per Manum. Als sie die Steinsäule ausgraben lies und aus ihr die Lunatic Pandora machte, führte sie die Arbeit ihrer Mutter weiter. Das einzige Mal, wo sie in einen offenen Kampf gezogen war, hat sie verloren. Der größte Trick von ihr war die Täuschung der Menschen. Ich meine, wer von uns hätte vor fünf Jahren gedacht, dass diese Frau die Weltgeschichte bis heute lenkt?", sagte Selphie.
Xell sah dem kleinen Mädchen ins Gesicht.
"Diese alte Schlampe", sagte er abschließend.
Squall betrachtete nachdenklich das Portrait der Hexe Adell. Merkwürdig. 'Per Manum' ist bereits seit so langer Zeit unabhängig von der Hexe und trotzdem hängen hier noch Portraits von ihr.
Alles ging auf die Hexen zurück, stellte Squall fest. Ob es die Zeitkompression vor fünf Jahren war, oder Per Manum, ob es sich um Caris drehte oder um Aomes Trianirea. Hinter allem standen die allmächtige Macht der Hexen und die Macht von Hyne. Er gab normalen Menschen, normalen Mädchen eine endlose Macht und hatte sich somit eine Armee heran gezüchtet. Warum sind Menschen nur so machtgeil? Warum gab es nur so wenige Hexen wie Rinoa oder Edea, die ihre Kräfte für was Gutes einsetzen?
"Woran denkst du?", kam Rinoas Stimme.
"An dies und das", antwortete Squall vage.
"Mann, dieser 'Boss' lässt uns aber ganz schön warten", meinte Rinoa.
"Ob sie uns vielleicht beobachten und feststellen wollen, was wir machen?", fragte Squall.
"Hundertprozentig", gab Rinoa zurück.
Squall setzte sich auf einen bequemen Stuhl. Sie ließ sich neben ihm nieder.
Squall blickte aus dem riesengroßen Fenster. Während er die Residenz beobachtete, fragte er sich, was Laguna wohl gerade machte. Und wo Fib wohl gerade war?
"Wenn wir wieder zurück im Garden sind, müssen wir Xell unbedingt sagen, dass er nach Fib suchen muss. Ich habe ein schlechtes Gewissen dabei. Immerhin haben wir ihn da reingezogen", sagte Squall.
Rinoa nickte und sah ebenfalls aus dem Fenster.
"Manchmal habe ich das Gefühl, ich müsste eine Liste unserer Probleme machen, weil wir sonst den Überblick verlieren. Fib, die Jagd nach den Adeptinnen, die Prophezeiung, Hyne, Caris... langsam kann man wirklich verrückt werden", meinte sie.
Squall musste lachen. Rinoa sah überrascht zu ihm rüber und lächelte ebenfalls. Plötzlich wurde ihr Gesicht schmerzverzerrt.
"Ist was?", fragte Squall.
"Ach, es ist nur das Baby", meinte sie.
"Das ist eigentlich das, worum wir uns kümmern müssten. Und wo sitzen wir? In einem Hauptquartier der Weltverschwörung. Wir müssten momentan eigentlich eine Kindergrippe kaufen oder so was", meinte Squall.
"Ehrlich gesagt kann ich mir kaum vorstellen, bald Mutter zu werden. Ich... ich kann eigentlich gar nicht an die Zukunft denken. Sonst würde ich verrückt werden", meinte Rinoa.
Squall schwieg. Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Sicher, ihm ging es genauso. Er dachte kaum mehr an die Zukunft. In Balamb hatten sie immer weit voraus geplant. Reisen, Einkäufe, Besuche...
Doch mit dem Moment, wo er aufgebrochen ist, um Rinoa zu finden, dachte er nur noch an den Moment, Rinoa wiederzufinden. Und als er sie gefunden hatte, hatte er zum nachdenken keine Zeit mehr gehabt. Er hatte sich nur darauf konzentriert zu überleben und für den Moment gelebt; sei es im Kampf gegen Caris oder in seinen Streitgesprächen mit Niko, sei es bei seinem Kampf gegen sich selbst oder auf dem Torbogen in Deling City. Es fühlte sich, als würde er nur noch rennen.
