Heute ist der dritte Tag nachdem das letzte Kapitel veröffentlicht wurde und eine Woche, nachdem die ersten Zeilen aus 36 geschrieben wurden.
Es ist seltsam, wenn man auf einmal nicht mehr drüber nachdenkt, wie man die neuen Szenen auflöst oder sich überlegt, wie man diese oder jene Wendung gut rüberbringen kann, andererseits ist es aber auch ein befreiendes Gefühl. Eine große und sehr umfangreiche Geschichte ist abgeschlossen und man ist das endlich losgeworden, was man so lange erzählen wollte. Und irgendwann fängt wieder alles von vorne an. Eine neue Idee kommt, eine neue Geschichte wird erzählt und die Arbeit geht wieder von vorne los.
Kapitel 36 ist wie gesagt etwas, was schon in Grundzügen eine sehr lange Zeit bereits besteht. Kurz nachdem die Grundkonstellation stand und damit die Handlung von Kapitel 1, die mehr oder weniger Ausgangspunkt für alles Folgende war, entwickelte sich das Ende von "Aomes Trianirea". Die letzte Sequenz, wenn Squall und Rinoa alleine (Cifers Tod war noch nicht beschlossen, er sollte woanders sein) sich mit Artemisia treffen, sie schließlich zerstört wird und das Paar entkommen kann und am Ende ihr Gespräch halten, war bereits sehr früh fertig. Die genauen Inhalte veränderten sich jedoch über die Zeit. Da wir am Ende sehr viel über das Universum geschrieben haben, kam dieser Aspekt rein und so wurde das Kapitel nach und nach immer umfangreicher und detaillierter.
Die erste Hälfte veränderte sich hingegen etwas öfter. Bereits in der allerersten Storykonferenz mit BattleMage war klar, dass Hyne der Antagonist sein sollte, also war auch klar, dass der finale Endkampf Bestandteil von 36 sein sollte. In den frühen Entwürfen sollte jedoch Squall und Rinoa direkt gefolgt werden, also Umschnitte auf die klassischen Feiern blieben aus.
Dennoch änderte sich auch das, denn im Laufe der Zeit wuchs die Geschichte, neue Figuren wie Niko und die Goodsworth-Familie kamen in die Handlung mit hinein (sie wurden erst im eigentlichen Schreibprozess entworfen) und deswegen beschlossen wir, auch diese Elemente in das letzte Kapitel mit einzubeziehen.
Das letzte große Element war im Prinzip die Szene zwischen Zed und dem Zahnstochermann. Letzterer existierte nur, um zu erklären, dass es eine neue Bedrohung geben wird.
In 35 tauchte er mit einer eigenen Szene auf und ich beschloss, mehr aus Scherzgründen die Begegnung mit Zed gleich mit aufzusetzen. Mir war irgendwie klar, dass wir sie schneiden würden. Doch während ich daran schrieb, wuchs die Szene und wurde klarer. Zeds Überleben wurde schlüssig erklärt und im Prinzip dachte ich mir, dass die Szene zu viel erklärt und auch hervorragend mit der folgenden Niko Szene korrespondiert. Es zeigt die Leere und im Prinzip auch die Armseligkeit von machtgeilen Menschen, Menschen ohne Namen und Identität, Menschen ohne Fantasie, die ewig nur das gleiche Programm abspulen.
Insofern ist Zed nur einer von vielen. Der echte Mensch ist irgendwo im Laufe der Geschichte verloren gegangen. Ich denke, besser kann man ihn nicht ausführen, auch wenn sein Tod in 32 wirklich endgültig sein sollte.
Als wir damals einen Namen für das FanFic suchten, kamen uns viele Ideen durch den Kopf. Schließlich stießen wir auf den berühmten Satz "Fithos Lusec Wecos Vinosec" aus FF8, der ja ein Anagram zu "Succession of Witches" und "Love" war. Wir beschlossen also, unseren Namen ebenfalls fremdartig klingen zu lassen.
Wir erstellten diverse Anagramme von Rinoa und Artemisia. Eins, das sehr schön klang, war "Aomes Trianirea". Leider war es kein Anagram mehr, was wir aber erst sehr spät bemerkten. Die einzige Möglichkeit bestand darin, aus Rinoa Renoa zu machen.
Es gab Diskussionen, den Fehler öffentlich als "Schande" einzugestehen, aber ich mochte sowas nicht, denn es wäre ärgerlich gewesen, die große Geschichte über so eine kleine Sache stolpern zu lassen. Also bauten wir den kleinen Renoa-Faden ein.
Wir erwähnten den Namen Renoa in einer kurzen Szene in 31, wo er zuerst von vielen als Tippfehler gehalten wurde, obwohl Rinoa auf ihn eingeht. Ursprünglich sollte es einen Gag in 35 geben, der sich auf einen kleinen Witz auf 30 bezieht geben, der die Renoa-Sache komisch erklärt hätte, aber wir schnitten ihn, um der Enthüllung in 36 mehr Gewicht zu geben.
