Final Fantasy 8: Theorien

Rinoa-Artemisia-Theorie

verfasst von ShadowFlame

Warum die Federn schwarz wurden...



Wir spielen begeistert FFVIII, den Nachfolger des weltweit bekannten FFVII. Unsere Rolle: Squall, ein verschlossener und kaltherziger SEED. Auf seiner Seite kämpfen Xell, Quistis, Selphie, Irvine und natürlich Rinoa. Zu deren Feinde gehören Squalls Rivale Cifer und Edea, eine mysteriöse Hexe, deren Herkunft unbekannt ist und sich zum Ziel gesetzt hat, die Welt zu regieren. Es kommt wie es kommen muss: Man erfährt, dass Edea in Wirklichkeit die Ziehmutter der Helden ist und dass sie von Artemisia, einer Hexe aus der Zukunft kontrolliert wurde. Am Ende gelingt es Squall und seinen Freunden Artemisia zu besiegen und die Welt vor einer Zeitkomprimierung zu bewahren.
Das Spiel endet mit einer großen Party im Balamb-Garden. Und dann wird die PS ausgeschaltet, ohne sich ein einziges Mal gefragt zu haben, wer "die Hexe aus einer anderen Zeitepoche" eigentlich ist...
Viele werden von dem Grücht bereits gehört haben, die anderen hören jetzt davon:
Ist Artemisia die zukünftige Rinoa?
Manch einer sagt "Ja, warum eigentlich nicht?", ein anderer "Der größte Schwachsinn, den ich je gehört habe". Wer von den beiden nun Recht hat, werden wir nie erfahren, da es für dieses Rätsel keine Lösung gibt. Aber es gibt Hinweise und Fakten, die für genug Diskussionen und Spekulationen in tausenden von Foren sorgten. Ein Großteil der Teilnehmer waren Befürworter der Theorie, der Rest wollte die zahrleichen Argumente mit der "aussagekräftigen" Begründung "Ne, Rinoa ist nicht Artemisia" widerlegen. Die Wahrheit kennt allerdings nur Square(Enix) und die werden wir wohl nie erfahren. Wichtiger ist aber, dass man sich diesbezüglich eine Meinung bildet, zu dieser steht und sie begründen kann. Die Tatsachen, die dafür sprechen, sind ziemlich eindeutig und ich hoffe, dass sich jene Spieler, die Rinoa lieben und Artemisia hassen, das hier dennoch durchlesen, um wenigstens zu verstehen, was die Anhänger der Theorie so sicher macht. Jeder hat die Freiheit das zu denken was er möchte, allerdings sollte man beachten, dass die Wahrheit, ein Aspekt, der auch in "Aomes Trianirea" eine wichtige Rolle spielt, eine Wahrheit bleibt, auch wenn man sich davor umdreht.
Viel Spaß beim Lesen.

Woher kommt die Behauptung?
Die Idee stammt von den Betreibern einer englischen FF-Website und wurde auf verschiedenen Wegen unter den Fans verbreitet. Obwohl die Diskussionen in FF-Foren aus aller Welt schon vor mehreren Jahren begannen, ist das noch immer ein heißes Thema und wird es auch immer bleiben.

Was spricht für die Theorie?
Wie schon vorhin erwähnt gibt es keine Beweise noch Bestätigungen im Spiel, dass es tatsächlich so ist. Stattdessen stützt man sich auf eine Reihe von Hinweisen und Informationen, die man im Laufe des Spiels erfährt.
Auch wenn es den Anschein hat, dass Rinoa eine liebevolle und ehrliche Person ist, muss es nicht bedeuten, dass sie immer so bleiben wird. Gut und Böse sind keine Eigenschaften, die entweder Menschen angeboren sind oder in denen sich Menschen eingliedern lassen. Artemisia ist vermutlich das Produkt von Kummer, Leid und Schmerz über eine verlorene Liebe, die auf Rinoa eingewirkt haben. Hier sei besonders auf Artemisias Worte kurz vor ihrer Niederlage hingewiesen (um ganz genau zu sein, sind das nicht ihre letzten Worte, wie von vielen oft behauptet wird, aber das ist jetzt unwichtig):
"Erinnerungen... aus ferner Kindheit
Jenes Empfinden...
Jene Worte...
Jene Gefühle...
Mit dem erwachsen werden geht vieles verloren.
Die Zeit wartet nicht.
Man hält sie fest und doch zerrinnt sie.
Doch jetzt..."