"Ich denke in letzter Zeit oft an den Anfang dieser zweiten großen Krise. Wie du verschwunden bist. Das war ein ziemlich großer Schock für mich", meinte Squall.
"Ja, ich weiß. Es tut mir auch endlos Leid, dass ich dir das antun musste. Aber ich konnte nicht anders. In der Nacht, wo ich ging, war mir, als würde jemand anders mich steuern. Die Reise alleine war sehr einsam. Odyne hat mir in Esthar empfohlen, im Shumi-Dorf vorbeizuschauen. Als junger Mann war er wohl oft dort gewesen. Sie haben mir den Raum gezeigt, in dem die Zeit still steht. Dort habe ich das Schwert hier gefunden. Und ich denke, ich hab zu mir gefunden. Und als ich dann erfahren habe, dass du in Galbadia bist, da habe ich Angst bekommen. Ich hatte von den Shumis von Prokylta erfahren. Ich musste dich anrufen, um dich zu warnen", meinte Rinoa.
"Ohne dich hätte mich Zed sicher in der Oper erwischt. War ganz schön haarig. Vor allem Prokylta... Ich dachte damals, dass sie wirklich Stimmen hören würde...", sagte Squall langsam.
Rinoa sah ihn an.
"Ich frage mich, wieso sie mich in der Oper geheilt hat. Sie hatte mich, ich wär gestorben. Doch sie hat mich geheilt. Wieso wollte sie, dass ich weiter lebe?"
"Vermutlich damit du Niida zum Waisenhaus führst. Hyne war damals nicht vollkommen im Besitz von Niidas Körper und somit unkontrollierbar, erinnerst du dich?", fragte Rinoa.
Squall dachte kurz an Niida. Sein nachdenkliches Gesicht tauchte vor seinem inneren Auge auf. Und dann hörte er Cifer und Niida, wie sie sich anbrüllten.
"Ob es wirklich Niida war, der mit mir geredet hat? Oder war es Hyne?", fragte Squall Rinoa.
"Was denkst du?"
"Ich... glaube, dass wir beide zu viele schöne Momente erlebt haben", sagte Squall.
Er dachte an die anderen drei Goodsworths. An Nikos arrogante Art, an Xeltos verzweifelten Hass und an Skylars selbstbewusstes Auftreten. Gerade wollte Squall von Xelto erzählen, als...
"Es tut mir Leid, dass ihr habt warten müssen."
Squall und Rinoa wirbelten herum. Der Boss stand in der Tür. Rinoa zischte kurz. Der Boss war eine Frau. Es war nicht Julia Heartilly.
"Hey, Xell, sieh mal!", schrie Selphie und zeigte aufgeregt auf ein kleines Portrait.
Xell rannte zu Selphie und sah auf das Portrait. Unter dem Portrait stand 'Division Per Manum'. Es zeigte eine Gruppe von zehn Männern. Xell wusste sofort, was Selphie meinte. In der zweiten Reihe stand der Mann, den Squall aus Timber gerettet hatte. Er hatte lange Haare, aber das Gesicht erkannte er wieder. Es war Fibrean Copper.
"Jetzt schnall ich gar nichts mehr. Der Typ ist doch kein Zauberer. Der muss doch tot sein", sagte Xell.
"Der große Odyne sei überfragt", sagte Odyne vollkommen schockiert über seine eigene Unwissenheit.
"Vielleicht finden wir ja die Lösung in einem der Bücher", schlug Selphie vor.
"Viel Spaß beim Suchen, Selph. Ich würde vorschlagen, wir suchen erst mal Cifer...", begann Xell.
"Direktor Dincht. Kommen Sie schnell", rief ein SEED.
Xell rannte zur Weggabelung am Eingang der Bibliothek. Im Halbdunkeln lag ein Mann. Er schien sich geradewegs aus dem anderen Gang, der zur Hexenprüfung führte, geschleppt zu haben.
Es war Cifer. Er atmete schwer.