Auch wenn viele Szenen bereits im Voraus geplant waren, behielt ich mir bis zu letzt ein bisschen zurück. Ganz kleine Details oder der genaue Gesprächsverlauf entstehen bei mir immer erst beim Schreiben. Ich mag diese Freiheit, denn so kann der Dialog ungezwungen von statten gehen und man kann sich besser mit den Figuren identifizieren und gewisse Gefühle rüberbringen.
Der Fakt, dass Rinoa die ganze Zeit ihre wahre Identität wusste, entstand z.B. erst beim Verfassen des Kapitels. Es war natürlich seid Kapitel 1 klar, dass Rinoa irgendwas ahnte. AT begann ja mit einem Traum, wo Squalls Tod gezeigt wurde und Rinoas dunkelste Ängste wahr wurden.
Aber das sie es konkret wusste, war auch mir neu, wobei ich es eigentlich mochte.
Ich denke, sie ahnte etwas. Es sind die Sachen, die man tief in sich spürt. Sie kannte Artemisias Gesicht und vermutlich erkannte sie ihre Stimme und sie spürte eine Sehnsucht und sie verdrängte es.
Für mich war die Begegnung sehr wichtig. Rinoa schaut in ihren eigenen Spiegel und begreift, dass das Böse keine abstrakte Macht ist, sondern in ihr selbst wohnt. Sie kann an diesem Moment nicht mehr weglaufen, sondern realisiert endlich die Verbindung. Auch Squall geht der eigentlichen Konfrontation schon lange vor 33 aus dem Weg. Sie tasteten sich heran und dennoch stand das ganze FanFic eine Distanz zwischen ihnen, da es etwas Unausgesprochenes gab. In 32/33 hat das ganze nur ein konkretes Gesicht bekommen. Squall wusste, dass Rinoa Artemisia war, obwohl auch er vermutlich im Unterbewussten etwas geahnt hat. Spätestens seit Kapitel 9 weiß auch er, dass etwas nicht stimmt.
Das war auch der Grund, warum es keine kitschige Romantik gab. Es gab zwar kurze Gefühlsausbrüche, aber sie verflogen schnell.
Rinoas Gedanken waren, abgesehen von kurzen Ausnahmen, wie z.B. in der "Wege"-Trilogie, tabu für uns. Sie wurde nur beobachtet. Teilweise auch, weil wir Autoren sie oft nicht verstanden haben. Squalls Entdeckungsreise ist gleichzeitig auch meine Entdeckungsreise gewesen. Ich lernte die Figuren von Kapitel zu Kapitel neu kennen.
Aber die beiden haben ein unendliches Glück, ein handfestes Beispiel zu haben, was aus ihnen beiden werden kann.
Und deswegen gibt es sicher auch das Böse. Damit wir uns an ihnen orientieren können und sagen können, wir werden nicht so verbittert. Überhaupt brauchen wir andere Menschen, um uns zu entwickeln.
Der Schluss von AT war ja genauso lange geplant. Ich wusste bei Kapitel 1, der letzte Dialog sollte genauso anfangen, wie der erste, weswegen ich mir damals den Kopf zerbrochen habe, was man schreiben könnte, denn es musste sowohl in Kapitel 1 als auch in das noch weit in der ferne liegende Schlusskapitel passen.
Letztlich hat es aber gut funktioniert.
Die beiden wissen am Ende nicht, wo sie sind, wann sie existieren oder was kommen wird. Sie haben nur sich und haben sich gefunden. Sie haben ein tieferes Verständnis für sich und den anderen. Es gibt keine endlos bösen Feinde mehr, die sie mit Waffengewalt besiegen können.
Wenn AT endet, startet ihr neues Abenteuer, das eigentliche Leben.
Oder um es mit Squalls Worten zu sagen "Wer weiß, was wird".
Und damit endet das Fan-Fiction und somit kommt auch dieses letzte Log zum Ende.
Es war interessant für mich, meine Gedanken nach jedem Kapitel aufzuschreiben, um das Kapitel im Kopf noch mal Revue passieren zu lassen. Ich hoffe, ihr fandet das Gefasel von mir halbwegs erträglich und ich konnte euch hier und da ein paar Einblicke gewähren.
AT waren drei Jahre Auseinandersetzung und zwangen mich, kreativ zu bleiben. Nebenbei verfeinerten sie meine Kenntnisse ums Schreiben und ich merkte, wie ich langsam immer besser wurde.
Es freut mich, dass das letzte Kapitel so bewegend geworden ist. Meine bisherigen Arbeiten waren häufig sehr kühl, obwohl ich persönlich ein sehr emotionaler Mensch bin.
So konnte auch ich als Autor durch AT immer wieder Neues ausprobieren.
Vielen Dank fürs Lesen und für die drei schönen Jahre. Und wenn ihr bis zu der Stelle gelesen habt, seid ihr wirkliche Hardcore-Fans.^^
Alles Gute.
(c) 2003 - 2010 :: "Aomes Trianirea" ist geistiges
Eigentum der AT-Autoren.