"... Über weitere Einzelheiten werden wir Sie im Laufe des Tages informieren. Laut den neusten Meldungen über die Timber-Krise, soll der selbsternannte 'General' Caris für diesen Vormittag um 10 Uhr eine Versammlung am Marktplatz angeordnet haben. Beobachtungen haben ergeben, dass seine Einheiten sowohl zahlenmäßig, als auch in Bezug auf Rüstungen gewachsen sind. Von einem versteckten Waffenhändler ist nichts bekannt. Präsident Kitisa wird im Laufe des Tages dazu Stellung nehmen. Das waren die Kurznachrichten. Jetzt das Wetter mit Volker."
"Danke, Ruth. Ja, der Temperaturabfall kennt keine Grenzen. Schwere Schneefälle in ganz Galbadia werden diesen Nachmittag die Garagen blockieren. Bereiten Sie sich schon mal auf ein..."
"General Caris!"
Zed kam zur Tür herein.
"Hier will Sie jemand sprechen. So ein Typ von der DEFTAA. Die Sache könnte Sie vielleicht interessieren."
Ein Mann betrat hinter Zed den Raum. Er trug eine braune Ledertasche, die, im Gegensatz zu ihm, nicht mit Schnee bedeckt war.
"Zed war der Meinung, es könnte Sie interessieren", sprach der DEFTAA-Angestellte und stellte seine Tasche auf den Tisch.
Aus ihr holte er eine schimmernde Kugel raus. Das Symbol 'Donner' war darauf abgebildet.
"Das ist ein so genannter 'Lacrima des Alphega'", erklärte der Mann.
"Ich habe von den Dingern gehört. Die Führerin von Aomes Trianirea sucht danach, oder?", fragte Caris.
"Wir haben dieses Artefakt in Centra gefunden. Anhänger der Sekte haben sich dort aufgehalten, also wollten wir der Sache auf den Grund gehen."
"Und warum wollen Sie mir das andrehen?", fragte Caris den Mann.
"Auch wenn es für Sie wertlos erscheinen mag... Es gibt Leute, die gehen dafür über Leichen, und zwar über jede Menge, um an den Schlüssel der Macht ranzukommen", erklärte Zed.
"Mich interessieren diese Kräfte nicht. Gegen meine Armee ist jeder Zauber machtlos. Und was will dieses DEFTAA-Mitglied von mir? Ihr sucht doch nicht alte Schätze, um sie mir dann zu schenken?"
Caris nahm das Artefakt in die Hände und betrachtete es. Der Informant der DEFTAA wurde von der Strenge des Generals langsam verunsichert.
"Wie soll ich sagen... Es ist nämlich so, dass..."
"Lassen Sie mich erklären", unterbrach Zed erneut. "Prokylta kontrolliert ziemlich einflussreiche Personen. Und ihre Macht steigt, auch wenn es die letzten Monate ruhig um sie war. Die DEFTAA, zum Beispiel, benimmt sich in letzter Zeit sehr merkwürdig und scheint eigene Wege zu gehen. Kann sein, dass dies mit Prokylta in einem Zusammenhang steht."
"Sie sind doch von der DEFTAA, oder? Woher weiß ich, dass sie nicht einer von Prokylta sind", fragte Caris mit kalter Stimme.
"Ähm... die DEFTAA ist unabhängig. Von einer Verbindung zu einer anderen Organisation ist mir nichts bekannt", stotterte der Mann und schwieg.
"Worauf warten Sie? Sagen Sie mir alles, was Sie wissen. Wem ist die DEFTAA unterstellt?", fauchte Caris. Der Mann trat einen Schritt zurück.
"A... Aloin. Er ist erst seit kurzem der Chef der DEFTAA und der größte Herausforderer von Cecil Kitisa. Über ihm ist niemand mehr. Mehr weiß ich nicht."
"Das ist schade", sagte Caris.
"Hören Sie, ich will mich Ihnen anschließen. Ich kann..."
"Exekutieren", befahl Caris.
Aus dem Schatten trat ein Mann und schoss einmal präzise in den Kopf des Informanten. Dieser fiel daraufhin tot auf den Teppich, welcher mit seinem Blut befleckt wurde. Caris warf einen flüchtigen Blick auf den Schützen und erkannte die zwei Narben an dem Hals seines treuen Adjutanten Goldwarth.
"Die Situation ist folgende: Auf der einen Seite steht Prokylta und ihre Sekte. Mit ihr vermutlich in Verbindung steht die DEFTAA, eine Organisation, die sich auf alte Artefakte und Kunststücke spezialisiert hat, vor allem in Verwendung für militärische Zwecke. Und auf der anderen Seite sind wir", schloss Zed, anscheinend unberührt von der Tatsache, dass soeben ein Mord geschehen ist.
"Eine gefährliche Konstellation, vor allem, da Sie mir von Prokyltas übernatürlichen Überzeugungen erzählt haben. Eine Einigung mit ihr ist vermutlich unausweichlich. Dieses kleine Teil könnte uns tatsächlich noch von Nutzen sein", meinte Caris und steckte sich das Artefakt in den Mantel.
Ein Soldat betrat das Zimmer und sprach kurz mit Goldwarth.
"General Caris, alle Vorbereitungen abgeschlossen. Alle Einwohner warten bereits auf den Straßen", meldete Goldwarth nach dem Gespräch.
"Sehr gut. Wir werden um 10 Uhr beginnen."
Caris Blick fiel auf den toten DEFTAA-Mann.
"Ach ja, schaffen Sie die Leiche weg und reinigen Sie den Teppich. Wenn ich zurückkomme, soll alles blitzblank sein", befahl Caris und verließ das Zimmer.
Unter der Menschenmasse befanden sich, getarnt als Zivilisten, drei SEEDs. Unauffällig schlichen sie sich bis zum Rathaus vor, wo die Menschenmenge am dichtesten war. Auf der linken Seite befand sich ein Zeitungsstand. Shou deutete mit dem Finger hin und marschierte langsam durch die Menge durch, bis sie hinter der Hütte stand. Ihre beiden Begleiter folgten ihr.
"Hier ist Shou. Uns ist es gelungen, bis zum Rathaus vorzudringen. Die Leute hier werden ungeduldig, vielleicht eine gute Gelegenheit sich rein zu schleichen."
"Innen drin wird es von Terroristen nur so wimmeln. Gibt es keine 'Lüftungsschächte'?", wollte Xell wissen, dessen Stimme aus dem Funkgerät pfiff.
"Na klar. Es gibt sogar welche mit Treppen. Der Eingang ist gleich neben dem Haupteingang", gab Shou sarkastisch zurück.
Sie konnte bereits ahnen, wessen Stimme als nächstes zu hören war.
"Das ist kein günstiger Zeitpunkt für Scherze", kam Niko Goodsworths humorlose Stimme aus dem Kommunikator. "Die Vorgehensweise interessiert mich nicht, aber in spätestens 15 Minuten bist du im Gebäude. Wir melden uns dann wieder."
"Ok, ich kann es kaum erwarten, deine aufmunternden Parolen zu hören, Niko", gab Shou bissig zurück und schaltete das Teil ab, bevor Niko etwas entgegnen konnte.
"Also die Art des Eindringens sollte doch die Aufgabe der Truppenführerin sein, nicht wahr Sandath?", meinte einer der beiden SEEDs, Dwight, und blickte seinen Freund Sandath an.
Dieser musste lachen.
"Da hattest du aber auch schon bessere Ideen."
"Idioten! Ohne mich hätten wir gar nicht erst in dieses Gebiet eindringen können. Meine Strategien funktionieren immer", verteidigte sie sich.
Shou war von Nikos humorloser Art sichtlich gereizt.
"Hey, mach dir wegen diesem Niko keinen Kopf. Wir sollen nur die Lage checken, nichts weiter. Wir füttern ihn mit ein paar Infos und der gute Niko ist zufrieden", meinte Dwight beschwichtigend.
Shous Miene hellte sich etwas auf. Sandath hingegen wirkte angespannt.
"Vergiss nicht, Dwight. Dieser General Caris mag zwar kein großer Zauberer sein, allerdings ist er ein militärisches Genie und ohne Skrupel. Du kennst seine Akte. Er hat im großen Esthar-Krieg für Galbadia gekämpft und war der einzige, der das Salzfeld-Massaker überlebt hat. Und er ist untergetaucht und niemand weiß, wo er war. Er ist mit allen Wassern gewaschen. Ich habe ihn selbst vor drei Monaten gesehen, als Niko und Squall ihm begegnet sind...", sagte er.
"Hey, mach dir keine Sorgen, Sandath, alter Junge. Wir kennen uns seit Kindertagen und wir haben uns gegenseitig immer den Rücken freigehalten. Du weißt doch, uns kann keiner fertig machen!", sagte Dwight und beide grinsten sich an.
"Sind die Herren fertig? Ich habe eine Idee", knurrte Shou auf einmal.
Eine übergroße Galbadia-Flagge war am Balkon aufgehängt worden. Caris blickte stolz nach unten und beobachtete die Menge. Flankiert wurde er von Goldwarth und, etwas abseits im Schatten, Zed. Seine Männer unterdrückten die letzten Widerstände und nahmen Leute gefangen, die Caris Schimpfwörter zuriefen.
"Meine Untertanen! Bald haben wir unser Ziel erreicht! Unser geliebtes Galbadia wird von seiner erbärmlichen Krankheit geheilt werden und in neuem Glanze als herrschende Weltmacht auferstehen. Zu lange mussten wir mit ansehen, wie unfähige Politiker dieses Land näher und näher an die Schlucht des Untergangs brachten..."
"Schnauze, Psycho!", schrie jemand aus der ersten Reihe nach oben.
Bevor ihn Caris in die Augen sehen konnte, wurde er bereits von Soldaten weggeschleppt.
"Kitisa! Deine Zeit ist abgelaufen. Wenn wir wieder an der Macht sind und die ehrlichen, hart arbeitenden Leute regieren, dann wird es für dich und deinesgleichen nur eine letzte Station geben: den Galgen. Cecil, höre nun die wahre Hymne von Galbadia als Zeichen unseres Mutes und als Signal für deinen Untergang!", donnerte Caris.
Caris Männer jubelten ihm zu, die Bewohner Timbers pfiffen...
Zed gab ein paar Techniker ein Zeichen, die daraufhin einen Plattenspieler anwarfen, dessen zahllose Lautsprecher in ganz Timber verstreut waren. Die alte galbadianische Hymne donnerte durch Timber. Die Schwarzen SEEDs grölten den Text, während einige Bewohner pfiffen, während andere ängstlich mitsummten. Ab und zu wurde der Gesang von Schüssen unterbrochen, wenn die Soldaten auf rebellische Einwohner schossen...
Caris beobachtete die Menge. Hier würde es anfangen. Er wusste es. Eine Träne rann ihm die Wange herunter und verschwand irgendwo in seiner Uniform.
"Wir haben soeben drei SEEDs festgenommen, die hier eindringen wollten. Einer unserer Männer war gerade auf dem WC, als sie von einem Dachfenster hinein sprangen und von ihm entdeckt wurden. Wir konnten sie mit Betäubungsgas aufhalten", meldete Adjutant Goldwarth zehn Minuten später, nachdem Caris und seine Offiziere wieder in seinem Büro waren.
"Im WC also... Gut. Ich möchte sie nachher sehen. Bringt sie in die Verhörkammer."
"Verstanden!", antwortete der Adjutant. "Tja... Die sind im wahrsten Sinne des Wortes in der Scheiße gelandet", scherzte er zum Abschluss und begann plötzlich herzhaft zu lachen.
Zed setzte nur ein schiefes Grinsen auf.
"FINDEN SIE DAS KOMISCH!?", brüllte der General auf einmal.
Der Adjutant zuckte zusammen. Daraufhin war es ruhig.