"Cifer, ist alles in Ordnung?", rief Xell.
Cifer nickte langsam. Er war von einer Kruste übersehen. Xell blickte in den Tunnel, wo Cifer sich herausgekrallt hatte. Einen Moment war ihm so, als hörte er etwas... Schreie...
Doch bereits im nächsten Moment war er davon überzeugt, sich das nur eingebildet zu haben.
"Ok, wir bringen ihn hoch. Sagt Dr. Kadowaki, sie soll sich bereithalten", rief Xell.
"Sie sind eindeutig nicht meine Mutter. Warum steht dann der Name meiner Mutter in der Datenbank?", fragte Rinoa.
"Das waren Schutzmaßnahmen. Entschuldigen Sie diese Verwirrung. Bitte, bleiben Sie sitzen", sagte die Frau.
Sie setzte sich hinter den Schreibtisch. Sie hatte braunes schulterlanges Haar und trug einen Anzug. Sie schien um die vierzig bis fünfzig zu sein, sah jedoch etwas älter aus. Das auffälligste Merkmal war in ihrem Gesicht. Sie trug eine Augenklappe. Das andere Auge sah verwelkt aus, wie das einer alten Frau. Squall fand, dass die Frau einen leeren Blick hatte.
"Wer sind Sie?", fragte Squall.
"Mein Name ist Volunta Lovunat", antwortete die Frau.
Squall kannte den Namen... ja, sie war die Verlobte von Ezkume gewesen, dem Entdecker von Volunt... Volunt wurde nach ihr benannt. Aber...
"Sie sind tot", sagte Rinoa.
"Leider nein. Ich lebe und sitze vor Ihnen", sagte die Frau.
"Volunta war eine Anti-Adell, wieso sollten Sie hier an der Spitze von Per Manum sitzen?", fragte Squall.
"Interessant, nicht wahr? Nun, lassen Sie mich kurz erklären. Sie haben sicher gehört, dass Deling, also Per Manum, mit den Anti-Adells Verhandlungen aufgenommen hatte, eine Allianz gegen die Hexe zu bilden. Da man wusste, dass Eza Ezkume sehr moralisch war, kam man auf die Idee, eine weibliche Spionin auf ihn anzusetzen. Mich. Ich war eine Agentin von Per Manum. Daher kenne ich übrigens Ihre Mutter, Rinoa", sagte Volunta.
"Wo ist meine Mutter?", fragte Rinoa.
"Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber sie lebt, falls Sie das beruhigt", sagte Volunta.
Rinoa schluckte. Volunta fuhr fort.
"Ich verliebte mich in Eza. Ich trat seiner Vereinigung bei. Doch dann kam der Sturm von Adell auf unsere Basis. Der Schild war wegen diesem verfluchten Metall ausgefallen. Ich sendete ein Signal an Per Manum. Ihre Soldaten kamen und es fand eine Schlacht statt. Esthar zog sich zurück. Doch die Per Manum-Soldaten erschossen alle Überlebenden. Ich verlor ein Auge. Als ich aufwachte, war ich in einer Notaufnahme. Ewain Pollendina trat dazu und fragte mich, ob ich weitermachen wolle, sonst würde er mir Gift injizieren. Ich hatte nicht die Kraft, nein zu sagen", schloss Volunta.
"Es ist aber ein Unterschied, für diese Organisation zu arbeiten oder an ihrer Spitze zu stehen", sagte Rinoa.
"Korrekt. Nachdem Ewain den Vorsitz aufgab, musste eine Entscheidung getroffen werden. Er brauchte jemanden, der die Organisation weiterleitete und doch an ihn gebunden war. Die Wahl fiel auf mich. Dies hatte zur Folge, dass Prokylta mit der Organisation brach und seitdem Aomes Trianirea leitet. Tja und nachdem Pollendina tot ist, bin ich der Herrscher", beendete Volunta ihre Geschichte.
"Warum lösen Sie nicht einfach alles auf, wenn Sie das hier alles so hassen?", fragte Squall.