Eine gute Erklärung für ihre Worte wäre, dass ihr im Moment kurz vor ihrem Tode wieder eingefallen ist, wer sie in Wirklichkeit ist. Sie erkennt Squall wieder und hofft, dass er ihr den Frieden bringen kann. An dieser Stelle möchte ich besonders auf das Gespräch zwischen Squall und Rinoa auf der Wiese beim Waisenhaus hinweisen. Rinoa sagte ungefähr so etwas: "... Dann werden die SEEDs kommen, mit dir als ihren Führer und du wirst dein Schwert direkt in mein Herz... Aber wenigstens werde ich dann von dir getötet". Sollte das eine Anspielung auf Artemisias Ende sein, dann hat dieser Satz wohl eine tiefere Bedeutung, als man im ersten Moment denkt. Warum nun Artemisia alles aus ihrem früheren Leben vergessen haben könnte, werden wir im folgenden Punkt klären: Griever.
Nachdem man die erste Runde gegen Artemisia überstanden hatte, beschwor sie Griever, mit dem sie später auch verschmolz. Im Analyse-Bericht wurde Griever als "eine Art G.F." beschrieben, ob er nun wirklich eine ist, darüber lässt sich streiten. Fakt ist, dass Artemisia die Kreatur kennt, welches von Squall als die stärkste angesehen wird. In CD 2 bekommt Rinoa von Squall seinen Ring geborgt, damit Xell ein Duplikat anfertigen könne, jedoch hat ihn Rinoa nie zurückgegeben, weil Squall wollte, dass sie ihn (länger) behält. Artemisia könnte noch immer im Besitz des Ringes gewesen sein, was ihr ermöglichte Griever zu beschwören. Der "Ring des Salomon", mit dessen Hilfe man Doomtrain herbeirufen kann, beweist, dass es durchaus möglich ist G.F.'s anhand von Gegenständen zu beschwören. Interessant ist auch Grievers Name, der auf deutsch etwa "Trauernder" bedeutet (grieve = engl. "trauern"). Ein weiteres Indiz, dass auf Rinoas/Artemisias Trauer um den verstorbenen Squall hindeutet.

Während dem Gespräch auf der Wiese fielen auch noch andere interessante Worte. Gemeint ist damit der Dialogausschnitt, den man auch ganz zu Beginn des Spiels lesen konnte ("I'll be here. Why? I'll be waiting here..."). Rinoa und Squall haben vereinbart, sich an diesem Ort zu treffen, falls sie sich jemals verlieren würden. Auch Artemisias Schloss stand (bzw. schwebte) an dieser Stelle, was wohl bedeutet, dass sie immer noch auf Squalls Rückkehr wartete.