Niko Goodsworth saß frustriert in der Kommandozentrale des Balamb Gardens. Vor ihm war groß das wütende Gesicht von Cecil Kitisa zu sehen, der per Videoübertragung zugeschaltet war.
"Caris hat vor einer halben Stunde schon wieder eine dieser Reden gehalten. Der von ihm besetzte Teil wurde gezwungen mitzumachen, der freie Teil Timbers wurde nun schon zum fünften Mal in dieser Woche mit diesem Schund belästigt. So etwas ist eine öffentliche Demütigung des Rates Pollendina. Nicht nur wir sind darüber sehr empört", begann der Präsident.
"Ja, wir haben das vorhin im Fernsehen mitverfolgt. Wo liegt jetzt das Problem?"
"Das fragen Sie mich? ICH sollte SIE fragen, wo das Problem liegt! Wir haben diese Operation vor ein paar Monaten an die SEEDs übergeben und bisher gab es keine positiven Resultate. Und nun bekam ich gerade die Nachricht, dass schon wieder eine Einheit von SEEDs verschwunden ist. Langsam geht es mit der Geduld zu Ende. Wann werden Sie dieser Katastrophe endlich ein Ende setzen?", brüllte Kitisa.
Auf dem Monitor konnte man deutlich ein paar Speicheltropfen kleben sehen.
"Sobald wir Erfolg haben..."
"Das ist eine Frechheit! Ich verbiete es Ihnen nach all den Enttäuschungen in diesem Ton mit mir zu reden!"
"So steht es im Vertrag. Sie glauben mir nicht? Lesen Sie es auf der Kopie nach. Wir SEEDs stellen für alle Auftraggeber die gleichen Formulare aus. Je nach Art des Auftrages werden diese dann abgearbeitet und dabei spielt es KEINE Rolle, welcher Kommittent dahinter steckt."
Niko holte aus der Mappe, die auf dem Tisch lag einen Zettel raus und hielt ihn vor dem Monitor.
"Sehen Sie es? Priorität: 1, Schwierigkeitsstufe: B, Ablauf: 'nach ERFOLGREICHER Ausführung' und nicht 'nach VERSUCHTER Ausführung'. Daraus resultiert der Betrag, den wir täglich verrechnen. Ob diese kostspieligen Aufträge nun von der Regierung oder von Privatpersonen kommen, spielt für uns keine Rolle. Wir versuchen das jeweilige Ziel mit den Bemühungen, abhängig von der Bezahlung, zu erreichen."
"Die Bürokratie hat einen höheren Stellenwert als das Wohlergehen der Menschen? Was seid ihr? Ein betriebswirtschaftliches Unternehmen?"
"Einsatz und Motivation hängen von den jeweiligen Einheiten ab, die den Auftrag ausführen. Das Komitee muss jedoch systematisch vorgehen, um alles koordinieren zu können. Eine Einteilung nach Lust und Laune ist inakzeptabel", gab Niko eisig zurück.
"Na schön, dann schlage ich Ihnen was anderes vor. Wie wäre es, wenn ich all die schönen Fördergelder des Rates Pollendina streichen lasse, die Laguna für Sie erkämpft hat. Ich weiß zufälligerweise, dass ihr SEEDs momentan einen miesen Ruf habt und demnach auch finanzielle Schwierigkeiten. Das wäre euer Ende. Und Pech für Sie, Niko, dass ich der mächtigste Mann im System bin."
"Ja, noch. Wie ich gehört habe, hat Aloin vorhin wieder in einer Pressekonferenz dafür gesorgt, dass Sie mal wieder in der Beliebtheitsskala etwas gesunken sind, nicht wahr?"
"Niko, ich hoffe doch stark für Sie, dass Sie unsere persönliche Meinungsverschiedenheit hier rauslassen oder? Sonst könnte sich das schädlich auf Ihre Karriere auswirken. Und das wäre nicht das erste Mal. Guten Tag."
Die Verbindung wurde unterbrochen.
"Dreckskerl!"
Nach einer kurzen Denkpause nahm er die Ordner in seine Hand und verließ den zentralen Sektor des Gardens. Während er in Richtung Quartiere ging, bemerkte er nicht, dass sich jemand unauffällig hinter ihm her marschierte.
"Kitisa hat ja so einiges an Dampf abgelassen. Lief wohl nicht so besonders..."
Niko schreckte hoch und brach aus Versehen seinen Stift ab, als er von Squalls plötzlichem Besuch überrascht wurde.
"Was werdet ihr wegen der Sache mit Shou und den anderen unternehmen?", fragte Squall.
"Klopf gefälligst an, wenn du hier rein kommst. Das mit Shou geht dich nichts an", entgegnete Niko wütend.
Squall sah, dass er in diversen Akten blätterte.
"Dass eine gute Bekannte verschwunden ist, geht mich nichts an?", fragte Squall ungläubig.
"Du bist kein SEED mehr, sondern lediglich ein Zivilist, den der Garden Asyl gewährt hat, nichts weiter. Und somit fällt das nicht in deinen Aufgabenbereich. Und nachdem das geklärt ist, kannst du gehen", gab Niko zurück.
"Beruhig dich mal wieder, ich wollte eh..."
Squall brach ab. Sein Blick fiel auf ein Wort in Nikos Akten... 'Alphega'... Niko schloss die Akte mit einem Knall.
"Geht es hier etwa um mehr als das? Geht es um ein Artefakt?", fragte Squall.
"Muss ich mich wiederholen: Raus hier!", befahl Niko und schloss die Tür, kaum das Squall den Raum verlassen hatte.
Edea saß in einem Aufenthaltsraum des Balamb Gardens und las die 'Timber Maniacs'. Die Zeitungen waren voll von General Caris und seinen öffentlichen Auftritten. Mit im Raum waren ein paar von den Waisenkindern. Edea war nach dem Angriff auf Deling City mit Cid und den Waisenkindern in den Garden gegangen. So waren sie wenigstens immer in Bewegung. Nicht auszudenken, wenn Hyne eine solche Monsterhorde zum Waisenhaus schicken würde...
Edeas Gedankengang wurde unterbrochen, als Rinoa hereinkam. Edea fiel auf, dass ihre Schwangerschaft nun wirklich sehr deutlich zu sehen war.
"Wie war die Untersuchung?", wollte sie wissen und legte die Zeitung weg.
"Es ist alles in Ordnung mit dem Baby. Nur langsam passen mir keine Sachen mehr. Ich hoffe doch, ich nehme nach der Geburt so schnell ab, wie ich jetzt in die Breite gehe."
"Ist da nicht noch etwas anderes?", fragte Edea leicht lächelnd.
"Na ja... ich habe heute Morgen trainiert... und da hat mich das Baby getreten...", sagte Rinoa.
"Hey, du wirst Mutter, Rinoa und musst auf mehrere Leben aufpassen. Du solltest ruhig etwas kürzer treten", sagte Edea.
"Du klingst schon wie Dr. Kadowaki. Aber ich kann nicht einfach jetzt aufhören zu kämpfen. Hyne und Prokylta sind da draußen. Und was Caris vorhat, weiß auch keiner. Ich bin losgezogen, um die Wahrheit zu finden und um Hyne zu stoppen... und nun..."
Squall und Cifer marschierten gemütlich den Gang entlang. Es sah fast schon verdächtig aus, wie friedlich die beiden sich auf dem Weg zu den Quartieren machten. Sie blieben vor Nikos Zimmer stehen.
"Er sollte gerade oben sein. Wird wohl niemanden auffallen", flüsterte Squall.
Cifer sah sich kurz um. Niemand war in Sicht.
"Eben. Mach endlich die Tür auf. Bin wirklich gespannt, was der so alles versteckt."
Als sie drin waren, stellten sie zu ihrem Glück fest, dass Niko einige Berichte auf dem Tisch hatte liegen lassen. Squall nahm den Stoß Papier, der ganz oben drauf lag und suchte nach etwas Brauchbarem.
"Eine Mission. Da steht das heutige Datum drauf."
"Lies vor. Was steht drin?", wollte Cifer wissen und rieb sich die Hände.
Squall studierte kurz.
"Wir haben wirklich Glück, dass wir gerade heute darin rumgeschnüffelt haben. Hier steht, sie erweitern die Geisel-Mission um die SEED Befreiung und tamtam, große Überraschung, um die Ergatterung eines Artefaktes. Ich hatte Recht. In Timber muss es noch ein Artefakt geben."
"Komischer Typ. Drei Monate nur Däumchendrehen und dann alles auf einmal. Aber wenn's da wirklich ein Artefakt gibt, dann treffen wir dort wohl auch auf unsere Freunde: Prokylta und Xelto", sagte Cifer.
"Das könnte Probleme geben. Die überdurchschnittlichen SEEDs sind alle schon wegen anderen Missionen unterwegs."
"Kommt wie gerufen. Nach drei Monaten endlich... Xelto wird dafür bezahlen, dass er mich hat warten lassen", grummelte Cifer.
Squall betrat den Aufenthaltsraum, um nach Rinoa zu sehen. Rinoa unterhielt sich gerade mit einem Jungen, als er zur Tür rein kam. Beide lachten. Squall beobachtete sie einen Moment. Ihm kam ein ganz neuer Gedanke. Er sah nicht mehr Rinoa, das lebhafte Mädchen, auch nicht Rinoa, die Hexe oder die Kriegerin, sondern Rinoa, die Mutter. Für einen Moment schwebte ein Bild vor seinem inneren Auge. Ein normales Leben in Balamb... Rinoa bemerkte ihn und blickte ihn an.
"Hi, ich wollte nur mal hören, wie die Untersuchung lief", fragte Squall.
"Alles in Ordnung. Gibt's was Neues aus Timber?"
Das Bild verschwand.
"Shou und ihre Leute sind verschollen. Jetzt wollen die SEEDs weitere Leute dorthin schicken. Sie sollen die Geiseln befreien, Shou, Sandath und Dwight finden und die Krönung des ganzen. Ein Artefakt ist in Timber", erzählte Squall.
"Was? Glaubst du, die Sekte wird dort sein? Immerhin sind drei Monate seit dem Torbogen vergangen! Wir sollten auch hingehen!", rief Rinoa.
"Halt, nichts überstürzen. Ich werde versuchen Niko zu überreden, mich und Cifer mitzunehmen. Du bleibst am besten hier."
"Überreden? Du meinst wohl 'zwingen'. Das Leben zieht wohl momentan an mir vorbei", fügte Rinoa enttäuscht hinzu.
Edea nahm ihre Hand.
"Er hat Recht. Das wäre zu anstrengend für dich."
"Das ist doch unfair. Warum willst dich alleine in die Gefahr begeben, wenn das Niko, Xell und die anderen genauso machen können. Sie schaffen es auch ohne dich."
"Hier geht's um das Artefakt. Ich will nicht dabei zusehen, wie Niko eine weitere Mission vergeigt. Er gibt seinen Leuten auf Schritt und Tritt Befehle. Weil er kein Vertrauen in sie hat und die seinen Anordnungen nicht widersprechen, geht alles schief", beschwerte sich Squall.
"Er hat dadurch aber schon vielen SEEDs den Hals gerettet", meine Edea.
"Ich werde trotzdem hingehen."
"Und ich auch!"
Neben Squall stand plötzlich der Junge, mit dem Rinoa gesprochen hatte. Es war Nimbley. In letzter Zeit ist er Squall des Öfteren aufgefallen.
"Ich glaube, daraus wird nichts", meinte Edea streng.
"Warum nicht? Ich hab', seit wir hier sind, für diesen Tag trainiert."
Rinoa musste kurz lachen.
"Es kommt nicht nur auf die körperliche Stärke an. Viel wichtiger sind Geduld, Konzentration und die Fähigkeit seine Ängste zu überwinden, um für sich und andere kämpfen zu können. Aber das lernst du noch früh genug, Kleiner", meinte Squall.
"Ich heiße Nimbley."
Nimbley verschränkte seine Arme und sah Squall mit einem entschlossenen Blick an.
