FFVIII: Aomes Trianirea - Autoren-Logbuch

Log zu Kapitel 27

Ein Gefühl von Leere

verfasst von MfLuder

Nach dem fulminanten actionreichen 26. Kapitel standen wir nun vor der Aufgabe ein 27. Kapitel zu schreiben. Manchmal manövriert man sich als Autor in eine Situation, wo sich nicht nur der Leser fragt, wie das alles weitergehen kann, sondern auch der Autor.
Kapitel 27 war so ein Fall. Was für eine Szene kann auf eine gigantische Schlacht, ein Todesfall, ein Massaker und eine drohende Massenschlägerei folgen?
Ein ähnliches Problem gab es mit Kapitel 9, wo ich ebenfalls die ersten Szenen nach einer großen Wendung geschrieben habe. Ich hatte seinerzeit beschlossen, das Kapitel sehr langsam angehen zu lassen. Heute bin ich der Meinung, das Kapitel ist ZU langsam. Ich wollte den Fehler mit 27 nicht wiederholen.
Als ich mir die Handlungsstränge aus 26 ansah, fiel mir auf, dass wohl die interessanteste Frage die nach Prokylta, Zed und Kitisa sein würde. Außerdem gab es mir die Gelegenheit, sofort mit einer neuen Bedrohung anzukommen, die jedoch eher schleichend daherkommen sollte.
Also fängt 27 mit Kitisa an, eine Figur, die sich nach vielen unauffälligen Auftritten nach dem Kapitel "Das Ende der Fäden" sehr entwickelt hat, und die ich mal in den Mittelpunkt stellen wollte, da sein Verhalten sehr zentral für die weiteren Ereignisse ist. Er repräsentiert das öffentliche Gesicht und muss nun erkennen, dass seine Manipulation doch sehr weit nach oben geht.
Mir war es wichtig, die Bösen Zed und Prokylta (und eigentlich auch Kitisa) sehr brutal dastehen zu lassen. Eventuell wirken die Dialoge etwas zu brutal und daher hölzern, aber im Prinzip sollte das Böse nicht tragisch oder differenziert rüberkommen, sondern in erster Linie brutal und rücksichtslos. Wer von den dreien nun der mieseste Typ ist, kann jeder Leser für sich selbst entscheiden. Was vielleicht nicht so auffällt ist, dass alle drei im Prinzip Befehlsempfänger sind.
Kitisa ist insofern interessant, als dass er ein absolut unmoralischer Typ ist. Er ist ein Schreibtischtäter und ein Machtmensch: Erfolgreich und unbeliebt. Dennoch ist er kein Mörder, wird jedoch unter Druck gesetzt und schließlich durch Zed in ein bevorstehendes Attentat eingeweiht, gegen das er nichts unternimmt. Insofern ist er ein Mitwisser, der jedoch nicht in der Lage ist, länger wegzugucken, weswegen er den Spagat versucht. Rebellion und gleichzeitig seine eigene Haut retten. Er ist somit eine sehr zerrissene Figur, die plötzlich zum ersten Mal in seinem Leben Schuldgefühle verspürt. Diese Entwicklung ist ziemlich wichtig und zieht sich bis in das Episode 3 Finale hinein.
Zed hingegen bekommt ebenfalls neue Rolle. Nachdem in 26 klar wurde, dass er keinesfalls der geniale Stratege ist, sondern eben nur der Fanatiker aus Kapitel 4, war es für mich schwierig, den neuen Ton zu treffen. Ich denke, dass seine Motive, nämlich nach Hynes Übernahme zu überleben, durchaus wahr sind. Ich glaube fast, dies ist Zeds Hauptmotiv. Er ist nicht gerade ein Überzeugter, er weiß nur jede Situation für sich auszunutzen. Dieser Zustand wird natürlich nicht bis in alle Ewigkeit weitergehen, wie wir im nächsten Kapitel sehen werden.
Unter den Bösen macht sich sehr schnell ein neuer Druck breit. Das sieht man bereits leicht in der Szene in Kitisas Haus. Ich wollte unbedingt seine Familie zeigen und vor allem der Druck, der dort herrscht. In Kitisas Familie gibt es keinen Raum für Menschlichkeit. Die Kinder haben zu gehorchen, das Essen hat zu schmecken und man hat sich gesittet zu unterhalten. Durch die kleine Szene mit Zed wird hoffentlich klar, dass jeder quasi Druck von oben erhält. Zed erscheint, weil Prokylta ungehalten über Kitisas Äußerung war, die wiederum Angst vor Hyne hat. Diese Entwicklung wird weitergehen und im nächsten Kapitel am Bedeutung gewinnen.