"Weil sonst alles zusammenbrechen würde. Es gibt zu viele Menschen, die an der Organisation hängen. Man würde mich umbringen. Außerdem bin ich hier zu Hause. Es tut gut zu wissen, was in der Welt vor sich geht. Und es ist schön, wenn man morgens aufsteht und weiß, dass man abends wieder ruhig ins Bett gehen kann", entgegnete Volunta.
"Sie sind ekelhaft", sagte Rinoa.
Volunta atmete tief ein.
"Vielleicht. Mein guter alter Freund Sandath, General Caris, ist leider auch nicht mehr da, sondern verfolgt eigene Pläne. Man wird sehr schnell einsam. Aber sehen Sie mich an. Ich habe nichts, nur ein bisschen Macht. Ich bin hier, um die Sache am Laufen zu halten.", sagte Volunta.
"Sie haben so viele Menschen in den sinnlosen Krieg geschickt", fauchte Rinoa.
"Sie waren doch glücklich für ihr Land zu sterben. Außerdem was macht das schon?" antwortete Volunta müde.
"Was das macht. DIESE LEUTE SIND TOT, SIE VERFLUCHTES MISTSTÜCK! SIE HABEN DIE VÄTER MEINER BESTEN FREUNDE UMBRINGEN LASSEN! SIE SIND ALLE TOT! UND SIE SITZEN HIER UND REDEN... VERFLUCHT", schrie Rinoa, sprang Volunta an und würgte sie.
"Rinoa. Es bringt doch nichts", rief Squall und zog Rinoa von Volunta herunter.
"Sie haben nicht den visionären Geist Ihrer Mutter. Irgendwie bin ich enttäuscht", meinte Volunta keuchend.
"Ich bin froh, Sie enttäuscht zu haben", rief Rinoa und stand auf.
Squall tat es ihr gleich. Hier gab es nichts mehr zu tun.
"Warten Sie. Es tut mir Leid, dass Sie sich solche Sorgen gemacht haben... aber ich kann Sie nicht gehen lassen. Sie könnten die Organisation gefährden. Sie dürfen das Gebäude nicht verlassen", rief Volunta und drückte einen Knopf.
Ein Alarm ging los. Squall und Rinoa sahen sich überrascht an und rannten aus dem Raum. Mehrere Männer mit Schwertern kamen ihnen entgegen.
Squall wusste, dass sie keine Chance haben würden. Er suchte schnell den Raum ab.
"Dort die Tür", rief Rinoa.
Die beiden rannten auf eine Tür zu, die zu einem Treppenhaus führte.
Squall wollte gerade herabsteigen, als sie von unten Geschrei hörten.
"Schnell, nach oben!", schrie Rinoa.
Die beiden rannten nach oben. Bereits drei Treppen später waren sie oben angekommen. Sie rannten durch eine weitere Tür.
Ein kräftiger Wind blies Squall entgegen. Es war kalt. Sie waren auf dem Dach. Squall schloss die Tür.
"Sackgasse", brummte er.
Der Ausblick auf die Stadt war fantastisch. Unter ihnen pulsierte das Leben. Am Horizont erstrahlten Städte. Squall sah die Residenz von Esthar, Dollet und sogar den Balamb Garden.
"Ist das das Ende?", fragte Rinoa.
Mehre Männer mit schwarzen Mänteln und Schwertern kamen aufs Dach gerannt.
"Nicht jetzt, nicht hier", sagte Squall.
Squall und Rinoa sahen sich an. Ein Gewehr wurde entladen. Er fasste ihre Hand an... dann ließen sich beide fallen.
Squall fühlte, wie ihm der Wind entgegenkam. Sie flogen auf das Leben zu. Die Stadt kam immer näher.
"Aero", brüllten Rinoa und Squall im Chor.
Gewaltiger Wind entlud sich aus ihren Händen. Er bremste zwar ihren Fall, doch sie wurden nicht wirklich langsamer. Squall konzentrierte sich. Er spürte, wie Rinoa das Gleiche tat. Die Straße kam näher und näher.
Dann auf einmal kam ein gewaltiger Windstoß und fing sie auf. Ihr Fall wurde abgebremst und sie landeten ganz sanft.