"Gut, Nimbley. Wenn du wirklich mitgehen würdest... Wer würde dann auf Mama und die anderen Kinder aufpassen? Hast du daran schon gedacht?"
"Da ist was dran. Ok, dann halte ich hier die Stellung", antwortete er nach kurzem Überlegen.
Rinoa gefiel es, wie Squall den Jungen überreden konnte. Dann deutete sie mit den Augen zur Tür. Squall nickte und folgte ihr nach draußen.
"Mir gefällt die Idee nicht. Warum riskiert ihr soviel? Es kommt wieder alles so plötzlich... Was hast du denn?", fragte Rinoa, als beide auf dem Gang standen.
"Dieser Nimbley... Er bereitet sich schon jetzt auf den Kampf vor..."
"Das ist ein Junge, der ein Abenteuer erleben will", warf Rinoa ein.
"Trotzdem. Edea wollte, dass die Kinder friedlich aufwachsen. Wenn sie erwachsen sind, sollen sie Erinnerungen an eine erfüllte und fröhliche Kindheit haben, damit sie wissen, was diese Welt wirklich ausmacht und sie sich bemühen, Glück und Liebe auch für die kommenden Generationen zu bewahren. Aber so was ist jetzt nicht möglich. Die Kinder bekommen mit, was in der Welt passiert und machen sich ein Bild davon. Ich will das nicht. Sie sollen nicht kämpfen. Unser Kind soll nicht kämpfen..."
"Leider haben wir alle 'Rang A'-SEEDs bereits auf andere Missionen geschickt. Selbst mit Rang 28, 29 und 30 sind keine mehr übrig. Die letzten davon waren Shou, Sandath und Dwight", sprach Niko.
Er, Xell, Quistis und Selphie diskutierten heftig, woher sie Leute für die nächste Mission bekommen sollten, da alle dafür in Frage kommenden SEEDs bereits mit anderen Aufträgen beschäftigt waren.
"Ich glaube, es wird Zeit, dass der Boss persönlich eingreift", sagte Xell entschlossen.
"Es ist trotzdem zu riskant nur eine einzige Person loszuschicken", warf Quistis ein.
"Und außerdem bist du der Leiter des Gardens, Xell. Der Direktor darf nicht persönlich ins Kampfgeschehen eingreifen, solange es nicht anders geht. Garden-Verfassung Paragraph 5 - Absatz 6", warf Selphie ein.
Es wurde ruhig. Anscheinend hatte sich niemand so recht an die neue Selphie gewöhnt.
"Es geht auch nicht anders. Unter meinem Kommando wurden drei SEEDs gefangengenommen. Also muss ich sie ja auch wieder raushauen. Und außerdem seid ihr hier. Ich gehe nach Timber", meinte Xell.
"Und wir auch!"
Plötzlich standen Squall und Cifer hinter ihnen, die sich ein weiteres Mal unbemerkt eingeschlichen hatten.
"Ist es nicht so, dass sich dort ein Artefakt befindet, Niko?", fragte Squall unschuldig.
"Hast du etwa...? Die Berichte darüber waren NUR an mich gerichtet!"
"Tatsächlich? Es wäre trotzdem hilfreich gewesen, wenn du uns darüber informiert hättest", sagte Quistis scharf.
"Dazu bin ich nicht verpflichtet. Artefakt-Suche und Timber-Befreiung sind zwei unterschiedliche Operationen. Beide werden von mir koordiniert."
"Das Programm 'Global Layer Analysis' hat Resultate geliefert. Aufenthaltsort von den drei verschollenen SEEDs wurde ermittelt. Untersuchtes Gebiet: Altstadt Timber. Ergebnis: Rathaus, Keller 2. Lebenszeichen: vorhanden", unterbrach Selphie, die gerade vor dem Computer saß, den Streit.
"Wo befindet sich das Artefakt, Niko?", wollte Xell wissen.
"Ein Mann, den wir in die DEFTAA eingeschleust haben, traf sich heute Morgen mit Caris und hat ihm ein Artefakt übergeben, damit wir herausfinden, inwieweit Caris mit Aomes Trianirea verknüpft ist. Die DEFTAA hatte das Artefakt aus einer alten Centra-Ruine", gab Niko unsicher zurück.
"Du hattest ein Artefakt und gibst es Caris?", donnerte Cifer.
"Na und? Sobald Caris besiegt ist, haben wir es wieder", fauchte Niko zurück.
"Und was ist, wenn der gute Caris mit Prokylta unter einer Decke steckt. Hier geht es um die Welt! Und überhaupt, wo ist dieser Typ jetzt?", schrie Squall.
"Er hatte den Auftrag, nach der DEFTAA die Schwarzen SEEDs zu infiltrieren. Sein Auftrag ist gescheitert", sagte Niko trocken.
"Du meinst, er ist tot? Das willst du doch damit sagen, oder?"
Squalls Blut pochte in seinen Ohren.
"HERRGOTT! DU MUSST HIER NICHT DREI MONATE LANG DIESEN LADEN SCHMEIßEN! ALS KOMMANDANT MUSS MAN ENTSCHEIDUNGEN TREFFEN!", fauchte Niko.
"Sorry, und ich dachte, Xell wäre der Kommandant", gab Squall zurück.
"Na fein, dann geht nach Timber. ABER VERSCHWINDE ENDLICH!", schrie Niko und schmiss sämtliche Papiere mit einem weit ausgeholten Schlag zu Boden.
Den Ordner, der auf dem Tisch liegen geblieben war, warf er wuchtig gegen die Mauer. Kurze Zeit öffnete niemand den Mund.
"Leiterin des Einsatzes ist Quistis Trepe. Du unterstützt die drei über Funk... Ich ziehe mich zurück. Nach der Ankunft in Timber erwarte ich, dass man mir Bescheid sagt. Außerdem möchte ich eine Berichterstattung nach jedem nennenswerten Vorfall und alle zwanzig Minuten."
Niko schmiss die Tür hinter sich zu und verschwand.
"Hey, warte doch 'nen Moment!", rief Xell und rannte Niko nach.
Squall blickte den beiden hinterher, Quistis verließ ebenfalls den Raum.
"Wir sagen euch Bescheid, wenn's losgeht. Vorher müssen wir uns noch um Niko kümmern", waren ihre letzten Worte.
Squall hatte das Gefühl, dass Selphie, die auf die Tasten einhämmerte als wäre nichts gewesen, die Sache sehr peinlich war.
"Ich weiß, dass dir die Sache nicht gefällt, aber du musst zugeben, dass wir keine andere Möglichkeit haben", sagte Xell.
Niko ging auf und ab und schnaufte wie ein Behemoth.
"Diese Aktion schadet unserem Ruf. Es ist nichts Persönliches", presste Niko hervor.
"Okay, okay, ist deine Sache. Ich weiß zwar nicht, wieso du mir nichts von dem Spion erzählt hast, aber okay. Du bist der Stellvertreter, solange ich nicht da bin", meinte Xell unnatürlich ruhig.
"Xell, du weißt, dass es eine Alternative zu diesen beiden Hampelmännern gibt."
"Code 255? Der Bombenteppich? Wir haben darüber schon einmal gelabert und du weißt, dass ich nix davon halte."
"Ich weiß, die Verlustquote ist hoch, aber die Erfolgsquote noch höher. Xell, das wäre das garantierte Ende von General Caris", drängte Niko.
"Und das garantierte Ende der Zeit, wo ich stolz bin, ein SEED zu sein", sagte Xell und ging.
Niko sah ihm lange nach und sah nicht Quistis, die hinter der nächsten Ecke alles mitangehört hatte.
Ein grelles Licht war das erste, was Shou sah, nachdem sie ihr Bewusstsein wiedererlangt hatte. Alles fühlte sich kalt an. Die Luft roch nach Metall und im Hintergrund hörte sie, wie sich ein paar Leute unterhielten. Im ganzen Körper fühlte sie höllische Schmerzen, sodass es unmöglich war, ihren Kopf zu heben, um nachzusehen wo sie war. Sie drehte sich zur Seite. Aus der verschwommen Gestalt links neben ihr wurde Sandath. Ihre ängstlichen Blicke trafen sich kurz. Als Shou sah, dass ihre Gliedmaßen an Kabeln angeschlossen und ihre Arme und Beine an den Tisch geschnallt waren, wusste sie, was das zu bedeuten hatte.
"Wieder wach? Willkommen in meinem Bereich. Ihr habt das Kriegsrecht übertreten und seid indirekt in meinen Bereich eingedrungen. Das war sehr ungezogen von euch. Wollen wir uns direkt vorstellen? Mein Name ist General Caris, wie lauten eure Namen?"
Shou schaute Caris ins Gesicht. Sein Ausdruck war friedlich und kontrolliert, doch seine Augen hatten einen merkwürdigen Glanz.
"Wir sind hier... um zu verhandeln...", sagte Shou.
Sie hatte sich noch nie so machtlos gefühlt.
"Dann kannst du mir bestimmt sagen, warum alle, die mit uns verhandeln wollen, nie den Haupteingang verwenden. Ich verstehe es einfach nicht. Verstehen Sie es?"
"N... Nein, Sir", antwortete sein Adjutant, der hinter einem Kontrollpult saß, erschrocken.
"Und nun, verratet mir eure Namen."
Caris klang sehr freundlich. Umso unsympathischer wirkte er deshalb den SEEDs gegenüber, die ihn mit jeden Wort mehr hassten.
"Ich bin Shou... Links neben mir: Sandath... Rechts: Dwight."
"Shou... Ein schöner Name."
Der General setzte sich auf den Tisch, an dem Shou gefesselt war.
"Du bist also SEED, ja? Warum bist du ihnen beigetreten? War das dein Wunsch?"
"Fahren Sie zur Hölle!", antworte Shou mit schwerer Stimme und versuchte sich vergeblich zu bewegen.
Caris stand wieder auf.
"Vielleicht sollte ich vorher die Spielregeln erklären. War mein Fehler, tut mir Leid."
Er stellte sich hinter den Pult, an dem sein Helfer saß.
"Ihr seid mit Kabeln und zwei Schläuchen verbunden, jeweils einer an den Venen eurer Arme. Mit den Kabeln können wir gleichzeitig Strom in euren Körper leiten und eure Nervenströme abtasten. Zweites dient zur Überprüfung, ob das, was ihr von euch gebt, die Wahrheit oder eine Lüge ist. Erstes wird im Falle einer Lüge euch einen kleinen Stromstoß verpassen", meinte Caris mit einer ruhigen Stimme und nickte seinem Adjutanten zu, der fortfuhr.
"Die Schläuche werden verwendet, um euch eine Droge in die Blutbahn zu leiten. Dies geschieht, bevor ihr einen Stromstoß aufgrund einer Lüge enthält. Die Substanz wird sich in Sekundenschnelle in den Nerven und im Gehirn festsetzen. Durch elektrische Spannung werden Nerven, Zellen und Gehirn geschädigt, ebenso eure Konzentration und das Denkvermögen, welches an eurem widerspenstigen, aggressiven Verhalten gegenüber den Schwarzen SEEDs, Galbadias starke Hand, schuld ist. Das Ziel des Spiels ist es, eure eigene Dummheit zu erkennen und euch auf die Seite unseres Generals zu schlagen. Solltet ihr sterben, bevor ihr dieses Ziel erreicht, habt ihr verloren und ihr könnt weder Untertan des Generals werden, noch könnt ihr in euer altes Leben zurückkehren. Macht es euch also nicht unnötig schwer."
"Dwigh, richtig?", sprach der General und setzte sich neben Dwight.
Sandath versuchte sich loszureißen,konnte sich jedoch keinen Millimeter bewegen.
"Ich warne dich, Möchtegern-General! Lass ihn in Ruhe! Ich werde...", schrie Sandath.
"Ruhig, ruhig. Ich komme ja gleich zu dir", wollte Caris ihn beruhigen.