Nun kommen wir zu dem äußeren Erscheinungsbild der beiden Hexen. Wenn wir die Bilder von Rinoa und Artemisia vergleichen (im Schlussvideo kann man Artemisias Gesicht im Bruchteil einer Sekunde sehr gut erkennen), erkennen wir eine gewisse Ähnlichkeit an den Gesichtszügen. Ein wesentlich wichtigerer Punkt sind aber die Flügeln. Rinoa besitzt weiße Flügel (die sogenannten "Angel Wings", die man in den Videosequenzen und bei der Verwendung der Vari-Technik sieht) und Artemisia schwarze. Adell besaß keine, Edea auch nicht, also wird das wohl etwas Besonderes sein. An der Stelle im Schlussvideo, wo man unter anderem auch die Bilder von Artemisia sieht, kann man eine verschwommene Rinoa mit Flügeln erkennen, die Squall in die Arme springen will. Für einen kurzen Moment hat sie da schwarze Flügel (ohne Slow Motion ist das fast nicht zu erkennen). Anschließend sieht man ihren Raumanzug zerbrechen und ein Bild von Squalls Kopf, wo sich anstelle eines Gesichtes ein schwarzes Loch befindet. Squall beginnt danach zu weinen und kippt um, vermutlich weil er die schmerzhafte Wahrheit gesehen hat.
Am Ende des Introvideos sieht man Rinoa nochmal in diesem Zusammenhang, da sie hier von schwarzen Federn umgeben ist, die zu Boden fallen. Sowohl die schwarzen Federn, als auch die Flügel sind zweifelsfrei das Zeichen für Artemisia. Als Rinoa Squall in die Arme fiel, sah es so aus, als würden die Federn von ihr abfallen. Wieder ein möglicher Hinweis darauf, dass Rinoas innerster Wunsch in Artemisia weiterlebt. Hier trifft Rinoa auf Squall wieder, weshalb sie ihre Artemisia-Hülle abwirft. Parallelen lassen sich wieder in Bezug auf Artemisias Worte während des Endkampfes finden. Im Hintergrund erkennt man den Himmel, obwohl man während der Befreiung in CD 3 den Hexen-Sarg und sämtliche Maschinen zu sehen waren. Vielleicht stellten der Himmel und die Wolken das zeitkomprimierte Sein da und somit den "Ort", wo Rinoa wieder mit Squall zusammen sein konnte. Hier kann man viele Interpretationen reinbringen und diese Szene mit beliebigen Aspekten verknüpfen, deshalb wollen wir nicht noch weiter darauf eingehen.

Als letztes werfen wir noch einen Blick in das Lexikon, um herauszufinden, welche Bedeutung Artemisia in der griechischen Mythologie hat. Dort war sie nämlich die Gemahlin ihres geliebten Bruders Mausolus, der jedoch vor der Fertigstellung seines Grabmals starb. Der Tod ihres Mannes traf Artemisia schwer. Sie ließ das "Mausoleum" (beachtet, dass es in FFVIII ein Hexen-Mausoleum gibt) fertigstellen und trank die Asche seines verbrannten Leichnams. Mit etwas Fantasie könnte man hier wieder viele Parallelen ziehen. Womöglich ist der Geliebte (Squall) der FFVIII-Artemisia also auch gestorben. Sie wollte die Zeit vielleicht also nur aus einem Grund komprimieren: Um für immer mit Squall vereint zu sein. Squall könnte an Altersschwäche gestorben sein, während Rinoa, ewig jung, nichts tun konnte, außer zusehen. Sie wollte aus ihrer Machtlosigkeit erwachen und handeln (die Rinoa aus AT hasst es auch, wenn Squall kämpft und sie kann nicht eingreifen, um ihm zu helfen). Squall könnte aber auch in der Zeitspalte gestorben sein. Warum lebt er dann zum Schluss noch? Dazu werden wir im vorletzten Abschnitt nochmal zurückgreifen.

