FFVIII: Aomes Trianirea - Autoren-Logbuch

Log zu Kapitel 30

Ein Hauch von Optimismus

verfasst von MfLuder

Das 30. Kapitel war ein sehr ungewöhnliches Projekt. Im Prinzip schien nach dem 29. Kapitel alles klar zu sein. Der Philosoph sollte beschützt werden und alles steuerte auf ein großes Finale mit Hyne zu. Dennoch fühlte ich, dass zwischen all dem Bombast, der im 29. Kapitel so vorzüglich rüberkam, ein Kontrapunkt gesetzt werden musste.
Ich wollte irgendwie ein kampfloses Kapitel, dass nur von seinen Dialogen lebte und gleichzeitig aber viel aussagte und in dem ich Zeit und Raum hatte, einige Aspekte zu behandeln, die sonst unter den Teppich gefallen wären.
Squall steht klar im Mittelpunkt des Kapitels. Er hat endlich den Raum bekommen, um sich wieder zu entfalten und eine ganz persönliche Erfahrung zu machen, die ihn als Mensch sehr reifen lässt. Im Prinzip entwickelt er sich in diesem Kapitel endgültig vom Draufgängerteenie zu einem richtigen Erwachsenen und hat nun auch den Geist, für den Finalkampf ein großer Kämpfer zu sein, bevor er das Schwert ganz beiseite legen wird.
Kern der Geschichte ist eine platonische Liebesbeziehung. Allerdings nicht zu Rinoa, wie man erwarten würde, sondern zu einer Frau, die in diesem Kapitel (abgesehen von einem Miniauftritt in 32), ihren einzigen Auftritt haben wird, Emily Peterson. Diese Frau zu schreiben, hat mir endlos viel Freude gemacht, da sie eine sehr interessante Person in einer sehr interessanten Lebenssituation ist. Emily war vermutlich eine sehr sympathische aber auch sehr von ihren Lebensumständen abhängige Person. Sie war fest in einem System eingegliedert, dass ihr ein komfortables Leben ermöglichte. Doch nun wurde sie rausgerissen. Ihre ehemaligen Freunde entpuppten sich als wahre Monster, sobald man nicht mehr im Gleichschritt marschierte. Das Kennzeichen von Diktaturen ist, dass sie wunderbar aussehen, wenn man sich ihnen anpasst, aber höllisch, wenn man sich dagegen stellt. Sie sind eine gewaltige Maskerade. Nun hegt sie seit langem eine Liebe für Squall, der ihr aber in seiner Zeit bei der Sekte als seelenloser Killer nie Aufmerksam geschenkt hat. Nun ist er wieder normal, aber in festen Händen und Emily ist in vielerlei Hinsicht ein ganz zerrissener Mensch, die erst am Ende wieder etwas zu sich findet. Bevor man sie jedoch weiter verfolgen kann, verschwindet sie aus Squalls Leben und aus der Geschichte.
Andere Figuren bestimmen das Kapitel mit. Man ist endlich in der Lage, in Prokyltas Herz zu sehen und zu begreifen, wieso sie so ist wie sie ist. Es macht Spaß, als Autor seine eigenen Figuren so zu erforschen und ihnen immer neue Facetten hinzuzufügen. Letztlich wird Prokyltas Schmerz deutlich, aber auch ihre finale Entscheidung. Im Prinzip ist Prokyltas Dasein ein ständiger Abstieg. Aufgetreten als beeindruckende schwarze Hexe in Kapitel 4 wird sie langsam zu Hynes Puppe und legt sich ihren eigenen Galgen.
Etwas Ähnliches passiert auch mit Zed. Ich wollte eine andere Seite von ihm zeigen. Ich denke, man sieht in AT nur eine Seite, seine schlechteste, von Black. Allerdings kann er auch anders sein. Es gibt wenige Menschen, die Zed je geliebt hat. Er liebt Emily aber sie ihn nicht. Er akzeptiert das. VisionCatcher sagte in einem ersten Feedback, er glaube, nach der Szene, wo Zed sein Lebenswerk (Squalls Akte) verbrennt, könnte er auch aufhören und untertauchen. Das fand ich sehr interessant, denn im Prinzip gibt Zed hier seine ganze Macht weg, er verbrennt seine ganze Leidenschaft für Macht und schließlich seine größte Trumphkarte. Groß ausgedrückt, er verbrennt in einem letzten Aufflackern von Liebe seine Seele. Für ihn gibt es danach nur noch eine Gelegenheit. Er ist ein Verfolgter und arbeitet nur noch für sich selbst, d.h. er muss alles auf eine Karte setzen. Wie dieser Plan aussieht und wie er ausgeht, wird man im zweiteiligen Episodenfinale sehen.
Ich denke, Zed hat einfach zuviel gesehen, um sich auszuruhen.
Der Kern des Kapitels ist Liebe und die guten und die schlechten Seiten von ihr. Das Kapitel heißt "Ein Hauch von Optimismus", weswegen hier mehr die guten betont werden. Sogar ein psychisches Wrack wie Prokylta verzichtet auf Adryan, weil sie etwas Herzenswärme noch besitzt. Emily kann sogar zeitweise ihren Hass auf die Welt verlieren.
Und Squall findet seinen Sohn und wird sich vollends bewusst, was er getan hat, was er für ein Mensch ist, und was er noch tun kann. Nämlich ein guter Vater sein und somit einen wunderbaren Menschen heranziehen.