"Mach dir nicht die Mühe! Wenn ich hier raus gekommen bin, reiße ich dich persönlich in Stücke!"
"Somit hast du schon den ersten Zug gemacht."
Der General schnippte mit dem Finger, was Goldwarth dazu veranlasste einen Hebel umzulegen. Shou drehte sich wieder zu Sandath und sah, dass gelbe Flüssigkeit in seinen Arm gespritzt wurde. Kurz darauf blitzten die Kontakte an den Kabeln ein paar Sekunden auf und Sandath begann furchtbar zu schreien.
"Aufhören! AUFHÖREN!!!"
Dwight begann wie wahnsinnig zu zappeln, doch auch er konnte sich nicht losreißen. Die Sekunden des Leidens waren vorbei und Sandath lag heftig zitternd auf dem Tisch. Ein Grunzen aus dem Mund des hasserfüllten Dwights war zu hören und ehe der General sich umdrehen konnte, klebte ihm ein großer Patzen Spucke im Ohr. Caris holte ein Taschentuch raus und säuberte sein Ohr. Dann schnippte er ein zweites Mal.
"Die doppelte Prozedur, diesmal mit Dwight", befahl er mit einer ruhigen Stimme und stand auf.
Adjutant Goldwarth legte einen weiteren Hebel um. Ein lauter Schrei, den man wohl zwei Stockwerke oberhalb noch hören konnte, erstreckte sich zehn Sekunden lang. Dwight stöhnte einmal tief und war dann leise. Er zuckte nicht so viel wie Sandath, aber dafür um einiges impulsiver.
"Warum tun Sie das? Töten Sie uns doch einfach. Sie wissen ja, dass wir als SEEDs dieses 'Spiel' weder gewinnen werden, noch gewinnen wollen", schluchzte Shou.
"Das haben schon viele vor dir gesagt und du wirst dich wundern, wie viele Leute hinterher erkannt haben, dass es die richtige Entscheidung war, sich mir zu unterwerfen."
Shou schluckte.
"Was meinst du, warum wir 'Schwarze SEEDs' heißen? Habt ihr euch nie gefragt, was mit den ganzen SEEDs passiert ist, die im Laufe der Jahre auf Missionen verschwunden sind?", fragte Caris mit einem Kopfschütteln.
"Aber jetzt will ich mich noch mal um meinen Freund Dwight kümmern. Wie fühlst du dich?"
Dwight war noch nicht imstande, eine Antwort zu geben.
"Noch einmal, bitte! Ich hab dich nicht verstanden", fragte Caris höflich.
Caris hörte eine Weile. Als Dwight nicht antwortete, nickte er Goldwarth ein weiteres Mal zu. Dieser legte wieder einen Hebel um. Dwight brüllte auf.
"LASSEN SIE DAS ENDLICH!", brüllte Shou, doch die beiden hörten nicht auf sie.
Dwights Stimme schlotterte fünf Sekunden lang. Nach einem kurzen Zittern verlor er das Bewusstsein.
"Bitte... Aufhören... Mit mir..."
Sandath konnte wieder sprechen. Sein Atmen war unregelmäßig und laut, fast so, als wäre er am Ersticken.
"Lass Dwight... am Leben..."
"IHR seid diejenigen, die über euer Leben entscheiden können. Aber wenn du willst, fange ich mit dir an. Goldwarth! Für Shou auch eine Portion, damit ich mich in aller Ruhe um Sandath kümmern kann."
Shou zuckte zusammen. Sie spürte, wie eine kalte Flüssigkeit in ihre Blutbahn geriet, gefolgt von schrecklichen Elektroschocks. War das das Ende? Fünf Sekunden, jede einzelne so lang wie eine halbe Ewigkeit kämpfte sie gegen den Schmerz an. Danach spürte sie nichts mehr, nur noch Angst...
"So, nun kann ich mich um dich kümmern. Du fühlst dich bestimmt schon besser, oder?"
Caris setzte sich zu Sandath, nahm dessen Kinn in die Hand und richtete den Kopf, der zu Shou und Dwight blickte, zu sich hin.
"Wie geht es dir... Sandath?"
"Geh weg... dann... geht's mir besser."
Ein Fingerschnippen war zu hören.
"Übliche Prozedur, aber ohne Nervengift."
Sandath schrie mit geschwächter Stimme auf. Die Schmerzen waren schlimmer als vorhin, auch wenn es diesmal kein betäubendes Gefühl mit sich brachte. Jeder Knochen fühlte sich an, als wäre er zersplittert. Die Hitze in seinem Körper ließen ihm glauben, dass seine Organe verbrennen würden. Sandath musste keuchend husten. Shou sah ihn an. Die Angst und der Hass ließen sie ihre Schmerzen vergessen, als Tränen aus ihren Augen kullerten.
"So schlimm? War wohl etwas zu heftig, angeschlagene Nerven ohne Chemikalien unter dieser Spannung auszusetzen. Sag mir trotzdem wie du dich fühlst", bat Caris verständnisvoll.
Sandath blickte in das Licht, das an der Decke befestigt war. Es brennte nicht mehr in den Augen.
"Ich will nicht... mehr...", antwortete er nach einer halben Minute.
"Bist du müde?"
"Ich... weiß... es... nicht..."
"Reiß dich zusammen. Du weißt doch, was passiert, wenn du nicht reden willst. Also. Bist du müde?"
"Es tut so weh... Alles... tut so weh... Will endlich schlafen...", flüsterte er mit letzter Kraft.
"Du willst schlafen? Warum bist du dann hier und nicht zuhause?"
"Ich... Ich bin ein SEED... Wir müssen euch... aufhalten..."
"Wir sind doch auch SEEDs. Warum willst du uns aufhalten? Haben wir nicht auch Träume?"
"Ihr seid... Terroristen..."
"Wir kämpfen. Wir töten. Wir zerstören. Aber ihr macht dasselbe. Warum seid ihr keine Terroristen? Warum kämpfst gegen uns? Warum wurdest du zum SEED?"
Sandath schwieg für eine Minute und starrte auf die Decke. Sein Atmen wurde wieder leiser.
"Dwight... ging in den Garden... Es war ein Versprechen... Zusammen kämpfen..."
"Ihr kennt euch also schon lange... Seit Kindertagen? Wart ihr schon immer befreundet?"
"Ja... Wir sind zusammen aufgewachsen... Wir wollten beide SEEDs werden..."
"Was war der Grund für euch beide? Ihr wärt keine SEEDs geworden, wenn es nur ums Kämpfen ginge. Was war eure Überzeugung, eurer Traum, der euch vorantrieb?"
"Ich... hab keine Ahnung..."
Tränen bildeten sich in Sandaths Augen.
"Denk nach! Wenn man das Ziel nicht kennt, kommt man vom Weg ab. Wo führt der Weg hin, den du bisher gefolgt bist?"
"...Frieden... Ich wollte, Menschen helfen... Gegen das Böse kämpfen..."
"Du redest wirres Zeug."
Fingerschnippen.
"2,5 Sekunden, halbe Dosis."
Ein schriller Aufschrei war zu hören. Kurz darauf war es wieder still. Caris wartete, bis sich Sandath wieder beruhigt hatte. "Also. Du sagtest, du willst Frieden und gegen das Böse kämpfen. Wer oder was ist das Böse?", fragte Caris eindringlich.
"Hexen, Menschen... die töten oder zerstören..."
"Ihr SEEDs tötet und zerstört ebenso. Ihr kämpft gegen uns. Sind wir böse?"
"Ja..."
"Warum?"
"Ihr quält und tötet Menschen... Ihr zerstört..."
"Du verstehst es nicht. Das liegt daran, weil du denkst, alles ließe sich in Gut und Böse katalogisieren. Gut bedeutet schöpfen, das Geschaffene erhalten. Böse bedeutet zerstören, das Geschaffene schädigen. Wir wollen das alte Galbadia wiederherstellen. Das bedeutet doch auch Schaffen. Wir wollen alle Konflikte beseitigen. Ihr wollt das jetzige Galbadia erhalten. Auch euer Vorhaben fordert Opfer. Warum kämpfst du gerade gegen uns, obwohl IHR genauso böse seid?"
"Weil ihr... den Frieden stört... Es war alles in Ordnung... vorher... Ihr seid böse..."
"Wir zerstören das was im Weg ist und nicht das was uns über den Weg läuft. Warum? Weil wir Frieden wollen. Du denkst zwar, wir wollen bloß die alte Diktatur wiederbeleben, doch im Prinzip dient alles den Weltfrieden. Deling wollte eine Einheit schaffen. Er wollte die ganze Welt in einen einzigen Staat verwandeln, in dem Recht und Ordnung herrscht. Aber jetzt fällt Galbadia auseinander. Die Sache verschlimmert sich immer weiter und irgendwann geht es allen so dreckig, dass erneut ein Krieg ausbrechen wird."
"Dafür... sind wir SEEDs zuständig... Ja..."
Sandath versuchte zu lächeln und redete schwach weiter. Seine Augen funkelten.
"Probleme dieser Art... wird es immer geben... Aber das ist egal... solange es jemanden gibt, der sie löst..."
Caris drehte sich um und schlug ihm ins Gesicht. Sein Zorn legte sich nicht, also verpasste er ihn noch weitere Schläge.
"Dieses wertlose Gefasel von dir. Du hast keine Vision. Du plauderst nur das nach, was andere dir sagen. DU BIST WERTLOS, SANDATH!!!!", brüllte Caris und schlug wie wild auf Sandath ein!
"Sir... General Caris", begann Goldwarth.
"Schon gut", schnaufte der General und beruhigte sich wieder.
Sandath Gesicht war blutig.
"Ich biete dir die Wahrheit an, Sandath. Ich biete dir Klarheit. Ich war etwas zu hart mit dir. Wie sollst du die Welt verstehen, wenn du nicht die Fakten kennst?"
"Welche Wahrheit?", keuchte Sandath.
"Sie beginnt mit zwei Worten. Schlafe. Wenn du aufwachst, sieht die Welt klar aus", hörte Sandath Caris Stimme in seinem Ohr hallen.
Sandath fühlte sich bereits so schwach, dass er kaum mehr Kraft zum Sprechen hatte. Waren das vorhin seine letzten Worte? Er sagte das, was er in all den Jahren über 'Gut und Böse' gelernt hatte. Es war ihm egal, ob er nach dieser Prozedur noch mal aufwachen würde oder nicht. Als der letzte Tropfen der gelben Flüssigkeit gespritzt wurde, waren die Gedanken des nahezu traumatisierten SEEDs bei Dwight. Dann begann es, diesmal schmerzhafter denn je...
Ein Fahrzeug brachte Squall und die anderen bis in die Innenstadt zum Grenzwall. Vier Leute stiegen aus, der Fahrer, ein SEED, wartete im Wagen.
"Mach dir da mal keine Sorgen, Rinoa. Wir gehören zu den besten Kämpfern der Welt", wollte Xell Rinoa beruhigen, die noch immer nicht sehr begeistert war.
"WIR gehören zu den besten. Du nicht", begann Cifer, der nach der heftigen Streiterei im Wagen noch immer nicht genug hatte.
Dann wandte er sich sanfter an Rinoa. "Wir erledigen das für dich. Du kannst dich auf uns verlassen. Caris ist nichts gegen Aomes Trianirea."
"Du hast Recht. Aber diese Machtlosigkeit. Ich hasse es, wenn ihr in Gefahr seid und ich kann euch nicht helfen. Ich bin keine Hilfe mehr für euch und werde von Tag zu Tag nutzloser."
"So ein Blödsinn! Was macht Edea? Bis auf das eine Mal vor fünf Jahren hatte sie auch nicht gekämpft und trotzdem hat sie mehr geleistet, als ein SEED in seinem ganzen Leben leisten wird", sagte Xell. Cifer nickte zustimmend, auch wenn er es hasste, Xell Recht zu geben.