Was spricht gegen die Theorie?
Man fragt sich immer wieder, warum kämpft Artemisia gegen Squall und den anderen, wenn es doch auch ihre Freunde sein könnten? Warum sollte Artemisia gegen Rinoa kämpfen, wo sie doch wissen sollte, dass dies ein Paradoxon auslösen könnte, wenn sie ihre frühere Gestalt vernichtet? Und vor allem: Warum macht sie das? Die letzte Frage wurde bereits im vorherigen Abschnitt beantwortet. Zu den anderen Fragen gibt es aber auch eine einfache und logische Antwort: Artemisia hat einfach alles vergessen. Ihre wahren Motive könnten die Wiedervereinigung mit Squall gewesen sein. Als sie jedoch die Macht, die sie für die Zeitkomprimierung benötigt, bekam, stieg gleichzeitig auch ihr Verlangen nach noch mehr Macht. Sie verlor die wahren Gründe aus den Augen und blickte nur mehr auf das Ziel, für welches sie über Leichen ging. Dieses Verhalten ist für Menschen natürlich; Macht ist etwas gefährliches, wenn man damit nicht umgehen kann. Ein gutes Beispiel dafür ist auch Adell, welche mehr Ähnlichkeit mit einem Monster als einem Menschen hat. Auch sie hat ihre menschliche äußere und innere Schönheit verloren, als sie dem Machtrausch ausgeliefert war.
Ein anderer Grund, warum sich Artemisia nicht mehr erinnern konnte, ist vermutlich der Einsatz von G.F.'s. Artemisia beschwor während dem Endkampf Griever, worauf sich schließen lässt, dass sie ihn in Form einer G.F. gekoppelt hatte, welche bekanntlicherweise an den Erinnerungen nagen. G.F.'s sind in FFVIII das Symbol für Macht und wie bereits erwähnt führt Macht dazu, dass man seine eigenen Idealen, Gedanken und in diesem Fall Erinnerungen verrät, was auch bei Artemisia der Fall war. Doch anscheinend konnte sie sich kurz vor ihrem Tod noch an ihr früheres Ich erinnern, was dann wohl ihre berühmten Worte erklären würde. In CD 2 kehrten auch die verlorenen Erinnerungen der Helden wieder, als diese gemeinsam über ihre Kindheit nachdachten.
Das Alter von Artemisia ist ein weiterer Punkt, worüber man streiten könnte. Artemisia kommt ganz offensichtlich aus einer etwas ferneren Zukunft, wie könnte Rinoa zu dieser Zeit also noch leben? Das könnte man aber wiederum darauf zurückführen, dass sie eine Hexe ist und deshalb nicht altert. Es wird nie erklärt, ob Hexen ewig leben, aber anhand von Edeas Aussehen (man vergleiche die Edea aus den Erinnerungen von Squall und die aus dem Schlussvideo) lässt sich vermuten, dass sie zumindest ewige Jugend besitzen. Eine Hexe vererbt ihre Kräfte, wenn sie stirbt. Hexen sterben, wenn sie von jemanden schwer verwundet oder getötet werden, aber ob sie auch an Altersschwäche sterben können, ist ungewiss.

Was hat der Abspann zu bedeuten?
Unsere Interpretation des Schlussvideos spielt in "Aomes Trianirea" eine wichtige Rolle und werden wir hier besser nicht erläutern. Vor allem klären wir die Frage: In der letzten Szene des Spiels lebt Squall, wie kann es dann eine andere Erklärung als den Tod an Altersschwäche geben? Dazu sag ich nur: Lest das FanFic, in Episode 3 wird es irgendwann erklärt werden.

Schlusswort
Sakaguchi und seine Mitarbeiter sind geniale Entwickler, die wissen, wie man eine gute Handlung in ein Computerspiel packt. Deshalb bezweifeln wir auch, dass das alles nur ein dummer Zufall ist. Es spricht einfach zu viel dafür. Bisher konnte man alle Tatsachen in FFVIII in einen logischen Zusammenhang bringen, sodass diese Theorie noch nie wirklich bestritten werden konnte. Und je aufmerksamer man die Dialoge der Charaktere mitverfolgt, desto mehr versteckte Anspielungen wird man entdecken. Es stimmt schon, dass es trotz all den dafürsprechenden Argumenten nie einen absoluten Beweis geben wird, aber wir denken, dass genau das die Absicht von Square war. Das Spiel endet nicht nach dem "The End"-Screen, es geht weiter. In Foren, Chats, Webseiten, in unseren Gedankengängen und in FanFics... Wir hoffen, dass wir "Einsteigern" die Thematik durch dieses Essay klar und verständlich näher gebracht und dass wir für Spieler, die sich damit schon außeinandergesetzt haben, eine gute Zusammenfassung bereitgestellt haben.