"Was ist passiert?", fragte Squall.
"Keine Ahnung. Jemand muss einen mächtigen Zauber ausgesprochen haben", antwortete Rinoa.
"Weg hier!", sagte Squall.
Sie rannten auf ihren Wagen zu, der ungerührt im Dunkeln stand.
Squall sprang rein und trat aufs Gaspedal. Ihr Auto verschwand in der Dunkelheit. Keiner von beiden hatte in der Nacht die Frau in der Kutte bemerkt, die etwas abseits gestanden hatte.
"Viel Glück, meine Tochter", sagte die Frau und ging schnell in das Hauptquartier von Per Manum.
"Es geht ihm gut. Erstaunlich gut. In ein paar Tagen ist er wieder auf den Beinen", informierte Dr. Kadowaki Xell.
"Cool. Danke", sagte Xell.
Er beobachtete Cifer durch das Glas des Krankenflügels.
Es scheint, als habe sich alles zum Guten gewendet. Cifer wurde gefunden, die Mission am Tempel vorerst abgebrochen. Xell hatte mit Bail Organa geredet und er konnte die anderen überzeugen, dass man den Tempel vorerst unberührt lassen sollte. Es sollte lediglich pro Monat jemand herunterfahren, um neue Schriftstücke zu holen und zu analysieren. Die Politiker waren wieder abgereist, Kitisa hatte seine Resolution zurückgezogen und wollte sich nun ganz der Wahl widmen.
Selphie war mit einem aufgebrachten Niko zusammen und Xell hatte bemerkt, dass Irvine öfters mit Skylar zusammen gesehen wurde. Es ging also alles seinen Gang. Seltsam, wie schnell manchmal wieder Normalität herrschte. Nur Squall, Rinoa und Fib waren noch nicht wieder da.
Gerade hatte sich Xell gefragt, wo die drei wohl gerade waren, als ihm zwei sehr vertraute Gestalten den Gang entlang kamen.
"Hey, ihr zwei", rief ihnen Xell zu.
"Wir haben gehört, was mit Cifer passiert ist. Ist alles in Ordnung mit ihm?", fragte Squall.
"Ja, es geht ihm gut. Ihr könnt zu ihm rein", meinte Xell.
"Hat er schon erzählt, was passiert ist?", fragte Rinoa.
"Nein, er hat kaum gesprochen. Nur nach dir hat er einmal gefragt, Rinoa. Und was ist euch so passiert. Und wo ist Fib?", wollte Xell wissen.
"Ich denke, das sollten wir später in Ruhe erzählen", sagte Squall.
"Ok, Leute, wir sehen uns dann. Bis später", sagte Xell und schlenderte den Gang herunter.
Er sah noch einmal über die Schulter und sah, wie Squall und Rinoa an Cifers Bett standen und sich mit ihm unterhielten. Die drei waren schon so ein Trio. Vielleicht würde Xell irgendwann Squall verzeihen, dass er bei SEED ausgetreten ist. Irgendwann...
Tief unten im Tempel von Zebarga herrschte wieder vollkommene Stille. Der Behemoth konnte wieder ruhig schlafen. Die lästigen Menschen waren verschwunden. Alle. Oder? Manchmal drang etwas an sein Ohr. Als würde eine dieser Menschen brüllen. Aber es war niemand hier.
Der Behemoth schlich sich an diese Wegkreuzung mit dem Schild. Er lauschte fest, ob er jemanden schreien hörte. Doch jetzt war alles wieder ruhig. Der Behemoth legte sich wieder hin.
Wenn jemand hier gewesen wäre, wäre er vielleicht tiefer in den Tunnel gegangen. Er hätte vielleicht den Mann gesehen, der schrie.
Er hätte vielleicht Cifer Almasy gesehen, der aus Leibeskräften um Hilfe schrie.
"Hilfe, ich bin hier unten! Hört mich jemand? Ich bin hier! HIIIIILFEEEE......"
Doch da niemand da war, konnte ihn auch keiner hören und folglich konnte ihm auch keiner helfen.
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