"Er hat Recht. Niemand ist nutzlos und schon gar nicht, wenn man nicht kämpfen kann", sagte Squall.
Der SEED im Wagen hupte, um allen mitzuteilen, dass er es eilig hatte.
"Ihr werdet es schon irgendwie schaffen. Ach was... Kommt einfach nur heil zurück", rief Rinoa und ging zurück zum Wagen.
Sie bat den Fahrer, noch etwas zu warten, bis sie Squall, der mit den anderen beiden die Straße entlang marschierte, nicht mehr sehen konnte...
Ein alter Herr, ungefähr um die 60, elegant gekleidet, saß auf der Terrasse eines Cafés und hielt eine riesige Zeitung in der Hand. Die Seite mit Stellenanzeigen war aufgeschlagen, was wohl zu bedeuten hatte, dass er die Zeitung nur verwendete, um sich dahinter zu verstecken. Er beobachtete den Wagen mit dem Garden-Logo. Eine Frau stieg ein. Er legte die Zeitung weg und beschloss hinüber zu gehen.
Rinoa erschrak, als plötzlich jemand an der Fensterscheibe des Autos anklopfte. Der Mann sah nicht gefährlich aus, also kurbelte sie die Scheibe nach unten.
"Es tut mir Leid, dass ich Sie belästigen muss. Sie kommen vom Garden, nicht wahr?"
Rinoa nickte und dachte dabei scharf nach, wer der Mann sein könnte. Sie wusste, dass sie ihn schon mal gesehen hatte. Dann fiel es ihr plötzlich ein. Fünf Jahre hatte man nichts von ihm gehört.
"Sie sind Ewain Pollendina, der ehemalige Vizepräsident von Galbadia und der Gründer und Namensgeber des Rates Pollendina!"
"Keine Zeit für Erklärungen. Ich möchte, dass Sie mich mitnehmen."
"Gut, aber..."
"Ich bin nicht wählerisch, was das Auto angeht. Bringen Sie mich einfach unauffällig in den Garden", bat er und setzte sich auf den Rücksitz, der mit Brotkrümel übersät war.
Er duckte sich. Der SEED schaute sich um und fuhr los, noch immer überrascht von dem plötzlichen Erscheinen Pollendinas.
"Warum sind Sie eigentlich hier?", wollte Rinoa von ihm wissen.
"Ich habe auf eine Mitfahrgelegenheit gewartet, um in den Garten zu kommen."
"Werden Sie dort erwartet?"
"Nein, aber ich dachte, es wird Zeit der Welt etwas von der Wahrheit kosten zu lassen. Ich beziehe mich auf die Schwarzen SEEDs und der Organisation dahinter", antwortete Ewain freundlich und locker, als wäre es nichts Besonderes.
"Wovon sprechen Sie?", fragte Rinoa.
"Zwei Worte, Rinoa."
Squall, Cifer und Xell war es inzwischen gelungen, in die Altstadt einzudringen. Es waren nicht viele Zivilisten auf der Straße. Auch die meisten Soldaten befanden sich an den Grenzgebieten und in den wichtigen Gebäuden.
"Was soll das jetzt werden?"
"Halt bloß den Mund, Cifer. Ich werde mich beim Garden melden. Wenn du dich zu unauffällig verhältst, werden sie uns entdecken", meckerte Xell.
"Wenn man zum Beispiel am Straßenrand steht und Funkgespräche führt?"
"Hier spricht Xell. Garden, bitte melden", sprach er und versuchte Cifer zu ignorieren.
"Wie ist die Lage?", kam Nikos Stimme aus dem Kommunikator.
"Das gibt's nicht. Schlimmer kann's ja nicht mehr kommen", sagte Cifer zu Squall.
"... Yo, so klappt es ziemlich sicher. Gut."
Xell steckte das Funkgerät wieder ein.
"Niko hat einen Plan, wie wir in den Keller des Rathauses gelangen könnten."
"Was du nicht sagst. Ich hab auch einen Plan. Du gehst nackt rein und während die Jungs da drinnen sehen können, wie Mutter Natur männliche Personen bestrafen kann, killen wir Caris und stauben den Ruhm ab", meinte Cifer beißend.
"Den Gefallen tu ich dir nicht", konterte Xell.
"Wo bleibt dein Teamgeist? Willst du dich nicht für die Mannschaft opfern?", fragte Cifer sarkastisch.
"Was verstehst du schon von Teamgeist?", kabbelte Xell zurück.
"Regel Nummer 1: Wenn du ein Klugscheißer bist, dann bleib zuhause. Regel Nummer 2..."
"Regel Nummer 2: Hört endlich auf mit dem Scheiß!", sagte Squall gelangweilt.
"Das war's dann wohl mit 'Anschleichen'", lachte Cifer, nachdem er sah, dass sich ein paar Leute schon nach ihnen umgedreht hatten.
"Na gut. Nikos Plan: Er meinte, wir sollten den Vordereingang nehmen...", begann Xell.
"So in der Art sah auch mein Plan aus", grummelte Cifer.
Squall hielt den Finger vor den Mund, um Cifer zu deuten, dass er still sein soll.
"Tja, er meinte, dass laut bisherigen Spionageberichten um diese Zeit relativ wenige Soldaten im Gebäude sind. Außerdem sei ihr Kampfgeist bereits sehr angeschlagen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie bei dieser Kälte 18 Stunden am Tag für Caris arbeiten und selbst der sorgt sich kein bisschen um seine Leute, die mehr und mehr echte gesundheitliche Probleme bekommen... Was können die schon anrichten, wenn man einen Berserker im Team hat."
"So wie du, mein kleines Berserkerchen?", fragte Cifer.
Xell verdrehte die Augen.
"Nein... Ich meinte Squall."
Das ungleiche Trio ging nach einer kurzen Absprache auf die beiden Soldaten am Haupteingang zu. Xell hatte Recht. Die Leute vom General sahen wirklich nicht sehr fit aus. Die Ermüdung stach aus ihren rot umrandeten Augen raus. Ihre Haut war weiß.
"SEEDs! Macht, dass ihr hier wegkommt!", befahlen die zwei Wachen und richteten ihr Maschinengewehr auf Squall, Cifer und Xell.
"Wir wollten bloß auf ein Tässchen Tee vorbeischauen, aber wenn ihr uns so begrüßt..."
Squall und Cifer richteten ihre Gunblades raus, was für ihre Feinde ein Grund war, sie abzuknallen. Sie feuerten auf die beiden, doch bevor sie merkten, dass Xell plötzlich verschwunden war, bekamen sie unerwartet einen Schlag auf den Hinterkopf. Ihre Augen verloren ihren Ausdruck. Dann fielen sie um und rührten sich nicht mehr.
"Schlaf euch aus, Jungs. Na, wie war ich?", strotzte Xell.
"Das war das letzte Mal, dass du mir den Spaß geraubt hast!", fauchte Cifer, schubste Xell zur Seite, der deswegen in einen Haufen Matsch landete, und rannte gegen den Eingang.
Ein Knarren hallte durch den Empfangssaal, als Cifer die Tür auftrat. Die erstaunten Schwarzen SEEDs wurden teilweise von fliegenden Holztrümmern und Splittern überrascht.
"Eindringlinge! Holt sofort Verstärkung!", hörte man jemanden rufen.
Squall folgte Cifer, der die Soldaten reihenweise ausschaltete. Xell hinkte hinterher und schüttelte den Dreck ab.
"Vergesst nicht! Wir müssen in den Keller!", rief er hinterher.
"Sichert sofort den Keller! Ruft sämtliche Einheiten zum Hauptquartier zurück!", schrie ein gegnerischer Truppenführer in sein Funkgerät.
"Na toll, bist ein richtiges Genie. Kannst du mir mal bitte sagen, warum der Garden unter deinem Kommando noch fliegen kann", meckerte Cifer, während er Feinde, die auf ihn zu rannten, mit einem Hieb wieder zurück katapultierte.
Squall machte es ihm nach, allerdings war er um einiges gelassener.
Sandath öffnete die Augen. Alles fühlte sich anders an. Er war sich nicht sicher, wo er sich befand und was vorher passiert war. Die Kopfschmerzen waren dröhnender denn je, ebenso seine Knochen, seine Gliedmaßen bis hin zur Zehe spürte er kaum mehr. Ein Stechen und Brennen im ganzen Körper waren die einzigen Beweiße, dass er noch am Leben war.
"Du hast lange geschlafen. Woran erinnerst du dich?"
Der General saß immer noch neben ihm. Sandath brauchte wieder seine Zeit, bis er antworten konnte.
Er bildete sich ein, er hätte geträumt. Oder war es die Realität, die ihm wie ein Traum erschien?
"Hast du gut geschlafen, Sandath? Ich weiß, du wachst gerade von deinem Traum auf. Du bist hier, um die Wahrheit zu erfahren. Doch vorher muss ich deine Überzeugungen wissen..."
"Ich kenne... meine Überzeugung... nicht..."
"Gut. Einfache Prozedur..."
"Nein! Nicht!", schrie Sandath verzweifelt und begann zu zittern.
Er wusste, diese Worte bedeuteten Schmerz. Er wusste nicht, woher. Die beiden schauten sich in die Augen.
"Ich kämpfe für... Sie... Sie sind mein... Freund..."
"Und Dwight?"
Ein Name aus Sandaths Vergangenheit.
"Er kämpft auf... der anderen Seite... Weil er nicht weiß... was gut für Galbadia ist..."
"Sehr schön", antwortete Caris und trat auf eine Pedal.
Der Tisch hob sich auf der Kopfseite und stellte sich senkrecht. Die Schnallen öffneten sich. Sandath sank schlapp zu Boden, während sich die Saugnäpfe von seinem Körper lösten.
"Sobald du wieder fit bist, darfst du mir wieder in der Armee dienen."
"General Caris."
Zed kam rein.
"Ich habe soeben erfahren, dass Ewain Pollendina hier in Timber war. Augenzeugen haben ihn gesehen, wie er mit einem SEED-Transporter zum Balamb Garden geführt wurde."
"Ich wusste, dass er das tun würde... Sorgen Sie dafür, dass er nichts verrät. Er darf unter keinen Umständen ein Wort über 'den Boss' oder uns verlieren", befahl Caris.
Zed nickte und wandte sich zum Gehen.
"Zed! Nehmen Sie den Rekruten mit!", sagte General Caris.
Zed hob Sandath vom Boden auf.
"Willkommen bei den Schwarzen SEEDs", flüsterte Zed und beide verließen den Raum.
Caris trat ans Fenster und beobachtete die Skyline und die Militärtransporter, die seine Hälfte von Timber belagerten. Und erlaubte sich selbst, in längst vergangenen Zeiten zu schwelgen...
Präsident Deling warf den Bericht auf dem Tisch, ein paar Blätter fielen runter. Sofort kam ein Sekretär angerannt, hob die Blätter auf und trug sie weg, um sie sicher zu verstauen. Leutnant Caris saß dem Präsidenten gegenüber. Das war er also. Der Mann, für den er kämpfte.
"Leutnant Caris, richtig?", sprach Deling ohne ihn anzusehen.
"Ja, Sir. Man hat mich zu Ihnen geschickt, damit ich Ihnen genau berichten kann, was im Salzfeld passiert ist... und mich für den tragischen Verlust von den ganzen Soldaten zu entschuldigen... als ranghöchster Überlebender... als einziger Überlebender", stotterte Caris.
"Sie brauchen keinen Bericht abzugeben. Ich weiß, was passiert ist. Und ehrlich gesagt, bin ich nicht überrascht. Ich hatte es ja quasi vorhergesehen", meinte Deling so beiläufig, dass Caris erst nicht begriff, was sein Kommandant soeben gesagt hatte.
"Sie... Sie...", stotterte Caris.
Deling sah Caris in die Augen. Die Augen des Diktators waren kalt.