Nun war es an der Zeit, den Ursprung der ganzen Angst, Hyne, endlich zu zeigen, der nach vielen Seiten endlich sein wahres Gesicht zeigt. Ich kam also ganz schön ins Grübeln, Hyne endlich richtig darzustellen, nachdem ich mich lange davor gedrückt hatte. Ausgehend von den vorherigen Szenen gab ich ihm eine Grausamkeit, gleichzeitig aber auch eine Art Wärme, mit der er abwechselnd operiert, um seine Leute zu kontrollieren. Fast schon schizophren wechselt er zwischen nettem und bösem Onkel und wird somit zu einem Monster, vor dem sogar Prokylta auf die Knie sinkt.
Nach der Kitisa-Szene wechselt das Kapitel zu den Helden. Mir war es wichtig, die Stimmung, die nach der Schlacht vorgeherrscht hat, wieder einzufangen, aber auch Lichtblicke einzustreuen. Die schönste Szene für mich war dabei das neue Haus, denn es bedeutet, dass es auch nach dem härtesten Kampf eventuell eine Zukunft für Squall und Rinoa geben kann. Die Erkenntnis, dass es überhaupt Licht am Ende des Tunnels gibt, reicht da manchmal schon aus.
Der Selbstmordversuch von Niko ist natürlich Beweis genug, dass Niko sich dessen eher nicht bewusst ist. Ich wollte das sehr radikal darstellen, denn der ehrgeizige Niko, der sich nur über seine Arbeit definiert, ist im Moment in seiner persönlichen Hölle. Dies ist sehr wichtig für ihn und wird seine weiteren Handlungen bestimmen.
Das kurze Esthar Intermezzo ist der Part, der mir am wenigsten Spaß gemacht hat. Es ist mehr oder weniger ein Vorbereiten für die nächsten Kapitel und bereitet den nächsten Handlungspunkt vor. Die kurze Szene mit Laguna führt etwas fort, das bereits im Kapitel "Akzeptanz benötigt Zeit" aufgetaucht ist, und zwar Lagunas wachsende Unzufriedenheit mit seinem Beruf. Die Szene an sich zu schreiben war für mich dann aber auch eher eine Pflichtübung, aber ich denke, sie liest sich trotzdem ganz gut.
Spannender war da schon der Toromia-Teil. Es war wieder ein Teil, wo eigentlich neben Erkunden wenig passiert und diese Teile sind immer mit viel Beschreibungen und Atmosphäre verbunden. Außerdem passiert hier viel mit Xelto.
In seiner ersten Szene erzählt er viel über die Hintergrundgeschichte und erklärt den Helden somit, was Hynes nächstes Ziel ist und, was viel wichtiger ist, das abstrakte Konzept von Hyne und zwar seine Zerrissenheit. Das quasi nur sein zerstörender Teil als Hyne rumläuft und seine anderen Charaktereigenschaften die Lacrimas bzw. versiegelt sind, ist sehr wichtig, nicht zuletzt, weil es ein neues Licht auf Fibrean Copper wirft.
Ich denke, dass die Finalszenen des Kapitels mit Hyne und Rinoa für sich selbst sprechen. Hyne sollte eine absolut kalte und arrogante Art haben. Er hat den Luxus, dass ihm menschliche Gefühle fremd sind, weswegen er auch so blasiert damit spielen kann.
Mir war es sehr wichtig, Rinoa menschliche Züge zu geben. Im Prinzip wurde sie seit Beginn des FanFics stets unsympathischer und verrannte sich immer mehr in ihrer dunklen Seiten. Mir war wichtig, dass diese Entwicklung nicht für immer fortgeführt werden konnte. Rinoa wird in diesem Kapitel zu einer starken Figur, da sie beschließt, sich ihrer dunklen Seite zu stellen. Zu recht darf sie deswegen auch Hyne widerstehen, während die Herrenriege unsanft von Hyne zu Beginn weggeblasen wird.
Die drei Abschlusszenen hätten eigentlich noch viel mehr ineinander montiert werden müssen, um wirklich zu wirken, aber ich hatte Angst, dass die Verständlichkeit leidet und die wichtigen Punkte verloren gehen. Alle drei handeln über eine Sache. Das endlos komplizierte Gedankenkonstrukt des Philosophs, das Gespräch zwischen Rinoa und Xelto und Cifers innere Entscheidung hängen eng zusammen.
Der Philosoph sollte quasi einen trockenen Überblick über die Grundlagen des Lebens geben, die dann in den Treffen mit Alphega weitergeführt werden sollten. Im Prinzip dreht sich hier viel um das titelgebende "Gefühl der Leere". Interessanterweise berichtet auch Hyne von seinen Experimenten mit dem Nichts und ich kann hier verraten, dass damit das gleiche gemeint ist.
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie man Kapitel 28 beginnt, nachdem das Finale viele Fragen aufgeworfen hat. Tja, eine gute Frage ist das...