"Es gibt keinen Grund zur Trauer. Die Mission war von kleiner Bedeutung. Es ging darum, Adells Truppenstärke zu testen. Sie ist stärker als erwartet. Ich bin überrascht, dass Sie es geschafft haben. Ich werde eine Beförderung vorschlagen... Sie dürfen gehen."
"Aber... die ganzen Menschen, die gestorben sind..."
"Wir haben genug Rekruten, die diesen Verlust wettmachen", meinte Deling sachlich.
Caris zitterte.
"Diese Menschen... diese jungen Männer... diese Soldaten sind für Sie gestorben, Präsident. Und Sie..."
"Das ist Ihre Aufgabe in diesem Spiel. Wer es überlebt, hat das Recht, aufzusteigen."
"DAS IST DOCH KEIN SPIEL", brüllte Caris und stand auf.
Vor seinen inneren Augen tauchten all die toten Soldaten auf...
"Natürlich. Dazu wurden Sie doch erschaffen. Um für mich zu sterben", meinte Deling lächelnd.
"Wir wurden nicht erschaffen", brüllte Caris.
"Natürlich wurden Sie das. Herrgott, Caris, glauben Sie wirklich, Sie glauben das, was Sie glauben, weil Sie es sich erarbeitet haben? Sie Naivling. Sie sind ein Witz, Caris. Ein Pazifist, der es bei seinen patriotischen Eltern nicht ausgehalten hat. Eltern, die ihren Sohn für ein Programm angemeldet haben. Sie wurden durch Gehirnwäsche zu meinem Ebenbild. Sie und die anderen. Und falls ich sterben sollte, werden Sie die Arbeit fortführen. Sie wertloser..."
PENG! Bevor Caris sich kontrollieren konnte, war es geschehen. Er hatte den Präsidenten erschossen...
Caris wurde schlecht. Dann sah er, wie Funken und Qualm aus dem Schussloch austraten. Eine silberne Flüssigkeit tropfte raus. Auf einmal sprach Deling wieder.
"kLEIne MaRIONEttE..."
Die Stimme wurde verzerrt und schließlich kam nichts mehr.
"Ein Roboterdouble?", fragte sich Caris ungläubig.
Plötzlich sprang die Tür hinter ihm auf. Caris traute seinen Augen nicht. Im Türrahmen standen drei Delings. Zwei von ihnen zogen das tote Double weg, ein anderer setzte sich an den Platz, wo der alte Deling eben noch gesessen hatte.
Dann betrat ein anderer Mann den Raum. Er hatte blondes gut gekämmtes Haar. Es war Vizepräsident Ewain Pollendina.
"Was wird hier gespielt? Wo ist der echte Präsident?", brüllte Caris.
"Es gibt keinen echten Präsidenten. Deling ist ein Phantom, eingesetzt von uns, um die Massen zu erfreuen. Los! Tötet ihn!", befahl Pollendina.
"Verstanden!"
Caris trat mit aller Kraft die Tür zu, die einem Soldaten ins Gesicht geworfen wurde und sprang durch das geschlossene Fenster auf den Balkon. Glassplitter und Gewehrsalven flogen durch die Luft. Die Soldaten sahen Caris über das Geländer springen. Als die am Balkon ankamen, war er verschwunden.
"Er kann noch nicht weit sein. Checkt alles..."
Pollendina wurde von einer lauten Explosion auf dem Balkon unterbrochen. Drei Soldaten wurden von der Druckwelle nach unten geworfen. Vier andere blieben qualmend am Boden liegen. Noch bevor die anderen drei etwas unternehmen konnten, wurden sie von oben abgeknallt. Caris sprang von einem Vorsprung oberhalb des Balkons runter und ging wieder in das Büro des Präsidenten, seine Waffe auf Pollendina gerichtet.
"Spektakulär. Gut ausgewichen. Perfektes Täuschungsmanöver. Ich habe kein Double. Du kannst mich also jetzt und hier töten", sagte Pollendina ruhig.
"Ich will den Präsidenten! Sie sind doch nur sein Schatten", brüllte Caris und ging auf Pollendina zu.
"Tatsächlich? Hast du Interesse an einem Handel? Du nimmst die Waffe runter und ich erzähle dir etwas von der Wahrheit."
"Wo ist der Präsident?", schrie Caris.
"Die Waffe runter und ich erzähle dir alles, die ganze Wahrheit. Die Wahrheit, weswegen deine Freunde im Salzfeld sterben mussten..."
Caris schwieg und steckte langsam seine Waffe weg.
"Was ist die Wahrheit?", fragte Caris.
"Sie beginnt mit zwei Worten..."
"Xell! Cifer! Das muss die Kellertür sein!", rief Squall seinen Mitstreitern entgegen. Die Drei marschierten auf die Soldaten zu und wichen jedem Schuss aus.
"Strategieänderung! Stellt sie mit Granaten kalt!", brüllte ihr Anführer. Daraufhin holten alle Schwarzen SEEDs eine Granate raus.
"Cifer! Klingensturm! Schnell!", schrie Squall.
Cifer nickte. Xell gab ihnen Rückendeckung, während die beiden alle Kraft in ihre Klinge steckten. Die Soldaten zogen die Stifte aus den Granaten und warfen sie in deren Richtung. Im selben Moment schleuderten Squall und Cifer einen scharfen Windstoß den Granaten entgegen, welche augenblicklich an den Absender zurückgesendet wurden. Ihre Gesichter wurden weiß, sämtliche Granaten explodierten vor den Füßen der Gegner. Die Barrikade wurde vernichtet und gleichzeitig die verschlossene Kellertür aufgesprengt. Es kamen trotzdem immer mehr Soldaten in das Gebäude gestürmt.
"Wir dürfen keine Zeit verlieren", rief Xell. "Ab in den Keller!"
Die Treppe hatte nur ein paar Stufen, also konnten Squall, Cifer und Xell problemlos auch die nächsten Wachen ausschalten.
"Wenn wir so weiter machen... werden die uns bald mit schwereren Geschossen angreifen", hechelte Xell und lief den anderen beiden hinterher.
"Tja, solange du..."
"Halt die Fresse, Cifer!", brüllte Xell nach vorne.
"Wollte bloß sagen, dass wir uns keine Sorgen machen brauchen, solange du dabei bist."
"Tatsächlich?"
"Nein", lachte Cifer und startete mit Squall einen Angriff auf die Soldaten, die die Treppe zum zweiten Untergeschoss bewachten.
Diese konnten nicht blocken und fielen rückwärts die Stufen runter. Hinter ihnen war es ruhig. Man hatte wohl aufgehört ihnen zu folgen.
"Wir sollten uns beeilen. Die hecken sicher etwas aus", meinte Squall.
"Mach mal Licht. Hab keine Lust da runter zu stolpern, wie unsere Freunde vorhin."
Dieses Geschoss schien um einiges größer zu sein, dachte sich Squall, weil die Treppe bedeutend tiefer aussah. Vor der Treppe befand sich eine Art Balkon. Die Drei marschierten durch die Tür und befanden sich in einem dunklen riesigen Raum. Squall fand auf der Seite einen Lichtschalter. Als er ihn betätigte, erlebte das Trio eine böse Überraschung.
"Euer Spiel endet hier! Glaubt bloß nicht, ihr wärt die einzigen, die es je bis hier her geschafft haben."
Als die Neonröhren den ganzen Raum beleuchteten, kam eine riesige Halle zum Vorschein. Die Stiege aus Metall führte zehn Meter nach unten, wo sich zirka fünfzig Soldaten befanden und nach oben zielten. Hinter Xell schloss sich krachend der einzige Ausgang.
"Wenn ihr euch ergebt, dürft ihr weiterleben!"
"Hey, Squall. Du kannst doch im Dunkeln kämpfen, oder? Ja, Cifer. Ich weiß, dass du es kannst", flüsterte Xell.
"Was hast du vor?", wollte Squall wissen.
Xell zwinkerte ihm zu.
"Hört auf damit! Ich zähle bis drei!", drohte der Soldat in der vordersten Reihe.
Unbemerkt ballte Xell die Faust, brachte sie zum Glühen und bevor die Soldaten abdrücken konnten, stieß er eine Druckwelle gegen einen Stromkasten, der an der Mauer befestigt war. Das Licht flackerte kurz und fiel aus. Blitze schossen aus den Kasten, dann war es wieder dunkel.
"Netter Einfall, Hasenfuß. Aber das hätten wir auch so geschafft", schrie Cifer und stürzte sich in den Haufen blinder Soldaten.
Squall hatte schon lange nicht mehr in absoluter Finsternis gekämpft, aber er konnte die Nervosität der Soldaten spüren, die deren Position verriet. Es blitze, leuchtete und krachte in der ganzen Halle und die feindlichen Einheiten trafen oft ihre eigenen Männer...
Der Aufenthaltsraum war leer. Rinoa bat dem SEED, der vorhin das Auto gefahren hatte, Niko und den anderen Bescheid zu sagen. Der SEED wollte gerade abhauen, als...
"Könnte ich vielleicht ein Glas Wasser haben? Ich bin fast ausgetrocknet."
"Ähm, ja. Ich werde in der Mensa sagen, sie sollen eins vorbeibringen", antwortete der SEED und verließ das Zimmer.
Rinoa setzte sich Pollendina gegenüber.
Er überlegte kurz und dann begann er. "General Caris hat vor, Timber zu erobern, um Galbadia zu vergrößern, und somit das Gebiet, auf dem das Land Einfluss hat."
"Wie will er das machen? Ich meine, er agiert unabhängig und ist derzeit der größte Feind Galbadias und auch der ganzen Welt", meinte Rinoa.
"Im Prinzip kontrolliert Caris Kitisa und somit auch ganz Galbadia. Auch wenn es im Moment so aussieht, als wolle man Caris aufhalten, irgendwann wird der Präsident nachgeben."
"Sie sagten im Wagen vorhin etwas von einer Organisation..."
"Kitisa ist ein leicht beeinflussbarer Mann. Er war perfekt geeignet für unsere Operation, deshalb habe ich ihn auch zu meinem Nachfolger erwähnt."
Rinoa bekam ein ungutes Gefühl. Saß vor ihr ein Freund oder ein Feind? Pollendina holte tief Luft.
"Die Geschichte begann vor vielen Jahren. In Esthar herrschte eine Depression, die Menschen waren mit der Regierung unzufrieden. Da kam die Hexe Adell und wurde zur Führerin des Landes gewählt. Wie man heute weiß, war Adell eine machtgierige Hexe. Sie beseitigte alle demokratischen Ansätze in Esthar und startete die Adell-Diktatur."
"Das lernt heute jedes Kind. Was hat das mit Caris zu tun?", meinte Rinoa.
"Adell wusste, dass selbst mit ihrer grenzenlosen Macht ihre Tage gezählt waren. Irgendwann wird jede Lüge zerstört. Diktatoren fürchten sich vor ihrem eigenen Volk. Ein Diktator kennt nichts als Angst. Die Angst vor der Revolution. Ihr war klar, sie brauchte einen Vorwand, um an der Macht zu bleiben. Sie brauchte einen Krieg. Die Menschen stellen sich im Krieg immer hinter ihre Anführer. Nun war kein Land Esthar gewachsen, nicht einmal Galbadia. Deswegen, und hier beginnt die Geschichte, gründete sie eine Organisation, die Wahrheit dieser Welt."
"Welche Wahrheit?"
"Zwei Worte. 'Per Manum'. Per Manum ist eine Gruppe von Menschen, die Adell in Galbadia eingesetzt hat. Diese Gruppe von Menschen hatte die Aufgabe, versteckt, auch in Galbadia eine Diktatur einzusetzen, gegen die Adell dann ihren Krieg führen konnte. Niemand hätte je diesen Krieg gewonnen, es wäre ein endloser Krieg gewesen. Ich war einer dieser Menschen."
"Und Vincer Deling...", begann Rinoa.
"... gab es nicht. Deling war ein Phantom, erschaffen von Per Manum. Sein Aussehen und sein genetisches Profil stammen von einem Deserteur, der erschossen wurde. Adell gab uns die Technik, aufgrund des Aussehens dieses Mannes den ultimativen Politiker zu erschaffen. Wir haben Einfluss auf viele andere Organisationen, auch auf Meinungsforschung. Deling war der Mann, den die Menschen sehen wollten. Währenddessen sprach Adell öffentlich von einem Krieg gegen Galbadia und Deling, der als General präsentiert wurde, wurde gewählt. So einfach ist das. Der Krieg fing an und unser Schattenpräsident baute unter unserer Anleitung ein gewaltiges Kontrollsystem auf. Somit kontrollierte Per Manum alles, was in Galbadia vor sich ging", meinte Pollendina.
"Der Krieg gegen Esthar... war inszeniert? Die ganzen Menschen sind für nichts gestorben?", rief Rinoa ungläubig.
Sie hatte viele Freunde gehabt, die im Krieg gefallen sind... und ihre Mutter...
"Was sind Ideologien? Was sind Überzeugungen? Das Leben der Menschen ist doch programmiert durch Fernsehsendungen, durch hirnlose Termine, durch einen Trend, dem alle blind folgen. Die Medien kontrollieren die Meinungen der Menschen, man akzeptiert bedingungslos die Welt und das System um sich herum, ohne einmal irgendwas in Frage zu stellen. Eltern geben ihre Überzeugungen gedankenlos an ihre Kinder weiter. Menschen können niemals frei sein. Sie sind korrupt, wertlos. Sie klammern sich an mächtige Personen und großartig klingende Worte und Ideologien. Sogar die Rebellen, die gegen Deling gekämpft haben, haben wir kontrolliert. Sie machten eben nur genau das Gegenteil, was das offizielle Programm war. Es gibt nur einen verschwindend geringen Teil von Menschen, die wirklich selbständig denken, die selbst die Wahrheit suchen und für sich Entscheidungen treffen. Und ich rede nicht von diesen lachhaften Anarchisten", sagte Pollendina.
In Rinoa staute sich Zorn. Sie realisierte langsam, dass die Person hinter ihr, die sie vor knapp einer Viertelstunde zum ersten Mal sah, der wohl furchtbarste Mensch war, dem sie jemals begegnet war.
"Sie reden von Menschen wie Laguna Loire", sagte Rinoa, bemüht, ihre Stimme ruhig zu halten.
"Ja, er hätte fast alles vernichtet. Er ging nach Esthar, stürzte Adell und errichtete einen Schutzschild. Obwohl er nicht von uns weiß, tat er wohl instinktiv das Richtige. Somit war Per Manum unabhängig. Wir hatten nun die komplette Kontrolle über Galbadia. Wir fielen in Timber ein, um unseren Einfluss zu erhöhen. Aber das wissen Sie ja bereits. Das spielte sich bereits in ihrer Lebenszeit ab."
Tränen bildeten sich in Rinoas Augen. "Wollen Sie mir etwa sagen, dass sie für den Tod hunderttausender Menschen und für das Leid mehrer Millionen verantwortlich sind!? SIE WAREN DAS?!!!"
"Zögern Sie nicht, mich zu töten. Ich habe Ihnen bereits alles erzählt. Ich werde diesen Tag ohnehin nicht überleben. Die Schwarzen SEEDs sind bereits hinter mir her."
"Sie denken, Sie könnten all ihre Schuld wegwaschen, indem Sie uns die Wahrheit erzählen!?", fragte Rinoa verbissen.
Pollendina sah sie kalt an, dann erzählte er weiter, als wäre nichts gewesen.
"Vor fünf Jahren änderte sich wieder etwas. Wir wurden angesprochen von der Hexe Edea. Ich weiß nicht, wie sie von uns erfahren hat. Sie bot uns ihre Kräfte an. Wir dachten, das wäre unsere Chance. Sie wissen ja, was passierte."
Rinoa nickte. Sie würde diesen Abend nicht so schnell vergessen.
"Tja, nach Delings öffentlichen Ableben konnten wir leider nichts mehr tun. Unser idealer Politiker war ein Auslaufmodell geworden. Die Diktatur Galbadia brach nach dem Lunatic-Pandora-Desaster zusammen. Ich erkannte, wir mussten was tun. Ich trat an die Öffentlichkeit und gründete den Rat Pollendina und setzte meinen engen Vertrauten Cecil Kitisa, der allerdings nichts direkt von uns weiß, ein, der von da an für uns im Rat die Stellung hielt. Und immerhin haben wir bis heute noch viele Unterorganisationen und Zeitungen zu unserer Verfügung. Und General Caris. Auch er ist ein interessantes Projekt. Mit Gehirnwäsche zu einem treuen Diener Delings herangewachsen. Wir haben vorgesorgt, falls Deling je ablebt, wollten wir Ersatz. Caris führt nun seine Bestimmung aus, das alte Galbadia zurückzuführen. Ironisch nicht wahr: Caris ist das Produkt von Deling, während Deling unser Produkt ist. Auf diese Weise enden sehr viele Fäden bei uns. Wir haben natürlich sämtliche Wahlen manipuliert, damit Kitisa an der Macht bleibt", schloss Pollendina.
"Ja, nur jetzt gibt es Aloin", schloss Rinoa grimmig.
"Sie legen den Finger auf die Wunde. Aloin. Ein Mann, der aus dem Nichts kam, unabhängig jeglicher Organisation. Und dann ist da noch Aomes Trianirea, geleitet von einer alten Freundin", meinte Pollendina.
"Prokylta war bei Per Manum?"
Pollendina nickte.
Und wer leitet Per Manum?", fragte Rinoa.
"'Der Boss'. 'Der Boss' leitet diese Organisation bereits seit über zwanzig Jahren."
"Hat dieser 'Boss' auch einen Namen?", fragte Rinoa genervt.
Sie war das Spielchen langsam leid. Pollendina lächelte nur und fuhr dann unbeirrt fort.
"Sie sehen, die Situation ist prekär wie eh und je. Auch heute tobt ein Krieg, nicht Land gegen Land, sondern ein Krieg, der im Schatten ausgetragen wird zwischen zwei Organisationen. Und wieder schließen sich Menschen diesen an, um für ihre 'Überzeugungen' zu sterben. Die Welt unterteilt sich somit in Drohnen und Könige", beendete Pollendina seine Erzählung.
"Und Sie halten sich wohl für einen König", schloss Rinoa sarkastisch.
Pollendina nickte. Rinoa grinste. Eine Zufriedenheit stieg in ihr auf zusammen mit einer kalten Wut, die sie selbst nicht an sich kannte.
"Ich muss Sie enttäuschen, Ewain. Sie sind die größte Drohne von allen. WIR sind die Königinnen, die Hexen. 'Per Manum' wurde von einer Hexe erschaffen, von einer Hexe geformt und wird von einer Hexe zerstört werden. Sie sind wertlos, Pollendina. Ein kleiner armer Mann. HÖREN SIE MICH! SIE SIND WERTLOS!", donnerte Rinoa. Sie schien zu wachsen, während Pollendina schrumpfte.
Seine kalten Augen verloren ihren Glanz. Er sah so aus, als hätte er soeben etwas erkannte, was er sein ganzes Leben lang übersehen hatte.
"Jetzt weiß ich, warum ich hier bin... Ich dachte, ich wollte Rache... doch ich wollte nur einmal selbst etwas tun...", stotterte der alte Mann namens Pollendina.
"Sagen Sie mir, wer 'der Boss' ist", flüsterte Rinoa mit einer tödlichen Ruhe.
Pollendina zögerte und holte dann eine Metallkarte aus seiner Tasche.
"Mit diesem Codeschlüssel haben sie Zugang zu Server 666. Das sind die Archive von 'Per Manum'", meinte Pollendina.
Rinoa nahm ihn und wandte sich zum Gehen.
"Seinen Tod selbst vorherzusehen und ihn dann auch noch zu bestimmen... Ist das Macht, Rinoa? Oder ist es ein Geschenk? Oder ist das Freiheit?", rief ihr Pollendina hinterher.
Rinoa drehte sich um. Er lächelte und trank das Wasserglas mit einem Zug leer.
"Ah, vergiftet mit dem 'Trank des Loki', das gefährlichste Gift der Welt", keuchte Pollendina.
Rinoa rannte zu dem Glas.
"Sie scheinen überrascht. Natürlich muss ich sterben. Und natürlich sind auch viele SEEDs Teil von Per Manum. Master Norg, einer von uns, hat seinerzeit dafür gesorgt...", röchelte Pollendina.
Er lächelte Rinoa leise an, bevor er einen Krampfanfall bekam. Er brach zusammen.
"Jeder ist korrupt", flüsterte Pollendina und starb.
Rinoa sah ihn kurz an, ihr Gesicht voller Ekel, drehte sich um und verließ den Raum.
Xell verriegelte die Tür. Squall schlich sich mit ihm und Cifer vom Saal, in dem noch immer Unruhe herrschte, in eine der Kammern. Das komplette zweite Untergeschoß erinnerte ein wenig an ein Gefängnis. Eine große Halle, umgeben von vielen kleinen Kammern mit Stahltüren.
"Ich mach mal Licht", sprach Xell und zündete eine Fackel an.
"Vielleicht war das doch ein bisschen heftig. Wenn wir nicht leise sind, werden die bemerken, dass wir hier drin sind."
"Und was sollen wir hier machen? Warten und hoffen, dass sie sich alle gegenseitig beseitigen?", fragte Squall.
"Vielleicht sollten wir den Garden kontaktieren. Die sind wahrscheinlich schon ziemlich unruhig", schlug Xell vor.
Als niemand widersprach, klemmte er daraufhin seine Fackel zwischen zwei Kisten und holte sein Funkgerät raus.
"Oh Mann, bitte lass dieses Ding hier unten funktionieren. Balamb Garden? Wir sind in Keller 2 angekommen. Ist jemand da?"
"Habt ihr den Feind eliminiert?", knisterte Nikos Stimme durch den Lautsprecher.
"Hier herrscht zwar ein Durcheinander, aber wir sind dem zum Glück entkommen... für die nächsten paar Minuten, nehme ich mal an."
"Okay. Rinoa hat euch etwas mitzuteilen. Rinoa, halte dich bitte kurz. Später möchte ich dann nochmals alle Details davon haben."
Rinoas Stimme war im Hintergrund zu hören. Niko gab das Mikrofon weiter.
"Squall! Ich kenne endlich die Wahrheit hinter Caris! Ich werde euch alles erzählen, wenn ihr wieder da seid, also müsst ihr euch vorher mit der schnellen Fassung zufrieden geben."
"Rinoa, wovon redest du?"
"Keine Zeit! Hört gut zu: Pollendina war vorhin..."
Rinoa klärte Squall und die anderen Beteiligten auf, was sie von Pollendina über Per Manum erfahren hatte. Nach einer Minute war sie fertig, obwohl wohl keiner außer Niko im Stande war, diese Sache zu begreifen.
"Ich weiß nicht, was ich davon halten soll..."
"Ist egal, Squall. Kommt bitte heil hier raus und dann können wir uns in Ruhe damit beschäftigen."
"Ähm, Niko..."
Xell sah die Aufschrift der Kisten und nahm seine Fackel vorsichtig wieder in die Hand.
"Sorry, dass ich das Thema wechsle, aber... Was ist 'Kalizit 70T'?"
"Kalizit ist das zerstörerischste, derzeit bekannte Feuerpulver. 70T ist die komprimierte Form davon, und wird als Sprengstoff verwendet. Habt ihr solches gefunden?"
"Ja, ne ganze Menge sogar. Der Raum hier ist voll damit!"
Squall und Cifer sahen sich um. Xell hatte Recht.
"Caris hat also wirklich genug Sprengstoff, ganz Timber in Schutt und Asche zu legen", kommentierte Cifer.
"Hm... Ihr werdet jetzt eure Mission fortsetzen. Ende!", konnte man Nikos Stimme hören. Ein Knacken.
Die Fackel war fast ausgebrannt. Xell steckte das Funkgerät wieder ein.
"Wie finden wir jetzt Shou, Sandath, Dwight und die Geiseln?"
"Bestimmt nicht, indem wir hier bleiben. Wir können die Unruhe noch für wenige Minuten ausnutzen", sagte Cifer und öffnete die Tür.
Man konnte die Umrisse von einigen herumschleichenden Soldaten sehen. Die meisten lagen jedoch stöhnend und keuchend am Boden. Manche sagten nichts mehr...
"Selphie-Maus!"
Niko griff Selphie auf die Schulter.
"Stell mit dieser Schlüsselkarte, die Rinoa beim Ex-Vizepräsidenten gefunden hat, Verbindung zum elektronischen Archiv der Regierung her und schau nach, was unter 'dem Boss' zu finden ist."
Selphie nickte und lud die Zugangsdaten von der Schlüsselkarte. Ein Logo erschien auf dem Bildschirm. Eine mächtige Hand umschloss darauf einen Planeten und darunter leuchtete ein Schriftzug auf.
'Willkommen bei Per Manum, Präsident Pollendina'.
Selphie klickte sich durch das Archiv und suchte nach dem 'Boss'. Niko las den nach fünf Sekunden gefundenen Eintrag durch. Darin standen Verweise zu anderen Einträgen des Archivs. Allerdings auch immer wieder der hässliche Textblock, der ihnen mitteilte, dass man weitere Passwörter für die Freischaltung dieser Archive benötigte.
"Äußerst interessant."
Beide starrten nachdenklich auf den Bildschirm.
"Glaubst du, du könntest das System knacken?", fragte Niko nach fünf Sekunden.
"Ich werde es versuchen", antwortete Selphie und tippte blitzschnell etwas ein.
Die Gelder und Mühen, die für Selphies verschiedene Kurse und Seminare ausgegeben wurden, tragen Früchte, dachte sich Niko und war stolz auf sich, dass er aus dem einst wilden Mädchen eine Spezialistin unter den SEEDs gemacht hatte.
"Gib mir einfach zwei Minuten."
Die Lichtstrahlen der Taschenlampen häuften sich. Zwischen gestapelten Kisten und metallenen Schränken schlichen sich die drei Eindringlinge durch die Halle.
"Die Geiseln sind wohl in einer Art Gemeinschaftszelle. Es würde nicht viel Sinn machen, sie in einem einsamen Kerker verhungern zu lassen", behauptete Xell.
Sie waren am anderen Ende des großen Kellers angekommen. Die Drei betraten eine große Halle, der große Unterschiede zu den düsteren Gewölben davor aufwies.
"Ähm, wo sind wir jetzt?", fragte Xell verwirrt.
"Nicht mehr im Gefängnis", gab Cifer zurück.
"Hä? Was war das für ein Geräusch?"
Ein Soldat kam mit schnellen, aber leisen Schritten anmarschiert. Er war sich sicher, vor diesem Eingang einen Schatten gesehen zu haben. Um Blutspuren zu vermeiden, schlug Cifer aus dem Hinterhalt mit der Rückseite seiner Gunblade auf dem Hinterkopf des Mannes. Dieser kippte bewusstlos um. Cifer zog ihn in die Ecke und versteckte ihn hinter Kisten.
"Wie langweilig. Können die nicht in Truppen kommen?"
Der Raum war schwärzer als die Nacht. Angst und Trauer lag in der Luft. Man konnte einige Leute irgendwo in einer Ecke schluchzen hören.
"Ich mach mal Licht", hörte Squall Xell sagen.
"Shou? Sandath? Dwight? Seid ihr hier irgendwo? Das gibt's doch nicht. Sie müssen hier sein", sagte Xell.
"Shou!?"
Eine Person betrat den Raum. Er hatte einen Revolver.
"Du bist doch Sandath! Was ist...", begann Squall.
Sandath sah sie ausdruckslos an.
"Wir sind's, Sandath. Nimm die Waffe runter, Kumpel", meinte Xell.
Doch der Gesichtsausdruck des Mannes änderte sich nicht.
"Ich kann nicht zulassen, dass ihr die Pläne des Generals durchkreuzt", sagte Sandath wütend.
Squall traute seinen Ohren nicht.
"Was ist los, Sandath? Hey, wir sind SEEDs aus dem Garden, du bist einer von uns...", sagte Xell.
"Ich bin ein SEED, aber keiner von euch. Was ist? Wenn ihr mich nicht töten wollt, dann lass uns wenigstens kämpfen."
Sandath sah sie hasserfüllt an.
"Diese Mission war wohl zu viel für dich... Hey, wenn du dich beruhigst, dann bringen wir dich wieder in den Garden und dann bekommst du mal ein wenig Urlaub. Du gehörst nicht hierher."
"Ich bin ein Schwarzer SEED... Alle SEEDs wollen die Welt verbessern, was macht es denn dann für einen Unterschied, auf welcher Seite ich kämpfe? Ich schließe mich lieber denen an, die wirklich nicht davor zurückschrecken, alles zu tun, um der Welt den Frieden zu bringen."
"Du bist vollkommen irre! Der Frieden wurde durch Caris zerstört", brüllte Xell.
Cifer stand auf und nahm seine Waffe.
"Er hat ne Gehirnwäsche hinter sich und da du mit deiner Mega Pädagogik gerade absolut versagst, bleibt uns wohl keine andere Wahl", knurrtete er.
Xell ballte zornig seine Fäuste.
"Halt dein Mau, Cifer", schrie Xell.
"Sandath..."
Eine Stimme... Die Drei schnellten herum. Auf der anderen Seite des Raumes stand Dwight.
"Was tust du, Sandath... Warum bist du auf der Seite von Caris?", flüsterte Dwight.
"Mein alter Freund, Dwight... vertrau mir, so wie immer. Schließ dich Caris an. Er zeigt dir die Wahrheit. Er wird dich ans Licht führen und du wirst erkennen, dass du für das Falsche kämpfst", rief Sandath.
"Das kann ich nicht", gab Dwight ruhig zurück.
Squall entspannte sich... Dwight würde sie nicht verraten.
"Warum nicht?", fragte Sandath.
"Weil... weil ich ein Mitglied von Aomes Trianirea bin", meinte Dwight ruhig und zog ebenfalls ein Revolver und richtete ihn auf Sandath.
Beide Freunde richteten ihre Waffen auf den jeweils anderen. In der Mitte standen Cifer, Xell und Squall.
"Hört mal, Leute..."
"Halt dich da raus, Xell", schnauzte Dwight dazwischen und wandte sich wieder an Sandath.
"Caris besitzt ein Artefakt. Prokylta will es."
"Wir handeln zurzeit mit niemandem. Pech für eure Sekte, was?", entgegnete Sandath und lächelte.
"Prokylta wünscht es so. Wenn du dich weigerst, dann müssen wir dich töten", entgegnete Dwight wütend.
"Caris hat mehr Leute, als ihr je haben werdet. Wenn du mich erledigst, dann ist das kein großer Verlust für uns", meinte Sandath.
"Ihr habt doch gar keine Ahnung. Also, was ist? Ich frage dich ein letztes Mal. Sag mir, wo Caris das Artefakt aufbewahrt."
"Vergiss es. Ich werde meine Überzeugung nicht verraten", antwortete Sandath.
"Genauso wenig wie ich. Obwohl es mir Leid tut", entgegnete Dwight.
"MENSCH, REISST EUCH ZUSAMMEN, IHR IDIOTEN!", schrie Xell.
"RUNTER", brüllte Cifer und drückte Xell auf den Boden.
Es herrschte kurze Stille. Dann folgte ein einziger lauter Knall, bestehend aus zwei Schüssen. Squall hörte, wie zwei Körper zu Boden fielen.
Xell stand auf. Er öffnete den Mund mehrmals, bekam jedoch kein einziges Wort heraus. Cifers Gesichtsausdruck war schwer zu lesen. Er murmelte etwas wie "Diese verdammten Bastarde" und begann dann den Raum nach Türen abzusuchen.
"Wir müssen los, Xell. Wenn du nicht willst, dass sich weiterhin Leute so unterwerfen, dann müssen wir dem ein Ende setzen", sagte Squall mit zittriger Stimme.
Xell blickte Squall an. Dann nickte er langsam.
"Du... du hast Recht. Wir müssen uns zusammenreißen. Es gibt Leute, die zählen auf uns. Shou... und die Bevölkerung von Timber. Wir werden sie da rausholen."
Xells Stimme klang entschlossen.
"Wenn Sie noch auf unserer Seite steht", meinte Cifer düster.
Plötzlich begann im gesamten Keller das Licht wieder zu leuchten. Mehrere hundert Soldaten blockierten den Weg nach oben. Squall und die anderen blickten in alle Richtungen. Diesmal waren die Feinde weit überlegen. Diesmal gab es keinen Ausweg mehr. Einen kurzen Moment herrschte kurz Ruhe. Auf einmal hallte ein einsames Klatschen durch den stillen Raum. Hinter den Soldaten erschien Zed Black und applaudierte.
"Die Geschichte wiederholt sich... immer und immer wieder", rief er.
Im Balamb Garden hörten Niko, Quistis und Selphie Zeds Stimme durch das Funkgerät. Dann wurde auf einmal die Verbindung unterbrochen.
"Niko! Bleib gefälligst da. Wir müssen uns etwas einfallen lassen... Was machst du da?", fragte Quistis scharf.
Niko ließ sich nicht ablenken und blätterte wie besessen durch seine Papiere. Quistis wartete kurz auf Antwort und schlug anschließend wütend auf den Tisch.
"Hörst du mir überhaupt zu? Xell, Shou, Squall, Cifer... Sie warten darauf, dass wir etwas unternehmen!"
"Es reicht! Ich habe ab sofort das Kommando. Ich habe dieses Kinderspiel endgültig satt. Ich werde die Sache jetzt beenden, komme was wolle. Operation 'Code: 255' wird nun anlaufen. Diese Operation hätte uns den Sieg bringen können, aber Xell war wieder mal dagegen. Ihr habt alle keine Ahnung, deshalb werde ICH diesen Spuk beenden. Zuerst werden wir eine Bombardierung von Timber durchführen und dann werden alle verfügbaren SEEDs Timber stürmen und die Soldaten auslöschen. Zusammen mit dem Galbadia Garden werden wir es schaffen. Es gibt keinen besseren Plan. Nur hier sind die Erfolgsquoten nahe dem Maximum", meinte Niko
"Das wäre das Ende von Timber. Und das Ende von Squall und den anderen", brüllte Quistis.
"Das sind eben Opfer, die man bringen muss. Ich habe es satt, von allen getreten zu werden. Ich werde nicht zulassen, dass Caris noch einmal die SEEDs demütigen wird!"
Quistis sah in Nikos Augen. Er war wahnsinnig, dachte sie sich. Niko drehte sich um und verließ den Raum, um die Operation vorzubereiten. Quistis Blick fiel auf Selphie, die anscheinend sehr damit beschäftigt war, etwas in den Computer einzugeben.
Quistis wurde klar, dass sie etwas unternehmen musste, wenn sie ihre Freunde nicht aufgeben wollte. Und das würde sie sich nie verzeihen.
Kurz tauchte Rinoa vor seinem inneren Auge auf. Sie sagte etwas zu ihm... "Komm zurück."
Er wollte sie ansehen, doch etwas kam dazwischen. Jemand weckte ihn auf. Squall schlug die Augen auf. Er befand sich auf einem Tisch... in einer Folterkammer. Und an der Wand stand General S. U. Caris und lächelte.
"Worüber lachen sie denn?", fauchte Squall.
"Über zwei Worte... mein Freund!"
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